Ursochol Tabl 150 Mg 100 Stk

Ursochol Tabl 150 Mg 100 Stk

Fachinformationen

Zusammensetzung

Wirkstoff: Acidum ursodeoxycholicum.

Hilfsstoffe: Lactosum, Excipiens pro compresso.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Tabletten zu 150 mg und 300 mg.

Der Wirkstoff wird über einen mehrstufigen Syntheseweg aus Rindergalle hergestellt.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Zur Auflösung von Cholesterin-Gallensteinen.

Die Gallensteine dürfen auf dem Röntgenbild keine Schatten geben und die Gallenblase muss trotz Gallenblasenstein(en) funktionsfähig sein.

Schmerzhafte dyspeptische Beschwerden, Fettunverträglichkeit, Flatulenz biliären Ursprungs.

Primär biliäre Zirrhose (Stadium I-III)

Bei primär biliärer Zirrhose (PBC) konnte in klinischen Studien ein Rückgang der Leberenzyme und des Bilirubins nachgewiesen werden. Hingegen bestehen nur wenige Daten, welche eine Verbesserung des histologischen Bildes vorweisen, und es können keine Aussagen bezüglich der Beeinflussung des Überlebens gemacht werden.

Vor- und Nachbehandlung bei der Gallensteinzertrümmerung.

Dosierung/Anwendung

Erwachsene

Übliche Dosierung

Litholytische Behandlung

Die Tagesdosis beträgt 10 mg/kg KG auf 2 Einnahmen verteilt (morgens und abends) mit etwas Flüssigkeit. Die höhere Dosis sollte abends eingenommen werden (s. Tabelle), um die nächtlichen Fastenstunden besser zu überbrücken, welche die kritische Phase für die Steinbildung darstellen.

KörpergewichtTagesdosisTabletten zu 150 mgTabletten zu 300 mg
morgensabendsmorgensabends
60 kg600 mg131/21 1/2
75 kg750 mg2311 1/2
90 kg900 mg2412

Die für die Auflösung der Steine erforderliche Behandlungsdauer ist umso kürzer, je kleiner die Steine sind. Sie sollte jedoch mindestens 3–4 Monate, aber nicht mehr als 2 Jahre dauern.

Die Steinauflösung sollte halbjährlich mittels Cholezystographie oder Ultraschall kontrolliert werden (siehe Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen). Es empfiehlt sich, die Behandlung, nachdem die Steine röntgenologisch nicht mehr sichtbar sind, während 3–4 Monaten fortzusetzen.

Bei der Gallensteinzertrümmerung wird Ursochol 2 Wochen vor der Lithotripsie eingenommen und die Behandlung bis zu 3 Monate nach dem Verschwinden der Steinfragmente fortgesetzt.

Behandlung von dyspeptisch-schmerzhaften Syndromen

2 Tabletten zu 150 mg täglich.

Primär biliäre Zirrhose

Täglich 2 Tabletten Ursochol 300 mg.

Bei Vorliegen einer zystischen Fibrose mit hepatischen Veränderungen ist eine Anpassung der Dosierung angezeigt, die entsprechend dem individuellen Bedürfnis des Patienten bis zu 20 mg/kg Körpergewicht betragen kann.

Mitarbeit des Patienten: Auch wenn die Symptome bald nach Beginn der Behandlung verschwinden und eine Besserung des Allgemeinbefindens eintritt, darf der Patient die vom Arzt bzw. der Ärztin verordnete Dosis weder verringern noch absetzen.

Während der Behandlung mit Ursochol ist es zweckmässig, faserreiche Nahrung zu sich zu nehmen und übermässige Kalorien- und Cholesterinzufuhr zu vermeiden.

Dosierung bei Kindern

Die Anwendung von Ursochol wird bei Kindern nicht empfohlen, da keine Erfahrungen vorliegen.

Kontraindikationen

Überempfindlichkeit auf den Wirkstoff oder einen Hilfsstoff; Schwangerschaft und Stillzeit; florides Gastroduodenal-Ulcus; akute und chronische Lebererkrankungen; Störungen, die in den entero-hepatischen Kreislauf der Gallensäuren eingreifen (Resektion des Ileum, Entzündliche Darmerkrankungen, Morbus Crohn, Colitis Ulcerosa und andere Krankheiten des Dünndarms, des Dickdarms und der Leber, Enterostoma, extra- und intrahepatische Cholestase; schwere Lebererkrankungen); akute Cholezystitis und Cholangitis.

Bei Patienten mit häufigen Gallenkoliken, mit akuten Entzündungen der Gallenblase und der Gallenwege, bei Malabsorption der Gallensäure (z.B. Entzündungen des Dünn- und Dickdarms wie Morbus Crohn) soll das Arzneimittel nicht gegeben werden.

Röntgendichte, kalzifizierte Gallensteine;

Verschluss der Gallenwege (Choledochus- oder Zystikusverschluss);

Eingeschränkte Kontraktionsfähigkeit der Gallenblase.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Die Litholyse mit Ursochol soll bei röntgenstrahlendurchlässigen Steinen ohne strahlendichten Mantel und bei funktionstüchtiger Gallenblase durchgeführt werden. Kleine und schwebende Steine bis 10 mm Durchmesser stellen die Indikation mit der besten Auflösungsrate dar.

Bei röntgenologisch nicht darstellbarer Gallenblase, kalzifizierten Gallensteinen, gestörter Kontraktionsfähigkeit der Gallenblase oder häufig auftretenden Gallenkoliken sollte Ursochol nicht angewendet werden.

In den ersten 3 Monaten der Behandlung sollen die Leberparameter AST (SGOT), ALT (SGPT) und γ-GT alle 4 Wochen, dann alle 3 Monate vom behandelnden Arzt kontrolliert werden. Diese Überwachung erlaubt ausser der Identifikation von Respondern und Non-Respondern bei Patienten mit PBC auch eine frühe Entdeckung einer möglichen Leberdekompensation vor allem bei fortgeschrittener PBC.

Bei Patienten mit PBC kann sich in seltenen Fällen zu Beginn der Behandlung die klinische Symptomatik verschlechtern, z.B. eine Verstärkung des Juckreizes. In diesem Falle sollte die Dosis von Ursochol reduziert und dann schrittweise einschleichend wieder erhöht werden.

In fortgeschrittenen Stadien der PBC kann die Therapie mit Ursochol zu Leberdekompensation führen.

Bei Patienten, welche zur Auflösung von Gallensteinen behandelt werden, ist es angebracht, die Wirksamkeit alle 6 Monate mittels Ultraschall oder Kontraströntgendiagnostik zu kontrollieren.

Bei Patienten mit Leberzirrhose im Endstadium kann unter Ursochol eine Dekompensation auftreten, die nach Absetzen der Therapie teilweise reversibel war.

Ursochol soll bei intrahepatischen Cholestasen anderer Provenienz als primär biliärer Zirrhose zurzeit nur im Rahmen kontrollierter klinischer Studien eingesetzt werden.

Frauen im gebärfähigen Alter sollen Ursochol nur bei gleichzeitiger Anwendung von nicht hormonalen empfängnisverhütenden Massnahmen einnehmen, da hormonale Kontrazeptiva das Gallensteinrisiko erhöhen können (siehe Interaktionen).

Eine Schwangerschaft muss vor Beginn der Behandlung ausgeschlossen werden.

Bei Diarrhöe muss die Dosis reduziert werden. Bei persistierender Diarrhöe soll die Behandlung abgebrochen werden.

Da das Präparat Laktose enthält, dürfen Patienten mit den seltenen hereditären Störungen Galactoseintoleranz, Lapp-Lactasemangel oder Glucose-Galactose-Malabsorptions-Syndrom dieses Arzneimittel nicht verwenden.

Interaktionen

Die gleichzeitige Anwendung von Colestyramin, Colestipol und magnesium- und aluminiumhydroxidhaltigen Antacida ist zu vermeiden, da diese Substanzen die Ursodeoxycholsäure binden, so dass keine Resorption erfolgen kann. Sollte die Einnahme einer dieser Substanzen nötig sein, muss sie mindestens 2 Stunden vor oder nach Ursochol eingenommen werden.

Ursodeoxycholsäure kann die Absorption von Cyclosporin aus dem Gastrointestinaltrakt beeinflussen. Bei Patienten, die unter einer Cyclosporin-Therapie stehen, sollte daher die Cyclosporin-Konzentration im Blut durch den Arzt überprüft und ggf. eine Cyclosporin-Dosisanpassung vorgenommen werden.

Oestrogene, orale Kontrazeptiva und Lipidsenker (wie Clofibrat) erhöhen die hepatische Cholesterin-Sekretion, welche die Bildung von Cholesterinsteinen begünstigt. Deshalb können diese Arzneimittel der Auflösung von Gallensteinen durch Ursodeoxycholsäure entgegenwirken.

In Einzelfällen kann Ursochol die Absorption von Ciprofloxacin vermindern.

In einer klinischen Studie bei gesunden Probanden haben gleichzeitig verabreichte Dosen von 500 mg/Tag Ursodeoxycholsäure und 20 mg/Tag Rosuvastatin leicht erhöhte Plasmakonzentrationen von Rosuvastatin ergeben. Die klinische Relevanz dieser Interaktion auch in Bezug auf andere Statine ist unbekannt.

Es wurde gezeigt, dass Ursodeoxycholsäure die Plasmaspitzenkonzentration (Cmax) sowie die Fläche unter der Kurve (AUC) des Calciumantagonisten Nitrendipin bei gesunden Probanden vermindert. Engmaschige Überwachung der Therapie bei der Kombination dieser beiden Substanzen ist empfohlen. Eine Erhöhung der Nitrendipin-Dosis könnte nötig sein.

Ebenso wurde über eine Wechselwirkung (Verminderung des therapeutischen Effekts) mit Dapson berichtet. Zusammen mit in-vitro-Befunden könnten diese Beobachtungen einen Hinweis dafür sein, dass Ursodeoxycholsäure das arzneimittelabbauende Enzym Cytochrom P450 3A induziert. In einer korrekt ausgelegten Interaktions-Studie wurde allerdings mit Budesonid, einem bekannten Substrat für Cytochrom P450 3A, keine Induktion beobachtet.

Schwangerschaft/Stillzeit

Schwangerschaft

Während der Schwangerschaft ist Ursodeoxycholsäure kontraindiziert (siehe Kontraindikationen)

Stillzeit

Während der Stillzeit ist die Anwendung von Ursodeoxycholsäure kontraindiziert (siehe Kontraindikationen).

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Es wurden keine entsprechenden Studien durchgeführt.

Unerwünschte Wirkungen

Bei der Bewertung von Nebenwirkungen werden die folgenden Häufigkeitsangaben zu Grunde gelegt: «Sehr häufig» (≥1/10), «häufig» (<1/10, ≥1/100), «gelegentlich» (<1/100, ≥1/1000), «selten» (<1/1000, ≥1/10000), «sehr selten» (<1/10000).

Gastrointestinale Störungen:

Häufig: breiförmige Stühle bzw. Diarrhöe (Berichte aus klinischen Studien)

Sehr selten: schwere rechtsseitige Oberbauchbeschwerden (bei der Behandlung der PBC)

Leber und Galle:

Sehr selten: Verkalkung der Gallensteine. Bei der Therapie der PBC im fortgeschrittenen Krankheitsstadium wurde sehr selten eine Dekompensation der Leberzirrhose beobachtet, die sich nach Absetzen der Therapie teilweise zurückbildete.

Haut:

Sehr selten: Urtikaria

Überdosierung

Bei Überdosierungen können Diarrhöen auftreten. Im Allgemeinen sind weitere Symptome einer Überdosierung unwahrscheinlich, da Ursodeoxycholsäure mit zunehmender Dosis schlechter absorbiert und deshalb vermehrt fäkal ausgeschieden wird.

Keine spezifischen Gegenmassnahmen sind erforderlich; die Folgezustände von Durchfall sind symptomatisch mit Flüssigkeits- und Elektrolytausgleich zu behandeln.

Zusätzliche Information für spezielle Patientenpopulation

Langzeittherapie mit hohen Dosen von Ursodeoxycholsäure (28-30 mg/kg/Tag) bei Patienten mit primär sklerosierende Cholangitis (off label use) erhöhte das Vorkommen von schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: A05AA02

Die Ursodeoxycholsäure (UDCA) ist eine tertiäre Gallensäure, die physiologisch in kleinen Konzentrationen in der menschlichen Galle vorkommt.

Die für die Bildung von Gallensteinen wichtigsten Bestandteile sind das Cholesterin und die Gallensäuren.

Beim gesunden Patienten ist der lithogene Index <1: das Cholesterin bleibt in gelöstem Zustand.

Beim Patienten mit Cholesterin-Cholelithiasis ist der lithogene Index >1: die Galle ist übersättigt und es kommt zur Steinbildung.

Die nach der Chenodeoxycholsäure entdeckte Ursodeoxycholsäure (UDCA) hat eine markante litholytische Wirkung auf Cholesterin-Steine.

Chemisch unterscheidet sich die Ursodeoxycholsäure (UDCA) von der Chenodeoxycholsäure (CDCA) dadurch, dass die Hydroxyl-Gruppe in Position 7 räumlich die «Beta»- anstatt die «Alpha»-Stellung einnimmt.

Daher ist bei der UDCA der Abbau in Lithocholsäure geringer, so dass sie sich als weniger toxisch erweist. Die bei der CDCA beobachteten Nebenwirkungen wie Durchfall oder Transaminaseerhöhung fallen bei der UDCA somit weg oder verringern sich signifikant.

Im Vergleich zur CDCA ist bei der UDCA die zur Auflösung der Steine notwendige Dosis bedeutend kleiner.

Dank der Normalisierung der Zusammensetzung der Galle beseitigt Ursodeoxycholsäure (UDCA) die schmerzhaften dyspeptischen Symptome biliären Ursprungs einschliesslich einer allfälligen biliären Reflux-Gastritis. Die mit UDCA angereicherte Galle verringert die gewebsschädigenden Eigenschaften der primären und sekundären Gallensäuren. Letztere haben ausgeprägte Detergenzieneigenschaften und erweisen sich damit als zelltoxisch bei der intrahepatischen Cholestase und anderen Leberaffekten verschiedener Genese sowie bei biliärer Reflux-Gastritis.

Pharmakokinetik

Absorption

Die UDCA wird nach oraler Verabreichung schnell im Dünndarm durch aktive und passive Transportmechanismen aus dem Intestinum resorbiert und gelangt nach dem Leberdurchgang zu einem guten Teil in den entero-hepatischen Kreislauf.

Distribution

Die höchsten Serumspiegel werden nach 30–150 Minuten erreicht. Die hepatische «first-pass clearance» kann Werte von bis zu 75% der verabreichten Dosis erreichen. Während der Behandlung mit UDCA wird diese in der Gallensäurenzusammensetzung zu deren Hauptsubstanz. Ihr Gehalt erreicht 60–70%, während derjenige an Ketolithocholsäure, Cholsäure und Deoxycholsäure zurückgeht. Hingegen bleibt der Lithocholsäuregehalt gleich.

Die biologische Halbwertzeit der UDCA beträgt ca. 3,5–5,8 Tage.

Metabolismus

Die UDCA wird durch die Pfortader der Leber zugeführt und im Verhältnis 4:1 mit Glycin und Taurin konjugiert. Im Bereich des Dünndarms wird die konjugierte UDCA zum grössten Teil zu freier UDCA hydrolisiert, durch den enterohepatischen Kreislauf rückresorbiert und wieder der Leber zugeführt. Der nicht resorbierte Anteil wird durch den Dickdarm durch dort vorhandene Mikroorganismen zu Lithocholsäure dehydroxyliert.

Elimination

Die konjugierte UDCA gelangt über die Galle in den Darm. Die UDCA wird hauptsächlich in Form von unbekannten Metaboliten (50%) und als Lithocholsäure (30%) mit dem Stuhl ausgeschieden. Die Menge unveränderter UDCA und Ketolithocholsäure betragen im Stuhl nur 5% bzw. 2–4%.

Präklinische Daten

Akute Toxizität

Untersuchungen am Tier zur akuten Toxizität haben keine toxischen Schäden gezeigt.

Chronische Toxizität

Untersuchungen zur subchronischen Toxizität an Affen zeigten in den Gruppen mit hoher Dosierung hepatotoxische Effekte auch in Form von funktionellen Veränderungen (u.a. Leberenzymveränderungen) und morphologische Veränderungen wie Gallengangs-prolieferationen, portale Entzündungsherde und hepatozelluläre Nekrosen.

Tumorerzeugendes und mutagenes Potenzial

Langzeituntersuchungen an Maus und Ratte ergaben keine Hinweise auf ein Tumor erzeugendes Potenzial von Ursodeoxycholsäure. Die zu Ursodeoxycholsäure vorliegenden Tests ergaben keine relevanten Hinweise auf eine mutagene Wirkung.

Reproduktionstoxizität

In Untersuchungen an Ratten traten nach einer Dosis von 2000 mg Ursodeoxycholsäure/kg Körpergewicht Schwanzfehlbildungen auf. Beim Kaninchen wurden bis zu einer Dosis von 300 mg Ursodeoxycholsäure/kg Körpergewicht keine teratogenen Effekte festgestellt. Ursodeoxycholsäure hatte keinen Einfluss auf die Fertilität bei Ratten und beeinträchtigte nicht die Peri-/Postnatalentwicklung der Nachkommen.

Sonstige Hinweise

Haltbarkeit

Das Arzneimittel darf nur bis zu dem auf der Verpackung mit «EXP» bezeichnetem Datum verwendet werden.

Besondere Lagerungshinweise

Bei Raumtemperatur (15–25 °C), vor Feuchtigkeit geschützt und für Kinder unzugänglich aufbewahren.

Zulassungsnummer

41874 (Swissmedic).

Zulassungsinhaberin

Zambon Schweiz AG

6814 Cadempino.

Stand der Information

März 2014

Verwendung dieser Informationen

Die Informationen auf dieser Seite sind für Fachpersonal gedacht. Bei Fragen lassen Sie sich von einer Fachperson (z.B. Arzt oder Apotheker) beraten und lesen Sie die Packungsbeilage auf unserer Produktseite.