Tarivid I.v Inf Loes 200 Mg/100ml 5 Durchstf 100 M

Fachinformationen

Zusammensetzung

Wirkstoff:

Tarivid Tabletten: Ofloxacinum.

Tarivid i.v.: Ofloxacinum (ut ofloxacini hydrochloridum).

Hilfsstoffe:

Tarivid Tabletten: Lactosemonohydrat, Maisstärke, Hydroxypropylcellulose, Magnesiumstearat, Carmellose, Hypromellose, Macrogol 8000, Talkum, Titandioxid.

Tarivid i.v.: Natrii chloridum, Acidum hydrochloridum, aqua ad injectabilia.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Tarivid, Filmtabletten (teilbar) mit 200 mg Ofloxacin.

Tarivid i.v. Injektionslösung mit 200 mg/100 ml Ofloxacin (ut ofloxacini hydrochloridum).

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Erwachsene

Tarivid ist zur Behandlung bakterieller Infektionen geeignet, die durch Ofloxacin-sensible Erreger verursacht werden.

Die Art der Applikation (i.v. oder peroral) wird von der Indikation sowie vom Schweregrad der Infektion bestimmt:

  • Infektionen der Niere, der ableitenden Harnwege und Geschlechtsorgane.
  • Sexuell übertragene Krankheiten (STD):
    • Post-gonorrhoische resistente Urethritis und Cervicitis aufgrund von Chlamydia trachomatis.
    • Gonorrhoe: Tarivid darf erst nach Bestimmung der Empfindlichkeit des Erregers angewendet werden.
    • Mischinfektionen der Urethra und der Cervix mit Chlamydia trachomatis und Neisseria gonorrhoeae.

Hinweis: Zur Behandlung von Syphilis und Trichomonasen ist Tarivid nicht indiziert.

  • Akute, chronische und rezidivierende Bronchitis aufgrund von Haemophilus influenzae oder anderen gramnegativen und multiresistenten Erreger sowie von Staphylococcus aureus.
  • Angezeigt ist die Anwendung von Tarivid bei Pneumonien aufgrund sogenannter Problemkeime (z.B. Escherichia coli, Klebsiella, Enterobacter, Proteus, Pseudomonas, Legionella, Staphylococcus). Da Pneumonien im ambulanten Bereich aber häufig durch Pneumococcus verursacht werden, ist Tarivid in diesen Fällen nicht das Mittel der ersten Wahl.
  • Chronische und rezidivierende Infektionen von Hals, Nase und Ohren, insbesondere wenn sie durch gramnegative Keime einschliesslich Pseudomonas oder durch Staphylococcus verursacht werden. Aus diesem Grund ist Tarivid bei Angina tonsillaris nicht indiziert.
  • Infektionen des Bauchraumes (z.B. bakterielle Infektionen des Magen-Darm-Traktes, der Gallenwege, Peritonitis).
  • Infektionen des kleinen Beckens.
  • Infektionen der Weichteile und der Haut.
  • Infektionen von Knochen und Gelenken.
  • Infektionsprophylaxe, selektive Darmdekontamination bei Patienten mit geschwächter körpereigener Abwehr (z.B. im neutropenischen Zustand).
  • Septische Infektionen (nur Tarivid i.v.).

Zu beachten sind dabei die offiziellen Empfehlungen zum angemessenen Gebrauch von Antibiotika, insbesondere Empfehlungen zur Einschränkung einer Zunahme von Antibiotikaresistenzen.

Kinder und Jugendliche

Tarivid ist bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren kontraindiziert.

Dosierung/Anwendung

Übliche Dosierung für Erwachsene

Die Dosierung von Tarivid richtet sich nach der Empfindlichkeit des Erregers und dem Ort der Infektion.

Tarivid Tabletten werden zweimal täglich eingenommen; die Infusionslösung wird zweimal täglich verabreicht. Die Zeitabstände zwischen den einzelnen Dosen müssen annähernd gleich sein.

Folgende Dosierungen werden empfohlen:

mg pro Tag
per osi.v.
Infektionen der Harnwege1 bis 2× 1001 bis 2× 100
Infektionen der Nieren und der Geschlechtsorgane2× 100 bis 2× 2002× 100 bis 2× 200
Akute, unkomplizierte Gonorrhoeeinmal 200
Gonorrhoische oder nicht-gonorrhoische Urethritis und Cervicitis2× 2002× 200
Infektionen der Atemwege, des Halses, der Nase und der Ohren2× 2002× 200
Infektionen des Bauchraums2× 2002× 200
Infektionen der Haut und der Weichteile2× 2002× 200
Infektionen von Knochen und Gelenken2× 2002× 200
Infektionsprophylaxe bei Patienten mit geschwächter körpereigener Abwehr400-600400-600
Septische Infektionen2× 200

Im Einzelfall kann es erforderlich sein, die Dosierung bei Erregern mit unterschiedlicher Sensibilität, schweren Infektionen (z.B. der Atemwege) sowie ungenügendem Ansprechen des Patienten zu erhöhen. Unter diesen Umständen kann die Dosis auf bis zu 2× 400 mg täglich gesteigert werden. Das gleiche gilt für Infektionen, die mit Komplikationen einhergehen.

Kinder und Jugendliche

Tarivid darf bei Kindern und Jugendlichen in der Wachstumsphase (unter 18 Jahren) nicht angewendet werden (siehe «Kontraindikationen»).

Anwendung und Dauer der Behandlung

Tarivid Tabletten können sowohl auf nüchternen Magen als auch mit den Mahlzeiten eingenommen werden. Die Tabletten sind unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit (½ Glas Wasser) zu schlucken.

Tarivid i.v. ist zur intravenösen Infusion bestimmt. Die Infusionsdauer beträgt 30 Minuten pro 200 mg Ofloxacin.

Angaben zur Kompatibilität von Tarivid i.v. mit anderen Infusionen finden sich unter «Sonstige Hinweise».

Sobald sich der Zustand des Patienten gebessert hat, kann von der parenteralen auf eine orale Behandlung übergegangen werden.

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach der Sensibilität der Erreger und dem klinischen Erscheinungsbild.

Bei akuten Infektionen reicht eine Behandlungsdauer von 7 bis 10 Tagen im Allgemeinen aus.

Im Falle einer Enteritis bakteriellen Ursprungs beträgt die Behandlungsdauer 7 bis 8 Tage.

Bei Shigellosen beträgt die übliche Behandlungsdauer 3 bis 5 Tage.

Bei Darminfektionen durch E. coli beträgt die übliche Behandlungsdauer 3 Tage.

Für unkomplizierte Infektionen der unteren Harnwege reicht eine Behandlungsdauer von 3 Tagen aus.

Bei nicht-gonorrhoischer oder gonorrhoischer Urethritis beträgt die Behandlungsdauer in der Regel 7 Tage.

Bis zum Vorliegen von weiteren Erfahrungen sollte eine Behandlungsdauer von 2 Monaten nicht überschritten werden.

Spezielle Dosierungsanweisungen

Da Ofloxacin im Wesentlichen über die Nieren ausgeschieden wird, muss die Dosis bei eingeschränkter Nierenfunktion angepasst werden.

Bei Niereninsuffizienz:

Die Dosierung von Tarivid muss sich nach dem Grad der Funktionseinschränkung richten. Die Anfangsdosis beträgt 200 mg. Die Erhaltungsdosis muss wie folgt verringert werden:

Kreatininclearance [ml/Min]Tarivid-Dosis [mg/24 h]
20-501× 200 oder 1× 100
<20 sowie Patienten unter Hämo- oder Peritoneal Dialyse1× 100

Im Einzelfall kann es erforderlich sein, die Dosis zu erhöhen.

Ein höheres Lebensalter an sich bedingt keine Anpassung der Ofloxacindosis. Allerdings sollte bei älteren Patienten der Nierenfunktion besondere Beachtung geschenkt und die Dosis gegebenenfalls entsprechend angepasst werden (siehe «Verlängerung des Q-T-Intervalls» unter «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Dosierung bei Leberinsuffizienz:

Bei Patienten mit schwerer Leberfunktionsstörung (z.B. Leberzirrhose mit Bauchwassersucht) kann die Ausscheidung von Ofloxacin vermindert sein. In einem solchen Fall sollte eine Tageshöchstdosis von 400 mg Ofloxacin nicht überschritten werden (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Kontraindikationen

Überempfindlichkeit gegen Ofloxacin, andere Chinolonen-Karbonsäurederivate oder gegen einen in Tarivid enthaltenen Hilfsstoff.

Sehnenbeschwerden nach Einnahme von Fluorochinolonen.

Bei Epileptikern sowie bei Vorschädigung des ZNS mit herabgesetzter Krampfschwelle (wie z.B. nach Schädel-Hirn-Verletzungen, entzündlichen Prozessen im ZNS-Bereich, Schlaganfall) ist Tarivid nicht anzuwenden.

Bei Myasthenia gravis darf Tarivid nicht verschrieben werden.

Kindern und Jugendlichen in der Wachstumsphase (unter 18 Jahren) sowie Schwangeren und Stillenden darf Tarivid nicht verabreicht werden, da bei diesen Patientengruppen keine ausreichenden Erfahrungen bezüglich der Produktsicherheit vorliegen. Aufgrund der Ergebnisse von Tierversuchen lassen sich Gelenkknorpelschädigungen beim noch nicht ausgewachsenen Organismus nicht völlig ausschliessen.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Ofloxacin ist nicht das Antibiotikum der ersten Wahl bei der Behandlung von Pneumonien, die durch Pneumococcus oder Mycoplasma spp. ausgelöst werden. Besonders bei schweren Formen der Pneumococcenpneumonie gewährleistet Ofloxacin unter Umständen nicht die optimale antibiotische Behandlung.

Behandlung der Gonorrhoe: Aufgrund der kontinuierlichen Zunahme der Resistenzen von Neisseria gonorrhoeae gegenüber Fluorochinolonen sind Fluorochinolone nur dann Mittel der Wahl, wenn das Vorhandensein Fluorochinolon-resistenter N. gonorrhoeae ausgeschlossen werden kann. Da Gonorrhoe oftmals von einer Chlamydieninfektion begleitet wird, sollte ebenfalls aktiv eine Chlamydien-Behandlung erfolgen.

Nosokomiale und sonstige schwere Infektionen durch P. aeruginosa erfordern möglicherweise eine Kombinationstherapie. Spezifische Infektionen, insbesondere durch P. aeruginosa, erfordern eine Antibiotika-Resistenzbestimmung, um eine gezielte Therapie zu gewährleisten.

Tarivid ist nicht indiziert zur Behandlung der durch β-hämolysierende Streptokokken ausgelösten akuten Angina tonsillaris.

Der Methicillin-resistente Stamm S. aureus (MRSA) weist sehr wahrscheinlich eine Koresistenz gegen Fluorochinolon auf, zu denen auch Ofloxacin gehört. Daher wird Ofloxacin bei bekannter oder vermuteter MRSA-Infektion nicht für die Behandlung empfohlen, es sei denn, die Laborergebnisse bestätigen eine Empfindlichkeit des Erregers gegen Ofloxacin (üblicherweise für die Behandlung von MRSA-Infektionen empfohlene antibakterielle Wirkstoffe werden als ungeeignet erachtet).

Die Resistenz von E. coli (der häufigste Erreger von Harnwegsinfektionen) ist innerhalb der Europäischen Union unterschiedlich ausgeprägt. Medizinische Fachkräfte sollten daher die lokale Prävalenz der Resistenz von E. coli gegen Fluorochinolon berücksichtigen.

Infektionen mit Clostridium difficile

Das Auftreten von Diarrhoe während oder nach der Behandlung mit Tarivid, besonders wenn diese schwer, anhaltend und/oder blutig verläuft, kann ein Symptom für eine Infektion mit Clostridium difficile sein. Deren schwerste Verlaufsform ist die pseudomembranöse Kolitis. Bei Verdacht auf eine derartige Komplikation die Behandlung mit Tarivid unverzüglich abbrechen und eine spezifische Antibiotikatherapie (z.B. Metronidazol, Vancomycin) einleiten. Der Einsatz von Peristaltik hemmenden Mitteln ist in dieser klinischen Situation absolut kontraindiziert.

Herabgesetzte Krampfschwelle

Wie andere Chinolonen muss Tarivid bei gleichzeitiger Behandlung mit Fenbufen bzw. nichtsteroidalen Entzündungshemmern desselben Typs sowie bei gleichzeitiger Behandlung mit Medikamenten, welche die Krampfschwelle herabsetzen (z.B. Theophyllin), mit Vorsicht eingesetzt werden.

Tendinitis

Eine bei der Einnahme von Tarivid selten beobachtete Tendinitis kann gelegentlich zu einem Sehnenriss insbesondere der Achillessehne führen. Dieses Risiko einer Chinolonbehandlung ist bei älteren Menschen erhöht. Einem Sehnenriss Vorschub leistet zudem eine gleichzeitige Langzeittherapie mit Kortikosteroiden. Bei Verdacht auf eine Tendinitis die Behandlung mit Tarivid unverzüglich abbrechen und eine entsprechende Therapie (z.B. Immobilisation) der betroffenen Sehne(n) einleiten.

Prävention von Photosensibilisierung

Extreme Sonnen- oder UV-Licht-Bestrahlung sollte während der Therapie mit Tarivid vermieden werden, da sehr selten Photosensibilitätsreaktionen auftreten können.

Niereninsuffizienz

Da Ofloxacin hauptsächlich über die Nieren ausgeschieden wird, muss die Dosierung von Tarivid bei Patienten mit Niereninsuffizienz angepasst werden (siehe «Spezielle Dosierungsanweisungen» im Kapitel «Dosierung/Anwendung»).

Nieren- und Leberfunktion sowie das Blutbild müssen während einer Langzeittherapie regelmässig kontrolliert werden.

Patienten mit Glukose-6-Phosphat-Dehydrogenasemangel

Patienten mit latentem oder diagnostiziertem Glukose-6-Phosphat-Dehydrogenasemangel (G-6-PDH-Mangel) sind unter Umständen bei einer Therapie mit Chinolonen zu hämolytischen Reaktionen prädisponiert. Daher sollte Tarivid bei diesen Patienten mit Vorsicht angewandt werden.

Vorbestehende Leberinsuffizienz

Patienten mit vorbestehender Leberinsuffizienz müssen ärztlich überwacht werden, damit eine allfällige Verschlechterung der Leberfunktion erkannt werden kann. Es könnte eine Verringerung der Tarivid-Dosis erforderlich sein (siehe «Spezielle Dosierungsanweisungen» im Kapitel «Dosierung/Anwendung»).

Verlängerung des Q-T-Intervalls

Es gibt Meldungen über eine Verlängerung des Q-T-Intervalls und in sehr seltenen Fällen Torsades de pointes infolge der Einnahme von Fluorochinolonen.

Daher sind bei Patienten mit einem oder mehreren bekannten Risikofaktoren für eine Verlängerung des Q-T-Intervalls im Falle der Anwendung von Fluorochinolonen (darunter Ofloxacin) entsprechende Vorsichtsmassnahmen zu treffen. Zu solchen Risikofaktoren zählen beispielsweise:

  • Höheres Alter;
  • Nicht korrigiertes Ungleichgewicht des Elektrolythaushalts (Hypokalzämie, Hypomagnesiämie, Hypokaliämie);
  • Kongenitales langes Q-T-Syndrom;
  • Konkomitierende Herzerkrankung (Myokardinfarkt, Herzinsuffizienz, Vorhofflimmern, Bradykardie, Synkope);
  • Gleichzeitige Anwendung von Medikamenten, die bekanntermassen das Q-T-Intervall verlängern (z.B. Antiarrhythmika der Klassen IA und III, trizyklische Antidepressiva, Makrolidantibiotika).

Periphere Neuropathie

Berichte zufolge sind bei Patienten, die Fluorochinolonen (darunter Ofloxacin) erhalten haben, Fälle von sensorischer bzw. sensomotorischer peripherer Neuropathie aufgetreten, wobei sich derartige Neuropathien rasch manifestieren können. Zeigt ein Patient Neuropathie artige Symptome, muss Tarivid abgesetzt werden. Dadurch kann das mögliche Risiko für die Herausbildung eines irreversiblen Zustands verringert werden.

Hypoglykämie

Wie bei allen Chinolonen liegen Berichte über hypoglykämische Störungen vor, in der Regel im Falle von Diabetikern, die gleichzeitig mit einem oralen Antidiabetikum (z.B. Glibenclamid) oder Insulin behandelt wurden. Bei diesen Patienten empfiehlt sich eine sorgfältige Überwachung des Blutzuckerspiegels (siehe «Unerwünschte Wirkungen»).

Interaktionen

Antazida, Sucralfat, Metallkationen

Bei gleichzeitiger Gabe von kationischen Antazida (z.B. Aluminium- bzw. Magnesiumsalzen oder Sucralfat) und eisenhaltigen Präparaten ist mit einer Wirkungsabschwächung von Tarivid Filmtabletten zu rechnen. Darum sollte Tarivid p.o. ca. 2 Stunden vor Einnahme solcher Präparate resorbiert werden. Ranitidin hingegen beeinflusst die Kinetik von Tarivid nicht.

Krampfauslösende Arzneimittel

Bei der Kombination von Chinolonen (Antibiotikaklasse, der Tarivid angehört) mit anderen krampfauslösenden Medikamenten (wie z.B. Theophyllin, Fenbufen oder nichtsteroidalen Entzündungshemmern) wird die Krampfschwelle gesenkt.

Glibenclamid

Unter der Einwirkung von Ofloxacin kann es zu einer geringfügigen Erhöhung der Serumspiegel von Glibenclamid kommen. Patienten, die gleichzeitig mit Ofloxacin und Glibenclamid behandelt werden, sollten daher enger überwacht werden.

Substanzen, die in die renale Ausscheidung eingreifen

Chinolonen und andere über die Nierentubuli ausgeschiedene Arzneimittel wie z.B. Probenecid, Cimetidin, Furosemid oder Methotrexat hemmen sich gegenseitig in der Exkretion. Hauptsächlich bei hochdosierter Behandlung können sich erhöhte Serumspiegel einstellen.

Vitamin-K-Antagonisten/Cumarinderivate

Patienten, die gleichzeitig mit Cumarinderivaten behandelt werden, sind sorgfältig zu überwachen, da bei gleichzeitiger Behandlung mit Chinolonen eine verstärkte Wirkung der Cumarinderivate nicht ausgeschlossen werden kann.

Potenzielle Blutdrucksenker

Bei gleichzeitiger Verabreichung von Tarivid i.v. mit potenziell blutdrucksenkenden Medikamenten kann es zu einem plötzlichen Abfall des Blutdruckes kommen. Deshalb ist in diesen Fällen ebenso wie bei gleichzeitiger Verabreichung mit barbiturathaltigen Narkosemitteln eine Überwachung der Herz-Kreislauf-Funktion angezeigt.

Arzneimittel, die das Q-T-Intervall verlängern

Ofloxacin und andere Fluorochinolonen sollten bei Patienten, die bereits andere Substanzen mit bekanntermassen das Q-T-Intervall verlängernder Wirkung (z.B. Antiarrhythmika der Klassen IA und III, trizyklische Antidepressiva, Makrolidantibiotika) erhalten, mit Vorsicht angewandt werden.

Schwangerschaft/Stillzeit

Tierversuche haben keine Hinweise auf teratogene Wirkungen ergeben. Allerdings können Schädigungen am Gelenkknorpel in einem im Wachstum befindlichen Organismus nicht völlig ausgeschlossen werden. Aus diesem Grund sollte Tarivid Schwangeren und Stillenden nicht verabreicht werden.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Einige unerwünschte Wirkungen wie Schwindel, Schläfrigkeit oder Sehstörungen können die Konzentrations- bzw. Reaktionsfähigkeit des Patienten beeinträchtigen und daher beim Führen eines Fahrzeugs oder beim Bedienen von Maschinen Risiken darstellen. Diese Wirkung wird durch gleichzeitigen Alkoholkonsum noch verstärkt.

Unerwünschte Wirkungen

Infektionen und Infestationen

Gelegentlich: Pilzinfektionen, Keimresistenz.

Familiäre oder kongenitale genetische Störungen

Vereinzelte Fälle: Bei prädisponierten Patienten kann die Möglichkeit eines Porphyrieschubs nicht ausgeschlossen werden.

Störungen des Blut- und Lymphsystems

Sehr selten: Anämie, hämolytische Anämie, Leukozytopenie, Eosinophilie, Thrombozytopenie.

Vereinzelte Fälle: Agranulozytose, Panzytopenie, Knochenmarksdepression.

Störungen des Immunsystems

Gelegentlich: Es können sich allergische bzw. anaphylaktoide Reaktionen einstellen, insbesondere Überempfindlichkeitsreaktionen der Haut wie z.B. Hautauschläge (in Einzelfällen blasig), Juckreiz, brennende Augen, Reizhusten und Schnupfen.

Sehr selten: Fiebriger Zustand, allergische Lungenentzündung (Pneumonitis), allergische Nierenentzündung (interstitielle Nephritis), Eosinophilie, Tachykardie, Blutdruckanstieg, Gesichtsödem, Zungenschwellung,Glottisödem, Atemnot bis hin zum Schock und Bronchospasmus. Ein anaphylaktischer Schock ist zwar sehr selten, aufgrund seines akuten Charakters aber stets lebensbedrohlich. In solchen Fällen ist das Medikament sofort abzusetzen und eine ärztliche Behandlung (z.B. Schocktherapie) einzuleiten.

Stoffwechsel- und Ernährungsstörungen

Häufig: Appetitlosigkeit.

Vereinzelte Fälle: Hypoglykämie bei Diabetikern, die mit Blutzuckersenkern behandelt werden.

Psychiatrische Störungen

Gelegentlich: Schlafstörungen, Schlaflosigkeit.

Selten: Besonders intensive Träume bis hin zum Albtraum, psychotische Reaktionen mit Unruhe, Erregtheit, Angstzuständen, Benommenheit, Depression, Verwirrtheit, Halluzinationen bis hin zur Selbstgefährdung einschliesslich Selbstmordgedanken und -versuche.

Sollten sich derartige Reaktionen manifestieren – was schon ab der Ersteinnahme der Fall sein kann – muss die Behandlung unverzüglich abgebrochen werden.

Störungen des Nervensystems

Gelegentlich: Kopfschmerzen, Schwindel.

Selten: Gangunsicherheit und Zittern (muskuläre Koordinationsstörungen), extrapyramidale Symptome, zerebrale Krampfanfälle, Taubheitsgefühl und Kribbeln (Parästhesie), Geschmacks- und Geruchsstörungen (bis zum Verlust des Geschmacks- bzw. Geruchssinnes).

Sehr selten: Periphere Neuropathie des sensorischen bzw. sensomotorischen Systems.

Augenleiden

Gelegentlich: Konjunktivitis.

Selten: Sehstörungen wie Diplopie, verändertes Farbensehen, verschwommenes Sehen.

Funktionsstörungen des Ohrs und des Innenohrs

Gelegentlich: Schwindel.

Selten: Tinnitus, Hör- oder Gleichgewichtsstörungen.

Sehr selten: Hörverlust.

Funktionsstörungen des Herzens

Gelegentlich: Tachykardie.

Im Anschluss an die Verabreichung von Fluorochinolonen einschliesslich Ofloxacin traten Berichten zufolge in seltenen Fällen Torsades de pointes, Vorhofflimmern und Ohnmacht auf. Bei Patienten mit den unter «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen» aufgeführten Risikofaktoren ist daher besondere Vorsicht geboten.

Funktionsstörungen der Gefässe

Gelegentlich: Gelten nur für die Infusionslösung: Phlebitis.

Selten: Hypotonie. Tritt sie während der Infusion von Tarivid i.v. in ausgeprägtem Mass auf, muss diese unterbrochen werden.

Selten: Hitzewallungen.

Atmungsorgane (Respiratorische, thorakale und mediastinale Funktionsstörungen)

Gelegentlich: Husten, Rhinopharyngitis.

Selten: Atemnot, Bronchospasmus.

Vereinzelte Fälle: Schwere Atemnot.

Gastrointestinale Störungen

Häufig: Magen-Darm-Beschwerden (Magenschmerzen, Abdominalschmerzen, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Diarrhoe, Flatulenz, Mundtrockenheit, Obstipation, Dyspepsie, Dysphagie).

Selten: Blutige Diarrhoe, welche in seltenen Fällen Zeichen einer Enterokolitis sein kann, einschliesslich pseudomembranöser Kolitis (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Funktionsstörungen der Leber und der Galle

Selten: Vorübergehender Anstieg der Leberenzyme (ALAT, ASAT, LDH, Gamma-GT, alkalische Phosphatase) und/oder des Bilirubins.

Sehr selten: Gelbsucht (cholestatischer Ikterus).

Vereinzelte Fälle: Leberentzündung (medikamentöse Hepatitis), schwere Leberschädigung.

Funktionsstörungen der Haut

Gelegentlich: Juckreiz, Hautausschlag.

Selten: Urtikaria, Hitzewallungen, Hyperhidrose, pustulöser Hautausschlag.

Sehr selten: Erythema multiforme, toxische epidermale Nekrolyse, Photosensibilitätsreaktionen, Toxidermie (drug eruption), vaskuläre Purpura, Angiitis, die in Ausnahmefällen in einer Hautnekrose enden kann.

Vereinzelte Fälle: Stevens-Johnson-Syndrom.

Funktionsstörungen des Bewegungsapparates und des Bindegewebes

Selten: Tendinitis (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Sehr selten: Arthralgie, Myalgie, Sehnenruptur (vor allem der Achillessehne, siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»). Wie bei anderen Fluorochinolonen kann eine solche Ruptur innerhalb von 48 Stunden nach Einleitung der Behandlung und beidseitig auftreten.

Vereinzelte Fälle: Rhabdomyolyse und/oder Muskelleiden, Muskelschwäche (Tarivid ist bei Myasthenia gravis kontraindiziert).

Funktionsstörungen der Nieren und ableitenden Harnwege

Selten: Einschränkung der Nierenfunktion, Anstieg des Serumkreatinins.

Sehr selten: akutes Nierenversagen, akute interstitielle Nephritis.

Allgemeine Störungen und Reaktionen an der Applikationsstelle

Gelegentlich: (nur bei der Infusionslösung) Reaktionen an der Injektionsstelle (Schmerzen und Rötungen).

Bis auf sehr seltene Fälle von Geruchs-, Hör- und Geschmacksstörungen, die z.T. über Jahre anhalten können, sind die unter der Behandlung mit Tarivid beobachteten unerwünschten Wirkungen aufgrund bisheriger Erfahrungen nach Absetzen reversibel.

Überdosierung

Die zu erwartenden wichtigsten Anzeichen einer akuten Überdosierung umfassen ZNS-Symptome wie Verwirrung, Benommenheit, Krampfanfälle, Gefühllosigkeit, Bewusstseinsverlust, Magen-Darm-Krämpfe und -Beschwerden (Übelkeit und Schleimhauterosionen).

Bei massiver Überdosierung mit Tarivid Tabletten eine Magenspülung sowie eine symptomatische Behandlung durchführen. Es existiert kein spezifisches Antidot.

Gemäss pharmakokinetischen Studien kann die Gabe von Aktivkohle oder Chelat-bildenden Kationen (v.a. Eisenpräparate, siehe «Interaktionen») die Resorption von noch nicht aufgenommenem Ofloxacin aus dem Darmlumen vermindern und die Plasmahalbwertszeit von schon resorbiertem (oder infundiertem) Ofloxacin durch Unterbrechung des transintestinalen Sekretions-/Rückresorptions-Kreislaufs verkürzen. Klinische Erfahrungen mit einer solchen Intervention liegen bisher nicht vor.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: J01MA01

Ofloxacin ist ein Chemotherapeutikum mit der chemischen Struktur eines Chinolonen-Karbonsäure-Derivates und dem Wirkungsmechanismus eines Gyrasehemmers. Ofloxacin wirkt bakterizid über eine Hemmung der bakteriellen DNS-Gyrase.

Das antibakterielle Spektrum umfasst neben der für diese Substanzgruppe bekannten Wirkung gegen gramnegative Erreger auch grampositive Kokken und einige Anaerobier sowie Pseudomonas, Campylobacter, Legionella, Chlamydia und Mycoplasma.

Aufgrund seines Wirkungsmechanismus weist Ofloxacin insbesondere bei Bakterien, die gegen Aminoglycoside, β-Lactam-Antibiotika, Tetracycline und andere Antibiotika resistent sind, eine hohe Wirksamkeit auf.

Die Testung von Ofloxacin erfolgte unter Verwendung von Standard-Verdünnungsreihen. Die minimalen Hemm-Konzentrationen (MHK) zur Differenzierung von empfindlichen und resistenten Stämmen wurden nach folgender Tabelle gemäss den Empfehlungen des EUCAST (European Committee on Antimicrobial Susceptibility Testing) festgelegt:

Klinische MHK-Grenzwerte gemäss EUCAST für Ofloxacin (mg/l) (Version 3.1.0, 11.02.2013)

EmpfindlichResistent
Enterobacteriaceae≤0,5 mg/l>1 mg/l
Staphylococcus spp.1≤1 mg/l>1 mg/l
Streptococcus pneumoniae2≤0,125 mg/l>4 mg/l
Haemophilus influenzae≤0,5 mg/l>0,5 mg/l
Moraxella catarrhalis≤0,5 mg/l>0,5 mg/l
Neisseria gonorrhoeae≤0,12 mg/l>0,25 mg/l
Keiner Spezies zuzuordnende Grenzwerte3≤0,5 mg/l>1 mg/l

1 Die Grenzwerte für Ofloxacin entsprechen hohen Dosen.

2Wild typ S. pneumoniae gilt als nicht empfindlich gegenüber Ofloxacin und wird als intermediär eingestuft.

3 Die kritischen Konzentrationen basieren hauptsächlich auf der Pharmakokinetik im Serum und entsprechen peroral verabreichten Dosen von 2× 200 mg bis 2× 400 mg oder intravenös verabreichten Dosen von 2× 200 mg bis 2× 400 mg.

Die Prävalenz der Resistenz kann geographisch und zeitlich für ausgewählte Spezies variieren. Informationen zur Prävalenz von lokalen Resistenzen sind hilfreich, insbesondere zur Behandlung schwerer Infektionen. Bei Bedarf sollte der Rat eines Spezialisten eingeholt werden, da der therapeutische Wert des Arzneimittels je nach Prävalenzgrad der lokalen Resistenzen in Frage stehen könnte.

Im Falle einer empirischen Therapie und wenn keine Daten zur mikrobiologischen Empfindlichkeit vorliegen, besteht das Risiko eines Therapieversagens bei den Mikroorganismen, die in der Spalte «Spezies, bei denen erworbene Resistenzen ein Problem darstellen können» in der untenstehenden Tabelle aufgeführt sind. Es ist daher eine Nutzen-/Risiko-Abwägung erforderlich.

Methicillin-resistente Stämme von S. aureus sind sehr wahrscheinlich koresistent gegen Fluorochinolonen, zu denen Ofloxacin gehört.

Daten zur Resistenz von Methicillin-resistenten Stämmen von S. aureus gegenüber neuen Fluorochinolonen in der Schweiz aus dem Jahr 2011 (Quelle: Datenbanknetzwerk ANRESIS: www.anresis.ch)

Region der SchweizAnzahlder ProbenAnzahlder Isolate (n)Resistent(%)Intermediär(%)Empfindlich(%)
Westschweiz1'37750482,72,814,5
Ostschweiz1'126250543,242,8
Zentralschweiz78821545,6747,4

Normalerweise resistente Keime: Fusobacterium spp.; Eubacterium spp.; Peptococcus spp.; Peptostreptococcus spp.; Clostridium difficile; Nocardia asteroides; Bacteroides spp.

Gegen Treponema pallidum ist Ofloxacin nicht wirksam.

Bei durch mässig sensible Keime verursachten Infektionen ist die Durchführung eines Sensibilitätstests zu empfehlen, um die Gefahr einer eventuellen Resistenz auszuschliessen.

Die nachfolgende Tabelle basiert auf der europäischen Fachinformation zu Tavanic (Levofloxacin), die von der Europäischen Kommission im Jahr 2012 genehmigt wurde

Üblicherweise empfindliche Spezies:Spezies, bei denen eine erworbene Resistenzein Problem darstellen können:Spezies mit natürlicher Resistenz:

Aerobes Grampositives Bakterien:

Aerobes Grampositives Bakterien:

Aerobes Grampositives Bakterien:

Bacillus anthracisStaphylococcus aureus-methicillin-susceptibleStaphylococcus saprophyticusStreptococci, group C und GStreptococcus agalactiaeStreptococcus pneumoniaStreptococcus pyogenesEnterococcus faecalisStaphylococcus aureus-methicillin-resistantCoagulase negativeStaphylococcus sppEnterococcus faecium

Aerobes Gramnegative Bakterien:

Aerobes Gramnegative Bakterien:

Eikenella corrodensHaemophilus influenzaeHaemophilus parainfluenzaeKlebsiella oxytocaMoraxella catarrhalisPasteurella multocidaProteus vulgarisProvidencia rettgeri

Acinetobacter baumanniiCitrobacter freundiiEnterobacter aerogenesEnterobacter cloacaeEscherichia coliKlebsiella pneumoniaeMorganella morganiiProteus mirabilisProvidencia stuartiiPseudomonas aeruginosaSerratia marcescensNeisseria gonorrhoeae

Anaerobe Bakterien:

Anaerobe Bakterien

PeptostreptococcusBacteroides fragilis

Andere

Chlamydophila pneumoniaeChlamydophila psittaciChlamydia trachomatisLegionella pneumophilaMycoplasma pneumoniaeMycoplasma hominisUreaplasma urealyticum

Resistenz/Kreuzresistenz

Die Resistenzentwicklung gegenüber Ofloxacin ist selten (10-9-10-11). In vitro wird sie zwar durch spontane Mutation erzeugt, aber in der Klinik bleibt diese Situation ein Ausnahmefall. Bei den meisten Keimen liegt die Resistenzentwicklungsrate bei 4%, mit Ausnahme von Pseudomonas aeruginosa, wo sie bei rund 10% liegt.

Die obgenannten Zahlen stellen jedoch nur Richtwerte für die Wahrscheinlichkeit der Sensibilität eines Bakterienstamms auf Ofloxacin dar, da sich die Prävalenz erworbener Resistenzen je nach Infektionsort und -zeit signifikant unterscheiden kann. Daher empfiehlt es sich, Informationen über die Prävalenz lokaler Resistenzen zur Hand zu haben, vor allem für die Behandlung schwerer Infektionen.

Obwohl zwischen den meisten Chinolonen eine Kreuzresistenz besteht, liess sich nachweisen, dass bestimmte, gegen andere Chinolonen resistente Keime auf Ofloxacin sensibel reagieren.

Pharmakokinetik

Absorption

Ofloxacin wird nach oraler Applikation rasch und nahezu vollständig resorbiert und ist zu ca. 95% bioverfügbar. Maximale Serumspiegel werden schon 30 bis 60 Min. nach Verabreichung erreicht.

Nach einmaliger oraler Gabe von 200 mg bzw. 400 mg Ofloxacin wurden ca. 1 Stunde nach Applikation maximale Serumspiegel von 3,2 µg/ml bzw. 5,3 µg/ml erreicht. Nach Mehrfachdosen bleibt das Konzentrationsverhältnis gleich.

Nach i.v. Infusion von 200 mg Tarivid i.v. wurden mittlere Serumspiegel von 5,2 µg/ml nach Ende der Infusion, 1,1 µg/ml nach 4 Std. und 0,3 µg/ml nach 12 Std. gemessen.

Distribution

Ofloxacin ist zu ca. 25% an Serumproteine gebunden. Gewebe- und Körperflüssigkeitsspiegel von Tarivid liegen nach oraler Gabe oft höher als die Konzentration im Serum, wie folgende Tabelle zeigt:

Gewebe, KörperflüssigkeitPräoperativer Wert (mg)Serum (µg/ml)Gewebe (µg/ml) bzw. (µg/g)Penetrationsverhältnis Gewebe/Serum
Lungen2001,907,303,80
Bronchialsekret4002,501,800,92
Sputum4003,702,700,73
Prostatasekret4003,994,581,17
Prostatagewebe4003,994,081,12
Knochen2001,502,301,50
Galle4003,3111,853,58
Gallenblasenwand4003,314,591,39
Nierengewebe4002,048,264,62
Liquor3003,901,700,44

Im Rahmen einer prospektiven Studie wurde festgestellt, dass Ofloxacin in die Plazenta bzw. die Muttermilch übergehen kann. Nach Verabreichung von 200 mg Tarivid zweimal täglich über 10 Tage konnte 44,6 Std. nach der letzten Applikation in der Muttermilch eine Ofloxacin-Konzentration von 0,034 µg/ml nachgewiesen werden; nach 75 Std. lag dieser Wert bei 0,006 µg/ml.

Metabolismus

Eine Metabolisierung von Ofloxacin findet beim Menschen nur in geringem Umfang statt und hat keine klinische Relevanz. Sowohl nach parenteraler als auch peroraler Verabreichung erscheinen lediglich 4% der applizierten Dosis als Metaboliten im Urin.

Elimination

Die Plasmahalbwertszeit (β-Phase) beträgt ca. 6 Stunden. Die Ausscheidung erfolgt fast vollständig als unveränderte pharmakologisch aktive Substanz über den Urin, nur ein geringer Teil (3,0%) erscheint in den Faeces. Innerhalb von 48 Stunden sind mehr als 90% der zugeführten Dosis ausgeschieden. Die Urinkonzentration nach einer 200 mg Dosis p.o. beträgt während der ersten 2 Stunden 360 µg/ml, während der folgenden 2 Stunden 315 µg/ml und während 10 bis 12 Stunden 105 µg/ml.

Eine Kumulation von Ofloxacin im Körper nach Mehrfachgabe findet nicht statt. Ofloxacin weist über einen Dosisbereich von 100 bis 600 mg (sowohl in der Resorptions- als auch in der Eliminationsphase) eine lineare Kinetik auf.

Kinetik spezieller Patientengruppen

Bei eingeschränkter Nierenfunktion verlängert sich die Eliminationshalbwertszeit von Ofloxacin. Die Dosierung muss deshalb dem Grad der Niereninsuffizienz angepasst werden (siehe «Dosierung/Anwendung»).

Präklinische Daten

Wie Toxikologie Studien gezeigt haben, kann die Verabreichung von Ofloxacin in höheren als den therapeutischen Dosen bei Jungtieren bestimmter Arten zu einer Erosion des Gelenkknorpels führen. Beim Menschen wurden bislang keinerlei derartige Läsionen beobachtet. Eine Tagesdosis von 200 mg/kg verursachte beim Hund Veränderungen im Darmtrakt sowie Leber- und Nierenschäden. Ausserdem stellten sich beim Hund in Abhängigkeit von Alter und Dosis degenerative Veränderungen des Gelenkknorpels ein. Eine 14-tägige Behandlung ausgewachsener Hunde mit 40 und 80 mg/kg täglich rief keine Knorpelveränderungen hervor. Bei Hunden im Alter von 7 Monaten bildeten sich degenerative Veränderungen im Falle einer Tagesdosis von 50 bis 200 mg/kg heraus, während Hunde im Alter von 3 bis 4 Monaten im Falle einer Tagesdosis von 20 mg/kg Knorpelschäden erlitten. Im Falle einer Tagesdosis von 12,5 mg/kg wurden bei jungen Hunden keine Veränderungen beobachtet.

Dieses Arzneimittel darf Kindern nicht verschrieben werden.

Sonstige Hinweise

Inkompatibilitäten

Die Infusionslösung muss – sofern die Kompatibilität mit anderen Infusionslösungen nicht erwiesen ist – grundsätzlich getrennt appliziert werden. Heparin und Ofloxacin-Lösung sind inkompatibel.

Beeinflussung diagnostischer Methoden

Bei einer Behandlung mit Ofloxacin kann es zum falsch-positiven Nachweis von Opiatmetaboliten und Porphyrin im Urin kommen.

Besondere Lagerungshinweise

Tarivid i.v. muss bis zum Gebrauch in der Originalpackung bei Raumtemperatur (15-25 °C) und vor Licht geschützt aufbewahrt werden.

Nach Öffnen der Infusionsflasche die Infusionslösung rasch verwenden.

Die Filmtabletten sind bei Raumtemperatur (15-25 °C) in der Originalpackung zu lagern.

Das Medikament darf nur bis zu dem auf dem Behälter mit «EXP» bezeichneten Datum verwendet werden.

Arzneimittel für Kinder unzugänglich aufbewahren.

Hinweise für die Handhabung

Beim Gebrauch von Tarivid i.v. sind keine besonderen Handhabungshinweise zu beachten. Die Lösung vor Gebrauch nicht verdünnen.

Tarivid i.v. ist zur intravenösen Infusion bestimmt. Die Infusionsdauer beträgt 30 Minuten pro 200 mg Ofloxacin. Die empfohlene Infusionsdauer muss unbedingt beachtet werden, da während der Infusion Tachykardien und Blutdruckabfälle auftreten können. In seltenen Fällen kann es infolge eines starken Blutdruckabfalls zu einem Kreislaufzusammenbruch kommen.

Tarivid ist mit folgenden Infusionslösungen kompatibel: isotonische Natriumchlorid Lösung, Ringer-Lösung, Jonosteril, Fructosteril, 5%ige Glukoselösung.

Zulassungsnummer

47386, 50014 (Swissmedic).

Zulassungsinhaberin

sanofi-aventis (schweiz) ag, 1214 Vernier/GE.

Stand der Information

Mai 2013.

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