Ellaone Tabl 30 Mg

Ellaone Tabl 30 Mg

Fachinformationen

Zusammensetzung

Wirkstoff: Ulipristalum acetas.

Hilfsstoffe: Lactosum, Excipiens pro compresso.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Tablette zu 30 mg Ulipristalacetat.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Notfallkontrazeption innerhalb von 120 Stunden (5 Tagen) nach einem ungeschützten Geschlechtsverkehr bzw. Versagen der Kontrazeption.

Dosierung/Anwendung

Die Abgabe erfolgt ausschliesslich durch die Ärztin bzw. den Arzt oder die Apothekerin bzw. den Apotheker. Vor der Abgabe muss in einem Beratungsgespräch abgeklärt werden, ob das Präparat für die Patientin geeignet ist. Bei Ausbleiben der Monatsblutung ist eine ärztliche Nachkontrolle erforderlich.

Vor der Abgabe sollte die Patientin über die Vor- und Nachteile der verschiedenen Methoden der Notfallkontrazeption aufgeklärt werden. Im Zweifelsfall sollte, auch wenn das Zyklusstadium nicht restlos geklärt werden kann (siehe «Eigenschaften/Wirkungen»), auf jeden Fall so früh wie möglich eine Notfallkontrazeption durchgeführt werden.

Vor der Anwendung von ellaOne sollte eine bereits bestehende Schwangerschaft ausgeschlossen sein.

Zur Behandlung wird eine Tablette baldmöglichst und nicht später als 120 Stunden (5 Tage) nach einem ungeschützten Geschlechtsverkehr bzw. Versagen der Kontrazeption eingenommen.

Die Tablette kann zu einer Mahlzeit oder zwischen den Mahlzeiten eingenommen werden.

Wenn innerhalb von 3 Stunden nach der Einnahme von ellaOne Erbrechen auftritt, sollte eine weitere Tablette eingenommen werden.

Spezielle Dosierungsempfehlungen

Kinder und Jugendliche: Zur Anwendung von ellaOne bei Jugendlichen (einschliesslich solcher <16 Jahre) liegen eingeschränkte Daten vor. Für Jugendliche ab der Menarche wird, falls indiziert, dieselbe Dosierung wie bei Erwachsenen empfohlen (siehe auch «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen» und «Eigenschaften/Wirkungen»).

Ältere Patientinnen: Bei Frauen nach der Menopause besteht keine Indikation für ellaOne.

Eingeschränkte Leberfunktion: ellaOne wurde bei Patientinnen mit Leberfunktionsstörungen nicht untersucht. Bei schwerer Leberinsuffizienz darf ellaOne nicht angewendet werden. Für Patientinnen mit leichter oder mässiger Leberfunktionsstörung können keine spezifischen Dosierungsempfehlungen gemacht werden.

Eingeschränkte Nierenfunktion: Es ist keine Dosisanpassung notwendig.

Adipositas: Bei stark adipösen Patientinnen (BMI ≥35 kg/m2) könnte die Wirksamkeit von ellaOne eingeschränkt sein.

Kontraindikationen

Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile.

Schwere Leberfunktionsstörung.

Schwangerschaft

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

ellaOne hemmt oder verzögert die Ovulation (siehe «Eigenschaften/Wirkungen»). Falls die Ovulation bereits stattgefunden hat, ist ellaOne nicht mehr wirksam. Da der Zeitpunkt der Ovulation nicht vorhergesagt werden kann, muss die Einnahme von ellaOne so bald wie möglich nach einem ungeschützten Geschlechtsverkehr erfolgen.

ellaOne ist ein Notfallkontrazeptivum zur Senkung des Risikos einer Schwangerschaft nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr, gewährleistet jedoch keine Kontrazeption bei späterem Geschlechtsverkehr. Aus diesem Grund sollten Frauen nach Anwendung der Notfallkontrazeption bis zur nächsten Menstruationsblutung eine zuverlässige Barrieremethode anwenden.

ellaOne ist ausschliesslich zur sporadischen Anwendung gedacht und sollte keinesfalls eine regelmässige Kontrazeption ersetzen. In jedem Fall sollten die betroffenen Frauen über die Durchführung einer planmässigen Kontrazeption beraten werden.

Durch Notfallkontrazeption mit ellaOne wird der Eintritt einer Schwangerschaft nicht in jedem Fall verhindert. Deshalb sollte nach Anwendung von ellaOne möglichst auf die Einnahme von Arzneimitteln (sowie von Alkohol, Nikotin und anderen Drogen) verzichtet werden, bis eine Schwangerschaft definitiv ausgeschlossen werden kann.

Tritt trotz der Einnahme von ellaOne eine Schwangerschaft ein, sollte die Patientin ihren Gynäkologen/ihre Gynäkologin über die vorgängige Einnahme von ellaOne unterrichten.

Im Zweifelsfall sollte bei einer Verzögerung der nachfolgenden Menstruationsblutung um mehr als 7 Tage, bei abnormer Blutung zum Zeitpunkt der erwarteten Menstruation oder bei anderen Zeichen einer möglichen Schwangerschaft immer ein Schwangerschaftstest durchgeführt werden.

ellaOne ist nicht zur Anwendung während der Schwangerschaft geeignet und darf nicht von Frauen eingenommen werden, bei denen der Verdacht auf eine Schwangerschaft besteht bzw. bei denen eine Schwangerschaft bekannt ist. ellaOne führt jedoch nicht zum Abbruch einer bestehenden Schwangerschaft (siehe «Schwangerschaft/Stillzeit»).

Wenn nach Behandlung mit ellaOne eine Schwangerschaft eintritt, sollte wie bei jeder Schwangerschaft an die Möglichkeit einer Ektopie gedacht werden. Eine ektope Schwangerschaft kann auch trotz Auftretens uteriner Blutungen fortbestehen.

Über die Wirksamkeit von ellaOne bei Einnahme nach mehr als 120 Stunden (5 Tage) nach einem ungeschützten Geschlechtsverkehr liegen keine Daten vor.

Nach Einnahme von ellaOne kommt es häufig zu einem verzögerten Eintritt der nachfolgenden Menstruationsblutung. In den klinischen Studien trat die Menstruation bei ca. 18.5% der erwachsenen Anwenderinnen mit einer Verzögerung von mehr als 7 Tagen ein, bei 4% um mehr als 20 Tage verzögert. In einigen Fällen kann auch noch der auf den Anwendungszyklus folgende Menstruationszyklus um einige Tage verlängert sein. Seltener wurde ein vorzeitiges Eintreten der Menstruation beobachtet (bei etwa 7% der Studienteilnehmerinnen mehr als 7 Tage früher als erwartet). Ein verzögerter Eintritt der Menstruation wurde häufiger bei Jugendlichen (insbesondere Mädchen <16 Jahren) sowie bei Frauen mit unregelmässigen Zyklen in der Anamnese beobachtet. So wiesen 13% der Anwenderinnen <18 Jahre eine Verzögerung um mehr als 20 Tage auf.

Ein kleiner Teil der Frauen (8,7%) beobachtete Zwischenblutungen mit einer durchschnittlichen Dauer von 2,4 Tagen. In der Mehrzahl der Fälle (88,2%) wurden diese als Schmierblutungen beschrieben. Nur 0,4% der Frauen, die ellaOne im Rahmen der Phase-III-Studien erhielten, gaben eine starke Zwischenblutung an.

Die gleichzeitige Anwendung eines Notfallkontrazeptivums auf Basis von Levonorgestrel wird nicht empfohlen (siehe «Interaktionen»).

Eine schnelle Rückkehr der Fertilität nach der Behandlung mit ellaOne zur Notfall-Kontrazeption ist wahrscheinlich.

Aus diesem Grund ist die regelmässige Einnahme von Kontrazeptiva schnellstmöglich nach der Einnahme von ellaOne fortzusetzen bzw. zu beginnen, um einen fortwährenden Konzeptionsschutz zu gewährleisten. Bei Anwendung von ellaOne ist die Fortsetzung der regelmässigen hormonellen Kontrazeption nicht kontraindiziert, ellaOne kann aber deren Wirksamkeit beeinträchtigen (siehe «Interaktionen»).

Die Anwendung bei Frauen mit schwerem Asthma, die durch Einnahme von Glucocorticoiden behandelt werden, wird nicht empfohlen.

Besondere Patientengruppen

Bei Patientinnen, welche unter einer Langzeittherapie mit CYP3A4-Enzyminduktoren stehen, wird die Anwendung von ellaOne nicht empfohlen, da die Wirksamkeit von Ulipristalacetat vermindert sein kann (siehe «Interaktionen»).

ellaOne führt nicht zum Abbruch einer bestehenden Schwangerschaft.

Dieses Arzneimittel enthält Lactose. Patienten mit der hereditäreren Galactose‑Intoleranz, Lactase-Mangel oder Glucose-Galactose-Malabsorption sollten ellaOne nicht einnehmen.

Interaktionen

Möglicher Einfluss anderer Arzneimittel auf die Pharmakokinetik von Ulipristalacetat:

Ulipristalacetat wird durch CYP3A4 metabolisiert.

CYP3A4-Induktoren

Nach Gabe von Rifampicin, einem starken CYP3A4-Induktor, nahmen Cmax und AUC von Ulipristalacetat um 90% bzw. 93% ab. Die AUC des aktiven Metaboliten nahm um 84%, die Cmax um 90-91% ab. Bei gleichzeitiger Anwendung von CYP3A4-Induktoren (z.B. Barbiturate, Carbamazepin, Efavirenz, Felbamat, Modafinil, Oxcarbazepin, Primidon, Rifabutin, Rifampicin, Topiramat und Johanniskraut/Hypericum perforatum) kann daher die Wirksamkeit von ellaOne reduziert sein. Eine Anwendung von ellaOne bei Frauen unter Behandlung mit CYP3A4-Induktoren wird daher nicht empfohlen (siehe «Warnhinweise und Vorsichtmassnahmen»).

Wenn Proteaseinhibitoren (wie Ritonavir oder Nelfinavir) oder nicht-nukleosidale Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (z.B. Nevirapin) über einen längeren Zeitraum angewendet werden, können sie, obwohl sie eigentlich als starke Inhibitoren von Cytochrom P450 bekannt sind, bei gleichzeitiger Anwendung mit Sexualhormonen ebenfalls einen enzyminduzierenden Effekt aufweisen.

Zu beachten ist, dass die Enzyminduktion nur langsam abklingt und der Enzyminduktor daher noch 2-3 Wochen nach Beendigung der Einnahme die Plasmakonzentrationen von Ulipristalacetat beeinflussen kann.

CYP3A4-Inhibitoren

Nach Gabe von Ketoconazol, einem starken CYP3A4-Inhibitor, stiegen Cmax und AUC von Ulipristalacetat um das 2- bzw. 5,9-fache an. Die AUC des aktiven Metaboliten von Ulipristalacetat stieg um das 2,4-fache an, wohingegen seine Cmax um 47% abnahm.

Nach Gabe von Ulipristalacetat als Einzeldosis sind diese Interaktionen vermutlich klinisch nicht relevant.

Arzneimittel mit Einfluss auf den pH-Wert des Magens

Die Gabe von Ulipristalacetat (10 mg Tablette) zusammen mit dem Protonenpumpeninhibitor Esomeprazol (20 mg täglich während 6 Tagen) führte zu einer um etwa 65% tieferen Cmax, einer verzögerten Tmax (von Median 0.75 Stunden auf 1.0 Stunden) und einer um 13% höheren mittleren AUC. Die Wirkung von Arzneimitteln, welche den gastrischen pH erhöhen, dürfte für die Einzelgabe von Ulipristalacetat-Tabletten nicht von klinischer Relevanz sein.

Möglicher Einfluss von Ulipristalacetat auf die Pharmakokinetik anderer Arzneimittel:

Ulipristalacetat ist in vitro ein schwacher Hemmer von CYP1A2, 2A6, 2C9, 2C19, 2D6, 2E1 und 3A4. Bei Verabreichung von Ulipristalacetat als Einzeldosis ist in vivo weder eine klinisch relevante Inhibition noch eine Induktion dieser Enzyme zu erwarten. Interaktionen mit Substraten dieser CYP-Enzyme sind daher unwahrscheinlich.

P-Glykoprotein (p-Gp)-Substrate

In-vitro-Daten deuten darauf hin, dass Ulipristalacetat in klinisch relevanten Konzentrationen ein Inhibitor von p-Gp sein kann. Die in vivo-Ergebnisse (mit dem p-Gp-Substrat Fexofenadin) lassen keine abschliessende Beurteilung zu. Nach Gabe von Ulipristalacetat als Einzeldosis sind Interaktionen am p-Gp vermutlich klinisch nicht relevant.

Potentielle Interaktionen an Transportern

In-Vitro-Daten deuten darauf hin, dass Ulipristalacetat ein Hemmer von BCRP (Breast Cancer Resistance Protein)-Transportprotein im Darm sein könnte. Der Einfluss von Ulipristalacetat auf BCRP hat bei der Einnahme einer Einzeldosis von ellaOne wahrscheinlich keine klinischen Auswirkungen. Bei gleichzeitiger Gabe von BCRP-Substraten mit engem therapeutischem Fenster sollte dieser Sachverhalt jedoch berücksichtigt werden.

Ulipristalacetat ist kein Substrat für OATP1B1 oder OATP1B3.

Pharmakodynamische Interaktionen:

Hormonelle Kontrazeptiva:

Da Ulipristalacetat mit hoher Affinität an den Progesteronrezeptor gebunden wird, kann die Wirkung gestagenhaltiger Arzneimittel beeinträchtigt werden:

  • Die Wirksamkeit hormonaler Kontrazeptiva (sowohl von kombinierten Kontrazeptiva als auch von Gestagen-Monopräparaten) kann reduziert sein. Umgekehrt könnte auch die Gestagen-Komponente des Kontrazeptivums den Einfluss von Ulipristalacetat auf die Ovulation beeinträchtigen. Es wird daher empfohlen, bis zum Eintritt der nächsten Menstruation eine Barrieremethode anzuwenden (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).
  • Die gleichzeitige Anwendung von Ulipristalacetat und Notfallkontrazeptiva auf Basis von Levonorgestrel wird nicht empfohlen.

Schwangerschaft/Stillzeit

Schwangerschaft

ellaOne ist bei bestehender oder vermuteter Schwangerschaft kontraindiziert. Obwohl kein teratogenes Potenzial festgestellt wurde, sind die tierexperimentellen Daten in Bezug auf die Reproduktionstoxizität nicht ausreichend (siehe «Präklinische Daten»). Über den Gesundheitszustand von Föten/Neugeborenen nach intrauteriner Exposition liegen nur limitierte Humandaten vor. Die bisherigen Beobachtungen ergaben jedoch keine Hinweise auf kongenitale Anomalien oder eine Entwicklungsverzögerung. Zur Erfassung des Verlaufes und Ausgangs von Schwangerschaften nach ellaOne-Exposition wird ein Schwangerschaftsregister geführt. Alle Anwenderinnen sowie Angehörige der Gesundheitsberufe werden gebeten, Fälle einer Schwangerschaft mit ellaOne-Exposition an den Inhaber der Zulassung (siehe «Zulassungsinhaberin») zu melden.

Stillzeit

Ulipristalacetat tritt in die Muttermilch über (siehe «Pharmakokinetik»). Die Auswirkungen für Neugeborene/Säuglinge wurde nicht untersucht. Ein Risiko für das gestillte Kind kann nicht ausgeschlossen werden. Nach der Einnahme von ellaOne ist das Stillen für eine Woche auszusetzen und die Milch in dieser Zeit abzupumpen.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Es wurden keine Studien zu den Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen durchgeführt. Die unter «unerwünschte Wirkungen» beschriebenen Effekte wie Schwindelgefühl, Schläfrigkeit, Verschwommensehen oder Aufmerksamkeitsstörungen sollten beachtet werden.

Unerwünschte Wirkungen

Die Sicherheit der Anwendung von Ulipristalacetat wurde in klinischen Studien an insgesamt 5297 Frauen untersucht. Die am häufigsten genannten unerwünschten Wirkungen waren Kopfschmerzen, Übelkeit, Bauch- und Unterleibsschmerzen (Dysmenorrhö).

Nachfolgend sind die unerwünschten Wirkungen nach Organklassen und Häufigkeit zusammengestellt, die im Phase-III-Programm an 2637 Frauen sowie nach der Marktzulassung unter Ulipristalacetat beobachtet wurden. Die Häufigkeiten sind dabei wie folgt definiert: häufig: ≥1/100-<1/10; gelegentlich: ≥1/1000-<1/100; selten: ≥1/10'000-<1/1000.

Infektionen

Gelegentlich: Vaginitis.

Stoffwechsel- und Ernährungsstörungen

Gelegentlich: Appetitstörungen.

Selten: Dehydratation.

Psychiatrische Erkrankungen

Häufig: affektive Störungen.

Gelegentlich: emotionale Störungen, Veränderungen der Libido, Ängstlichkeit, Hyperaktivität.

Selten: Aufmerksamkeitsstörung, Desorientiertheit.

Erkrankungen des Nervensystems

Häufig: Kopfschmerzen, Schwindel.

Gelegentlich: Schlaflosigkeit, Schläfrigkeit, Migräne.

Selten: Tremor, Dysgeusie, Parosmie, Synkope.

Augenerkrankungen

Gelegentlich: Sehstörungen.

Selten: Hyperämie der Skleren, Photophobie.

Gefässe

Gelegentlich: Hitzewallungen.

Erkrankungen der Atemwege, des Brustraums und Mediastinums

Selten: trockener Rachen.

Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts

Häufig: Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen.

Gelegentlich: Mundtrockenheit, Meteorismus, Diarrhoe, Verdauungsstörungen.

Selten: Sodbrennen.

Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes

Gelegentlich: Pruritus, Akne, Dermatose.

Selten: Urtikaria.

Sklelettmuskulatur-, Bindegewebs- und Knochenerkrankungen

Häufig: Myalgie, Rückenschmerzen.

Erkrankungen der Geschlechtsorgane und der Brustdrüse

Häufig: Spannungsgefühl in der Brust, Unterleibsschmerzen, Dysmenorrhö, Zwischenblutungen.

Gelegentlich: Fluor vaginalis, Menorrhagie, Metrorrhagie, Menstruationsbeschwerden, prämenstruelles Syndrom.

Selten: Genitalpruritus, Hypomenorrhoe, vulvovaginale Schmerzen, Dyspareunie, rupturierte Ovarialzyste.

Allgemeine Erkrankungen

Häufig: Müdigkeit.

Gelegentlich: Malaise, Reizbarkeit, Pyrexie, Schüttelfrost.

Selten: verstärktes Durstgefühl, thorakale Missempfindungen.

82 Frauen wurden mehrfach in die Phase-III-Studien aufgenommen und erhielten dementsprechend mehr als eine Dosis ellaOne (73 Frauen nahmen zweimal, 9 Frauen dreimal teil). Diese Patientinnen unterschieden sich bezüglich der untersuchten Sicherheitsparameter (d.h. Häufigkeit und Schweregrad unerwünschter Ereignisse, Änderungen von Dauer und Stärke der Menstruation, Häufigkeit von Zwischenblutungen) nicht vom Gesamtkollektiv.

Jugendliche:

Insgesamt entspricht das Sicherheitsprofil von ellaOne bei Jugendlichen jenem bei Erwachsenen. Eine Verlängerung des Menstruationszyklus (einschliesslich einer solchen um mehr als 20 Tage) wurde jedoch bei Jugendlichen häufiger beobachtet als bei Erwachsenen (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Überdosierung

Zur Überdosierung von Ulipristalacetat liegen nur begrenzte Erfahrungen vor. Eine begrenzte Anzahl Probandinnen erhielt Einzeldosen von bis zu 200 mg ohne dass es zu schwer verlaufenden oder schwerwiegenden unerwünschten Wirkungen kam. Insgesamt ist im Falle einer Überdosierung mit dem vermehrten Auftreten der unter «Unerwünschten Wirkungen» genannten Symptome zu rechnen, insbesondere mit einer veränderten Zyklusdauer. Es existiert kein spezifisches Antidot, eine Behandlung sollte ggf symptomatisch erfolgen.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: G03AD02

Ulipristalacetat ist ein oral wirksamer synthetischer selektiver Progesteronrezeptor-Modulator, dessen Wirkung auf einer hochaffinen Bindung an den menschlichen Progesteronrezeptor beruht. Als Mechanismus bei der Anwendung zur Notfallkontrazeption wird die Hemmung oder Verzögerung der Ovulation durch Unterdrückung des LH-Anstiegs angesehen. Pharmakodynamische Daten zeigen, dass Ulipristalacetat selbst bei Einnahme unmittelbar vor der Ovulation (d.h. nach bereits erfolgtem LH-Anstieg) die Follikelperforation in 78,6% der Fälle um mindestens 5 Tage verzögern kann (p<0,005 vs. Levonorgestrel und vs. Placebo). Ulipristalacetat hat jedoch keine kontrazeptive Wirkung, wenn es nach der Ovulation eingenommen wird.

ellaOne führt nicht zum Abbruch einer bestehenden Schwangerschaft.

Daneben hat Ulipristalacetat auch hohe Affinität zum Glucocorticoidrezeptor; in vitro zeigten sich beim Tier antiglucocorticoide Wirkungen. Beim Menschen wurden diese Wirkungen allerdings selbst nach wiederholter Anwendung einer Tagesdosis von 10 mg nicht beobachtet. Ulipristalacetat hat nur minimale Affinität zum Androgenrezeptor und keine Affinität zu menschlichen Estrogen- oder Mineralocorticoidrezeptoren.

Klinische Studien

Die kontrazeptive Wirksamkeit von Ulipristalacetat wurde in zwei klinischen Studien an insgesamt mehr als 3000 Frauen untersucht. Dabei zeigte sich, dass bei Anwendung der Notfallkontrazeption innerhalb von 72 Stunden nach einem ungeschützten Geschlechtsverkehr (bzw. Versagen der Kontrazeption) die Wirksamkeit von Ulipristalacetat jener von Levonorgestrel nicht unterlegen war. An den gepoolten Daten der beiden Studien lag das Schwangerschaftsrisiko unter Ulipristalacetat bei 1.36% (gegenüber einer ohne Notfallkontrazeption erwarteten Schwangerschaftsrate von rund 5%).

In zwei klinischen Studien an Erwachsenen wurde ellaOne bis zu 120 Stunden nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr eingenommen. In einer offenen klinischen Studie, die Frauen einschloss, die zwischen 48 und 120 Stunden nach einem ungeschützten Geschlechtsverkehr bzw. Versagen der Kontrazeption mit Ulipristalacetat behandelt wurden, lag die Schwangerschaftsrate bei 2,1% (26/1241). Die zweite, kleinere Studie bestätigte die kontrazeptive Wirksamkeit von ellaOne auch bei Einnahme erst 72-120 Stunden nach dem ungeschützten Verkehr.

Jugendliche

In einer offenen, unkontrollierten Phase IV-Studie wurden Sicherheit und Wirksamkeit von ellaOne auch bei Jugendlichen untersucht. In diese Studie waren neben 233 erwachsenen Frauen auch 239 Jugendliche eingeschlossen, davon 64 Mädchen <16 Jahre. Die Schwangerschaftsrate lag in dieser Studie für Erwachsene bei 2.1% (5 von 233), für Jugendliche bei 0.8% (2 von 239).

Eine Verlängerung des Zyklus, in welchem ellaOne angewendet wurde, um mehr als 7 Tage fand sich bei Jugendlichen signifikant häufiger als bei erwachsenen Anwenderinnen (42.6% vs. 37.0%, relatives Risiko 1.36 [95%-Konfidenzintervall 1.04-1.78]; siehe auch «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»). Für andere unerwünschte Wirkungen fanden sich keine relevanten Unterschiede zwischen Jugendlichen und Erwachsenen.

Pharmakokinetik

Absorption

Nach oraler Gabe einer Einzeldosis von 30 mg wird Ulipristalacetat rasch resorbiert. Der Plasmaspitzenspiegel von 176 ± 89 ng/ml wird etwa 1 Stunde (0,5–2,0 h) nach der Einnahme erreicht, die Fläche unter der Kurve (AUC0-∞) beträgt 556 ± 260 ng•h/ml.

Bei Einnahme von Ulipristalacetat mit einem fettreichen Frühstück war die durchschnittliche Cmax um 45% vermindert und der Medianwert der Tmax verlängert (von 0,75 auf 3 Stunden), während die mittlere AUC0-∞ um 25% höher lag als bei der Nüchterneinnahme. Ähnliche Ergebnisse wurden für den pharmakologisch wirksamen, monodemethylierten Metaboliten gefunden.

Die Dissolution von Ulipristalacetat ist pH-abhängig.

Distribution

Ulipristalacetat liegt weitgehend (>98%) gebunden an Plasmaproteine wie Albumin, saures Alpha-l-Glycoprotein und HDL (High density lipoprotein) vor. Das mittlere Verteilungsvolumen beträgt 3470 l.

Ulipristalacetat ist eine lipophile Verbindung und tritt in die Muttermilch über. Die durchschnittliche, tägliche Exkretion beträgt 13,35 μg [0-24 Stunden], 2,16 μg [24-48 Stunden], 1,06 μg [48-72 Stunden], 0,58 μg [72-96 Stunden] und 0,31 μg [96-120 Stunden].

Metabolismus

Ulipristalacetat wird in der Leber intensiv zu monodemethylierten, didemethylierten und hydroxylierten Metaboliten verstoffwechselt. Der monodemethylierte Metabolit ist pharmakologisch wirksam. In-vitro-Untersuchungen zeigen, dass der Abbau überwiegend über CYP3A4 sowie zu einem geringen Anteil über CYP1A2 und CYP2A6 verläuft.

Elimination

Ulipristalacetat wird überwiegend über die Faezes eliminiert, nur weniger als 10% werden über den Urin ausgeschieden. Die terminale Halbwertszeit betrug nach einer Einzeldosis von 30 mg 32,4 ± 6,3 Stunden, die mittlere orale Clearance (Cl/F) lag bei 76,8 ± 64,0 l/h.

Kinetik spezieller Patientengruppen

Kinder und Jugendliche: Die Pharmakokinetik von Ulipristalacetat wurde ausschliesslich bei erwachsenen Frauen untersucht.

Leber- und Nierenfunktionsstörungen: Bei Frauen mit renalen oder hepatischen Funktionsstörungen wurden keine Studien zur Pharmakokinetik von Ulipristalacetat durchgeführt.

Präklinische Daten

Basierend auf den konventionellen Studien zur Sicherheitspharmakologie, Toxizität bei wiederholter Gabe und Genotoxizität lassen die nichtklinischen Daten keine besonderen Gefahren für den Menschen erkennen. Die meisten in den allgemeinen Toxizitätsstudien festgestellten Wirkungen waren auf den Wirkungsmechanismus als Modulator an Progesteron- und Glucocorticoidrezeptoren zurückzuführen. Antiprogesteronwirkungen traten bei einer der therapeutischen Anwendung vergleichbaren Exposition auf.

Informationen aus Studien zur Beurteilung der Reproduktionstoxizität liegen nur in begrenztem Umfang vor, da in diesen Studien keine Bemessung der Exposition vorgenommen wurde. Ulipristalacetat wirkt embryoletal bei Ratten, Kaninchen (in wiederholten Dosen über 1 mg/kg) und Affen. Die Sicherheit in Bezug auf menschliche Embryonen bei den genannten wiederholten Dosen ist nicht bekannt. Bei Dosierungen, die ausreichend niedrig für eine Aufrechterhaltung der Schwangerschaft waren, wurden in den tierexperimentellen Studien keine teratogenen Wirkungen beobachtet.

Studien zur Kanzerogenität (bei Ratten und Mäusen) zeigten, dass Ulipristalacetat nicht kanzerogen ist.

Sonstige Hinweise

Haltbarkeit

Das Arzneimittel darf nur bis zu dem auf dem Behälter mit «EXP» bezeichneten Datum verwendet werden.

Besondere Lagerungshinweise

Die Blisterpackung bei Raumtemperatur (15-25 °C) im Umkarton aufbewahren, um den Inhalt vor Licht zu schützen.

Das Arzneimittel muss ausser Reichweite von Kindern aufbewahrt werden.

Zulassungsnummer

62531 (Swissmedic).

Zulassungsinhaberin

HRA-Pharma Switzerland Sàrl, 1260 Nyon.

Stand der Information

November 2015.

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