Ubretid Tabl 5 Mg 20 Stk

Ubretid Tabl 5 Mg 20 Stk

Fachinformationen

Zusammensetzung

Wirkstoff: Distigmini bromidum.

Hilfsstoffe: Excip. pro compresso.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Tabletten à 5 mg Distigmini bromidum.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Neurogene Blasenentleerungsstörung mit hypotonem Detrusor.

Hypotone chronische Obstipation und Megakolon.

Bei verschiedenen neurologischen Indikationen (periphere Lähmungen der quergestreiften Muskulatur, Myasthenia gravis pseudoparalytica) wird eine Funktionsverbesserung erzielt.

Dosierung/Anwendung

Bei der Anwendung von Ubretid ist dessen langsamer Wirkungseintritt, die lange Wirkungsdauer sowie die individuelle Reaktion des Patienten auf das Arzneimittel zu beachten.

Allgemeine Dosierungsrichtlinien bei Erwachsenen

Die Dosierung muss individuell angepasst werden. Sie ist abhängig vom Allgemeinzustand des Patienten, insbesondere seiner vegetativen Reaktionslage. Ausserdem müssen der starke Effekt und die lange Wirkungsdauer berücksichtigt werden. Die lange Wirkungsdauer ermöglicht ein Dosisintervall von 2–3 Tagen. Ubretid Tabletten sollen morgens nüchtern ½ Stunde vor dem Frühstück eingenommen werden.

Sollte sich infolge einer früheren oder gleichzeitigen Nahrungsaufnahme die volle Wirkung von Ubretid nicht entfalten, dann darf unter keinen Umständen nach wenigen Stunden eine Zweitapplikation des Präparates erfolgen, da sonst die Möglichkeit einer unkontrollierbaren Kumulation besteht.

Man gibt vorerst täglich 1 Tablette, bis die therapeutische Wirkung sichtbar wird. Gewöhnlich kann nach der ersten Behandlungswoche auf eine Einnahme von 1–2 Tabletten alle 2–3 Tage übergegangen werden.

Die Tagesdosis soll als Einmaldosis appliziert werden.

Auf Anwendungsgebiete bezogene Angaben

Neurogene Blasenentleerungsstörung mit hypotonem Detrusor: Während der ersten Behandlungstage soll bis zur Besserung der Symptome 1 Tablette täglich eingenommen werden. Die Wirkung lässt sich meistens mit 1–2 Tabletten jeden 2.–3. Tag aufrechterhalten.

Hypotone chronische Obstipation, Megakolon: Die Behandlung erfolgt mit steigenden Dosen zur Ermittlung der individuellen Dosierung. Sie wird dann solange weitergeführt, bis sich die Darmfunktion wieder normalisiert hat, was meistens nach 10–14 Tagen erfolgt. Initial täglich ½ Tablette ½ Stunde vor dem Frühstück. Diese Dosis kann jeden dritten Tag um eine ½ Tablette bis auf maximal 2 Tabletten täglich gesteigert werden.

Periphere Lähmungen: Jeden zweiten Tag werden 3 Tabletten verabreicht. Die Wirkung (Ermüdungsbeseitigung) tritt erst nach Stunden ein, und hält 1½–2 Tage an.

Myasthenia gravis pseudoparalytica: Bei leichten bis mittelschweren Fällen: In der ersten Woche 1 Tablette täglich einnehmen, in der zweiten Woche wird die Dosis auf 1½ Tabletten täglich und in der dritten Woche auf 2 Tabletten täglich erhöht.

Bei Kindern und Jugendlichen liegen keine Erfahrungen vor.

Spezielle Dosierungsanweisungen

Vagotoniker und ältere Patienten benötigen eine niedri­gere Dosis.

Korrekte Einnahme

Die Tabletten müssen nüchtern ½ Stunde vor dem Frühstück als Einmaldosis mit etwas Flüssigkeit eingenommen werden.

Kontraindikationen

Kontraindiziert ist Ubretid bei Überempfindlichkeit gegen Bestandteile des Präparates sowie bei Bromallergie, starker Vagotonie, spastischen Zuständen des Magendarm­trakts und der Gallen- und Harnwege, bei Enteritis und Ulcus ventriculi. Ebenso bei starker Hypotonie, dekompensierter Herzinsuffizienz, frischem Myokardinfarkt, Thyreotoxikose, Iritis, Asthma bronchiale, Myotonie, Tetanie, Epilepsie, Morbus Parkinson, postoperativen Schock- und Kreislaufstörungen.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Bei der Behandlung einer neurogenen Blasenlähmung mit gleichzeitiger Spastizität des Blasenverschlusses (Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie) darf Ubretid nur in Kombination mit einem Alphablocker eingesetzt werden.

Interaktionen

Anticholinergika wie Atropin, verschiedene Psychopharmaka und Antihistaminika antagonisieren die muskarinartigen Wirkungen von Ubretid.

Da Ubretid die Wirkung kurareartiger Muskelrelaxantien antagonisiert, muss es vor einer Operation abgesetzt werden. Die Wirkung depolarisierender Muskelrelaxantien (z.B. Suxamethonium) kann durch Ubretid verlängert werden.

Einige Antibiotika, wie Neomycin, Streptomycin und Kanamycin, haben eine schwache neuromuskulär blockierende Wirkung und schwächen die Wirkung von Ubretid ab.

Schwangerschaft/Stillzeit

Es sind weder kontrollierte Studien bei Tieren noch bei schwangeren Frauen verfügbar. Unter diesen Umständen soll das Präparat nicht angewendet werden, es sei denn es ist klar notwendig.

Da nicht bekannt ist, ob Ubretid in die Muttermilch sezerniert wird, sollte es während der Stillzeit nicht appliziert werden.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Die Fähigkeit der aktiven Teilnahme am Strassenverkehr oder zum Bedienen von Maschinen kann beeinträchtigt sein. Deshalb ist entsprechende Vorsicht geboten.

Unerwünschte Wirkungen

Unerwünschte Wirkungen werden hauptsächlich durch zu starke cholinerge Stimulation hervorgerufen und können oft durch Dosisreduktion vermindert werden. Die häufig­sten unerwünschten Wirkungen sind ähnlich wie bei anderen Azetylcholinesterase Hemmern: Nausea, Erbrechen, Diarrhö, verstärktes Schwitzen und Bradykardie.

Immunsystem

Anaphylaktische Reaktion.

Psychiatrie

Angst, Depression, Halluzinationen, Unruhe, Dysphorie.

ZNS

Kopfschmerzen, Benommenheit, Schwindel, Artikulationsstörungen, Epileptische Anfälle (Grand Mal).

Augen

Pupillenverengung, gesteigerter Tränenfluss, Akkomodationslähmung, Verschwommensehen.

Herz

Bradykardie, Hypotension, Ventrikuläre Tachykardie, Angina pectoris, Herzstillstand, Vorhofflimmern.

Thorax, Lungen, Mediastinum

Gesteigerte tracheobronchiale Sekretion, Bronchospasmus, Atembeschwerden in Patienten mit progressiver Muskeldystrophie.

GI-Trakt

Übelkeit, Erbrechen, Diarrhoe, gesteigerter Speichelfluss, gesteigerte Peristaltik, abdominelle Krämpfe.

Haut und Subkutis

Verstärktes Schwitzen, Exanthem (Ausschlag).

Muskeln und Bindegewebe

Muskelkrämpfe, Schluckstörung, Muskelschwäche, Faszikulationen (Muskelzuckungen), Lähmung willkürlicher Muskeln.

Urogenitaltrakt

Harninkontinenz.

Reproduktionssystem, Brust

Menstruationsartige Blutungen (bei nicht menstruierenden Frauen).

Unerwünschte Wirkungen, die durch zu hohe Ubretid-Dosen (leichte Überdosierung) verursacht werden, werden mit Atropin kupiert. Wegen der langen Wirkungsdauer von Ubretid muss die Atropindosis gegebenenfalls mehrmals wiederholt werden.

Empfohlene Atropindosen: 0,5–1 mg (bis max. 2 mg) Atropinsulfat i.v. eventuell subkutan injizieren.

Überdosierung

Wie alle Cholinergika kann exzessive Überdosierung von Ubretid eine cholinerge Krise verursachen.

Dabei tritt zunehmende Muskelschwäche, eventuell eine Paralyse der Atemmuskulatur auf; der Patient muss dann einer stationären Behandlung (Intensivstation) zugeführt werden.

Bei leichter Überdosierung kann mit Atropin i.v. oder subkutan behandelt werden.

Siehe unter «Unerwünschte Wirkungen».

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: N07AA03

Wirkungsmechanismus

Ubretid bewirkt durch reversible Komplexbildung mit dem Enzym Acetylcholinesterase eine Verstärkung und Verlängerung des Acetylcholineffektes. Dies führt zur Steigerung von Tonus und Peristaltik im Magen-Darm-Trakt, Erhöhung des Tonus der Harnblase, der Sphinkter und Ureter, zu einer mässigen Erweiterung der peripheren Gefässe und zu einer Erhöhung des Tonus der quergestreiften Muskulatur.

Pharmakokinetik

Da Ubretid zwei quaternäre Ammoniumgruppen besitzt, ist seine Bindung an die Acetylcholinesterase stärker als bei Cholinesterasehemmern mit nur einer Ammoniumgruppe. Das hat auch zur Folge, dass die Ausscheidung mit dem Harn nach enzymatisch bedingter hydrolytischer Spaltung verlängert ist.

Absorption und Elimination

Nach oraler Gabe von 2 Tabletten Ubretid (= 10 mg Distigminbromid) beträgt die Halbwertszeit der Acetylcholinesterasehemmung 38,2 Stunden.

Wiederholte orale Gaben von Ubretid führen zu einem Steady-state der Acetylcholinesterasehemmung ohne Anzeichen für eine Kumulation.

Nach der oralen Gabe von radioaktiv markiertem Ubretid (14C-Distigminbromid) betrug die mittlere Plasmahalbwertszeit 69 Stunden. Die maximalen Plasmaspiegel (Cmax) wurden zwischen 45 Min. und 3 Stunden nach der Applikation gemessen. Im Vergleich zur i.v. Gabe beträgt die Bioverfügbarkeit 4,65%. In Fäzes und Urin wurden 94,46% der Radioaktivität wiedergefunden. Renal wurde 6,5% der verabreichten Dosis eliminiert.

Metabolismus

Studien zum Metabolismus liegen keine vor.

Kinetik spezieller Patientengruppen

Vagotoniker und alte Menschen benötigen eine niedrigere Dosis.

Präklinische Daten

Studien zur Reproduktionstoxizität, Genotoxizität und Kanzerogenität liegen nicht vor.

Sonstige Hinweise

Haltbarkeit

Das Präparat darf nur bis zu dem auf dem Behälter mit «EXP» bezeichneten Datum verwendet werden.

Besondere Lagerungshinweise

Ubretid Tabletten sind bei Raumtemperatur (15–25 °C), vor Licht geschützt und für Kinder unerreichbar aufzubewahren.

Zulassungsnummer

37746 (Swissmedic).

Zulassungsinhaberin

Takeda Pharma AG, Freienbach.

Stand der Information

März 2008.

Verwendung dieser Informationen

Die Informationen auf dieser Seite sind für Fachpersonal gedacht. Bei Fragen lassen Sie sich von einer Fachperson (z.B. Arzt oder Apotheker) beraten und lesen Sie die Packungsbeilage auf unserer Produktseite.