Gevilon Filmtabl 450 Mg 100 Stk

Gevilon Filmtabl 450 Mg 100 Stk

Fachinformationen

Zusammensetzung

Wirkstoff: Gemfibrozil.

Hilfsstoffe

Gevilon 450: Cellulosum microcristallinum, Amylum pregelificatum, Silica colloidales anhydrica, Polysorbatum 80, Carboxymethylamylum natricum, Magnesii stearas, Filmüberzug Opadry OY-S-7163 (Methylhydroxypropylcellulosum, Talcum, Titanii dioxidum [E171], Macrogolum 6000, Dimeticonum).

Gevilon Uno: Amylum pregelificatum, Carboxymethylamylum natricum A, Silicii dioxidum praecipitatum, Polysorbatum 80, Silica colloidales anhydrica, Magnesii stearas, Filmüberzug Opadry White (Hydroxypropylmethylcellulosum, Talcum, Titanii dioxidum [E171], Macrogolum 6000, Simeticonum).

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Gevilon 450: Filmtablette (weiss, mattglänzend, oblong, bikonvex, ohne Prägung) zu 450 mg Gemfibrozil.

Gevilon Uno: Filmtablette (weiss, oval, bikonvex, ohne Prägung) zu 900 mg Gemfibrozil.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Gevilon ist indiziert als unterstützende Behandlung neben einer Diät und anderen nicht-medikamentösen Therapien (z.B. sportliche Betätigung, Gewichtsabnahme) für folgende Erkrankungen:

  • schwere Hypertriglyceridämie mit oder ohne niedrige HDL-Cholesterinwerte
  • gemischte Hyperlipidämie, wenn ein Statin kontraindiziert ist oder nicht vertragen wird
  • primäre Hypercholesterinämie, wenn ein Statin kontraindiziert ist oder nicht vertragen wird.

Primäre Prävention

Reduktion der kardiovaskulären Morbidität bei Männern mit erhöhtem Nicht-HDL-Cholesterin, bei denen ein hohes Risiko eines ersten kardiovaskulären Ereignisses besteht, wenn ein Statin kontraindiziert ist oder nicht vertragen wird (siehe «Eigenschaften/Wirkungen – Klinische Wirksamkeit»).

Dosierung/Anwendung

Erwachsene

Gevilon Uno Filmtabletten: 1 Filmtablette abends.

Gevilon 450 Filmtabletten: 2 Filmtabletten abends.

Die Wirkung von Gevilon ist im Einzelfall verschieden stark ausgeprägt. Unter Kontrolle der Blutlipidspiegel kann eine Dosisanpassung im Bereich von 900-1350 mg Gemfibrozil vorgenommen werden.

In einigen Fällen kann eine Tagesdosis von 1350 mg Gemfibrozil erforderlich sein. In diesem Fall kann Gevilon in einer Dosis von morgens 1 und abends 2 Filmtabletten verabreicht werden.

Gevilon Filmtabletten sollen zu den Mahlzeiten unzerkaut mit Flüssigkeit eingenommen werden.

Vom Arzt angeordnete zusätzliche Massnahmen (Diät, Gewichtsabnahme, reduzierter Alkoholkonsum usw.) sollen während der Behandlung mit Gevilon beibehalten werden.

Wird unter vorschriftsmässiger Therapie in einem Zeitraum von 3 Monaten auch bei wiederholten Kontrollen keine ausreichende Senkung der Lipidwerte erreicht (d.h. Cholesterinsenkung von ca. 10% und/oder Triglyceridsenkung von 20%), so ist von einer Fortsetzung der Therapie mit Gevilon abzusehen.

Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Die Anwendung von Gevilon bei Kindern und Jugendlichen wurde nicht untersucht und wird daher nicht empfohlen.

Eingeschränkte Nierenfunktion

Bei Patienten mit leichter bis mässiger Niereninsuffizienz (glomeruläre Filtrationsrate 50 bis 80 bzw. 30 bis <50 ml/min) sollte die Behandlung mit 900 mg täglich begonnen und die Nierenfunktion vor einer Dosiserhöhung geprüft werden. Gevilon darf nicht bei Patienten mit schwerer Niereninsuffizienz angewendet werden.

Eingeschränkte Leberfunktion

Gemfibrozil ist bei Patienten mit eingeschränkter Leberfunktion kontraindiziert.

Kontraindikationen

Eingeschränkte Leberfunktion.

Gallenblasenerkrankungen mit und ohne Steinbildung, auch in der Anamnese.

Schwere Nierenfunktionsstörung (CrCl <30 ml/min).

Überempfindlichkeit gegenüber Gemfibrozil oder einem der Hilfsstoffe gemäss Zusammensetzung.

Gleichzeitige Verabreichung von Gemfibrozil und Simvastatin (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen» und «Interaktionen»).

Gleichzeitige Verabreichung von Gemfibrozil und Repaglinid (siehe «Interaktionen»).

Gleichzeitige Verabreichung von Gemfibrozil und Dasabuvir (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen» und «Interaktionen»).

Patienten mit photoallergischen oder phototoxischen Reaktionen unter Behandlung mit Fibraten in der Anamnese.

Schwangerschaft, Stillzeit.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Kontrolle der Lipidwerte

Während der Behandlung mit Gemfibrozil sind regelmässige Kontrollen der Lipidwerte erforderlich. Manchmal kann eine paradoxe Erhöhung des Cholesterins (gesamt und LDL) bei Patienten mit einer Hypertriglyceridämie auftreten. Wenn nach 3 Monaten Therapie mit der empfohlenen Dosierung kein ausreichender Behandlungserfolg eingetreten ist, sollte die Behandlung abgesetzt und eine Alternativbehandlung in Betracht gezogen werden.

Erkrankungen der Muskulatur (Myopathie/Rhabdomyolyse)

Es wurden Fälle von Myositis, Myopathie und deutlich erhöhter Creatinphosphokinase, die mit Gemfibrozil in Zusammenhang standen, beobachtet. Auch Rhabdomyolysen wurden selten berichtet.

Kombination mit HMG-CoA Reduktaseinhibitoren

Bei gleichzeitiger Verabreichung von Gemfibrozil und HMG-CoA Reduktaseinhibitoren kann eine schwere Myositis mit deutlich erhöhter Creatinphosphokinase (CPK) und Myoglobinurie (aufgrund einer Rhabdomyolyse) auftreten. Es kann auch zu pharmakokinetischen Wechselwirkungen kommen, die eine Dosisanpassung notwendig machen. Die gleichzeitige Verabreichung von Gemfibrozil und Simvastatin ist kontraindiziert.

Creatinphosphokinase-Bestimmung

Creatinphosphokinase (CPK) sollte nicht nach schweren körperlichen Anstrengungen oder bei Vorliegen von anderen möglichen Ursachen eines CPK-Anstiegs gemessen werden, da dies die Interpretation der Messwerte erschwert. Falls die CPK-Werte vor Beginn der Behandlung wesentlich erhöht sind (um mehr als das 5-Fache des oberen Normwertes), sollten zur Überprüfung innerhalb von 5 bis 7 Tagen erneute Bestimmungen durchgeführt werden. Sollten sich die Messwerte bestätigen (CPK >5× ULN), so sollte die Behandlung mit Gemfibrozil nicht begonnen werden. Eine Muskelschädigung muss bei jedem Patienten in Betracht gezogen werden, der eine diffuse Myalgie, Muskelschwäche und/oder eine deutliche Erhöhung der Muskel-CPK-Werte (>5× ULN) aufweist. In diesen Fällen muss die Therapie abgesetzt werden.

Untersuchungen vor Behandlungsbeginn

Die Kombination von Gemfibrozil und HMG-CoA Reduktaseinhibitoren sollte mit Vorsicht bei Patienten verschrieben werden, bei denen prädisponierende Faktoren für das Auftreten einer Rhabdomyolyse vorliegen.

Messungen der Creatinphosphokinase vor dem Behandlungsbeginn mit einer solchen Kombination sollten beim Vorliegen der folgenden Situation vorgenommen werden:

  • eingeschränkte Nierenfunktion,
  • Hypothyreose,
  • erbliche Myopathien in der Eigen- oder Familienanamnese,
  • muskulär-toxische Komplikationen im Zusammenhang mit der Gabe eines Statins oder Fibrats in der Anamnese,
  • Alkohol-Missbrauch,
  • ältere Patienten (>70 Jahre). Bei diesen sollte die Notwendigkeit einer solchen Messung erwogen werden, wenn weitere prädisponierende Faktoren für das Auftreten einer Rhabdomyolyse vorliegen.

In solchen Situationen ist eine sorgfältige Nutzen-Risiken-Analyse erforderlich und es sollte eine klinische Überwachung erfolgen. Wenn die CPK-Werte vor Beginn der Behandlung wesentlich (um mehr als das 5-Fache des oberen Normwertes) erhöht sind, sollte eine Therapie nicht begonnen werden.

Überwachung während der Therapie

Falls ein Patient während der Behandlung unter Muskelschmerzen, Muskelschwäche oder Muskelkrämpfen leidet, sollte der CPK-Spiegel gemessen werden. Falls der Blutspiegel signifikant erhöht ist (über das 5-Fache des oberen Normwertes), sollte die Behandlung abgebrochen werden.

Falls die muskulären Symptome schwer sind und tägliche Unannehmlichkeiten darstellen, sollte ein Abbruch der Behandlung in Betracht gezogen werden, auch wenn die CPK-Spiegel unter dem 5-Fachen des oberen Normwertes liegen.

Eine Neubehandlung mit Gemfibrozil, einem alternativen Fibrat oder der Kombination eines Fibrats mit einem HMG-CoA Reduktaseinhibitor bei tiefster Dosierung und engmaschiger Überwachung kann in Betracht gezogen werden, wenn die Symptome verschwinden und sich der CPK-Spiegel wieder normalisiert hat.

CYP2C8-Substrate

Als CYP2C8-Inhibitor kann Gemfibrozil bei gleichzeitiger Anwendung die Exposition von CYP2C8-Substraten erhöhen (siehe «Kontraindikationen» und «Interaktionen»).

Kontrolle der Leberfunktion

Nach Verabreichung von Gemfibrozil wurden erhöhte Leberfunktionswerte wie die Lebertransaminasen SGOT und SGPT, erhöhte alkalische Phosphatase, LDH, Creatinphosphokinase (CPK) und Bilirubin beobachtet. In der Regel sind diese Erhöhungen nach Therapieunterbruch reversibel. Deshalb werden regelmässige Leberfunktionsprüfungen empfohlen. Bei anhaltenden abnormen Werten sollte die Behandlung abgebrochen werden.

Kontrolle des Blutbildes

Eine leichte Abnahme von Hämoglobin, Hämatokrit und der weissen Blutzellen wurde beobachtet. Selten wurde über Anämie, Leukopenie, Thrombozytopenie, Eosinophilie und Knochenmarkshypoplasie berichtet. Deshalb wird eine regelmässige Blutbildkontrolle während der ersten 12 Monate der Gemfibrozil-Behandlung empfohlen.

Anwendung bei Patienten mit Gallensteinbildung

Gemfibrozil kann die Cholesterinausscheidung in die Gallenflüssigkeit erhöhen, wodurch sich vermehrt Gallensteine bilden können. Fälle von Cholelithiasis wurden im Zusammenhang mit einer Gemfibrozil-Therapie berichtet. Bei Verdacht auf eine Cholelithiasis werden Untersuchungen der Gallenblase empfohlen. Die Therapie mit Gemfibrozil sollte abgesetzt werden, wenn Gallensteine gefunden wurden.

Gleichzeitige Anwendung von Antidiabetika

Es wurde über Fälle berichtet, in denen nach der gleichzeitigen Anwendung von Gemfibrozil mit Antidiabetika (orale Arzneimittel und Insulin) hypoglykämische Reaktionen auftraten. Es wird empfohlen, die Glucose-Werte zu überwachen.

Gleichzeitige Anwendung von Antikoagulantien

Gemfibrozil kann die antikoagulierende Wirkung von Vitamin K-Antagonisten des Cumarin-Typs wie Warfarin, Acenocoumarol oder Phenprocoumon verstärken. Die gleichzeitige Verabreichung von Gemfibrozil mit diesen Antikoagulantien erfordert eine engmaschige Überwachung der Prothrombinzeit (INR – International Normalised Ratio). Um die gewünschten Prothrombinwerte zur Vermeidung von Blutungskomplikationen aufrecht zu erhalten, kann eine Verringerung der Dosis von Warfarin, Acenocoumarol oder Phenprocoumon erforderlich sein.

Interaktionen

CYP2C8-Substrate

Gemfibrozil ist ein CYP2C8-Inhibitor und kann die Exposition von Wirkstoffen, welche hauptsächlich durch CYP2C8 metabolisiert werden (z.B. Dabrafenib, Loperamid, Montelukast, Paclitaxel, Pioglitazon, Rosiglitazon [in der Schweiz nicht zugelassen], siehe auch «Interaktionen – Orale Antidiabetika»]) erhöhen (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»). Demzufolge können bei gleichzeitiger Anwendung von Gemfibrozil Dosisreduktionen von Wirkstoffen, welche hauptsächlich durch CYP2C8 metabolisiert werden, erforderlich sein.

Bei gleichzeitiger Verabreichung von Gemfibrozil mit Repaglinid an gesunde Probanden erhöhten sich AUC und Cmax von Repaglinid 8.1-fach, bzw. 2.4-fach. In derselben Studie erhöhten sich bei gleichzeitiger Verabreichung von Gemfibrozil plus Itraconazol mit Repaglinid AUC und Cmax von Repaglinid 19.4-fach, bzw. 2.8-fach. Des Weiteren führte die gleichzeitige Verabreichung von Gemfibrozil oder Gemfibrozil plus Itraconazol zu einer Verstärkung des hypoglykämischen Effektes von Repaglinid. Aufgrund des erhöhten Risikos einer schweren Hypoglykämie ist die gleichzeitige Anwendung von Gemfibrozil mit Repaglinid daher kontraindiziert (siehe «Kontraindikationen» und «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Bei gleichzeitiger Verabreichung von Gemfibrozil mit Dasabuvir erhöhten sich aufgrund der CYP2C8-Hemmung die AUC und Cmax von Dasabuvir (11.3-fach bzw. 2.01-fach). Eine erhöhte Dasabuvir-Exposition kann das Risiko einer Verlängerung des QT-Intervalls erhöhen. Die gleichzeitige Anwendung von Gemfibrozil mit Dasabuvir ist daher kontraindiziert (siehe «Kontraindikationen» und «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

HMG-CoA-Reduktaseinhibitoren

Bei gleichzeitiger Verabreichung von Gemfibrozil und HMG-CoA Reduktaseinhibitoren (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen») kann eine schwere Myositis mit deutlich erhöhter Creatinphosphokinase und Myoglobinurie (aufgrund einer Rhabdomyolyse) auftreten.

Die Kombination von Gemfibrozil mit einem Statin sollte generell unterbleiben. Die Anwendung von Fibraten allein ist gelegentlich mit einer Myopathie verbunden. Ein erhöhtes Risiko von unerwünschten muskuloskeletalen Ereignissen, einschliesslich einer Rhabdomyolyse, wurde bei der gleichzeitigen Anwendung von Fibraten zusammen mit Statinen beobachtet. Die gleichzeitige Verabreichung von Gemfibrozil und Simvastatin ist kontraindiziert.

Gemfibrozil beeinflusst auch die Pharmakokinetik von Simvastatin, Lovastatin, Pravastatin und Rosuvastatin. Bei gleichzeitiger Anwendung von Gemfibrozil sind die AUC-Werte von Simvastatinsäure um beinahe das 3-Fache und die von Pravastatin um das 3-Fache erhöht. Der Mechanismus der Wechselwirkung mit Simvastatin beruht wahrscheinlich auf der Hemmung der Glukuronidation über UGTA1 und UGTA3. Die Wechselwirkung mit Pravastatin könnte aufgrund einer Störung der Transportproteine auftreten. In einer Studie mit gesunden Probanden, die zweimal täglich 600 mg Gemfibrozil erhielten, führte die gleichzeitige Gabe einer Einzeldosis von 80 mg Rosuvastatin zu einer 2.2-fachen Erhöhung der mittleren Cmax und einer 1.9-fachen Erhöhung der mittleren AUC von Rosuvastatin.

Antikoagulantien

Gemfibrozil kann die antikoagulierende Wirkung von Vitamin K-Antagonisten des Cumarin-Typs wie Warfarin (in der Schweiz nicht zugelassen), Acenocoumarol oder Phenprocoumon verstärken. Deshalb sollte zu Beginn einer Therapie mit Gemfibrozil die Warfarin-Dosis um 30-50% reduziert und die Koagulation unter Kontrolle der Prothrombinzeit (INR) neu eingestellt werden. Entsprechende Dosisreduktionen können auch für andere Vitamin K-Antagonisten des Cumarin-Typs bei gleichzeitiger Anwendung mit Gemfibrozil erforderlich sein.

Orale Antidiabetika

Gemifibrozil kann bei Diabetes mellitus den Kohlenhydratstoffwechsel verbessern und dadurch bei Patienten unter oralen Antidiabetika vom Typ der Sulfonylharnstoffe zu niedrigen Blutglucosespiegeln führen.

Eine Kombination von Gemfibrozil mit Rosiglitazon (in der Schweiz nicht zugelassen) sollte nur vorsichtig vorgenommen werden. Die gleichzeitige Anwendung führte zu einer 2.3-fachen Erhöhung der systemischen Rosiglitazon-Exposition.

Oestrogene

Östrogene können zu einem Anstieg der Lipidwerte führen. Daher sollten Nutzen und Risiko einer gleichzeitigen Verordnung von Gevilon und Östrogenen oder östrogenhaltigen Kontrazeptiva im Einzelfall sorgfältig abgewogen werden.

Ionenaustauscher-Harze

Die gleichzeitige Einnahme von Anionenaustauscherharzen, wie z.B. Colestipol oder Colestyramin, kann die Resorption von Gemfibrozil beeinträchtigen. Zwischen der Einnahme der Anionenaustauscherharze und Gemfibrozil sollte daher ein Mindestabstand von 2 Stunden eingehalten werden.

Bexaroten

Die gleichzeitige Anwendung von Gemfibrozil mit Bexaroten wird nicht empfohlen. Eine Untersuchung der Konzentrationen von Bexaroten bei Patienten mit kutanem T-Zell-Lymphom (CTCL) ergab, dass die gleichzeitige Gabe von Gemfibrozil zu einer erheblichen Erhöhung der Plasmakonzentrationen von Bexaroten führte.

Colchicin

Die gleichzeitige Verabreichung von Colchicin (in der Schweiz nicht zugelassen) und Gemfibrozil kann das Risiko von neuromuskulärer Toxizität und Rhabdomyolyse erhöhen. Bei älteren Patienten und Patienten mit eingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion kann dieses Risiko ausgeprägter sein. Entsprechende Symptome bleiben in der Regel zwischen einer Woche und mehreren Monaten nach Absetzung von Colchicin bestehen. Eine Überwachung wird empfohlen, insbesondere zu Beginn einer Kombinationstherapie.

In-vitro Studien mit CYP-Enzymen, UGTA-Enzymen und OATP1B1-Transportern

In-vitro Studien zeigten einen inhibitorischen Effekt von Gemfibrozil auf CYP1A2, CYP2C8, CYP2C9, CYP2C19, OATP 1B1 sowie UGT 1A1 und UGT 1A3 (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Da Gemfibrozil eine hohe Plasma-Eiweiss-Bindung aufweist, besteht die Möglichkeit von Wechselwirkungen durch Verdrängungsreaktionen mit anderen Arzneimitteln.

Schwangerschaft/Stillzeit

Es sind keine kontrollierten klinischen Studien bei schwangeren Frauen verfügbar. Tierversuche ergaben keine Hinweise auf ein teratogenes Potenzial, jedoch wurden Effekte auf die Entwicklung (verminderte Körpergewichtszunahme, Skelettvariationen) festgestellt. Das Präparat darf während der Schwangerschaft nicht eingenommen werden.

Es liegen keine Daten über die Ausscheidung von Gemfibrozil in die Muttermilch vor. Gevilon darf in der Stillzeit nicht verwendet werden.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Es wurden keine diesbezüglichen Studien durchgeführt. In Einzelfällen können Benommenheit und Sehstörungen auftreten, welche die Fahrtüchtigkeit negativ beeinflussen.

Unerwünschte Wirkungen

Die unerwünschten Wirkungen sind nach Organklassen und Häufigkeitsgraden gegliedert unter Berücksichtigung folgender Definition: sehr häufig (>1/10); häufig (>1/100, ≤1/10), gelegentlich (>1/1000, ≤1/100), selten (>1/10000, ≤1/1000), sehr selten (≤1/10000).

Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems

Selten: Thrombozytopenie, Leukopenie, geringfügiger Abfall von Hämoglobin und Hämatokrit, schwere Anämie, Eosinophilie, Knochenmarksdepression (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnamen»).

Erkrankungen des Immunsystems

Selten: Angioödem, Kehlkopfödem, Urtikaria.

Erkrankungen des Nervensystems

Häufig: Kopfschmerzen, Schwindel.

Selten: Schläfrigkeit, Benommenheit, Parästhesie, Depression, periphere Neuropathie.

Augenerkrankungen

Selten: Sehstörungen (verschwommenes Sehen).

Herzerkrankungen

Gelegentlich: Vorhofflimmern.

Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts

Sehr häufig: Dyspepsie (19.6%).

Häufig: Bauchschmerzen, Verstopfung, Blähungen, Appetitlosigkeit, Nausea, Erbrechen, Durchfall.

Selten: Pankreatitis, akute Appendizitis.

Affektionen der Leber und Gallenblase

Selten: Cholestatischer Ikterus, Cholecystitis, Cholelithiasis, eingeschränkte Leberfunktion, Hepatitis.

In einzelnen Fällen ist über einen Anstieg der Transaminasen und der alkalischen Phosphatase berichtet worden.

Infolge der vermehrten Cholesterinausscheidung unter der Behandlung mit Gemfibrozil kann sich der lithogene Index und somit auch das mögliche Gallensteinrisiko erhöhen.

Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes

Häufig: Ekzem, Ausschlag.

Selten: Exfoliative Dermatitis, Dermatitis, Pruritus, Haarausfall, Photosensitivität.

Skelettmuskulatur-, Bindegewebs- und Knochenerkrankungen

Selten: Arthralgie, Synovitis, Myalgie, Myopathie, Myasthenie, Schmerzen in den Extremitäten und Myositis begleitet von Creatinphosphokinase (CPK) Anstieg, Rhabdomyolyse, eine potenziell lebensbedrohliche unerwünschte Wirkung (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Erkrankungen der Nieren und Harnwege

Anstieg des Kreatininspiegels bei Patienten mit vorbestehender Niereninsuffizienz.

Erkrankungen der Geschlechtsorgane und der Brustdrüse

Selten: Impotenz, verminderte Libido.

Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am Verabreichungsort

Häufig: Müdigkeit.

Überdosierung

Beim Auftreten von Überdosierungserscheinungen wie Bauchkrämpfe, abnormale Leberfunktionswerte, Durchfall, erhöhte CPK, Gelenk- und Muskelschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, ist eine symptomatische Behandlung angezeigt.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: C10AB04

Wirkungsmechanismus/Pharmakodynamik

Gemfibrozil, der Wirkstoff von Gevilon, wirkt regulierend auf den gestörten Fettstoffwechsel. Dabei werden VLDL und Triglyceride sowie Gesamtcholesterin und LDL-Cholesterin gesenkt, während die HDL-Cholesterinwerte erhöht werden.

In Untersuchungen am Menschen wurden eine Hemmung der peripheren Lipolyse und eine Reduktion der hepatischen Aufnahme freier Fettsäuren aus dem Plasma beobachtet. Über eine Synthesehemmung des Apoprotein-B-Anteils der VLDL wird die VLDL-Fraktion im Plasma reduziert.

Gemfibrozil erhöht ausserdem die HDL 2- und HDL 3-Subfraktion sowie die Apolipoproteine A I und A II. Aus Tierversuchen geht hervor, dass Gemfibrozil den Cholesterinumsatz und -abtransport aus der Leber beschleunigt.

Klinische Wirksamkeit

Es liegen Belege vor, dass die Behandlung mit Fibraten die Häufigkeit von Ereignissen im Zusammenhang mit koronarer Herzerkrankung reduziert. Es liegen jedoch keine Hinweise für einen positiven Effekt im Hinblick auf die Gesamtmortalität in der primären und sekundären Vorbeugung kardiovaskulärer Erkrankungen vor.

In einer 5 Jahre dauernden Primär-Präventionsstudie mit 4081 Männern mittleren Alters konnte gezeigt werden, dass Gemfibrozil zusammen mit einer cholesterinsenkenden Diät das Risiko für das Auftreten einer koronaren Herzkrankheit zu reduzieren vermag. Die Häufigkeit nicht tödlicher und tödlich verlaufender Myokardinfarkte wurde deutlich vermindert.

Bei der VA-HIT-Studie handelt es sich um eine Doppelblindstudie, bei der Gemfibrozil (1200 mg pro Tag) bei 2531 männlichen Patienten mit anamnestisch bekannter koronarer Herzkrankheit, HDL-C-Spiegel <40 mg/dl (1.0 mmol/l) und normalen LDL-C-Spiegeln mit Placebo verglichen wurde. Nach einem Jahr war in der Gemfibrozil-Gruppe der durchschnittliche HDL-C-Wert um 6% höher und der durchschnittliche Triglycerid-Spiegel um 31% niedriger als in der Placebogruppe. Der primäre Endpunkt nicht tödlicher Myokardinfarkt oder Herztod trat bei 17.3% der mit Gemfibrozil und bei 21.7% der mit Placebo behandelten Patienten auf (relative Risikoreduktion 22%; 95% CI 7-35%; p=0.006). Hinsichtlich der sekundären Endpunkte kam es bei den mit Gemfibrozil behandelten Patienten zu einer relativen Risikoreduktion von 25% (95% CI –6-47%, p=0.10) für Schlaganfall, von 24% (95% CI 11-36%, p<0.001) für den kombinierten Endpunkt aus Tod durch koronare Herzkrankheit, nicht tödlichem Myokardinfarkt oder nachgewiesenem Schlaganfall, von 59% (95% CI 33-75%, p<0.001) für eine transitorische ischämische Attacke und von 65% (95% CI 37-80%, p<0.001) für Karotis-Endarterektomie.

Pharmakokinetik

Absorption

Nach oraler Gabe wird Gemfibrozil rasch und nahezu vollständig resorbiert.

Maximale Plasmaspiegel werden 1-2 Stunden nach Verabreichung gemessen.

Distribution

Gemfibrozil wird zu 97% an Serumalbumin gebunden.

Metabolismus

Gemfibrozil unterliegt im Körper einem intensiven Metabolismus.

Elimination

Die Plasmahalbwertszeit beträgt 1½ Stunden.

Hauptausscheidungsorgan ist die Niere; ca. 70% der verabreichten Dosis erscheinen im Urin, wobei 0.2-0.3% als unverändertes Gemfibrozil und ca. 30% in Form des Konjugates ausgeschieden werden. Weitere 6% der verabreichten Dosis erscheinen im Stuhl.

Kumulationserscheinungen wurden während der Behandlung mit Gevilon nicht beobachtet.

Präklinische Daten

Karzinogenität

Bei Ratten und Mäusen wurden in hohen Dosierungen Lebertumore gefunden, die auf Peroxisomenproliferationen zurückzuführen sind. Diese Veränderungen sind spezifisch für kleine Nager und wurden bei anderen Tierarten nicht beobachtet. Eine Relevanz für die therapeutische Anwendung beim Menschen ergibt sich daraus nicht.

Mutagenizität

Untersuchungen zur Mutagenität von Gemfibrozil ergaben keine Hinweise auf ein mutagenes Potenzial.

Reproduktionstoxizität

Die pränatale Exposition mit Gemfibrozil führte oberhalb therapeutischer Dosierung bei Ratten und Kaninchen zu retardierenden Effekten (verminderte Körpergewichtszunahme und Skelettvariationen). Hinweise auf ein teratogenes Potenzial wurden nicht nachgewiesen.

Sonstige Hinweise

Haltbarkeit

Das Medikament darf nur bis zu dem auf dem Behälter mit «EXP» bezeichneten Datum verwendet werden.

Besondere Lagerungshinweise

Bei Raumtemperatur (15–25 °C) und ausser Reichweite von Kindern aufbewahren.

Zulassungsnummer

46927 (Swissmedic).

Zulassungsinhaberin

Pfizer AG, Zürich.

Stand der Information

Februar 2016.

LLD V008

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