Petinimid Kaps 250 Mg 100 Stk

Petinimid Kaps 250 Mg 100 Stk

Fachinformationen

Zusammensetzung

Wirkstoff: Ethosuximidum 250 mg.

Hilfsstoffe: Arom.: Ethylvanillinum, Conserv.: Äthylparahydroxybenzoat (E 215), Propylparahydroxybenzoat (E 217), Excipiens pro capsula.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Kapseln zu 250 mg Ethosuximid.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Kleine epileptische Anfälle (Petit mal), insbesondere Absencen. Treten nebst Absencen auch andere Anfallsformen auf, genügt Petinimid alleine nicht. Es muss zusätzlich zu Petinimid ein anderes Antiepileptikum gegeben werden.

Dosierung/Anwendung

Petinimid soll während der Mahlzeiten eingenommen werden. Die Kapseln sind unzerkaut zu schlucken. Es empfiehlt sich, die Tagesdosis auf 2-3 Gaben verteilt einzunehmen.

Die Dosierung richtet sich letztlich nach dem Krankheitsbild, dem individuellen Ansprechen und der individuellen Verträglichkeit. Die Behandlung wird einschleichend begonnen und sehr langsam gesteigert. Die in der Tabelle stehenden Angaben können als Orientierung gelten. Die therapeutischen Plasmakonzentrationen liegen zwischen 40 und 100 µg/ml (280-700 µmol/l).

Übliche Dosierung

Anzahl der Kapseln pro Tag
1. Woche2. Woche3. Woche4. Woche
Kleinkinder (≥3 Jahre)122-32-3
Schulkinder1234
Erwachsene244-55-6

Sobald der Patient anfallsfrei ist, kann die Dosis reduziert werden. Die Erhaltungsdosis ist individuell festzusetzen.

Über Einstellung und Behandlungsdauer sowie das Ausschleichen des Arzneimittels sollte ein in der Epilepsiebehandlung erfahrener Arzt entscheiden.

Spezielle Dosierungsanweisungen

Die therapeutische Tagesdosis beträgt für Erwachsene ca. 20 mg/kg Körpergewicht, für Kinder 20-30 mg/kg Körpergewicht. Klein- und Schulkinder benötigen höhere Dosen als Jugendliche.

Bei Patienten mit Leber- und Nierenfunktionsstörungen ist Vorsicht geboten. Dosierung bei schwerer Niereninsuffizienz: Bei einer Kreatinin-Clearance von weniger als 10 ml/min ist eine Dosisreduktion angezeigt.

Kontraindikationen

Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder einem der Hilfsstoffe gemäss Zusammensetzung.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Die Behandlung mit Ethosuximid darf nicht abrupt abgesetzt werden, da in diesem Fall ein Petit-mal-Status ausgelöst werden kann.

Relative Kontraindikationen

Bei Patienten mit Leber- und Nierenfunktionsstörungen ist Vorsicht geboten. Regelmässige Kontrollen des Blutbildes sowie des Harns sind anfangs in vier-, später in acht- bis zwölfwöchigen Abständen angezeigt. Ebenso werden periodische Kontrollen der Leberfunktion empfohlen.

Eine im Januar 2008 veröffentlichte Analyse der FDA (USA) bzgl. der Daten aus 199 Placebo-kontrollierten klinischen Studien mit insgesamt 11 Antiepileptika fand für Patienten mit Epilepsie unter diesen Präparaten ein 3,6fach höheres Risiko für Suizidalität im Vergleich zu Placebo. Die einzelnen untersuchten Substanzen unterschieden sich dabei nicht in relevanter Weise bezüglich ihres Risikos für Suizidalität. In dieser Analyse war die Risikoerhöhung bei Patienten mit Epilepsie sogar stärker ausgeprägt als bei Patienten mit psychiatrischen Erkrankungen (wie z.B. bipolaren Störungen), wo eine Risikoerhöhung auf das 1,6fache gefunden wurde. Insgesamt wurden unter den Antiepileptika in allen Indikationen Suizidgedanken oder suizidales Verhalten bei 0,43% der Behandelten beobachtet, unter Placebo hingegen nur 0,22%.

Patienten und deren Betreuer sollten auf die Notwendigkeit einer Überwachung im Hinblick auf das Auftreten von passiven Todeswünschen, aktiven Suizidgedanken, selbstschädigenden Absichten oder suizidalem Verhalten hingewiesen werden. Patienten und deren Betreuer sollen im Falle des Auftretens derartiger Symptome sofort einen Arzt konsultieren. Es ist zu beachten, dass sich suizidale Symptomatik insbesondere bei Kindern und Jugendlichen in anderer Weise als bei Erwachsenen bemerkbar machen kann. Hier können Verhaltensänderungen, wie zum Beispiel vermehrte Reizbarkeit oder sozialer Rückzug bereits ein Hinweis auf Suizidalität sein und eine Abklärung und Überwachung erforderlich machen.

Interaktionen

Ethosuximid verändert die Plasmakonzentrationen anderer Antiepileptika wie Primidon, Phenobarbital oder Phenytoin nicht.

Die Kombination mit Valproinsäure verstärkt die Wirkung von Ethosuximid.

Bei gleichzeitiger Einnahme von Ethosuximid und Alkohol oder anderen zentral dämpfenden Pharmaka kann der sedative Effekt verstärkt werden.

Die gleichzeitige Einnahme von krampfprovozierenden Substanzen ist zu vermeiden.

Die Wirksamkeit oraler Kontrazeptiva kann herabgesetzt werden.

Schwangerschaft/Stillzeit

Schwangerschaft

Es liegen keine hinreichenden tierexperimentellen Studien zur Auswirkung auf Schwangerschaft, Embryonalentwicklung, Entwicklung des Föten und/oder die postnatale Entwicklung vor. Das potentielle Risiko für den Menschen ist nicht bekannt. Während der Schwangerschaft darf das Medikament nicht verabreicht werden, es sei denn, dies ist eindeutig erforderlich.

Während einer Schwangerschaft, insbesondere im ersten Trimenon, bedeutet jede Medikamenteneinnahme eine potentielle Gefahr. Der Verzicht auf eine notwendige antikonvulsive Therapie kann jedoch ein grösseres Gesundheitsrisiko für Mutter und Fötus darstellen. In der Schwangerschaft ist der therapeutische Effekt sorgfältig gegen das Risiko abzuwägen. Die Dosierung ist besonders bis zum 40. Schwangerschaftstag so niedrig wie möglich zu halten. Zur Erhöhung der Sicherheit sollten Arzneimittel-kombinationen vermieden werden.

Stillzeit

Ethosuximid passiert die Placenta und liegt in der Muttermilch in ähnlicher Konzentration wie im Serum vor. Aus diesem Grund sollte abgestillt werden.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Die Reaktionsfähigkeit kann infolge der sedierenden Wirkung beeinträchtigt werden. Vorsicht ist daher bei jeder erhöhte Konzentration erfordernden Tätigkeit (z.B. Lenken eines Fahrzeuges bzw. Bedienen von Maschinen) erforderlich. Bei gleichzeitigem Genuss von Alkohol und anderen beruhigend wirkenden Medikamenten kann der sedative Effekt noch verstärkt werden.

Unerwünschte Wirkungen

Die folgenden unerwünschten Wirkungen können nach Einnahme von Petinimid auftreten. Die Häufigkeiten sind nach Organklassen gegliedert und folgendermassen definiert: Sehr häufig ≥10%; häufig ≥1%, <10%; gelegentlich ≥0.1%, <1%; selten ≥0.01%, <0.1%; sehr selten und Einzelfälle <0.01%.

Vor allem zu Beginn der Behandlung können vorübergehend Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Magenschmerzen, Gewichtsabnahme, Diarrhoe, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Schwindel, Ataxie und Photophobie auftreten.

Störungen des Blut- und Lymphsystems:

Selten: Eosinophilie, Leukopenie, Thrombozytopenie, Panzytopenie, Agranulozytose und aplastische Anämie mit oder ohne Knochenmarksdepression wurden als mögliche Nebenwirkun­gen beschrieben. Diese Blutbildstörungen können mit folgenden Frühsymptomen verbunden sein: Temperaturerhöhung, grippeähnliche Symptome sowie Veränderungen an Haut und Schleimhaut. Die Leukopenie kann transient verlaufen, obwohl auch trotz Absetzen der Medikation über vereinzelte Todesfälle nach Knochenmarkschädigung berichtet wurde.

Störungen des Immunsystems:

Selten: Allergische Reaktionen, Urtikaria, Exantheme, Stevens-Johnson-Syndrom, systemischer Lupus erythematodes, Sklerodermie.

Stoffwechsel und Ernährungsstörungen:

Gelegentlich: Bei hohen Tagesdosen Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme.

Störungen des Nervensystems:

Gelegentlich: Neurosensorische Symptome wie Benommenheit, Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, Hyperaktivität, Euphorie, Gangstörungen, Müdigkeit, Ataxie, Photophobie, Reizbarkeit.

Selten: Parkinsonoide Reaktionen, Trägheit, Schlafstörungen.

Augenleiden:

Selten: Myopie.

Gastrointestinale Beschwerden:

Gelegentlich: Vor allem bei hohen Tagesdosen oder magenempfindlichen Patienten Übelkeit, Erbrechen, Magenschmerzen, Diarrhoe, Krämpfe.

Selten: Singultus, Zungen- und Gaumenschwellung.

Funktionsstörungen der Leber und Galle:

Selten: Erhöhung der SGOT und des Urobilinogens.

Funktionsstörungen des Urogenitaltraktes:

Selten: Vaginalblutungen, Albuminurie.

Störungen der Haut und des Unterhautgewebes:

Selten: Hirsutismus.

Psychiatrische Erkrankungen:

Gereiztheit, Agitiertheit, ferner Angst- oder Unruhezustände sowie Aggressivität und Konzentrationsschwäche oder andere Wesensveränderungen sind besonders bei Patienten berichtet worden, die psychiatrische Veränderungen bereits in der Vorgeschichte zeigten. Es wurden einzelne Fälle von erhöhter Libido, paranoiden Psychosen und verstärkten Depressionen mit potentiellen Selbstmordtendenzen berichtet.

Überdosierung

Zeichen einer chronischen Überdosierung sind Verhaltensstörungen, gastrointestinale Symptome und Zunahme der Anfallshäufigkeit. Bei Auftreten dieser Beschwerden ist die Dosis zu reduzieren und der Plasmaspiegel zu kontrollieren.

Bei akuter Überdosierung tritt tiefes Koma ein. Neben symptomatischer Therapie empfiehlt sich die Hämoperfusion mit Medizinalkohle. Ein spezifisches Antidot ist nicht bekannt.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: N03AD01

Wirkungsmechanismus/Pharmakodynamik

Ethosuximid, der Wirkstoff von Petinimid, ist ein Antiepileptikum aus der pharmakotherapeutischen Gruppe der Succinimidderivate.

Klinische Wirksamkeit

Petinimid ist spezifisch bei Petit mal wirksam. In der Regel ist ein zusätzlicher Grand-mal Schutz mit anderen Medikamenten erforderlich.

Kinder und Jugendliche

In einer doppelblinden, randomisierten, 20-wöchigen Studie mit 453 Kindern im Alter von 2,5 bis 13 Jahren mit neu diagnostizierter Absence-Epilepsie wurden Wirksamkeit, Verträglichkeit und neuropsychologische Wirkung von Ethosuximid, Valproinsäure und Lamotrigin als Monotherapie bei Absence-Epilepsie im Kindesalter beurteilt. Dabei zeigte sich unter Behandlung mit entweder Ethosuximid oder Valproinsäure ein höherer Anteil von Kindern ohne Therapieversagen (53% bzw. 58%) als unter Behandlung mit Lamotrigin (29%; Odds Ratio für Ethosuximid vs. Lamotrigin, 2,66; 95%-Konfidenzintervall [KI], 1,65 bis 4,28; Odds Ratio für Valproinsäure vs. Lamotrigin, 3,34; 95%-KI, 2,06 bis 5,42; P<0,001 für beide Vergleiche). Sowohl in den präspezifizierten als auch in den Post-hoc-Analysen führte Ethosuximid zu geringerer Beeinträchtigung der Aufmerksamkeit als Valproinsäure (in Woche 16 und Woche 20 war der Prozentanteil von Probanden mit einem Confidence Index Score von ≥0,60 im Conners' Continuous Performance Test in der Valproinsäure-Gruppe höher als in der Ethosuximid-Gruppe [49% vs. 33%; Odds Ratio, 1,95; 95%-KI, 1,12 bis 3,41; P=0,03] und der Lamotrigin-Gruppe [49% vs. 24%; Odds Ratio, 3,04; 95%-KI, 1,69 bis 5,49; P<0,001]).

Pharmakokinetik

Absorption

Ethosuximid wird rasch und komplett resorbiert. Nach einer oralen Einzeldosis von 500-1000 mg treten bereits nach 1-4 Stunden maximale Plasmakonzentrationen von 15-24 µg/ml (106-170 µmol/l) auf.

Distribution

Das Verteilungsvolumen von Ethosuximid beträgt 0,7 l/kg, wobei keine Bindung an Plasmaproteine festzustellen war. Die Liquorkonzentration ist daher der Plasmakonzentration gleichzusetzen.

Therapeutische Plasmakonzentrationen liegen zwischen 40 und 100 µg/ml (280-700 µmol/l).

Metabolismus

Es entstehen keine aktiven Metaboliten.

Elimination

Die Eliminationshalbwertszeit beträgt 48-60 Stunden bei Erwachsenen und 16-58 Stunden bei Kindern. Bei Erwachsenen wurden 19% der verabreichten Dosis als unverändertes Ethosuximid im Harn nachgewiesen, wobei die renale Clearance mit 1,99 ml/min bei fehlender Eiweissbindung an eine erhebliche tubuläre Rückabsorption denken lässt.

Präklinische Daten

In Studien zur akuten Toxizität lag die LD50 bei oraler Verabreichung an Mäuse zwischen 1400-1550 mg/kg.

In Studien zur chronischen Toxizität traten bis zu folgenden Dosierungen keine signifikanten Nebenwirkungen auf: Mäuse ≤1206 mg/kg/Tag, Ratten ≤750 mg/kg/Tag, Hunde ≤100 mg/kg/Tag, Affen ≤100 mg/kg/Tag.

Ethosuximid wurde in vitro (Ames-Test, Chromosomenaberrationstest) sowohl mit als auch ohne metabolische Aktivierung auf Mutagenität untersucht. In keinem der Untersuchungssysteme fanden sich Hinweise auf ein mutagenes Potential.

Zur Kanzerogenität von Ethosuximid liegen keine publizierten Daten vor. Aus der klinischen Erfahrung ergeben sich jedoch keine Hinweise auf kanzerogene Effekte.

Ethosuximid passiert die Plazenta. Studien zur Embryotoxizität an Ratten und Mäusen zeigten ein erhöhtes Auftreten von Missbildungen und Verhaltensveränderungen.

Sonstige Hinweise

Haltbarkeit

Das Arzneimittel darf nur bis zu dem auf dem Behälter mit «EXP» bezeichneten Datum verwendet werden.

Besondere Lagerungshinweise

Bei Raumtemperatur (15-25 °C) lagern

Den Behälter im Umkarton aufbewahren, um den Inhalt vor Licht zu schützen.

Zulassungsnummer

29934 (Swissmedic).

Zulassungsinhaberin

Orion Pharma AG, 6300 Zug.

Herstellerin

G.L. Pharma GmbH, A-8502 Lannach.

Stand der Information

Oktober 2013.

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