Litarex Retard Tabl 100 Stk

Fachinformationen

Zusammensetzung

Wirkstoff: Lithii citras.

Hilfsstoffe: Dibutylis Phthalas, Excipiens pro compresso.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

1 Retardtablette (mit Zierrille) enthält Lithii citras 564 mg corresp.: Lithium 6 mmol.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Zur Behandlung akuter Episoden der Manie und Hypomanie.

Zur Prophylaxe manisch-depressiver Episoden.

Dosierung/Anwendung

Die Dosierung von Litarex muss bei Therapiebeginn individuell ermittelt werden. Dies erfolgt durch Bestimmung der Serumkonzentration von Lithium genau 12 Stunden nach Einnahme der letzten Retardtablette (möglichst im Steady-state) und unter Berücksichtigung der klinischen Wirkung. Der optimale Blutspiegel liegt bei 0.6–1.2 mmol/l.

Zur Einstellung eines Patienten auf Litarex wird während einer Woche morgens und abends je 1 Retardtablette verabreicht. Dann wird die Serumkonzentration von Lithium bestimmt und die Dosis so angepasst, dass eine Serumkonzentration im Bereich von 0.8 mmol/l erreicht wird.

Während der nächsten Wochen wird die Lithiumkonzentration im Serum wöchentlich bestimmt und die Dosis, wenn nötig, angepasst. Sollten unter einer bestimmten Dosis zu starke Nebenwirkungen auftreten, müsste der Patient auf eine tiefere Serumkonzentration eingestellt werden. Nach optimaler Einstellung genügt es in der Regel, die Serumkonzentration von Lithium alle 2 Monate zu kontrollieren. Zusätzliche Bestimmungen der Serumkonzentration sind nötig bei schweren Nebenwirkungen oder bei Therapien und Zuständen, die mit Änderungen im Wasser- und Elektrolytgleichgewicht einhergehen.

Die Retardtabletten werden unzerkaut mit etwas Wasser geschluckt. Sie verfügen über eine Zierrille, die nicht zum Teilen der Retardtabletten in gleiche Dosen bestimmt ist.

Ältere Patienten

Ältere Patienten benötigen oft kleinere Dosen, um therapeutische Serumkonzentrationen zu erreichen. Bei dieser Patientengruppe können sich auch bereits Nebenwirkungen bei Dosierungen zeigen, die von jüngeren Patienten toleriert werden (vgl. Rubrik «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Kinder und Jugendliche

Weil Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit bei Kindern unter 12 Jahren fehlen, wird die Lithiumtherapie in dieser Altersgruppe nicht empfohlen.

Eine Anwendung des Präparates bei Jugendlichen soll nur in Spitälern mit entsprechender Erfahrung erfolgen.

Kontraindikationen

Patienten mit bekannter Überempfindlichkeit auf Lithium oder gegen einen Hilfsstoff von Litarex.

Lithium sollte im Allgemeinen nicht verabreicht werden an Patienten mit:

  • Nierenerkrankungen.
  • Herzkreislauferkrankungen (insbesondere Herzinsuffizienz), Long QT-Syndrom.
  • Unbehandeltem Hypothyreodismus.
  • Gestörtem Natrium-Haushalt aufgrund einer Dehydrierung.
  • Reduzierter Kochsalzaufnahme.
  • Addison Krankheit.

In diesen Fällen besteht für die Patienten ein erhöhtes Risiko für eine Lithium-Intoxikation. Sollte allerdings die psychiatrische Indikation lebensbedrohend sein und der Patient auf andere Behandlungen nicht ansprechen, kann die Behandlung mit Litarex unter grösster Vorsicht erfolgen. In diesen Fällen sollte der Patient hospitalisiert und die Serum-Lithiumkonzentrationen täglich gemessen werden.

Während der Einnahme von Litarex darf nicht gestillt werden (vgl. Rubrik «Schwangerschaft/Stillzeit»).

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Einer gründlichen körperlichen Untersuchung zu Beginn der Behandlung soll sich eine sorgfältige Überwachung der Patienten im Hinblick auf die Wirkung von Litarex anschliessen. Zu Beginn der Therapie ist eine wöchentliche Lithium-Serumbestimmung notwendig. Bei fortgesetzter Behandlung sollte der Lithiumspiegel alle 2 Monate ermittelt werden.

Bei einer kurzfristigen Unterbrechung (nicht ohne Risiko für den Patienten) sollte die Tagesdosis so weit reduziert werden, dass der Lithiumserumspiegel die untere therapeutische Grenze von 0.6 mmol(mval)/l nicht unterschreitet. Ausserdem ist es ratsam, die Tagesdosis in diesem Fall auf 4 Einnahmen zu verteilen, um Konzentrationsspitzen im Serum zu vermeiden.

Vor der Einleitung einer Behandlung mit Lithium sollte unbedingt eine vollständige Blutuntersuchung mit Schilddrüsenfunktionstests (T4 und TSH), eine Kreatininmessung im Serum (oder Bestimmung der Kreatinin-Clearance) und ein Urinsediment durchgeführt werden. Es sollte eine Gewichtskontrolle vorgenommen werden. Lithium kann die T-Wellen im Elektrokardiogramm beeinflussen. Bei bestimmten Personen ist vor der Einleitung der Lithiumbehandlung ein Elektrokardiogramm vorzusehen. Eine regelmässige klinische und blutchemische Überwachung der Schilddrüsenfunktion unter fortgesetzter Lithiumbehandlung ist zur Aufdeckung eventueller iatrogener Schilddrüsenstörungen unerlässlich.

Chronische Lithiumtherapie kann mit eingeschränkter Konzentrationsfähigkeit der Nieren assoziiert sein, welche sich gelegentlich als nephrogener Diabetes insipidus mit Polyurie und Polydipsie äussert. Es empfiehlt sich deshalb eine vermutete Störung der Nierenfunktion (Wasserrückresorption) durch die Messung des Serum-Natrium-Spiegels zu überprüfen. Bei Patienten mit diesen Symptomen soll eine Dehydrierung mit besonderer Vorsicht vermieden werden, um eine toxische Lithium-Retention zu vermeiden.

Langzeittherapie

Bei Langzeittherapie mit lithiumhaltigen Arzneimitteln wurde sehr selten eine chronische tubulo-interstitielle Nephropathie beobachtet, die irreversibel sein kann. Aus diesem Grund wird während der Therapie mit Lithium eine regelmässige Kontrolle der Nierenfunktion empfohlen.

Bei Patienten mit stark eingeschränkter Nierenfunktion, welche mehr als 10 Jahre mit Lithium behandelt wurden, besteht zudem das Risiko, dass sich gutartige oder bösartige Nierentumore (Mikrozysten, onkozytäre Karzinome, Sammelrohrkarzinome) entwickeln können.

Bei diesen Patienten wird empfohlen, regelmässige Ultraschallkontrollen der Niere durchzuführen, auch nach Beendigung der Therapie mit Lithium.

Kombinierte Therapie

Patienten, die gleichzeitig mit Neuroleptika behandelt werden, sollten eng überwacht und auf Frühsymptome einer Neurotoxizität untersucht werden. Falls diese Symptome auftreten, ist die Behandlung sofort abzubrechen. In extrem seltenen Fällen kann die gleichzeitige Verabreichung von Lithium und Neuroleptika zu einem enzephalopathischen Syndrom führen (charakterisiert durch Delirium, Anfälle oder erhöhte Inzidenz extrapyramidaler Symptome), welches ähnlich oder identisch zu einem malignen Neuroleptika-Syndrom sein kann. In einigen Fällen entstand irreversibler Hirnschaden.

Diuretika sollten nur mit Vorsicht während der Lithiumtherapie verschrieben werden (siehe «Interaktionen»). Die Lithiumkonzentration sollte in kürzeren Intervallen bestimmt und die Dosis entsprechend angepasst werden.

Elektroschockbehandlung

Lithium sollte 2 Tage vor Beginn der Elektroschockbehandlung abgesetzt werden, um das Risiko von Delirium, welches bei Kombination dieser beiden Therapien auftreten kann, zu vermindern.

Narkose

Vor einer Allgemeinnarkose empfiehlt es sich, Lithium 2–3 Tage vor dem Eingriff abzusetzen.

Toxizität

Die Lithiumtoxizität steht in enger Beziehung zur Serum-Lithiumkonzentration und muss ab Konzentrationen von 1.5 mmol/I erwartet werden, obwohl in besonders empfindlichen Individuen toxische Symptome auch bei therapeutischen Blutspiegeln auftreten können. Die Behandlung sollte bei den ersten Anzeichen einer Toxizität sofort abgebrochen werden. Die toxischen Symptome umfassen:

  • Gastrointestinale Beschwerden, z.B. Diarrhö, Erbrechen und Dehydratation.
  • Kardiovaskuläre Befunde, z.B. QT/QTC-Verlängerung.
  • Neurologische Beschwerden, z.B. Ataxie, Tremor, Hypertonie, unfreiwillige muskuläre Kontraktionen, Hyperreflexie, Sprachstörungen, Verwirrtheit, Schläfrigkeit und Nystagmus.

Über akutes Nierenversagen wurde in seltenen Fällen bei Lithiumintoxikation berichtet.

In schweren Fällen der Intoxikation können Krämpfe, Koma oder der Tod auftreten.

Natrium- und Kalium-Rückresorption

Lithium reduziert am Anfang der Therapie die renale Natrium- und Kalium-Rückresorption, welches zur Ausschwemmung von Natrium führen kann. Normalerweise sollte jedoch die Natrium- und Kaliumausscheidung innerhalb einer Woche wieder die Basalwerte vor der Behandlung erreichen.

Ambulante Patienten oder deren Familienangehörige sollten angewiesen werden,

  • dass der Patient die Lithiumtherapie unverzüglich abbricht und den Arzt kontaktiert, falls folgende Symptome auftreten: Polydipsie, Polyurie oder klinische Anzeichen einer Lithiumtoxizität.
  • über die Notwendigkeit ausreichender Salz- und Wasseraufnahme.
  • dass das Arzneimittel zur festgesetzten Zeit eingenommen werden muss.

Falls eine Dosis vergessen wurde, soll der Patient diese auslassen und die Einnahme zum nächsten vorgeschriebenen Zeitpunkt abwarten. Es dürfen keine doppelten Dosen zur Kompensation vergessener Dosierungen eingenommen werden.

Die Fähigkeit, Lithium zu tolerieren, ist am grössten während der akuten manischen Phase und sinkt, nachdem die manischen Symptome abklingen.

Folgende Faktoren können die renale Ausscheidung von Lithium reduzieren und dadurch Toxizität auslösen:

  • Erbrechen,
  • Diarrhö,
  • Gleichzeitig auftretende Infektionen,
  • Flüssigkeitsverlust,
  • Andere Arzneimittel (vgl. Rubrik «Interaktionen»).

Ältere Patienten

Lithium sollte nur mit Vorsicht bei älteren Patienten angewendet werden, da bei eingeschränkter Nierenfunktion eine erhöhte Empfindlichkeit besteht.

Interaktionen

Interaktionen können mit einer Anzahl von Arzneimitteln eintreten und eine kombinierte Behandlung mit anderen Arzneimitteln sollte mit Vorsicht durchgeführt werden. Insbesondere von folgenden klinischen Interaktionen wurde berichtet:

Interaktionen, die:

Zu einem Anstieg der Serum-Lithiumkonzentrationen führen

Folgende Wirkstoffe können die «steady state» Serum-Lithiumkonzentrationen erhöhen, was mit einer möglichen Lithiumintoxikation verbunden sein kann:

  • Metronidazol.
  • Nichtsteroidale Entzündungshemmer.
  • ACE-Hemmer.
  • Angiotensin-II-Rezeptor-Antagonisten (Sartane).
  • Diuretika: Kaliumsparende Mittel, Schleifendiuretika. Thiazide können paradoxerweise Wasser-Retention und Lithiumintoxikation bewirken (vgl. Rubrik «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Zu einer Senkung der Serum-Lithiumkonzentration führen

Eine Senkung der Serum-Lithiumkonzentration kann bei gleichzeitiger Verabreichung mit folgenden Stoffen beobachtet werden:

  • Harnstoff (Carbamid).
  • Xanthine.
  • Alkalinisierende Stoffe wie z.B. Natriumbicarbonat.
  • Diuretika (siehe auch oben): Osmotisch wirkende Diuretika und Carbonanhydrasehemmer inkl. Acetazolamid.

Die Messung des Serumspiegels von Lithium soll deshalb häufig erfolgen, sobald die Therapie mit einem der oben beschriebenen Stoffe begonnen wird.

Potentiell neurotoxisch wirkende Kombinationen

Neurotoxische Reaktionen sind möglich in Kombination mit:

  • Neuroleptika, welche ein enzephalopathisches Syndrom bewirken können (vgl. Rubrik «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).
  • Antiepileptika.
  • Methyldopa.
  • Selektive Serotonin-Antagonisten (5-HT-Antagonisten). Gleichzeitige Verabreichung sollte mit Vorsicht durchgeführt werden, da diese Kombination ein serotonerges Syndrom bewirken kann.
  • Kalzium-Kanal-Blocker. Diese können die neurotoxische Wirkung von Lithium steigern und es kann notwendig sein, den Lithiumspiegel auf das untere Ende des therapeutischen Bereichs einzustellen.
  • Trizyklische Antidepressiva.

Weitere Interaktionen

Lithium kann die Wirkung von Mitteln zur neuromuskulären Blockade verlängern. Bei gleichzeitiger Anwendung von Calcitonin und Lithium kann es zu einer Abnahme der Plasmakonzentration von Lithium bis zu 30% kommen. Evtl. ist eine Dosisanpassung von Lithium erforderlich.

Elektroschockbehandlung: vgl. Rubrik «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen».

Schwangerschaft/Stillzeit

Es gibt klare Hinweise für Risiken des menschlichen Fötus. Epidemiologische Daten deuten darauf hin, dass Lithium das fötale Risiko für kardiale Anomalien, insbesondere das Ebstein Syndrom, und andere Anomalien erhöht.

Litarex darf nicht während der Schwangerschaft (insbesondere im 1. Trimester) verabreicht werden.

Muss eine Lithiumtherapie durchgeführt werden, ist vor Behandlungsbeginn eine Schwangerschaft auszuschliessen und während der Behandlung ist eine sichere Empfängnisverhütung zu gewährleisten. Kommt es trotzdem unter Lithiumbehandlung zu einer Schwangerschaft, sollte die minimal wirksame Dosis gewählt und die Serumspiegel häufig bestimmt werden, wegen der mit der Schwangerschaft und Geburt verbundenen Veränderungen der Nierenfunktion.

Lithium sollte 7 bis 10 Tage vor dem Geburtstermin abgesetzt werden, da die renale Ausscheidungskapazität während der Geburt dramatisch sinkt. Dies kann zu Intoxikationen der Mutter und des Neugeborenen führen. Neugeborene können Anzeichen einer Lithiumintoxikation aufweisen, die eine Flüssigkeitstherapie in der Neugeborenenphase erfordern. Neugeborene mit einer geringen Lithium-Serumkonzentration können eine Hypotonie, eine Hypothermie sowie Saugschwierigkeiten aufweisen, die sich ohne jegliche Behandlung normalisieren.

Tierexperimentelle Untersuchungen zum Hilfsstoff Dibutylphthalat haben in höheren Dosisbereichen eine Beeinträchtigung der Entwicklung der Reproduktionsorgane gezeigt, und es liegen keine aussagekräftigen klinischen Studien vor.

Stillzeit

Lithium wird in die Muttermilch ausgeschieden. Es ist nicht bekannt, ob auch der enthaltene Hilfsstoff Dibutylphthalat in die Muttermilch übertritt. Während einer Lithiumtherapie darf nicht gestillt werden.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Lithium kann ZNS-Störungen wie Schläfrigkeit, Schwindel oder Halluzinationen verursachen. Die Patienten sollten auf die möglichen Gefahren beim Führen von Fahrzeugen oder Bedienen von Maschinen hingewiesen werden.

Unerwünschte Wirkungen

Auftreten und Ausmass der unerwünschte Wirkungen korrelieren im Allgemeinen mit dem Lithiumspiegel, sind aber auch von der individuellen Empfindlichkeit abhängig. Die therapeutische Breite zwischen therapeutischen und toxischen Dosen ist sehr eng.

Die folgenden Häufigkeitsdefinitionen werden verwendet:

Sehr häufig (≥1/10), häufig (≥1/100, <1/10), gelegentlich (≥1/1'000, <1/100), selten (≥1/10'000, <1/1'000), sehr selten (<1/10'000). Unerwünschte Wirkungen, deren Frequenz auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar ist, werden ohne Angaben der Häufigkeit aufgelistet.

Unerwünschte Wirkungen zu Therapiebeginn

Sehr häufig (30-50%): Leichter Tremor der Hände, Polyurie, Durst und Nausea.

Diese unerwünschten Wirkungen verschwinden gewöhnlich im Verlauf der Therapie oder nach einer Dosisreduktion.

Unerwünschte Wirkungen in Abhängigkeit vom Lithiumspiegel bei üblichen Dosierungen

Ganzer Körper: Ödeme.

Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems

Bei den meisten Patienten können auftreten: Leukozytose.

Sehr selten: Thrombozytose, Anstieg der Erythrozytenzahl.

Endokrine Störungen

Häufig: Struma (euthyreot), Hypothyreose.

Selten: Hyperthyreose, Hyperparathyreose.

Stoffwechsel- und Ernährungsstörungen

Sehr häufig (ca. 30%): Gewichtszunahme.

Ausserdem können in Einzelfällen auftreten: Hyperglykämie, Hyperkalzämie.

Psychiatrische Erkrankungen

Es können in Einzelfällen auftreten: Halluzinationen, Somnolenz, Gedächtnisverlust.

Erkrankungen des Nervensystems

Häufig: Tremor.

Ausserdem können in Einzelfällen auftreten: Faszikuläre Zuckungen, Zuckungen und Klonus der Extremitäten, Ataxie, Choreoathetose, hyperaktive Sehnenreflexe, extrapyramidale Symptome, Anfälle, verwaschene Sprache, Schwindel, Nystagmus, Stupor, Koma, Pseudotumor cerebri, Kopfschmerzen, Dysgeusie.

Selten: Myasthenia gravis.

Augenerkrankungen

Es können in Einzelfällen auftreten: Skotom, getrübtes Blickfeld.

Herzerkrankungen

Sehr häufig (20-30%): EKG-Veränderungen wie reversible Abflachung und Inversion der T-Wellen sowie Verlängerung des QT-Intervalls.

Ausserdem können in Einzelfällen auftreten: Arrhythmie, vor allem Bradykardie aufgrund von Sinus-Knoten-Dysfunktion, peripherer Kreislaufkollaps, niedriger Blutdruck, Ödeme und Raynaud Krankheit.

Erkrankungen des Gastrointestinaltraktes

Sehr häufig: Mundtrockenheit.

Häufig: Anorexie, Nausea, Erbrechen, Diarrhö.

Ausserdem können in Einzelfällen auftreten: Gastritis, übermässiger Speichelfluss.

Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes

Gelegentlich: Akne, Follikulitis.

Selten: Alopezie, Pruritus, Auslösen oder Verstärkung der Psoriasis, Angioödem, Ausschläge und andere Anzeichen einer Überempfindlichkeit.

Skelettmuskulatur-, Bindegewebs- und Knochenerkrankungen

Es können in Einzelfällen auftreten: Arthralgie, Myalgie.

Erkrankungen der Nieren und Harnwege

Sehr häufig (10-25%): Symptome eines nephrogenen Diabetes insipidus (Polydipsie, Polyurie).

Sehr selten: Chronische tubulo-interstitielle Nephropathie zum Teil mit irreversibler Fibrose.

In Einzelfällen: Bildung von gutartigen/bösartigen Nierentumoren (Mikrozysten, onkozytäre Karzinome oder Sammelrohrkarzinome) bei Langzeittherapie.

Ausserdem können in Einzelfällen auftreten: Harninkontinenz, nephrotisches Syndrom (vgl. Rubrik «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Erkrankungen der Geschlechtsorgane und der Brustdrüse

Es können in Einzelfällen auftreten: Impotenz, sexuelle Dysfunktion.

Überdosierung

Die toxischen Konzentrationen von Lithium sind nahe den therapeutischen Konzentrationen. Die Symptome sind ähnlich wie unter «Unerwünschte Wirkungen» beschrieben (u.a. Tremor, Diarrhö, kardiovaskuläre Störungen wie Arrhythmie, Bradykardie, Kreislaufkollaps). In schweren Fällen können Krampfanfälle, Koma oder der Tod auftreten. Die Behandlung besteht in einer Magenentleerung zusammen mit unterstützenden und symptomatischen Massnahmen, einschliesslich der Normalisierung der Elektrolyten-Balance. Forcierte Diurese und Dialyse sind wirksam.

Lithium ist tubulotoxisch und erzeugt dosisabhängig eine Einschränkung der Harnkonzentration bis zum Diabetes insipidus. Bei Überdosierung kann dies zum akuten Nierenversagen infolge Tubulusnekrose führen.

Es ist kein Antidot bekannt.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: N05AN01

Litarex ist angezeigt zur Prophylaxe und Therapie affektiver Störungen der manisch-depressiven Formenkreise. Die volle Wirkung der Behandlung tritt mitunter erst nach Monaten ein. In vielen Fällen ist eine jahrelange, ununterbrochene Lithium-Behandlung notwendig.

Der Wirkmechanismus von Lithium ist noch nicht geklärt. Experimente zeigen jedoch, dass Lithium mehrere neurochemische Systeme modulieren kann. Diese sind: Ionenkanäle, Neurotransmitter (Serotonin, Dopamin und Norepinephrin) und sekundäre Botenstoffe wie Phosphoinositide und zyklisches AMP (cAMP).

Im Bereich Neurotransmitter kann die β-Rezeptoren-Funktion gehemmt und die Norepinephrin und Serotonin-Freisetzung gesteigert sein.

Wird Lithium in Kombination mit Neuroleptika verabreicht, wird die Induktion von Dopamin-Rezeptoren gehemmt. Konzentration und Umsatz von Dopamin wird gesteigert. Dies verhindert die Freisetzung von Norepinephrin sowie die Induktion der D2-Rezeptoren und steigert die Wirkung indirekter Agonisten.

Im Bereich sekundäre Botenstoffe wird eine Reduktion von Inositol und eine Hemmung des Phosphoinositid-Zyklus beobachtet. Die Aktivität der Adenylatcyclase kann sowohl gehemmt als auch gesteigert sein.

Pharmakokinetik

Absorption

Lithium wird nach oraler Einnahme fast vollständig resorbiert (mindestens 85%). Die Freisetzung ist unabhängig vom Magen-Darm-Inhalt.

Maximale Plasmakonzentrationen werden ca. 2 Stunden nach Einnahme von Litarex erreicht. Die Serumkonzentrationen streuen stark von Patient zu Patient. Die therapeutisch wirksamen Serumkonzentrationen sind ebenfalls individuell unterschiedlich.

Distribution

Nach der Resorption wird das Lithium in der gesamten Körperflüssigkeit verteilt (Verteilungsvolumen 0.7 l/kg). Eine Bindung an Plasmaproteine findet nicht statt. Die Konzentration im Liquor entspricht etwa 50% der Serumkonzentration. Lithium passiert die Plazentaschranke und geht auch in die Muttermilch über. Die therapeutische Serumkonzentration liegt zwischen 0.6 und 1.2 mmol/l.

Elimination

Lithium wird zu über 95% unverändert durch die Nieren ausgeschieden. Die Geschwindigkeit der renalen Ausscheidung ist abhängig vom Natriumangebot und der Hydratation des Organismus. Bei normaler Nierenfunktion liegt die renale Clearance bei ca. 30 ml/kg/Std. und die terminale Halbwertzeit bei 20–27 Stunden.

Kinetik spezieller Patientengruppen

Bei älteren Patienten oder bei eingeschränkter Nierenfunktion ist die renale Clearance vermindert.

Präklinische Daten

Lithium besitzt nur eine geringe therapeutische Breite. Die ersten Symptome einer Intoxikation treten meist schon bei Serumkonzentrationen von über 1.5 bis 2.0 mmol/l auf.

In Verbindung mit Risikofaktoren (vgl. Rubriken «Kontraindikationen», «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen» sowie «Interaktionen») oder bei besonders empfindlichen Individuen können toxische Symptome bereits bei therapeutischen Blutspiegeln auftreten. Untersuchungen der subchronischen und chronischen Toxizität am Versuchstier ergaben Funktionsstörungen und Vergrösserungen der Schilddrüse sowie Schädigungen der Niere und des ZNS.

Studien am Tier ergaben Hinweise auf ein reproduktionstoxikologisches und teratogenes Potenzial von Lithium. Bei Ratten, Mäusen und Schweinen wurden mehr intrauterine Resorptionen, kleinere Würfe und postpartal weniger überlebende Neugeborene beobachtet, bei Ratten und Mäusen traten ausserdem Knochenmissbildungen auf.

Untersuchungen in-vitro und in Versuchstieren zeigten, dass Lithiumverbindungen in einem sehr hohen zytotoxischen Dosisbereich Chromosomenmutationen induzieren können. Zum karzinogenen Potenzial von Lithium liegen keine gesicherten Daten vor.

Der enthaltene Hilfsstoff Dibutylphthalat hat in tierexperimentellen Studien die Entwicklung der Reproduktion (unter anderem Effekte auf die Ausbildung des Hodens, Verminderung des Anogenitalabstandes als Anzeichen für eine Verweiblichung männlicher Nachkommen) und das Gewicht der Nachkommen beeinflusst. Die niedrigste Dosis, welche in relevanten Multigenerationsstudien in Ratten keine Effekte gezeigt hat, lag bei 50 mg/kg/Tag. Epidemiologische Untersuchungen lassen diese Befunde zur Zeit weder eindeutig bestätigen, noch ausschliessen.

Sonstige Hinweise

Haltbarkeit

Das Arzneimittel darf nur bis zu dem auf dem Behälter mit «EXP:» bezeichneten Datum verwendet werden.

Die Retardtabletten sind in Kunststoffflaschen abgepackt. Die Flasche ist nach Entnahme einer Retardtablette wieder gut zu verschliessen.

Besondere Lagerungshinweise

Bei Raumtemperatur (15-25 °C) in der Originalverpackung, vor Feuchtigkeit geschützt und ausser Reichweite von Kindern aufbewahren.

Zulassungsnummer

40669 (Swissmedic).

Zulassungsinhaberin

Actavis Switzerland AG, 8105 Regensdorf.

Stand der Information

Februar 2016.

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