Nootropil Tabl 1200 Mg 100 Stk

Nootropil Tabl 1200 Mg 100 Stk

Fachinformationen

Zusammensetzung

Wirkstoff: Piracetam.

Hilfsstoffe:

Nootropil Filmtabletten 800 mg/1200 mg

Tablettenkern: Polyethylenglykol 6000, Siliziumdioxid hochdispers, Magnesiumstearat, Croscarmellose-Natrium; Befilmung: OPADRY Y-1-7000, OPADRY OY-S-29019.

Nootropil Trinklösung 33%

Glyzerin, Natriumacetat, Methyl- und Propylparaben (E216, E218), Essigsäure und gereinigtes Wasser.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

1 Filmtablette enthält 800 bzw. 1200 mg Piracetam.

1 ml Trinklösung 33% (graduierte Dosierpipette liegt bei) enthält 333,3 mg Piracetam.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Erwachsene

Behandlung von kortikalen Myoklonien in Kombination mit antiepileptischen Arzneimitteln.

Behandlung von kognitiven Störungen (Gedächtnis, Aufmerk­samkeit, Verminderung der Aufmerksamkeit) bei älteren Menschen. Ausdrücklich ausgeschlossen ist das psychoorganische Syndrom aufgrund von Morbus Alzheimer (siehe auch «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen» und «Klinische Wirksamkeit»).

Kinder ab dem 8. Lebensjahr

Behandlung der Dyslexie bei Kindern ab dem 8. Lebensjahr in Verbindung mit geeigneten Massnahmen wie die Logopädie.

Dosierung/Anwendung

Korrekte Art der Einnahme:

Es wird empfohlen – wenn auch nicht zwingend – Nootropil vor den Mahlzeiten einzunehmen. Die Tabletten werden unzerkaut mit einem Glas Flüssigkeit eingenommen. Die entsprechende Menge Trinklösung 33% ist mit der beiliegenden, graduierten Dosierpipette abzumessen und kann vor der Einnahme mit etwas Wasser oder Fruchtsaft verdünnt werden. Achtung: Die beiliegende Dosierpipette fasst lediglich ein Volumen von 5 ml. Sollte die Einnahme von grösseren Einzeldosen notwendig sein, müssen Sie Ihre Patienten darauf hinweisen, dass die entsprechende Dosis in 2 Schritten aus der Flasche zu entnehmen ist. 7.2 ml müssen z.B. als 2× 3.6 ml abgemessen werden.

Behandlung von kognitiven Störungen:

Die Behandlung beginnt mit 4,8 g pro Tag:

entweder 3× 2 Tabletten zu 800 mg

oder 2× 2 Tabletten zu 1200 mg

oder 2× 7,2 ml Trinklösung 33%

danach 2,4 g pro Tag:

entweder 3× 1 Tablette zu 800 mg

oder 2× 1 Tablette zu 1200 mg

oder 2× 3,6 ml Trinklösung 33%

Behandlung von kortikalen Myoklonien

Die Anfangsdosierung beträgt 7,2 g Piracetam pro Tag während 3 Tagen.

Dies entspricht

3× 3 Tabletten zu 800 mg

oder 3× 2 Tabletten zu 1200 mg

oder 3× 7,2 ml Trinklösung 33%

Wenn die therapeutische Wirkung ausbleibt oder gering ist, kann die Dosierung alle drei Tage um 4,8 g/Tag bis zu einer maximalen Dosis von 24 g/Tag erhöht werden.

Die tägliche Dosierung von Nootropil wird in 3 Gaben verabreicht. Die Behandlung mit anderen antimyoklonisch wirksamen Arzneimitteln wird in der gleichen Dosierung aufrechterhalten. Je nach klinischem Erfolg wird die Dosierung der anderen antimyoklonisch wirksamen Arzneimittel wenn möglich reduziert.

Die Behandlung mit Piracetam wird solange fortgesetzt, wie die Beschwerden bestehen. Es sollte versucht werden, die medikamentöse Behandlung alle 6 Monate zu verringern oder abzusetzen, indem die Piracetam Dosis alle 2 Tage (beim Lance-Adams-Syndrom alle 3 bis 4 Tage) um 1,2 g reduziert wird. Dadurch wird das plötzliche Wiederauftreten der Beschwerden oder von Entzugsanfällen verhindert (s. «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen, Beendigung der Behandlung»).

Behandlung der Dyslexie in Verbindung mit Logopädie bei Kindern ab dem 8. Lebensjahr und Jugendlichen:

Die empfohlene Tagesdose bei Kindern ab 8 Jahren und Jugendlichen beträgt 3,2 g pro Tag, auf 2 Gaben verteilt (2-mal täglich 2 Filmtabletten zu 800 mg).

Spezielle Dosierungsanweisungen für Patienten mit Niereninsuffizienz:

Die Tagesdosis muss individuell auf die Nierenfunktion abgestimmt werden. Die individuelle Dosierungsanpassung sollte gemäss der folgenden Dosierungstabelle vorgenommen werden. Zuvor ist eine Abschätzung der Kreatininclearance (CLcr) des Patienten in ml/min nötig.

Die Kreatininclearance (CLcr in ml/min) kann aus dem Serumkreatinin-Wert (mg/dl) mit Hilfe der folgenden Formel abgeschätzt werden:

Clcr = [140 – Alter (Jahre)] × Gewicht (kg) (× 0.85 bei Frauen): 72 × Serumkreatinin (mg/dl)

Dosierung gemäss Nierenfunktion

NierenfunktionKreatininclearance (ml/min)Dosierung
Normal≥ 80Übliche Tagesdosis, verteil auf 2-4 Einzelgaben/Tag
Leichte Niereninsuffizienz50-792/3 der üblichen Tagesdosis, verteilt auf 2-3 Einzelgaben/Tag
Mässige Niereninsuffizienz30-491/3 der üblichen Tagesdosis, verteilt auf 2 Einzelgaben/Tag
Schwere Niereninsuffizienz<301/6 der üblichen Tagesdosis, einmalige Gabe/Tag
Endstadium der Niereninsuffizienz≤20kontraindiziert

Spezielle Dosisanpassung für Patienten mit Leberinsuffizienz:

Es ist keine Dosisanpassung notwendig, wenn eine isolierte Einschränkung der Leberfunktion vorliegt. Bei Patienten mit einer kombinierten Leber- und Nierenfunktionseinschränkung, wird eine Dosisanpassung empfohlen (siehe weiter oben: Dosisanpassung für Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion).

Kontraindikationen

  • Psychoorganisches Syndrom aufgrund von Morbus Alzheimer.
  • Schwere Niereninsuffizienz (renale Clearance <20 ml/min.)
  • Zerebrale Blutungen.
  • Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff Piracetam (oder auch anderen Pyrrolidonderivaten) oder einem der Hilfsstoffe gemäss Zusammensetzung.
  • Chorea Huntington.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Einfluss auf die Plättchenaggregation:

  • Aufgrund des Einflusses von Piracetam auf die Plättchenaggregation (siehe «Eigenschaften/Wirkungen») ist besondere Vorsicht geboten bei Patienten mit schweren Blutungen mit Blutungsrisiko wie, z.B. bei gastrointestinalem Ulkus, Patienten mit zugrundeliegender Erkrankung, Störungen der Blutgerinnung, Patienten mit einem Schlaganfall in der Vorgeschichte, Patienten mit grösseren chirurgischen Eingriffen, einschliesslich Zahnbehandlung, und Patienten, die Antikoagulantien oder Thrombozytenaggregationshemmer einschliesslich niedrig dosiertes Acetylsalicylsäure einnehmen.

Eingeschränkte Nierenfunktion und ältere Patienten:

  • Es wurden Fälle von Blutungen beobachtet bei gleichzeitiger Anwendung von Piracetam und Heparin, Salicylaten und Vitamin K-Antagonisten.
  • Piracetam wird über die Nieren ausgeschieden. Bei Patienten mit Niereninsuffizienz sowie bei älteren Patienten ist deshalb Vorsicht geboten. Bei diesen Patienten ist die Erhöhung der Halbwertszeit direkt mit der Kreatininclearance verbunden (siehe «Dosierung/Anwendung, Spezielle Dosierungsanweisungen», «Pharmakokinetik»). Bei Langzeitbehandlung älterer Patienten sollte die Kreatinin-Clearance regelmässig überprüft werden, um bei Bedarf die Dosis anzupassen (s. «Dosierung/Anwendung», «Kontraindikationen»).

Beendung der Behandlung

  • Die Behandlung von kortikalen Myoklonien mit Piracetam sollte nicht abrupt abgesetzt werden, da es sonst zu einem Rezidiv der Myoklonien oder zu entzugsbedingten Anfällen kommen kann (s. «Dosierung/Anwendung, Behandlung von kortikalen Myoklonien»).
  • Zwei randomisierte, plazebokontrollierte Studien an älteren Patienten mit mild cognitive impairment (MCI) zeigten keine überlegene Wirkung von Piracetam im Vergleich zu Placebo (siehe «Klinische Wirksamkeit»).

Interaktionen

Das Interaktionspotential von Piracetam und eine daraus resultierende Beeinflussung der Pharmakokinetik dieser Substanz ist unwahrscheinlich, da ca. 90% der Dosis von Piracetam unverändert über die Nieren ausgeschieden wird.

Bei in vitro Untersuchungen konnte nicht gezeigt werden, dass Piracetam die humanen Lebercytochrom P450 Isoformen CYP 1A2, 2B6, 2C8, 2C9, 2C19, 2D6, 2E1 und 4A9/11 bei einer Konzentration von 142, 426 und 1422 μg/ml inhibiert.

Bei 1422 μg/ml wurde eine geringfügige inhibitorische Wirkung auf CYP 2A6 (21%) und 3A4/5 (11%) beobachtet. Allerdings liegen die Ki Werte für die Hemmung dieser beiden CYP Isoformen wahrscheinlich deutlich über 1422 μg/ml.

Daher ist eine metabolische Wechselwirkung von Piracetam mit anderen Wirkstoffen unwahrscheinlich.

Schilddrüsenhormone

Über Verwirrung, Reizbarkeit und Schlafstörungen bei gleichzeitiger Verabreichung mit Schilddrüsenhormonen (T3 + T4) wurde berichtet.

Acenocoumarol

In einer verblindeten Studie wurden die Blutwerte von Patienten mit wiederholter schwerer Venenthrombose während gleichzeitiger Gabe von Acenocoumarol und Piracetam untersucht. Bei der Gabe von 9.6 g Piracetam pro Tag musste die Acenocoumarol-Dosis, die zur Einstellung des INR-Wertes (International Normalised Ratio) zwischen 2.5 und 3.5 benötigt wurde, nicht verändert werden. Im Vergleich zu der Einzelgabe von Acenocoumarol verminderte die zusätzliche Gabe von Piracetam 9.6 g pro Tag jedoch signifikant die Plättchenaggregation, die Freisetzung von β-Thromboglobulin, die Werte von Fibrinogen und der von-Willebrand-Faktoren (VIII: C; VIII: vW: Ag; VIII: vW: Rco) sowie die Viskosität des Gesamtbluts und des Blutplasmas.

Antiepileptika

Aus den bis jetzt vorliegenden Anwendungsbeobachtungen geht hervor, dass mit den antiepileptischen Arzneimitteln Clonazepam, Carbamazepin, Phenytoin, Phenobarbital und Natriumvalproat kei­ne Interaktionen bekannt sind. Systematische Interaktionsstudien wurden jedoch nicht durchgeführt.

Alkohol

Gleichzeitige Verabreichung von Alkohol hatte keine Auswirkung auf die Serumkonzentration von Piracetam. Der Alkoholspiegel wurde durch eine orale Gabe von 1,6 g Piracetam nicht beeinflusst.

Schwangerschaft/Stillzeit

Schwangerschaft

Piracetam ist plazentagängig. Reproduktionsstudien bei Tieren haben keine Risiken für den Fötus gezeigt, aber es liegen keine kontrollierten Studien bei schwangeren Frauen vor. Bei der Anwendung während der Schwangerschaft ist Vorsicht geboten.

Stillzeit

Piracetam geht in die Muttermilch über. Piracetam sollte daher während der Stillzeit nicht verabreicht werden; wenn in der Stillzeit nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung eine Anwendung von Nootropil erforderlich ist, sollte abgestillt werden.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Aufgrund möglicher Nebenwirkungen kann Nootropil die Fahrtüchtigkeit und die Fähigkeit, Maschinen zu bedienen, beeinträchtigen.

Unerwünschte Wirkungen

Die häufigsten unerwünschten Wirkungen während der Behand­lung sind: Nervosität, Reizbarkeit, Schlaflosigkeit, Zittern, Depres­sion, Schläfrigkeit. Diese sind dosisabhängig und treten bei jungen Patienten weniger häu­fig (1-2%) auf als bei älteren Menschen (6-9%).

Gelegentlich sind Darmschwierigkeiten und Hypersensibilitäts-Reaktionen aufgetreten.

Meldungen aus klinischen Versuchen

In kontrollierten Studien sind weniger als 2% Nebenwirkungen aufgetreten. Diese wurden in der Regel bei älteren Patienten mit Dosie­rungen über 2,4 g/Tag beobachtet. In der Mehrzahl der Fälle konnten die Nebenwirkungen durch eine Reduktion der Dosis be­sei­tigt werden. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt liegen Daten über 3000 Patienten vor, welche im Rahmen von placebokontrollierten doppelblinden klinischen Versuchen Piracetam erhalten haben. Folgende unerwünschte Arzneimittelwirkungen wurden dabei mit statistischer Signifikanz bei der Piracetam-Gruppe (n= 3017) häufiger beobachtet als in der Placebogruppe (n= 2850).

Die Häufigkeiten sind wie folgt definiert: «sehr häufig» (≥ 1/10), «häufig» (<1/10, ≥1/100), «gelegentlich» (<1/100, ≥1/1000), «selten» (<1/1000, ≥1/10'000), «sehr selten» (<1/10'000).

Störungen des Nervensystems

Häufig: Hyperkinesie.

Gelegentlich: Somnolenz.

Stoffwechsel und Ernährungsstörungen

Häufig: Gewichtszunahme.

Psychiatrische Störungen

Häufig: Nervosität.

Gelegentlich: Depression.

Allgemeine Störungen und Reaktion an der Applikationsstelle

Gelegentlich: Asthenie, Libidosteigerung, Hypersexualität.

Sehr selten: Schweissausbrüche.

Daten seit Markteinführung

Folgende zusätzliche unerwünschte Arzneimittelwirkungen basieren auf Spontanmeldungen seit Markteinführung. Diese Daten zu unerwünschten Wirkungen, die seit Markteinführung gemeldet wurden, sind nicht geeignet um deren tatsächliche Häufigkeit abzuschätzen. Daher ist die Häufigkeit folgender unerwünschter Wirkungen nicht bekannt (Häufigkeit aufgrund vorliegender Daten nicht abschätzbar).

Störungen des Blut- und Lymphsystems: Haemorrhagische Erkrankungen.

Störungen des Immunsystems: Anaphylaktoide Reaktion, Hypersensitivität.

Psychiatrische Störungen: Erregung, Angstzustände, Verwirrtheitszustand, Halluzinationen.

Störungen des Nervensystems: Ataxie, Störung des Gleichgewichtssinnes, Verstärkung von epileptischen Anfällen, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit.

Funktionsstörungen des Ohrs und Innenohrs: Schwindel.

Gastrointestinale Störungen: Abdominalschmerzen, Diarrhöe, Übelkeit, Erbrechen.

Funktionsstörungen der Haut und des Unterhautgewebes: Angioneurotisches Ödem, Dermatitis, Pruritus, Urtikaria.

Überdosierung

Es sind Dosierungen bis 400 mg/kg pro Tag bei guter Verträglichkeit beschrieben worden. Ein spezifisches Antidot für Priacetam ist nicht bekannt. Im Falle einer Überdosierung sollte die Therapie symptomatisch erfolgen. Bei akuter Überdosierung kann der Magen durch Magenspülung oder durch Auslösen von Erbrechen entleert werden. Eine forcierte Diurese (bei oraler oder intravenöser Verab­reichung) kann erforderlich werden. Die Behandlung kann eine Haemodialyse beinhalten. Basierend auf einer kleinen Studie mit 4 Patienten betrug die Extraktionsleistung für Piracetam 50 bis 60%.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: N06BX03

Pharmakodynamik:

Der Einfluss von Piracetam auf das zentrale Nervensystem beruht auf den folgenden Wirkungen:

(1) Neuronale Effekte:

Piracetam bewirkt im Tier einen Schutz und eine Wieder­herstellung der kognitiven Fähigkeiten nach verschiedenen zerebralen Aggressionen einhergehend mit einer Hypoxie, einer Intoxikation oder einer elektrokonvulsiven Therapie. Die chronische oder akute Verabreichung von Piracetam an Patienten mit einer gestörten Hirnfunktion bewirkt signifikante EEG-Veränderungen, die sich in einer erhöhten Aufmerk­sam­keit und verbesserten kognitiven Funktion äussert (Erhöhung der Alphaaktivität).

(2) Hämorheologische Effekte einhergehend mit einer Verbesserung der Mikrozirkulation.

Die hämorheologische Wirkung von Piracetam kann den folgenden Effekten zugeschrieben werden:

  1. Reduktion der Plättchenaggregation
  2. Reduktion der Blutviskosität aufgrund einer erhöhten Membrandeformierbarkeit der Blutzellen, insbesondere der Erythrocyten, sowie Reduktion der Plasmaviskosität
  3. anti-vasospastischem Effekt

Klinische Wirksamkeit

Ein doppelblinde, randomisierte, placebokontrollierte, Parallelgruppen-Multicenterstudie zur Wirksamkeit und Sicherheit von Piracetam (9600 und 4800 mg/Tag, oral) wurde bei Patienten mit mild cognitive impairment (MCI) über 12 Monate durchgeführt.

Insgesamt wurden 675 Probanden mit der Diagnose MCI mit Hilfe einer umfassenden Testreihe zur Beurteilung der Kognition untersucht. Die Ergebnisse zeigten weder bei den primären noch bei den sekundären Endpunkten Unterschiede zwischen Piracetam und Placebo. Obwohl Patienten nach strikten Kriterien für MCI ausgewählt worden waren, konnte nicht einmal in der Placebogruppe während der Studiendauer von einem Jahr eine Verschlechterung der Kognition beobachtet werden. Die Gesamtinzidenz unerwünschter Wirkungen in der Piracetam 4800 mg Gruppe (72%) und in der Piracetam 9600 mg Gruppe (68%) war vergleichbar mit jener in der Placebo Gruppe (76%).

Weiterhin wurde eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Parallelgruppen-Multicenterstudie zur Bestimmung der Wirkung von zwei Piracetamdosen (2.4 g und 4.8 g/Tag) bei 306 Patienten mit age-related cognitive decline (ARCD) durchgeführt (Dauer der Behandlung: 3 Monate). Die zwei primären Beurteilungskriterien für die Wirksamkeit waren ein psychometrischer Test des episodischen Gedächtnisses und eine Skala zur Selbsteinschätzung der kognitiven Schwierigkeiten im täglichen Leben.

Die Studie konnte keine Wirkunterschiede zwischen der Placebo- und den 2 Piracetam-Gruppen ermitteln. Gesamthaft meldeten 41% der Patienten mindestens eine Nebenwirkung, wobei keine signifikanten Unterschiede zwischen Placebo und den 2 Piracetam-Gruppen beobachtet wurden.

Pharmakokinetik

Absorption:

Piracetam wird nach oraler Verabreichung (als Tabletten oder Trinklösung 33%) rasch und praktisch vollständig im Gastrointestinaltrakt resorbiert. Die Bioverfügbarkeit beträgt beinahe 100%. Eine Einmalgabe von 2 g ergibt eine maximale Serumkonzentration von 40 bis 60 µg/ml nach 1,5 Stunden. Im Liquor wird Cmax nach 2 bis 8 Stunden erreicht.

Die Verabreichung von Piracetam nach einer Mahlzeit kann das Erreichen der Plasmakonzentrationsspitze bis zu 3 Stunden verzögern. Das Ausmass der Bioverfügbarkeit ist dadurch nicht beeinträchtigt.

Distribution:

Das scheinbare Distributionsvolumen beträgt ungefähr 0,7 l/kg. Piracetam wird nicht an Plasmaproteine gebunden. Piracetam verteilt sich im gesamten Körper, ist liquor- und plazentagängig und tritt durch Dialysemembranen.

Metabolismus:

Piracetam wird weder beim Tier noch beim Menschen metabolisiert und ist als solches aktiv.

Elimination:

Piracetam wird unverändert über die Nieren ausgeschieden.

Nach 30 Stunden wird es praktisch vollständig (mehr als 95%) über den Harn ausgeschieden. Die Halbwertszeit, die von der Nierenfunktion abhängig ist, beträgt bei einem jungen, gesunden Erwachsenen 4 bis 6 Stunden. Die Nierenclearance von Piracetam bei gesunden Probanden beträgt 81 ml/min.

Kinetik spezieller Patientengruppen:

Ältere Patienten

Bei älteren Personen ist die Ausscheidung von Piracetam verlangsamt und hängt von der physiologischen Funktions­verminderung ab (T½ ungefähr 8 Stunden).

Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion

Bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion (Nieren­insuffizienz und/oder ältere Patienten) ist die Elimination von Piracetam deutlich reduziert, was zu einer verlängerten Halb­werts­zeit und einer geringeren systemischen Clearance führt. Daher ist bei Patienten mit einer verminderten Nieren­funktion (<80 ml/min) die tägliche Dosis zu reduzieren (siehe «Dosierung/Anwendung»).

Präklinische Daten

Akute Toxizität

Piracetam erwies sich an Maus, Ratte und Hund nach oraler und intravenöser Applikation als gut verträglich. Erste Zeichen einer Toxizität wurden nach 18'200 mg/kg/oral bzw. nach 9'500 mg/kg/intraperitoneal bei der Maus beobachtet.

Chronische Toxizität

Versuche an Ratten über 6 Monate mit Dosierungen bis zu 1 g/kg KG und an Beagle-Hunden über 12 Monate von bis zu 10 g/kg KG ergaben keine Anhaltspunkte für eine toxische Wirkung.

Mutagenes und tumorerzeugendes Potenzial

Piracetam wurde bezüglich mutagener Wirkungen mittels verschiedener Tests untersucht. Die Ergebnisse waren negativ. Langzeituntersuchungen an Ratte und Maus ergaben keine Hinweise auf ein tumorerzeugendes Potential von Piracetam.

Reproduktionstoxikologie

Piracetam passiert die Placenta und ist, 2 bis 3 Stunden vor der Geburt gegeben, sowohl im fetalen Plasma als auch in der Amnionflüssigkeit nachweisbar. Im fetalen Plasma fanden sich ca. 50% der maternalen Plasmakonzentration. Dosis-unabhängig war die Plasmahalbwertszeit beim Neugeborenen fast doppelt so hoch wie bei der Mutter. Untersuchungen an Ratte, Maus und Kaninchen haben keine Hinweise auf teratogene oder andere embryotoxische Eigenschaften von Piracetam ergeben. Weitere Tierstudien zur Reproduktionstoxikologie liegen nicht vor. Es ist nicht bekannt, ob Piracetam in die Muttermilch übergeht.

Sonstige Hinweise

Haltbarkeit:

Ausser Reichweite von Kindern aufbewahren.

Das Arzneimittel darf nur bis zu dem auf der Verpackung mit «EXP» bezeichneten Datum verwendet werden.

Besondere Lagerungshinweise:

Bei Raumtemperatur (15-25 °C) aufbewahren.

Die Trinklösung 33% ist nach Öffnung 60 Tage haltbar.

Zulassungsnummer

40502, 54650 (Swissmedic).

Zulassungsinhaberin

UCB-Pharma AG, Bulle.

Stand der Information

Dezember 2012.

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