Prostin Vr Inf Konz 500 Mcg/ml 5 Amp 1 Ml

Fachinformationen

Prostin VR soll nur durch medizinisch geschultes Personal in Kliniken mit pädiatrischen Intensivpflegestationen verabreicht werden.

Zusammensetzung

Wirkstoff: Alprostadilum.

Hilfsstoff: Ethanolum 789 mg ad solutionem pro 1 ml.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

1 ml Infusionskonzentrat enthält 0,5 mg Alprostadilum.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Prostin VR ist indiziert, um den Ductus arteriosus bei Neugeborenen mit angeborenem Herzfehler temporär offenzuhalten, bis ein korrigierender oder palliativer chirurgischer Eingriff durchgeführt werden kann. Solche angeborenen Herzfehler umfassen: Pulmonalatresie, Pulmonalstenose, Trikuspidalatresie, Fallot’sche Tetralogie, Unterbruch des Aortenbogens, Coarctatio aortae, Mitralatresie oder Transposition der grossen Arterien mit oder ohne andere Anomalien.

Bei Neugeborenen mit reduziertem pulmonalem Blutfluss verhält sich die Erhöhung des Blutsauerstoffgehaltes umgekehrt proportional zum pO2 Wert vor der Behandlung. Das bedeutet, dass Patienten mit einem tiefen pO2 am besten und diejenigen mit einem pO2 von über 40 Torr im allgemeinen weniger ansprechen.

Dosierung/Anwendung

Prostin VR wird vorzugsweise mittels kontinuierlicher intravenöser Infusion in eine grosse Vene verabreicht. Es kann aber auch durch einen Nabelarterienkatheter an der Ductusöffnung installiert werden. Die Erhöhung des partiellen Sauerstoffdruckes (pO2) ist bei beiden Verabreichungen gleich.

Allgemeine Dosierungsempfehlungen

Die Infusion wird mit 0,05–0,1 Mikrogramm Alprostadil pro Kilogramm Körpergewicht pro Minute (mcg/kg/min) eingeleitet. Basierend auf den Resultaten klinischer Studien beträgt die empfohlene Anfangsdosis 0,1 mcg/kg/min; es liegen jedoch Berichte vor, dass auch mit 0,05 mcg/kg/min ein genügendes Ansprechen erreicht wird.

Nachdem ein therapeutisches Ansprechen erreicht wird (erhöhter partieller Sauerstoffdruck (pO2) bei Neugeborenen mit reduziertem pulmonalem Blutfluss oder erhöhter systemischer Blutdruck und Blut-pH bei Neugeborenen mit reduziertem systemischen Blutfluss), soll die Infusionsrate so weit herabgesetzt werden, dass die gewünschte Wirkung gerade noch erhalten bleibt. Dies kann durch Reduktion der Dosis von 0,1 zu 0,05 bzw. 0,025 oder sogar 0,01 mcg/kg/min erreicht werden.

Falls der therapeutische Effekt mit 0,1 mcg pro Kilogramm Körpergewicht pro Minute nicht ausreichend ist, kann die Dosis vorsichtig bis auf 0,4 mcg/kg/min erhöht werden. Allerdings wird bei höheren Infusionsraten im allgemeinen keine ausgeprägtere Wirkung erreicht.

Verdünnungsvorschriften

Zur Herstellung der Infusionslösungen wird Prostin VR direkt in den Infusionsbehälter, der mit der benötigten Menge steriler Kochsalzlösung oder steriler Glukoselösung gefüllt ist, eingebracht. Dabei soll der Kontakt der konzentrierten Wirkstoff-Lösung mit dem Kunststoffbehälter vermieden werden, weil Weichmacher aus dem Plastik gelöst werden können. Dies kann zu Trübungen der Lösung und des Kunststoffes führen. In diesem Falle sind die Lösung und das Behältnis zu verwerfen.

Das Volumen der Verdünnung wird dem verwendeten Infusionssystem angepasst und die Infusionsrate entsprechend gewählt.

Verdünnungen und Infusionsraten für eine Dosierung von 0,1 mcg/kg/min:

1,0 ml (500 mcg     Konzentration der  Infusionsrate
Alprostadil)        resultierenden     (ml/kg/min)  
verdünnt in (ml)    Lösung (mcg/ml)                 
250                  2,0               0,05         
100                  5,0               0,02         
 50                 10,0               0,01         
 25                 20,0               0,005        

Beispiel:

Für eine Infusion von 0,1 mcg/kg/min für ein Neugeborenes von 2,8 kg wird 1 Ampulle Prostin VR in 100 ml Kochsalz- oder Dextroselösung aufgenommen. Infusionsrate = 0,02 ml/kg/min × 2,8 kg = 0,056 ml/min oder 3,36 ml/Std.

Die Infusionslösungen sind bei 2–8 °C während 24 Stunden haltbar; über 24 Stunden alte Lösungen sind zu verwerfen.

Kontraindikationen

Keine.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Prostin VR soll nur durch medizinisch geschultes Personal in Kliniken mit pädiatrischen Intensivpflegestationen verabreicht werden.

Prostin VR muss vor der Verabreichung verdünnt werden (siehe «Dosierung/Anwendung»).

Prostin VR sollte während einer für die gewünschte Wirkung möglichst kurzen Zeit und in kleinstmöglicher Dosis infundiert werden. Das Risiko einer Langzeitinfusion mit Prostin VR muss dabei gegen die möglichen Vorteile für das kritisch erkrankte Kind abgewogen werden.

Bei ungefähr 10 bis 12% der Neugeborenen mit angeborenem Herzfehler, die mit Prostin VR behandelt werden, tritt eine Apnö auf. Sie wird am ehesten bei Neugeborenen mit einem Geburtsgewicht von weniger als 2 kg beobachtet und tritt normalerweise während der ersten Stunde der Arzneimittel-Infusion auf. Deshalb sollte Prostin VR nur dann verwendet werden, wenn eine assistierte Beatmung sofort verfügbar ist.

In Einzelfällen kann es bei Neugeborenen unter einer Behandlung mit Alprostadil zu einer Obstruktion des Magenausgangs infolge antraler Hyperplasie kommen. Dieser Effekt scheint von der Behandlungsdauer und der kumulativen Dosis abhängig zu sein. Deshalb sollten Neugeborene, die Prostin VR in den angegebenen Dosierungen während mehr als 5 Tagen erhalten, auf antrale Hyperplasie und Magenausgangsobstruktion überwacht werden.

Da Alprostadil ein potenter Thrombozyten-Aggregationshemmer ist, soll Prostin VR bei Neugeborenen mit Blutungsneigungen mit Vorsicht verwendet werden.

Prostin VR sollte bei Neugeborenen mit dem Respiratory-Distress-Syndrom (Hyalin-Membran-Krankheit), das differentialdiagnostisch von zyanotischen Herzerkrankungen abgegrenzt werden muss, nicht verwendet werden. Wenn keine sofortige Möglichkeit zur vollständigen Diagnostik zur Verfügung steht, sollte die Diagnose auf dem Nachweis einer Zyanose (pO2 kleiner als 40 Torr) und auf radiologischen Anhaltspunkten für einen reduzierten pulmonalen Blutfluss beruhen.

Pathologische Untersuchungen des Ductus arteriosus und der pulmonalen Arterien von Kleinkindern, die mit Alprostadil behandelt wurden, zeigten histologische Veränderungen, die einer Schwächung der Gefässwandstruktur entsprechen können. Die klinische Bedeutung dieser Ergebnisse ist unbekannt.

Langzeit-Infusionen von Alprostadil hatten bei Neugeborenen und Hunden eine kortikale Proliferation der langen Knochen zur Folge. Die Proliferation bildete sich bei Kindern nach Absetzen des Arzneimittels wieder zurück.

Langzeit-Karzinogenitäts- und Fertilitätsstudien liegen keine vor. Mit der Methode Ames und der alkalischen Elution wurde kein Mutagenitätspotential festgestellt.

Monitoring

Bei allen Neugeborenen ist in Intervallen der arterielle Druck zu überwachen, entweder mittels Nabelarterienkatheter, Auskultation oder mit einem Doppler-Schallkopf. Sollte der arterielle Druck wesentlich abfallen, ist die Infusionsrate sofort zu senken. Bei allen Kindern mit eingeschränktem pulmonalem Blutfluss wird die Wirksamkeit von Alprostadil mittels Bestimmung des Blutsauerstoffgehalts kontrolliert. Bei Kindern mit limitiertem systemischem Blutfluss wird das Ansprechen mittels Messung des systemischen Blutdrucks und des pH-Wertes des Blutes überprüft.

Interaktionen

Es wurden keine Interaktionen von Alprostadil mit den Standardtherapeutika Neugeborener mit kongenitalen Herzfehlern beobachtet. Die Standardtherapie beinhaltete Antibiotika, wie Penicillin oder Gentamycin, Vasopressoren, wie Dopamin oder Isoproterenol, Herzglykoside und Diuretika, wie Furosemid.

Schwangerschaft/Stillzeit

Nicht zutreffend.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Nicht zutreffend.

Unerwünschte Wirkungen

Infektionen

Bei etwa 2% der Patienten wurde Sepsis beobachtet.

Hämatologisches System

Bei etwa 1% wurde disseminierte intravaskuläre Koagulation beobachtet. Die Häufigkeit der folgenden Nebenwirkungen ist kleiner als 1%: Anämie, Blutungen, Thrombozytopenie.

Endokrines System

Bei weniger als 1% wurde über Hypoglykämie berichtet, Stoffwechsel- und Ernährungsstörungen: über Hypokaliämie wurde bei etwa 1%, über Hyperkaliämie bei weniger als 1% berichtet.

Zentralnervensystem

Apnö trat bei 12% der behandelten Neugeborenen auf (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»). Andere häufigere Nebenwirkungen waren bei etwa 14% Fieber und bei etwa 4% Krampfanfälle. Die folgenden Reaktionen traten mit einer Häufigkeit von weniger als 1% auf: Cerebrale Blutungen, Hyperextension des Nackens, Hyperirritabilität, Hypothermie, Nervosität (Jitteriness), Lethargie, Steifheit.

Kardiovaskuläres System

Flushing wurde bei etwa 10% (häufiger nach intraarterieller Verabreichung), Bradykardie bei 7%, Hypotonie bei 4%, Tachykardie bei 3%, Herzstillstand bei 1%, ebenso wie Ödeme bei 1% beobachtet. Die folgenden Reaktionen traten mit einer Häufigkeit von weniger als 1% auf: Stauungsherzinsuffizienz, Hyperämie, Herzblock 2. Grades, Schock, Spasmen des Infundibulums des rechten Ventrikels, supraventikuläre Tachykardie, Kammerflimmern.

Respiratorisches System

Die folgenden Nebenwirkungen traten bei weniger als 1% auf: Bradypnö, bronchiles «wheezing», Hyperkapnie, respiratorische Depression, Atemnot, Tachypnö.

Gastrointestinaltrakt

Diarrhö wurde bei 2% beobachtet; die folgenden Reaktionen wurden bei weniger als 1% beobachtet: Regurgitation, Hyperbilirubinämie, Peritonitis.

Skelett

Kortikale Proliferation der Röhrenknochen wurde berichtet (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Ausscheidungssystem

In weniger als 1% der Patienten wurde über Anurie, Nierenversagen und Hämaturie berichtet.

Überdosierung

Apnö, Bradykardie, Pyrexie, Hypotonie und Flushing sind möglicherweise Anzeichen einer Arzneimittel-Überdosierung. Tritt Apnö oder Bradykardie auf, ist die Infusion abzubrechen und die entsprechende medikamentöse Behandlung einzuleiten. Eine Wiederaufnahme der Infusion hat mit Vorsicht zu geschehen. Beim Auftreten von Pyrexie oder Hypotonie sollte die Infusionsrate so weit reduziert werden, bis die Symptome abflauen. Flushing ist normalerweise auf einen unsachgemäss angebrachten intraarteriellen Katheter zurückzuführen und kann durch Neuplazierung der Katheterspitze reduziert werden.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: C01EA01

Der Wirkstoff von Prostin VR ist Alprostadil (Prostaglandin E1, PGE1). Alprostadil gehört zu der Familie der natürlich vorkommenden Prostensäuren mit verschiedenen pharmakologischen Eigenschaften. Diese Verbindungen wirken hauptsächlich vasodilatatorisch, stimulieren die intestinale und uterine glatte Muskulatur und hemmen die Thrombozytenaggregation.

Die glatte Muskulatur des Ductus arteriosus ist speziell empfindlich auf Alprostadil. Durch die Erschlaffung dieser Muskulatur wird der Ductus arteriosus bei Neugeborenen offengehalten.

Pharmakokinetik

Prostin VR muss als Dauerinfusion verabreicht werden, weil Alprostadil sehr rasch metabolisiert wird.

Absorption

Intravenös verabreichtes Alprostadil wird schnell verteilt und metabolisiert.

Distribution

Alprostadil wird an Serumalbumin und andere Protein-Fraktionen gebunden. Es wird schnell in verschiedene Gewebe verteilt. Hohe Konzentrationen werden in den Nieren und der Leber gemessen; in den Lungen, der Hypophyse, den Nebennieren, den Ovarien, dem Uterus und dem Herz werden ebenfalls signifikante Mengen nachgewiesen.

Metabolismus

Alprostadil wird hauptsächlich in den Lungen metabolisiert, vor allem durch beta- und omega-Oxydierung. Bei einer Lungenpassage werden bis zu 80% aus dem Blut entfernt. Die beiden wichtigsten Plasmametaboliten sind weniger aktiv als PGE1.

Elimination

Die durchschnittliche Eliminations-Halbwertszeit aus dem Plasma beträgt 5 bis 10 min. Die Metaboliten werden über die Nieren ausgeschieden. Innerhalb von 24 Stunden nach Verabreichung ist Alprostadil vollständig ausgeschieden.

Präklinische Daten

Es wurden keine Langzeitstudien zur Karzinogenität und keine Fertilitätsstudien durchgeführt. Weder Ames-Test noch akalischer Elutionstest zeigen ein Potential für Mutagenität.

Sonstige Hinweise

Inkompatibilitäten

Siehe Verdünnungsvorschriften Kapitel «Dosierung/Anwendung».

Haltbarkeit

Bitte das aufgedruckte Verfalldatum «EXP» (= Verfall: Monat/Jahr) beachten.

Besondere Lagerungshinweise

Prostin VR im Kühlschrank (2–8 °C) aufbewahren.

Die Infusionslösungen sind bei 2–8 °C während 24 Stunden haltbar; über 24 Stunden alte Lösungen sind zu verwerfen.

Zulassungsnummer

45333 (Swissmedic).

Zulassungsinhaberin

Pfizer AG, 8052 Zürich.

Stand der Information

April 2003.

Verwendung dieser Informationen

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