Pk-merz Inf Loes 200 Mg/500ml 2 X 500 Ml

Fachinformationen

Zusammensetzung

Wirkstoff: Amantadinsulfat.

Hilfsstoffe

Filmtabletten: Azofarbstoff Gelborange S (E110), Titandioxid (E171), Lactose-Monohydrat, Mikrokristalline Cellulose, Kartoffelstärke, Gelatine, Povidon, Talkum, Hochdisperses Siliciumdioxid, Magnesiumstearat, Croscarmellose-Natrium, Eudragit E.

Infusionslösung: Natriumchlorid, Wasser für Injektionszwecke.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

1 Infusionsflasche mit 500 ml Infusionslösung enthält 200 mg Amantadinsulfat.

1 Filmtablette enthält 100 mg Amantadinsulfat.

Die Filmtabletten besitzen eine einseitige Zierkerbe, die nicht zum Teilen der Filmtabletten in gleiche Dosen dient.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Infusionslösung

Zur Intensiv- und Initialbehandlung schwerer und lebensbedrohlicher Fälle von Parkinsonismus.

Zur vorübergehenden Entlastung von der oralen Therapie.

Zur Steigerung der Vigilanz und zur Bewusstseinsaufhellung bei Koma, z.B. nach Schädel-Hirntraumen sowie bei verzögerter Aufwachphase nach Narkosen.

Gegen Begleitneuralgien bei Herpes zoster.

Filmtabletten

Morbus Parkinson verschiedener Genese.

Dosierung/Anwendung

Vor Therapiebeginn und zu den Zeitpunkten 1 und 3 Wochen danach ist ein EKG (50 mm/s) zu schreiben und die frequenzkorrigierte QT-Zeit nach Bazett (QTc) manuell zu bestimmen. Bei Dosiserhöhungen zu späterem Zeitpunkt muss ein solches EKG vorher und zwei Wochen nachher geschrieben werden.

Danach haben EKG-Kontrollen zumindest jährlich zu erfolgen. Patienten mit QTc-Vorwerten über 420 ms, oder mit einem QTc-Anstieg von über 60 ms unter PK-Merz Infusion resp. PK-Merz Filmtabletten oder mit QTc-Zeiten >480 ms unter PK-Merz Infusion resp. PK-Merz Filmtabletten sowie mit erkennbaren U-Wellen sind von der Behandlung auszuschliessen.

Damit kann bei gleichzeitiger Beachtung der Kontraindikationen die sehr seltene, aber bedrohliche unerwünschte Wirkung Torsade-de pointes-Kammertachykardie verhindert werden.

Infusionslösung

Übliche Dosierung

Die Einstellung der Patienten hat grundsätzlich individuell zu erfolgen.

Im allgemeinen sind 1-2× täglich 500 ml ausreichend; die Dosierung kann bis zu 3× 500 ml täglich erhöht werden.

Infusionsdauer: 3 Std. i. v. (maximal 55 Tropfen/min).

Zu beachten

Ein plötzliches Absetzen von PK-Merz Infusion ist zu vermeiden, da es sonst bei Parkinsonpatienten zu starker Verschlechterung der extrapyramidalen Symptomatik bis hin zur akinetischen Krise kommen kann.

Filmtabletten

Übliche Dosierung

Für PK-Merz Filmtabletten empfiehlt es sich, in den ersten 3 Tagen mit 1 Filmtablette/Tag zu beginnen und dann auf die Regeldosis von 2 Filmtabletten/Tag zu steigern, wobei eine weitere wöchentliche Steigerung um 1 Filmtablette/Tag möglich ist. Die Einnahme sollte jeweils nach dem Essen erfolgen.

In besonderen Fällen kann unter Kontrolle des Arztes die Dosis auf 5-6 Filmtabletten/Tag erhöht werden. Die Dosis von 6 Filmtabletten/Tag soll nicht überschritten werden. Dabei ist es zweckmässig, dass die letzte tägliche Dosis bis zum späten Nachmittag eingenommen wird, um bei empfindlichen Patienten Einschlafstörungen zu vermeiden.

Bei älteren Patienten, insbesondere solchen mit Erregungs- und Verwirrtheitszuständen, sollte mit einer geringeren Dosis begonnen werden.

PK-Merz Filmtabletten können mit anderen Antiparkinsonmitteln kombiniert werden. In diesem Fall ist die Dosierung individuell anzupassen.

Zu beachten

Ein plötzliches Absetzen von PK-Merz Filmtabletten ist zu vermeiden, da es sonst bei Parkinsonpatienten zu starker Verschlechterung der extrapyramidalen Symptomatik bis hin zur akinetischen Krise kommen kann und Absetzerscheinungen bis hin zu einem Delir auftreten können.

Spezielle Dosierungsanweisungen

Ausreichende Erfahrungen bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren liegen nicht vor.

Bei niereninsuffizienten Patienten ist die Erhaltungsdosis nach erfolgter individueller Einstellung unbedingt zu reduzieren, da sich die Halbwertszeit erheblich verlängern kann.

Infusionslösung und Tabletten

Bei eingeschränkter Nierenfunktion wird folgendes Dosierungsschema vorgeschlagen:

GFR (ml/min.)Erhaltungsdosis (mg)Dosierungsintervall
80-6010012 Stunden
60-50200 bzw. 100jeden 2. Tag abwechselnd
50-3010024 Stunden
30-202002× wöchentlich
20-101003× wöchentlich
<10 u. Hämodialysepatienten200 u. 100wöchentlich oder jede 2. Woche

Um die glomeruläre Filtrationsrate (GFR) abschätzen zu können, darf folgende Näherung angewandt werden:

ClKr = (140 – Alter) × Gewicht : 72 × Kreatinin

Wobei ClKr = Kreatininclearance in ml/min und

Kreatinin = Serumkreatinin in mg/100 ml ist.

Der so berechnete Wert der Kreatininclearance gilt für Männer, er beträgt für Frauen ca. 85% und darf der Inulinclearance zur Ermittlung der GFR (beim Erwachsenen 120 ml/min) gleichgesetzt werden. Amantadin ist nur bedingt dialysierfähig (ca. 5%).

Kontraindikationen

PK-Merz darf nicht angewendet werden bei Patienten mit:

  • Überempfindlichkeit gegenüber Amantadinverbindungen oder einem der anderen Bestandteile des Arzneimittels. PK-Merz Filmtabletten enthalten einen Azofarbstoff (Gelborange S (E 110)) und dürfen deshalb bei Patienten mit Überempfindlichkeitsreaktionen gegenüber Azofarbstoffen, Acetylsalicylsäure und anderen Prostaglandinhemmern nicht angewendet werden;
  • schwerer nicht kompensierter Herzinsuffizienz (Stadium NYHA IV);
  • Kardiomyopathien und Myocarditiden;
  • AV-Block Grad II und III;
  • vorbekannter Bradykardie unter 55 Schläge/min;
  • bekanntem langem QT-Intervall (QTc nach Bazett >420 ms) oder erkennbaren U-Wellen oder angeborenem QT-Syndrom in der Familienanamnese;
  • einer Vorgeschichte von schwerwiegenden ventrikulären Arrhythmien einschliesslich Torsade de pointes;
  • gleichzeitiger Therapie mit QT-verlängerenden Arzneimitteln (siehe «Interaktionen»);
  • Erregungs- und Verwirrtheitszuständen;
  • deliranten Syndromen sowie exogenen Psychosen in der Anamnese;
  • Engwinkelglaukom.

PK-Merz darf in der Schwangerschaft nicht angewendet werden.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

PK-Merz Infusion sollte nicht angewendet werden bei:

  • schwerer Niereninsuffizienz (Kreatininclearance <10 ml/min).

PK-Merz darf nur unter besonderer Vorsicht angewendet werden bei Patienten mit:

  • Prostatahypertrophie;
  • Niereninsuffizienz (verschiedener Schweregrade; durch eine Verschlechterung der Filtrationsleistung der Nieren besteht die Gefahr der Kumulation, vgl. Dosierung sonstige Hinweise);
  • sowie bei Patienten, die mit Memantin behandelt werden (siehe «Interaktionen»).

Vor Therapiebeginn und zu den Zeitpunkten 1 und 3 Wochen danach ist ein EKG (50 mm/s) zu schreiben und die frequenzkorrigierte QT-Zeit nach Bazett (QTc) manuell zu bestimmen. Bei Dosiserhöhungen zu späterem Zeitpunkt muss ein solches EKG vorher und zwei Wochen nachher geschrieben werden. Danach haben EKG-Kontrollen zumindest jährlich zu erfolgen. Patienten mit QTc-Vorwerten über 420 ms oder mit einem QTc-Anstieg von über 60 ms unter PK-Merz oder mit QTc-Zeiten >480 ms unter PK-Merz sowie mit erkennbaren U-Wellen sind von der Behandlung auszuschliessen.

Bei Risikogruppen für Elektrolytstörungen, z.B. Diuretikamedikation, häufigem Erbrechen und/oder Durchfall, Anwendung von Insulin in Notfallsituationen, Nierenerkrankungen oder anorektischen Zuständen sind adäquate Laborkontrollen und ein entsprechender Elektrolyt-Ausgleich durchzuführen, insbesondere für Kalium und Magnesium.

Sobald Symptome wie Palpitationen, Schwindel oder Synkopen auftreten, ist PK-Merz abzusetzen und der Patient – innerhalb von 24 Stunden – auf eine eventuelle QT-Verlängerung zu untersuchen. Wenn keine QT-Verlängerung vorliegt, kann PK-Merz unter Berücksichtigung der Kontraindikationen und Interaktionen wieder eingesetzt werden.

Bei Herzschrittmacherpatienten ist die exakte Bestimmung der QT-Zeiten nicht möglich. Daher muss die Entscheidung über eine PK-Merz-Therapie in Abstimmung mit dem behandelnden Kardiologen individuell erfolgen.

Die zusätzliche Gabe von Amantadin zur Prophylaxe und Behandlung der Virusgrippe Typ A ist nicht sinnvoll und wegen der Gefahr der Überdosierung zu vermeiden.

Bei Patienten, die gleichzeitig mit Neuroleptika und PK-Merz behandelt werden, besteht die Gefahr des Auftretens eines lebensbedrohlichen malignen neuroleptischen Syndroms, wenn PK-Merz plötzlich abgesetzt wird.

Bei gestörter Nierenfunktion kann es zur Intoxikation kommen.

Bei Patienten mit einem hirnorganischen Psychosyndrom sowie bekannter Anfallsbereitschaft erfordert die Anwendung von PK-Merz besondere Vorsicht, da sich einzelne Krankheitssymptome verschlechtern und Krampfanfälle auftreten können (vgl. «Unerwünschte Wirkungen» und «Dosierung/Anwendung» beachten). Diese Patienten müssen bei der Gabe von PK-Merz unter ständiger ärztlicher Kontrolle stehen.

Patienten mit bekannten Herz-Kreislauferkrankungen müssen während der gleichzeitigen Behandlung mit PK-Merz unter regelmässiger ärztlicher Kontrolle stehen.

Oft werden bei Parkinson-Patienten Krankheitszeichen wie niedriger Blutdruck, Speichelfluss, Schweissausbrüche, erhöhte Körpertemperatur, Hitzestauungen, Wasseransammlungen und depressive Verstimmungen beobachtet. Sie sind unter Beachtung der «Unerwünschten Wirkungen» und «Interaktionen» von PK-Merz zu behandeln.

Die Patienten sollen aufgefordert werden, beim Auftreten von Beschwerden beim Wasserlassen den behandelnden Arzt aufzusuchen.

Besondere Aufmerksamkeit ist erforderlich bei Patienten mit schweren Leberfunktionsstörungen, Myasthenia gravis, einem rezidivierenden Ekzem oder Magenulcus.

Bis zu 50% aller Parkinsonpatienten zeigen depressive Symptome, was das Risiko von Suizidgedanken und Suizidversuchen wahrscheinlicher macht. Über eine geringe Zahl von Suizidversuchen, einige mit tödlichem Ausgang, wurde unter der Behandlung mit Amantadin berichtet. Rezepte sollten deshalb für die geringste, mit guter Patientenbetreuung in Einklang stehende Menge ausgestellt werden.

Interaktionen

Von einer gleichzeitigen Verabreichung stimulierender Medikamente, z.B. Sympathomimetika oder Appetitzügler, ist während der Behandlung mit PK-Merz abzusehen.

Es liegen keine gezielten Untersuchungen über das Auftreten von Interaktionen nach Verabreichung von PK-Merz mit anderen Antiparkinsonmitteln (z.B. mit Levodopa, Bromocriptin, Trihexyphenidyl etc.) und mit Memantin vor (Unerwünschte Wirkungen beachten).

Die gleichzeitige Anwendung von Amantadin mit anderen Arzneimitteln, für die eine Verlängerung des QT-Intervalls bekannt ist, ist kontraindiziert. Beispiele sind:

  • bestimmte Antiarrhythmika der Klasse IA (wie z.B. Chinidin, Disopyramid, Procainamid) und der Klasse III (wie Amiodaron, Sotalol);
  • bestimmte Antipsychotika (wie z.B. Thioridazin, Chlorpromazin, Haloperidol, Pimozid);
  • bestimmte tri- und tetracyclische Antidepressiva (wie z.B. Amitriptylin);
  • bestimmte Antihistaminika (wie z.B. Astemizol, Terfenadin);
  • bestimmte Makrolidantibiotika (wie z.B. Erythromycin, Clarithromycin);
  • bestimmte Gyrasehemmer (wie z.B. Sparfloxacin);
  • Azol-Antimykotika sowie weitere Arzneimittel wie Budipin, Halofantrin, Cotrimoxazol, Pentamidin, Cisaprid oder Bepridil.

Diese Aufzählung kann nicht vollständig sein. Vor der gleichzeitigen Anwendung von Amantadin mit einem anderen Arzneimittel ist dessen Fachinformation dahingehend zu prüfen, ob eine Interaktion durch QT-Verlängerung zwischen diesem Mittel und Amantadin möglich ist.

Bei gleichzeitiger Therapie mit PK-Merz und den im Folgenden aufgeführten Arzneimittelgruppen bzw. Wirkstoffen kann es zu den im folgenden beschriebenen Interaktionen kommen:

Anticholinergika

Verstärkung von unerwünschten Wirkungen der Anticholinergika (Verwirrtheitszustände und Halluzinationen) bei Kombination z.B. mit Trihexyphenidyl, Benzatropin, Scopolamin, Biperiden, Orphenadrin etc.

Indirekt zentral wirkende Sympathomimetika

Verstärkung der zentralen Wirkung von Amantadin.

Alkohol

Verminderung der Alkoholtoleranz.

Levodopa (Antiparkinsonmittel)

Gegenseitige Verstärkung der therapeutischen Wirkung.

Levodopa kann mit PK-Merz kombiniert werden.

Memantin

Memantin kann die Wirkung und unerwünschte Wirkungen von PK-Merz verstärken (Kontraindikationen beachten).

Die gleichzeitige Gabe von Diuretika vom Typ der Kombination Triamteren/Hydrochlorothiazid kann die Plasmaclearance von Amantadin reduzieren und zu toxischen Plasmakonzentrationen führen. Eine gleichzeitige Anwendung sollte daher unterbleiben.

Schwangerschaft/Stillzeit

Schwangerschaft

Zur Anwendung von Amantadin während der Schwangerschaft beim Menschen liegen Fallberichte vor, in denen von gesunden Kindern, aber auch von Schwangerschaftskomplikationen und Fehlbildungen (kardiovaskuläre Defekte, Reduktion der Gliedmassen) berichtet wurde.

Amantadin ist bei schwangeren Frauen kontraindiziert (siehe «Kontraindikationen»). Frauen im gebärfähigen Alter sollten, falls eine Behandlung notwendig ist, während der Behandlung zuverlässige Verhütungs-methoden anwenden.

Amantadin erwies sich in Tierstudien an Ratten nach hohen Dosen als embryotoxisch und teratogen (siehe «Präklinische Daten»).

Stillzeit

Amantadin geht in die Muttermilch über. Ist eine Anwendung während der Stillzeit erforderlich, sollte der Säugling auf mögliche Arzneimittelwirkungen (Hautausschlag, Harnretention, Erbrechen) beobachtet und wenn notwendig abgestillt werden.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Auswirkungen auf die Vigilanz und Akkomodation sind – auch im Zusammenwirken mit anderen Mitteln zur Behandlung der Parkinsonsyndrome – nicht auszuschliessen. Zu Beginn der Behandlung kann es daher – über die krankheitsbedingten Einschränkungen hinaus – zu einer Verminderung der Fahrtüchtigkeit und der Fähigkeit, Maschinen zu bedienen, kommen. Dies gilt im verstärkten Masse bei gleichzeitigem Alkoholkonsum.

Unerwünschte Wirkungen

Psychiatrische Erkrankungen

Häufig können Schlafstörungen und psychische Unruhe/Nervosität auftreten.

Gelegentlich traten auf: Depression, Angstzustände, Agitation, gehobene Stimmung, Albträume. Besonders bei prädisponierten älteren Patienten können paranoid gefärbte, mit optischen Halluzinationen einhergehende exogene Psychosen ausgelöst werden. Diese unerwünschten Wirkungen können besonders bei Kombination von PK-Merz mit anderen Antiparkinsonmitteln (z.B. Levodopa, Bromocriptin) sowie mit Memantin häufiger auftreten.

Berichtet wurde über Delirium und Manie. Ihre Inzidenz ist aber nicht ohne weiteres aus der Literatur ersichtlich.

Erkrankungen des Nervensystems

Häufig kann motorische Unruhe auftreten. Gelegentlich bis häufig kommt es zu Schwindel, orthostatischer Dysregulation und sehr selten bis selten zu Verschwommensehen. Gelegentlich traten auf: undeutliche Sprache, Kopfschmerzen und Ataxie.

Selten wurde die Auslösung epileptischer Anfälle, meist im Zusammenhang mit höheren als den empfohlenen Dosen beobachtet.

Sehr selten wurden Myoklonien und Symptome einer peripheren Neuropathie beschrieben.

Augenerkrankungen

Selten wurden Hornhautläsionen, z.B. punktförmige subepitheliale Trübung, eventuell verbunden mit oberflächlicher Keratitis punctata, Hornhautepithelödem und starkem Verlust der Sehschärfe.

Sehr selten ist vorübergehender Visusverlust berichtet worden.

Herzerkrankungen

Sehr selten wurde über kardiale Arrhythmien wie ventrikulärer Tachykardie, Kammerflimmern, Torsades de pointes und QT-Verlängerungen berichtet. In den meisten dieser Fälle lagen Überdosierungen, bestimmte Komedikationen oder Risikofaktoren für kardiale Arrhythmien vor (siehe «Kontraindikationen» sowie «Interaktionen»).

Gefässerkrankungen

Häufig ist auch die Ausbildung einer Livedo reticularis (Bild einer «marmorierten Haut»), zuweilen verbunden mit Ödemen im Unterschenkel- und Knöchelbereich, zu beobachten.

Erkrankungen des Gastro-Intestinaltraktes

Gelegentlich bis häufig kommt es zu Übelkeit, Erbrechen, Obstipation, Mundtrockenheit und Anorexie.

Selten ist Diarrhoe berichtet worden.

Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes/Überempfindlichkeitsreaktionen

Selten wurde über Diaphorese und Exanthem berichtet. Sehr selten ist gesteigerte Lichtempfindlichkeit berichtet worden.

Der in den PK-Merz enthaltene Azofarbstoff Gelborange S (E110) kann Überempfindlichkeitsreaktionen der Haut und Atmungsorgane auslösen, insbesondere bei Patienten mit Asthma, chronischer Urtikaria oder mit Überempfindlichkeit auf nichtsteroidale Antirheumatica.

Sehr selten wurde über eine anaphylaktische Reaktion nach Infusionstherapie berichtet.

Erkrankungen der Niere und Harnwege

Häufig kann Harnretention bei Prostatahypertrophie auftreten.

Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems/Laborwerte

Sehr selten wurden beobachtet: Leukopenie, reversible Erhöhung von Leberenzymen.

Nach Infusionstherapie sind die oben beschriebenen unerwünschten Wirkungen seltener berichtet worden.

Überdosierung

Grundsätzlich sollte immer an die Möglichkeit einer Mehrfachintoxikation, beispielsweise bei Einnahme mehrerer Arzneimittel in suizidaler Absicht, gedacht werden.

a) Symptome einer Überdosierung

Der akute Intoxikationszustand ist gekennzeichnet durch Übelkeit, Erbrechen, Übererregbarkeit, Tremor, Ataxie, Verschwommensehen, Lethargie, Depression, Dysarthrie und zerebrale Krampfanfälle; in einem Fall wurde eine maligne kardiale Arrhythmie berichtet.

Akute toxische Psychosen in Form von Verwirrtheitszuständen mit visuellen Halluzinationen bis hin zum Koma sowie Myoklonus wurden bei gleichzeitiger Verabreichung von Amantadin mit anderen Antiparkinsonmitteln beobachtet.

b) Therapiemassnahmen bei Überdosierung

Eine spezifische medikamentöse Therapie oder ein Antidot ist nicht bekannt. Bei Intoxikation mit PK-Merz Filmtabletten ist Erbrechen auszulösen und/oder eine Magenspülung vorzunehmen.

Bei vital bedrohlichen Intoxikationen sind Intensivüberwachungsmassnahmen erforderlich. Therapeutisch kommen ferner Flüssigkeitszufuhr, Ansäuerung des Urins zur schnelleren Ausscheidung der Substanz, ggf. Sedierung, antikonvulsive Massnahmen und Antiarrhythmika (Lidocain i. v.) in Frage.

Zur Behandlung neurotoxischer Symptome (wie oben beschrieben) kann bei Erwachsenen die intravenöse Gabe von 1–2 mg Physostigmin alle 2 Stunden, bei Kindern 0,5 mg 2-mal in Abständen von 5 bis 10 Minuten bis zu einer Maximaldosis von 2 mg versucht werden. Aufgrund der geringen Dialysierbarkeit von Amantadin (ca. 5%) ist eine Hämodialyse nicht sinnvoll.

Es wird empfohlen, die Patienten hinsichtlich einer möglichen QT-Verlängerung und Faktoren, die das Auftreten von Torsade de pointes begünstigen – z.B. Elektrolytstörungen (insbesondere Hypokaliämie und Hypomagnesiämie) oder Bradykardie – besonders zu beobachten.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: N04BB01

Beim Parkinsonismus bessert PK-Merz die wesentlichen und behindernden Symptome Rigor, Tremor und Akinese. Zudem ist eine psychische Aufhellung mit vermehrter Anteilnahme an der Umgebung möglich. 

Wirkungsmechanismus/Pharmakodynamik

Amantadin hat gegen die Symptome der Parkinsonerkrankung wirkende Eigenschaften. Der antiparkinsonistische Wirkungsmechanismus ist komplex und bislang nicht voll aufgeklärt. Neueste Untersuchungen zum Wirkmechanismus belegen die antagonistische Wirkung am NMDA-assoziierten Ionenkanal in den Basalganglien.

NMDA-Antagonisten wirken funktional gleichsinnig wie Dopamin, wodurch verhaltenspharmakologisch festgestellte, dopaminartige Wirkungen erklärt werden können. Daneben spielen auch geringe anticholinerge Wirkungen von Amantadin eine Rolle.

Pharmakokinetik

Absorption, Distribution

Amantadin wird nach oraler Gabe schnell und vollständig aus dem Gastrointestinaltrakt resorbiert. Maximale Plasmakonzentrationen werden im Mittel nach etwa 2 (Präparat mit Amantadinhydrochlorid) bzw. 8 (Präparat mit Amantadinsulfat, wie z.B. PK-Merz) Stunden (tmax) nach Gabe einer Einzeldosis erreicht. Das leicht lösliche Amantadinhydrochlorid gibt eine höhere Amantadin-Plasmaspitzen-konzentration als das schwerer lösliche Amantadinsulfat, dessen maximale Plasmaspitzenkonzentration (Cmax) später auftritt als die des Hydrochlorids. Nach einer peroralen Einzeldosis von 250 mg Amantadinhydrochlorid wird eine Cmax von 0,5 µg/ml erreicht. Bei einer Dosierung von 200 mg/Tag tritt ein Steady-state nach 4–7 Tagen ein, wobei Plasmaspiegel zwischen 400–900 ng/ml erreicht wurden. Nach Einnahme von 100 mg Amantadinsulfat beträgt die Cmax 0,15 µg/ml.

Die Gesamtmenge an resorbiertem Wirkstoff (AUC-Wert) unterscheidet sich für beide Salze des Amantadins nicht.

Die Plasmaclearance war mit der renalen Clearance identisch, sie betrug bei gesunden älteren Probanden 17,7 ± 10 l/h. Das scheinbare Verteilungsvolumen (4,2 ± 1,9 l/kg) ist altersabhängig; es beträgt bei Älteren 6,0 l/kg.

Elimination

Die Eliminationshalbwertszeit (HWZ) beträgt zwischen 10 bis 30 Stunden, im Mittel etwa 15 Stunden. Sie wird entscheidend vom Alter der Patienten beeinflusst. Amantadin wird zu etwa 67% (in vitro) an Plasmaproteine gebunden, ca 33% befinden sich als freie Fraktion im Plasma. Die Blut-Hirn-Schranke wird mit Hilfe eines sättigbaren Transportsystems überwunden.

Amantadin wird nahezu vollständig unverändert mit dem Urin ausgeschieden (90% der Einmaldosis), geringe Mengen mit den Faeces.

Metabolismus

Beim Menschen wird Amantadin nicht metabolisiert.

Kinetik spezieller Patientengruppen

Ältere männliche Patienten (62 bis 72 Jahre) zeigen eine Eliminationshalbwertszeit um 30 Stunden.

Bei niereninsuffizienten Patienten kann es zu einer erheblichen Verlängerung der terminalen Halbwertszeit auf 68 ± 10 Stunden kommen, daher sind die speziellen Dosierungsangaben (siehe unter Dosierung) genau einzuhalten.

Die Dialysierbarkeit von Amantadinhydrochlorid ist gering und liegt bei 5% für eine Einzeldialyse.

Präklinische Daten

Amantadin hat Wirkungen auf die Elektrophysiologie des Herzens, es verlängert u.a. die Aktionspotentialdauer über eine Hemmung repolarisierender Kaliumströme. Bei Hunden und Affen werden vereinzelt Extrasystolen beobachtet. Diese Effekte können in seltenen Fällen auch beim Menschen zu bestimmten Fällen von Herzrhythmusstörungen (Spitzenumkehrtachykardien oder Torsade-de pointes-Arrhythmien) führen.

In einer Mutagenitätsprüfung mit etablierten in-vitro- und in-vivo-Tests ergaben sich für Amantadin keine Hinweise auf ein genotoxisches Potential.

Langzeituntersuchungen zur Kanzerogenität von Amantadin liegen nicht vor. Embryotoxizitäts- und Teratogenitätsstudien an Ratten, Mäusen und Kaninchen haben nur bei Ratten embryoletale Wirkungen und Fehlbildungen ab einer Dosis von 50 mg/kg KG/Tag gezeigt. Es traten vermehrt Ödeme, Fehlstellungen der Hinterbeine und Skelettanomalien (fehlende Rippen, Aplasie der Schwanzwirbelsäule) auf.

Auswirkungen auf die Fertilität sind unzureichend untersucht, es liegen Hinweise auf eine Fertilitätsbeeinträchtigung ab einer Dosis von 32 mg/kg KG/Tag bei Ratten vor.

Untersuchungen über den Peri-/Postnatalzeitraum wurden nicht durchgeführt.

Sonstige Hinweise

Inkompatibilitäten

Da keine Verträglichkeitsstudien durchgeführt wurden, darf dieses Arzneimittel nicht mit anderen Arzneimitteln gemischt werden.

Haltbarkeit

Das Arzneimittel darf nur bis zu dem auf dem Behälter mit «Exp» bezeichneten Datum aufbewahrt werden.

Besondere Lagerungshinweise

Bei Raumtemperatur (15–25 °C) und ausser Reichweite von Kindern aufbewahren.

Hinweise für die Handhabung

PK-Merz Infusionslösung ist nur zu verwenden, wenn der Verschluss unversehrt und die Lösung klar ist. Nach Anbruch Rest verwerfen.

Die Filmtabletten besitzen eine einseitige Zierkerbe, die nicht zum Teilen der Filmtablette in gleiche Dosen dient.

Zulassungsnummer

44135, 45413 (Swissmedic).

Zulassungsinhaberin

Merz Pharma (Schweiz) AG, 4123 Allschwil.

Stand der Information

März 2014.

08.14 V02

Verwendung dieser Informationen

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