Glucobay Tabl 100 Mg 90 Stk

Glucobay Tabl 100 Mg 90 Stk

Fachinformationen

Zusammensetzung

Glucobay 50

Wirkstoff: 50 mg Acarbose.

Hilfsstoffe: Excipiens pro compresso.

Glucobay 100

Wirkstoff: 100 mg Acarbose.

Hilfsstoffe: Excipiens pro compresso.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Tabletten zu 50 mg und 100 mg Acarbose.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Nicht insulinabhängiger Diabetes mellitus (Typ 2)

Zur Verminderung der Blutzuckerschwankungen, insbesondere der nach den Mahlzeiten auftretenden Blutzuckerspitzen, und der mittleren Blutzuckerhöhe bei Diabetikern, die nur mit Diät oder mit Diät und Sulfonylharnstoff- bzw. Metformin-Präparaten nicht ausreichend behandelbar sind.

Dosierung/Anwendung

Die Dosierung muss in jedem Einzelfall vom behandelnden Arzt angepasst werden, weil die Wirksamkeit und die Verträglichkeit individuell verschieden sind. Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung mit Glucobay ist in allen Fällen die Einhaltung der Diabetesdiät.

Die Tagesdosis wird auf die drei Hauptmahlzeiten verteilt.

Soweit nicht anders verordnet, beträgt die Dosierung für den Erwachsenen:

In der Anfangszeit 3× 1 Tablette zu 50 mg/Tag oder 3× ½ Tablette zu 100 mg/Tag, danach 3× 2 Tabletten zu 50 mg/Tag oder 3× 1 Tablette zu 100 mg/Tag.

Eine weitere Steigerung der Dosierung bis zu 3× 200 mg Glucobay pro Tag kann gelegentlich notwendig sein.

Die Dosierungssteigerung kann im Abstand von 4 bis 8 Wochen und bei ungenügendem Ansprechen des Patienten auch im späteren Behandlungsverlauf erfolgen. Wenn trotz genauer Diätbefolgung störende Beschwerden eintreten, sollte die Dosis nicht weiter gesteigert, gegebenenfalls etwas verringert werden.

Die durchschnittliche Dosierung beträgt bei Erwachsenen pro Tag 150–300 mg.

Glucobay Tabletten sollen mit etwas Flüssigkeit direkt vor der Mahlzeit unzerkaut eingenommen oder mit dem ersten Bissen einer Mahlzeit zerkaut werden.

Eine zeitliche Begrenzung der Anwendung von Glucobay ist nicht vorgesehen.

Spezielle Dosierungsanweisungen

Kinder und Jugendliche

Die Anwendung und Sicherheit von Glucobay bei Kindern und Jugendlichen ist bisher nicht geprüft worden (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Ältere Patienten

Für ältere Patienten ist keine Dosisanpassung erforderlich.

Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion

Bei Patienten mit schwerer Niereninsuffizienz siehe «Kontraindikationen».

Patienten mit eingeschränkter Leberfunktion

Bei Patienten mit bekannter Leberfunktionsstörung ist keine Dosisanpassung erforderlich.

Kontraindikationen

Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder einem der Hilfsstoffe gemäss Zusammensetzung.

Bei Patienten mit schwerer Niereninsuffizienz (Kreatinin-Clearance <25 ml/Min.) ist Glucobay kontraindiziert.

Bei chronischen Darmerkrankungen, die mit deutlichen Verdauungs- und Absorptionsstörungen einhergehen.

Bei Zuständen, die sich durch eine vermehrte Gasbildung im Darm verschlechtern können (z.B. Roehmheldscher Symptomenkomplex, grössere Hernien, Verengungen und Geschwüre des Darms), ist Glucobay kontraindiziert.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Bei Nichteinhalten der vorgeschriebenen Diabetesdiät können intestinale Nebenwirkungen verstärkt auftreten (siehe «Unerwünschte Wirkungen»). Sollten trotz Einhaltung der vorgeschriebenen Diabetesdiät stark störende Beschwerden auftreten, soll nach Rücksprache mit dem Arzt die Präparatedosis vorübergehend oder dauernd herabgesetzt werden.

Es wurden bei Patienten, die die empfohlene Tagesdosis von 150 bis 300 mg erhielten, klinisch relevante Erhöhungen der Leberfunktionswerte (dreifach über dem Normwert) beobachtet (siehe «Unerwünschte Wirkungen»). Diese Erhöhungen können unter weitergeführter Acarbose Therapie vorübergehend sein. Daher sollte in den ersten 6–12 Monaten der Behandlung eine Kontrolle der Leberenzyme erfolgen. In den beschriebenen Fällen war der Anstieg der Leberenzyme nach dem Absetzen von Glucobay reversibel.

Es liegen keine klinischen Erfahrungen zur Sicherheit und Wirksamkeit bei Kindern und Jugendlichen vor, deshalb wird die Anwendung in diesen Altersgruppen nicht empfohlen.

Interaktionen

Cholestyramin und Verdauungsenzympräparate, welche kohlenhydratspaltende Enzyme enthalten (z.B. Amylase, Pankreatin), können die Wirkung von Glucobay herabsetzen und dürfen deshalb nicht gleichzeitig eingenommen werden.

Dies gilt auch für Darmadsorbentien (z.B. Kohlepräparate). Mit Dimeticon- und Simeticon-haltigen Präparaten wurde keine Wechselwirkung beobachtet.

Haushaltzucker (Rohrzucker) und haushaltzuckerhaltige Nahrungsmittel können infolge gesteigerter Kohlenhydratfermentation im Kolon während der Glucobay-Behandlung leicht zu Darmbeschwerden und auch zu Durchfall (siehe «Unerwünschte Wirkungen») führen.

Glucobay verursacht bei Patienten, die nur mit Diät behandelt werden, keine Hypoglykämie.

Wenn Glucobay zusätzlich zu Sulfonylharnstoff, Metforminpräparaten oder Insulin verschrieben wird, muss bei Absinken der Blutzuckerwerte in den hypoglykämischen Bereich die Sulfonylharnstoff-, Metformin- bzw. Insulindosis entsprechend herabgesetzt werden. In Einzelfällen kann ein hypoglykämischer Schock auftreten. Bei Auftreten von akuten Hypoglykämien ist daran zu denken, dass Haushaltzucker (Rohrzucker) während einer Glucobay-Behandlung langsamer in Fruktose und Glukose gespalten wird; er ist darum zur schnellen Behebung einer Hypoglykämie ungeeignet. Anstelle von Haushaltzucker (Rohrzucker) ist dementsprechend Traubenzucker zu verwenden.

In Einzelfällen kann Acarbose die Bioverfügbarkeit von Digoxin beeinflussen (Erhöhung und Erniedrigung wurden beobachtet), was eine Dosisanpassung von Digoxin erfordern kann.

Die gleichzeitige Verabreichung von Glucobay und oralem Neomycin kann zu erhöhter Reduktion von postprandialer Blutglukose und zu einer Zunahme der Häufigkeit und Schwere von gastrointestinalen Nebenwirkungen führen. Falls die Symptome stark sind, sollte eine temporäre Dosisreduktion in Betracht gezogen werden.

Schwangerschaft/Stillzeit

Schwangerschaft

Tierexperimentell gibt es keine Hinweise auf teratogene oder andere embryotoxische Effekte von Glucobay. Dennoch sollte entsprechend den allgemeinen Richtlinien für den Arzneimittelgebrauch während der Schwangerschaft Glucobay an Gravide – besonders im ersten Trimenon – nicht verabreicht werden.

Stillzeit

Nach Gabe markierter Acarbose tritt bei laktierenden Ratten eine geringe Menge Radioaktivität in der Milch auf. Beim Menschen liegen bisher keine dementsprechenden Befunde vor. Weil eine arzneimittelbedingte Wirkung von Glucobay in der Muttermilch beim Säugling nicht ausgeschlossen ist, wird aus prinzipiellen Gründen empfohlen, Glucobay in der Stillperiode nicht zu verordnen.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Es wurden keine entsprechenden Studien durchgeführt.

Unerwünschte Wirkungen

Die Häufigkeiten werden wie folgt angegeben:

Sehr häufig: ≥10%; häufig: ≥1% <10%; gelegentlich: ≥0,1% <1%; selten: ≥0,01% <0,1%; sehr selten: <0,01%.

Blut- und Lymphsystem

Sehr selten: Thrombozytopenie.

Immunsystem

Sehr selten: Allergische Reaktionen wie Hautbläschen, Erythema, Exanthem, Urtikaria.

Gefässe

Selten: Ödeme (vorwiegend peripher).

Gastrointestinale Störungen

Sehr häufig: Blähungen, Darmgeräusche.

Häufig: Durchfall, Bauchschmerzen.

Gelegentlich: Übelkeit, Erbrechen, Dyspepsie.

Sehr selten: Verstopfung, Ileus, Subileus, Pneumatosis intestinalis.

Leber und Galle

Gelegentlich: Anstieg der Leberenzyme.

Selten: Ikterus.

Sehr selten: Hepatitis.

Über Ereignisse von Lebererkrankung, abnormer Leberfunktion und Leberschaden wurde speziell aus Japan berichtet.

In Japan wurden einzelne Fälle von fulminantem Leberversagen beobachtet, wobei der Zusammenhang mit der Einnahme von Glucobay unklar ist.

Überdosierung

Bei gleichzeitiger Zufuhr vor allem leicht verdaulicher Kohlenhydrate, führt Überdosierung zum Auftreten bzw. zur Verstärkung der im Kapitel «Unerwünschte Wirkungen» genannten Symptome. In Fällen von Überdosierung sollte der Patient während der nächsten 4–6 Stunden keine Getränke oder Mahlzeiten einnehmen, welche Kohlenhydrate enthalten (Polysaccharide, Oligosaccharide, Disaccharide).

In Akutversuchen an verschiedenen Tierspezies wurden Dosen von 10 g/kg bis 15 g/kg, oral zugeführt, symptomlos vertragen.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: A10BF01

Wirkungsmechanismus/Pharmakodynamik

Glucobay ist ein Inhibitor intestinaler alpha-Glucosidasen der Dünndarmmukosa. Glucobay enthält Acarbose, ein Pseudotetrasaccharid mikrobiellen Ursprungs, das sich aus einer ungesättigten Cyclitoleinheit, einem Aminozucker und einem Maltoserest zusammensetzt. Es hat ein Molekulargewicht von 645. Acarbose entfaltet seine Wirkung im Intestinaltrakt.

Die Wirkung von Glucobay beruht auf der Hemmung intestinaler Enzyme (alpha-Glucosidasen), die am Abbau von Di-, Oligo- oder Polysacchariden der Nahrung beteiligt sind. Dies führt zu einer Verzögerung der Verdauung der erwähnten Kohlenhydrate. Dadurch wird, ähnlich wie nach wenig aufgeschlossenen Nahrungsmitteln (Rohkost, Vollkornbrot), der aus Kohlenhydraten stammende Traubenzucker langsamer frei und langsamer ins Blut aufgenommen. Auf diese Weise vermindert Glucobay den Blutzuckeranstieg nach den Mahlzeiten. Durch die ausgleichende Wirkung auf die Zuckeraufnahme aus dem Darm werden die Blutzuckerschwankungen im Tagesverlauf geringer und die Blutzuckerdurchschnittswerte sinken. Bei Behandlung mit anderen oralen Antidiabetika nebst Diät kann die Diabeteseinstellung durch Glucobay verbessert werden.

Klinische Wirksamkeit

Drei doppelblinde Vergleichsstudien bei Typ-II Diabetikern, welche durch Diät alleine ungenügend kontrolliert waren, zeigten gemessen am Ziel der langfristigen Blutzuckersenkung (HbA1c bis zu –1,1%) eine vergleichbare gute Wirkung zu klassischen Therapeutika (Sulfonylharnstoffe, Metformin); dabei waren vermehrte gastrointestinale Nebenwirkungen, hingegen keine Hypoglykämien, bei den Acarbose-Patienten zu verzeichnen.

Ein weiterer therapeutischer Nutzen bei Typ-II Diabetikern ergibt sich durch die gute Kombinierbarkeit der Substanz mit allen anderen oralen Antidiabetika und Insulin, wobei die Wirksamkeit (fasting blood glucose bis –0,9 mmol/l; HbA1c –0,4%) gegenüber der Basis-Monotherapie (Sulfonylharnstoffe, Metformin oder Insulin) in zahlreichen doppelblinden, placebokontrollierten Studien gezeigt wurde. Gastrointestinale Nebenwirkungen waren häufiger bei Acarbose-Patienten.

In einer prospektiven, randomisierten, placebokontrollierten, doppelblinden Vergleichsstudie (Behandlungsdauer 3,3 Jahre ± 1,15 Jahre) an 1429 Personen (715 Placebo, 714 Acarbose) mit postprandialen Blutzuckerwerten bei Studienbeginn zwischen 7,8 und 11,1 mmol/l (140–200 mg/dl) und Nüchternwerten zwischen 5,6 und 7,8 mmol/l (100–140 mg/dl), nahm unter Acarbose-Behandlung die Inzidenz aller kardiovaskulären Ereignisse einschliesslich Myokardinfarkten (absolute Risikoreduktion = 2,5%; NNT = 40 über 3,3 Jahre) und Neumanifestation einer Hypertonie (absolute Risikoreduktion = 5,3%; NNT = 19 über 3,3 Jahre) ab. Das relative Risiko für die Entwicklung eines Typ-II Diabetes wurde unabhängig vom Geschlecht in allen Alters- und Gewichtsgruppen um bis zu 25% (NNT = 11 über 3,3 Jahre) reduziert.

24% der Patienten setzten die Behandlung ab, vor allem wegen gastrointestinalen Nebenwirkungen (211 in Acarbose-Gruppe, 130 in Placebo-Gruppe).

Pharmakokinetik

Die Pharmakokinetik von Acarbose wurde nach einer oralen Gabe von markierter Substanz (200 mg) am Probanden untersucht.

Absorption

Da innerhalb von 96 Stunden im Mittel 35% der Gesamtradioaktivität (Summe aus inhibitorisch wirksamer Substanz und möglichen Abbauprodukten) renal ausgeschieden wurde, kann eine mindestens in diesem Bereich liegende Resorptionsquote angenommen werden.

Der Verlauf der Gesamtradioaktivitätskonzentration im Plasma war zweigipflig. Das erste Maximum mit einer Acarbose-Äquivalenz-Konzentration von durchschnittlich 52,2 ± 15,7 µg/l nach 1,1 ± 0,3 h stimmt mit den entsprechenden Daten für den Konzentrationsverlauf der inhibitorisch wirksamen Substanz überein (49,5 ± 26,9 µg/l nach 2,1 ± 1,6 h). Das zweite Maximum beträgt im Mittel 586,3 ± 282,7 µg/l und wird nach 20,7 ± 5,2 h erreicht. Im Gegensatz zur Gesamtradioaktivität liegen die maximalen Plasmakonzentrationen der inhibitorisch wirksamen Substanz um den Faktor 10–20 niedriger. Das zweite, höhere Maximum nach etwa 14 bis 24 h dürfte auf der Resorption bakterieller Abbauprodukte aus tieferen Darmabschnitten beruhen.

Die Bioverfügbarkeit beträgt 1–2%. Da Glucobay seine Wirkung lokal im Darm entfaltet, ist dieser geringe systemisch verfügbare Anteil an inhibitorisch wirksamer Substanz erwünscht und für den therapeutischen Effekt ohne Relevanz.

Distribution

Aus dem Konzentrationsverlauf im Plasma liess sich bei Probanden ein relatives Verteilungsvolumen von 0,32 l/kg KG berechnen.

Metabolismus

Acarbose wird im Darm durch intestinale Bakterien metabolisiert.

Elimination

Die Eliminationshalbwertszeiten der inhibitorisch wirksamen Substanz aus dem Plasma betragen für die Verteilungsphase 3,7 ± 2,7 h und für die Eliminationsphase 9,6 ± 4,4 h.

Der mit dem Urin ausgeschiedene Anteil an inhibitorisch wirksamer Substanz betrug 1,7% der verabfolgten Dosis. 51% der Aktivität wurden innerhalb von 96 Stunden mit den Faeces eliminiert.

Kinetik spezieller Patientengruppen

Bei Patienten mit schwerer Niereninsuffizienz (Kreatinin-Clearance <25 ml/Min.) kann es zu 4–5fach erhöhten AUC- und Cmax-Werten von Acarbose kommen. In diesen Fällen soll Glucobay nicht eingesetzt werden.

Präklinische Daten

Basierend auf den konventionellen Studien zur Sicherheitspharmakologie, Toxizität nach wiederholter Gabe, Genotoxizität, Reproduktionstoxizität und zum karzinogenen Potenzial lassen die präklinischen Daten keine besonderen Gefahren für den Menschen erkennen.

Sonstige Hinweise

Haltbarkeit

Das Arzneimittel darf nur bis zu auf dem Behälter mit «EXP» bezeichneten Datum verwendet werden.

Besondere Lagerungshinweise

Nicht über 25 °C lagern. In der Originalpackung aufbewahren, um den Inhalt vor Feuchtigkeit zu schützen.

Bei Lagerung über 25 °C und über 60% Luftfeuchtigkeit können bei Tabletten, die aus der Packung entfernt werden, Verfärbungen auftreten. Sie sollten daher erst unmittelbar vor der Einnahme aus der Packung genommen werden.

Hinweise für die Handhabung

Arzneimittel für Kinder unzugänglich aufbewahren!

Zulassungsnummer

44873 (Swissmedic).

Zulassungsinhaberin

Bayer (Schweiz) AG, 8045 Zürich.

Stand der Information

April 2010.

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