Phosphonorm Kaps 300 Mg 100 Stk

Phosphonorm Kaps 300 Mg 100 Stk

Fachinformationen

Zusammensetzung

Wirkstoff: Aluminium hydroxydatum chloratum hydratum.

Hilfsstoffe: Excipiens pro capsula.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Kapsel à 300 mg.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Verminderung der Phosphatresorption bei fortgeschrittener Niereninsuffizienz mit Hyperphosphatämie und sekundärem Hyperparathyreoidismus als:

  1. Initialbehandlung der Hyperphosphatämie bis zur Normalisierung des Serumphosphats (anschliessend Fortsetzung der Therapie mit calciumhaltigen Phosphatbindern).
  2. Kombinationsbehandlung mit calciumhaltigen Phosphatbindern bei unzureichender Phosphatsenkung durch Monotherapie mit Calciumsalzen.
  3. Therapie bei gleichzeitiger Hypercalcämie.

Dosierung/Anwendung

Erwachsene: Die Dosierung richtet sich nach der Höhe des Serum-Phosphatspiegels. Entscheidend für die Festlegung der Einzel- und Tagesdosen sind Anzahl und Phosphatgehalt der einzelnen Mahlzeiten.

Im Allgemeinen beträgt die Dosierung 3-6 Kapseln/Tag.

Die Kapseln sollen unzerkaut über den Tag verteilt kurz vor den Mahlzeiten eingenommen werden.

Kinder und Jugendliche: Die Anwendung und Sicherheit von Phosphonorm Kapseln bei Kindern und Jugendlichen ist bisher nicht geprüft worden.

Kontraindikationen

Phosphonorm darf nicht angewendet werden bei:

Hypophosphatämie; Zeichen einer Aluminiumintoxikation (Dialyse-Osteomalazie, Dialyse, Enzephalopathie, aluminiumassoziierte, mikrozytäre, hypochrome Anämie); Säuglingen (unter 1 Monat); Obstipation, bekannte Dickdarmstenose; Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder einem der Hilfsstoffe.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Bei fortgeschrittener Niereninsuffizienz ist die renale Elimination von Aluminium stark beeinträchtigt, was zu einer Einlagerung des Kations in Knochen- und Nervengewebe und schliesslich zu aluminiumassoziierter Osteomalazie und Encephalopathie führen kann. Es empfiehlt sich daher eine Kontrolle des Aluminiumspiegels im Plasma, eine Bestimmung des ossären Aluminiumgehalts in halbjährlichen Abständen und eine regelmässige neurologische Untersuchung einschliesslich EEG, um eine beginnende Aluminiumintoxikation frühzeitig zu erkennen.

Aufgrund fehlender Daten wird die Anwendung bei Kindern und Jugendlichen nicht empfohlen.

Interaktionen

Wenn Phosphonorm mit anderen Medikamenten genommen wird, kann sich deren Resorption verändern.

Tetrazykline und verschiedene Chinolonantibiotika (Gyrasehemmer), z.B. Ciprofloxazin und Ofloxacin, bilden mit Aluminiumionen nichtresorbierbare Chelatkomplexe und können ihre Wirksamkeit in Gegenwart von Phosphonorm weitgehend einbüssen. Auch die Resorption von Digoxin, Captopril, den H2-Antagonisten Cimetidin, Ranitidin und Famotidin sowie von Theophyllin, Propranolol, Atenolol, Ketoconazol, Chenodesoxycholsäure, Chlorpromazin und Eisensalzen kann beeinträchtig sein.

Im Einzelfall lässt sich das Ausmass möglicher Wechselwirkungen nicht vorhersagen; zwischen der Einnahme von Phosphonorm und anderen Medikamenten sollten zwei Stunden liegen.

Die gleichzeitige Gabe von Citronensäure oder Citraten (z.B. Calciumcitrat als Phosphatbinder) kann die Resorption von Aluminiumionen aus Phosphonorm begünstigen und der Entwicklung einer Aluminiumintoxikation Vorschub leisten.

Gleiches gilt (wegen des Gehalts an Fruchtsäuren) für den Genuss von Obstsäften und Wein zusammen mit Phosphonorm.

Schwangerschaft/Stillzeit

Tierstudien mit Aluminiumhydroxid haben unerwünschte Effekte auf den Embryo und Föten gezeigt, und es existieren keine kontrollierten Humanstudien. Unter diesen Umständen soll das Medikament während der Schwangerschaft nicht angewendet werden, es sei denn es ist klar notwendig. Während der Stillzeit soll Phosphonorm nicht angewendet werden, da die Substanz in die Muttermilch übergeht.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Phosphonorm hat keinen Einfluss auf die Fahrtüchtigkeit oder die Fähigkeit, Maschinen zu bedienen.

Unerwünschte Wirkungen

Gastrointestinale Störungen

Häufigkeit unbekannt

Besonders bei hoher Dosierung kann eine Obstipation auftreten.

Es sind Darmverschlüsse durch Aluminiumhydroxid beobachtet worden.

Störungen des Nerven- und Muskelskelettsystems

Häufigkeit unbekannt

Nach Gabe hoher Dosen von Phosphonorm über längere Zeiträume kann es bei fortgeschrittener Niereninsuffizienz zu erhöhten Aluminiumspiegeln im Serum, zu Aluminiumeinlagerung vor allem in Knochen- und Nervengewebe und zu einer manifesten Aluminiumvergiftung kommen, da die erkrankten Nieren Aluminium nicht mehr auszuscheiden vermögen. Die Aluminium­intoxikation kann sich in Osteomalazie, Encephalopathie, mikrozytärer hypochromer Anämie und proximaler Myopathie äussern; die häufigste Erscheinungsform bei terminaler Niereninsuffizienz ist die Osteomalazie (Dialyse-Osteomalazie). Sie ist gekennzeichnet durch anhaltende Knochenschmerzen und Spontanfrakturen. Die Leitsymptome einer Encephalopathie sind:

  • Sprachstörungen, die anfangs nur während der Dialyse auftreten.
  • Störungen der motorischen Koordination.
  • Nachlassen der geistigen Fähigkeiten, die Erscheinungen reichen von Konzentrationsstörungen bis zur Demenz.
  • Krampfanfälle: häufig Myoklonien, seltener tonisch-klonische Krämpfe.
  • Gelegentlich toxische Psychosen mit Halluzinationen und Delirien.

Warum nur bei wenigen Patienten mit terminaler Niereninsuffizienz eine erhöhte gastrointestinale Aluminiumresorption auftritt und nur ein Teil der Patienten, deren Organismus mit Aluminium belastet ist, eine klinische Symptomatik entwickelt, ist bisher ungeklärt.

Überdosierung

Bei den ersten Zeichen einer Intoxikation muss Phosphonorm sofort abgesetzt werden und jede Aluminiumzufuhr aus anderen Quellen unbedingt unterbleiben.

Trotz der geringen Löslichkeit des verwendeten Aluminiumhydroxids kann es nach Zufuhr hoher Mengen von Phosphonorm zu einer merklichen Resorption von Aluminium kommen, das bei fortgeschrittener Niereninsuffizienz nicht mehr eliminiert wird (Komplikationen: Siehe «Unerwünschte Wirkungen»). Es wird im Rahmen der Dialyse durch Deferoxamin entfernt.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: M05BX02

Wirkungsmechanismus

Chronische Niereninsuffizienz führt zu erhöhten Serumphosphatspiegeln. Phosphonorm bindet das mit der Nahrung zugeführte Phosphat im Darm und vermindert dessen Resorption. Phosphonorm enthält als Wirkstoff einen Aluminiumchloridhydroxid-Komplex, der unabhängig von der Magensäure wirkt. Phosphonorm ist kein Antacidum sondern ein Phosphatbinder.

Pharmakodynamik

Nach oraler Verabreichung reagieren Aluminiumhydroxide mit der Salzsäure des Magens zu löslichen Aluminiumhydroxiden mit pH-Werten von 3-5. Diese reagieren im neutralen Milieu des Darms, pH= 6-8, mit Phosphat zu unlöslichem Aluminiumphosphat, das mit den Fäzes ausgeschieden wird. Die Resorption von Phosphat wird verhindert.

Schematische Darstellung

Al(OH)3 + HCl → Al(OH)2 Cl → AlPO4.

Die Wirkung von Aluminiumhydroxid als Phosphatbinder hängt daher wesentlich von der vorherigen Reaktion mit der Salzsäure des Magens ab.

Der in Phosphonorm verwendete Aluminium-chlorid-hydroxid-Komplex mit seinem pH-Wert von 3,5-5,0 wirkt ohne eine vorherige Reaktion mit der Salzsäure des Magens und bindet direkt Phosphat im Dünndarm.

Der Wirkstoff in Phosphonorm wird nur in geringem Ausmass aus dem Darm resorbiert und bei Nierengesunden wieder mit dem Harn ausgeschieden. Der durch Reaktion mit Phosphat im Dünndarm gebildete Aluminium-phosphat-Komplex wird ohne Resorption in Fäzes ausgeschieden. Aluminium kann bei fortgeschrittener Niereninsuffizienz (insb. Dialysepatienten) kumulieren.

Pharmakokinetik

Im Darm bildet Aluminium mit Phosphat, Carbonat und Fettsäuren Salze, die weitgehend unresorbiert mit dem Stuhl ausgeschieden werden. Ein kleiner Teil des Aluminiums wird jedoch resorbiert und führt bei eingeschränkter Nierenfunktion zur dauerhaften Erhöhung der Serumkonzentration von Aluminium und Aluminiumeinlagerung, vor allem in das Nerven- und Knochengewebe. Bei Nierengesunden ist die Erhöhung des Aluminiumspiegels nur passager, da es zu einer vorübergehenden Steigerung der renalen Aluminiumausscheidung kommt. Bei diesen Nierengesunden normalisieren sich die Serumaluminiumspiegel in drei bis vier Tagen nach Absetzen des Medikamentes. Die geringen Mengen resorbierten Aluminiums sind dialysabel. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass das verwendete Dialysat sicher frei von Aluminium ist (das zur Herstellung von Dialysat verwendete Wasser muss durch Ionenaustausch oder besser Umkehrosmose gereinigt sein).

Präklinische Daten

Es liegen keine relevanten präklinischen Daten zu möglichen mutagenen oder karzinogenen Effekten vor. In Tierversuchen mit anderen Aluminiumverbindungen traten embryo- und fötotoxische Effekte auf (erhöhte Resorptionsraten, Wachstumshemmung, Skelettdefekte und Erhöhung der fötalen und postnatalen Sterblichkeit).

Sonstige Hinweise

Haltbarkeit

Das Arzneimittel darf nur bis zu dem mit «EXP» bezeichneten Datum auf der Verpackung verwendet werden.

Besondere Lagerungshinweise

Bei Raumtemperatur (15–25 °C) lagern.

In der Originalverpackung aufbewahren, um den Inhalt vor Feuchtigkeit zu schützen.

Zulassungsnummer

45866 (Swissmedic).

Zulassungsinhaberin

Salmon Pharma, Basel.

Stand der Information

Dezember 2013.

Verwendung dieser Informationen

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