Brintellix Filmtabl 10 Mg 98 Stk

Fachinformationen

Zusammensetzung

Wirkstoff: Vortioxetin (als Hydrobromid in den Filmtabletten und als DL-Laktat in den Tropfen zum Einnehmen, Lösung).

Hilfsstoffe:

Filmtabletten:

Tablettenkern: Mannitol (E421), mikrokristalline Cellulose, Hydroxypropylcellulose, Natriumstärkeglykolat (Typ A), Magnesiumstearat.

Tablettenüberzug: Hypromellose, Macrogol 400, Color: Titandioxid (E171); rotes Eisenoxid (E172) (in den 5 mg, 15 mg und 20 mg Tabletten), gelbes Eisenoxid (E172) (in den 10 mg und 15 mg Tabletten).

Tropfen zum Einnehmen, Lösung:

Hydroxypropyl‑Betadex, Ethanol (96%), gereinigtes Wasser.

Die Tropfen enthalten 10.1% Vol. Alkohol.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Filmtablette:

Filmtablette zu 5 mg Vortioxetin (als Hydrobromid).

Filmtablette zu 10 mg Vortioxetin (als Hydrobromid).

Filmtablette zu 15 mg Vortioxetin (als Hydrobromid).

Filmtablette zu 20 mg Vortioxetin (als Hydrobromid).

Aussehen der Filmtabletten:

5 mg: Pinkfarbene, mandelförmige Filmtabletten mit den Massen 5× 8.4 mm und der Prägung «TL» auf der einen und «5» auf der anderen Seite.

10 mg: Gelbe, mandelförmige Filmtabletten mit den Massen 5× 8.4 mm und der Prägung «TL» auf der einen und «10» auf der anderen Seite.

15 mg: Orangefarbene, mandelförmige Filmtabletten mit den Massen 5× 8.4 mm und der Prägung «TL» auf der einen und «15» auf der anderen Seite.

20 mg: Rote, mandelförmige Filmtabletten mit den Massen 5× 8.4 mm und der Prägung «TL» auf der einen und «20» auf der anderen Seite.

Tropfen zum Einnehmen, Lösung (20 mg/ml):

1 ml Lösung enthält 20 mg Vortioxetin (als DL-Laktat) und entspricht 20 Tropfen.

Jeder Tropfen enthält 1 mg Vortioxetin.

Aussehen der Tropfen zum Einnehmen:

Klare, fast farblose bis leicht gelbliche Lösung.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Brintellix ist indiziert zur Behandlung von depressiven Episoden bei Erwachsenen («Major Depressive Episodes») sowie zur anschliessenden Erhaltungstherapie bei den Patienten, deren depressive Symptomatik in der Akutbehandlung gut auf Brintellix angesprochen hat.

Dosierung/Anwendung

Dosierung

Die Anfangsdosis und empfohlene Dosierung von Brintellix Filmtabletten und Tropfen ist bei Erwachsenen unter 65 Jahren einmal täglich 10 mg, unabhängig von Mahlzeiten.

In Abhängigkeit des individuellen Ansprechens des Patienten kann die Dosis auf maximal 20 mg Vortioxetin einmal täglich erhöht oder auf ein Minimum von 5 mg Vortioxetin einmal täglich gesenkt werden.

Nachdem sich die depressiven Symptome zurückgebildet haben, wird zur Konsolidierung der antidepressiven Wirkung eine Behandlung über mindestens 6 Monate empfohlen.

Tropfen zum Einnehmen:

5 mg entsprechen 5 Tropfen

10 mg entsprechen 10 Tropfen

15 mg entsprechen 15 Tropfen

20 mg entsprechen 20 Tropfen

Absetzen der Behandlung

Die Einnahme von Brintellix kann abrupt beendet werden. Es ist nicht erforderlich, die Dosis schrittweise zu reduzieren (siehe «Eigenschaften/Wirkungen»).

Spezielle Patientengruppen

Ältere Patienten

Als Anfangsdosierung bei Patienten ≥65 Jahren sollte die tiefste wirksame Dosierung von 5 mg einmal täglich gewählt werden. Vorsicht ist geboten bei Dosierungen höher als 10 mg Vortioxetin täglich bei Patienten ≥65 Jahren, da nur begrenzt Daten vorliegen (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen» sowie «Pharmakokinetik»).

Cytochrom P450-Hemmer

Je nach individuellem Ansprechen des Patienten kann eine niedrigere Dosis Vortioxetin in Betracht gezogen werden, falls zur Behandlung mit Brintellix ein starker CYP2D6-Hemmer (z.B. Bupropion, Chinidin, Fluoxetin, Paroxetin) dazu gegeben wird (siehe «Interaktionen»).

Cytochrom P450-Induktoren

Je nach individuellem Ansprechen des Patienten kann eine Dosisanpassung von Vortioxetin in Betracht gezogen werden, falls zur Behandlung mit Brintellix ein breiter Cytochrom P450-Induktor (z.B. Rifampicin, Carbamazepin, Phenytoin) dazu gegeben wird (siehe «Interaktionen»).

Kinder und Jugendliche

Die Sicherheit und Wirksamkeit von Brintellix bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren wurde nicht belegt. Es liegen keine Daten vor (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Art der Anwendung

Brintellix ist zum Einnehmen bestimmt.

Die Filmtabletten und Tropfen zum Einnehmen können mit oder ohne Nahrung eingenommen werden.

Die Tropfen können mit Wasser, Saft oder anderen nicht-alkoholischen Getränken gemischt werden.

Kontraindikationen

Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder einem der Hilfsstoffe gemäss «Zusammensetzung».

Gleichzeitige Anwendung mit nicht-selektiven Monoaminoxidase‑Hemmern (MAO-Hemmern) oder selektiven MAO-A Hemmern (siehe «Interaktionen»).

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Anwendung bei Kindern und Jugendlichen

Brintellix ist nicht empfohlen zur Behandlung einer Depression bei Patienten unter 18 Jahren, da die Sicherheit und Wirksamkeit von Vortioxetin in dieser Altersgruppe nicht belegt wurde (siehe «Dosierung/Anwendung»). Suizidales Verhalten (Suizidversuche und -gedanken) sowie feindseliges Verhalten (vor allem aggressives und oppositionelles Verhalten sowie Wutanfälle) sind in klinischen Studien mit anderen Antidepressiva bei Kindern und Jugendlichen häufiger beobachtet worden als unter Placebo.

Suizid/Suizidgedanken oder klinische Verschlechterung

Depressive Erkrankungen sind mit einem erhöhten Risiko für die Auslösung von Suizidgedanken, selbstschädigendem Verhalten und Suizid (suizidbezogene Ereignisse) verbunden. Dieses erhöhte Risiko besteht, bis es zu einem signifikanten Abklingen der Symptome kommt. Da eine Besserung nicht unbedingt schon während der ersten oder weiteren Behandlungswochen auftritt, sollten die Patienten daher bis zum Eintritt einer Besserung engmaschig überwacht werden. Die bisherige klinische Erfahrung zeigt, dass das Suizidrisiko in den frühen Phasen der Besserung ansteigen kann. Es wurde eine tendenzielle Abnahme des Risikos beim Einsatz von Antidepressiva bei Patienten ab 65 Jahren festgestellt.

Bei Patienten mit suizidalem Verhalten in der Anamnese oder solchen, die vor der Therapie ausgeprägte Suizidabsichten hatten, ist das Risiko für die Auslösung von Suizidgedanken oder -versuchen bekanntlich erhöht. Sie sollten daher während der Behandlung besonders sorgfältig überwacht werden. Eine Meta-Analyse von Placebo-kontrollierten klinischen Studien zur Anwendung von Antidepressiva bei Erwachsenen mit psychiatrischen Störungen zeigte für Patienten unter 25 Jahren, die Antidepressiva einnahmen, ein erhöhtes Risiko für suizidales Verhalten im Vergleich zu Placebo.

Die Arzneimitteltherapie sollte mit einer engmaschigen Überwachung der Patienten, vor allem der Patienten mit Suizidrisiko, einhergehen, insbesondere zu Beginn der Behandlung und nach Dosisanpassungen. Patienten (und deren Betreuer) sind auf die Notwendigkeit einer Überwachung hinsichtlich jeder klinischen Verschlechterung, des Auftretens von suizidalem Verhalten oder Suizidgedanken und ungewöhnlicher Verhaltensänderungen hinzuweisen. Sie sollten unverzüglich medizinischen Rat einholen, wenn derartige Symptome auftreten.

Krampfanfälle

Krampfanfälle sind ein potenzielles Risiko von Antidepressiva. Daher soll bei Patienten mit Krampfanfällen in der Vorgeschichte oder mit instabiler Epilepsie eine Behandlung mit Brintellix mit Vorsicht begonnen werden (siehe «Interaktionen»). Treten bei einem Patienten Krampfanfälle erstmals auf oder nimmt die Häufigkeit von Krampfanfällen zu, sollte die Behandlung abgebrochen werden.

Serotoninsyndrom oder Malignes Neuroleptisches Syndrom

Unter Brintellix kann es zu einem Serotoninsyndrom (SS) oder einem Malignen Neuroleptischen Syndrom (MNS) kommen, potenziell lebensbedrohlichen Störungen. Das SS oder MNS Risiko ist erhöht, wenn gleichzeitig andere serotonerge Substanzen (inklusive Triptane), Substanzen, die den Metabolismus von Serotonin beeinträchtigen (inklusive MAO-Hemmer), Antipsychotika und andere Dopamin Antagonisten angewendet werden. Es soll kontrolliert werden, ob Patienten Anzeichen oder Symptome eines SS oder eines MNS entwickeln (siehe «Kontraindikationen» und «Interaktionen»).

Symptome eines Serotoninsyndroms sind Veränderungen des geistigen Zustands (z.B. Agitiertheit, Halluzinationen, Koma), vegetative Instabilität (z.B. Tachykardie, labiler Blutdruck, Hyperthermie), neuromuskuläre Störungen (z.B. Hyperreflexie, Koordinationsstörungen) und/oder gastrointestinale Symptome (z.B. Übelkeit, Erbrechen, Durchfall). Bei Auftreten dieser Symptome sollte die Behandlung mit Brintellix unverzüglich beendet und eine symptomatische Behandlung eingeleitet werden.

Manie/Hypomanie

Brintellix soll bei Patienten mit einer Vorgeschichte von Manie/Hypomanie mit Vorsicht eingesetzt und bei Patienten, die in eine manische Phase kommen, abgesetzt werden.

Hämorrhagie

Unter Behandlung mit Antidepressiva mit serotonerger Wirkung (SSRIs, SNRIs) wurden in seltenen Fällen Blutungsanomalien wie Ekchymosen, Purpura und weitere hämorrhagische Ereignisse wie gastrointestinale oder gynäkologische Blutungen gemeldet. Vorsicht ist geboten bei Patienten, die mit Antikoagulantien und/oder Arzneimitteln mit bekannter Wirkung auf die Thrombozytenfunktion behandelt werden (z.B. atypische Antipsychotika und Phenothiazine, die meisten trizyklischen Antidepressiva (TCAs), nicht-steroidale anti-inflammatorische Substanzen (NSAIDs) oder Acetylsalicylsäure (ASS)) (siehe «Interaktionen»), sowie bei Patienten mit bekannter Neigung zu Blutungen oder Blutungsstörungen.

Hyponatriämie

Unter der Anwendung von Antidepressiva mit serotonerger Wirkung (SSRIs, SNRIs) wurde in seltenen Fällen über Hyponatriämie berichtet, die wahrscheinlich auf einer inadäquaten Sekretion des antidiuretischen Hormons (SIADH) beruht. Vorsicht ist angebracht bei Patienten mit erhöhtem Risiko, wie älteren Patienten, Patienten mit Leberzirrhose oder Patienten, die gleichzeitig Hyponatriämie auslösende Arzneimittel einnehmen.

Bei Patienten mit symptomatischer Hyponatriämie sollte ein Absetzen von Brintellix in Erwägung gezogen sowie eine adäquate medizinische Versorgung sichergestellt werden.

Ältere Patienten

Die Daten zum Gebrauch von Brintellix bei älteren Patienten mit Major Depressive Episodes sind limitiert. Darum ist Vorsicht geboten bei Patienten ≥65 Jahren mit Dosierungen höher als 10 mg Vortioxetin einmal täglich (siehe «Dosierung/Anwendung» sowie «Pharmakokinetik»).

Patienten mit Nierenerkrankungen

Bei Patienten mit schwerer Nierenfunktionsstörung sind die Daten limitiert und Vorsicht ist geboten (siehe «Pharmakokinetik»).

Patienten mit Lebererkrankungen

Vortioxetin wurde bei Patienten mit schwerer Leberfunktionsstörung nicht untersucht und Vorsicht ist geboten bei der Behandlung dieser Patienten (siehe «Pharmakokinetik»).

Interaktionen

Vortioxetin wird in der Leber extensiv metabolisiert, vorwiegend mittels Oxidation und anschliessender Glucuronsäure-Konjugation. In vitro sind die Cytochrom-P450‑Isoenzyme CYP2D6, CYP3A4/5, CYP2C19, CYP2C9, CYP2A6, CYP2C8 und CYP2B6 am Metabolismus von Vortioxetin beteiligt (siehe «Pharmakokinetik»).

Potenzieller Einfluss anderer Arzneimittel auf Vortioxetin

Irreversible, nicht-selektive MAO-Hemmer

Wegen des Risikos eines Serotoninsyndroms ist jegliche Kombination von Vortioxetin mit irreversiblen, nicht‑selektiven MAO-Hemmern kontraindiziert. Vortioxetin darf frühestens 14 Tage nach Abschluss einer Behandlung mit einem irreversiblen, nicht‑selektiven MAO-Hemmer gestartet werden. Umgekehrt muss Vortioxetin mindestens 14 Tage vor Beginn einer Behandlung mit einem irreversiblen, nicht-selektiven MAO-Hemmer abgesetzt werden (siehe «Kontraindikationen»).

Reversible, selektive MAO-A-Hemmer (Moclobemid)

Die Kombination von Vortioxetin mit einem reversiblen und selektiven MAO-A-Hemmer wie Moclobemid ist kontraindiziert (siehe «Kontraindikationen»). Sollte eine gleichzeitige Anwendung notwendig sein, muss das neu hinzugefügte Medikament minimal dosiert und der Patient engmaschig auf ein Serotoninsyndrom klinisch überwacht werden (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Reversible, nicht-selektive MAO-Hemmer (Linezolid)

Die Kombination von Vortioxetin mit einem schwachen reversiblen und nicht-selektiven MAO-Hemmer, wie dem Antibiotikum Linezolid, ist kontraindiziert (siehe «Kontraindikationen»).

Sollte eine gleichzeitige Anwendung notwendig sein, muss das neu hinzugefügte Medikament minimal dosiert und der Patient engmaschig auf ein Serotoninsyndrom überwacht werden (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Irreversible, selektive MAO-B-Hemmer (Selegilin, Rasagilin)

Auch wenn für selektive MAO-B-Hemmer ein kleineres Risiko für ein Serotoninsyndrom erwartet wird als für MAO-A-Hemmer, ist Vorsicht geboten bei einer Kombination von Vortioxetin mit einem irreversiblen MAO-B-Hemmer wie Selegilin oder Rasagilin. Bei gleichzeitiger Anwendung muss der Patient engmaschig auf ein Serotoninsyndrom überwacht werden (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Serotonerge Arzneimittel

Die gleichzeitige Anwendung von Arzneimitteln mit serotonergem Effekt (z.B. Tramadol, Sumatriptan und andere Triptane) kann zu einem Serotoninsyndrom führen (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Johanniskraut

Die gleichzeitige Anwendung von Antidepressiva mit serotonerger Wirkung und pflanzlichen Arzneimitteln, die Johanniskraut (Hypericum perforatum) enthalten, kann zu einer erhöhten Inzidenz von Nebenwirkungen, einschliesslich eines Serotoninsyndroms, führen (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Arzneimittel, welche die Schwelle für Krampfanfälle senken

Antidepressiva mit serotonerger Wirkung können die Krampfschwelle senken. Vorsicht ist geboten bei gleichzeitiger Anwendung mit anderen Arzneimitteln, die die Krampfschwelle senken können (z.B. Antidepressiva (Trizyklika, SSRIs, SNRIs), Neuroleptika (Phenothiazine, Thioxanthene, Butyrophenone), Mefloquin, Bupropion, Tramadol) (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Elektrokrampftherapie (EKT)

Es liegen keine klinischen Erfahrungen zur gleichzeitigen Anwendung von Vortioxetin und EKT vor. Daher ist Vorsicht geboten.

Cytochrom-P450-Hemmer

Die Vortioxetin-Exposition gemessen als area under the curve (AUC) bei gesunden Probanden war um den Faktor 2.3 erhöht, wenn Vortioxetin 10 mg/Tag zusammen mit Bupropion 150 mg zweimal täglich (einem starken CYP2D6-Hemmer) über 14 Tage verabreicht wurde. Die kombinierte Verabreichung bewirkte ein häufigeres Auftreten von unerwünschten Reaktionen, wenn Bupropion zu Vortioxetin hinzugefügt wurde, als wenn Vortioxetin zu Bupropion hinzugefügt wurde. Je nach individuellem Ansprechen des Patienten kann eine Dosisreduktion von Vortioxetin in Betracht gezogen werden, wenn der Vortioxetin‑Behandlung starke CYP2D6‑Hemmer (z.B. Bupropion, Chinidin, Fluoxetin, Paroxetin) hinzugefügt werden (siehe «Dosierung/Anwendung»).

Bei gesunden Probanden, die nach einer 6-tägigen Behandlung mit Ketoconazol 400 mg/Tag (ein CYP3A4/5- und p-Glykoprotein-Hemmer) oder nach einer 6-tägigen Behandlung mit Fluconazol 200 mg/Tag (ein CYP2C9-, CYP2C19- und CYP3A4/5-Hemmer) zusätzlich Vortioxetin erhielten, wurde ein Anstieg der Vortioxetin-AUC um den Faktor 1.3 respektive 1.5 beobachtet. Es ist keine Dosisanpassung erforderlich.

Eine Einzeldosis von 40 mg Omeprazol (ein CYP2C19-Hemmer) führte zu keinem hemmenden Effekt auf die Pharmakokinetik mit Mehrfachdosierungen von Vortioxetin bei gesunden Versuchspersonen.

Die gleichzeitige Anwendung von starken CYP3A4 Hemmern (wie Itraconazol, Voriconazol, Clarithromycin, Telitromycin, Nefazodon, Conivaptan und zahlreicher HIV-Protease-Inhibitoren) und CYP2C9-Hemmern (wie Fluconazol und Amiodaron) bei langsamen Metabolisierern von CYP2D6 wurde nicht speziell untersucht, doch würde man bei diesen Patienten eine erhöhte Vortioxetin Exposition erwarten (siehe «Pharmakokinetik»).

Cytochrom-P450-Induktoren

Nach gleichzeitiger Verabreichung einer Einzeldosis Vortioxetin 20 mg im Anschluss an eine 10-tägige Administration mit Rifampicin 600 mg/Tag (einem breiten Induktor von CYP-Isoenzymen) bei gesunden Probanden, wurde eine Abnahme der AUC von Vortioxetin um 72% beobachtet. Je nach individuellem Ansprechen des Patienten kann eine Dosisanpassung in Betracht gezogen werden, wenn ein breiter Cytochrom-P450-Induktor (z.B. Rifampicin, Carbamazepin, Phenytoin) zur Vortioxetin Behandlung dazu gegeben wird (siehe «Dosierung/Anwendung»).

Alkohol

Nach Einzeldosen von Vortioxetin 20 mg und 40 mg zusammen mit einer Einzeldosis Ethanol (0.6 g/kg) bei gesunden Probanden wurde kein Effekt auf die Pharmakokinetik von Vortioxetin oder Ethanol und gegenüber Placebo keine signifikante Beeinträchtigung der kognitiven Funktionen beobachtet.

Acetylsalicylsäure

Multiple Dosen von Acetylsalicylsäure 150 mg/Tag hatten keinen Effekt auf die Pharmakokinetik mit Mehrfachdosierungen von Vortioxetin in gesunden Versuchspersonen.

Potenzielle Effekte von Vortioxetin auf andere Substanzen

Antikoagulantien und Thrombozytenfunktionshemmende Arzneimittel

Nach gleichzeitiger Gabe von multiplen Dosen von Vortioxetin und stabilen Dosen von Warfarin, wurden in gesunden Versuchspersonen im Vergleich zu Placebo keine signifikanten Effekte auf die Gerinnungszeit (INR) und die Prothrombin oder Plasma R-/S-Warfarin Werte beobachtet.

Bei gleichzeitiger Gabe von Acetylsalicylsäure 150 mg/Tag im Anschluss an multiple Dosen von Vortioxetin an gesunde Versuchspersonen, wurde kein signifikanter hemmender Effekt im Vergleich zu Placebo auf die Thrombozytenaggregation oder die Pharmakokinetik von Acetylsalicylsäure oder von Salicylsäure beobachtet. Trotzdem ist wie bei anderen serotonergen Arzneimitteln aufgrund des potenziell erhöhten Blutungsrisikos durch eine pharmakodynamische Interaktion Vorsicht geboten, wenn Vortioxetin mit oralen Antikoagulantien oder Thrombozytenfunktionshemmern kombiniert wird (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Potenzielle pharmakokinetische Interaktionen

Cytochrom-P450-Substrate

Vortioxetin zeigte in vitro kein relevantes Potenzial für eine Hemmung oder Induktion von Cytochrom-P450-Isoenzymen (siehe «Pharmakokinetik»).

Nach multiplen Dosen von Vortioxetin bei gesunden Probanden wurde kein hemmender Effekt auf die Cytochrom-P450-Isoenzyme CYP2C19 (Omeprazol, Diazepam), CYP3A4/5 (Ethinylestradiol, Midazolam), CYP2B6 (Bupropion), CYP2C9 (Tolbutamid, S-Warfarin), CYP1A2 (Koffein) oder CYP2D6 (Dextrometorphan) beobachtet.

Pharmakodynamischen Interaktionen wurden keine beobachtet. Keine signifikante Beeinträchtigung der kognitiven Funktionen wurde beobachtet unter Vortioxetin im Vergleich zu Placebo nach gleichzeitiger Verabreichung mit einer einzelnen Dosis von Diazepam 10 mg.

Verglichen mit Placebo wurden keine signifikanten Effekte auf die Konzentrationen der Geschlechtshormone beobachtet nach gleichzeitiger Verabreichung von Vortioxetin mit einem kombinierten oralen Kontrazeptivum (Ethinylestradiol 30 µg/Levonorgestrel 150 µg).

Lithium, Tryptophan

Bei gleichzeitiger Gabe von multiplen Dosen von Vortioxetin an gesunde Probanden in einer Steady‑State Lithium‑Exposition wurden keine klinisch relevanten Effekte beobachtet. Allerdings gibt es Berichte über eine Wirkungsverstärkung bei gleichzeitiger Anwendung von serotonerg wirkenden Antidepressiva mit Lithium oder Tryptophan, so dass Vorsicht geboten ist bei kombinierter Anwendung von Vortioxetin mit diesen Arzneimitteln.

Schwangerschaft/Stillzeit

Schwangerschaft

Zum Gebrauch von Vortioxetin bei Schwangeren liegen nur beschränkt Daten vor. Vortioxetin sollte während der Schwangerschaft nicht angewendet werden, es sei denn, es ist klar notwendig.

Wenn die Mutter serotonerge Arzneimittel in den späteren Stadien der Schwangerschaft einnimmt, können beim Neugeborenen folgende Symptome auftreten: Atemnot, Zyanose, Apnoe, Krampfanfälle, Schwankungen der Körpertemperatur, Essstörungen, Erbrechen, Hypoglykämie, abnormaler Muskeltonus, Hyperreflexie, Tremor, Überspanntheit, Reizbarkeit, Lethargie, anhaltendes Weinen, Somnolenz und Schlafstörungen. Diese Symptome können Absetzsymptome oder Anzeichen übermässiger serotonerger Aktivität sein. Die Komplikationen treten in den meisten Fällen sofort oder bald (<24 Stunden) nach der Geburt auf.

Epidemiologische Daten deuten darauf hin, dass die Anwendung von SSRIs in der Schwangerschaft, insbesondere im späten Stadium einer Schwangerschaft, das Risiko einer persistierenden pulmonalen Hypertonie (PPHN) beim Neugeborenen erhöhen kann.

Obwohl keine Studien den Zusammenhang von PPHN mit einer Vortioxetin Behandlung untersuchten, kann dieses potenzielle Risiko aufgrund des verwandten Wirkungsmechanismus (Erhöhung der Serotonin Konzentrationen) nicht ausgeschlossen werden.

Tierexperimentelle Studien haben eine Reproduktionstoxizität gezeigt (siehe «Präklinische Daten»).

Stillzeit

Die Daten aus Tierstudien zeigen, dass Vortioxetin/Vortioxetin-Metaboliten in die Muttermilch ausgeschieden werden. Es wird angenommen, dass Vortioxetin beim Menschen in die Muttermilch ausgeschieden wird.

Ein Risiko für den Säugling kann nicht ausgeschlossen werden.

Es muss entschieden werden, ob entweder abgestillt oder die Behandlung mit Vortioxetin abgebrochen/nicht initiiert wird unter Berücksichtigung des Nutzens des Stillens für den Säugling und des Nutzens einer Vortioxetin Behandlung für die Mutter.

Fertilität

In Fertilitätsstudien an männlichen und weiblichen Ratten zeigte Vortioxetin keine Auswirkungen auf Fertilität, Spermienqualität oder Paarungsverhalten (siehe «Präklinische Daten»). Fallberichte beim Menschen mit Arzneimitteln der verwandten pharmakologischen Antidepressiva-Klasse (SSRI), zeigten eine reversible Wirkung auf die Spermaqualität. Eine Auswirkung auf die Fertilität beim Menschen wurde bislang nicht beobachtet.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

In einer neuropsychologischen Testbatterie wurde im Vergleich zu Placebo keine signifikante Beeinträchtigung der Verkehrstüchtigkeit, der kognitiven Funktion oder anderer psychomotorischer Fähigkeiten beobachtet bei einmaliger und wiederholter Gabe von Vortioxetin 10 mg/Tag an gesunde Probanden. Allerdings ist Vorsicht geboten beim Führen von Fahrzeugen oder Bedienen von gefährlichen Maschinen, besonders am Anfang der Behandlung oder bei einer Änderung der Dosierung.

Unerwünschte Wirkungen

Zusammenfassung des Sicherheitsprofils

Die häufigste unerwünschte Wirkung war Nausea. Die unerwünschten Wirkungen waren in der Regel leicht oder mittelschwer ausgeprägt und traten während der ersten beiden Behandlungswochen auf. Die Reaktionen waren meist vorübergehend und führten im Allgemeinen nicht zu einem Behandlungsabbruch. Gastrointestinale Reaktionen, wie Nausea, traten bei Frauen häufiger auf als bei Männern.

Beschreibung ausgewählter unerwünschter Wirkungen

Ältere Patienten

Für Dosen ≥10 mg Vortioxetin einmal täglich war die Studien-Abbruchrate bei Patienten ≥65 Jahren erhöht.

Für Dosen von 20 mg Vortioxetin einmal täglich waren die Inzidenzen für Nausea und Obstipation höher bei Patienten ≥65 Jahren (42% bzw. 15%) als bei Patienten <65 Jahren (27% bzw. 4%) (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Sexuelle Dysfunktion

In klinischen Studien wurde die sexuelle Dysfunktion anhand der Arizona Sexual Experience Scale (ASEX) bewertet. Dosen von 5 bis 15 mg zeigten keinen Unterschied gegenüber Placebo. Die 20 mg Dosis Vortioxetin hingegen war mit einem Anstieg der therapiebedingten sexuellen Dysfunktion (TESD) assoziiert (siehe «Eigenschaften/Wirkungen»).

Klasseneffekt

Epidemiologische Studien, hauptsächlich durchgeführt an Patienten ab einem Alter von 50 Jahren, zeigen ein erhöhtes Risiko für Knochenfrakturen bei Patienten, die ein Arzneimittel aus verwandten pharmakologischen Klassen von Antidepressiva (SSRIs oder TCAs) erhielten. Der Mechanismus hinter diesem Risiko ist unbekannt und es ist nicht bekannt, ob dieses Risiko auch für Vortioxetin relevant ist.

Zusammenstellung der unerwünschten Wirkungen

Die unerwünschten Wirkungen sind nachfolgend nach Organklasse und Häufigkeit geordnet dargestellt: sehr häufig (≥1/10); häufig (≥1/100, <1/10); gelegentlich (≥1/1'000, <1/100); selten (≥1/10'000, <1/1'000); sehr selten (<1/10'000); nicht bekannt (Häufigkeit aufgrund der verfügbaren Daten nicht abschätzbar).

Psychiatrische Erkrankungen:

Häufig: abnormale Träume

Erkrankungen des Nervensystems:

Häufig: Schwindel

Häufigkeit nicht bekannt: Serotoninsyndrom

Gefässerkrankungen:

Gelegentlich: Wallungen

Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts:

Sehr häufig: Nausea (23%)

Häufig: Durchfall, Obstipation, Erbrechen

Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes:

Häufig: Pruritus, inkl. generalisierter Pruritus

Gelegentlich: nächtliche Schweissausbrüche

Überdosierung

Die Erfahrungen mit Vortioxetin Überdosierungen sind begrenzt.

Einnahme von Vortioxetin im Dosierungsbereich von 40 bis 75 mg verstärkte folgende unerwünschte Reaktionen: Nausea, positionsabhängiger Schwindel, Durchfall, abdominale Beschwerden, generalisierter Pruritus, Somnolenz und Wallungen.

Die Massnahmen bei einer Überdosierung sollten die Behandlung der klinischen Symptome sowie eine geeignete Überwachung umfassen. Es wird eine ärztliche Nachbehandlung in einer Spezialeinrichtung empfohlen.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: N06AX26

Pharmakotherapeutische Gruppe: Andere Antidepressiva

Wirkungsmechanismus

Der Wirkungsmechanismus von Vortioxetin wird auf seine direkte Modulation der serotonergen Rezeptoraktivität und die Hemmung des Serotonin (5‑HT) Transporters zurückgeführt. Nicht‑klinische Studien zeigen, dass Vortioxetin als Antagonist am 5‑HT3‑, 5‑HT7‑ und 5‑HT1D‑Rezeptor, als partieller Agonist am 5‑HT1B‑Rezeptor, als Agonist am 5‑HT1A‑Rezeptor und als Hemmer am 5‑HT‑Transporter wirkt, was zu einer Modulation der Neurotransmission in mehreren Systemen führt, einschliesslich der Serotonin‑, Norepinephrin‑, Dopamin‑, Histamin‑, Acetylcholin‑, GABA und Glutamat Systeme. Es wird angenommen, dass diese multimodale Aktivität für die antidepressiven und anxiolytischen Effekte, sowie für die Verbesserung der kognitiven Funktion, des Lernens und des Gedächtnisses verantwortlich ist, wie sie unter Vortioxetin in Tierstudien beobachtet wurden. Allerdings bleibt es offen, wie genau die einzelnen Angriffspunkte zum beobachteten pharmakodynamischen Profil beitragen, und Vorsicht ist geboten bei der Extrapolation von Daten aus Tierstudien direkt auf den Menschen.

Beim Menschen wurden zwei Positronen‑Emissions‑Tomographie (PET) Studien durchgeführt, um mittels 5‑HT‑Transporter Liganden (11C‑MADAM oder 11C‑DASB) die Okkupanz des 5‑HT‑Transporters im Gehirn bei verschiedenen Dosierungen zu quantifizieren. Die durchschnittliche Okkupanz des 5‑HT‑Transporters betrug circa 50% bei 5 mg/Tag, 65% bei 10 mg/Tag und stieg auf über 80% bei 20 mg/Tag in den interessierenden Gehirnregionen. Vortioxetin zeigte schon bei einer Okkupanz von 50% des 5‑HT‑Transporters klinisch antidepressive Wirkungen.

Klinische Wirksamkeit und Sicherheit

Die Wirksamkeit und Sicherheit von Vortioxetin wurden in einem klinischen Programm mit über 10'900 Patienten, von denen über 6'700 mit Vortioxetin behandelt wurden, bei Depressionen («Major Depressive Disorder» (MDD)) untersucht. Vierzehn doppel‑blinde, Placebo‑kontrollierte, 6‑ oder 8‑Wochen Studien mit fixer Dosierung bei MDD untersuchten die Kurzzeit‑Wirkung von Vortioxetin sowohl bei Erwachsenen als auch bei älteren Patienten. Zehn dieser 14 Studien belegten die Wirksamkeit von Vortioxetin und zeigten einen Unterschied von mindestens 2 Punkten auf der «Montgomery Åsberg Depression Rating Scale» (MADRS) oder der «Hamilton Depression Rating Scale 24‑Item» (HAM‑D24). Die klinische Relevanz wurde bestätigt durch die Ansprech‑ und Remissionsrate (Anteil «Responders» und «Remitters»), sowie der Verbesserung des «Clinical Global Impression – Global Improvement» (CGI‑I) Wertes.

Die Wirksamkeit von Vortioxetin erhöhte sich mit steigender Dosierung. Ausserdem zeigte Vortioxetin im Dosisbereich von 5‑20 mg/Tag Wirksamkeit auf das breite Spektrum depressiver Symptome (gemessen als Verbesserung aller MADRS‑Einzel‑Item‑Scores).

Erhaltungstherapie

Der Erhalt der antidepressiven Wirksamkeit wurde in einer Studie zur Rückfallprävention belegt. Patienten, die nach einer 12‑wöchigen offenen Behandlung mit Vortioxetin eine Remission erreichten, wurden auf Vortioxetin 5 oder 10 mg/Tag oder Placebo randomisiert und während einer doppelblinden Phase von minimal 24 Wochen (24 bis 64 Wochen) auf einen Rückfall beobachtet. Auf dem primären Endpunkt, der Zeit bis zu einem depressiven Rückfall (MDD), war Vortioxetin dem Placebo überlegen (p = 0.004). Mit einer Hazard‑Ratio von 2.0 war das Risiko eines Rückfalls in der Placebo‑Gruppe doppelt so hoch wie in der Vortioxetin‑Gruppe.

Ältere Personen

In der 8‑wöchigen doppelblinden, Placebo‑kontrollierten Studie mit fixer Dosierung bei älteren depressiven Patienten (Alter ≥65 Jahre, n = 452, davon waren 156 Patienten unter Vortioxetin) war Vortioxetin 5 mg/Tag dem Placebo überlegen, gemessen als Verbesserung der MADRS und HAM‑D24 Gesamtscores. Die Wirkung von Vortioxetin zeigte sich als Unterschied von 4.7 Punkten im MADRS‑Summenscore in Woche 8 gegenüber Placebo (MMRM‑Analyse).

Patienten mit schwerer Depression oder mit Depression und ausgeprägter Angstsymptomatik

Die antidepressive Wirksamkeit wurde auch bei Patienten mit schwerer Depression (MADRS Gesamtscore ≥30 bei Studienbeginn), sowie bei depressiven Patienten mit ausgeprägter Angstsymptomatik (HAM‑A Gesamtscore ≥20 bei Studienbeginn) in Kurzzeit‑Studien an Erwachsenen nachgewiesen (die durchschnittliche Gesamtdifferenz des MADRS‑Summenscores gegenüber Placebo in Woche 6/8 betrug 2.8 bis 7.3 Punkte bzw. 3.6 bis 7.3 Punkte (MMRM‑Analyse)). In der speziellen Studie an älteren Patienten war Vortioxetin ebenfalls wirksam. Die Aufrechterhaltung der depressiven Wirksamkeit wurde bei dieser Patientenpopulation auch in der Langzeit‑Studie zur Rezidivprävention nachgewiesen.

Patienten mit ungenügendem Therapieeffekt unter SSRI/SNRI Behandlung

In einer 12‑Wochen, doppel‑blinden, Vergleichsstudie mit flexibler Dosierung bei Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Depression, die für die aktuelle Episode ungenügend auf eine SSRI/SNRI Behandlung ansprachen und daher die antidepressive Therapie wechselten, war Vortioxetin 10‑20 mg/Tag statistisch signifikant besser als Agomelatin 25‑50 mg/Tag, gemessen als Verbesserung auf dem MADRS Gesamtscore (der durchschnittliche Unterschied für Vortioxetin versus Agomelatin beim primären Endpunkt Woche 8 betrug ‑2.2 (95% CI: ‑3.5 bis ‑0.8, p = 0.0018, MMRM). Die klinische Relevanz wurde durch die Remissionsrate (40.5% mit Vortioxetin versus 29.5% mit Agomelatin; p <0.01) sowie einer Verbesserung der Scores auf der CGI‑I (‑0.3, 95% CI: ‑0.4 bis ‑0.1, p <0.01) und der «Sheehan Disability» Skala (SDS) (‑2.2, 95% CI: ‑3.6 bis ‑0.8, p <0.01) belegt.

Wirkungen von Vortioxetin auf die Scores des «Digit Symbol Substitution Test» (DSST), des «University of California San Diego PerformanceBased Skills Assessment» (UPSA) (objektive Bewertungen) sowie des «Perceived Deficits Questionnaire» (PDQ) und des «Cognitive and Physical Functioning Questionnaire» CPFQ (subjektive Bewertungen)

Die Wirksamkeit von Vortioxetin (5‑20 mg/Tag) bei Patienten mit Depressionen («Major Depressive Disorder» (MDD)) wurde in 2 Placebo‑kontrollierten Kurzzeitstudien an Erwachsenen und 1 Placebo‑kontrollierten Kurzzeitstudie an älteren Patienten evaluiert, bei denen eine effektive Messung der kognitiven Leistung (u.a. der Exekutivfunktion, Aufmerksamkeit und Verarbeitungsgeschwindigkeit) anhand des «Digit Symbol Substitution Test» (DSST) vorgenommen wurde. Beim DSST war Vortioxetin dem Placebo signifikant überlegen, im Bereich von Δ = 1.75 (p = 0.019) bis 4.01 (p <0.0001) in den beiden Studien an Erwachsenen und Δ = 2.79 (p = 0.023) in der Studie an älteren Patienten. In der Meta‑Analyse (ANCOVA, LOCF) der mittleren Abweichung vom Ausgangswert im DSST (Anzahl korrekter Symbole in allen drei Studien), unterschied sich Vortioxetin von Placebo (p <0.05) mit einer standardisierten Effektgrösse von 0.35. Bereinigt für die Veränderung im MADRS, zeigte der Gesamtscore in der Meta‑Analyse derselben Studien, dass Vortioxetin sich von Placebo unterschied (p <0.05), mit einer standardisierten Effektgrösse von 0.24. In allen 3 Studien zeigte Vortioxetin, nach Bereinigung des Effekts für die Depressionssymptome, vor allem eine direkte Wirkung.

In der Studie, in welcher die Wirkung von Vortioxetin auf die funktionale Kapazität bei Aktivitäten des täglichen Lebens mithilfe des «University of California San Diego Performance‑Based Skills Assessment» (UPSA) untersucht wurde, unterschied sich Vortioxetin von Placebo (8.0 Punkte für Vortioxetin versus 5.1 Punkte für Placebo (p = 0.0003)). In dieser Studie war Vortioxetin dem Placebo überlegen bei subjektiven Bewertungen, die mit dem «Perceived Deficits Questionnaire» gemessen wurden, mit dem Ergebnis von ‑15.1 für Vortioxetin und ‑10.8 für Placebo (p = 0.002, MMRM). Vortioxetin unterschied sich bei der subjektiven Bewertung nicht von Placebo, wenn diese mit dem «Cognitive and Physical Functioning Questionnaire» gemessen wurde, mit dem Ergebnis von ‑8.1 für Vortioxetin versus ‑6.9 für Placebo (p = 0.086, MMRM).

Verträglichkeit und Sicherheit

Die Sicherheit und Verträglichkeit von Vortioxetin wurde in Kurz‑ und Langzeitstudien im Dosisbereich von 5 bis 20 mg/Tag belegt. Für Informationen zu unerwünschten Wirkungen siehe «Unerwünschte Wirkungen».

Unter Vortioxetin erhöhte sich die Häufigkeit von Schlaflosigkeit oder Somnolenz gegenüber Placebo nicht.

In Placebo‑kontrollierten klinischen Kurz‑ und Langzeitstudien wurden potenzielle Absetzsymptome nach abrupter Beendigung der Vortioxetin Behandlung systematisch untersucht. Es wurde keine klinisch relevante Differenz gegenüber Placebo in Bezug auf Häufigkeit oder Art der Absetzsymptome gefunden, weder nach Kurzzeit‑ (6‑12 Wochen) noch nach Langzeit‑ (24‑64 Wochen) Behandlung mit Vortioxetin.

Sexuelle Dysfunktion wurde in klinischen Studien mit der Arizona Sexual Experience Scale (ASEX) erfasst. Dosierungen von 5‑15 mg zeigten keinen Unterschied zu Placebo. Die 20 mg Dosierung von Vortioxetin hingegen ging mit einer Erhöhung therapiebedingter sexueller Dysfunktionen (TESD) einher.

Vortioxetin hatte in klinischen Kurz‑ und Langzeitstudien im Vergleich zu Placebo keinen Einfluss auf Körpergewicht, Herzfrequenz oder Blutdruck.

In klinischen Studien wurden keine klinisch relevanten Veränderungen der Leber‑ oder Nierenfunktion beobachtet.

Vortioxetin zeigte bei depressiven Patienten keinen klinisch relevanten Effekt auf EKG‑Parameter, einschliesslich der QT‑, QTc‑, PR‑ und QRS‑Intervalle. In einer umfassenden QTc‑Studie an gesunden Probanden mit Dosen bis 40 mg/Tag, wurde kein Potenzial für eine Verlängerung des QTc‑Intervalls beobachtet.

Kinder und Jugendliche

Es wurden keine klinischen Studien zum Gebrauch von Brintellix bei Kindern und Jugendlichen durchgeführt. Die Sicherheit und Wirksamkeit von Brintellix ist daher in der Pädiatrie nicht belegt (siehe «Dosierung/Anwendung»; Kinder und Jugendliche).

Pharmakokinetik

Absorption

Vortioxetin wird nach oraler Verabreichung langsam, aber gut absorbiert und erreicht die maximale Plasmakonzentration innerhalb von 7 bis 11 Stunden. Nach mehrfacher Gabe von 5, 10, oder 20 mg/Tag wurden durchschnittliche Cmax‑Werte von 9 bis 33 ng/ml festgestellt. Die absolute Bioverfügbarkeit beträgt 75%. Nahrungsaufnahme hatte keinen Effekt auf die Pharmakokinetik (siehe «Dosierung/Anwendung»).

Distribution

Das mittlere Verteilungsvolumen (Vss) beträgt 2'600 l, was auf eine ausgeprägte extravasale Verteilung hinweist. Vortioxetin wird in hohem Masse an Plasmaproteine gebunden (98 bis 99%) und diese Bindung scheint unabhängig von den Vortioxetin‑Plasmakonzentrationen zu sein.

Metabolismus

Vortioxetin wird in der Leber extensiv metabolisiert, überwiegend mittels Oxidation und anschliessender Glucuronsäure‑Konjugation.

In vitro sind die Cytochrom P450‑Isoenzyme CYP2D6, CYP3A4/5, CYP2C19, CYP2C9, CYP2A6, CYP2C8 und CYP2B6 am Vortioxetin‑Metabolismus beteiligt.

In vitro wurde kein hemmender oder induzierender Effekt von Vortioxetin auf die CYP‑Isoenzyme CYP1A2, CYP2A6, CYP2B6, CYP2C8, CYP2C9, CYP2C19, CYP2D6, CYP2E1 und CYP3A4/5 festgestellt. Vortioxetin ist ein schlechtes Substrat und schwacher Hemmer von P‑gp.

Der Hauptmetabolit von Vortioxetin ist pharmakologisch inaktiv.

Elimination

Die mittlere Eliminationshalbwertszeit beträgt 66 Stunden und die mittlere orale Clearance 33 l/h. Etwa 2/3 der inaktiven Vortioxetin‑Metaboliten werden im Urin und etwa 1/3 im Stuhl ausgeschieden. Nur vernachlässigbare Mengen von Vortioxetin werden im Stuhl ausgeschieden.

Steady‑State‑Plasmakonzentrationen werden innerhalb von etwa 2 Wochen erzielt.

Linearität/NichtLinearität

Die Pharmakokinetik ist im untersuchten Dosisbereich (2.5 bis 60 mg/Tag) linear und zeitunabhängig.

In Übereinstimmung mit der Halbwertszeit beträgt der Akkumulationsindex 5 bis 6, basierend auf der AUC024 h nach multiplen Dosen von 5 bis 20 mg/Tag.

Kinetik spezieller Patientengruppen:

Ältere Personen

Nach mehrmaliger Gabe von 10 mg/Tag stieg die Vortioxetin‑Exposition (Cmax und AUC) bei älteren gesunden Probanden (Alter ≥65 Jahre; n = 20) bis zu 27% im Vergleich zu jungen gesunden Probanden (Alter ≤45 Jahre). Als Anfangsdosierung bei Patienten ≥65 Jahren sollte die tiefste wirksame Dosierung von 5 mg einmal täglich gewählt werden. Vorsicht ist geboten bei Dosierungen höher als 10 mg Vortioxetin täglich bei Patienten ≥65 Jahren (siehe «Dosierung/Anwendung» sowie «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Niereninsuffizienz

Nach einmaliger Verabreichung von 10 mg Vortioxetin, verursachte eine Niereninsuffizienz (Einstufung mit Hilfe der Cockcroft‑Gault‑Formel als leicht, mittelschwer oder schwer; n = 8 pro Gruppe) eine mässige Zunahme der Exposition (bis zu 30%) im Vergleich zu gesunden, vergleichbaren Probanden. Bei Patienten mit terminaler Niereninsuffizienz ging während der Dialyse nur ein Bruchteil von Vortioxetin verloren nach einer Einzeldosis von 10 mg (die AUC und Cmax waren 13% bzw. 27% tiefer; n = 8). Es ist keine Dosisanpassung erforderlich (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Leberinsuffizienz

Eine leichte oder mässige Leberinsuffizienz (Child‑Pugh‑Kriterien A oder B; n = 8 pro Gruppe) hatte keinen Einfluss auf die Pharmakokinetik einer Einzeldosis Vortioxetin 10 mg (Änderungen der AUC um weniger als 10%). Es ist keine Dosisanpassung erforderlich.

Vortioxetin wurde nicht untersucht in Patienten mit schwerer Leberinsuffizienz und bei der Behandlung dieser Patienten ist Vorsicht geboten (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Langsame Metabolisierer von CYP2D6

Die Plasmakonzentrationen von Vortioxetin waren bei langsamen Metabolisierern von CYP2D6 etwa doppelt so hoch wie bei extensiven Metabolisierern. Bei Vorliegen von starken CYP3A4/2C9 Hemmern, kann die Exposition potenziell höher sein (siehe «Interaktionen»). Wie bei allen Patienten soll je nach individueller Reaktion des Patienten eine Dosisanpassung in Betracht gezogen werden (siehe «Dosierung/Anwendung»).

Präklinische Daten

In den Studien zur allgemeinen Toxizität bei Mäusen, Ratten und Hunden war die Verabreichung von Vortioxetin vorwiegend mit klinischen ZNS‑Befunden assoziiert.

Diese schlossen Speichelfluss (Ratte und Hund), Pupillenerweiterung (Hund) und eine Episode von Konvulsionen bei zwei Hunden ein. Der ermittelte Grenzwert (noeffect level) für Konvulsionen wies eine 5‑fache Sicherheitsmarge zur maximal empfohlenen therapeutischen Tagesdosierung von 20 mg/Tag auf.

Die Endorgan‑Toxizität beschränkte sich auf Nieren (Ratte) und Leber (Maus und Ratte). Die Veränderungen in der Niere der Ratte (Glomerulonephritis, renale tubuläre Obstruktion, kristallines Material in den Nierentubuli) und der Leber von Mäusen und Ratten (hepatozelluläre Hypertrophie, Nekrose von Hepatozyten, Hyperplasie der Gallengänge, kristallines Material in den Gallengängen) wurden bei Expositionen, die mehr als 10‑mal (Mäuse) und 2‑mal (Ratten) der Exposition beim Menschen bei maximaler empfohlener therapeutischer Dosierung von 20 mg/Tag entsprachen, beobachtet. Diese Befunde wurden hauptsächlich der speziell bei Nagern durch Vortioxetin verursachten kristallinen Obstruktion der renalen Tubuli und Gallengänge zugeschrieben, und werden als geringes Risiko für den Menschen eingestuft.

Vortioxetin war in einer Standardbatterie von invitro und invivo Tests nicht genotoxisch.

Aufgrund der Ergebnisse aus den üblichen 2‑Jahres Karzinogenitäts‑Studien an Mäusen oder Ratten wird Vortioxetin kein Karzinogenitäts‑Risiko beim Menschen zugeschrieben.

Vortioxetin hatte bei Ratten keinen Effekt auf Fertilität, Paarungsverhalten, Reproduktionsorgane sowie Spermienmorphologie und ‑motilität. Vortioxetin war bei Ratten und Kaninchen nicht teratogen, aber es wurden bei der Ratte reproduktionstoxische Effekte bezüglich fötalem Gewicht und verzögerter Ossifikation festgestellt bei mehr als 10‑fach höheren Expositionen als derjenigen beim Menschen bei maximaler empfohlener therapeutischer Dosierung von 20 mg/Tag. Ähnliche Effekte wurden bei Kaninchen bei sub‑therapeutischer Exposition beobachtet.

In einer prä‑ und postnatalen Studie bei Ratten führte Vortioxetin zu einer erhöhten Sterblichkeit, verminderter Zunahme des Körpergewichts und verzögerter Entwicklung der Jungtiere bei Dosierungen, die für die Muttertiere nicht toxisch waren und zu einer ähnlichen Exposition führten, wie sie beim Menschen nach Vortioxetin 20 mg/Tag erreicht wird (siehe «Schwangerschaft/Stillzeit»).

Vortioxetin‑Metaboliten gingen bei Ratten in die Milch über

Die Vortioxetin‑bedingten Befunde in Toxizitätsstudien bei juvenilen Ratten waren vergleichbar mit denjenigen bei erwachsenen Tieren.

Sonstige Hinweise

Inkompatibilitäten:

Entfällt.

Haltbarkeit:

Das Arzneimittel darf nur bis zu dem auf der Packung mit «EXP» bezeichneten Datum verwendet werden.

Tropfen zum Einnehmen: Das Produkt ist nach Anbruch der Tropfflasche 8 Wochen haltbar.

Nicht verwendete Arzneimittel oder Abfallmaterial ist entsprechend den lokalen Anforderungen zu beseitigen.

Besondere Lagerungshinweise:

Ausser Reichweite von Kindern aufbewahren.

Brintellix Filmtabletten: In der Originalverpackung und nicht über 30 °C lagern.

Brintellix Tropfen zum Einnehmen: In der Originalverpackung und bei 15‑30 °C lagern.

Hinweise zum Alkoholgehalt

Brintellix Tropfen zum Einnehmen enthalten Alkohol (10.1% V/V).

Zulassungsnummer

Filmtabletten 65937, Tropfen 65938 (Swissmedic).

Zulassungsinhaberin

Lundbeck (Schweiz) AG, Opfikon.

Stand der Information

Mai 2016.

02062016FI

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