Solu Cortef Trockensub 500 Mg Act O Vial 4 Ml

Solu Cortef Trockensub 500 Mg Act O Vial 4 Ml

Fachinformationen

Zusammensetzung

Solu-Cortef:

Wirkstoff: Hydrocortisonum ut Hydrocortisoni-21 succinas natricus.

Hilfsstoffe: Lyophilisat: Natrii phosphates.

Solvens: Conserv.: Alcohol benzylicus 9 mg, Aqua q.s. ad solutionem pro ml.

Solu-Cortef SAB (sine Alcohol benzylicus):

Wirkstoff: Hydrocortisonum ut Hydrocortisoni-21 succinas natricus.

Hilfsstoffe: Lyophilisat: Natrii phosphates.

Solvens: Aqua ad injectabilia.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Solu-Cortef: Injektions-/Infusionspräparat

Act-O-Vials (2-Kammer-Ampullen):

Kammer mit Lyophilisat à 100 mg resp. 500 mg Hydrocortison.

Kammer mit 2 ml resp. 4 ml Solvens.

Solu-Cortef SAB (sine Alcohol benzylicus): Injektionspräparat

Stechampullen mit Lyophilisat à 100 mg Hydrocortison.

Stechampullen mit 2 ml Solvens.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Solu-Cortef

Notfallsituationen:

Schock als Folge einer Nebennierenrindeninsuffizienz (NNR-Insuffizienz) oder auf konventionelle Behandlung nicht ansprechender Schock bei möglicher gleichzeitiger NNR-Insuffizienz.

Akute allergische Erkrankungen (Status asthmaticus, anaphylaktische Reaktionen, Insektenstiche usw.) nach Adrenalinverabreichung.

Als Anwendungsmöglichkeit bei hämorrhagischem, traumatischem und chirurgischem Schock, bei dem die übliche Therapie (z.B. Flüssigkeitsersatz usw.) wirkungslos geblieben ist (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Endokrine Erkrankungen:

Primäre oder sekundäre Nebennierenrindeninsuffizienz (NNR-Insuffizienz; hier ist Hydrocortison oder Cortison das Mittel der Wahl; synthetische Analoga können gegebenenfalls zusammen mit Mineralocorticoiden angewendet werden; bei Kleinkindern ist eine ergänzende Verabreichung von Mineralocorticoiden unerlässlich).

Akute Nebennierenrindeninsuffizienz (Hydrocortison oder Cortison als Mittel der Wahl; eine Ergänzung durch Mineralocorticoiden kann erforderlich sein, insbesondere bei Anwendung synthetischer Analoga).

Präoperativ und bei Vorliegen eines schweren Traumas oder einer schweren Erkrankung, bei Patienten mit bekannter NNR-Insuffizienz oder falls hinsichtlich der Nebennierenrindenreserve Zweifel bestehen. Schockzustände, die auf konventionelle Behandlung nicht ansprechen, falls eine NNR-Insuffizienz besteht oder vermutet wird.

Kongenitale Nebennierenhyperplasie.

Nichteitrige Thyreoiditis.

Kollagenosen:

Während einer Exazerbation oder als Erhaltungstherapie bei: Systemischem Lupus erythematodes, akuter rheumatischer Karditis, systemischer Dermatomyositis (Polymyositis).

Rheumatische Erkrankungen:

Als adjuvante Therapie zur kurzzeitigen Anwendung bei akuten Schüben oder Exazerbation von:

Posttraumatischer Osteoarthrose, Synovitis bei Osteoarthrose, chronischer Polyarthritis (rheumatoide Arthritis), juveniler chronischer Polyarthritis (in ausgewählten Fällen kann eine niedrig dosierte Erhaltungstherapie erforderlich sein), akuter und subakuter Bursitis, Epikondylitis, akuter unspezifischer Tendosynovitis, akuter Gichtarthritis, Arthritis psoriatica, Spondylarthritis ankylopoetica.

Erkrankungen der Atmungsorgane:

Symptomatische Sarkoidose, allergische Alveolitis, fulminante oder disseminierte Lungentuberkulose unter adäquater antituberkulöser Chemotherapie, idiopathische eosinophile Lungenkrankheit (Löffler Syndrom), Aspirationspneumonitis.

Erkrankungen des Gastrointestinaltraktes:

Zur Überbrückung kritischer Krankheitsphasen mittels systemischer Therapie bei: Colitis ulcerosa, Enteritis regionalis (M. Crohn).

Hämatologische Erkrankungen:

Erworbene (autoimmune) hämolytische Anämie, idiopathische Thrombocytopenia purpura bei Erwachsenen (nur intravenös; intramuskuläre Anwendung kontraindiziert), Erythroblastopenie (Erythrozytenanämie), kongenitale (erythroide) hypoplastische Anämie, sekundäre Thrombozytopenie bei Erwachsenen.

Nephrotisches Syndrom:

Bei ödematösen Zuständen zur Diurese-Einleitung und Reduktion der Proteinurie bei nichturämischem idiopathischem nephrotischem Syndrom oder bei nephrotischem Syndrom als Folge eines Lupus erythematodes.

Dermatologische Erkrankungen:

Pemphigus, schweres Erythema exsudativum multiforme (Stevens-Johnson-Syndrom), Dermatitis exfoliativa, Dermatitis herpetiformis bullosa, schwere seborrhoische Dermatitis, schwere Psoriasis, Mycosis fungoides.

Allergische Erkrankungen:

Zur Behandlung schwerer bzw. invalidisierender allergischer Zustände, welche auf korrekte Behandlungsversuche mit konventionellen therapeutischen Massnahmen nicht ansprechen: Serumkrankheit, akutes nichtinfektiöses Larynxödem (hier ist Adrenalin das Mittel der ersten Wahl), urtikarielle Transfusionsreaktionen, Arzneimittel-Überempfindlichkeitsreaktionen, Asthma bronchiale, Kontaktdermatitis, atopische Dermatitis, saisonale oder perenniale allergische Rhinitis, allergische Konjunktivitis.

Augenerkrankungen:

Schwere akute und chronische allergische und entzündliche Prozesse am Auge: Herpes zoster ophthalmicus (nur bei intakter Corneaoberfläche), Iritis, Iridozyklitis, Chorioretinitis, diffuse Uveitis posterior und Chorioiditis, Optikusneuritis, Ophthalmia sympathica, Entzündung der vorderen Augenkammer, allergische Hornhautrand-Ulzera, Keratitis (nur bei intakter Corneaoberfläche).

Neoplastische Erkrankungen:

Zur Palliativbehandlung von: Leukämien und Lymphomen bei Erwachsenen, akuter Leukämie im Kindesalter, karzinombedingter Hyperkalzämie.

Verschiedene Erkrankungen:

Tuberkulöse Meningitis mit bestehendem oder drohendem Subarachnoidalblock bei gleichzeitiger Anwendung einer geeigneten antituberkulösen Chemotherapie.

Trichinose mit systemischen allergischen Reaktionen (Angioödem, Urtikaria) sowie lokalen Überempfindlichkeitsreaktionen an Myokard und ZNS.

Solu-Cortef SAB:

Intrathekale Prophylaxe und Therapie der Meningeosis leucaemica in Kombination mit Cytarabin und Methotrexat.

Dosierung/Anwendung

Die Corticosteroidtherapie ergänzt in der Regel eine Basistherapie, ersetzt diese aber nicht. Die Dosierung sollte dem Schweregrad der Erkrankung und der Reaktion des Patienten angepasst werden. Zur Verminderung unerwünschter Wirkungen und sobald es der Zustand des Patienten erlaubt, sollte die Dosierung herabgesetzt und auf eine orale Behandlung mit Glucocorticoiden umgestellt werden. Um eine akute Verschlechterung der Erkrankung und eine NNR-Insuffizienz zu vermeiden, ist darauf zu achten, dass die Dosierung schrittweise reduziert wird, wenn die Behandlung mehr als einige Tage gedauert hat.

Eine hochdosierte parenterale Therapie mit Solu-Cortef sollte nur solange fortgesetzt werden, bis sich der Zustand des Patienten stabilisiert hat, üblicherweise nicht länger als 48-72 Stunden. Muss die hohe Dosierung über einen längeren Zeitraum fortgesetzt werden, empfiehlt sich zur Vermeidung einer Hypernaträmie die Verwendung eines Corticosteroids mit geringerer Natriumretention, wie z.B. Methylprednisolon.

Langzeitbehandlung:

Eine Langzeitbehandlung über mehr als 2 Wochen kann zu einer gestörten Reaktion in Stress- und Belastungssituationen führen, wodurch eine Anpassung der Corticoiddosis an Stressbedingungen notwendig wird (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»):

  • bei Allgemeinkrankheiten: Verdoppelung, evtl. Verdreifachung der zuletzt gegebenen Dosis;
  • bei kleinen Eingriffen: vor Beginn 200 mg Hydrocortison i.v.;
  • bei mittelgrossen Eingriffen: vor der Operation 100 mg Hydrocortison i.v. und dann alle 6 Stunden je 100 mg Hydrocortison während 24 Stunden;
  • bei grossen operativen Eingriffen: vor Operationsbeginn 100 mg Hydrocortison i.v. und dann alle 6 Stunden mindestens während 72 Stunden. Weitere Behandlung je nach Verlauf.

Solu-Cortef

Solu-Cortef kann durch intravenöse oder intramuskuläre Injektion oder auch durch intravenöse Infusion gegeben werden. In Notfällen erfolgt die Initialtherapie vorzugsweise durch intravenöse Injektion.

Initialdosen von bis zu 100 mg sollten über mindestens 30 Sekunden i.v. gegeben werden, Dosen von 500 mg und mehr über mindestens 10 Minuten. Folgeinjektionen können je nach Ansprechen und Zustand des Patienten i.v. oder i.m. in entsprechenden Abständen von 2, 4 oder 6 Stunden gegeben werden. Werden konstante Blutspiegel benötigt, sollten die Injektionen (i.v.- oder i.m.) alle 4 bis 6 Stunden erfolgen.

Wird Solu-Cortef als intravenöse Infusion verabreicht, richtet sich die Infusionsdauer nach dem klinischen Krankheitsbild. Für den Fall, dass Solu-Cortef eine Therapie mit einem anderen Glucocorticoid ersetzen soll, sind die Äquivalenzdosen zu beachten (siehe «Eigenschaften/Wirkungen»).

Solu-Cortef, das Benzylalkohol enthält, darf nicht intrathekal verabreicht werden.

Solu-Cortef SAB

Solu-Cortef SAB, das kein Konservierungsmittel enthält, ist nur für die intrathekale Anwendung vorgesehen. Bei intrathekaler Anwendung beträgt die Dosis 15 mg/m2 Körperoberfläche für Hydrocortison-Natriumsuccinat, 30 mg/m2 Körperoberfläche für Cytarabin und ist für Methotrexat vom Alter abhängig (<1 Jahr: 7.5 mg, ≥1 Jahr: 8 mg, ≥2 Jahre: 10 mg, ≥3 Jahre: 12 mg, ≥9 Jahre: 15 mg, siehe auch Fachinformation von Methotrexat). Die absolute maximale Einzeldosis von Methotrexat bei der intrathekalen Verabreichung beträgt 15 mg.

Solu-Cortef SAB wird nach Rekonstitution langsam intrathekal injiziert.

Spezielle Dosierungsanweisungen:

Pädiatrie

Für Kinder und Kleinkinder kann die Dosierung verringert werden. Sie sollte sich jedoch stets eher nach dem Zustand des Patienten und seiner Reaktion auf die Behandlung richten als nach Alter oder Körpergewicht. Es sollten nicht weniger als 25 mg täglich verabreicht werden (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Ältere Patienten

Bei älteren Patienten ist im Falle einer längerdauernden Corticosteroidtherapie das Risiko für eine Osteoporose sowie für eine Flüssigkeitsretention (eventuell mit daraus resultierender Hypertonie) potentiell erhöht. Ältere Patienten sollten daher mit Vorsicht behandelt werden.

Niereninsuffizienz

Bei Niereninsuffizienz ist keine Dosisanpassung notwendig.

Leberinsuffizienz, Hypothyreose

Bei Patienten mit schwerer Leberinsuffizienz oder mit Hypothyreose ist die Metabolisierung von Hydrocortison verzögert, und die Wirkung kann verstärkt sein. Es kann erforderlich sein, die Dosis dementsprechend zu verringern.

Kontraindikationen

Bekannte Überempfindlichkeit gegen eine der Produkt-Komponenten.

Intramuskuläre Verabreichung bei idiopathischer thrombozytopenischer Purpura.

Solu-Cortef ist kontraindiziert bei Frühgeborenen und für die intrathekale Applikation, da es das Konservierungsmittel Benzylalkohol enthält (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»). Solu-Cortef SAB enthält keinen Benzylalkohol.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Mögliche Komplikationen unter einer Corticosteroidtherapie sind von der Höhe der Dosis und der Dauer der Therapie abhängig. Deshalb sollte für jeden einzelnen Patienten hinsichtlich Dosierung und Behandlungsdauer eine individuelle Nutzen/Risiko-Beurteilung durchgeführt werden.

Endokrine Effekte

Pharmakologische Dosierungen von Corticosteroiden, die über einen längeren Zeitraum (>2 Wochen) verabreicht werden, können zu einer hypothalamisch-hypophysär-adrenalen Suppression (sekundäre NNR-Insuffizienz), führen. Das Ausmass und die Dauer einer adrenokorticalen Insuffizienz variiert von Patient zu Patient und ist abhängig von Dosis, Frequenz, Zeitpunkt der Verabreichung und Dauer einer Glucocorticoidtherapie. Dieser Effekt kann durch eine alternierende Therapie verringert werden.

Bei ungewöhnlichen Belastungen (z.B. schwere Erkrankung, grössere Operationen, schweres Trauma, etc.) muss bei Patienten, welche unter einer längerfristigen Therapie mit Corticosteroiden stehen, kurzfristig vor, während und nach der Belastungssituation die Dosis schnell wirksamer Corticosteroide erhöht werden (siehe «Dosierung/Anwendung», Abschnitt «Langzeitbehandlung»).

Bei abruptem Absetzen von Glucocorticoiden kann es zu einer NNR-Insuffizienz (unter Umständen mit letalem Ausgang) kommen. Daher sollten Steroide nicht abrupt abgesetzt, sondern die Dosis allmählich reduziert werden.

Eine relative NNR-Insuffizienz kann noch Monate nach dem Absetzen der Therapie persistieren. Kommt es in diesem Zeitraum zu besonderen Belastungssituationen (z.B. schwere Erkrankungen, grössere Operationen etc.), so sollte die Hormontherapie wieder aufgenommen werden. Da auch die Mineralcorticoidsekretion eingeschränkt sein kann, sollten zusätzlich auch Salz und/oder ein Mineralcorticoid begleitend verabreicht werden.

Ein «Steroid-Absetzsyndrom», welches unabhängig von einer NNR-Insuffizienz zu sein scheint, kann ebenfalls bei abruptem Absetzen von Glucocorticoiden auftreten. Dieses Syndrom zeigt Symptome wie: Anorexie, Nausea, Erbrechen, Lethargie, Kopfschmerzen, Fieber, Gelenkschmerzen, Hautschuppung, Myalgien, Gewichtsverlust und/oder Hypotonie.

Bei Patienten mit Hypothyreose ist die Wirkung extern zugeführter Glucocorticoide verstärkt.

Nach systemischer Verabreichung von Corticosteroiden wurde über Phäochromozytom-Krisen berichtet, teilweise mit letalem Ausgang. Corticosteroide sollten daher bei Patienten mit bekanntem oder vermutetem Phäochromozytom nur nach entsprechender Evaluierung des Risiko/Nutzen-Verhältnisses verabreicht werden. Treten bei einem Patienten unter Behandlung mit Solu-Cortef potentielle Symptome einer Phäochromozytom-Krise wie hypertensive Krise, Herzversagen, Tachykardie, Kopf-, Abdominal- und/oder Thoraxschmerzen auf, sollte an die Möglichkeit eines bisher unbekannten Phäochromozytoms gedacht werden.

Da Glucocorticoide ein Cushing-Syndrom hervorrufen oder verschlechtern können, sollte Hydrocortison bei Patienten mit Morbus Cushing vermieden werden.

Immunsuppressive Effekte/Erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Infektionen

Corticosteroide können einige Infektionsanzeichen maskieren, auch können während ihrer Anwendung neue Infektionen auftreten. So kann bei Corticosteroidanwendung die Resistenz gegenüber Erregern vermindert und die Lokalisierung einer Infektion erschwert sein. Solche Infektionen können leicht, aber auch schwer und manchmal letal verlaufen. Mit steigenden Corticosteroid-Dosen steigt die Rate infektiöser Komplikationen. Bei schweren Infektionskrankheiten ist für einen ausreichenden antibiotischen bzw. chemotherapeutischen Schutz zu sorgen.

Die Infektionen können durch jegliche pathogenen Keime (Viren, Bakterien, Pilze, Protozoen oder Helminthen) verursacht werden und im ganzen Körper auftreten. Sie können begünstigt sein durch die Corticosteroid-Therapie alleine oder in Kombination mit anderen Immunsuppressiva, welche die zelluläre und humorale Immunität oder die neutrophile Funktion angreifen.

Die Bedeutung von Corticosteroiden bei der Behandlung des septischen Schocks ist umstritten. Die routinemässige Anwendung bei septischem Schock wird nicht empfohlen.

Varizellen und Masern, die während einer systemischen Behandlung mit Corticosteroiden auftreten, können eine schwere Verlaufsform annehmen und insbesondere bei Kindern tödlich enden. Varizellen erfordern eine sofortige Behandlung, z.B. mit Aciclovir i.v. Bei Risikopatienten ist eine Prophylaxe mit Aciclovir oder eine passive Immunprophylaxe mit Varizella-Zoster-Immunglobulin angezeigt.

Solu-Cortef darf bei Tuberkulosepatienten nur bei aktiver fulminanter Tuberkulose oder Miliartuberkulose und nur in Kombination mit einer geeigneten tuberkulostatischen Therapie eingesetzt werden. Bei Patienten mit latenter Tuberkulose oder Tuberkulinreaktivität ist eine engmaschige Kontrolle erforderlich, da eine Reaktivierung der Erkrankung erfolgen kann. Bei einer Corticosteroid-Langzeittherapie sollten diese Patienten eine Chemoprophylaxe erhalten.

Corticosteroide können systemische Mykosen verschlimmern und sollten deshalb nur in Notfällen zur Beherrschung unerwünschter Reaktionen nach Therapie mit Amphotericin B gegeben werden. Ausserdem sind Fälle bekannt, in denen die gleichzeitige Verabreichung von Amphotericin B und Hydrocortison zu Herzdilatation und Stauungsinsuffizienz geführt hat.

Impfungen mit Lebendvakzinen sind bei Personen, die immunsuppressive Dosen von Corticosteroiden erhalten, kontraindiziert. Die Impfung mit inaktivierten Vakzinen oder Vakzinen mit Virusteilen kann zwar durchgeführt werden, kann jedoch bei gleichzeitiger Therapie mit immunsuppressiven Dosen von Corticosteroiden zu einem Verfehlen des Impferfolges führen. Bei Patienten, die keine immunsuppressiven Dosen Corticosteroide erhalten, können notwendige Impfungen durchgeführt werden.

Effekte auf Herz/Kreislauf

Bei Patienten mit Herzinsuffizienz sollten systemische Corticosteroide mit Vorsicht und nur wenn absolut notwendig eingesetzt werden.

Bei Patienten mit vorbestehenden kardiovaskulären Risikofaktoren, die über einen längeren Zeitraum höhere Dosen erhalten, können unerwünschte Wirkungen von Glucocorticoiden wie Hypertonie oder Dyslipidämie das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse weiter erhöhen. Daher sollten Corticosteroide bei diesen Patienten sowie bei Patienten mit frischem Myokardinfarkt nur mit Vorsicht eingesetzt werden.

Gegebenenfalls ist eine Risikomodifizierung anzustreben und/oder ein zusätzliches kardiales Monitoring durchzuführen. Niedrige Dosierung und/oder alternierende Therapie kann die Häufigkeit von Komplikationen der Corticosteroid-Therapie reduzieren.

Bei Patienten mit Hypertonie sollten Steroide mit Vorsicht eingesetzt werden.

Effekte auf die Psyche

Unter Corticosteroidbehandlung kann es zu potentiell schwerwiegenden psychischen Störungen kommen, die von Euphorie über Schlaflosigkeit, Stimmungs- und Persönlichkeitsveränderungen bis hin zu schweren Depressionen oder manifesten Psychosen reichen. Auch können sich eine bereits bestehende affektive Störung sowie die Neigung zu Psychosen durch Corticoideinwirkung verschlimmern. Die Symptome treten meist innerhalb von Tagen oder Wochen nach Behandlungsbeginn auf.

Die meisten Reaktionen verschwinden nach Dosisreduktion oder Absetzen, trotzdem kann eine spezifische Behandlung notwendig sein. Unerwünschte psychische Effekte wurden auch nach Absetzen von Corticosteroiden berichtet.

Patienten und Angehörige sollten aufgefordert werden, bei Auftreten psychischer Symptome unter der Therapie bzw. während oder nach dem Ausschleichen/Absetzen den Arzt zu kontaktieren, insbesondere, wenn depressive Stimmung oder suizidale Absichten vermutet werden.

Effekte auf das Nervensystem

Bei Patienten mit Anfallsleiden sollten Corticosteroide nur mit Vorsicht eingesetzt werden.

In Zusammenhang mit der Anwendung von Corticosteroiden, vor allem bei der langfristigen Anwendung in hohen Dosen, wurde über Fälle von epiduraler Lipomatose berichtet.

Muskuloskeletale Effekte

Bei Behandlung der Myasthenia gravis mit Cholinesterasehemmern kann durch Glucocorticoide die Wirkung des Cholinesterasehemmers verringert und das Risiko einer Myastheniekrise erhöht werden. Eine Behandlung mit Cholinesterasehemmern sollte daher 24 Stunden vor der Verabreichung eines Corticosteroids beendet werden (siehe «Interaktionen»). Prinzipiell sollten Corticosteroide bei Patienten mit Myasthenia gravis nur mit Vorsicht eingesetzt werden.

In Zusammenhang mit der Anwendung hoher Corticosteroid-Dosen wurden akute Myopathien beobachtet, die am häufigsten auftraten bei Patienten mit Störungen der neuromuskulären Transmission (z.B. Myasthenia gravis) oder bei Patienten, die gleichzeitig neuromuskuläre Blocker erhielten. Solche akuten Myopathien verlaufen generalisiert, können die Augen- und die Atemmuskulatur einbeziehen und zu einer Tetraparese führen. Die Kreatinkinase-Werte können steigen. Die klinische Besserung oder Heilung nach Absetzen der Corticosteroide kann Wochen bis Jahre dauern.

Die Langzeitanwendung von Corticosteroiden kann zu einer Osteoporose führen, insbesondere bei geriatrischen Patienten oder bei postmenopausalen Frauen.

Okuläre Effekte

Bei Patienten mit Herpes-simplex-Infektionen des Auges sollten Corticosteroide wegen der Gefahr der Hornhautperforation besonders vorsichtig und nur bei intakter Corneaoberfläche angewendet werden.

Mögliche unerwünschte Wirkungen bei längerdauernder Anwendung von Corticosteroiden sind Exophthalmus, Katarakt (besonders bei Kindern) und erhöhter intraokulärer Druck. Letzterer kann zu einem manifesten Glaukom mit Schädigung des Sehnervs führen. Eine periodische augenärztliche Untersuchung ist daher in Erwägung zu ziehen.

Ausserdem kann eine Behandlung mit Glucocorticoiden Sekundärinfektionen des Auges mit Viren oder Pilzen begünstigen.

Eine Corticosteroidtherapie wurde auch mit dem Auftreten einer zentralen serösen Chorioretinitis in Verbindung gebracht, die zur Netzhautablösung führen kann.

Überempfindlichkeitsreaktionen

In seltenen Fällen können nach Gabe von Corticosteroiden allergische Reaktionen wie Hautreaktionen, Angioödem, Bronchospasmus oder anaphylaktische/anaphylaktoide Reaktionen auftreten. Deshalb sollten, insbesondere bei Patienten mit bekannter Arzneimittelallergie, vor der Anwendung entsprechende Vorsichtsmassnahmen getroffen werden.

Das in Solu-Cortef enthaltene Konservierungsmittel Benzylalkohol kann Überempfindlichkeitsreaktionen verursachen. Bei Frühgeborenen (sowie bei Neugeborenen mit geringem Geburtsgewicht) kann Benzylalkohol ein schweres toxisches Syndrom («Gasping Syndrom») verursachen (siehe «Kontraindikationen»). Auch wenn die Benzylalkohol-Konzentration bei Applikation therapeutischer Dosen von Solu-Cortef wesentlich geringer ist als die Dosen, die mit dem «Gasping Syndrom» in Verbindung gebracht werden, ist die minimale Menge Benzylalkohol, ab der Toxizität auftritt, nicht bekannt. Patienten, die hohe Dosen erhalten, können wahrscheinlicher eine Toxizität entwickeln. Bei der Anwendung Benzylalkohol-haltiger Arzneimittel sollte die Summe der täglichen Menge Benzylalkohol aus allen Quellen berücksichtigt werden.

(Solu-Cortef SAB enthält keinen Benzylalkohol.)

Schädel-Hirn-Trauma

Corticosteroide sollen nicht zur Behandlung traumatischer Hirnschädigungen eingesetzt werden. Die Resultate einer multizentrischen Studie zeigten bei Patienten, die Methylprednisolon erhielten, im Vergleich zu Placebo eine signifikant erhöhte Mortalität 2 Wochen nach der Verletzung (relatives Risiko 1.18; 95%-Konfidenzintervall 1.09-1.27) und auch 6 Monate nach der Verletzung (26% versus 22%). Ein kausaler Zusammenhang mit der Methylprednisolon-Behandlung wurde nicht festgestellt.

Andere Erkrankungen, bei welchen Corticosteroide nur mit besonderer Vorsicht angewendet werden sollten

  • Gastrointestinale Risiken: Glucocorticoide können die Symptome peptischer Ulcera maskieren, sodass es zu einer weitgehend asymptomatischen Perforation oder zu akuten gastrointestinalen Blutungen kommen kann. Das Risiko für peptische Ulzera steigt durch die Kombination von Corticosteroiden mit nicht-steroidalen Antiphlogistika. Eine prophylaktische antiazide Therapie kann angezeigt sein.Auch bei Colitis ulcerosa oder Divertikulitis sowie bei frischen Darmanastomosen ist das Risiko einer Perforation erhöht.
  • Pankreatitis: Hohe Corticosteroid-Dosierungen können eine akute Pankreatitis auslösen.
  • Stoffwechsel: Corticosteroide können den Blutglukosespiegel erhöhen, einen bestehenden Diabetes verschlechtern und bei Langzeittherapie das Risiko für einen Diabetes mellitus erhöhen.
  • Wasser-Elektrolyt-Haushalt: Corticosteroide können, insbesondere in mittleren und hohen Dosen, zu einer Salz- und Flüssigkeitsretention sowie zu einer erhöhten Kaliumausscheidung führen. Eventuell kann eine Kochsalz-Restriktion bzw. eine Kaliumsubstitution notwendig werden.
  • Gleichzeitige Behandlung mit nicht-steroidalen Antiphlogistika: Acetylsalicylsäure und andere nicht-steroidale Antiphlogistika sollten nur mit Vorsicht zusammen mit Corticosteroiden angewendet werden. Insbesondere ist im Falle einer Hypoprothrombinämie bei der gleichzeitigen Gabe von Acetylsalicylsäure Vorsicht geboten.
  • Lebererkrankungen: Hydrocortison kann bei Patienten mit einer Lebererkrankung einen verstärkten Effekt haben, da bei diesen Patienten der Stoffwechsel und die Elimination von Hydrocortison signifikant verringert sind.
  • Andere Erkrankungen: Vorsicht ist auch geboten bei Abszessen oder anderen pyogenen Infektionen, Niereninsuffizienz, Thromboseneigung oder Migräne in der Anamnese.

Bei Patienten unter einer Corticosteroid-Therapie wurde über die Entwicklung eines Kaposi-Sarkoms berichtet. Nach Abbruch der Corticosteroid-Therapie kann eine klinische Remission erfolgen.

Anwendung in der Pädiatrie:

Bei Kindern und Jugendlichen können unter langzeitiger, in mehreren Tagesdosen verabreichter Glucocorticoidbehandlung Wachstum und Entwicklung gehemmt werden. Eine solche Behandlung bedarf daher einer äusserst streng gestellten Indikation.

Da Solu-Cortef als Konservierungsmittel Benzylalkohol enthält, sollte von der Verabreichung des Präparates an Neugeborene abgesehen werden (siehe auch oben unter «Überempfindlichkeitsreaktionen». Bei Frühgeborenen darf es nicht verabreicht werden (siehe «Kontraindikationen»).

Interaktionen

Pharmakokinetische Interaktionen

Einfluss anderer Arzneimittel auf die Pharmakokinetik von Hydrocortison

Enzyminhibitoren: Bei gleichzeitiger Verabreichung von mässigen bis starken CYP3A4-Inhibitoren (z.B. Protease-Inhibitoren, Azol-Antimykotika, Makrolide, Diltiazem, Isoniazid, Verapamil) wird die Metabolisierung von Hydrocortison verlangsamt, und sowohl Wirksamkeit als auch unerwünschte Wirkungen können verstärkt sein. Eine Reduktion der Hydrocortison-Dosis kann erforderlich sein, um eine Steroidtoxizität zu vermeiden. Auch Grapefruitsaft stellt einen CYP3A4-Inhibitor dar.

Auch Sexualhormone (z.B. Ethinylestradiol, Norethisteron) können die Clearance von Glucocorticoiden beeinflussen. Insbesondere können Östrogene die Wirkung von Corticosteroiden verstärken. Bei therapeutischen Dosierungen dieser Hormone (z.B. in hormonalen Kontrazeptiva) ist jedoch eine klinisch relevante Inhibition von CYP-Enzymen durch Sexualhormone unwahrscheinlich.

Enzyminduktoren: Bei gleichzeitiger Verabreichung von CYP3A4-Induktoren (z.B. Barbiturate, Carbamazepin, Phenytoin, Primidon, Rifampicin sowie Präparate, welche Johanniskraut (Hypericum perforatum) enthalten) wird die Metabolisierung von Hydrocortison beschleunigt, wodurch die Wirksamkeit reduziert werden kann. Eine Erhöhung der Hydrocortison-Dosis kann daher notwendig sein.

Einfluss von Hydrocortison auf die Pharmakokinetik anderer Arzneimittel

Bei gleichzeitiger Gabe von Hydrocortison und Ciclosporin wird der Metabolismus gegenseitig inhibiert. Deshalb können unerwünschte Wirkungen beider Substanzen verstärkt auftreten. Insbesondere wurden unter gleichzeitiger Gabe von Hydrocortison und Ciclosporin vermehrt Konvulsionen beobachtet.

Glucocorticoide können bei längerdauernder hoher Dosierung die Elimination von Salicylaten beschleunigen und dadurch deren Wirksamkeit reduzieren. Umgekehrt kann bei Reduktion der Corticosteroid-Dosis die Toxizität von Salicylaten verstärkt sein.

Acetylsalicylsäure soll bei Patienten mit Hypoprothrombinämie nur mit Vorsicht zusammen mit Corticosteroiden angewendet werden.

NSAID's: Die ulzerogene Wirkung dieser Substanzen kann verstärkt werden.

Immunsuppressiva: Durch den synergistischen Effekt von Methotrexat kann eine tiefere Corticosteroid‑Dosis genügend sein.

Anticholinergika: Corticosteroide können die Wirkung von Anticholinergika beeinflussen. Bei gleichzeitiger Anwendung hoher Dosen von Corticosteroiden und Anticholinergika wurden akute Myopathien beobachtet. (siehe auch «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen, Muskuloskeletale Effekte»).

Atropin und andere Anticholinergika können einen bereits durch Hydrocortison gesteigerten Augeninnendruck weiter erhöhen.

Sympathomimetika: Corticosteroide erhöhen die Wirkung sowie die Toxizität von Sympathomimetika wie Salbutamol.

Neuromuskuläre Hemmer: Die Wirkung von Pancuronium, Vecuronium und anderen kompetetiven neuromuskulären Blockern kann bei gleichzeitiger Anwendung von Corticosteroiden antagonisiert werden.

Antikoagulantien: Die Wirksamkeit von Heparin oder oralen Antikoagulantien kann gesteigert oder reduziert sein. Die Blutgerinnung ist daher zu kontrollieren und ggf. die Antikoagulantien-Dosis anzupassen.

Herzglykoside: Die Toxizität von Digitalis-Gykosiden wird durch die gleichzeitige Gabe von Corticosteroiden potenziert.

Antidiabetika: Aufgrund des diabetogenen Effekts der Glucocorticoide müssen bei Diabetikern die Glucosespiegel überwacht werden. Gegebenenfalls ist die Dosierung der Antidiabetika anzupassen.

Antihypertensiva: Die antihypertensive Wirkung wird durch den mineralcorticoiden Effekt der Corticoide teilweise reduziert, was zu erhöhten Blutdruckwerten führen kann.

Arzneimittel mit Einfluss auf den Kaliumhaushalt: Bei Verabreichung von Corticosteroiden zusammen mit Arzneimitteln, welche die Kaliumausscheidung steigern (z.B. Furosemid, Hydrochlorothiazid, Amphotericin B, Betasympathomimetika oder Xanthin-Derivaten), besteht ein erhöhtes Risiko einer Hypokaliämie. Bei diesen Patienten sollten daher die Kaliumspiegel überwacht werden. Ggf. muss Kalium substituiert werden.

Psychopharmaka: Die Wirkung von Anxiolytika und Antipsychotika kann vermindert werden. Gegebenenfalls ist die Dosis dieser Substanzen anzupassen.

Zytostatika: Die Wirksamkeit von Cyclophosphamid kann reduziert sein.

Impfstoffe: Lebendvirus-Impfstoffe, wie z.B. Poliomyelitis-, BCG-, Mumps-, Masern-, Röteln- und Pocken-Impfstoffe können wegen der immunsupprimierenden Wirkung der Corticosteroide verstärkt toxisch sein. Disseminierte virale Infektionen können auftreten. Bei Totvirus-Impfstoffen kann die Impfantwort reduziert sein.

Es wird empfohlen, auch die Fachinformation der gleichzeitig verabreichten Arzneimittel zu konsultieren.

Schwangerschaft/Stillzeit

Schwangerschaft

Tierstudien haben unerwünschte Wirkungen auf den Foetus gezeigt. Es existieren keine kontrollierten Humanstudien. Wie alle Glucocorticoide passiert auch Hydrocortison die Plazentaschranke. Auch Benzylalkohol kann die Plazentaschranke passieren (zu möglichen unerwünschten Wirkungen des Hilfsstoffes siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Deshalb sollte Solu-Cortef/- SAB während der Schwangerschaft (insbesondere in den ersten drei Monaten) nicht verabreicht werden, es sei denn, dies ist klar notwendig. Bei der Dosierung muss beachtet werden, dass die Eliminationshalbwertszeit von Hydrocortison während der Schwangerschaft verlängert ist.

Neugeborene, deren Mütter während der Schwangerschaft höhere Steroiddosen erhalten haben, sollen sorgfältig auf Zeichen einer NNR-Insuffizienz und auf die Notwendigkeit einer ausschleichenden Substitutionstherapie überwacht werden. Bis heute sind keine Auswirkungen von Corticosteroiden auf den Geburtsvorgang bekannt.

Die Patientin sollte darüber informiert werden, bei einer vermuteten oder bestätigten Schwangerschaft unbedingt den Arzt zu verständigen.

Stillzeit

Hydrocortison tritt in die Muttermilch über. Es sollte abgestillt werden, da Corticosteroide u.a. die Nebennierenrinden-Funktion und das Wachstum des Säuglings beeinträchtigen können.

Fertilität

In Tierversuchen wurde gezeigt, dass Corticosteroide die Fertilität beeinträchtigen (siehe «Präklinische Daten»).

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Die Wirkung von Corticosteroiden auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen wurde nicht systematisch untersucht. Unerwünschte Wirkungen wie Synkopen, Schwindel oder Konvulsionen können unter Behandlung mit Corticosteroiden auftreten. Wenn dies der Fall ist, sollte der Patient keine Fahrzeuge lenken oder Maschinen bedienen.

Unerwünschte Wirkungen

Die unerwünschten Wirkungen von Hydrocortison sind von Dosis und Behandlungsdauer sowie von Alter, Geschlecht und Grunderkrankung des Patienten abhängig. Das Risiko unerwünschter Wirkungen ist jedoch bei einer kurzfristigen (nur wenige Tagen dauernden) Corticoidtherapie gering.

Nachfolgend sind die unerwünschten Wirkungen nach Organklasse und Häufigkeit aufgeführt, welche für systemisch applizierte Corticosteroide typisch sind und demzufolge auch unter Solu-Cortef auftreten können. Die Häufigkeiten sind dabei wie folgt definiert: sehr häufig (≥1/10), häufig (<1/10, ≥1/100), gelegentlich (<1/100, ≥1/1000), selten (<1/1000, ≥1/10'000), sehr selten (<1/10'000), nicht bekannt (Häufigkeit kann auf der Basis der vorliegenden Daten nicht zuverlässig abgeschätzt werden).

Infektionen

Häufig: Infektionen.

Nicht bekannt: Maskierung von Infektionen, Aktivierung latenter Infektionen (einschliesslich Reaktivierung von Tuberkulose), opportunistische Infektionen.

Blut-und Lymphsystem

Nicht bekannt: Leukozytose.

Immunsystem

Nicht bekannt: Überempfindlichkeitsreaktionen (inklusive anaphylaktischer und anaphylaktoider Reaktionen [z.B. Urtikaria, Bronchospasmus, Larinxödem, Kreislaufkollaps]), supprimierte Reaktionen auf Hauttests (vom verzögerten Typ).

Endokrine Störungen

Häufig: Suppression der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrindenachse, Cushing-Syndrom.

Nicht bekannt: Auslösung einer Phäochromozytom-Krise bei Patienten mit vorbestehendem (auch latentem) Phäochromzytom.

Stoffwechsel- und Ernährungsstörungen

Häufig: Natrium- und Flüssigkeitsretention, Kaliumverlust.

Nicht bekannt: Appetitzunahme (welche zur Gewichtzunahme führen kann), verminderte Glucosetoleranz, hypokaliämische Alkalose, vermehrte Kalzium- und Phosphatausscheidung, negative Stickstoffbilanz durch Eiweisskatabolismus.

Psychiatrische Störungen

Häufig: Euphorie, depressive Stimmung.

Nicht bekannt: Stimmungsschwankungen, schwere Depressionen, Persönlichkeitsveränderungen, Verstärkung von vorbestehender Affektlabilität oder psychotischem Verhalten.

Nervensystem

Nicht bekannt: Schlaflosigkeit, erhöhter intrakranieller Druck mit Papillenödem (Pseudotumor cerebri) meist nach der Behandlung, Konvulsionen, epidurale Lipomatose.

Augen

Häufig: posteriore subkapsuläre Katarakt.

Nicht bekannt: erhöhter intraokulärer Druck, Exophthalmus, zentrale seröse Chorioretinitis.

Herz

Nicht bekannt: dekompensierte Herzinsuffizienz (bei disponierten Patienten), Arrhythmien, Herzstillstand.

Gefässe

Häufig: Hypertonie.

Nicht bekannt: Hypotonie, thromboembolische Ereignisse.

Gastrointestinale Störungen

Häufig: peptische Ulzera (mit möglicher Blutung und Perforation).

Nicht bekannt: Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Oesophagitis, gastrointestinale Blutungen, Darmperforation, Pankreatitis.

Leber und Galle

Nicht bekannt: Erhöhung von Transaminasen und/oder alkalischer Phosphatase. Diese Veränderungen sind im Allgemeinen gering und nicht mit einem klinischen Syndrom verbunden. Sie sind nach Absetzen der Therapie reversibel.

Haut

Häufig: Akne, Ekchymosen, kutane oder subkutane Atrophie.

Nicht bekannt: dünne und empfindliche Haut, Erythem, Urtikaria, Striae, Hypo- oder Hyperpigmentierung, Petechien, steriler Abszess.

Muskelskelettsystem

Häufig: Muskelschwäche, Osteoporose.

Nicht bekannt: Myopathie, pathologische Frakturen, Wirbelkompressionsfrakturen, aseptische Osteonekrose, Sehnenriss (insbesonderen der Achillessehne).

Reproduktionssystem und Brust

Nicht bekannt: unregelmässige Menstruation, Potenzstörungen.

Allgemeine Störungen und Reaktionen an der Applikationsstelle

Häufig: verzögerte und/oder anderweitig beeinträchtigte Wundheilung.

Nicht bekannt: Müdigkeit.

Pädiatrie

Das Sicherheitsprofil von Hydrocortison bei Kindern und Jugendlichen entspricht im Wesentlichen jenem bei Erwachsenen. Darüber hinaus wurden bei Kindern folgende unerwünschte Wirkungen beobachtet:

Endokrine Störungen

Häufig: Wachstumsretardierung.

Psychiatrische Störungen

Häufig: Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, abnormes Verhalten.

Nervensystem

Häufig: Schlaflosigkeit.

Überdosierung

Ein klinisches Syndrom einer akuten Überdosierung von Solu-Cortef/-SAB ist nicht bekannt. Hydrocortison ist dialysierbar.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: H02AB09

Hydrocortison-Natriumsuccinat hat die gleichen metabolischen und antiinflammatorischen Eigenschaften wie Hydrocortison. Bei parenteraler Verabreichung in äquimolaren Mengen sind beide Substanzen biologisch wirkungsgleich. Der leicht lösliche Natriumsuccinat-Ester des Hydrocortisons ermöglicht die rasche intravenöse Verabreichung hoher Hydrocortisondosen in einer konzentrierten Lösung und eignet sich insbesondere zur raschen Einstellung hoher Hydrocortisonspiegel.

Die Wirkung von Glucocorticoiden beruht auf der Anregung oder Hemmung der Synthese spezifischer intrazellulärer Proteine. Diese biologisch aktiven Proteine sind für die eigentlichen systemischen Wirkungen verantwortlich. Aufgrund des Wirkmechanismus setzt die Wirkung auch bei parenteraler Verabreichung verzögert ein.

Die Dauer der antiinflammatorischen Wirkung der Glucocorticoide entspricht etwa der Dauer der Hypothalamus-Hypophysen-NNR Depression.

Die relative Äquivalenzdosis von Hydrocortison im Vergleich zu anderen Glucocorticoiden beträgt: 30 mg Hydrocortison = 35 mg Cortison = 7.5 mg Prednison bzw. Prednisolon = 6 mg Triamcinolon bzw. Methylprednisolon = 1 mg Dexamethason.

Pharmakokinetik

Absorption

Nach intramuskulärer Verabreichung von 1 mg/kg werden im Plasma Hydrocortison-Spitzenkonzentrationen von ca. 0.8 µg/ml innerhalb von 30-60 Minuten erreicht. Wird die gleiche Dosis intravenös verabreicht, so betragen die Höchstwerte der Hydrocortison-Plasmakonzentrationen etwa 2.0 µg/ml. Die i.v. Verabreichung von 100 mg ergibt eine Cmax von ca. 1.3 µg/ml.

Distribution

50-90% des Hydrocortisons wird durch corticosteroidbindendes Globulin (Transkortin) und Albumin gebunden.

Das Verteilungsvolumen beträgt 5.3 ± 0.55 l/m2. Nach intravenöser oder intramuskulärer Verabreichung verteilt sich Hydrocortison in Liquor und Gehirn, es passiert die Plazentaschranke und tritt in die Muttermilch über.

Der in Solu-Cortef enthaltene Hilfsstoff Benzylalkohol kann die Plazentaschranke passieren.

Metabolismus

Hydrocortison wird hauptsächlich in der Leber metabolisiert, v.a. durch Hydrogenierung und Glucuronidierung. Die Metaboliten sind pharmakologisch inaktiv.

Elimination

Die Elimination erfolgt über die Nieren, hauptsächlich in Form von Glucuroniden und nur zu einem geringen Teil als unverändertes Hydrocortison. Die terminale Halbwertszeit beträgt nach intravenöser Verabreichung etwa 2.5-4 Stunden.

Kinetik spezieller Patientengruppen

Pädiatrie: Bei Neugeborenen ist die Plasmaclearance niedriger als bei Kindern und Erwachsenen.

Niereninsuffizienz: Hydrocortison ist dialysierbar.

Leberinsuffizienz: Bei schwerer Leberinsuffizienz ist die Metabolisierung von Hydrocortison verzögert, sodass erwünschte und unerwünschte Wirkungen verstärkt sein können.

Hypoalbuminämie/Hyperbilirubinämie: Bei Vorliegen einer Hypoalbuminämie oder einer Hyperbilirubinämie steigt der Anteil des ungebundenen (wirksamen) Hydrocortisons, wodurch erwünschte und unerwünschte Wirkungen verstärkt werden können.

Präklinische Daten

Akute Toxizität

Die LD50 von Hydrocortison und Hydrocortisonnatriumsuccinat in Mäusen betrug 1315 mg/kg resp. 2330 mg/kg. In einer Studie zur akuten intravenösen Verträglichkeit von Hydrocortisonnatriumsuccinat bei Hunden lag der «No-Observed-Adverse-Effect Level» (NOAEL) bei 10 mg/kg.

Subakute Toxizität/chronische Toxizität

Die intravenöse Verabreichung von Hydrocortisonnatriumsuccinat an Ratten in Dosen von 20 bzw. 100 mg/kg/Tag über 14 Tage führte nicht zu Ulzerationen im Gastrointestinaltrakt, resultierte jedoch in einer dosisabhängigen Gewichtsabnahme der Nebenniere und in einer Atrophie der Zona fasciculata der Nebenniere. Intramuskuläre Injektionen von Hydrocortison bzw. Hydrocortisonnatriumsuccinat in einer Dosierung von 5 mg/kg/Tag an Kaninchen während 6 Wochen führten in der Hydrocortison-Gruppe zu einer deutlichen Abnahme der Knochenbildung, zu einer Steigerung der aktiven Knochenresorption und einer sich rasch entwickelnden Osteoporose. In der Hydrocortisonnatriumsuccinat-Gruppe zeigten sich nur geringfügige behandlungsbedingte Effekte.

Teratogenität

Systemisch verabreichte Corticosteroide zeigten in einigen Tierstudien teratogene Effekte. Die Teratogenität der verschiedenen Corticosteroide variierte dabei stark von Spezies zu Spezies, zwischen unterschiedlichen Stämmen derselben Spezies und je nach Applikationsweg.

Kanzerogenität, Mutagenität, Fertilität

Es wurden keine Karzinogenitätsstudien mit Hydrocortison durchgeführt. Im Ames-Test sowie in Untersuchungen zur DNA-Schädigung/Alkaline Elution-Assays erwies sich Hydrocortison als nicht genotoxisch. Hingegen wurden in in vitro-Untersuchungen an menschlichen Lymphozyten und in in vivo-Untersuchungen am Mikronukleus von Mäusen positive Ergebnisse gefunden.

Es wurden keine Fertilitätsstudien mit Hydrocortison durchgeführt. Bei Verabreichung von Corticosteroiden an Ratten wurde eine verminderte Fertilität beobachtet. Bei Behandlung männlicher Ratten mit Corticosteron waren die Kopulation beeinträchtigt sowie die Zahl der Implantationen und der lebenden Föten reduziert. In einer Fertilitätsstudie mit Behandlung männlicher und weiblicher Ratten mit Rimexolon wurden eine Zunahme von Resorptionen und eine Reduktion der lebenden Föten festgestellt.

Sonstige Hinweise

Inkompatibilitäten

Solu-Cortef/- SAB darf nur mit den unter «Hinweise für die Handhabung» aufgeführten Arzneimitteln gemischt werden.

Haltbarkeit

Das Arzneimittel darf nur bis zu dem auf der Packung mit «EXP» bezeichneten Datum verwendet werden.

Besondere Lagerungshinweise

Nicht über 25 °C und ausser Reichweite von Kindern aufbewahren.

Haltbarkeit der rekonstituierten und verdünnten Lösungen: siehe «Hinweise für die Handhabung».

Hinweise für die Handhabung

Parenteral angewandte Arzneimittel sind vor der Verabreichung visuell auf Partikel oder Verfärbungen zu untersuchen. Rekonstitution und Verdünnung müssen unter aseptischen Bedingungen erfolgen.

Solu-Cortef:

Rekonstitution von Solu-Cortef Act-O-Vial (2-Kammer-Ampulle) zur Herstellung der Injektionslösung:

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  1. Die Plastikkappe hinunterdrücken, damit das Lösungsmittel in die untere Kammer mit dem Lyophilisat fliessen kann.
  2. Bis zur Auflösung leicht schütteln.
  3. Die Plastikscheibe, welche den Stopfen bedeckt, entfernen.
  4. Den Gummistopfen desinfizieren.
  5. Die Injektionsnadel durch das Zentrum des Stopfens einstechen, bis die Spitze gerade sichtbar wird. Das Fläschchen umdrehen und die benötigte Dosis aufziehen.

Um das Risiko des Herausstechens von Gummiteilen des Stopfens zu vermindern, sollte bei der Entnahme der Lösung folgendes beachtet werden:

  • Eine möglichst dünne Nadel verwenden.
  • Den Stopfen innerhalb des kleinen markierten Kreises anstechen, da der Stopfen in der Mitte am dünnsten ist.
  • Die Nadel senkrecht zur Oberfläche des Stopfens einstechen.

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Zubereitung der Infusionslösung:

Nach der oben beschriebenen Rekonstitution von Solu-Cortef wird wie folgt verdünnt:

100 mg in 100 ml bis 1000 ml, 500 mg in 500 ml bis 1000 ml 5%iger Glucose-Lösung oder physiologischer Kochsalzlösung.

Solu-Cortef SAB:

Rekonstitution von Solu-Cortef SAB Stechampullen zur Herstellung der Injektionslösung:

Das Lösungsmittel wird in die Stechampulle mit dem Lyophilisat eingebracht und bis zur Lösung leicht geschüttelt. Zur Auflösung soll nur das beigefügte Lösungsmittel verwendet werden.

Solu-Cortef/- SAB sind Einzeldosispräparate für die einmalige Anwendung. Die rekonstituierte Injektionslösung sollte vorzugsweise sofort nach Zubereitung verwendet werden, kann jedoch bis maximal 4 Stunden bei Raumtemperatur aufbewahrt werden. Allfällige nicht verbrauchte Reste sind zu verwerfen.

Die verdünnte Infusionslösung sollte aus mikrobiologischer Sicht sofort nach Zubereitung verwendet werden; aseptische Handhabung vorausgesetzt kann sie maximal 4 Stunden bei Raumtemperatur aufbewahrt werden.

Zulassungsnummer

Solu-Cortef 23533 (Swissmedic).

Solu-Cortef SAB 56695 (Swissmedic).

Zulassungsinhaberin

Pfizer AG, Zürich.

Stand der Information

Dezember 2015.

LLD V010

Verwendung dieser Informationen

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