Olbetam Kaps 250 Mg 90 Stk

Olbetam Kaps 250 Mg 90 Stk

Fachinformationen

Zusammensetzung

Wirkstoff: Acipimox.

Hilfsstoffe: vorverkleisterte Stärke, Magnesiumstearat, Natriumlaurylsulfat, kolloidales Siliciumdioxid, Gelatine, Eisenoxid (E172), Titandioxid (E171).

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

1 Kapsel enthält 250 mg Acipimox.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Olbetam wird verwendet zur Behandlung der Hyperlipoproteinämien des Typs IIa, IIb, III, IV und V nach Klassifikation von Fredrickson.

Eine medikamentöse Behandlung ist angezeigt bei:

  • Schweren primären Fettstoffwechselstörungen (Hypertriglyzeridämie, Hypercholesterinämie und kombinierten Formen), die weder durch eine Änderung der Ernährung noch durch andere Verhaltensänderungen (z.B. körperliche Aktivität) ausreichend beeinflusst werden können
  • Schweren sekundären Fettstoffwechselstörungen, die trotz einer konsequenten Behandlung der Grundkrankheit (z.B. Diabetes mellitus) weiter bestehen

Olbetam ist als ergänzende Behandlung indiziert bei Patienten mit Hypercholesterinämie und gemischter Dyslipidämie, die unzureichend auf andere Arzneimittel wie Statine oder Fibrate reagiert haben.

Durch eine Behandlung der Hyperlipoproteinämie mit Acipimox wurde keine Senkung der kardialen Morbidität und Mortalität nachgewiesen.

Dosierung/Anwendung

Übliche Dosierung

Die Dosierung richtet sich nach dem Ausmass der bestehenden Erhöhung der Blutfettwerte.

Bei Hyperlipoproteinämien vom Typ IV wird eine Dosis von 2× 1 Kapsel Olbetam täglich und bei Hyperlipoproteinämien vom Typ II, III und V eine Dosis von 3× 1 Kapsel Olbetam täglich empfohlen.

Spezielle Dosierungsanweisungen

Anwendung bei Patienten mit Nierenfunktionsstörung

Bei eingeschränkter Nierenfunktion muss die Dosierung in Abhängigkeit der Kreatinin-Clearance reduziert werden; bei Werten zwischen 40 und 60 ml/min 1 Kapsel Olbetam täglich, und zwischen 30 und 40 ml/min 1 Kapsel Olbetam jeden zweiten Tag.

Anwendung bei Kindern und Jugendlichen

Die Anwendung und Sicherheit von Olbetam Kapseln bei Kindern und Jugendlichen ist bisher nicht geprüft worden.

Therapiedauer

Die Behandlung von erhöhten Blutfettwerten macht eine langfristige Einnahme erforderlich. Wie bei jeder Langzeitbehandlung ist auch hier eine laufende Überwachung und Evaluierung der Wirkung notwendig. Bei ungenügender Wirkung sollte das Präparat abgesetzt werden. Die Blutfettspiegel sind wiederholt und regelmässig zu kontrollieren, gleichzeitig soll auf mögliche Nebenwirkungen geachtet und die Notwendigkeit einer Fortsetzung der Behandlung überprüft werden.

Einnahmeart

Olbetam Kapseln sollten mit oder nach den Mahlzeiten unzerkaut mit etwas Flüssigkeit eingenommen werden.

Kontraindikationen

Olbetam darf nicht angewendet werden bei Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder einem der Hilfsstoffe gemäss Zusammensetzung sowie bei Magen-Darm-Geschwüren und schwerer Niereninsuffizienz (Kreatinin-Clearance <30 ml/min).

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Bei Patienten mit bestehender Niereninsuffizienz sind die unter «Spezielle Dosierungsanweisungen» empfohlenen Dosierungen einzuhalten.

Acipimox ist strukturverwandt mit Nikotinsäure. Wird Nikotinsäure gemeinsam mit einem Statin (3-Hydroxy-3-methylglutaryl Coenzym A [HMG-CoA] Reduktase-Hemmer) verabreicht, erhöht sich das Risiko einer Muskeltoxizität. Bei gleichzeitiger Verabreichung der beiden Substanzen ist Vorsicht geboten. In einer Studie traten bei Chinesen, welche Nikotinsäure und Laropiprant gemeinsam mit Simvastatin eingenommen haben, im Vergleich zu Kaukasiern Myopathien und Rhabdomyolysen mit vermehrter Häufigkeit auf.

Interaktionen

Das Risiko einer Myopathie und Rhabdomyolyse ist erhöht, wenn Nikotinsäure zusammen mit einem Statin verabreicht wird (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Mit Digoxin, Warfarin und Cholestyramin wurden keine Interaktionen beobachtet.

Schwangerschaft/Stillzeit

Schwangerschaft

Man verfügt über keine kontrollierten Studien bei schwangeren Frauen. Acipimox sollte daher während der Schwangerschaft nicht angewendet werden, es sei denn, dies ist eindeutig erforderlich.

Stillzeit

Es ist nicht bekannt, ob Acipimox in die Muttermilch übergeht. Das Präparat sollte daher während der Stillzeit nicht eingenommen werden.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Es wurden keine Studien durchgeführt. Aufgrund der möglichen unerwünschten Wirkungen kann dieses Arzneimittel die Reaktionsfähigkeit, die Fahrtüchtigkeit und die Fähigkeit, Werkzeuge und Maschinen zu bedienen, beeinträchtigen.

Unerwünschte Wirkungen

Medizinisch relevante unerwünschte Wirkungen aus klinischen Studien sowie nach Markteinführung sind nachfolgend nach Systemorganklassen und Häufigkeit geordnet angeführt. Häufigkeitsangaben: Gelegentlich (≥1/1000 bis <1/100), selten (≥1/10'000 bis <1/1000), sehr selten (<1/10'000).

Erkrankungen des Immunsystems

Selten: anaphylaktoide Reaktionen, Überempfindlichkeitsreaktionen.

Erkrankungen des Nervensystems

Gelegentlich: Kopfschmerzen.

Gefässerkrankungen

Gelegentlich: Flush.

Selten: Vasodilatation.

Erkrankungen der Atemwege, des Brustraums und Mediastinums

Selten: Bronchospasmus, asthmaähnliche Atemnot.

Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts

Gelegentlich: Verdauungsbeschwerden, Schmerzen im Oberbauch, Übelkeit, Durchfall.

Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes

Gelegentlich: Juckreiz, Ausschlag, Rötungen.

Selten: Urtikaria, Angioödem.

Hautreaktionen sind im Allgemeinen vorübergehend und erfordern kein Absetzen des Arzneimittels.

Skelettmuskulatur-, Bindegewebs- und Knochenerkrankungen

Selten: Muskelschwäche.

Sehr selten: Myositis, Myalgie, Arthralgie, Myopathie, Myasthenia-ähnliches Syndrom.

Allgemeine Erkrankungen

Gelegentlich: Unwohlsein, Wärmegefühl.

Untersuchungen

Sehr selten: CPK-Anstieg.

Überdosierung

Wenn toxische Effekte beobachtet werden, müssen unterstützende Massnahmen ergriffen und eine symptomatische Behandlung eingeleitet werden. Die Hämodialyse ist ein wirksames Verfahren zur Elimination von Acipimox.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: C10AD06

Wirkungsmechanismus

Olbetam hat eine ausgeprägte lipidsenkende Wirkung (Triglyzeride-Cholesterin).

Pharmakodynamik

Olbetam hemmt die Freisetzung der freien Fettsäuren im Fettgewebe und die hepatische Lipoproteinlipase. Dies hat eine Senkung der atherogenen Lipoproteine (LDL und VLDL) im Blut zur Folge und äussert sich durch eine Senkung der Triglyceride und des Cholesterins. Gleichzeitig werden die antiatherogenen Lipoproteine (HDL) erhöht.

Die klinische Wirksamkeit in der Prävention von Herzerkrankungen wurde nicht gezeigt.

Pharmakokinetik

Absorption

Olbetam wird nach oraler Gabe vollständig resorbiert. Nach ca. 2 Stunden werden die maximalen Plasmaspiegel erreicht.

Distribution

Der Wirkstoff Acipimox wird nicht an Plasmaproteine gebunden. Bei wiederholter Verabreichung werden die pharmakokinetischen Parameter nicht verändert. Somit kann eine Kumulation aufgrund der kurzen Halbwertszeit ausgeschlossen werden.

Metabolismus

Es entstehen keine Metaboliten. Nach 24 Stunden sind über 90% des Wirkstoffes in unveränderter Form im Urin ausgeschieden.

Elimination

Die Elimination aus dem Plasma verläuft biphasisch; eine erste schnelle Phase dauert ca. 8-10 Stunden mit einer Halbwertszeit von ca. 2 Stunden, und eine darauffolgende zweite Phase hat eine Halbwertszeit von 12-14 Stunden.

Kinetik spezieller Patientengruppen

Wegen der fast ausschliesslich renalen Ausscheidung von Acipimox ist bei Patienten mit Niereninsuffizienz eine verlängerte Eliminationshalbwertszeit festgestellt worden.

Kreatinin-Clearance(ml/min)t½ (Std.)
603.5
30-603.5-5.2
10-305.2-7.9
5-107.9-9.0

Präklinische Daten

Akute Toxizität

Die LD50 lag bei oraler Gabe an Mäuse zwischen 2679 und 3806 mg Acipimox/kg KG, an Ratten oberhalb von 4000 mg/kg KG. Am Hund traten bis zur höchsten geprüften Dosis von 1000 mg/kg KG, abgesehen von Erbrechen, keine substanzbedingten Effekte auf. Ähnliche Symptome wurden bei i.v. oder i.p. Applikation beobachtet.

Für die Anwendungsbreite, ein Mass für die vermutliche therapeutische Breite am Menschen, ergaben sich hohe Werte. Daraus wird gefolgert, dass mit Intoxikationen durch einmalige Gabe von Acipimox am Menschen erst im extrem hohen Dosisbereich zu rechnen sein dürfte. Als Symptome sind unspezifische Reaktionen, insbesondere Sedierung, möglicherweise auch Krämpfe und Schädigungen der Magenschleimhaut zu nennen.

Zielorgane für Schädigungen fanden sich nicht. Im Akutversuch ergaben sich keine Hinweise auf eine Leberschädigung, wie sie für Clofibrinderivate bekannt sind.

Subakute und chronische Toxizität

Die niedrigste toxische Dosis p.o. lag bei Ratte und Hund bei 400 mg/kg KG.

Auch bei wiederholter längerdauernder Gabe erwies sich Acipimox als ein Wirkstoff mit einer sehr grossen therapeutischen Breite. Bis zum Mehrfachen der humantherapeutisch effektiven Dosis verursacht Acipimox keine Schädigung der Leber. Biochemisch und histologisch ergaben sich weder im akuten noch im chronischen Versuch Hinweise auf eine Beeinflussung der Peroxisomen in der Leberzelle.

Man kann davon ausgehen, dass Olbetam der bisher einzige wirksame Lipidsenker ist, der keine negativen Effekte auf die Leberzellen mit Proliferation von Peroxisomen ausübt.

Reproduktionstoxikologie

Bis in den für Elterntiere toxischen Dosisbereich ergaben sich keine Hinweise auf eine Beeinflussung der Fertilität und Zuchtleistung.

Weder bei Ratten noch bei Kaninchen ergaben sich Hinweise auf embryotoxische oder spezielle teratogene Effekte von Acipimox.

Bei Prüfung der peri- und postnatalen Entwicklung zeigten die Muttertiere ab 270 mg/kg KG p.o. nur Hyperpnoe und Piloerektion. Das Körpergewicht der Jungtiere war leicht erniedrigt. Die Entwicklung der Jungtiere, speziell Haarwuchs und Zahndurchbruch, setzte verzögert ein. Missbildungen traten nicht auf.

Kanzerogenität

Aus den in-vivo-Kanzerogenitätsstudien an Maus und Ratte ergaben sich keinerlei Hinweise auf onkogene Eigenschaften von Acipimox.

Mutagenität

In keiner der vorliegenden Mutagenitätsstudien gab es Hinweise darauf, dass Acipimox mutagene Effekte verursachen könnte.

Sensibilisierende Eigenschaften

In den toxikologischen Untersuchungen wurden keine Reaktionen beobachtet, die auf sensibilisierende Eigenschaften von Acipimox hindeuten würden.

Sonstige Hinweise

Haltbarkeit

Das Arzneimittel darf nur bis zu dem auf der Packung mit «EXP» bezeichneten Datum verwendet werden.

Lagerungshinweise

Ausser Reichweite von Kindern aufbewahren.

Bei Raumtemperatur (15-25 °C) lagern.

Zulassungsnummer

47644 (Swissmedic).

Zulassungsinhaberin

Pfizer AG, Zürich.

Stand der Information

November 2014.

LLD V008

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