Velbe Trockensub 10 Mg Durchstf

Velbe Trockensub 10 Mg Durchstf

Fachinformationen

Zusammensetzung

Wirkstoff: Vinblastini sulfas.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Stechampullen mit Lyophilisat zu 10 mg

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Morbus Hodgkin im Stadium III und IV,

B- und T-Non-Hodgkin-Lymphom, Haarzellen-Leukämie,

Kaposi Sarkom,

Histiozytosis X,

fortgeschrittenes Hoden-Karzinom,

Chorionkarzinom, das gegen andere Chemotherapeutika resistent ist,

fortgeschrittenes Mammakarzinom, das auf endokrine oder chirurgische Massnahmen nicht ausreichend anspricht.

Velbe kommt gewöhnlich in Kombination mit anderen Präparaten zur Anwendung.

Dosierung/Anwendung

Velbe soll nur von in der Tumortherapie erfahrenen Ärzten angewandt werden.

Velbe wird als intravenöse Injektion verabreicht. Zubereitung der Injektionslösung und Verabreichung siehe «Sonstige Hinweise/Hinweise für die Handhabung». Velbe sollte nicht öfter als einmal wöchentlich verabreicht werden.

Die empfohlene Anfangsdosis beträgt für Erwachsene 3,7 mg/m2. Anschliessend erfolgt eine Steigerung um 1,8 mg/m2 pro Woche bis maximal 18,5 mg/m2 in der Monotherapie.

Die empfohlene Anfangsdosis beträgt für Kinder und Jugendliche 2,5 mg/m2. Anschliessend erfolgt eine Steigerung um 1,25 mg/m2 pro Woche bis maximal 12,5 mg/m2 in der Monotherapie.

Sobald die Dosis feststeht (Monotherapie), die eine Leukopenie von 3'000/mm3 hervorruft, ist die nächst niedrigere Dosis als Erhaltungstherapie wöchentlich zu verabreichen.

Weil in der Erhaltungsdosis Variabilität bestehen kann, muss die Erhaltungsdosis bei jedem Patient individuell eingestellt werden, wie bei Anfangsdosis beschrieben.

Kombinationstherapie:

In der Kombinationstherapie beträgt die maximale Dosis 6 mg/m2, je nach verwendetem Therapieschema.

Spezielle Dosierungsanweisungen

Patienten mit Leberfunktionsstörungen: Wenn am ersten Behandlungstag eine eingeschränkte Leberfunktion vorliegt, sind in Abhängigkeit von der totalen Bilirubinkonzentration folgende Vinblastin-Dosierungen zu wählen:

Total BilirubinwertVinblastin-Dosis
<25 µmol/l100%
25–50 µmol/l50%
>50 µmol/lBehandlung mit Vinblastin unterbrechen

Patienten mit Nierenfunktionsstörungen: Es ist keine Dosisanpassung erforderlich.

Anwendung:

Vinblastin darf ausschliesslich intravenös und nicht intramuskulär, subkutan oder intrathekal appliziert werden. Die intrathekale Gabe hat tödliche neurotoxische Wirkungen zur Folge.

Die benötigte Vinblastin-Dosis kann entweder in den Schlauch einer laufenden intravenösen Infusion oder direkt in die Vene injiziert werden. Die Injektion kann innerhalb von etwa 1 Minute durchgeführt werden, sofern die Kanüle korrekt in der Vene liegt. Eine paravasale Injektion kann Zellulitis oder Phlebitis hervorrufen.

Bei Auftreten eines Paravasats ist die Injektion unverzüglich abzubrechen und die restliche Dosis gegebenenfalls in eine andere Vene zu verabreichen (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen» sowie «Sonstige Hinweise» Zubereitung und Verabreichung der Injektionslösung). Wegen eines erhöhten Risikos von Reizerscheinungen sollte Vinblastin nicht in grossen Lösungsmittelmengen (z.B. 100–250 ml) verdünnt und nicht als langsame Infusion (über 30–60 Minuten oder länger) gegeben werden.

Es wird abgeraten, Vinblastin in eine Extremität zu verabreichen, wenn ein erhöhtes Thromboserisiko besteht (siehe «Sonstige Hinweise» Zubereitung und Verabreichung der Injektionslösung).

Kontraindikationen

Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder einem anderen Vinca-Alkaloid.

Schwere Granulozytopenie.

Charcot-Marie-Tooth-Syndrom.

Schwere unkontrollierte Infektionen. Derartige Infektionen müssen vor der Verabreichung von Vinblastin durch antiseptische oder antibiotische Behandlung unter Kontrolle gebracht werden.

Intrathekale Verabreichung.

Schwangerschaft, Stillzeit.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

TÖDLICH BEI VERSEHENTLICHER INTRATHEKALER ANWENDUNG – NUR INTRAVENÖS APPLIZIEREN!

Vinblastinsulfat ist hochtoxisch mit einem geringen therapeutischen Index.

Velbe führt zu einer Knochenmarksdepression. Insbesondere bei vorgeschädigtem Knochenmark ist mit ausgeprägten Effekten auf Leukozyten zu rechnen. Bei einem Absinken der Leukozytenzahl unter 2'000/mm3 ist der Patient sorgfältig wegen einer evtl. auftretenden Infektion zu beobachten, bis sich das weisse Blutbild wieder gebessert hat. In der Folge einer Behandlung mit Vinblastin ist fünf bis zehn Tage nach der letzten Anwendung mit dem Nadir der Granulozytenzahl zu rechnen. Die Zahl der Granulozyten erholt sich anschliessend recht schnell und hat sich in der Regel nach 7–14 Tagen wieder normalisiert.

Bei Auszehrung (Kachexie) oder Hautulzerationen kann es unter Velbe zu einer stärkeren Leukopenie kommen; daher sollte das Präparat älteren Patienten mit derartigen Symptomen möglichst nicht verabreicht werden.

Die Thrombozytenzahl wird unter der Therapie mit Velbe normalerweise nicht wesentlich gesenkt, eine Thrombopenie (unter 20'000 Thrombozyten/mm3) kann jedoch bei Patienten auftreten, deren Knochenmark bereits durch eine vorausgegangene Strahlenbehandlung oder onkolytische Chemotherapie in Mitleidenschaft gezogen wurde. Hat vorher aber keine andere Chemotherapie oder keine Strahlenbehandlung stattgefunden, so sind Thrombozytenwerte unter 20'000/mm3 selbst bei einer höhergradigen Leukopenie durch Velbe nur sehr selten.

Bei Patienten mit malignen Knochenmarksinfiltrationen hat man verschiedentlich schon nach geringen Dosen von Velbe einen Abfall der Leukozyten und Thrombozyten beobachtet. In solchen Fällen ist die Weiterverwendung des Präparates nicht zu empfehlen.

Die langfristige tägliche Gabe niedriger Dosen von Vinblastin wird nicht empfohlen, auch wenn die wöchentliche Gesamtmenge der empfohlenen Dosierung entspricht. Es ist sehr wichtig, das vorgeschriebene Dosierungsschema genau einzuhalten. Die auf sieben Tagesdosen verteilte Verabreichung eines Mehrfachen der empfohlenen Wochendosis über längere Zeit hat zu Krämpfen, schweren Dauerschäden am Zentralnervensystem und sogar zu Todesfällen geführt.

Vinblastin darf in diesem Fall nicht mehr angewendet werden.

Patienten mit eingeschränkter Leberfunktion müssen mit Vorsicht behandelt werden und die Dosis ist allenfalls anzupassen (siehe «Dosierung/Anwendung»). Das gleiche gilt, wenn gleichzeitig mit der Chemotherapie bestrahlt wird und das Bestrahlungsfeld die Leber einschliesst. Gegebenenfalls sollte Velbe vorsichtshalber so lange nicht verabreicht werden, bis die Strahlentherapie beendet ist.

Bei Patienten mit ischämischer Herzerkrankung ist Vorsicht geboten.

Die gleichzeitige Anwendung von Vinblastin mit attenuierten Lebendimpfstoffen, Phenytoin und Itraconazol wird generell nicht empfohlen.

Die Verabreichung von Velbe an Patienten mit vorbestehender neuromuskulärer Erkrankung, aber auch wenn gleichzeitig andere Arzneimittel mit neurotoxischem Potential zu Anwendung kommen, muss unter sorgfältiger Kontrolle von Dosierung und Nebenwirkungen erfolgen.

Akute Kurzatmigkeit (Dyspnoe) und schwerer Bronchospasmus sind nach der Verabreichung von Vinca-Alkaloiden mitgeteilt worden. Diese Reaktionen wurden am häufigsten beobachtet, wenn das Vinca-Alkaloid in Kombination mit Mitomycin-C angewendet wurde, und können eine aggressive Behandlung erfordern, vor allem im Fall einer vorbestehenden Lungenfunktionsstörung. Diese Reaktionen können Minuten bis mehrere Stunden nach der Injektion des Vinca-Alkaloids einsetzen, auch dann, wenn das Vinca-Alkaloid bis zu 2 Wochen nach Mitomycin-C verabreicht wurde. Es kann zu einer progressiven Dyspnoe kommen, die eine chronische Behandlung erfordert. Das Vinca-Alkaloid sollte nicht wieder verabreicht werden.

Velbe kann die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen. Bei männlichen Patienten wurde Aspermie beobachtet, die bei Anwendung der Kombination Velbe/Procarbazin/alkylierendes Mittel/Prednison - wenn überhaupt - meist erst nach 2 Jahren therapiefreier Remission reversibel war. Die bei einigen Patientinnen unter der genannten Kombinationsbehandlung aufgetretene Amenorrhoe war häufig reversibel. Männer und Frauen sollten während und bis zu 6 Monaten nach der Behandlung eine sichere Kontrazeption durchführen (siehe «Schwangerschaft/Stillzeit»).

Während der Remissionsbehandlung mit Vinblastin bei Lymphomen kann es zur Erhöhung der Harnsäurespiegel im Serum kommen. Daher sollte die Serumharnsäure überwacht und geeignete Massnahmen getroffen werden.

Während der Behandlung mit Vinblastin soll eine intensive Sonnenlicht-Exposition vermieden werden.

Es muss darauf geachtet werden, dass Vinblastin nicht mit den Augen in Kontakt kommt.

Wenn während der i.v. Injektion Lösung von Velbe in das paravenöse Gewebe gelangt, kann es zu Nekrosen kommen. Die Injektion ist bei paravenöser Injektion sofort abzubrechen. Um die in das paravenöse Gewebe eingedrungene Lösung schneller zu verteilen und damit die Beschwerden und das Risiko einer Gewebsreizung zu verringern, kann Hyaluronidase lokal injiziert und mässige Wärme an der betroffenen Stelle angewendet werden.

Velbe darf wegen tödlicher neurotoxischer Wirkungen nicht intrathekal verabreicht werden. Nach versehentlicher intrathekaler Gabe ist umgehend ein neurochirurgischer Eingriff gegen eine aufsteigende Lähmung mit Todesfolge erforderlich (siehe «Dosierung/Anwendung» und «Sonstige Hinweise/Hinweise für die Handhabung»).

Vorsichtsmassnahmen bei der Rekonstitution

Bei der Zubereitung und Anwendung sind geeignete Vorsichtsmassnahmen für den Umgang mit zytostatischen Wirkstoffen zu treffen, wie das Tragen von Schutzhandschuhen, Gesichtsmaske und Schutzbrille. Bei Kontakt mit der Haut und Kornea muss sofort reichlich mit Wasser gespült werden.

Interaktionen

Bei gleichzeitiger oraler oder intravenöser Verabreichung von Phenytoin und antineoplastischen Chemotherapie-Kombinationen, welche Vinblastin einschlossen, wurde über eine Senkung der Phenytoin-Blutspiegel und eine Erhöhung der Krampfaktivität berichtet. Die Interaktion beruht möglicherweise auf einer verminderten Resorption und/oder einer verstärkten Metabolisierung und Elimination von Phenytoin. Bei der Anwendung in Kombination mit Vinblastin kann eine Anpassung der Phenytoin-Dosierung auf der Basis regelmässiger Blutspiegelkontrollen notwendig sein.

Da Vinblastin über CYP3A4 metabolisiert wird, ist Vorsicht geboten bei gleichzeitiger Behandlung mit Inhibitoren (z.B. Ketoconazol, Itraconazol, Erythromycin), Induktoren (z.B. Hypericum Präparate) und Substraten von CYP3A4.

Bei der Kombination von Vinblastin mit Mitomycin C besteht die Gefahr von irreversibler pulmonaler Toxizität, insbesondere bei vorgeschädigtem Gewebe. Vinblastin kann in einem Kombinationsregime mit Mitomycin zu akuter Atemnot und Lungeninfiltration führen. Fälle von Atemnot mit interstitiellen Lungeninfiltraten wurden unter der Kobination von Vinblastin mit Mitomycin C und Progesteron (MVP) berichtet.

Es liegen Berichte über das Auftreten von Raynaud-Phänomen und gangrän nach gleichzeitiger Anwendung von Vinblastin und Bleomycin sowie über andere vaskuläre Ereignisse (wie Myokardinfarkt und Schlaganfall) nach kombinierter Behandlung mit Vinblastin, Bleomycin und Cisplatin vor.

Die Neurotoxizität von Cisplatin kann durch Vinblastin verstärkt werden.

Wechselwirkungen mit Bestrahlung während und nach einer Strahlentherapie sind ebenfalls möglich.

Erythromycin kann die Toxizität von Vinblastin erhöhen.

Die gleichzeitige Anwendung von Vinblastin und Itraconazol kann das Risiko von Neurotoxizität oder paralytischem Ileus erhöhen.

Die Serumspiegel von Antikonvulsiva können durch zytotoxische Wirkstoffe wie Vinblastin vermindert werden.

Vinblastin kann die Aufnahme von Methotrexat in die Zellen fördern. Wechselwirkungen zwischen Vinblastin, alkylierenden Wirkstoffen und Methotrexat während des Zellzyklus können zu einer Verstärkung des zytotoxischen Gesamteffekts führen.

Patienten, die eine zytotoxische Chemotherapie erhalten, sollten nicht mit Lebendimpfstoffen geimpft werden, da das Risiko einer systemischen Erkrankung besteht, die tödlich verlaufen kann. Dieses Risiko ist bei Patienten, die infolge ihrer Grunderkrankung bereits immunsupprimiert sind, erhöht. Soweit verfügbar, sollte ein inaktivierter Impfstoff verwendet werden.

Schwangerschaft/Stillzeit

Es liegen keine hinreichenden Daten für die Anwendung von Vinblastin bei Schwangeren vor. Die pharmakologische Wirkungsweise lässt mögliche schädliche Wirkungen während der Schwangerschaft vermuten. Präklinische Studien haben Genotoxizität, Teratogenität und anderweitige Reproduktionstoxizität gezeigt. Vinblastin darf nicht während der Schwangerschaft verwendet werden, es sei denn, dies ist eindeutig erforderlich. Frauen im gebärfähigen Alter müssen vor Beginn und während der Behandlung mit Velbe eine sichere Kontrazeption durchführen. Tritt während der Behandlung mit Velbe dennoch eine Schwangerschaft ein, so ist die Möglichkeit einer genetischen Beratung zu nutzen. Vinblastin ist genotoxisch, daher wird auch bei Kinderwunsch nach einer Therapie eine genetische Beratung empfohlen.

Es ist nicht bekannt, ob Vinblastin in die Muttermilch übergeht. Daher soll Velbe während der Stillzeit nicht verabreicht werden oder es soll abgestillt werden.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Die Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen wurde nicht untersucht.

Unerwünschte Wirkungen

Die Nebenwirkungen sind im Allgemeinen dosisabhängig. Sie können bei Patienten mit eingeschränkter Leberfunktion verstärkt auftreten. Mit Ausnahme von Haarausfall, Leukopenie und neurologischen Störungen dauern sie im Allgemeinen nicht länger als 24 Stunden an.

Die Nebenwirkungen sind nach folgenden Häufigkeitsangaben aufgeführt:

Sehr häufig (≥1/10); häufig (≥1/100 bis <1/10); gelegentlich (≥1/1000 bis <1/100); selten (≥1/10000 bis 1/1000); sehr selten (<1/10000); nicht bekannt (Häufigkeit auf der Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar).

Erkrankungen des Blut- und Lymphsystems

Sehr häufig: Knochenmarksdepression, insbesondere Leukopenie und Granulozytopenie ist die häufigste Nebenwirkung und stellt einen dosisbegrenzenden Faktor dar. Der Patient sollte angewiesen werden, bei Entzündungen der Mundschleimhaut oder des Halses sowie bei Fieber oder Schüttelfrost sofort den Arzt zu verständigen.

Der Nadir ist 5-10 Tage nach der letzten Applikation von Velbe zu erwarten. Die Normalisierung des weissen Blutbildes ist gewöhnlich nach weiteren 7-14 Tagen abgeschlossen.

Häufig: Anämie, Thrombozytopenie.

Nicht bekannt: Hämolytische Anämie.

Endokrine Störungen

Selten: Sekretionsstörung des antidiuretischen Hormons nach Verabreichung höherer als der empfohlenen Dosen.

Psychiatrische Störungen

Gelegentlich: Depression.

Nicht bekannt: Psychose.

Erkrankungen des Nervensystems

Häufig: Taubheitsgefühl in Finger- und Zehenspitzen (Paraesthesien), Verlust der tiefen Sehnenreflexe, periphere Nervenentzündungen, Kopfschmerzen, Krämpfe, Schwindel. Fälle von Apoplexie (CVA = cerebrovascular accident) wurden bei Patienten beobachtet, die eine kombinierte Chemotherapie mit Bleomycin, Cisplatin und Vinblastin erhielten.

Nicht bekannt: Neurogene Schmerzen (in Gesicht und Kiefer), periphere Neuropathie, Stimmbandparese.

Augenerkrankungen

Gefahr schwerer epithelialer Erosionen mit Blepharospasmus, Schwellung des Lids und der präaurikulären Lymphknoten nach Kontakt mit der Hornhaut.

Erkrankungen des Ohrs und des Labyrinths

Selten: Ototoxizität, vestibuläre und auditorische Schädigung des achten Hirnnerven. Die Manifestationen umfassen partielle oder vollständige Taubheit die vorübergehend oder dauerhaft sein kann und Gleichgewichtsstörungen wie Benommenheit, Nystagmus und Drehschwindel.

Nicht bekannt: Tinnitus.

Herz- und Gefässe

Selten: Sinustachykardie, Angina pectoris, AV-Block, Arrhythmie.

Nicht bekannt: Fälle von Myokardinfarkt unter der Kombinations-Chemotherapie mit Bleomycin, Cisplatin und Vinblastin.

Es wurden anfallsweise auftretende Hypertonie und schwere Hypotonie beobachtet. Fälle von Raynaud-Phänomen wurde bei Patienten berichtet, die eine kombinierte Chemotherapie mit Bleomycin, Cisplatin und Vinblastin zur Behandlung von Hodentumoren erhielten.

Erkrankungen der Atmungsorgane, des Brustraums und Mediastinums

Gelegentlich: Pharyngitis.

Es wurde über Bronchospasmus und über akute Atemnot nach der Verabreichung von Vinca-Alkaloiden berichtet. Diese Reaktionen wurden zumeist bei einer Kombinationsbehandlung mit Mitomycin-C beobachtet. Sie können innerhalb von Minuten bis zu mehreren Stunden nach der Injektion des Vinca-Alkaloids auftreten (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»). Infolge pulmonaler Toxizität dieser Kombination kann es zu Dyspnoe, infiltrativen Veränderungen und Lungenfunktionsstörungen kommen. Beide Arzneimittel müssen unverzüglich abgesetzt werden.

Erkrankungen des Gastrointestinaltraktes

Sehr häufig: Übelkeit, Erbrechen.

Häufig: Verstopfung, Ileus, Blutungen aus einem älteren peptischen Ulcus, hämorrhagische Enterocolitis, rektale Blutungen, Anorexie, Diarrhoe.

Nicht bekannt: Stomatitis, Magenschmerzen, Bauchschmerzen, Darmverschluss, Rachenentzündungen.

Übelkeit und Erbrechen lassen sich durch Antiemetica meistens leicht beherrschen.

Leber- und Gallenerkrankungen

Nicht bekannt: Leberfibrose.

Funktionsstörungen der Haut und des Unterhautzellgewebes

Sehr häufig: Haarausfall, der in der Regel nicht vollständig ist. In einigen Fällen setzt das Haarwachstum bereits unter der Erhaltungstherapie wieder ein. Bläschenbildung im Mund und auf der Haut.

Nicht bekannt: Dermatitis, Phototoxizität.

Skelettmuskulatur, Bindegewebs- und Knochenerkrankungen

Nicht bekannt: Knochen- und Kieferschmerzen, Muskelatrophie.

Erkrankungen der Nieren und Harnwege

Nicht bekannt: Harnretention, thrombotische Mikroangiopathie mit Niereninsuffizienz.

Erkrankungen der Geschlechtsorgane und der Brustdrüse

Nicht bekannt: Verminderte Fruchtbarkeit, Aspermie.

Allgemeine Störungen und Reaktionen an der Injektionsstelle

Gelegentlich: Schmerzen am Ort des Tumors, allgemeines Krankheitsgefühl.

Nicht bekannt: Schwäche, Fieber, Paravasation ins Subkutangewebe während der intravenösen Injektion der Vinblastin-Lösung kann zu Zellulitis, Nekrose und Thrombophlebitis führen.Schmerzen an der Injektionsstelle insbesondere nach Injektion in kleinere Gefässe.

Überdosierung

Die nach Anwendung von Velbe auftretenden Nebenwirkungen sind dosisabhängig.

Symptome

Eine Überdosierung von Vinblastin führt zu einer Verstärkung der unerwünschten Wirkungen, insbesondere der Knochenmarksuppression mit Leukopenie, und der neurotoxischen Wirkungen wie Parästhesien oder periphere Neuropathie.

Behandlung

Es gibt kein Antidot für Vinblastin. Die Behandlung erfolgt symptomatisch und unterstützend.

Es empfiehlt sich die Anwendung von Vinblastin zu beenden. Falls nötig sollen allgemeine unterstützende Massnahmen ergriffen werden. Im Falle einer Überdosierung wird folgende Behandlung empfohlen:

  1. Verhinderung der Auswirkungen des «Syndroms der inadäquaten ADH-Sekretion» durch Einschränkung der Flüssigkeitszufuhr und Anwendung eines Diuretikums, das auf die Funktion der Henle'schen Schleife und des distalen Tubulus wirkt.
  2. Gabe eines Antikonvulsivums.
  3. Flüssignahrung um einem möglichen Ileus vorzubeugen.
  4. Herz-Kreislauf Überwachung.
  5. Tägliche Beurteilung des Blutbildes.
  6. Präklinische Studien deuten darauf hin, dass Folsäure eine protektive Wirkung haben könnte. Die Anwendung von Folsäure kann entsprechend dem folgenden Schema vorgenommen werden:100 mg i.v alle 3 Stunden über einen Zeitraum von 48 Stunden und alle 6 Stunden während der nächsten 48 Stunden.

Vinblastin scheint durch Hämodialyse nicht wirksam entfernt zu werden.

Aufgrund des pharmakokinetischen Profils ist damit zu rechnen, dass erhöhte Vinblastin-Spiegel über einen Zeitraum von mindestens 72 Stunden bestehen bleiben.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: L01CA01

Vinblastin gehört zu den Vinca-Alkaloiden und ist ein onkolytischer Wirkstoff.

Es bindet an Tubulin und unterbricht die mikrotubuläre Funktion sowohl durch Unterbindung der Polymerisation als auch durch Induktion einer Depolymerisation gebildeter Mikrobutuli. Dadurch wird die normale Reorganisation des mikrotubulären Netzwerks gestört, das für die Interphase und Mitose benötigt wird. Neben der Unterbrechung der Mitose scheinen Vinca-Alkaloide auch zytotoxische Wirkungen auf nicht proliferierende Zellen in der G1- und S-Phase hervorzurufen.

Pharmakokinetik

Die Pharmakokinetik von Vinblastin ist triphasisch bei grosser inter- und intraindiviidueller Variabilität:

  • Steiler Konzentrationsabfall (alpha-Phase, Halbwertszeit 4 Minuten).
  • relativ kurze intermediäre Phase (beta-Phase, Halbwertszeit 53 Minuten).
  • Wesentlich längere Endphase (gamma-Phase, Halbwertszeit 19.5 Stunden).

Distribution

Das Verteilungsvolumen von Vinblastin beträgt 27,3 l/kg.

44–75% des verabreichten Vinblastinsulfats werden an Plasmaeiweiss gebunden.

Weiterhin erfolgt eine intensive Bindung an Erythrozyten, Leukozyten und Thrombozyten.

Metabolismus

Vinblastin wird grösstenteils in der Leber metabolisiert. Einer der aktiven Metaboliten ist Deacetylvinblastin. Am Metabolismus ist CYP3A4 beteiligt.

Elimination

Die terminale Halbwertszeit von Vinblastin beträgt 24,8 Stunden.

Die systemische Clearance beträgt 0.74 l/kg/h.

Die Ausscheidung des Deacetylvinblastinsulfats erfolgt überwiegend biliär.

Etwa 20% der unveränderten Substanz werden über die Nieren ausgeschieden.

Kinetik spezieller Patientengruppen

Zur Pharmakokinetik bei älteren Patienten, Kindern und Jugendlichen sowie Patienten mit Leber- und Niereninsuffizienz liegen keine Daten vor.

Präklinische Daten

Untersuchungen zu Vinca-Alkaloiden haben in akuten und chronischen Tierversuchen dosisabhängige Mylotoxizität gezeigt. Gleichzeitig kann eine Atrophie der Lymph- und Milzfollikel auftreten. Bei hohen Dosierungen kann ein Anstieg der Leberenzyme als Anzeichen einer Hepatotoxizität gewertet werden. Zur kardiovaskulären Verträglichkeit der Vinca-Alkaloide sind aus der Literatur mit niedriger Inzidenz Ereignisse wie Angina pectoris und Myokardinfarkt bekannt. Die Interaktion von Vinblastin mit dem Spindelapparat während der Zellteilung kann zu einer Fehlverteilung der Chromosomen führen, und die Substanz kann deshalb mutagene Effekte erzeugen. Es ist davon auszugehen, dass Vinblastin auch beim Menschen mutagene Wirkungen auslösen kann. Karzinogenitätsstudien liegen keine vor. Vinca-Alkaloide haben sich im Tierversuch teratogen und embryotoxisch gezeigt.

Sonstige Hinweise

Inkompatibilitäten

Velbe darf nur mit den unter «Hinweise für die Handhabung» aufgeführten Arzneimitteln gemischt werden.

Haltbarkeit

Velbe darf nur bis zu dem auf der Packung mit «EXP» bezeichneten Verfalldatum verwendet werden.

Die rekonstituierte Injektionslösung (siehe unten, «Hinweise für die Handhabung») ist 24 Stunden bei Raumtemperatur (15-25 °C) physikalisch und chemisch stabil. Die Lösung enthält kein Konservierungsmittel und sollte aus mikrobiologischen Gründen sofort nach Zubereitung verwendet werden; falls erforderlich kann sie maximal 24 Stunden im Kühlschrank (2-8 °C) aufbewahrt werden.

Besondere Lagerungshinweise

Velbe muss im Kühlschrank (2-8 °C) vor Licht geschützt in der Originalpackung und ausser Reichweite von Kindern aufbewahrt werden.

Hinweise für die Handhabung

Zytostatika-Hinweis:

Bei der Zubereitung der Injektionslösung, der Verabreichung und Entsorgung sind die Vorschriften für Zytostatika zu befolgen.

Zubereitung und Verabreichung der Injektionslösung:

Zytostatika sollten nur von speziell geschultem Personal, das im Umgang mit Zytostatika vertraut ist, zur Anwendung vorbereitet werden. Die Herstellung der Injektionslösung und das Befüllen der Spritzen sollten nur in dem dafür vorgesehenen Bereich erfolgen.

Das Lyophilisat in der Stechampulle wird mit 10 ml Natriumchlorid 0.9% rekonstituiert. Die Konzentration der erhaltenen Lösung beträgt 1 mg/ml.

Velbe muss streng intravenös angewendet werden; Paravasate können zu Nekrosen führen (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Die für den Patienten berechnete Dosis wird entweder in den Schlauch einer laufenden Natriumchlorid-Infusion 0,9% oder direkt in eine Vene injiziert. In beiden Fällen sollte die Injektion in etwa einer Minute abgeschlossen sein.

Wegen des erhöhten Thrombose-Risikos erscheint es nicht ratsam, Velbe i.v. in eine Extremität zu injizieren, in der die Kreislaufverhältnisse gestört sind (z.B. bei Druck ausübenden oder invasiven Tumoren, Phlebitis oder bei Krampfaderleiden).

Velbe darf wegen tödlicher neurotoxischer Wirkungen nicht intrathekal verabreicht werden Nach versehentlicher intrathekaler Gabe ist umgehend ein neurochirurgischer Eingriff gegen eine aufsteigende Lähmung mit Todesfolge erforderlich.

Bei einer sehr kleinen Anzahl Patienten wurden eine lebensbedrohliche Lähmung und anschliessender Tod verhindert. Es kam allerdings zu schwerwiegenden neurologischen Folgeerscheinungen und nur begrenzter späterer Erholung.

Aufgrund der veröffentlichten Behandlung dieser überlebenden Fälle sollte nach einer versehentlichen intrathekalen Gabe von Velbe sofort mit der folgenden Behandlung begonnen werden:

  • Über einen lumbalen Zugang soviel Rückenmarksflüssigkeit wie risikolos möglich entfernen.
  • Einbringen eines Epiduralketheters in den Subarachnoidalraum über den Intervertebralraum oberhalb des initialen lumbalen Zugangs und Spülung der Cerebrospinalflüssigkeit mit Ringer-Laktat-Lösung. Frischplasma (Fresh frozen plasma) sollte angefordert werden. Sobald es zur Verfügung steht, sollte die Ringer-Laktat-Lösung mit 25 ml Frischplasma (Fresh frozen plasma) pro Liter versetzt werden.
  • Einbringen eines intraventrikulären Drains oder Katheters durch einen Neurochirurgen und Fortsetzung der Spülung der Cerebrospinalflüssigkeit, wobei Flüssigkeit durch den lumbalen Zugang entfernt wird, der mit einem geschlossenen Drainage-System verbunden ist. Ringer-Laktat-Lösung wird kontinuierlich infundiert, 150 ml/Stunde bzw. 75 ml/Stunde, nachdem Frischplasma hinzugefügt wurde.

Die Geschwindigkeit der Infusion sollte so angepasst werden, dass die Protein-Konzentration in der Cerebrospinalflüssigkeit 150 mg/dl beträgt.

Folgende Massnahmen wurden zusätzlich angewandt, ohne dass ihr Nutzen unmittelbar bewiesen ist:

Eine Infusion von 10 g Glutaminsäure über 24 Stunden, gefolgt von einer täglichen oralen Gabe von 3× 500 mg Glutaminsäure für die Dauer von 1 Monat.

100 mg Folinsäure als Bolus-Injektion, gefolgt von einer 24stündigen Infusion von 25 mg Folinsäure/Stunde, anschliessend 4× 25 mg Folinsäure i.v./Tag für eine Woche.

50 mg Pyridoxin wurden alle 8 Stunden über 30 Minuten intravenös infundiert.

Welche Rolle diese Substanzen bei der Verminderung der Neurotoxizität spielten, ist unklar.

Zulassungsnummer

27821 (Swissmedic).

Zulassungsinhaberin

Spirig HealthCare AG, 4622 Egerkingen.

Stand der Information

Juni 2014.

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