Rapifen 0.5 Mg/ml Inj Loes 5 Mg/10ml 50 Amp 10 Ml

Fachinformationen

Untersteht dem Bundesgesetz über die Betäubungsmittel und die psychotropen Stoffe

Zusammensetzung

Wirkstoff: Alfentanilum ut Alfentanili hydrochloridum.

Hilfsstoffe: Natrii chloridum, Aqua ad iniectabilia.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Injektions- oder Infusionslösung.

1 ml Lösung enthält 0,5 mg Alfentanil.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Analgetikum für die Anästhesie.

Aufrechterhaltung der Anästhesie

Rapifen eignet sich für längere chirurgische Eingriffe, bei welchen eine rasche Aufwachphase mit nur kurzer Atemdepression von Bedeutung ist. Nach der Bolus-Injektion werden entweder eine Dauerinfusion oder zusätzliche Injektionen nach Bedarf verabreicht. Durch die leichte Steuerbarkeit von Rapifen kann schmerzhaften chirurgischen Stimuli schnell durch eine vorübergehende Dosiserhöhung entgegengewirkt werden.

Kurznarkosen

Infolge seines schnellen Wirkungseintrittes und seiner kurzen Wirkungsdauer eignet sich Rapifen auch als Bolus-Injektion für kurze, schmerzhafte chirurgische Eingriffe, sowohl bei stationären als auch bei ambulanten Patienten. Die chirurgische Analgesie wird 1 Minute nach der Bolus-Injektion erreicht.

Dosierung/Anwendung

Die Dosierung soll individuell festgelegt werden. Dabei sollten folgende Faktoren berücksichtigt werden: Alter, Körpergewicht, physischer Zustand, zugrundeliegende Erkrankungen, gleichzeitige Einnahme anderer Arzneimittel, Art der zur Anwendung gelangenden Anästhesie und Art und Dauer des chirurgischen Eingriffes.

Zur Vorbeugung von Bradykardie empfiehlt es sich, eine geringe Dosis eines Anticholinergikums intravenös (i.v.) unmittelbar vor Einleitung der Anästhesie zu verabreichen.

1. Für kurze Eingriffe und Anwendung bei ambulanten Patienten

Rapifen in kleinen Dosen eignet sich für kleine, kurze chirurgische Eingriffe, Manipulationen und für ambulante Patienten, vorausgesetzt kardiopulmonale Überwachungseinrichtungen sind vorhanden.

Für Eingriffe, die weniger als 10 Min. dauern, genügt im Allgemeinen eine i.v. Bolus-Injektion von 7–15 µg/kg Körpergewicht (KG) ( 1-2 ml/70 kg KG). Wenn der Eingriff länger als 10 Min. dauert, sollten weitere Dosen von 7–15 µg/kg KG (1-2 ml/70 kg KG) alle 10–15 Min. oder nach Bedarf verabreicht werden.

Geräte zur Unterstützung der Atmung müssen auf jeden Fall verfügbar sein. In den meisten Fällen kann die spontane Atmung aufrechterhalten werden, wenn eine Dosis von 7 µg/kg KG (1 ml/70 kg KG) oder weniger langsam injiziert wird. Empfohlene weitere Dosen mit dieser Methode sind dann 3,5 µg/kg KG (0,5 ml/70 kg KG).

Eine postoperative Nausea ist von relativ kurzer Dauer und in der Regel mit den üblichen Methoden zu kontrollieren.

2. Bei Eingriffen mittlerer Dauer

Die Dosis der initialen i.v. Bolus-Injektion kann entsprechend der voraussichtlichen Dauer der Operation gemäss folgendem Schema bestimmt werden:

Dauer des Eingriffes(Min.)Rapifen-Dosis bei i.v. Bolus-Injektion
µg/kg KGml/70 kg KG
10-3020-403-6
30-6040-806-12
>6080-15012-20

Wenn der Eingriff länger als 60 Min. dauert oder sehr schmerzhaft ist, sollte die Analgesie folgendermassen aufrechterhalten werden:

  • Fraktionierte Bolus-Dosis von 15 µg/kg KG (2 ml/70 kg KG) Rapifen oder
  • Dauer-Infusion von 1 µg/kg/Min. (0,14 ml/70 kg KG/Min).

Um einer postoperativen Atemdepression vorzubeugen, sollte die letzte Dosis Rapifen 10 Minuten vor Ende des Eingriffs verabreicht werden.

Perioden schmerzhafter Stimuli können mit geringeren Dosis-Gaben von Rapifen oder durch vorübergehende Erhöhung der Infusionsgeschwindigkeit leicht überbrückt werden.

Wenn Rapifen ohne N2O/O2, andere Inhalationsanästhetika oder Hypnotika verwendet wird, sollte die Erhaltungsdosis erhöht werden.

3. Bei länger dauernden Eingriffen

Rapifen kann als analgetischer Bestandteil der Anästhesie bei chirurgischen Eingriffen längerer Dauer verwendet werden, insbesondere wenn eine rasche Extubation indiziert ist. Optimale analgetische und stabile autonome Bedingungen werden mittels einer individuell angepassten intravenösen Erhaltungsdosis aufrechterhalten, sowie durch Veränderung der Infusionsgeschwindigkeit, je nach chirurgischen Stimuli und klinischen Reaktionen des Patienten.

4. Zur Einleitung der Anästhesie

Bei Patienten mit adäquater Muskelrelaxierung bewirkt eine i.v. Bolus-Dosis von ≥120 µg/kg KG (17 ml/70 kg KG) Rapifen Bewusstlosigkeit und Analgesie bei gleichzeitiger Erhaltung einer guten kardiovaskulären Stabilität.

Spezielle Dosierungsanweisungen

Bei älteren Patienten (>65 Jahre) und geschwächten Patienten sowie bei Patienten mit Leberinsuffizienz sollte, um eine Akkumulation zu vermeiden, bei wiederholten Injektionen, bzw. bei einer Dauerinfusion die Dosis entsprechend reduziert werden. Eine reduzierte Dosis ist auch bei Patienten mit einer Schilddrüsenunterfunktion ratsam. Bei Niereninsuffizienz ist keine Dosisanpassung erforderlich. Wirkung der Initialdosis sollte bei der Bestimmung weiterer Dosen berücksichtigt werden.

Kinder und Jugendliche

Die Anwendung und Sicherheit von Rapifen Injektionslösung bei Kindern und Jugendlichen ist bisher nicht ausreichend geprüft worden.

Kontraindikationen

Bekannte Unverträglichkeit gegenüber einem der Bestandteile von Rapifen oder gegenüber Opioiden.

Obstruktive Atemwegserkrankung oder Atemdepression, wenn nicht gleichzeitig ventiliert wird.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Wie alle starken Opioide bewirkt auch Rapifen eine dosisabhängige Atemdepression, welche mit einem spezifischen Opioid-Antagonisten (z.B. Naloxon) behandelt werden kann. Dabei ist zu beachten, dass die Atemdepression länger als die Wirkung des Antagonisten andauern kann. Bei einer tiefen Analgesie kann die Atemdepression bis in die postoperative Phase andauern oder dort wieder auftreten. Deshalb sollten die Patienten ständig überwacht werden und es sollten eine Reanimationsausrüstung und ein Opioid-Antagonist zur Verfügung stehen.

Eine Hyperventilation während der Anästhesie kann postoperativ die Beatmung beeinflussen.

Rapifen kann Muskelrigidität (darunter auch Thoraxrigidität) bewirken, welche durch eine der folgenden Massnahmen verhindert werden kann: langsame i.v. Injektion (normalerweise ausreichend bei tiefen Dosen), Prämedikation mit Benzodiazepinen und Verabreichung von Muskelrelaxantien.

Nicht-epileptische, myoklonische Bewegungen können auftreten.

Bradykardie oder möglicherweise Herzstillstand können auftreten, wenn dem Patienten eine ungenügende Menge eines Anticholinergikums verabreicht wurde, oder wenn Rapifen mit einem nicht vagolytischen Muskelrelaxans kombiniert wurde. Eine Bradykardie kann mit Atropin behandelt werden.

Wie andere Opioide kann Rapifen Hypotonie, speziell bei hypovolämischen Patienten, auslösen. Es sollten geeignete Massnahmen getroffen werden um den Arteriendruck zu stabilisieren.

Bei Patienten mit stark verminderter Dehnbarkeit der zerebralen Gefässe (Compliance) sollten schnelle Bolus-Injektionen vermieden werden, da bei diesen Patienten die vorübergehende Senkung des Arteriendruckes normalerweise von einer kurz dauernden Reduktion des zerebralen Perfusionsdruckes begleitet ist.

Patienten mit einer chronischen Opioid-Therapie oder mit einem Opioid-Abusus in der Anamnese benötigen eventuell höhere Dosen.

Bei älteren und geschwächten Patienten wird empfohlen, die Dosis zu reduzieren. Bei Patienten mit einer der folgenden Krankheiten soll Rapifen, wie andere Opioide, vorsichtig dosiert werden: unbehandelter Hypothyroidismus, Lungenkrankheit, reduzierte Atemreserve, Alkoholismus, verminderte hepatische oder renale Funktion. Diese Patienten bedürfen ebenso einer längeren postoperativen Überwachung.

Die Anwendung und Sicherheit von Rapifen Injektionslösung bei Kindern und Jugendlichen ist bisher nicht ausreichend geprüft worden.

Interaktionen

Arzneimittel, welche die Wirkung von Alfentanil beeinflussen

Zentral wirkende Pharmaka, wie Barbiturate, Benzodiazepine, Neuroleptika, halogene Gase und andere nicht-selektive, zentral dämpfende Substanzen (z.B. Alkohol) können die Atemdepression von Opioiden verstärken. Wenn Patienten solche Arzneimittel erhalten haben, sollte die Dosis von Rapifen reduziert werden. Ebenso sollte nach der Verabreichung von Rapifen die Dosierung von ZNS-dämpfenden Substanzen herabgesetzt werden. Bei ambulanten Patienten sollte deshalb auf die zusätzliche Gabe von Benzodiazepinen verzichtet werden.

Es wurde festgestellt, dass MAO-Hemmer die Wirkung von narkotischen Analgetika verstärken können. Es ist daher empfehlenswert, MAO-Hemmer 2 Wochen vor dem Eingriff abzusetzen.

Alfentanil wird hauptsächlich über das Cytochrom P450 3A4-Enzym metabolisiert. In vitro Daten legen nahe, dass starke Inhibitoren des Enzyms P450 3A4 (z.B. Ketoconazol, Itraconazol, Ritonavir) den Metabolismus von Alfentanil hemmen können. Pharmakokinetik-Daten am Menschen deuten darauf hin, dass der Metabolismus von Alfentanil durch Fluconazol, Voriconazol, Erythromycin, Diltiazem und Cimetidin (bekannte Enzym-Hemmer des Cytochrom P450 3A4) gehemmt wird. Dies könnte das Risiko einer verzögerten oder verlängerten Atemdepression erhöhen. Die gleichzeitige Anwendung von solchen Substanzen (Hemmer des CYP 3A4) mit Rapifen erfordert eine spezielle Überwachung des Patienten. Im Besonderen könnte es nötig sein, die Dosis von Rapifen zu senken.

Wirkung von Alfentanil auf den Metabolismus anderer Arzneimittel

Die Blutkonzentrationen von Propofol sind bei Kombination mit Rapifen um 17% höher als ohne Rapifen. Die gleichzeitige Anwendung von Alfentanil und Propofol macht gegebenenfalls eine Verringerung der Rapifen-Dosis erforderlich.

Schwangerschaft/Stillzeit

Anwendung während der Schwangerschaft

Im Tierversuch ist Rapifen weder embryotoxisch noch teratogen (siehe «Präklinische Daten»). Es bestehen jedoch keine klinischen Erfahrungen über die Anwendung von Rapifen in der Schwangerschaft und dessen möglichen Einfluss auf die Entwicklung des Feten. Bei der Anwendung während der Schwangerschaft ist Vorsicht geboten. Vor der Verabreichung dieses Arzneimittels an schwangere Patientinnen müssen die möglichen Risiken und Vorteile gegeneinander abgewogen werden.

Die i.v. Verabreichung während der Geburt (inklusive Sectio caesarea) wird nicht empfohlen, weil Rapifen die Plazenta passiert und die spontane Atmung in der Neugeborenen-Periode unterdrücken kann.

Wird Rapifen trotzdem verabreicht, müssen Geräte zur Unterstützung der Atmung für die Mutter und das Kind sofort verfügbar sein. Ein Opioid-Antagonist für das Kind muss immer verfügbar sein. Die Halbwertszeit des Opioid-Antagonisten kann kürzer sein als die Halbwertszeit von Alfentanil, daher kann wiederholende Verabreichung des Opioid-Antagonisten erforderlich sein.

Anwendung während der Stillzeit

Rapifen kann in die Muttermilch übertreten. Daher wird Stillen oder Verwendung von abgepumpter Muttermilch bis 24 Stunden nach Verabreichung von Rapifen nicht empfohlen.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Patienten sollen nach Verabreichung von Rapifen für mindestens 24 Stunden nicht fahren und keine Maschinen bedienen.

Unerwünschte Wirkungen

Wie alle Opioidanalgetika verursacht Rapifen eine Miosis und eine dosisabhängige Atemdepression (einschliesslich tödlichem Ausgang). Die Atemdepression kann in der postoperativen Phase erneut einsetzen. Rapifen kann Muskelrigidität (darunter auch Thoraxrigidität) und myoklonische Bewegungen verursachen.

Daten aus klinischen Studien

Die Sicherheit von Rapifen wurde bei 1'157 Probanden in 18 klinischen Studien geprüft. Rapifen wurde zur Einleitung der Narkose oder als begleitendes Analgetikum/Anästhetikum bei örtlicher Narkose oder Vollnarkose während kurzen, mittleren und langen chirurgischen Eingriffen angewendet.

Die Probanden erhielten mindestens eine Dosis Rapifen und es wurden Sicherheitsdaten erhoben.

In Tabelle 1 sind unerwünschte Wirkungen aufgeführt, die bei mit Rapifen behandelten Probanden in diesen Studien gemeldet wurden.

Die Häufigkeit ist wie folgt angegeben:

«Sehr häufig» (≥1/10), «häufig» (<1/10,≥1/100), «gelegentlich» (<1/100, ≥1/1'000), «selten» (<1/1'000, ≥1/10'000), «sehr selten» (<1/10'000, einschliesslich Einzelfällen).

Tabelle 1: Unerwünschte Wirkungen, die bei mit Rapifen behandelten Probanden (n= 1'157) in 18 klinischen Studien gemeldet wurden

Psychiatrische Erkrankungen

Häufig: Euphorische Stimmung.

Selten: Agitation, Weinen.

Erkrankungen des Nervensystems

Häufig: Motorische Störungen, Schwindel, Sedierung, Dyskinesie.

Gelegentlich: Kopfschmerz, Schläfrigkeit, Reizunempfindlichkeit.

Augenerkrankungen

Häufig: Sehstörungen (verschwommenes oder doppeltes Sehen).

Herzerkrankungen

Häufig: Bradykardie, Tachykardie.

Gelegentlich: Rhythmusstörungen, verlangsamter Puls.

Gefässerkrankungen

Häufig: Hypotonie, Hypertonie, Blutdruckabfall, Blutdruckanstieg.

Selten: Venenschmerz.

Erkrankungen der Atemwege, des Brustraums und Mediastinums

Häufig: Apnoe.

Gelegentlich: Schluckauf, Hyperkapnie, Laryngospasmus, Atemdepression (einschliesslich tödlichem Ausgang).

Selten: Bronchospasmus, Epistaxis.

Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts

Sehr häufig: Übelkeit (17%), Erbrechen (14%).

Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes

Gelegentlich: Allergische Dermatitis, Hyperhidrose.

Selten: Pruritus.

Skelettmuskulatur-, Bindegewebs- und Knochenerkrankungen

Häufig: Muskelrigidität.

Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am Verabreichungsort

Häufig: Müdigkeit, Schüttelfrost, Schmerzen an der Injektionsstelle.

Gelegentlich: Schmerz.

Verletzung, Vergiftung und durch Eingriffe bedingte Komplikationen

Häufig: Operationsschmerzen.

Gelegentlich: Postoperative Agitation, Atemwegskomplikationen infolge der Narkose, postoperative Verwirrtheit.

Selten: Neurologische Komplikationen infolge der Narkose, operationsbedingte Komplikationen, Komplikationen infolge der endotrachealen Intubation.

Postmarketing-Daten

In Tabelle 2 sind unerwünschte Wirkungen aufgeführt, die nach der Markteinführung von Rapifen im Rahmen der Marktüberwachung festgestellt wurden. Die unerwünschten Wirkungen sind nach Häufigkeitskategorie auf der Basis der Häufigkeit der Spontanmeldungen aufgeführt. Die durch Spontanmeldungen ermittelten Häufigkeiten zeigen nicht die wahre Inzidenz oder Häufigkeit wie Daten aus klinischen oder epidemiologischen Studien (bedingt durch under-reporting).

Tabelle 2: Nach der Markteinführung identifizierte unerwünschte Wirkungen bei Anwendung von Rapifen nach Häufigkeitskategorie, geschätzt auf Basis der Häufigkeit der Spontanmeldungen

Erkrankungen des Immunsystems

Sehr selten: Überempfindlichkeit (einschliesslich anaphylaktische Reaktion, anaphylaktoide Reaktion und Urtikaria).

Psychiatrische Erkrankungen

Sehr selten: Orientierungsverlust.

Erkrankungen des Nervensystems

Sehr selten: Bewusstseinsverlust¹, Krämpfe, Myoklonus.

Augenerkrankungen

Sehr selten: Miosis.

Herzerkrankungen

Sehr selten: Herzstillstand.

Erkrankungen der Atemwege, des Brustraums und Mediastinums

Sehr selten: Atemstillstand, Atemdepression², Husten.

Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes

Sehr selten: Erythem, Hautausschlag.

Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am Verabreichungsort

Sehr selten: Pyrexie.

¹ Postoperativer Zeitraum.

² Einschliesslich Fälle mit tödlichem Ausgang.

Überdosierung

Anzeichen und Symptome

Eine Überdosierung mit Rapifen manifestiert sich in einer Ausweitung seiner pharmakologischen Wirkungen. Atemdepression, deren Schweregrad von Bradypnoe bis Apnoe variieren kann, kann beobachtet werden.

Behandlung

Im Falle einer Hypoventilation oder Apnoe sollte Sauerstoff verabreicht und kontrolliert beatmet werden. Im Falle einer Atemdepression soll ein spezifischer Opioid-Antagonist (z.B. Naloxon) verabreicht werden. Dabei ist zu beachten, dass die Atemdepression länger als die Wirkung des Opioid-Antagonisten anhalten kann. Es kann deshalb notwendig sein, mehrere Dosen des Antagonisten zu verabreichen. Bei gleichzeitig auftretender Muskelrigidität soll ein Muskelrelaxans intravenös verabreicht werden, um die Beatmung zu erleichtern.

Der Patient sollte sorgfältig überwacht werden, und es sollte auf eine ausreichende Körpertemperatur und eine genügende Flüssigkeitsaufnahme geachtet werden. Bei schwerer oder anhaltender Hypotonie sollte die Möglichkeit einer Hypovolämie in Betracht gezogen werden, welche mit einer geeigneten parenteralen Flüssigkeitsverabreichung korrigiert werden kann.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: N01AH02

Rapifen ist ein potentes Opioid-Analgetikum mit sehr schnellem Wirkungseintritt und kurzer Wirkungsdauer. Im Vergleich zum chemisch verwandten Fentanyl setzt die Wirkung von Rapifen viermal schneller ein, und die Wirkungsdauer ist dreimal kürzer, wobei die analgetische Potenz etwa um den Faktor 4 geringer ist. Die maximale analgetische Wirkung tritt bereits eine Minute nach der Injektion auf. Die Dauer der analgetischen und der atemdepressorischen Wirkung ist abhängig von der verabreichten Dosis, wobei der analgetische Effekt im Allgemeinen länger anhält.

Die Tiefe der Analgesie kann dem Schmerzniveau des chirurgischen Eingriffs angepasst werden.

Hohe Dosen Rapifen (>120 µg/kg) induzieren Schlaf. Rapifen ruft keine kardiovaskuläre oder hormonelle Stress­antwort hervor. Es gewährleistet eine komplikationslose Aufwachphase, sofern diese nicht durch nachhaltig wirkende Komedikation beeinflusst wird.

Alle Wirkungen von Rapifen werden durch spezifische Opioid-Antagonisten (z.B. Naloxon) aufgehoben.

Wie alle Opioid-Analgetika verursacht Rapifen Miosis. Gelegentlich treten Muskelrigidität (insbesondere am Thorax) und Euphorie auf. Abgesehen von einer leichten Bradykardie und einer geringen Senkung des arteriellen Mitteldruckes bei der Einleitung zeichnet sich eine Narkose mit Rapifen durch stabile kardiovaskuläre Parameter aus. Die Inzidenz von Nausea und Erbrechen in der postoperativen Phase ist klein.

Bei Patienten, denen Dosen bis zu 200 µg/kg Rapifen verabreicht wurden, zeigte sich keine merkliche Erhöhung des Histamin-Spiegels und auch keine klinisch manifeste Histaminfreisetzung.

Während durchschnittlichen bis lange andauernden chirurgischen Eingriffen kann die Analgesie mittels wiederholter Injektion oder Dauerinfusion von Rapifen aufrechterhalten werden.

Pharmakokinetik

Alfentanil ist ein synthetisches Opioid mit der pharmakologischen Wirkungsweise eines µ-Agonisten. Es wird nur intravenös angewendet.

Absorption

Nach einer Bolus-Injektion wird die maximale Wirkung innerhalb einer Minute erreicht (vergleichsweise nach 30 Minuten bei Morphin).

Distribution

Der geringe Ionisationsgrad (11% bei pH = 7,4) trägt zu einer raschen aber beschränkten Verteilung ins Gewebe bei. Die gemessenen Verteilungsvolumina sind 1,27–4,81 l (Verteilungsvolumen des zentralen Kompartiments) bzw. 12,1–98,2 l (Verteilungsvolumen im Steady-state). Die Plasmaproteinbindung von Alfentanil beträgt ungefähr 92%.

Die sequentielle Distributionshalbwertszeiten von Alfentanil betragen 0,4–2,2 Minuten und 8–32 Minuten.

Veränderungen des Blut-pH-Wertes beeinflussen die Plasmaproteinbindung kaum.

Metabolismus

Alfentanil wird hauptsächlich in der Leber metabolisiert. Die Metaboliten sind inaktiv und werden zu 70–80% im Urin ausgeschieden.

Elimination

Alfentanil wird nach intravenöser Verabreichung rasch eliminiert. Es sind terminale Eliminationshalbwertszeiten von 83–223 Minuten berichtet worden. Die Plasma-Clearance bei Probanden unter 40 Jahren beträgt durchschnittlich 356 ml/Min. und nimmt jenseits des 40. Lebensjahres pro Lebensjahrzehnt um ca. 8% ab. Im Urin wird nur 1% unverändertes Alfentanil gefunden. Nach Erreichen des Steady-state bleibt die Eliminationshalbwertszeit unverändert.

Es wird zu ca. ¼ mit den Fäces und ¾ mit dem Urin ausgeschieden.

Kinetik spezieller Patientengruppen

Pädiatrie

Die Proteinbindung bei Neugeborenen beträgt 75% und steigt bei Kindern auf 85%. Die Plasma-Clearance bei Neugeborenen beträgt etwa 7,2 ± 3,2 ml/kg/Min. und 4,7 ± 1,7 ml/kg/Min. bei Kindern im Alter zwischen 4,5 und 7,75 Jahren. Das Verteilungsvolumen im Gleichgewichtszustand war bei Neugeborenen 1'230 ± 520 ml/kg und bei Kindern 163,5 ± 110 ml/kg. Die Halbwertszeit beträgt bei Neugeborenen 146 ± 57 Minuten und bei Kindern 40,2 ± 8,9 Minuten.

Patienten mit eingeschränkter Leberfunktion

Nach Anwendung einer intravenösen Einzeldosis von 50 µg/kg ist die terminale Halbwertszeit bei zirrhotischen Patienten signifikant länger als bei Kontrollpersonen. Das Verteilungsvolumen bleibt unverändert. Bei zirrhotischen Patienten steigt die ungebundene Fraktion von Alfentanil auf 18,5% im Vergleich zu 11,5% bei Kontrollpersonen. Dieser Anstieg des Anteils der ungebundenen Fraktion zusammen mit einer Verringerung der Clearance von 3,06 ml/Min./kg bei Kontrollpersonen auf 1,60 ml/Min./kg bei zirrhotischen Patienten ergeben einen länger anhaltenden und ausgeprägteren Effekt (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»). Bei aortokoronaren Bypass-Operationen unter einer Alfentanil-Dauerinfusion sind erhöhte Eliminationshalbwertszeiten beobachtet worden.

Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion

Das Verteilungsvolumen und die Clearance der ungebundenen Fraktion sind bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion und gesunden Kontrollpersonen ähnlich. Die ungebundene Fraktion von Alfentanil bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion steigt auf 12,4% bis 19% im Vergleich zu 10,3% bis 11% bei Kontrollpersonen. Dies kann unter Umständen zu einer Verstärkung der klinischen Wirkung von Alfentanil führen (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Präklinische Daten

Präklinische Effekte wurden nur bei Expositionen beobachtet, die weit über der maximalen humanen Dosis lagen und haben somit keine grosse Relevanz für den klinischen Gebrauch.

Alfentanil weist eine sehr grosse therapeutische Breite auf. Ausgedrückt durch das Verhältnis LD50:ED50 bei Ratten ergibt sich für Alfentanil ein Quotient von 1'080, verglichen mit 4,6 bei Pethidin; 69,5 bei Morphin und 277 bei Fentanyl.

Resultate aus Studien zur Toxizität (Einfach- und Mehrfach-Dosierung), zur Reproduktionstoxizität, Mutagenität und Beobachtungen in speziellen Studien zeigten, dass Alfentanil gut vertragen wurde. Die in diesen Tiermodellen beobachtete Toxizität und Mortalität beruhte im Allgemeinen auf hohen toxischen Dosen, welche weit über dem empfohlenen klinisch therapeutischen Dosisbereich (2,6 bis 83mal) lagen oder war mit der überschiessenden pharmakologischen Aktivität des Wirkstoffes verbunden.

Sonstige Hinweise

Inkompatibilitäten

Das Arzneimittel darf nur mit den unter «Hinweise für die Handhabung» aufgeführten Arzneimitteln gemischt werden.

Haltbarkeit

Das Arzneimittel darf nur bis zu dem auf der Packung mit «Exp» bezeichneten Datum verwendet werden.

Rapifen ist eine wässrige, isotonische und sterile Lösung zur intravenösen Anwendung, sie enthält keine Konservierungsmittel. Nach dem Öffnen ist die Lösung sofort zu verwenden. Allfällige Resten sind zu verwerfen.

Besondere Lagerungshinweise

Bei Raumtemperatur (15–25 °C) lagern.

Ausserhalb der Reichweite von Kindern aufbewahren.

Hinweise für die Handhabung

Rapifen kann mit NaCl-haltigen oder Glukose-haltigen Infusionslösungen gemischt werden. Diese Verdünnungen sind mit Plastikinfusionssets verträglich und sollten innerhalb 24 Stunden aufgebraucht werden.

Zum Öffnen der Ampulle Handschuhe tragen.

Eine versehentliche Exposition der Haut sollte durch Spülen des betroffenen Hautareals mit Wasser behandelt werden. Keine Seife, Alkohol oder andere Reinigungsmittel, die eine chemische oder physikalische Hautabrasion verursachen könnten, verwenden.

Zulassungsnummer

45204 (Swissmedic).

Zulassungsinhaberin

Janssen-Cilag AG, Zug, ZG.

Stand der Information

Juli 2015.

Verwendung dieser Informationen

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