Estracyt Kaps 140 Mg 40 Stk

Estracyt Kaps 140 Mg 40 Stk

Fachinformationen

Zusammensetzung

Wirkstoff: Estramustini phosphas ut Estramustini phosphas dinatricus monohydricus.

Hilfsstoffe

Kapselinhalt: Talcum, Natrii laurilsulfas, Silica colloidalis anhydrica, Magnesii stearas.

Kapselhülle: Gelatina, Color.: Titanii dioxidum (E171).

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Hartgelatinekapseln zu 140 mg Estramustinphosphat.

Weisse Hardgelatinekapsel, Aufdruck «ESTRACYT» auf dem Oberteil und «KPh 750» auf dem Unterteil.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Prostatakarzinom im fortgeschrittenen Stadium, sowohl bei unbehandelten als auch bei vorbehandelten Patienten.

Dosierung/Anwendung

Estracyt sollte nur von im Umgang mit Zytostatika erfahrenen Medizinalpersonen verordnet werden.

Empfohlene Dosierung

Initialdosierung

Während 3-4 Wochen sind 3× täglich 2 Kapseln einzunehmen. Bei Ansprechen auf diese Therapie wird die Behandlung mit der Erhaltungsdosierung fortgesetzt. Bei Nichtansprechen ist die Behandlung nach ca. 4 Wochen abzubrechen.

Erhaltungsdosierung

2× täglich 2 Kapseln; bei Bedarf sind bis zu 3× täglich 2 Kapseln zu verabreichen.

Die Kapseln werden 1 Stunde vor oder 2 Stunden nach den Mahlzeiten mit kalziumarmer Flüssigkeit eingenommen (siehe «Pharmakokinetik»).

Die Kapseln sind ganz zu schlucken ohne zu kauen oder zu lutschen. Sie sollen nicht geöffnet werden. Unmittelbar nach dem Kontakt mit den Kapseln sollen die Hände gewaschen werden. Es ist darauf zu achten, dass das in den Kapseln enthaltene Pulver (z.B. bei einer Beschädigung einer Kapsel) nicht eingeatmet wird und nicht mit der Haut oder Schleimhaut in Kontakt kommt. Falls es zu einem Hautkontakt kommt, ist die Stelle mit Wasser und Seife zu waschen, bei Augenkontakt ist mit Wasser zu spülen.

Spezielle Dosierungsempfehlungen

Bei Patienten mit Leber- und Nierenfunktionsstörungen sollte Estracyt mit Vorsicht angewendet werden. Diese Patienten müssen regelmässig bezüglich Leber- und Nierenfunktion überwacht werden.

Anwendung bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren

Estracyt ist in der Pädiatrie nicht indiziert.

Kontraindikationen

  • Bekannte Überempfindlichkeit gegenüber Estramustinphosphat, Estradiol, Stickstofflost oder einem der Hilfsstoffe(siehe «Zusammensetzung»).
  • Schwere Herzerkrankung.
  • Akute Thrombophlebitis oder thromboembolische Störungen.
  • Schwere Lebererkrankung.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Vorsicht ist geboten bei Patienten mit vorangegangener Thrombophlebitis, Thrombose oder thromboembolischen Störungen, insbesondere wenn diese im Zusammenhang mit einer Östrogentherapie standen, sowie bei Patienten mit zerebrovaskulären oder koronaren Erkrankungen oder mit Ödemneigung.

Angioödem

Beim Auftreten eines Angioödems (siehe auch «Interaktionen» und «Unerwünschte Wirkungen»), muss die Behandlung mit Estracyt sofort abgesetzt werden.

Bluthochdruck

Da der Blutdruck durch Estracyt erhöht werden kann, sollte der Blutdruck periodisch kontrolliert werden. Bei schwerer Hypertonie ist Vorsicht geboten.

Glukosetoleranz

Die Glukosetoleranz kann reduziert sein. Diabetiker sollten während einer Estracyt-Therapie speziell überwacht werden.

Flüssigkeitsretention/Ödeme

Bei einigen Patienten mit vorherbestehenden bzw. beginnenden peripheren Ödemen und/oder Herzinsuffizienz trat unter Estracyt eine Verschlechterung auf. In diesen Fällen, ebenso wie bei anderen Erkrankungen wie Epilepsie, Migräne oder renalen Funktionsstörungen, ist eine sorgfältige Beobachtung angezeigt.

Kalzium- und Phosphatstoffwechsel

Da Estracyt den Kalzium- und Phosphat-Stoffwechsel beeinflussen kann, ist besondere Vorsicht geboten bei Knochenerkrankungen mit metabolischen Veränderungen (Hyperkalzämie) und bei Patienten mit Niereninsuffizienz.

Patienten mit Prostatakarzinom und Knochenmetastasen haben ein erhöhtes Risiko einer Hyperkalziämie oder Hypokalzämie. Unter Behandlung mit Estramustin sind gehäuft Hypokalzämien beobachtet worden. Bei diesen Patienten ist eine engmaschige Kontrolle des Kalziumspiegels angezeigt.

Leberfunktionsstörungen

Der Abbau von Estramustin/Estromustin kann bei Patienten mit Leberfunktionsstörungen eingeschränkt sein. Bei diesen Patienten müssen die Leberwerte überwacht werden.

Immunsupprimierender Effekt

Die Verabreichung von Lebend- oder attenuierten Impfstoffen bei durch eine Chemotherapie (einschliesslich Estramustin) immunsupprimierten Patienten kann schwere oder fatale Infektionen verursachen. Die Immunisierung mit Lebendimpfstoffen sollte bei Patienten unter Estramustin vermieden werden. Bei Verwendung von inaktiven oder Tot-Impfstoffen ist zu berücksichtigen, dass der Impfschutz vermindert sein kann.

Gynäkomastie

Zur Prävention einer Gynäkomastie wird eine einmalige Bestrahlung der Brust mit Gy 15 vor Therapiebeginn empfohlen.

Interaktionen

Die Resorption von Estramustinphosphat wird durch Kalzium und andere mehrwertige Kationen wie Magnesium oder Aluminium deutlich vermindert, da es zur Bildung von schwerlöslichen Komplexen kommt. Demzufolge sollte Estracyt nicht mit einer Mahlzeit oder Arzneimitteln, welche Kalzium oder andere mehrwertige Kationen enthalten, eingenommen werden (siehe auch «Dosierung/Anwendung» und «Pharmakokinetik»).

Im Zusammenhang mit Östrogenen wurde über eine Steigerung der Wirksamkeit und Toxizität von trizyklischen Antidepressiva berichtet, wahrscheinlich über eine Inhibierung ihres Metabolismus.

Eine Interaktion zwischen Estracyt und ACE-Hemmern, welche unter Umständen zu einem erhöhten Risiko für ein Angioödem führt (siehe auch unter «Unerwünschte Wirkungen»), ist möglich.

Schwangerschaft/Stillzeit

Estracyt ist ausschliesslich bei männlichen Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakarzinom indiziert. Patienten, welche zur Reproduktion fähig sind, müssen kontrazeptive Methoden anwenden (siehe «Präklinische Daten»). Frauen müssen den Kontakt mit dem Arzneimittel vermeiden.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Aufgrund der unerwünschten Wirkungen von Estracyt wie Übelkeit, Erbrechen sowie allenfalls kardiovaskulären Ereignissen ist beim Lenken von Fahrzeugen und Bedienen von Maschinen Vorsicht geboten.

Unerwünschte Wirkungen

Die häufigsten unerwünschten Wirkungen sind Gynäkomastie, Übelkeit, Erbrechen und Flüssigkeitsretention/Ödeme.

Die schwerwiegendsten unerwünschten Wirkungen sind thromboembolische Ereignisse, Myokardischämie, Stauungsherzinsuffizienz und Angioödem.

Die nachfolgenden unerwünschten Wirkungen wurden im Zusammenhang mit einer Estracyt-Therapie beobachtet. Die Häufigkeitskategorien sind wie folgt definiert: sehr häufig (≥1/10), häufig (<1/10, ≥1/100), gelegentlich (<1/100, ≥1/1000), selten (<1/1000, ≥1/10'000), sehr selten (<1/10'000), unbekannt (Häufigkeit ist auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar).

Blut- und Lymphsystem

Sehr häufig: Anämie (26%), Leukozytopenie (10%; reversibel nach Reduzierung der Dosis auf die Hälfte bzw. nach Absetzen).

Häufig: Thrombozytopenie.

Immunsystem

Unbekannt: Überempfindlichkeitsreaktionen inkl. Angioödem (Quincke-Ödem, Lokalisation z.B. Larynx, Gesicht, Darmwand) siehe auch «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»; in vielen Fällen, auch in einem Fall mit tödlichem Ausgang, nahmen die Patienten gleichzeitig ACE-Hemmer ein, siehe «Interaktionen».

Stoffwechsel- und Ernährungsstörungen

Sehr häufig: Flüssigkeitsretention/Ödeme (47%).

Psychiatrische Störungen

Unbekannt: Verwirrung, Depression.

Nervensystem

Häufig: Lethargie, Kopfschmerzen.

Herz

Sehr häufig: Stauungsherzinsuffizienz (10%).

Häufig: Herzinfarkt.

Sehr selten: Verschlechterung von ischämischen Herzerkrankungen.

Unbekannt: Myokardischämie.

Gefässe

Häufig: Thromboembolische Ereignisse, Venenthrombosen.

Unbekannt: Bluthochdruck.

Gastrointestinale Störungen

Sehr häufig: Übelkeit und Erbrechen (66%), Diarrhoe (24%); hauptsächlich in den ersten beiden Behandlungswochen.

Leber und Galle

Sehr häufig: Leberfunktionsstörungen (17%) mit erhöhten Transaminasen und Bilirubin.

Haut

Unbekannt: Allergische Reaktion mit Hautausschlag und Juckreiz.

Muskelskelettsystem

Unbekannt: Muskelschwäche.

Reproduktionssystem und Brust

Sehr häufig: Gynäkomastie (36%).

Häufig: kurzfristiges Jucken und Brennen im Perineal- oder Genitalbereich.

Unbekannt: Erektile Dysfunktion.

Überdosierung

Erfahrungen bei Überdosierungen und Intoxikationen liegen bisher nicht vor.

Behandlung: Symptomatische Behandlung, Überwachung hämatologischer und hepatischer Laborparameter während mindestens 6 Wochen.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: L01XX11

Estramustinphosphat ist ein Estradiolphosphatester, der über eine Carbamatbindung mit Norstickstofflost verknüpft ist, und stellt ein Prodrug dar. Es ist ein Zytostatikum mit selektiver Wirkung auf das Prostatakarzinom. Die beiden dephosphorylierten Hauptmetaboliten Estramustin und Estromustin (Estron-Analogon von Estramustin) sowie die beim weiteren Abbau zu einem geringen Teil entstehenden Estrogene Estradiol und Estron (17-Keto-Analogon von Estradiol) inhibieren die Mikrotubuli-Formation und binden an den Androgenrezeptor, was in einer Hemmung der Zellproliferation resultiert.

Estracyt zeigt gute Erfolge beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom sowohl bei vorbehandelten, hormonrefraktären als auch bei unbehandelten Patienten. Als Folge der Behandlung kann eine Verminderung der Knochenschmerzen und eine Reduktion der sauren Phosphatase (PAP) und des prostataspezifischen Antigens (PSA) festgestellt werden.

Pharmakokinetik

Absorption

Estramustinphosphat wird nach oraler Verabreichung zu 75% absorbiert und bereits im Gastrointestinaltrakt vollständig zu Estramustin dephosphoryliert. Zu tmax gibt es keine Angaben. Die Resorption ist deutlich vermindert bei gleichzeitiger Einnahme mit Nahrungsmitteln, welche reich an Kalzium (Milch, Käse, Jogurt, Quark) oder an anderen mehrwertigen Kationen sind, da es zur Bildung schwer löslicher Komplexe kommt.

Distribution

Zum Verteilungsvolumen und zur Plasmaproteinbindung von Estramustin und Estromustin gibt es keine Angaben. Bei intravenöser Verabreichung von Estramustinphosphat betragen dessen Verteilungsvolumen 10.6 l und Plasmaproteinbindung 99%. Im tumorösen Prostatagewebe werden Estra- und Estromustin mittels eines Proteins (prostatic binding protein) selektiv in der Zielzelle angereichert, wo sie ihre zytotoxische Wirkung ausüben.

Metabolismus

Nach oraler Gabe wird Estramustinphosphat bereits im Gastrointestinaltrakt vollständig dephosphoryliert. Das nach Abspaltung des Phosphatrestes entstandene Estramustin wird zu Estromustin oxidiert. Das Reaktionsgleichgewicht liegt auf der Seite von Estromustin mit einem Estramustin/Estromustin-Verhältnis im Plasma von 1:10. 10-15% der beiden Metaboliten werden in der Leber durch Hydrolyse der Carbamatbindung zu Estradiol resp. Estron und Norstickstofflost gespalten. Estradiol und Estron werden üblicherweise mit Glucuronsäure und Sulfat konjugiert. Betreffend Norstickstofflost gibt es keine Daten.

Elimination

Die Eliminationshalbwertszeit von Estramustin beträgt 64 Stunden und von Estromustin 110 Stunden. Die Elimination der Metaboliten erfolgt hauptsächlich mit den Faeces, sehr geringe Mengen von Estradiol und Estron werden mit dem Urin ausgeschieden.

Kinetik spezieller Patientengruppen

Zur Pharmakokinetik bei Patienten mit Leber- oder Niereninsuffizienz liegen keine Daten vor.

Präklinische Daten

Akute und chronische Toxizität

Die akute Toxizität von Estramustinphosphat nach einmaliger Verabreichung ist gering. Die LD50 nach oraler Applikation bei Mäusen und Ratten ist mehr als 100-mal grösser als die beim Menschen verwendete Dosis. In Studien, welche die Toxizität nach mehrfacher Verabreichung von Estramustinphosphat bei Ratten, Hunden und Affen untersucht haben, traten bei Hunden, welche sehr anfällig sind, bereits bei niedrigen Dosen Estrogen-induzierte Nebeneffekte auf. Bei Ratten traten Estrogen-induzierte und Alkylantien-induzierte Nebeneffekte auf, bei Affen nur estrogenartige Nebeneffekte.

Mutagene Effekte

Obwohl der Nachweis des mutagenen Effektes mittels Ames-Test für Estramustinphosphat negativ ausfiel, ist bekannt, dass sowohl Estradiol als auch N-Lost mutagen sind. Aus diesem Grund sollte Patienten mit erhaltener Potenz geraten werden, kontrazeptive Massnahmen zu ergreifen.

Sonstige Hinweise

Haltbarkeit

Das Arzneimittel darf nur bis zu dem auf der Packung mit «EXP» bezeichneten Datum verwendet werden.

Besondere Lagerungshinweise

Nicht über 25 °C und ausser Reichweite von Kindern aufbewahren.

Hinweise für die Handhabung

Bei der Handhabung von Estracyt und der Entsorgung sind die Richtlinien für Zytostatika zu befolgen.

Zulassungsnummer

39259 (Swissmedic).

Zulassungsinhaberin

Pfizer AG, Zürich.

Stand der Information

Oktober 2015.

LLD V002

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