Petinutin Kaps 300 Mg 100 Stk

Petinutin Kaps 300 Mg 100 Stk

Fachinformationen

Zusammensetzung

Wirkstoff: Mesuximidum.

Hilfsstoffe: Maydis amylum, Gelatina, Lacca, Ammonii hydroxidum, Kalii hydroxidum, Natrii dodecylbenzensulfonas, Color.: E104, E110, E172.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Kapseln zu 300 mg Mesuximidum.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

– Psychomotorische Anfälle (Petit mal) im Rahmen gemischter Epilepsien.

– Absencen und psychomotorische Anfälle, deren Behandlung mit anderen Antiepileptika nicht zum gewünschten Erfolg geführt hat.

Dosierung/Anwendung

Die optimale Dosierung soll für jeden Patienten je nach Krankheitsbild individuell bestimmt werden. Sie ist diejenige Menge an Mesuximid, die gerade zur Anfallskontrolle ausreicht, so dass die Nebenwirkungen auf ein Minimum reduziert werden können. Die Behandlung erfolgt einschleichend mit langsam ansteigender Dosierung. Die verordnete Tagesmenge soll auf mehrere Einzelgaben verteilt werden, die am besten während den Mahlzeiten einzunehmen sind.

Initialtherapie

Erwachsene: Üblicherweise beginnt man die Behandlung in der ersten Woche mit der Einnahme von täglich einer Kapsel (300 mg). Wenn nötig, wird innerhalb der nächsten 3 Wochen in jeder Woche die Tagesdosis um 1 Kapsel erhöht, bis eine Dosis von maximal 4 Kapseln pro Tag erreicht ist.

Erhaltungstherapie

Als Erhaltungsdosis sind pro Tag im Allgemeinen 9,5–11 mg/kg KG ausreichend. Die Tagesgesamtdosis sollte 15 mg/kg KG nicht überschreiten. Die Dosis von Petinutin sollte nur langsam erhöht oder herabgesetzt werden. Ein eventuelles Absetzen von Petinutin sollte ausschleichend erfolgen.

Ein zusätzlicher Schutz vor grossen epileptischen Anfällen (Grand mal) ist in den meisten Fällen erforderlich.

Kombinationstherapie

Petinutin kann mit anderen Antikonvulsiva gemeinsam verabreicht werden, sofern im Krankheitsbild kombinierte Epilepsieformen auftreten.

Kinder und Jugendliche

Die Anwendung und Sicherheit von Petinutin bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren ist bisher nicht geprüft worden.

Kontraindikationen

Petinutin darf nicht angewendet werden bei bekannter Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff, anderen Succinimiden oder einem der Hilfsstoffe (siehe «Zusammensetzung»), sowie bei hepatischer Porphyrie und bei vorbestehenden hämatologischen Erkrankungen.

Petinutin enthält den Azofarbstoff E110. Bei Patienten mit Überempfindlichkeit gegenüber Azofarbstoffen, Acetylsalicylsäure und anderen Prostaglandinhemmern soll das Präparat mit Vorsicht angewendet werden.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Allgemein

Wie bei anderen Antiepileptika soll die Dosis nur langsam erhöht oder herabgesetzt werden. Ebenso sollten andere gleichzeitig verabreichte Arzneimittel ein- bzw. ausschleichend dosiert werden. Ein abruptes Absetzen eines Antiepileptikums kann Anfälle oder Absencen (Petit mal) auslösen. Wenn Mesuximid als Monotherapie zur Behandlung von gemischten Epilepsieformen eingesetzt wird, kann die Häufigkeit von Grand-mal-Anfällen bei einigen Patienten erhöht sein.

Hämatopoetische Effekte

Im Zusammenhang mit Succinimiden wurde über Blutbildstörungen berichtet, welche teilweise tödlich waren (siehe auch «Unerwünschte Wirkungen»). Deshalb werden bei Dauerbehandlung mit Petinutin regelmässige Blutbildkontrollen empfohlen, zunächst monatlich, nach 12 Monaten halbjährlich. Bei einer Leukozytenzahl kleiner als 3500/mm³ oder einem Anteil der Granulozyten kleiner als 25% erscheint eine Dosisreduktion oder ein Absetzen der Therapie angezeigt. Auf die klinischen Symptome einer Knochenmarkschädigung (Fieber, Angina, Hämorrhagien) ist besonders zu achten.

Leber-/Nierenschäden

Petinutin soll mit besonderer Vorsicht an Patienten mit Leber- und Nierenschäden verabreicht werden. Es wird empfohlen, den Urinstatus und die Leberfunktion bei allen mit Petinutin behandelten Patienten regelmässig zu kontrollieren. Beim Tier kann Mesuximid morphologische und funktionelle Veränderungen der Leber verursachen (siehe «Präklinische Daten»).

Autoimmunkrankheiten

Fälle von systemischem Lupus erythematodes unter Anwendung von Mesuximid wurden berichtet.

Psychiatrische Störungen

Es wird empfohlen, das Arzneimittel ausschleichend abzusetzen, falls ungewöhnliche Depressionen, Aggressivität oder andere Verhaltensveränderungen auftreten (siehe auch «Unerwünschte Wirkungen»).

Suizidale Gedanken und Verhaltensweisen

Einige Antiepileptika werden mit erhöhtem Risiko für suizidale Gedanken und suizidales Verhalten in Verbindung gebracht. Aufgrund einer Metaanalyse 11 verschiedener Antiepileptika, welche Mesuximid nicht einschloss, führten verschiedene Behörden ein entsprechendes Class-Label für Antiepileptika ein. Der Zusammenhang zwischen Mesuximid und erhöhtem Risiko für suizidale Gedanken und suizidalem Verhalten ist unbekannt. Alle Patienten, welche mit Antiepileptika behandelt werden, sollten regelmässig hinsichtlich Anzeichen für Depressionen, Angst und Suizidalität überwacht werden.

Interaktionen

Mesuximid erhöht in Kombination mit Phenytoin, Primidon oder Phenobarbital deren Plasmakonzentrationen.

Bei gleichzeitiger Einnahme von Felbamat kann der Plasmaspiegel des aktiven Metaboliten N-Demethyl-mesuximid erhöht sein. Eventuell muss die Petinutindosis reduziert werden.

Petinutin kann den Plasmaspiegel von Valproinsäure, Lamotrigin und Ciclosporin erniedrigen, weshalb eine Dosisanpassung dieser Arzneimittel notwendig sein kann.

Alkoholgenuss und Einnahme von Schlafmitteln sollten vermieden werden.

Schwangerschaft/Stillzeit

Schwangerschaft

Es existieren keine kontrollierten Humanstudien, experimentelle Untersuchungen an Tieren haben aber Hinweise auf teratogene Schädigungen ergeben (siehe «Präklinische Daten»). Allerdings kann auch das plötzliche Absetzen einer wirksamen antiepileptischen Therapie zu einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes der Mutter und somit zu einer Schädigung des Fötus führen.

Deshalb sollte die Behandlung überprüft werden, wenn eine Patientin schwanger wird oder eine Schwangerschaft plant. Falls die Therapie mit Mesuximid nicht ausgesetzt werden kann, sollte besonders zwischen dem 20. und 40. Schwangerschaftstag die Medikation auf eine möglichst niedrige Dosis angepasst werden. Zur weiteren Risikominderung sollte eine Kombination mit anderen Medikamenten vermieden werden.

Stillzeit

Unter der Behandlung mit Mesuximid darf nicht gestillt werden, da Mesuximid und sein Hauptmetabolit wahrscheinlich in die Muttermilch übergehen und keine Erfahrungen oder Daten über die Anwendung in der Stillzeit vorliegen.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Petinutin kann auch bei bestimmungsgemässem Gebrauch das Reaktionsvermögen so weit verändern, dass die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Strassenverkehr oder zum Bedienen von Maschinen beeinträchtigt wird. Dies gilt in verstärktem Masse im Zusammenwirken mit Alkohol.

Unerwünschte Wirkungen

Die untenstehend verwendeten Häufigkeitsangaben sind wie folgt definiert: sehr häufig: ≥10%, häufig: 1–10%, gelegentlich: 0,1–1%, selten: 0,01–0,1%, sehr selten: <0,01%.

Blut und Lymphsystem

Selten: Hämatologische Störungen mit oder ohne Schädigung des Knochenmarks (Eosinophilie, Leukopenie, Thrombozytopenie, Panzytopenie, aplastische Anämie, Monozytose). (Siehe auch «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen – Hämatopoetische Effekte».)

Immunsystem

Selten: Systemischer Lupus erythematodes.

Stoffwechsel- und Ernährungsstörungen

Selten: Anorexie, Gewichtsabnahme.

Psychiatrische Störungen

Selten: Aggressivität, akustische Halluzinationen, Depressionen, Gereiztheit, Nervosität, Psychosen bzw. psychotische Episoden mit Angstzuständen, Ruhelosigkeit, Konzentrationsstörungen oder anderen Wesensveränderungen, Suizidalität.

Nervensystem

Häufig: Ataxie, Schwindel, Schläfrigkeit.

Gelegentlich: Sedierende Wirkungen, Schlaflosigkeit.

Selten: Kopfschmerzen, Singultus.

Augen

Selten: Verschwommenes Sehen, Photophobie.

Gastrointestinaltrakt

Häufig: Übelkeit, Erbrechen.

Selten: Bauch- oder Oberbauchschmerzen, Obstipation und Durchfall.

Haut

Selten: Exanthem, Urticaria, Stevens-Johnson-Syndrom.

Nieren und Harnwege

Selten: Hämaturie, Proteinurie.

Sonstige unerwünschte Wirkungen

Selten: Fieber, Porphyrie, Anorexie, Gewichtsverlust.

Überdosierung

Die Symptomatik einer Überdosierung mit Petinutin entspricht den beschriebenen Nebenwirkungen in verstärkter Form. In Einzelfällen sind komatöse Zustände beobachtet worden.

Bei einer Überdosierung ist besonders darauf zu achten, dass die Symptomatik biphasisch verläuft, d.h. nach einer benignen Phase, in der die Patienten stuporös erscheinen, aber ansprechbar sind, kann es nach einem scheinbaren Erholungsintervall zu einem erneuten Koma kommen. Eine entsprechende Verlaufsbeobachtung wird empfohlen.

Als Sofortmassnahmen werden empfohlen: Emesis (ausser der Patient ist komatös oder hat einen Krampfanfall), Magenspülungen, die Gabe von Aktivkohle und eine intensivmedizinische Überwachung mit entsprechender symptomatischer Therapie. Eine Hämodialyse kann vorteilhaft sein. Gute Erfahrungen wurden auch mit der Hämoperfusion an einer Aktivkohle-Säule gemacht. Forcierte Diurese und Austauschtransfusion sind unwirksam. Ein spezifisches Antidot ist nicht bekannt.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: N03AD03

Mesuximid wird zur Behandlung von kleinen epileptischen Anfällen und Dämmerattacken verwendet. Mesuximid wirkt offenbar durch selektive Beeinflussung der entsprechenden Bereiche im Gehirn (motorische Kortexregionen), indem es die Reaktionsschwelle im Zentralnervensystem gegenüber krampfauslösenden Reizen erhöht. Es setzt die Anfallsbereitschaft herab und reduziert die Zahl der Anfälle. Mesuximid hat sich auch in Fällen bewährt, die mit anderen Antikonvulsiva nicht zufriedenstellend zu beeinflussen waren.

Pharmakokinetik

Absorption

Mesuximid wird nach oraler Gabe rasch resorbiert. Schon 15 Minuten nach der Applikation werden deutliche Plasmaspiegel gemessen, die nach 30–60 Minuten ihr Maximum erreichen.

Die therapeutischen Plasmakonzentrationen von N-Demethyl-mesuximid liegen bei 10–30 mg/l. Toxische Symptome traten bei Plasmakonzentrationen von 40 mg/l und darüber auf.

Distribution

Die Plasmaeiweissbindung ist gering.

Metabolismus

Mesuximid wird schnell zu N-Demethyl-mesuximid metabolisiert. Dieser Metabolit, der ebenfalls antikonvulsiv wirkt, herrscht schon nach kurzer Zeit im Plasma vor und leistet aufgrund seiner langen Halbwertzeit (28–38 h) einen wesentlichen Beitrag zur Wirksamkeit von Mesuximid. Hauptwege der Metabolisierung sind die schon beschriebene N-Demethylierung, die Hydroxylierung am Phenylrest sowie die Oxidation des Methylsubstituenten am Succinimid. Zum Teil werden die Abbauprodukte in Glucuronide überführt, die als wasserlösliche Verbindungen leicht renal eliminiert werden.

Elimination

Die Plasmahalbwertszeit von Mesuximid beträgt 1,4–2,6 Stunden, diejenige des aktiven Metaboliten N-Demethyl-mesuximid beträgt 28–38 Stunden.

Präklinische Daten

Akute und chronische Toxizität

Rhesus-Affen wurden 1 Jahr lang mit bis zu 200 mg Mesuximid peroral täglich behandelt. 50 und 100 mg/kg führten gelegentlich zu leichter Ataxie, 200 mg/kg regelmässig zu Ataxie. Weitere Veränderungen wurden nicht beobachtet.

Teratogenität

Eine Zunahme der Häufigkeit von skeletalen und kardiovaskulären Missbildungen wurde bei Jungtieren von Mäusen beobachtet, welche während der Trächtigkeit die 14fache humantherapeutische Dosis erhielten.

Sonstige Hinweise

Haltbarkeit

Das Medikament darf nur bis zu dem auf dem Behälter mit «EXP» bezeichneten Datum verwendet werden.

Besondere Lagerungshinweise

Trocken und bei Raumtemperatur (15–25 °C) aufbewahren.

Zulassungsnummer

29863 (Swissmedic).

Zulassungsinhaberin

Pfizer AG, Zürich (Division Parke-Davis).

Stand der Information

Februar 2011.

LLD V003

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