Torecan Inj Loes 6.5 Mg/ml 5 Amp 1 Ml

Fachinformationen

Zusammensetzung

Wirkstoff

Dragées: Thiethylperazinum ut Thiethylperazini maleas.

Ampullen: Thiethylperazinum ut Thiethylperazini bishydrogenomalas.

Hilfsstoffe

Dragées: Lactosum, Excip. pro compr. obduct.

Ampullen: Sorbitolum, Antiox.: E223 0,5 mg, E300 0,5 mg, Aqua q.s. ad sol. pro 1 ml.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Dragées zu 6,5 mg.

Ampullen zu 6,5 mg/1 ml.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Übelkeit und Erbrechen.

Dosierung/Anwendung

Übliche Dosierung

Dragées: 1 Dragée 1–3×/d.

Ampullen: Zur Prophylaxe des postoperativen Erbrechens 1 Ampulle (1 ml) i.m. etwa ½ h vor Beendigung der Operation.

In schweren Fällen, Injektion 1 Ampulle (1 ml) intramuskulär (i.m.).

Spezielle Dosierungsempfehlungen

Kinder

Torecan ist kontraindiziert bei Kindern unter 15 Jahren (s. «Kontraindikationen»).

Hinweise zur Anwendung

Torecan Dragées sollen, aufgrund ihres unangenehmen Geschmacks, nicht zerkaut werden.

Kontraindikationen

Überempfindlichkeit gegenüber Thiethylperazin (Torecan), einem Hilfsstoff, oder gegen andere Phenothiazine.

Komatöse Zustände mit schwerer ZNS-Depression.

Kinder unter 15 Jahre.

Stillzeit.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Eine allfällige zentralnervöse Dämpfung und/oder Unruhe in der postoperativen Phase nach Narkose ist in Betracht zu ziehen.

In seltenen Fällen ist bei Langzeitbehandlung mit Torecan eine Spätdyskinesie beobachtet worden. Patienten sollten deshalb in der Regel nicht länger als ca. 2 Monate behandelt und hinsichtlich neurologischer Symptome sorgfältig überwacht werden.

Anwendung und Sicherheit von Torecan während Herz- und ZNS-Chirurgie wurden nicht untersucht. Torecan gehört zu der Gruppe der Phenothiazine, die möglicherweise mit ZNS-dämpfenden Substanzen (z.B. Barbiturate, Anästhetika, Opiate, Alkohol etc.), wie auch mit Atropin interagieren und deren Wirkung verstärken können.

Im Fall einer Arzneimittel-induzierten Hypotonie sollte keine Anwendung von Adrenalin erfolgen (Gefahr einer paradoxen Adrenalin-Wirkung durch Phenothiazine), sondern es sollte gegebenenfalls mit Noradrenalinbitartrat und Phenylephrin als Vasokonstriktoren eingesetzt werden.

Die Anwendung von Torecan wurde bei Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Lebererkrankung oder mit Zirrhose nicht untersucht. Wie andere Phenothiazine sollte Torecan bei diesen Patienten nur mit Vorsicht angewendet werden.

Bei Patienten, die Torecan in hohen Dosen oder über längere Zeit einnehmen, sollte die Leberfunktion und das Blutbild überwacht werden (s. «Unerwünschte Wirkungen»). Bei der Verabreichung von Torecan an ältere Patienten (65 Jahre und älter) ist Vorsicht geboten (vermehrtes Auftreten von unerwünschten Wirkungen, geringere Toleranz, engmaschigere Kontrollen notwendig).

Im Zusammenhang mit Überdosierung wurden Krämpfe beobachtet da Thiethylperazin die Krampfschwelle senkt.

Torecan Dragées enthalten Lactose und Sucrose. Patienten mit seltener hereditärer Galactoseintoleranz (z.B. Galactosämie), Fructoseintoleranz, schwerem Lactasemangel, Glucose-Galactose Malabsorption oder Sucrase-Isomaltase Mangel sollten dieses Medikament nicht einnehmen.

Torecan Injektionslösung enthält Natriummetabisulfit (E223), welches bei empfindlichen Patienten allergische Reaktionen einschliesslich anaphylaktischem Schock und lebensbedrohenden Asthma-Anfällen, Brechreiz und Durchfall auslösen kann. Die Prävalenz in der Bevölkerung ist unbekannt. Sulfit-Überempfindlichkeit wird aber öfters bei Asthmatikern als bei nicht-Asthmatikern gesehen.

Die intraarterielle Injektion von Torecan muss strikte vermieden werden. Torecan darf nicht mittels Infusion verabreicht werden, da der Wirkstoff durch eine pH-Änderung ausfallen kann (s. «Sonstige Hinweise»).

Interaktionen

Arzneimittel, die das Zentralnervensystem beeinflussen

Torecan gehört zur Gruppe der Phenothiazine, die die zentralnervös dämpfende Wirkung gewisser Substanzen (z.B. Barbiturate, Anaesthetika, Opiate, Alkohol etc.) potenzieren kann, wie auch die von Atropin.

CYP2D6 Inhibitoren

Torecan gehört zur Gruppe der Phenothiazine. Die gleichzeitige Verabreichung von CYP2D6 Inhibitoren (wie Fluoxetin und Quinidin) kann die Plasmakonzentrationen von Thiethylperazinen erhöhen. Ferner kann auch bei Personen, die als «Cytochrom 2D6-Langsam-Metabolisierer» gelten, im Vergleich zum Durchschnitt die Exposition erhöht sein (s. «Pharmakokinetik»).

Antikonvulsiva

Torecan kann, aufgrund der epileptogenen Eigenschaften von Phenothiazinen, die Wirksamkeit von Antikonvulsiva vermindern.

Schwangerschaft/Stillzeit

Es existieren nur sehr beschränkte Daten zum Gebrauch von Thiethylperazin in schwangeren Frauen. Tierstudien ergeben nicht genügend Daten um einen teratogenen Effekt auszuschliessen. Torecan sollte daher in der Schwangerschaft nicht angewendet werden, ausser es sei klar notwendig.

Phenothiazine wird in die Muttermilch ausgeschieden. Daher ist Torecan in der Stillzeit kontraindiziert.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Patienten sollten darauf aufmerksam gemacht werden, dass während der Behandlung mit Thiethylperazin unerwünschte Wirkungen des Nervensystems auftreten können, wie Schläfrigkeit und extrapyramidale Symptome (Dystonie, okulogyre Krise, Muskelspasmen). Daher ist im Strassenverkehr und beim Bedienen von Maschinen Vorsicht geboten.

Unerwünschte Wirkungen

Häufigkeiten

«Sehr häufig» (>1/10), «häufig» (>1/100, <1/10), «gelegentlich» (>1/1’000, <1/100), «selten» (>1/10’000, <1/1’000), «sehr selten» (<1/10’000).

Immunsystem

Sehr selten: Anaphylaktische/anaphylaktoide Reaktion.

Nervensystem

Selten: Extrapyramidale Symptome*, okulogyre Krise, tardive Dyskinesie, Benommenheit, Somnolenz, Dysarthrie.

Sehr selten: Malignes neuroleptisches Syndrom (NMS).

Herz

Selten: Arterielle Hypotonie, Tachykardie.

Gastrointestinale Störungen

Selten: Dysphagie.

Sehr selten: Mundtrockenheit.

Leber und Galle

Sehr selten: Leberfunktionsstörungen.

Haut

Sehr selten: Dermatitis.

Muskelskelettsystem

Selten: Muskelspasmen.

* Wie bei anderen Phenothiazinderivaten kann es nach der Verabreichung von Torecan – gelegentlich (1%) und meist bei besonders empfindlichen, namentlich jüngeren Patienten – zu extrapyramidalen Symptomen kommen (Koordinationsstörungen der Augenmuskeln, Schluck- und Sprechschwierigkeiten, Muskelspasmen). Diese lassen sich durch parenterale Verabreichung eines Antiparkinson-Mittels beseitigen.

Oft verschwinden diese extrapyramidalen Symptome nach Absetzen des Medikamentes.

Auflistung von unerwünschten Wirkungen aus Spontanmeldungen nach Marktzulassung

Die folgenden unerwünschten Wirkungen wurden anhand von Spontanmeldungen nach Marktzulassung identifiziert. Weil diese Reaktionen von Populationszahlen ungewisser Grösse stammen, ist es nicht immer möglich, verlässliche Aussagen zur Häufigkeit zu machen.

Haut

Angioödem.

Überdosierung

Symptome

Schläfrigkeit, Verwirrung, in schweren Fällen begleitet von Koma und Verlust der Reflexe.

Tachykardie, orthostatische Hypotonie und Kollaps.

Atemdepression als Spätmanifestation einer schweren Überdosierung.

Agitiertheit, akute dystonische Reaktionen und Konvulsionen.

Behandlung

Es ist kein spezifisches Antidot bekannt.

Allgemeine Massnahmen inklusive Magenspülung, gefolgt von der Verabreichung von Aktivkohle, falls indiziert.

Intensivpflege mit kardiovaskulärer und respiratorischer Überwachung.

Symptomatische Therapie

Akute Hypotonie: Plasmaexpander; sollte die Anwendung eines Vasokonstriktors nötig sein (Achtung, kein Adrenalin!), ist eine sorgfältige Kontrolle der kardiovaskulären Funktionen angezeigt.

Akute Dystonien: Antiparkinson-Therapeutika.

Konvulsionen: Benzodiazepine.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: R06AD03

Wirkungsmechanismus

Thiethylperazin, ein Phenothiazin-Derivat, ist ein Antiemetikum mit zentralen Angriffspunkten sowohl in der Medulla oblongata («chemoreceptor trigger zone») als auch im Brechzentrum selbst.

Klinische Wirksamkeit

Es verhindert oder mildert Übelkeit und Erbrechen verschiedenen Ursprungs.

Pharmakokinetik

Absorption

Torecan wird nach oraler Applikation gut vom Magen-Darm-Trakt resorbiert, Plasma-Spitzen werden nach 2 bis 4 Stunden erreicht.

Distribution

Das Distributionsvolumen wird auf 2,7 l/kg Körpergewicht geschätzt.

Thiethylperazin kann die Plazenta passieren.

Metabolismus

Thiethylperazin wird weitgehend in der Leber metabolisiert. Die Metabolisierung von Torecan geschieht über Hydroxylierung des Phenylthiazin-Rings, die Oxidation des Schwefelatoms und die Dealkylierung. Es existieren keine Studien zur Iso-Enzym-Identifikation des Thiethylperazin-Abbaus, da aber Phenylthiazine generell durch Cytochrom 2D6 metabolisiert werden, liegt der Schluss nahe, dass Thiethylperazin auch Substrat dieses Enzyms ist. Die Anwendung von Arzneimitteln, die über Cytochrom 2D6 metabolisiert werden, können bei «Cytochrom 2D6-Langsam-Metabolisierern» zu erhöhten Blutspiegeln führen (s. «Interaktionen»).

Elimination

Etwa 3% der Dosis wird als unverändertes Thiethylperazin ausgeschieden. Die Plasma-Halbwertszeit beträgt 12 Stunden.

Kinetik spezieller Patientengruppen

Leberinsuffizienz

Vorsicht ist geboten bei Patienten mit schwacher, mittelschwerer und schwerer Leberinsuffizienz oder Zirrhose aufgrund der möglicherweise erhöhten Exposition gegenüber Thiethylperazin.

Niereninsuffizienz

Es liegen keine Informationen über die Wirkungen von Thiethylperazin bei Niereninsuffizienz vor.

Präklinische Daten

Toxizität

In älteren Langzeit-Studien mit gewissen experimentellen Limitationen beobachtete man in Ratten und Hunden bei wiederholter Abgabe von hohen Thiethylperazin Dosen verschieden Effekte wie etwa reduzierte Gewichtszunahme, Spastizität, Atrophien in Samenkanälen, Hypoproteinämie, Anämien, und degenerative Verfettung der Leber.

Mutagenität

In einem bakteriellen Mutagenitätsassay mit Salmonella typhimurium und Escherichia coli wurden keine Hinweise auf mutagene Wirkungen von Thiethylperazin beobachtet.

Karzinogenität

Die karzinogene Wirkung von Thiethylperazin wurde bisher nicht untersucht.

Reproduktionstoxizität

In Studien mit Ratten und Kaninchen wurden keine Hinweise auf Teratogenität und Reproduktionstoxizität gefunden, doch die Studien weisen gewisse Limitationen auf. Bei maternal toxischen Dosen von 50 mg/kg pro Tag (Maus) oder 200 mg/kg pro Tag (Ratte) wurde eine erhöhte Inzidenz von Gaumenspalten beobachtet. Die klinische Relevanz dieser Beobachtung für humane Schwangerschaften ist unbekannt.

Fruchtbarkeit

Die Fruchtbarkeit von männlichen Ratten wurde durch die Thiethylperazin-Behandlung nicht beeinträchtigt. In weiblichen Ratten wurden nur bei Expositionen, welche höher als die maximale humane Exposition, Auswirkungen auf die Schwangerschaftsrate beobachtet. Diese Daten sind wahrscheinlich wenig relevant für die Klinik.

Sonstige Hinweise

Haltbarkeit

Das Arzneimittel darf nur bis zu dem auf der Packung mit «EXP» bezeichneten Datum verwendet werden.

Besondere Lagerungshinweise

Dragées in Originalpackung und bei Raumtemperatur (15–25 °C) lagern.

Ampullen in Originalpackung, vor Licht geschützt und bei Raumtemperatur (15–25 °C) lagern.

Arzneimittel sind für Kinder unerreichbar aufzubewahren.

Hinweise für die Handhabung

Infusionen: Warnung: Die intraarterielle Injektion von Torecan muss strikte vermieden werden. Torecan darf nicht mittels Infusion verabreicht werden, da der Wirkstoff durch eine pH-Änderung ausfallen kann.

Die gebrauchsfertige Lösung ist unmittelbar nach Anbruch zu verwenden.

Restmengen sind zu verwerfen.

Zulassungsnummer

27279, 27280 (Swissmedic).

Zulassungsinhaberin

Novartis Pharma Schweiz AG, Risch; Domizil: 6343 Rotkreuz.

Stand der Information

Juni 2012.

Verwendung dieser Informationen

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