Vancocin Kaps 125 Mg 20 Stk

Vancocin Kaps 125 Mg 20 Stk

Fachinformationen

Zusammensetzung

Wirkstoff: Vancomycinum ut Vancomycinum hydrochloridum.

Hilfsstoffe: Color.: E132, Excipiens pro capsula.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

1 Kapsel enthält Vancomycinum 125 mg resp. 250 mg.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Orales Vancomycin ist indiziert für die Behandlung von Staphylokokken-Enterocolitis und von antibiotikabedingter pseudomembranöser Enterocolitis durch Clostridium difficile.

Parenterale Verabreichung von Vancomycin ist nicht wirksam für die obigen Indikationen; deshalb muss Vancomycin für diese Indikationen oral verabreicht werden.

Oral verabreichtes Vancomycin ist nicht wirksam für andere Typen von Infektionen.

Offizielle Empfehlungen zum angemessenen Gebrauch von Antibiotika sollen beachtet werden, insbesondere Anwendungsempfehlungen zur Verhinderung der Zunahme der Antibiotikaresistenz.

Dosierung/Anwendung

Übliche Dosierung

Erwachsene

Zur Behandlung von antibiotikabedingter pseudomembranöser Enterocolitis durch Clostridium difficile oder von Staphylokokken-Enterocolitis:

500 mg–2 g Vancomycin täglich in 3 oder 4 Teilgaben, und zwar 7 bis 10 Tage lang. Falls es zu einem Rezidiv kommen sollte, ist die Therapie zu wiederholen.

Kinder

40 mg/kg Körpergewicht/Tag in 3–4 Teilgaben, 7–10 Tage lang, jedoch nicht mehr als 2 g/Tag.

Es ist auch möglich, den Inhalt einer Vancocin-Injektionsflasche (500 mg) in 30 ml Wasser aufzulösen und oral zu verabreichen.

Die Lösungen werden dem Patienten zu trinken gegeben oder über eine Magensonde zugeführt. Diesen Zubereitungen kann man ein Geschmackskorrigens hinzufügen.

Die Kapseln werden mit etwas Wasser eingenommen.

Kontraindikationen

Vancocin ist bei Patienten mit bekannter oder vermuteter Überempfindlichkeit gegenüber einem der Bestandteile dieses Arzneimittels kontraindiziert.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Nach oraler Vancomycin-Therapie können einige Patienten mit entzündlichen Magenbeschwerden, inkl. C. difficile-induzierter pseudomembranöser Colitis eine signifkante Absorption des Arzneimittels aufweisen.

Diese Patienten können das Risiko aufweisen, unerwünschte Wirkungen wie mit parenteralem Vancomycin zu entwickeln.

Dieses Risiko ist grösser bei Vorhandensein einer Niereninsuffizienz und gleichzeitiger Anwendung nephrotoxischer Substanzen.

Bei mit Vancomycin behandelten Patienten kann es zu einer Ototoxizität kommen, im Vestibular- und Gehörbereich hin bis zu bleibendem Gehörverlust.

Die Funktion der Nieren und des 8. Hirnnervs sollten während der Therapie überprüft werden. Der zuerst einsetzende Hörverlust in den hohen Frequenzen ist nur mittels Audiogrammen erfassbar.

Ohrenklingen kann der Beeinträchtigung der Hörfunktion vorausgehen. In diesem Fall muss Vancomycin abgesetzt werden.

Vancomycin sollte bei Patienten mit Hörstörungen in der Anamnese nicht angewendet werden.

Andere Faktoren, die das Toxizitäts-Risiko erhöhen können, sind fortgeschrittenes Alter und Wasserverlust.

Die Anwendung von Vancomycin kann zu einem Überhandnehmen von nichtempfindlichen Erregern führen. Beim Auftreten von neuen, durch Bakterien oder Pilze bedingten Infektionen im Verlaufe der Therapie sind geeignete Massnahmen zu ergreifen.

Interaktionen

Bei Patienten mit einer entzündlichen Darminfektion können auch nach oraler Anwendung von Vancomycin klinisch bedeutsame Serumkonzentrationen auftreten, vor allem wenn gleichzeitig eine Nierenfunktionseinschränkung besteht. Bei diesen Patienten und für den Fall, dass zusätzlich zur oralen Vancomycin-Therapie eine gleichzeitige parenterale Vancomycin-Therapie nötig sein sollte, ist zu beachten, dass eine gleichzeitige oder aufeinanderfolgende Verwendung anderer ototoxischer und/oder nephrotoxischer Antibiotika (wie z.B. Streptomycin, Neomycin, Kanamycin, Gentamycin, Cephaloridin, Paromomycin, Viomycin, Polymyxin B, Colistin, Tobramycin, Sisomicin, Amikacin) eine sorgfältige Überwachung des Patienten erfordert.

Wird Vancomycin unter oder unmittelbar nach Operationen verabreicht, kann bei gleichzeitiger Anwendung von Muskelrelaxantien (wie z.B. Succinylcholin) deren Wirkung (neuromuskuläre Blockade) verstärkt und verlängert sein.

Während der Behandlung mit Vancomycin kann die Wirkung oraler Kontrazeptiva herabgesetzt werden.

Schwangerschaft/Stillzeit

Hinsichtlich der Gefahrlosigkeit der Anwendung während der Schwangerschaft oder einer Beeinflussung der Fruchtbarkeit sind keine verbindlichen Aussagen möglich. In einer kontrollierten klinischen Studie wurden die möglichen ototoxischen und nephrotoxischen Auswirkungen von Vancomycin bei Kindern getestet, indem das Arzneimittel drogenabhängigen schwangeren Frauen im 2. und 3. Trimenon bei schweren Staphylokokkeninfektionen verabreicht wurde. Vancomycin wurde im Nabelschnurblut nachgewiesen. Es wurde weder Gehörverlust noch Nephrotoxizität beobachtet. Da die Patientenanzahl dieser Studie begrenzt war und Vancomycin nur im 2. und 3. Trimenon verabreicht wurde, ist nicht bekannt, ob Vancomycin fetale Schäden verursacht. Dieses Antibiotikum sollte an Schwangere nur wenn unbedingt notwendig verabreicht werden.

Vancomycin wird in die Muttermilch ausgeschieden und sollte daher an stillende Mütter nur wenn unbedingt nötig verabreicht werden.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Vancocin oral kann einen Einfluss (Schwindel, Hörstörungen) auf die Fahrtüchtigkeit oder die Fähigkeit, Maschinen zu bedienen haben.

Unerwünschte Wirkungen

Häufigkeiten

«Sehr häufig» (>1/10), «häufig» (>1/100, <1/10), «gelegentlich» (>1/1000<1/100), «selten» (>1/10'000<1/1000), «sehr selten» (<1/10'000).

Die folgenden Ereignisse sind mit der Verwendung von oralem Vancomycin in Verbindung gebracht worden:

Immunsystem

Anaphylactoide Reaktion.

Andere: Arzneimittelfieber.

Herz-Kreislauf

Hitzewallungen, Blutdruckabfall.

Gefässe

Selten: Fälle von Vasculitis nach oraler Gabe.

Gastrointestinale Störungen

Nausea.

Haut

Exfoliative Dermatitis, Überempfindlichkeitsreaktionen, Pruritus, Ausschlag, Red Man Syndrom; Urtikaria.

Nieren

Interstitielle Nephritis.

Nach vielfacher oraler Verabreichung von Vancomycin gegen C. difficile-bedingte pseudomembranöse Colitis wurden bei einigen Patienten klinisch signifikante Serumkonzentrationen beobachtet.

Sollte es jedoch zu einer systemischen Wirkung kommen, z.B. bei Patienten mit Entzündungen der gastrointestinalen Mucosa, können zusätzlich die bei der parenteralen Verabreichung möglichen unerwünschten Wirkungen auftreten und zwar:

Blut

Gelegentlich: vorübergehende Neutropenie wurde berichtet. Sie trat gewöhnlich eine Woche nach Therapiebeginn oder später bzw. nach einer Gesamtdosis von über 25 g auf. Nach Absetzen von Vancocin scheint sich das Blutbild schnell zu normalisieren. Gelegentlich wurde auch eine Verminderung der Blutplättchen, manchmal über Eosinophilie berichtet. Sehr selten wurde über Agranulozytose berichtet. Bei Patienten, die Vancocin über längere Zeit oder gleichzeitig andere Arzneimittel erhalten, die Neutropenie oder Agranulozytose verursachen können, sollte die Leukozytenzahl regelmässig überwacht werden. Selten wurde über Thrombozytopenie berichtet.

Immunsystem

Überempfindlichkeitsreaktionen

Selten: Anaphylaxie, Nesselausschlag, Arzneimittelfieber, Schüttelfrost, Übelkeit, Eosinophilie, Hautausschläge (inklusive exfoliativer Dermatitis) und IgA vermittelter bullöser Dermatose, Stevens-Johnson-Syndrom.

Ohren und Labyrinth

Gelegentlich vorübergehende oder bleibende Verschlechterung der Hörfunktion bis hin zu bleibendem Gehörverlust und zwar meist bei Patienten, die sehr hohe Dosen oder andere ototoxische Arzneimittel erhalten hatten oder bei denen eine Nierenfunktionseinschränkung oder ein bereits beeinträchtigtes Hörvermögen vorlag. Bei solchen Patienten sind regelmässig Kontrollen der Hörfunktion angebracht.

Schwindel und Ohrenklingen wurden ebenfalls gelegentlich beobachtet.

Nephrotoxizität

Häufig: Nierenfunktionseinschränkungen, Anstiege von Serumkreatinin oder Blutharnstoffstickstoff, und zwar meist bei gleichzeitiger Gabe von Aminoglykosiden oder bei bereits bestehender Nierenfunktionseinschränkung.

Sehr selten: interstitielle Nephritis. Nach Absetzen von Vancomycin normalisierten sich die Befunde meist. Bei Patienten mit bereits eingeschränkter Nierenfunktion oder bei gleichzeitiger Gabe von Aminoglykosiden sollte daher die Nierenfunktion regelmässig überwacht werden und die Dosierung besonders sorgfältig gewählt werden.

Überdosierung

Unterstützende Massnahmen unter Aufrechterhaltung der glomerulären Filtration sind in erster Linie als Therapiemassnahmen angezeigt. Eine Dialyse ist kaum wirksam. Es wurde berichtet, dass Hämofiltration und Hämoperfusion mit Polysulfonharz zu einer erhöhten Vancomycin-Ausscheidung führten. Hämodialyse und Peritonealdialyse haben sich als unwirksam herausgestellt.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: J01XA01

Wirkungsmechanismus

Vancomycin ist ein von Streptomyces orientalis stammendes, hoch gereinigtes Glykopeptid-Antibiotikum, das gegenüber vielen grampositiven Bakterien bakterizid wirkt. Die bakterizide Wirkung beruht hauptsächlich auf einer Hemmung der Zellwand-Biosynthese. Ausserdem beeinträchtigt es die Permeabilität der Bakterien-Zellmembran und die RNS-Synthese. Möglicherweise sind es diese verschiedenen Angriffspunkte, die die Seltenheit einer Resistenz (sowohl Primär – wie Kreuzresistenz) gegenüber Vancomycin erklären.

In vitro ist Vancomycin gegen die meisten Stämme der folgenden Erreger wirksam:

MHK 50(mg/l)MHK 90(mg/l)

Empfindliche Keime:

Staphylokokken (einschliesslich heterogener methicillinresistenter Stämme)
S. aureus0,4–1,60,9–3,1
Streptokokken, z.B. S. pyogenes0,50,5
S. pneumoniae (einschliesslich penicillinresistenter Stämme)0,5–1,00,5–2,0
S. agalactiae1,61,6
Viridans-Gruppe0,81,6
S. bovis0,250,5
Enterokokken (z.B. E. faecalis)1,61,6
Clostridium difficile (auch für die (auch für die pseudomembranöse Enterocolitis verantwortlichen toxinbildenden Stämme)1,02,0
Diphtheroide0,80,8
Listeria monocytogenes0,81,6
Clostridium sp.0,83,1
Bacillus cereus2,2

Mässig empfindliche Keime:

S. epidermidis1,6–2,03,1–6,3
Actinomyces sp.5,0

Resistente Keime:

Lactobacillus sp.1,25
Gram-negative Bakterien
Mykobakterien
Pilze

Empfindlichkeitstests

Bei mässig empfindlichen Keimen sollte eine Empfindlichkeitsbestimmung mittels Testblättchen durchgeführt werden. Es sollten Vancomycin-Testblättchen zu 30 µg verwendet werden. Als Richtwerte für die Interpretation gelten folgende Hemmhofdurchmesser:

Hemmhof >11 mm = Erreger empfindlich.

Hemmhof 10–11 mm = Erreger mässig empfindlich.

Hemmhof <10 mm = Erreger resistent.

Bei Anwendung einer Reihenverdünnungsmethode gelten folgende Richtwerte:

MHK <4 µg/ml = Erreger empfindlich.

MHK >4 µg/ml und <16 µg/ml = Erreger mässig empfindlich.

MHK >16 µg/ml = Erreger resistent.

In-vitro Resistenz gegenüber Vancomycin wurde in einigen Ländern bei einigen Enterokokken- und Staphylokokken-Isolaten berichtet.

Synergismus

Die Kombination von Vancocin mit einem Aminoglykosid wirkt gegen viele Stämme von S. aureus, nicht-enterokokkale D-Streptokokken, Enterokokken und Streptokokken der Viridans-Gruppe synergistisch.

Pharmakokinetik

Absorption

Vancomycin wird bei oraler Verabreichung kaum resorbiert.

Oral verabreichtes Vancomycin gelangt normalerweise nicht in die systemische Zirkulation, ausser wenn entzündliche Läsionen vorhanden sind. Messbare Konzentrationen im Serum können selten bei Patienten mit aktiver, durch C. difficile induzierter pseudomembranöser Enterocolitis auftreten, und bei gleichzeitiger Niereninsuffizienz besteht die Möglichkeit einer Akkumulation.

Distribution

Orale Verabreichung von Vancomycin-Lösung, täglich 2 g während 16 Tagen, an anephrische Patienten ohne entzündliche Darmerkrankungen, führten zu Serumspiegeln von <0,66 µg/ml. Bei Patienten mit normaler Nierenfunktion mit pseudomembranöser Enterocolitis werden bei Dosen von täglich 2 g Konzentrationen von >3100 mg/kg in den Faeces und von <1 µg/ml im Serum gefunden.

Bei wiederholter Dosierung von 250 mg alle 8 Stunden überstiegen bei insgesamt 7 Dosen die fäkalen Konzentrationen von Vancomycin 100 mg/kg bei der Mehrzahl der Proben von normalen Probanden. Es wurde keine Blutkonzentration nachgewiesen und im Urin wurden weniger als 0,76% wieder gefunden.

Metabolismus/Elimination

Da Vancomycin bei oraler Verabreichung kaum resorbiert wird, wird Vancomycin mit dem Faeces ausgeschieden.

Resorbiertes Vancomycin wird über die Nieren ausgeschieden.

Präklinische Daten

Bei Ratten, die 35 Tage lang tägliche orale Dosen zwischen 375 und 3000 mg/kg KG erhielten, wurden ab 1500 mg/kg KG eine Retikulozytose und Lymphozytopenie, ab 750 mg/kg KG im Vergleich zur Kontrollgruppe verminderte Gewichte von Milz und Thymus beobachtet. In allen Dosisgruppen trat eine Reduktion von Gesamteinweiss, Glucose und Cholesterin im Serum und eine histologisch feststellbare Störung des Coecum-Mukosaepithels auf.

Intravenöse Dosen von 25 mg/kg bei Hunden und 50 mg/kg bei Affen, sowie i.m.-Verabreichung von 50 mg/kg an Katzen führten lediglich zu lokalen Reaktionen an der Injektionsstelle.

Höhere Dosen ab 50 mg/kg i.v. beim Hund und 350 mg/kg i.p. bei der Ratte erwiesen sich als nephrotoxisch.

Es wurden keine Langzeitstudien an Tieren durchgeführt, um das karzinogene Potential von Vancomycin zu bestimmen. In in vitro-Tests wurde jedoch kein mutagenes Potential gefunden.

Studien mit trächtigen Ratten und Kaninchen zeigten keine selektive Toxizität von Vancomycin bei deren Entwicklung.

Sonstige Hinweise

Hinweise

Regelmässige Kontrollen der Nieren- und Hörfunktion sind bei Patienten, deren Nierenfunktion nicht eindeutig normal ist und bei Patienten über 60 Jahre (reduzierte systemische und renale Clearance) angezeigt. In diesen Fällen und auch bei Patienten mit Gehörschäden sollte das Blutbild überwacht werden.

Bei gleichzeitiger Verabreichung einer Vancomycin-Infusion ist unbedingt darauf zu achten, dass die Lösung ausreichend verdünnt und über mindestens 60 Minuten infundiert wird, um das Auftreten von Hypotension zu vermeiden.

Haltbarkeit

Das Präparat darf nur bis zu dem auf der Packung angegebenen Verfalldatum verwendet werden.

Besondere Lagerungshinweise

Nicht über 25 °C in der Originalpackung lagern. Für Kinder unerreichbar aufbewahren.

Zulassungsnummer

47074 (Swissmedic).

Zulassungsinhaberin

Teva Pharma AG, 4010 Basel.

Stand der Information

April 2007.

Interne Versionsnummer: 2.2

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