L-polamidon Lsg Zum Einnehmen 5 Mg/ml 500 Ml

Fachinformationen

Untersteht dem Bundesgesetz über die Betäubungsmittel und die psychotropen Stoffe

Zusammensetzung

Wirkstoff: Levomethadoni hydrochloridum.

Hilfsstoffe: Conserv.: methylis p-hydroxybenzoas (E 218), aromatica, excip. ad solutionem pro 1 ml.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

1 ml klare und farblose Lösung zum Einnehmen enthält: 5 mg Levomethadoni hydrochloridum.

Die mittlere Dichte der oralen Lösung beträgt 1,040 g/ml.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Mittelstarke bis starke akute und prolongierte Schmerzen bzw. bei ungenügender Wirksamkeit nicht-opioider Analgetika und/oder schwacher Opioide, wie z.B. bei:

  • starken Schmerzzuständen, Nieren- und Gallenkoliken, postoperativen Schmerzen;
  • starken Schmerzzuständen, die als Folge maligner Geschwüre auftreten.

Orale Substitutionsbehandlung bei Opioidabhängigkeit, im Rahmen einer medizinischen, sozialen und psychologischen Behandlung.

Dosierung/Anwendung

Art der Anwendung

Die Lösung zum Einnehmen darf nur oral angewendet werden. Im Allgemeinen erfolgt die Einnahme in mindestens 100 ml Wasser oder Fruchtsaft (z.B. Orangensaft, Himbeersirup). Hinweise zur Abgabe und Zubereitungen siehe Rubrik «Sonstige Hinweise».

Dosierung

Levomethadon ist auf Massebasis (mg) etwa doppelt so wirksam wie Methadon (Razemat aus Levomethadon und Dextromethadon). Bei der Umstellung von Methadon-Razemat auf Levomethadon ist daher die bisherige Dosis zu halbieren.

Schmerzbehandlung

Erwachsene und Jugendliche über 16 Jahre

Als Analgetikum soll L-Polamidon in der kleinsten effektiven Dosis angewendet werden, um eine Abhängigkeit und Toleranzentwicklung zu vermeiden. Eine Dosisanpassung muss bei jungen und älteren Patienten sowie bei gleichzeitiger Applikation von Medikamenten, die auf das ZNS hemmend wirken, vorgenommen werden. Abhängig von der individuellen Situation können höhere Dosen als die üblichen Maximaldosen notwendig sein.

Einzeldosis: 1,25‑7,5 mg (0,25‑1,5 ml Lösung zum Einnehmen), bei Bedarf bis 3-mal täglich.

Maximale Einzeldosis: 10 mg (2 ml Lösung zum Einnehmen).

Übliche maximale Tagesdosis: 30 mg (6 ml Lösung zum Einnehmen).

Umstellung von anderen starken Opioiden

Die in klinischen Leitfäden verfügbaren Empfehlungen zur Umstellung von einem oral oder parenteral verabreichten Opioid auf L-Polamidon können nur als Orientierungshilfe dienen, da deren relative Wirkstärke von Patient zu Patient variieren kann. Grundsätzlich sollte der Bedarf eines Patienten an L-Polamidon über 24 Stunden eher niedriger angesetzt werden. In der Regel wird mit der Hälfte der geschätzten Tagesdosis begonnen und anschliessend unter klinischer Kontrolle individuell auftitriert.

Substitutionsbehandlung bei Opioidabhängigkeit

Erwachsene und Jugendliche über 16 Jahre

Erfahrungsgemäss brauchen diese Patienten eine sorgfältige Überwachung bzw. Unterstützung. Aus Sicherheitsgründen wird empfohlen, die Medikation täglich in der Praxis unter Aufsicht durchzuführen und L-Polamidon nach Möglichkeit nur in trinkfertiger Form für kurze Zeit abzugeben.

Ausserdem ist auf die Risiken der Kombination mit anderen Drogen und/oder Alkohol hinzuweisen.

Zu Beginn und im Verlauf einer Substitutionsbehandlung soll der zusätzliche Konsum anderer psychotroper Substanzen zur Abschätzung der möglichen Interaktionen und der benötigten Dosierung von L‑Polamidon thematisiert und auf die Gefahren hingewiesen werden (siehe auch Rubrik «Interaktionen»).

Besonders während der ersten fünf Tage der Therapieeinstellung sollte die Dosiseinnahme engmaschig kontrolliert werden bzw. unter Sicht erfolgen. Einen Therapiebeginn zu Wochenanfang vermeidet den Wochenendunterbruch während der Therapieeinstellung.

Therapiebeginn bei Opioid-abhängigen Patienten ohne Vorbehandlung

Die Substitution mit L-Polamidon ist mit folgender Dosis zu beginnen:

  • 10 mg (2 ml Lösung zum Einnehmen) einmal täglich,
  • bei hoher Toleranz 15 mg (3 ml Lösung zum Einnehmen) einmal täglich,
  • bei unsicherer Toleranz 5-7,5 mg (1-1,5 ml Lösung zum Einnehmen) einmal täglich.

Bei Verdacht auf eine hohe Opioidtoleranz oder einen schnellen Metabolismus kann die Patientin bzw. der Patient nach 4 Stunden noch einmal einbestellt werden; liegen noch eindeutige Entzugssymptome vor, kann bis 10 mg (entsprechend 2 ml Lösung zum Einnehmen) zusätzlich verabreicht werden.

Die tägliche Dosissteigerung soll nicht mehr als 2,5‑5 mg (0,5‑1 ml Lösung zum Einnehmen) betragen. Leitsymptome für eine Dosissteigerung sind objektive und subjektive Entzugssymptome und zusätzlich konsumierte Opioide. Bei Intoxikationszeichen ist die Dosis unverzüglich zu reduzieren.

Die tägliche Dosis muss klinisch ermittelt werden und beträgt mindestens 30‑40 mg (6‑8 ml Lösung zum Einnehmen) einmal täglich, wobei auch niedrigere Dosierungen ausreichend bzw. hohe Dosen über 60 mg (über 12 ml Lösung zum Einnehmen) einmal täglich nötig sein können.

Therapiebeginn bei vorbehandelten Opioid-abhängigen Patienten

Eine Umstellung von einer laufenden Substitutionsbehandlung auf L‑Polamidon sollte von einem Tag zum anderen erfolgen.

Levomethadon ist in der Substitutionstherapie im Mittel ca. 12‑16x stärker wirksam verglichen mit Morphin, wobei die nötige Dosierung immer individuell, ausgehend von der kleinsten effektiven Dosis, unter Berücksichtigung von Entzugs- und Intoxikationssymptomen klinisch ermittelt werden muss.

Weiter muss die lange und je nach Anzahl der Dosierungen variierende Halbwertszeit von Levomethadon beachtet werden.

Bei einer Umstellung in einem niedrigen Dosisbereich sollte auf eine 50% niedrigere Levomethadon-Dosis als die errechnete umgestellt und individuell auftitriert werden.

Bei Bedarf und guter Verträglichkeit ist die Dosis schrittweise bis zur optimalen Tagesdosis anzupassen.

Bei einer Umstellung von Buprenorphin oder Diamorphin auf L‑Polamidon ist die adäquate Dosierung klinisch zu ermitteln.

Fortsetzung der Behandlung

Bei stabilisiertem psychischem und physischem Zustand wird die geeignete Dosierung weitergeführt und je nach Klinik angepasst.

Bei Bezugsunterbrüchen von einem Tag ist eine Dosisanpassung nicht erforderlich. Bei längeren Bezugsunterbrüchen ist die nächste Dosis proportional so zu reduzieren, dass nach 5 Tagen Unterbruch eine Initialdosis von 15 mg (3 ml Lösung zum Einnehmen) erreicht wird. Eine schrittweise Dosiserhöhung bis zur optimalen Tagesdosis sollte wie bei einem Therapiebeginn ohne Vorbehandlung erfolgen.

Ist eine Beendigung der Substitutionstherapie vorgesehen, erfolgt diese über Wochen bis Monate durch schrittweise Dosisreduktionen nach Massgabe der Befindlichkeit und eventuell auftretender Entzugsbeschwerden. Die tägliche Dosis von L-Polamidon kann wöchentlich um 2,5 mg (0,5 ml Lösung zum Einnehmen) reduziert werden. Bei Tagesdosen unter 10‑15 mg (2‑3 ml Lösung zum Einnehmen) sind kleinere wöchentliche Dosisreduktionen empfehlenswert. Dosisreduktionen sollten erst erfolgen, wenn eventuelle Beschwerden vom vorhergehenden Reduktionsschritt abgeklungen sind (siehe auch Rubrik «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Spezielle Dosierungsanweisungen

Patienten mit Leber- oder Nierenerkrankungen

Bei Patienten mit Nierenerkrankungen oder Lebererkrankungen sollte eine niedrigere Anfangsdosis gewählt werden.

Ältere Patienten

Bei älteren Patienten sollte eine niedrigere Anfangsdosis gewählt werden.

Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren

Schmerzbehandlung

Die Anwendung von L-Polamidon zur Schmerzbehandlung bei Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren wird aufgrund mangelnder Erfahrung nicht empfohlen.

Substitutionsbehandlung bei Opioidabhängigkeit

Es liegen keine Daten zur Unbedenklichkeit und Wirksamkeit von L-Polamidon zur Substitutionsbehandlung bei Opioid-abhängigen Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren vor.

Das Patientenalter sollte jedoch kein Ausschlusskriterium für eine Substitutionsbehandlung sein. Die Einleitung einer Substitutionsbehandlung entspricht den Empfehlungen für Erwachsene unter vorsichtiger Auftitration und engmaschiger Überwachung.

Kontraindikationen

  • Überempfindlichkeit gegenüber Levomethadon oder einem der Hilfsstoffe gemäss Zusammensetzung,
  • Chronisch-respiratorische Insuffizienz
  • Pankreatitis
  • Akutes Abdomen (vor exakter Diagnosestellung)
  • Schwere Leber- und Niereninsuffizienz
  • Gehirntrauma
  • Intrakranielle Hypertension
  • Akute alkoholische Vergiftung
  • Während der Stillzeit (siehe Rubrik «Schwangerschaft/Stillzeit»).

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Levomethadon ist auf Massebasis (mg) etwa doppelt so wirksam wie Methadon (Razemat aus Levomethadon und Dextromethadon).

L-Polamidon kann eine Abhängigkeit vom Morphintypus erzeugen. Bei Applikation von L-Polamidon sollten die üblichen Vorsichtsmassnahmen der Opioid-Agonisten beachtet werden.

Bei Myxödem, chronischer Nephritis oder Leberinsuffizienz kann die Wirkung von L-Polamidon verstärkt und/oder verlängert sein.

Bei gleichzeitiger Verabreichung von Monoaminooxidase-Inhibitoren oder innerhalb von 2 Wochen nach deren Absetzung soll L-Polamidon nicht angewendet werden.

Levomethadon reduziert wie andere Opioide die gastro-intestinale Motilität und erhöht den Tonus der glatten Muskulatur, v.a. im Magenantrum und Sphincter Oddi.

In seltenen Fällen wurde v.a. höher dosiertes Methadon (das Razemat aus Levomethadon und Dextromethadon) in Verbindung gebracht mit einer Verlängerung der QT-Zeit im EKG und potentiell lebensbedrohlichen ventrikulären Arrhythmien. Die Patienten sind darauf hinzuweisen, dass sie bei Auftreten von Synkopen, ungewöhnlichen Schwindelepisoden oder Herzstolpern umgehend den Arzt kontaktieren. In den unten aufgeführten Situationen ist das Risiko erhöht und der Nutzen der Behandlung besonders sorgfältig abzuwägen. In diesen Situationen sollten vor und während der Behandlung mit L-Polamidon sowie bei Dosiserhöhung eine klinische Untersuchung und ein EKG erfolgen.

Kongenitale QT-Verlängerung, relevante ventrikuläre Arrhythmien, klinisch relevante Bradykardie, klinisch relevante Herzinsuffizienz mit reduzierter linksventrikulärer Auswurffraktion.

Elektrolytstörungen (Hypokaliämie, Hypomagnesiämie) und Situationen, die diese begünstigen (anhaltendes Erbrechen oder Diarrhö, Diuretikatherapie u.a.).

Gleichzeitige Anwendung von anderen Arzneimitteln, die das QT-Intervall verlängern (vgl. Rubrik «Interaktionen»).

Gleichzeitige Anwendung von Medikamenten, die potentiell den Metabolismus von Levomethadon hemmen können (namentlich Hemmer von CYP3A4, vgl. Rubrik «Interaktionen»).

Leberinsuffizienz, Verschlechterung der Leberfunktion.

L-Polamidon ist ausschliesslich für die orale Einnahme bestimmt.

Substitutionsbehandlung bei Opioidabhängigkeit

Besondere Risiken bei Patienten unter Substitutionsbehandlung

Der Patient ist darüber aufzuklären, dass der gleichzeitige Konsum von illegalen Opioiden, Benzodiazepinen, Alkohol oder anderen zentral dämpfenden Substanzen oder Arzneimitteln in Anbetracht der Potenzierung der Atemdepression zum Tod durch Atemstillstand führen kann (siehe Rubrik «Interaktionen»). Informationen über alle früher oder aktuell konsumierten psychotropen Substanzen sowie über alle eingenommenen Arzneimittel sind von grösster Wichtigkeit zur Abschätzung von Interaktionen.

Bei der Substitutionsbehandlung ist besonders aufmerksam auf das Auftreten von Überdosierungs- oder Entzugssymptomen zu achten und gegebenenfalls therapeutisch einzugreifen, z.B. durch entsprechende Anpassung der Dosierung (siehe Rubrik «Dosierung/Anwendung»). Nur das Fehlen von Entzugssymptomen erlaubt es den Patienten, auf zusätzlichen Opioidkonsum zu verzichten.

Bei Beendigung der Substitutionstherapie ist eine langsame Dosisreduktion über Wochen bis Monate angezeigt (siehe Rubrik «Dosierung/Anwendung»). Die Patienten müssen über den Toleranzverlust und die erhöhte Gefahr einer Überdosierung bei erneutem Opioidkonsum informiert werden.

Gleichzeitige Substitutions- und Schmerzbehandlung

Schmerzen sind grundsätzlich nach dem WHO-Schema zu behandeln. Aufgrund der Kreuztoleranz für die analgetische Wirkung von Opioiden müssen solche zur Erreichung der Schmerzfreiheit meist oft und in einer hohen Dosierung verabreicht werden. Die Substitutionsdosierung soll beibehalten und nicht reduziert werden.

Abhängigkeitsstörungen können eine Hyperalgesie begünstigen.

Die Anwendung von L-Polamidon kann bei Dopingkontrollen zu positiven Ergebnissen führen.

Interaktionen

Hemmer des Metabolismus von Levomethadon, insbesondere von CYP3A4 (Risiko der QT-Zeitverlängerung/torsade de pointes, vgl. Rubrik «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»): Azol-Antimykotika (Itraconazol, Ketoconazol, Voriconazol u.a.), Makrolide (Erythromycin, Clarithromycin u.a.), gewisse HIV-Medikamente (Ritonavir, Indinavir, Efavirenz u.a.), Valproat, Cimetidin.

Induktoren des Metabolismus von Levomethadon (Rifampicin, Hypericum-Extrakte u.a. können die Wirkung von L-Polamidon vermindern).

Medikamente, die die QT-Zeit verlängern (vgl. Rubrik «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»): Antiarrhythmika der Klassen IA (z.B. Chinidin, Disopyramid, Procainamid u.a.) und III (z.B. Amiodaron, Sotalol), gewisse Neuroleptika (z.B. Phenothiazin, Thioridazin), gewisse Antidepressiva, bestimmte antimikrobielle Wirkstoffe (Moxifloxazin, Sparfloxacin, Erythromycin i.v., Pentamidin, Malariamittel, besonders Halofantrin), bestimmte Antihistaminika (Mizolastin) und andere (Cisaprid, Vincamin i.v.).

Verstärkung der atmungshemmenden und der sedierenden Wirkung von L-Polamidon durch Sedativa, Hypnotika, andere Opioid-Agonisten, trizyklische Antidepressiva, MAO-Hemmer sowie Alkohol.

Trizyklische Antidepressiva und Diazepam hemmen den Metabolismus von Levomethadon und können dessen Wirkung verstärken und verlängern.

Phenytoin und Rifampicin beschleunigen den Metabolismus von Levomethadon durch Enzyminduktion und können eine Entzugssymptomatik auslösen.

Pentazocin antagonisiert teilweise die Wirkung von L-Polamidon und kann Entzugserscheinungen auslösen.

Schwangerschaft/Stillzeit

Schwangerschaft

Tierexperimentelle Studien mit Methadon (dem Razemat aus Levomethadon und Dextromethadon) haben eine Reproduktionstoxizität gezeigt (siehe Rubrik «Präklinische Daten»).

Bei Langzeitgebrauch oder in hohen Dosen bei Geburt gibt es für Methadon klare Hinweise für Risiken des menschlichen Fötus.

Längerer Gebrauch von Methadon kann nicht nur bei der Mutter sondern auch beim Föten zu körperlicher Abhängigkeit mit Entzugserscheinungen führen. Dabei ist die Intensität der Entzugssymptome beim Kind von der total verabreichten Dosis während des letzten Trimenons, von der Tagesdosis der Mutter am Tag der Geburt sowie von der mütterlichen Serum-Methadon-Konzentration während der Geburt abhängig.

Die Applikation von L-Polamidon während der Geburt sollte wegen einer möglichen Atemdepression beim Neugeborenen möglichst vermieden werden.

L-Polamidon sollte während der Schwangerschaft nicht über längere Zeit und/oder in hohen Dosen angewendet werden, es sei denn, es ist klar notwendig.

Substitutionsbehandlung bei Opioidabhängigkeit

Bei schwangeren Opioidabhängigen ist die Einleitung bzw. die Fortsetzung einer Substitutionsbehandlung dringend zu empfehlen. Eine Dosisanpassung von L-Polamidon kann notwendig sein, um bei Schwangeren Entzugssymptome zu vermeiden und möglichst stabile Levomethadon-Plasmaspiegel aufrechtzuerhalten.

Stillzeit

L‑Polamidon ist während der Stillzeit kontraindiziert, da nicht ausgeschlossen werden kann, dass wirksame Plasmaspiegel beim Säugling erreicht werden können.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

L-Polamidon hat einen ausgeprägten Einfluss auf die Fahrtüchtigkeit oder die Fähigkeit, Maschinen zu bedienen.

Patienten sind darauf hinzuweisen, dass L-Polamidon die kognitiven Fähigkeiten und die Reaktionsgeschwindigkeit stark beeinträchtigen kann.

Unerwünschte Wirkungen

Die unerwünschten Wirkungen von Levomethadon sind meist dosisabhängig, entsprechen denen von Methadon und gleichen qualitativ denjenigen von Morphin. Die Häufigkeiten sind eingeteilt in «häufig» (≥1/100, <1/10), «gelegentlich» (≥1/1'000, <1/100), «selten» (≥1/10'000, <1/1'000), «sehr selten» (<1/10'000), «nicht bekannt» (Häufigkeit aufgrund der verfügbaren Daten nicht abschätzbar).

Blut- und Lymphsystem

Selten: bei Langzeitanwendung Lymphozytose, Hyperalbuminämie, Hyperglobulinämie.

Endokrine Störungen

Gelegentlich: bei Langzeitanwendung exzessives Schwitzen.

Nervensystem

Gelegentlich: Schläfrigkeit, Sedierung, Unruhe, Dysphorie, Euphorie, Nervosität, Schwindel.

Nicht bekannt: Benommenheit, Verwirrtheit, Desorientiertheit, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit.

Stoffwechsel und Ernährungsstörungen

Nicht bekannt: Appetitlosigkeit.

Augen

Nicht bekannt: Sehstörungen.

Herz

Gelegentlich: Blutdrucksenkung, Blutdruckabfall bei Lageveränderung.

Selten: Verlängerung der QT-Zeit im EKG/ventrikuläre Arrhythmien, Torsade de pointes (vgl. Rubrik «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Nicht bekannt: Herzklopfen, Bradykardie, Herzstillstand.

Gefässe

Nicht bekannt: Einschränkung der Kreislauffunktion, Schock, Sickerblutungen (Hämorrhagie).

Atmungsorgane

Gelegentlich: dosisabhängige Atemdepression.

Nicht bekannt: Atemstillstand.

Gastrointestinale Störungen

Häufig: Übelkeit, Erbrechen, spastische Obstipation.

Nicht bekannt: Mundtrockenheit.

Leber und Galle

Gelegentlich: Tonuserhöhungen der Gallen- und Pankreasgänge.

Haut

Nicht bekannt: Nesselfieber und andere Hautausschläge, Juckreiz.

Nieren und Harnwege

Gelegentlich: Harnretention.

Nicht bekannt: verminderte Harnmenge.

Reproduktionssystem und Brust

Häufig: bei längerdauernder Verabreichung Störungen von Libido und/oder Potenz.

Sehr selten: Hyperprolaktinämie.

Allgemeine Störungen

Nicht bekannt: Schweissausbrüche, Mattigkeit, Schwächeanfälle, Ödeme, Flush.

Bei chronischer Zufuhr kann es zu einer Abhängigkeit vom Morphin-Typ kommen.

Überdosierung

Symptome

Das klinische Bild stimmt mit dem anderer Opioid-Agonisten überein: Atemdepression, Miosis, Blutdruckabfall, Schock, ZNS-Symptome, Schlaf, niedrige Körpertemperatur, Tonusverlust der Skelettmuskulatur und Areflexie mit möglichen Pyramidenzeichen, Zyanose, Apnoe, Lungenödem, Koma und evtl. Tod.

Therapie

Freihaltung der Atemwege und Sauerstoffbeatmung.

Applikation eines Morphin-Antagonisten (z.B. Naloxon); Dosierung gemäss der jeweiligen Packungsbeilage.

Achtung: Die Wirkung von Naloxon hält nur kurz an. Dagegen hat Levomethadon eine lange Halbwertszeit. Die Gabe von Naloxon sollte daher gegebenenfalls wiederholt und der Patient längerfristig überwacht werden (namentlich bezüglich der Atmung). Naloxon sollte mit Vorsicht bei Personen verwendet werden, die möglicherweise physisch von Opioiden abhängig sind. Eine abrupte oder vollständige Aufhebung der Opioideffekte kann zu einem akuten Entzugssyndrom führen.

Schockbehandlung u.U. kombiniert mit antibiotischer Therapie (Pneumoniegefahr).

EKG-Monitoring.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: N02AC06

Levomethadon ist das wirksame R(–)-Enantiomer von Methadon.

Levomethadon gehört zur Gruppe der stark wirksamen Analgetika vom Morphin-Typ. Methadon bindet selektiv an Opioid-spezifische Rezeptoren (v.a. μ-Agonist) im Gehirn und reguliert die Schmerzleitung und Schmerzempfindung durch Stimulation des endogenen schmerzhemmenden Systems. Zentrale Wirkungen sind ferner Sedierung, Atemdepression, Hemmung des Hustenzentrums, Verengung der Pupillen, Erbrechen sowie Antidiurese. In der Peripherie wird der Tonus der glatten Muskulatur erhöht, dadurch wird die Entleerung von Magen-, Gallen- und Harnblase gehemmt und die Darmpassage verlangsamt.

Als Opioid-Agonist erzeugt Levomethadon morphinartige Wirkungen, die bei der Behandlung von opioidabhängigen Personen Entzugssymptome unterdrücken. Die orale Einnahme verhindert zusätzlich einen raschen Konzentrationsanstieg im Gehirn und vermindert so die euphorisierende Wirkung.

Analgesie

Nach oraler Gabe von Levomethadon erreicht die analgetische Wirkung nach 1‑2 Stunden ihr Maximum. Die Analgesiedauer von 4‑6 Stunden ist trotz längerer Halbwertszeit gleich lang wie bei Morphin. Bei längerer oraler Applikation kann die Wirkdauer bis auf 22‑48 Stunden ansteigen.

Pharmakokinetik

Absorption

Levomethadon wird nach oraler Applikation schnell und fast vollständig absorbiert und kann nach ca. einer halben Stunde im Plasma nachgewiesen werden. Maximale Plasmapeaks werden innerhalb von 3 Stunden bei oraler Applikation gefunden. Die mittlere absolute Bioverfügbarkeit beträgt mindestens 80%.

Nach Einmalverabreichung von 5 mg L-Polamidon an gesunde erwachsene Probanden betrug der durchschnittliche maximale Levomethadon-Plasmaspiegel 8,8 ng/ml.

Distribution

Levomethadon hat ein grosses Verteilungsvolumen und die Plasmaproteinbindung beträgt ca. 85%. Die Substanz wird an verschiedene Gewebsproteine – insbesondere im Hirn – gebunden. Dies erklärt die kumulativen Effekte und die langsame Elimination von Methadon. Levomethadon passiert die Plazenta und tritt in die Muttermilch über.

Metabolismus/Elimination

Levomethadon wird in der Leber durch N-Demethylierung, Zyklisierung zu Pyrrolinen und Pyrrolidinen verstoffwechselt. Am Metabolismus sind mehrere CYP-Enzyme beteiligt, insbesondere CYP3A4. Die Ausscheidung erfolgt vor allem in Form dieser Metaboliten mit dem Harn (glomeruläre Filtration und Reabsorption) und der Galle. Nach oraler Applikation werden innerhalb der ersten 96 Stunden 15‑60% renal eliminiert.

Ein kleiner Teil von Levomethadon wird unverändert ausgeschieden, der jedoch nach höheren Dosen ansteigt. Das Ansäuern des Harns beschleunigt die Ausscheidungsgeschwindigkeit.

Die terminale Halbwertszeit von Levomethadon unterliegt starken individuellen Schwankungen und beträgt 16‑53 Stunden.

Kinetik spezieller Patientengruppen

Die terminale Halbwertszeit kann im höheren Alter verlängert sein.

Da Levomethadon in der Leber metabolisiert wird, besteht bei Patienten mit schweren chronischen Lebererkrankungen das Risiko erhöhter Levomethadon-Plasmaspiegel.

Besteht eine Niereninsuffizienz, wird Levomethadon vermehrt über die Galle ausgeschieden. Es besteht daher eine geringe Kumulationsgefahr. Das Risiko erhöhter Levomethadon-Plasmaspiegel kann jedoch nicht ausgeschlossen werden. Levomethadon ist nicht dialysierbar.

Präklinische Daten

Präklinisch wurde Levomethadon nicht ausreichend untersucht. Zur Bewertung der präklinischen Sicherheit können jedoch Erkenntnisse zu Methadon (dem Razemat aus Levomethadon und Dextromethadon) herangezogen werden.

Mutagenität und Kanzerogenität

In vitro- und in vivo-Untersuchungen zur Genotoxizität von Methadon ergaben teilweise widersprüchliche Befunde mit Hinweisen auf ein schwach klastogenes Potenzial. Ein Risiko für den Menschen lässt sich nach derzeitigem Kenntnisstand daraus nicht ableiten. Langzeitstudien an Maus und Ratte zeigten keine karzinogenen Eigenschaften von Methadon.

Reproduktionstoxikologie

Die Nachkommen von einigen Tagen vor der Paarung mit Methadon behandelten männlichen Nagern (bis zu 38 mg/kg/Tag) zeigten eine erhöhte neonatale Sterblichkeit von bis zu 74%. In Embryotoxizitätsstudien bei Ratten und Kaninchen war Methadon nicht teratogen. Die Verabreichung von Methadon an Labortiere während der Trächtigkeit bzw. der Säugezeit führte jedoch zu Exenzephalie (Hamster und Maus), embryotoxischen Effekten und einer erhöhten neonatalen Sterblichkeit sowie zu einer verzögerten körperlichen und neurologischen postnatalen Entwicklung bei den Jungtieren. Die Befunde korrelierten mit dem Auftreten einer maternalen Toxizität.

Sonstige Hinweise

Haltbarkeit

Das Medikament darf nur bis zu dem auf dem Behälter mit «EXP» bezeichneten Datum verwendet werden.

Besondere Lagerungshinweise

Nicht über 30 °C, vor Licht geschützt und für Kinder unerreichbar lagern.

Nach Anbruch der Flasche ist die Lösung 3 Monate haltbar.

Für die gebrauchsfertigen Zubereitungen wurde die Stabilität wie folgt geprüft und nachgewiesen:

Mischung mit Himbeersirup: bis zu 7 Tage im Kühlschrank (2-8 °C) oder bei Raumtemperatur,

Mischung mit Orangensaft: bis zu 2 Tage im Kühlschrank (2-8 °C) oder bei Raumtemperatur.

Hinweise für die Handhabung

Aus der 100-ml-Glasflasche kann die Lösung über den Luer-Kegeleinsatz mittels einer graduierten handelsüblichen Einmalspritze entnommen werden. Dazu wird die Spritze (ohne Nadel) auf den Kegeleinsatz aufgesetzt. Anschliessend wird die Flasche mit aufgesetzter Spritze umgedreht, sodass die gewünschte Menge Lösung von unten abgezogen werden kann. Vor dem Trennen der Spritze von der Flasche sollte die Flasche wieder in aufrechte Stellung gebracht werden, um ein Ausfliessen der Lösung zu verhindern. Ebenso muss die Flasche aufrecht gehalten werden, wenn zu viel entnommene Lösung in die Flasche zurückgegeben werden soll, weil sonst die Lösung aus der Belüftungsöffnung des Kegeleinsatzes herausgedrückt wird.

Aus der 500-ml-Glasflasche kann die Entnahme in der Apotheke z.B. über eine handelsübliche kalibrierte Dispensierhilfe erfolgen.

Im Falle einer Mitgabe wird L-Polamidon portionsweise, entsprechend der Tagesdosis, kindergesichert abgefüllt und gekennzeichnet.

Zulassungsnummer

65042 (Swissmedic).

Zulassungsinhaberin

Mundipharma Medical Company, Hamilton/Bermuda, Zweigniederlassung Basel.

Stand der Information

September 2014.

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