Symmetrel Kaps 100 Mg 60 Stk

Symmetrel Kaps 100 Mg 60 Stk

Fachinformationen

Zusammensetzung

Wirkstoff: Amantadini hydrochloridum.

Hilfsstoffe: Conserv.: E 215, E 217; Excip. pro caps.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Kapseln zu 100 mg.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Parkinson-Syndrom

M. Parkinson (Paralysis agitans), symptomatischer (postenzephalitisch, zerebrovaskulär) und medikamentös bedingter Parkinsonismus bei Erwachsenen.

Virus-Influenza vom Typ A

Einzel- und Gruppenprophylaxe bei Infektionsgefahr, Therapie im Frühstadium (1.-2. Krankheitstag) bei Erwachsenen und Kindern ab 5 Jahren. Voraussetzung der Anwendung von Symmetrel ist, dass eine ärztliche Kontrolle sowohl der Einzelpersonen wie auch des Kollektivs gegeben ist.

Dosierung/Anwendung

Symmetrel Kapseln sollen oral mit Nahrung - vorzugsweise morgens und nachmittags - eingenommen werden, um Magenbeschwerden vorzubeugen.

ParkinsonSyndrom

Initial während 4-7 (höchstens 15) Tagen: 100 mg/d (zur Abklärung der individuellen Reaktion).

Dauerbehandlung (Normaldosierung): 2× 100 mg/d.

Ausnahmedosierung (wenn bei guter Verträglichkeit noch eine Steigerung des therapeutischen Effektes zu erwarten ist): 3× täglich 100 mg.

Diese Regeldosen werden sowohl bei nicht vorbehandelten, als auch bei vorbehandelten Patienten empfohlen. Die initiale Niederdosierung dient der Abklärung der individuellen Wirksamkeit. Üblicherweise kann nach 4-7 Tagen auf die Normaldosierung übergegangen werden. Die Ausnahmedosierung kann zusätzlich Besserung bringen, kann aber auch mit einer erhöhten Toxizität einhergehen. In diesen Fällen sollte die Dosis schrittweise und in Abständen von nicht weniger als einer Woche erhöht werden.

Die Wirkung von Amantadin tritt innerhalb weniger Tage ein, scheint aber oft bei kontinuierlicher Verabreichung im Laufe von ein paar Monaten etwas nachzulassen.

Die Wirksamkeit von Amantadin kann durch ein vorübergehendes Absetzen verlängert werden. Anscheinend wird dadurch seine Wirksamkeit wiederhergestellt.

Die Medikation mit Symmetrel darf nur langsam abgebaut werden, da - unabhängig vom Behandlungserfolg - ein plötzliches Absetzen zur Exazerbation des Parkinson-Syndroms führen kann.

Kombinierte Behandlung in der Parkinsontherapie

Bei Einstellung von vorbehandelten Patienten auf Symmetrel soll vorerst die bereits bestehende Medikation weitergeführt werden; in vielen Fällen ist es dann möglich, die Dosis der anderen Antiparkinsonika ohne Beeinträchtigung des Behandlungserfolges schrittweise zu reduzieren. Sollten aber vermehrt unerwünschte Wirkungen auftreten, so ist eine raschere Reduktion angezeigt. Bei Patienten, die mit hohen Anticholinergika- oder L‑Dopa-Dosen vorbehandelt sind, ist die initiale niedrige Dosierung von Symmetrel bis zu 15 d auszudehnen.

Behandlung der VirusInfluenza vom Typ A

Kinder zwischen 5 und 10 Jahren:

  • 1× täglich 100 mg.

Kinder ab 10 Jahren, Jugendliche und Erwachsene bis 65 Jahre:

  • 2× täglich 100 mg.

Erwachsene über 65 Jahre:

  • siehe spezielle Dosierungsanweisungen.

Eine wirksame Prophylaxe und Therapie einer Virus-Influenza vom Typ A wurde auch mit 100 mg täglich beobachtet. Diese Dosis kann für Patienten indiziert sein, die auf 200 mg Symmetrel täglich mit Unverträglichkeit reagiert haben.

Prophylaxe: Zur Prophylaxe ist mit diesem Einnahmeschema zu beginnen, sobald ein Kontakt mit dem Erreger bevorsteht; die Behandlung ist während der Dauer der Epidemie einer Virus-Influenza vom Typ A, gewöhnlich ungefähr 6 Wochen, fortzusetzen. Wird Symmetrel zusammen mit einem inaktivierten Influenza-A-Impfstoff verabreicht, sollte es noch 2 oder 3 Wochen nach der Impfung weitergegeben werden.

Therapie: Man sollte mit der Behandlung der Influenza so früh wie möglich beginnen und sie über 4-5 d ausdehnen. Verabreicht man Amantadin innerhalb von 48 h nach Auftreten der Symptome, lassen Fieber und andere Krankheitserscheinungen innerhalb von einem Tag nach, und die gewöhnlich eine Virus‑Influenza begleitende Entzündung der kleineren Äste des Bronchialbaums geht schneller zurück.

Spezielle Dosierungsanweisungen für alle Indikationen

Dosierung und Anwendung bei älteren Patienten (≥65 Jahre)

Die Plasmakonzentration von Amantadin ist von der Nierenfunktion abhängig. Bei älteren Patienten ist die Tendenz festzustellen, dass die Plasmaeliminationshalbwertszeit länger und die renale Clearance kleiner ist als bei jungen Erwachsenen. Deshalb wird für ältere Patienten, die keine Nierenerkrankung aufweisen, eine Dosis die 100 mg pro Tag nicht übersteigt, empfohlen. Weist der Patient eine Nierenfunktionsstörung auf, sollte das Dosisintervall angepasst werden (s. «Dosierung/Anwendung, Spezielle Dosierungsanweisungen für alle Indikationen, Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion»).

Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion

Bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion sowie unter Hämodialyse ist die Eliminationshalbwertszeit von Amantadin beträchtlich verlängert, was zu erhöhten Plasmakonzentrationen führt. Bei diesen Patienten ist die Dosierung von Symmetrel nach einer Initialdosis am ersten Tag sorgfältig anzupassen, indem das Dosierungsintervall entsprechend der Kreatinin‑Clearance (siehe nachfolgende Tabelle) verlängert wird.

Initialdosis:

  • Bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion, die gegen eine Influenza A Infektion behandelt werden, wird am ersten Tag eine Initialdosis von 200 mg Symmetrel verabreicht, danach entsprechend der Kreatinin-Clearance (Tabelle) dosiert.
  • Bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion, bei denen eine Behandlung gegen Parkinsonerkrankung begonnen wird, sollte am ersten Tag eine Initialdosis von 100 mg Symmetrel verabreicht werden, danach Dosierung entsprechend der Kreatinin-Clearance (Tabelle).
  • Bei Patienten die in Erhaltungstherapie gegen Parkinsonerkrankung behandelt werden und bei denen neu eine Niereninsuffizienz diagnostiziert wird, ist keine Initialdosierung notwendig, sie können gleich entsprechend der Kreatinin-Clearance (Tabelle) dosiert werden.

Dosierung gemäss Kreatinin-Clearance:

Kreatinin-Clearance für[ml/(min · 1.73 m2)]

Dosisintervall für(Dosen von 100 mg)

<15

7 d

15-25

3 d

25-35

2 d

35-75

1 d

>75

12 h

Bei Hämodialyse-Patienten werden in der Regel 100 mg pro Woche gegeben, und es kann gegebenfalls bei guter Verträglichkeit eventuell auf 200 mg pro Woche erhöht werden (s. auch «Dosierung/Anwendung, Spezielle Dosierungsanweisungen für alle Indikationen, Dosierung und Anwendung bei älteren Patienten» und «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Idealerweise sollten die Plasmakonzentrationen von Amantadin kontrolliert werden. Es wird eine sorgfältige Überwachung des Patienten empfohlen (s. «Pharmakokinetik»).

Kontraindikationen

Symmetrel darf nicht angewendet werden bei Patienten mit:

  • Bekannter Überempfindlichkeit gegenüber Amantadin oder anderen Inhaltsstoffen des Präparates;
  • Erregungs- und Verwirrtheitszuständen;
  • Therapierefraktärer Epilepsie, Psychosen, oder deliranten Syndromen;
  • Schwangerschaft.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Es wurde darüber berichtet, dass bei Patienten mit einem hirnorganischen Psychosyndrom sowie mit vorbestehenden Anfallsleiden unter der Behandlung mit Amantadin vermehrt epileptische Anfälle auftreten oder es zu einer Verschlechterung der Krankheitssymptome kommen kann (s. «Unerwünschte Wirkungen» und «Dosierung/Anwendung»). Das Risiko lässt sich durch eine Dosisreduktion verringern. Diese Patienten sind streng zu überwachen.

Bei Patienten mit zugrunde liegenden psychischen Störungen können verstärkt Halluzinationen, Verwirrung und Alpträume auftreten.

Bis zu 50% aller Parkinsonpatienten zeigen depressive Symptome, was das Risiko von Suizidgedanken und Suizidversuchen wahrscheinlicher macht. Über eine geringe Zahl von Suizidversuchen, einige mit tödlichem Ausgang, wurde unter der Behandlung mit Amantadin berichtet. Rezepte sollten deshalb für die geringste, mit guter Patientenbetreuung in Einklang stehender Menge ausgestellt werden.

Besondere Aufmerksamkeit ist erforderlich bei Patienten, die an schweren Leberfunktionsstörungen, Myastenia gravis, an einem rezidivierenden Ekzem, einem Magenulkus, einer Prostatahyperplasie oder an kardiovaskulären Störungen leiden oder gelitten haben. Bei kombinierter Behandlung mit Anticholinergika oder L-Dopa sind auch deren Kontraindikationen zu beachten.

Während der Behandlung mit Symmetrel können periphere Ödeme auftreten, die vermutlich auf lokalen Gefässstörungen beruhen. Dies ist bei Patienten mit anamnestischen Hinweisen auf eine Herzinsuffizienz zu beachten.

Bei eingeschränkter Nierenfunktion kann es zur Intoxikation kommen, deshalb ist eine vorsichtige Dosierung notwendig (s. «Dosierung/Anwendung» und «Überdosierung»).

Nach 2-8 Wochen Behandlung kann es bei etwa 20% der mit Symmetrel behandelten Patienten zu einem partiellen Wirkungsabfall kommen.

Die zusätzliche Gabe von Amantadin zur Prophylaxe und Behandlung der Virusgrippe Typ A ist nicht sinnvoll und wegen der Gefahr der Überdosierung zu vermeiden.

Bei Kindern wurde Hypothermie beobachtet. Daher ist bei der Anwendung zur Influenza-Prophylaxe besondere Vorsicht geboten. Amantadin darf bei Kindern unter 5 Jahren nicht angewendet werden.

Da Amantadin anticholinerge Effekte hat und eine Mydriase bewirken kann, sollte es Patienten mit unbehandeltem Engwinkelglaukom nicht verabreicht werden.

Störungen der Impulskontrolle

Die Patienten sollten regelmässig auf die Entwicklung von Störungen der Impulskontrolle überwacht werden. Patienten und Pflegepersonal sollten darauf aufmerksam gemacht werden, dass Verhaltenssymptome von Störungen der Impulskontrolle wie pathologische Spielsucht, erhöhte Libido, Hypersexualität, zwanghaftes Geldausgeben und Kaufen, Heisshungeressen und zwanghaftes Essen auftreten können. Falls sich solche Symptome entwickeln, sollte eine Dosissenkung oder ein ausschleichender Behandlungsabbruch erwogen werden.

Abbruch der Behandlung

Ein abruptes Absetzen von Amantadin kann zu einer Verschlimmerung der Symptome der Parkinson'schen Erkrankung oder zu Symptomen, die einem malignen neuroleptischen Syndrom (MNS) gleichen, führen, sowie zu Katatonie oder zu kognitiven Manifestationen (z.B. Konfusionen, Verwirrtheit, Verschlechterung des mentalen Zustands oder Delirien).

Bei Patienten, die gleichzeitig mit Neuroleptica und Amantadin behandelt wurden, existieren Einzelberichte, die einen möglichen Zusammenhang zwischen der Exazerbation des malignen neuroleptischen Syndroms oder der durch Neuroleptika induzierten Katatonie und dem Absetzen von Amantadin vermuten lassen.

Demzufolge sollte die Behandlung mit Amantadin nicht abrupt abgesetzt werden.

Resistenz

Amantadin und Rimantadin entwickeln bei wiederholtem Kontakt in Influenza-Virenstämmen in vitro, wie auch in vivo relativ rasch eine Resistenz. Influenza A Viren, die resistent auf Amantadin oder Rimantadin sind, können überhand nehmen, wenn diese Arzneistoffe für die Behandlung verwendet werden. Es ist offensichtlich möglich, dass Transmission von resistenten Viren für das Versagen von Prophylaxe in Haushalten und Heimen verantwortlich ist. Es gibt jedoch keinen Hinweis dafür, dass eine Infektion mit einem resistenten Virus anders verlaufen würde, als eine mit einem empfindlichen Virus.

Interaktionen

Bei gleichzeitiger Verabreichung von Amantadin und einem Anticholinergikum, Dopaminergikum oder L-Dopa kann es vermehrt zu Verwirrtheit, Halluzinationen, Alpträumen, gastrointestinalen Störungen oder anderen atropinartigen, unerwünschten Wirkungen kommen (s. «Überdosierung»).

Vereinzelt wurde bei gleichzeitiger Anwendung von Amantadin und Neuroleptika oder Levodopa über eine psychotische Dekompensation berichtet.

Die gleichzeitige Verabreichung von Amantadin und Arzneimitteln oder Substanzen, die auf das Zentralnervensystem wirken (z.B. Alkohol), kann die ZNS-Toxizität erhöhen. Hier wird eine sorgfältige Überwachung empfohlen (s. «Überdosierung»).

Die gleichzeitge Verabreichung von Amantadin und Diuretikakombinationen (Hydrochlorothiazid und Kaliumsparendes Diuretikum) vermindert die Amantadin-Clearance, was zu höheren Plasmakonzentrationen führt und toxische Effekte (Verwirrtheit, Halluzinationen, Ataxie, Myoklonus) verstärken kann.

Schwangerschaft/Stillzeit

Schwangerschaft und Frauen im gebärfähigen Alter

Es gibt Hinweise auf fötale Risiken, basierend auf Erfahrungen bei Menschen und Tieren (s. «Präklinische Daten»), wobei die Risiken die möglichen positiven therapeutischen Effekte bei weitem übersteigen. Es liegen einige Fallbeispiele vor, in denen von gesunden Kindern, Schwangerschaftskomplikationen und fünf Fehlbildungen berichtet wird. Symmetrel ist für schwangere Frauen oder für Frauen, die schwanger werden könnten, kontraindiziert. Frauen im gebärfähigen Alter müssen während der Behandlung und noch 5 Tage nach der letzten Einnahme von Amantadin hochwirksame schwangerschaftsverhütende Massnahmen anwenden.

Stillzeit

Der Wirkstoff tritt in die Muttermilch über. Über unerwünschte Wirkungen bei gestillten Säuglingen wurde berichtet. Stillende Frauen sollten Symmetrel nicht einnehmen.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Patienten, die Symmetrel einnehmen, sollten darüber informiert werden, dass Schwindel, verschwommenes Sehen und andere zentralnervöse Störungen auftreten können (s. «Unerwünschte Wirkungen»). Des Weiteren kann die Reaktionsfähigkeit des Patienten beeinträchtigt werden. In diesem Falle sollte der Patient nicht aktiv im Strassenverkehr teilnehmen und keine Maschinen bedienen.

Unerwünschte Wirkungen

Die unerwünschten Wirkungen von Amantadin treten gewöhnlich in den ersten 2‑4 Behandlungstagen auf und verschwinden wieder innerhalb von 24‑48 h nach Absetzen von Amantadin.

Eine direkte Beziehung zwischen der Dosis und der Inzidenz von unerwünschten Wirkungen wurde nicht nachgewiesen. Jedoch scheint die Tendenz zu bestehen, dass mit zunehmender Dosis unerwünschte Wirkungen häufiger werden, besonders solche, die das ZNS betreffen.

Die unerwünschten Wirkungen von klinischen Studien, von Spontanmeldungen und aus der Literatur sind gemäss MedDRA Systemorganklassen aufgelistet. Innerhalb der Organklasse sind die unerwünschten Wirkungen nach ihrer Häufigkeit aufgeführt, beginnend mit den häufigsten Reaktionen. Innerhalb jeder Häufigkeitsgruppe sind die unerwünschten Wirkungen nach abnehmendem Schweregrad aufgeführt.

Häufigkeit:

«Sehr häufig» (≥1/10), «häufig» (≥1/100 bis <1/10), «gelegentlich» (≥1/1'000 bis <1/100), «selten» (≥1/10'000 bis <1/1'000), «sehr selten» (<1/10'000).

Blut

Selten: Leukopenie, reversible Erhöhung von Leberenzymen.

Psychiatrische Störungen

Häufig: Depression, Angstzustände, gehobene Stimmung.

Selten: Psychotische Störung.

Nervensystem

Häufig: Agitiertheit, Nervosität, Konzentrationsschwäche, Schwindel, Benommenheit, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Lethargie, Halluzinationen, Alpträume, Ataxie, undeutliche Sprache, verschwommenes Sehen.

Selten: Verwirrtheit, Desorientierung, Tremor, Dyskinesie, Konvulsionen, MNS-ähnliche Symptome (auch ohne Unterbruch der Behandlung, s. «Abbruch der Behandlung»).

Halluzinationen, Verwirrtheitszustand und Alpträume treten häufiger auf, wenn Amantadin zusammen mit Anticholinergika verabreicht wird oder wenn der Patient an einer psychischen Störung leidet.

Auge

Selten: Hornhautläsionen, z.B. punktförmige subepitheliale Trübung, eventuell verbunden mit oberflächlicher Keratitis punctata, Hornhautepithelödem und starkem Verlust der Sehschärfe.

Herz/Kreislauf

Häufig: Palpitationen, orthostatische Hypotonie.

Sehr selten: Herzrhythmusstörungen.

Vaskuläres System

Häufig: Knöchelödeme.

Gastrointestinaltrakt

Häufig: Mundtrockenheit, verminderter Appetit, Nausea, Erbrechen, Obstipation.

Selten: Diarrhö.

Haut

Häufig: Livedo reticularis («marmorierte Haut»), Hyperhidrosis.

Selten: Hautausschlag, Lichtempfindlichkeitsreaktionen.

Urogenitaltrakt

Selten: Harnretention, Harninkontinenz.

Weitere unerwünschte Wirkungen von Spotanmeldungen und von Fällen aus der Literatur (Häufigkeit nicht bekannt):

Blut: Leukozytose.

Nervensystem/Psychiatrische Störungen: Koma, Stupor, Hypokinese, Hypertonus, Wahnvorstellungen, aggressives Verhalten, paranoide Reaktionen, unwillkürliche Muskelkontraktionen, abnormaler Gang, Parästhesie, EEG-Veränderungen und Tremor.

Berichtet wurde über Delirium, Hypomanie und Manie. Ihre Inzidenz ist aber nicht ohne weiteres aus der Literatur ersichtlich. Fälle von Delirium, Katatonie, Halluzinationen, Konfusion und Desorientiertheit wurden auch bei Absetzen von Amantadin bei Patienten mit Parkinsonerkrankung berichtet.

Störungen der Impulskontrolle: Pathologische Spielsucht, erhöhte Libido, Hypersexualität, zwanghaftes Geldausgeben oder Kaufen, Heisshungeressen und zwanghaftes Essen können bei Patienten auftreten, die mit Dopamin-Agonisten einschliesslich Symmetrel behandelt werden.

Ein abruptes Absetzen kann auch Delirium, Agitiertheit, Wahnvorstellungen, Halluzinationen, paranoide Reaktionen, Stupor, Angstgefühle, Depression und verwaschene Sprache auslösen.

Augen: Keratitis und Mydriasis.

Herz/Gefässe: Herzversagen, Arrhythmien inkl. maligne Arrhythmien, Hypotension und Tachykardie.

Atmungsorgane: Akute Ateminsuffizienz, Lungenödem, Tachypnoe.

Gastrointestinale Störungen: Dysphagie.

Haut: Pruritus.

Allgemeine Störungen: Malignes neuroleptisches Syndrom (s. «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»), allergische Reaktionen inkl. anaphylaktische Reaktionen, Ödem und Fieber.

Labor Werte: Erhöhte CPK, Blutharnstoff, Serumkreatinin, alkalische Phosphatase, LDH, Bilirubin, GGT, SGOT und SGPT.

Überdosierung

Symptome

Eine Überdosierung (entweder akute Überdosierung bei Einnahme mehrerer maximaler Empfehlungsdosen oder bei Einnahme hoher Dosen bei älteren Patienten und/oder bei Patienten mit Niereninsuffizienz) kann lebensgefährlich sein.

Neuromuskuläre Störungen und Symptome einer akuten Psychose sind hervorstechende Kennzeichen einer akuten Vergiftung mit Amantadin.

Zentrales Nervensystem: Hyperreflexie, motorische Unruhe, Konvulsionen, extrapyramidale Symptome wie Torsionsspasmen und dystonische Haltung, erweiterte Pupillen, Dysphagie, Verwirrtheit, Desorientierung, Delirium, visuelle Halluzinationen, Myoklonus, Aggression/Feindseligkeit, Bewusstseinsstörungen und Koma.

Atemsystem: Hyperventilation, Lungenödem, Atembeschwerden einschliesslich akute respiratorische Insuffizienz.

HerzKreislaufSystem: Herzstillstand und plötzlicher Herztod wurden beobachtet, Sinustachykardie, Arrhythmien, Kammerflimmern, Torsades de pointes, QTc-Verlängerungen, ventrikuläre Extrasystolen, Bluthochdruck.

Gastrointestinaltrakt: Nausea, Erbrechen, Mundtrockenheit.

Nierenfunktion: Harnretention, Nierenfunktionsstörung einschliesslich Erhöhung des Harnstoff‑Stickstoffs und Abnahme der Kreatinin‑Clearance.

Überdosierung bei kombinierter Behandlung: Die peripheren und zentralen unerwünschten Wirkungen der Anticholinergika werden durch gleichzeitige Verabreichung von Amantadin verstärkt. Bei Verwendung hochdosierter Anticholinergika kann es zu akuten psychotischen Reaktionen kommen, die denen bei einer Atropinvergiftung entsprechen können.

Durch gleichzeitige Einnahme von Alkohol oder zentralnervösen Stimulantien können die Symptome einer akuten Amantadin‑Vergiftung verstärkt oder verändert werden.

Therapie

Es gibt kein spezifisches Antidot.

Entfernung oder Inaktivierung der die Vergiftung verursachenden Substanz(en): Erbrechen auslösen bzw. Magenspülung vornehmen, wenn der Patient bei Bewusstsein ist; Verabreichung von Aktivkohle oder salinischen Abführmitteln, falls geeignet.

Da Amantadin zu einem grossen Teil unverändert mit dem Harn ausgeschieden wird, sind die Aufrechterhaltung der renalen Ausscheidungsfunktion, eine ausgiebige und gegebenenfalls forcierte Diurese zur Entfernung der Substanz aus der Blutbahn geeignet. Eine Erhöhung der Azidität des Harns begünstigt die Ausscheidung von Amantadin mit dem Urin.

Durch Hämodialyse wird keine Ausscheidung signifikanter Mengen von Symmetrel erreicht; bei Patienten mit Niereninsuffizienz wurden nach einer oralen Einzeldosis von 300 mg bei vierstündiger Hämodialyse 7‑15 mg ausgeschieden.

Überwachung des Blutdrucks, der Herzfrequenz, des EKGs, der Atmung und der Körpertemperatur sowie Massnahmen bei Auftreten von Hypotonie oder Herzrhythmusstörungen. Die Anwendung adrenerger Substanzen bei einer Überdosis darf nur mit Vorsicht geschehen, da die dopaminerge Wirkung von Symmetrel maligne Arrhythmien auslösen kann.

Bei Konvulsionen oder exzessiver, motorischer Unruhe: Gabe von Antikonvulsiva, z.B. Diazepam i.v. oder Phenobarbital i.m.

Bei akuten psychotischen Symptomen, Delirium, dystonischer Haltung und myoklonischen Manifestationen: langsame i.v. Infusion von Physostigmin (in Dosen von 1 mg bei Erwachsenen, 0.5 mg bei Kindern), wiederholte Verabreichung je nach dem anfänglichen Erfolg und den weiteren Erfordernissen, wurde berichtet.

Bei Harnretention Katheterisierung: Verweilkatheter solange notwendig.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: N04BB01

Wirkungsmechanismus/Pharmakodynamik

Antiparkinsonikum: Man nimmt an, dass die Wirkung von Amantadin auf einer Förderung der Dopaminfreisetzung aus zentralen Neuronen und einer Verzögerung der Wiederaufnahme in synaptische Vesikel beruht. Möglicherweise besitzt es auch eine anticholinergische Wirkung.

Symmetrel bewirkt bei alleiniger und kombinierter Anwendung eine wesentliche Besserung der Kardinalsymptome des Parkinson-Syndroms. Sie ist weitgehend unabhängig von Alter und Geschlecht des Patienten sowie von Dauer und Schwere der Erkrankung. Symmetrel beeinflusst vor allem Akinese, Rigor, Tremor und Bradyphrenie günstig. Oft erfolgt eine Besserung der Stimmung, Lockerung des Gesichtsausdruckes, Rückgang von Talghypersekretion und Hypersalivation. Im Allgemeinen tritt die Besserung 24-48 h nach Behandlungsbeginn ein, spätestens nach 1 Woche. Das Wirkungsoptimum wird nach Tagen bis wenigen Wochen erreicht.

Influenza‑Virostatikum: Amantadin besitzt in niedrigen Konzentrationen eine spezifische hemmende Wirkung auf die Replikation von Influenzaviren vom Typ A. In einem empfindlichen Plaque‑Test werden menschliche Influenzaviren vom Typ A einschliesslich Subtypen H1N1, H2N2 und H3N2 durch Amantadin in Konzentrationen von 0.4 µg/ml oder darunter gehemmt. Durch die allosterische Hemmung blockiert Amantadin die Ionenkanalaktivität des M2 Proteins von Influenza-Viren und verhindert dadurch das Uncoating vom Virus. Dies führt möglicherweise zur Hemmung der Virusreplikation.

Bei bestimmten aviären Influenza‑Viren wurde ein Effekt auf spätere Replikationsschritte mit beeinträchtigter Zusammensetzung des Virus festgestellt.

Der antivirale Effekt setzt bereits 1-2 h nach Einnahme von Symmetrel ein, während sich die Wirkung einer Grippe-Impfung erst nach 8-14 d entfaltet.

Pharmakokinetik

Absorption

Amantadin wird zwar langsam, aber vollständig absorbiert. Plasmaspitzenkonzentrationen von etwa 250 ng/ml bzw. 500 ng/ml werden innerhalb von 3‑4 h nach Verabreichung einer oralen Einzeldosis von 100 mg bzw. 200 mg Amantadin erreicht.

Innerhalb von 3 d wird bei wiederholter Verabreichung von 2× täglich 25, 100 oder 150 mg im Steady‑State eine Plasmakonzentration von 110, 302 bzw. 588 ng/ml erreicht.

Distribution

In vitro wird Amantadin zu ungefähr 67% an Plasmaproteine gebunden. Ein erheblicher Teil der Substanz bindet an rote Blutzellen. Die Amantadinkonzentration der Erythrozyten ist bei gesunden Probanden 2.66mal höher als die Plasmakonzentration.

Das apparente Verteilungsvolumen des Wirkstoffs beträgt 5‑10 l/kg, was auf eine hohe Bindung im Gewebe hinweist. Es nimmt mit zunehmender Dosis ab. Die Konzentrationen von Amantadin sind in der Lunge, im Herzen, in den Nieren, in der Leber und der Milz höher als im Blut. Nach mehreren Stunden akkumuliert der Wirkstoff im Nasenschleim.

Amantadin passiert die Blut-Hirn-Schranke. Die Halbwertszeit von Amantadin ist im Hirngewebe mit 6.5 Tagen viel länger als im Blut. Das Verhältnis von Zerebrospinalflüssigkeit zu Serum beträgt für Gesamtamantadin etwa 0.76.

Es tritt in die Muttermilch über und passiert die Plazentaschranke.

Metabolismus

Amantadin wird in geringem Ausmass metabolisiert. Acht Amantadinmetaboliten wurden identifiziert. Der Hauptmetabolit, N-acetylierter Metabolit, macht 5-15% der verabreichten Dosis aus. Die pharmakologische Aktivität des Metaboliten ist unbekannt. Die Auswirkung des individuellen Azetylator-Status auf Amantadin Metabolismus ist noch nicht genau untersucht.

Elimination

Von gesunden jungen Erwachsenen wird der Wirkstoff mit einer durchschnittlichen Plasmaeliminationshalbwertszeit von 15 h (10-31 h) ausgeschieden.

Die Gesamtplasmaclearance entspricht in etwa der renalen Clearance (250 ml/min). Die renale Clearance von Amantadin ist viel höher als die Kreatinin-Clearance, was auf tubuläre Sekretion der Substanz hinweist.

Eine Einzeldosis Amantadin wird im Laufe von 72 h folgendermassen ausgeschieden: 65-85% unverändert, 5-15% als Acetyl-Metabolit mit dem Harn und 1% mit den Faeces. Nach 4-5 d werden 90% der Dosis unverändert im Urin aufgefunden. Die Eliminiationsgeschwindigkeit wird durch den pH-Wert des Harns wesentlich beeinflusst. Steigender pH-Wert kann zur beträchtlichen Abnahme der Amantadinausscheidung führen.

Dosisabhängigkeit

Amantadin zeigt eine dosis-abhängige Pharmakokinetik bei Dosen zwischen 100 und 200 mg.

Kinetik spezieller Patientengruppen

Ältere Patienten

Im Vergleich zu Daten von gesunden jungen Erwachsenen ist die Halbwertszeit verdoppelt und die renale Clearance vermindert. Das Verhältnis zwischen der renalen Clearance von Amantadin und der Kreatinin-Clearance ist bei älteren Menschen niedriger als bei jungen Menschen. Die tubuläre Sekretion verringert sich bei älteren Menschen stärker als die glomeruläre Filtration.

Bei älteren Patienten mit Nierenfunktionsstörungen kann die Verabreichung von 100 mg/d über einen Zeitraum von 14 d zu einer Erhöhung der Plasmakonzentration in den toxischen Bereich führen.

Niereninsuffizienz

Weil Amantadin haupsächlich über die Niere ausgeschieden wird, kann es bei Patienten bzw. Patientinnen mit Niereninsuffizienz zu einer Akkumulation von Amantadin kommen. Dadurch kann es zu schweren unerwünschten Wirkungen kommen. Eine Kreatinin-Clearance unter 40 ml/min. × [1.73 m2] führt zu einer Erhöhung der Halbwertszeit um das 3‑5fache und zu einer 5fach verminderten Gesamt- und renalen Clearance. Selbst bei Niereninsuffizienz wird die Substanz vorwiegend über die Niere ausgeschieden.

Bei älteren Patienten oder Patienten mit Niereninsuffizienz ist die Dosis in Anpassung an die individuelle Kreatinin-Clearance entsprechend herabzusetzen. Die Plasmakonzentrationen von Amantadin sollten maximal 300 ng/ml nicht übersteigen.

Hämodialyse

Durch Hämodialyse werden nur geringe Mengen Amantadin eliminiert. Dies kann mit der hohen Gewebebindung der Substanz zusammenhängen. Bei vierstündiger Hämodialyse werden weniger als 5% der Dosis eliminiert. Die durchschnittliche Halbwertszeit erreicht 24 Dialysestunden.

Leberinsuffizienz

Die Auswirkung von Leberinsuffizienz auf die Pharmakokinetik von Amantadin ist nicht bekannt. Der Hauptteil der verabreichten Amantadindosis wird über Urin unverändert ausgeschieden. Ein kleiner Teil des Wirkstoffs wird über die Leber metabolisiert (s. «Pharmakokinetik», Metabolismus).

Ernährung

Die Ernährung hat keinen wesentlichen Einfluss auf die Pharmakokinetik von Amantadin. Falls Symmetrel mit dem Essen verabreicht wird, kann es zu einer kurzen Aufnahmeverzögerung kommen.

Ethnik

Es ist nicht bekannt, ob genetische Faktoren die Amantadin Disposition beeinflussen. Es gibt jedoch keine ausführlichen Studien über die Auswirkungen von Ethnik und Rasse auf die Pharmakokinetik von Amantadin.

Präklinische Daten

Genotoxizität/Karzinogenität

In einer Mutagenitätsprüfung mit etablierten in vitro- und in vivo-Tests ergaben sich für Amantadin keine Hinweise auf ein genotoxisches Potential.

Langzeituntersuchungen zur Kanzerogenität von Amantadin liegen nicht vor.

Reproduktionstoxizität

Embryotoxizitätsstudien an Ratten, Mäusen und Kaninchen haben nur bei Ratten embryoletale Wirkungen und Fehlbildungen ab einer Dosis von 50 mg/kg KG/d gezeigt. Es traten vermehrt Ödeme, Fehlstellungen der Hinterbeine und Skelettanomalien (fehlende Rippen, Aplasie der Schwanzwirbelsäule) auf.

Auswirkungen auf die Fertilität sind unzureichend untersucht. In einer Studie zur Reproduktion bei Ratten beeinträchtigte Amantadin in einer Dosierung von 32 mg/kg/Tag verabreicht an männlichen und weiblichen Ratten die Fertilität. Es gab keine Auswirkungen auf die Fertilität bei einer Dosis von 10 mg/kg/Tag.

Sonstige Hinweise

Haltbarkeit

Das Arzneimittel darf nur bis zu dem auf der Packung mit «EXP» bezeichneten Datum verwendet werden.

Besondere Lagerungshinweise

Das Arzneimittel vor Feuchtigkeit geschützt und nicht über 30 °C aufbewahren.

Arzneimittel für Kinder unerreichbar aufbewahren.

Zulassungsnummer

31841 (Swissmedic)

Zulassungsinhaberin

Novartis Pharma Schweiz AG, Risch; Domizil: 6343 Rotkreuz.

Stand der Information

November 2015.

Verwendung dieser Informationen

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