Heparin Fresenius 25000 E/5ml 5 Durchstf 5 Ml

Fachinformationen

Zusammensetzung

Wirkstoff: Heparin Natrium (aus Schweinemucosa).

Hilfsstoffe: Conserv.: Chlorobutanolum hemihydricum 5 mg/ml, Aqua ad solutionem.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Injektionslösung (5 ml) zu 25’000 I.E.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Prophylaxe und Therapie von Krankheitsbildern des thromboembolischen Formenkreises (Thrombophlebitiden, Phlebitiden, Embolien) in den verschiedenen Organsystemen (z.B. im Anschluss an eine thrombolytische Therapie). Ferner bei herzchirurgischen Eingriffen (extrakorporaler Kreislauf) oder im Falle einer Heparinisierung bei extrakorporalem Kreislauf und Hämodialyse.

Dosierung/Anwendung

Die Dosierung von Heparin Fresenius muss streng nach den sich bietenden therapeutischen Erfordernissen erfolgen.

Dosierung Prophylaxe thromboembolischer Erkrankungen

Subkutane Applikation

Erwachsene

2 Stunden vor dem Eingriff und postoperativ jede 8.–12. Stunde 5’000 I.E. s.c.

Die subkutane Anwendung (sog. «low dose Heparin therapy») erfolgt in Einzeldosen von 2’500–5’000 I.E. Heparin Fresenius in ca. achtstündlichen Intervallen. Eine Kontrolle der PTZ-Werte sollte in regelmässigen Abständen erfolgen, um das Risiko eines hämorrhagischen Zwischenfalls einschätzen zu können.

Dosierung Therapie thromboembolischer Erkrankungen

Kontinuierliche intravenöse Dauerinfusion mittels Perfusor

Erwachsene

Einer i.v. Dauerinfusion sollte eine körpergewichtadaptierte initiale Bolusgabe von 5’000–10’000 I.E. Heparin Fresenius vorangestellt werden. Für die Dauer der Infusion sollten stündlich ca. 1’000 I.E. Heparin Fresenius appliziert werden. Hierzu sollten 25’000 I.E. Heparin Fresenius (5 ml) mit 45 ml Trägerlösung gemischt werden, was eine 10%ige Infusionslösung ergibt. Folgende zwei Trägerlösungen dürfen angewendet werden: NaCl 0,9%- oder Ringerlactat-Lösung.

Die gesamte Tagesdosis sollte 50’000 I.E. nicht überschreiten, unter Berücksichtigung der initialen Bolusgabe von ca. 10’000 I.E. Dosiskorrekturen können in Abhängigkeit der gemessenen partiellen Thromboplastinzeit (PTZ) notwendig werden.

Die Kontrolle der Effizienz der Heparintherapie soll ca. 1 Stunde vor Beginn einer erneuten Dauerinfusion anhand der PTZ überprüft werden. Bei Patienten mit einer floriden Thrombose ist zu beachten, dass es initial zu einer sogenannten Heparinresistenz kommen kann, die zumindest teilweise auf eine vermehrte Freisetzung des Plättchenfaktors IV aus den in Thromben befindlichen Plättchen resultieren kann.

Kinder und untergewichtige Erwachsene

Initialdosis 50 I.E./kg KG als Bolus i.v., anschliessend Dauer­infusion mit 20 I.E./kg KG/h mittels Perfusor.

Diskontinuierliche intravenöse Injektion

Erwachsene

Im Rahmen dieser Applikationsform beträgt die übliche Tagesdosis 40’000–50’000 I.E., die vier- bis sechs-stündlich in Einzeldosen von 5’000–10’000 I.E. gegeben werden sollte, wobei die gewählte Dauer sich an der ca. eine Stunde vor erneuter Heparingabe durchgeführten Messung der aktivierten PTZ orientieren sollte, die ca. 1,5–2,5fach über dem für die PTZ relevanten Normwert liegen sollte.

Kinder und untergewichtige Erwachsene

Siehe die Rubriken «kontinuierliche intravenöse Dauerinfusion» und «Subkutane Injektion».

Subkutane Injektion

Erwachsene: 15’000 I.E. alle 12 Stunden.

Kinder oder untergewichtige Erwachsene: 250 I.E./kg KG alle 12 Stunden.

Ausführung der s.c. Injektion

Am Unterbauch (links oder rechts der Mittellinie, seitlich): Mit zwei Fingern eine Hautfalte anheben (nicht drücken), dann Injektionsnadel senkrecht zur Hautfalte etwa einen Zentimeter tief einstechen, aspirieren und langsam injizieren.

An Extremitäten (Vorderseite von Oberarm oder Oberschenkel): Die Injektionsnadel in flachem Winkel etwa einen halben Zentimeter tief einstechen, aspirieren und langsam injizieren.

Bei Auftreten starker Schmerzen ist es möglich, dass ein Hautnerv, eventuell ein Gefäss getroffen wurde. In solchen Fällen s.c. Injektion an anderer Stelle durchführen.

Zur Vermeidung lokaler Hämatome soll die Nadel wieder im gleichen Winkel herausgezogen und die Injektionsstelle nur leicht abgetupft werden.

Dosierung extrakorporaler Kreislauf

Heparinisierung des Patienten mit 150–300 I.E. Heparin Fresenius pro kg Körpergewicht und entsprechend exakten Gerinnungsbestimmungen durch Applikation in den extrakorporalen Kreislauf. Heparinisierung der einzelnen Blutkonserve mit 1’500–2’000 I.E. Heparin Fresenius pro 500 ml.

Dosierung Dialyse

Die Dosierung von Heparin richtet sich nach dem Resultat der Gerinnungsbestimmungen, da die Blutgerinnung bei diesen Patienten oft gestört ist. Das Präparat wird initial in den Shunt injiziert und nachfolgend per Heparinpumpe in das arterielle Blutschlauchsystem infundiert.

Kontraindikationen

Überempfindlichkeit gegen Heparin oder einen der Inhaltsstoffe, zerebrale Blutungen, Thrombozytopenie, Heparin assoziierte Thrombopenie in der Anamnese, Hämorrhagische Diathese, schwere Störung der Blutgerinnung, Hypertonie, schwere Leber- und Niereninsuffizienz, ulzeröse Erkrankungen des Verdauungstraktes, subakute bakterielle Endokarditis, nach Eingriffen an Auge, Gehirn und Rückenmark (erhöhte Blutungsgefahr), drohender Abort.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Als allgemeine Regel gilt, dass bei Patienten mit einem erhöhten Blutungsrisiko Heparin mit grosser Vorsicht verabreicht werden sollte. So sollten zur Vermeidung von Blutungen während der Behandlung mit Heparin keine i.m. Injektionen verabreicht werden, und besondere Vorsicht ist angebracht bei Nierenerkrankungen und bei Hepatopathie in der Gravidität (erhöhte Heparinempfindlichkeit) sowie nach Eingriffen an Prostata, Leber und Gallenwegen.

Bei Patienten, die unter Heparin klinisch relevante Thrombozytopenien mit eventuell zusätzlicher paradoxer Neigung zu arteriellen Thrombosen entwickeln (bzw. entwickelten), dürfen konventionelle und niedermolekulare Heparine nur nach negativem In-vitro-Thrombozyten-Aggregationstest verabreicht werden. Bei einem positiven Ergebnis ist Heparin Fresenius Injektionslösung kontraindiziert. Falls die fortgesetzte Verabreichung von Heparin unerlässlich ist, kann nach Erhalt eines negativen In-vitro-Thrombozyten-Aggregationstests mit der Verabreichung von Heparin aus einer anderen Quelle, z.B. LMW-Heparin (niedermolekulares Heparin) begonnen werden. Die Thrombozytenzahl sollte jedoch überwacht werden.

Unbedeutende Blutungen, insbesondere kleinere Hämatome, erfordern keine Unterbrechung der Behandlung, doch ist gegebenenfalls eine Herabsetzung der Dosis zu erwägen.

Nur bei Fällen von schweren Blutungen empfiehlt sich eine Unterbrechung bzw. ein Abbruch der Heparingaben, bis die Wirkung des Präparates abgeklungen ist. Bei bedrohlichen Blutungen ist Heparin Fresenius abzusetzen und das im Körper befindliche Heparin durch Protaminhydrochlorid zu neutralisieren (siehe «Überdosierung»). Zur Vermeidung von Blutungen sollten keine i.v. Injektionen während der Antikoagulantientherapie verabreicht werden.

Interaktionen

Die gleichzeitige Verabreichung anderer auf die Blutgerinnung wirkender Substanzen kann die Wirkung von Heparin beeinflussen. Eine gegenseitige Potenzierung ist z.B. möglich mit Salicylaten, nicht-steroidalen Entzündungshemmern, oralen Antikoagulantien, Vitamin-K-Antagonisten, Dextranen, Dipyridamol (möglicherweise auch mit Clopidogrel), Kortikosteroiden oder Dihydroergotamin.

Eine Abschwächung der Wirkung von Heparin ist möglich bei gleichzeitiger Verabreichung von Antihistaminika, Digitalispräparaten,Tetracyclinen und i.v. verabreichtem Nitroglycerin sowie bei Nikotinabusus.

Die Wirkung von Heparin wird durch i.v. verabreichtes Protamin rasch aufgehoben.

Schwangerschaft/Stillzeit

Es liegen keine tierexperimentellen Studien und keine klinischen Daten mit Anwendung bei Schwangeren vor, während der Schwangerschaft darf Heparin Fresenius nicht verabreicht werden, es sei denn dies ist eindeutig erforderlich.

Da Heparin die Plazentarschranke nicht passiert, ist kein direkter teratogener Effekt auf den menschlichen Fötus zu erwarten, doch bestehen Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für Früh- und Totgeburten unter Behandlung mit Antikoagulantien während der Schwangerschaft. Heparin stellt jedoch während der Schwangerschaft bei zwingender Indikation das Antikoagulans der Wahl dar. Dabei ist bei Schwangeren mit Leberinsuffizienz und erhöhter Empfindlichkeit gegen Heparin erhöhte Vorsicht geboten. Wegen der Blutungsgefahr sollte Heparin vor dem Geburtstermin rechtzeitig abgesetzt werden. Heparin tritt nicht in die Muttermilch über, weshalb kein Anhaltspunkt für ein erhöhtes Risiko während der Stillzeit besteht.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Nicht zutreffend.

Unerwünschte Wirkungen

Störungen des Blut- und Lymphsystems

Häufig: Transitorische geringgradige Verminderungen der Thrombozytenzahl ohne Auswirkungen auf die Hämo­stase.

Selten: Klinisch relevante Thrombopenien nach 1–3 Wochen Behandlung, mit einer paradoxen Neigung zu folgenschweren arteriellen Thrombosen (Inzidenz bis 5% «White-Clot-Syndrom», siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»). Bei einem solchen Zwischenfall muss die Heparintherapie sofort abgebrochen werden. Gegebenenfalls ist eine Thrombolyse in Betracht zu ziehen.

Störungen des Immunsystems

Selten: Anaphylaktische Reaktionen (wie Erytheme, Bronchialasthma, Arzneimittelfieber, Kollaps, Gefässspasmen): Wurden vor allem bei Patienten, welche bereits mehrfach Heparin erhalten hatten, beobachtet. Bei Verdacht auf Überempfindlichkeit gegen Heparin kann probeweise eine kleine Menge Heparin unmittelbar vor der ersten Dosis langsam verabreicht werden.

Stoffwechsel und Ernährungsstörungen

Hyperkaliämie bei Patienten mit Diabetes und/oder Niereninsuffizienz.

Selten: Vorübergehender Anstieg der Transaminasen.

Funktionsstörungen der Gefässe

Gelegentlich: Blutungen, z.B. Hämaturie, Hämatome in der Unterhaut an Druck- oder Injektionsstellen, meist infolge Überdosierung.

Selten: Abrupte Blutdruckabfälle wegen Konservierungsmittel Chlorobutanol.

Sehr selten: Priapismus.

Muskelskelettsystem (Funktionsstörungen des Bewegungsapparates, des Bindegewebes und der Knochen)

Osteoporose, begünstigt durch Langzeitbehandlung,vor allem, wenn gleichzeitig Kortikosteroide verabreicht werden.

Allgemeine Störungen

Selten: Haarausfall (der reversibel ist und nach Absetzen des Präparates verschwindet).

Überdosierung

Eine Überdosierung führt zu verstärkter Hypokoagulabilität und zu erhöhter Blutungsgefahr. Die Heparinwirkung kann durch langsame i.v. Infusion von Protamin neutralisiert werden, wobei 1 mg Protamin etwa 80–120 I.E. Heparin neutralisiert.

Bei unbekanntem Ausmass der Heparinüberdosierung wird empfohlen, zu Anfang nicht mehr als 1000 I.E. Protamin zu verabreichen und die Verabreichung nur so lange fortzusetzen, bis die Thrombinzeit wieder normalisiert ist, um einen Überschuss an Protamin zu vermeiden.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: B01AB01

Heparin ist eine heterogene Gruppe von geradkettigen anionischen Mucopolysacchariden mit einer mittleren Molmasse von 15’000. Aufgrund von zahlreichen Sulfat- und Carboxylgruppen reagiert Heparin im wässrigen Milieu sauer.

Die anticoagulatorische Wirkung des Heparins tritt sowohl in vitro als auch in vivo auf. Seine therapeutische Wirkung entfaltet Heparin durch einen Plasma-Cofaktor, dem Antithrombin III, welcher die aktivierten Gerinnungsfaktoren XIII, XII, XI, X, IX und II inaktiviert.

Antithrombin III bildet mit Thrombin (Faktor II) einen irreversiblen Komplex, wobei Heparin die Reaktionsgeschwindigkeit beschleunigt. An der Bildung eines Komplexes sind mithin stets Heparin, Antithrombin III und ein Gerinnungsfaktor als Reaktionspartner beteiligt.

Geringe Dosen von Heparin steigern die Aktivität von Antithrombin III im besonderen gegen die Faktoren X und II. Hieraus resultiert die Anwendung von Heparin im Rahmen der sog. «low-dose»-Heparinisierung.

Wegen seiner ausgeprägten Polarität und seiner relativ grossen Molmasse vermag Heparin nur sehr schwer Membranen zu passieren (insbesondere die Mucosa des Gastro-Intestinal-Traktes). Hieraus leitet sich die Notwendigkeit der parenteralen Applikation von Heparin ab, um eine Gerinnungshemmung zu bewirken.

Pharmakokinetik

Absorption

Heparin wird nur minimal intestinal resorbiert und wird deshalb ausschliesslich parenteral angewendet.

Distribution

Heparin passiert die Plazentaschranke nicht, und es tritt nicht in die Muttermilch über.

Die Eiweissbindung ist hoch. Stark basische Proteine (Protamin) heben die Wirkung auf.

Metabolismus

Heparin wird durch Heparinase, vornehmlich in der Leber, inaktiviert.

Elimination

Ein Teil des Heparins wird abgebaut als Uroheparin im Urin ausgeschieden. Die Halbwertzeit von Heparin im Blut ist dosisabhängig und beträgt ca. 60–150 Minuten. Sie nimmt mit steigender Dosis zu. Die Eliminationshalbwertzeit beträgt 1,5 Stunden bei normaler Nierenfunktion.

Kinetik spezieller Patientengruppen

Eine starke Funktionseinschränkung von Leber und Nieren kann zu einer Kumulation von Heparin führen.

Präklinische Daten

Es sind keine für die Anwendung von Heparin Fresenius relevante präklinische Daten bekannt.

Sonstige Hinweise

Inkompatibilitäten

Das Arzneimittel darf nur mit den unter «Hinweise für die Handhabung» aufgeführten Arzneimitteln gemischt werden.

Haltbarkeit

Das Arzneimittel darf nur bis zu dem auf dem Behälter mit «verwendbar bis» bezeichneten Datum verwendet werden.

Besondere Lagerungshinweise

Nicht über 25 °C lagern.

Hinweise für die Handhabung

Nur verwenden, wenn die Lösung klar und das Behältnis unbeschädigt ist. Für kontinuierliche Dauerinfusion nur mit NaCl 0,9% oder Ringerlactat mischen, im Verhältnis 1:10 (10%). Siehe auch unter «Dosierung/Anwendung».

Verwendungsfrist nach Anstich

Aus mikrobiologischen Gründen ist die gebrauchsfertige Zubereitung innerhalb von 1 Tag bei 15–25 °C nach Anstich zu verwenden. Jede Restmenge soll nach 1 Tag verworfen werden.

Zulassungsnummer

41022 (Swissmedic).

Zulassungsinhaberin

Fresenius Medical Care (Schweiz) AG, 6370 Oberdorf NW.

Stand der Information

September 2009.

Verwendung dieser Informationen

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