Kcl-retard Ret Drag 600 Mg Fl 50 Stk

Fachinformationen

Zusammensetzung

Wirkstoff: Kalii chloridum.

Hilfsstoffe: Excip. pro compr. obduct.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Dragées zu 600 mg, corresp. 8 mmol K+.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

KCl-retard eignet sich zur Korrektur und/oder Verhütung einer Hypokaliämie bei Patienten, die Kaliumchlorid in Form einer Lösung oder einer Brausetablette nicht vertragen oder nicht einnehmen wollen, oder wenn bei diesen Darreichungsformen Schwierigkeiten mit der Compliance bestehen. Eine Kaliumsubstitution kommt unter folgenden Umständen in Betracht:

1. Unzureichende Zufuhr über die Nahrung infolge falscher Essgewohnheiten (bei älteren Patienten oder schweren Alkoholikern) oder mangelhafter Ernährung (Hungern, extreme Abmagerungskuren, Anorexia nervosa).

2. Erhöhter gastrointestinaler Kaliumverlust infolge von andauerndem Erbrechen, ausser bei einer Pylorusstenose (s. «Kontraindikationen»), von Diarrhoe, Zottenadenomen, Darmfisteln, chronischem Laxanzienabusus oder stark beschleunigter Darmpassage.

3. Erhöhter renaler Kaliumverlust aufgrund folgender Umstände:

  • Chronische oder hochdosierte Therapie mit folgenden Arzneimitteln:
    • Kaliumausscheidende Diuretika;
    • Antibiotika wie Carbenicillin, Gentamicin, Clindamycin, Amphotericin B;
    • Carbenoxolon-Natrium;
  • Primärer (Conn-Syndrom) oder sekundärer Hyperaldosteronismus, einschliesslich fortgeschrittene Hypertonie und Bartter-Syndrom;
  • Erhöhte Sekretion von Glukokortikoiden (Morbus Cushing);
  • Tubuläre Nierenerkrankungen (z.B. Nephropathien mit Salzverlust, angeborene Tubuluserkrankungen, Leukämien mit erhöhter Lysozymausscheidung, Liddle-Syndrom).

4. Gestörter transzellulärer Kaliumtransport, z.B. bei hypokaliämischer familiärer periodischer Paralyse oder bei akuter megaloblastischer Anämie (als Zusatz zur spezifischen Therapie).

Dosierung/Anwendung

Allgemeine Regeln

Die übliche Kaliumzufuhr mit der Nahrung beträgt bei Erwachsenen durchschnittlich 50-100 mmol/d. Im Allgemeinen führt ein Kaliumverlust erst dann zu einer Hypokaliämie, wenn der Körper mindestens 200 mmol Kalium verloren hat.

Die Dosierung muss dem individuellen Bedarf jedes Patienten angepasst werden und der Ursache sowie dem Ausmass der manifesten oder latenten Hypokaliämie Rechnung tragen. Werden Diuretika intermittierend angewendet, so empfiehlt es sich, KCl-retard an den diuretikafreien Intervalltagen zu verabreichen.

Die Dragées sollen ganz geschluckt werden und dürfen folglich weder zerbissen noch gekaut oder gelutscht werden. Sie sind im Sitzen mit ausreichend Flüssigkeit einzunehmen. Werden mehr als 20 mmol K+ pro Tag eingenommen, so sollte die Tagesdosis in Einzeldosen von nicht mehr als 20 mmol K+ aufgeteilt werden.

Erwachsene

Je nach dem individuellen Bedarf sind zur Prophylaxe Tagesdosen von 2-3 Dragées (16-24 mmol K+) im Allgemeinen ausreichend.

Zur Korrektur einer Hypokaliämie werden je nach den initialen Plasma-K+-Werten 40, 50 oder bis zu 100 mmol K+, also 5, 6 oder bis zu 12 Dragées benötigt. Das Ansprechen auf die Behandlung wird zweckmässigerweise durch wiederholte Bestimmung der Plasma-K+-Werte überprüft, wobei die Therapie mit KCl-retard bis zur Normalisierung des Kaliumspiegels fortgesetzt werden sollte.

Spezielle Dosierungsanweisungen

Patienten mit Nierenerkrankungen

Patienten mit milden bis moderaten Nierenerkrankungen sollte KCl-retard mit grosser Vorsicht verordnet werden, wobei der Kaliumgehalt im Serum häufig gemessen werden muss, da bei ihnen ein erhöhtes Risiko für Hyperkaliämie besteht.

KCl-retard ist kontraindiziert bei Patienten mit schwerer Nierenerkrankung (siehe «Kontraindikationen»).

Patienten mit Lebererkrankung

Es liegen keine Studien zu Patienten mit Lebererkrankungen vor. Trotzdem sollte KCl-retard mit Vorsicht verordnet werden, da eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für Störungen im Elektrolythaushalt besteht.

Kinder/Jugendliche

Über Sicherheit und Wirksamkeit bei Kindern und Jugendlichen liegen keine Angaben vor. KCl-retard wird deshalb nicht für den pädiatrischen Gebrauch empfohlen.

Ältere Patienten

KCl-retard sollte bei ihnen mit Vorsicht verordnet werden, wobei der Kaliumgehalt im Serum häufig gemessen werden muss, da bei ihnen ein erhöhtes Risiko für Hyperkaliämie besteht.

Dosierungsempfehlung

KCl-retard soll mit oder nach dem Essen verabreicht werden, um Magenbeschwerden zu minimieren. Das Dragee soll mit mindestens 200 ml Flüssigkeit in aufrecht sitzender Position geschluckt werden und weder zerdrückt, gekaut, noch gelutscht werden.

Kontraindikationen

  • Überempfindlichkeit gegenüber Kalium, wie sie z.B. bei Adynamia episodica hereditaria und bei kongenitaler Paramyotonie vorkommt, oder Überempfindlichkeit gegenüber einem der Hilfsstoffe.
  • Alle Arten von Hyperkaliämie, da eine weitere Kaliumzufuhr zu Rhythmusstörungen und sogar zu einem Herzstillstand führen könnte.
  • Periodische hyperkaliämische Lähmung. Eine autosomal-dominant vererbte Krankheit mit Auswirkungen auf die Kaliumkanäle in der Muskelzelle und die Regulierung der Kaliumspiegel im Blut. Attacken werden durch die Zufuhr von Kalium gefördert und lösen das Krankheitsbild aus.
  • Situationen mit erheblicher Zelldestruktion (z.B. Traumen, Verbrennungen, massive Hämolysen, Rhabdomyolyse, Auflösung von Tumorgewebe).
  • Unbehandelter Morbus Addison.
  • Hyporeninämischer Hypoaldosteronismus.
  • Dekompensierte metabolische Azidose.
  • Akute Dehydratationszustände.
  • Ausgeprägte Niereninsuffizienz, selbst wenn noch keine manifeste Hyperkaliämie vorliegt.
  • Gleichzeitige Behandlung mit kaliumsparenden Diuretika (Spironolacton, Triamteren, Amilorid) und Anticholinergika (s. «Interaktionen»).

Schliesslich ist KCl-retard, wie alle Kaliumpräparate mit protrahierter Wirkstoffabgabe, bei allen Patienten mit verzögerter oder verhinderter Magen-Darm-Passage kontraindiziert, so bei:

  • Partiellem oder totalem Ösophagusverschluss, z.B. infolge von Karzinomen (Ösophagus, Trachea, Schilddrüse), Aortenaneurysma, linksventrikulärer Dilatation, entzündlichen Strikturen infolge einer Reflux-Ösophagitis sowie bei Ösophagusverschiebungen nach herzchirurgischen Eingriffen (z.B. Klappenersatz);
  • Jeglichen Stenosen oder Atonien im gesamten Magen-Darm-Trakt (z.B. Pylorusstenosen, Darmstrikturen);
  • Magen- und/oder Darmulzera.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Bei einer langdauernden Kaliumsubstitutionstherapie sind periodische Bestimmungen der Plasma-K+-Werte empfehlenswert. Dies gilt insbesondere bei einem erhöhten Hyperkaliämierisiko (z.B. bei Nierenfunktionsstörungen und Herzerkrankungen).

Zusätzlich ist dem Säure-Basen-Gleichgewicht, den anderen Serumelektrolyten (z.B. Magnesium, s. unten), dem EKG sowie dem gesamten klinischen Status besondere Aufmerksamkeit zu schenken.

Die Verwendung von Kaliumsalzen bei Patienten mit einer chronischen Nephropathie oder einer anderen Erkrankung, die die Kaliumausscheidung beeinflusst, erfordert eine besonders aufmerksame Überwachung des Kaliumspiegels sowie geeignete Dosisanpassungen.

Bei Patienten mit Stoma sind wegen der eventuell veränderten Darmpassagezeit andere Darreichungsformen von Kaliumsalzen vorzuziehen.

Bei Patienten, die Arzneimittel erhalten, welche potentiell zu einer Hyperkaliämie führen können, wie ACE-Inhibitoren, Angiotensin-II-Rezeptor-Antagonisten, nicht-steroidale Antiphlogistika (z.B. Indometacin), Betablocker, Heparin, Digoxin und Ciclosporin, ist KCl-retard mit Vorsicht zu verwenden (s. «Interaktionen»). Bei bestimmten Patienten erschwert ein diuretikainduziertes Magnesiumdefizit den Ausgleich des intrazellulären Kaliumdefizites. In diesen Fällen sollte gleichzeitig auch der Magnesiummangel korrigiert werden.

Läsionen im Magen-Darm-Trakt

Treten während einer Behandlung mit KCl-retard ausgeprägte Übelkeit, heftiges Erbrechen, schwere Leibschmerzen, Blähungen, Diarrhoe oder Magen-Darm-Blutungen auf, so soll das Präparat sofort abgesetzt werden, da diese Symptome Ausdruck einer Ulzeration oder gar einer Perforation im Gastrointestinaltrakt sein könnten (s. «Unerwünschte Wirkungen»).

Anticholinergika können die gastrointestinale Motilität beeinträchtigen, deshalb müssen diese Arzneimittel, vor allem wenn sie hoch dosiert sind und wenn sie gleichzeitig mit festen oralen Kalium-Präparaten eingenommen werden, mit Vorsicht verabreicht werden.

KCL-retard enthält Saccharose. Patienten mit den seltenen Erbkrankheiten wie Fruktose-Intoleranz, Glukose-Galaktose-Malabsorption, Sucrase-Isomaltase-Insuffizienz sollten dieses Arzneimittel nicht einnehmen.

Interaktionen

Kaliumsparende Diuretika (z.B. Triamteren, Spironolacton, Amiloride) und ACE-Hemmer führen zu einer Kaliumretention, da sie die Aldosteronproduktion hemmen (s. «Kontraindikationen»).

Anticholinergika können die gastrointestinale Motilität beeinträchtigen, deshalb müssen diese Arzneimittel, vor allem wenn sie hoch dosiert sind und wenn sie gleichzeitig mit festen oralen Kalium-Präparaten eingenommen werden, mit Vorsicht verabreicht werden (s. «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Folgende Arzneimittel können potentiell zu einer Hyperkaliämie führen: ACE-Inhibitoren, Angiotensin-II-Rezeptor-Antagonisten, nichtsteroidale Antiphlogistika (z.B. Indometacin), Betablocker, Heparin , Digoxin und Ciclosporin (s. «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»). KCl-retard sollte mit Vorsicht angewendet werden, wenn die Patienten diese Arzneimittel einnehmen.

Arzneimittel, die mit der Kalium-Ausscheidung interferieren, wie Reninhemmer (z.B. Aliskiren) und Protonenpumpenhemmer, können eine Hyperkaliämie verstärken, wenn sie gleichzeitig mit KCl-retard verabreicht werden.

Schwangerschaft/Stillzeit

Schwangerschaft

Es liegen keine klinischen Daten mit schwangeren Frauen vor.

In Studien mit Tieren gibt es keine Hinweise auf direkt oder indirekt schädliche Wirkungen auf die Schwangerschaft, die embryonale/fötale Entwicklung, Geburtsvorgang und die postnatale Entwicklung (s. «Präklinische Daten»).

In der Regel sollten während des ersten Trimenons der Schwangerschaft keine Arzneimittel eingenommen werden. Die Vorteile und Risiken bei der Einnahme von Arzneimitteln während der ganzen Schwangerschaft sollten in Betracht gezogen werden.

Da während der Schwangerschaft die Darmmotilität vermindert ist, sollten feste Darreichungsformen eines Kaliumpräparats nur angewendet werden, wenn eine solche Therapie als wesentlich betrachtet wird.

Stillzeit

Die Kalium-Ausscheidung in die Muttermilch wurde weder in Tieren noch beim Menschen studiert.

Der normale Kaliumgehalt der Muttermilch beträgt etwa 13 mmol/l. Da oral zugeführtes Kalium im Körper rasch verteilt wird, ist bei der Anwendung von KCl-retard wenig oder kein Einfluss auf den Kaliumspiegel der Muttermilch zu erwarten, solange der Gesamtkaliumgehalt im Körper nicht übermässig hoch ist.

KCl-Retard sollte nur während der Stillzeit verabreicht werden, wenn der erwartete Nutzen für die Mutter das potientielle Risiko für das Kleinkind überwiegt.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Die Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen wurde nicht untersucht.

Unerwünschte Wirkungen

Häufigkeiten

«Sehr häufig» (>1/10), «häufig» (>1/100, <1/10), «gelegentlich» (>1/1‘000, <1/100), «selten» (>1/10'000, <1/1‘000), «sehr selten» (<1/10’000).

Gastrointestinale Störungen

Selten: Übelkeit, Blähungen, Erbrechen, Leibschmerzen und Diarrhoe.

Sehr selten: Verschlüsse, Blutungen und Ulzerationen, mit oder ohne Perforation des oberen oder unteren Gastrointestinaltraktes (s. «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»). Bei den meisten dieser Patienten lagen gleichzeitig andere Faktoren vor, die mit derartigen unerwünschten Reaktionen einhergehen können (z.B. verzögerte Darmpassage oder Obstruktion im Gastrointestinaltrakt).

Haut

Selten: Pruritus und/oder Hautausschläge sowie Urtikaria.

Stoffwechsel

Bei Patienten, bei denen die renale Ausscheidung von Kalium oder dessen Verteilung im Organismus gestört ist, kann eine Hyperkaliämie auftreten (s. «Kontraindikationen», «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen», «Interaktionen», und «Überdosierung»).

Überdosierung

Klinische Symptome

Die klinischen Erscheinungen einer akuten Kalium-Überdosierung (Vergiftung) sind hauptsächlich durch eine Hyperkaliämie mit kardiovaskulären und neuromuskulären Störungen geprägt. Dazu kann es bei Vorliegen einer Niereninsuffizienz bereits nach relativ niedrigen Dosen von KCl-retard kommen.

Herz-Kreislauf-System

Ventrikuläre Arrhythmien und ein Schenkelblock mit ventrikulärem Flimmern, begleitet von Blutdruckabfall und Schockzuständen, können bis zum Herzstillstand führen.

Neben der Erhöhung der K+-Plasmakonzentrationen entwickeln sich typische EKG-Veränderungen (vergrösserte Amplitude und Zuspitzung der T-Zacke, Fehlen der P-Welle, Verbreiterung des QRS-Komplexes und Senkung der ST-Strecke).

Zentralnervensystem und Muskulatur

Parästhesien, Krampfanfälle, Reflexausfall, Atonie der gestreiften Muskulatur, die bis zu respiratorischen Lähmungserscheinungen gehen kann.

Arzneimittel-Bezoar

In Zusammenhang mit Überdosierungen dieses Arzneimittels wurden seltene Fälle von Arzneimittel-Bezoaren (Konvolute unverdauter bzw. unverdaulicher Stoffe) unterschiedlicher Schweregrade berichtet. Der Arzneimittel-Bezoar kann röntgendicht sein, wodurch eine radiologische (Röntgen- oder CT-Aufnahme) Bestätigung, jedoch kein Ausschluss dieser Diagnose ermöglicht wird. Die Bildung eines Arzneimittel-Bezoars kann eine langsame, aber kontinuierliche Freisetzung und Absorption des Wirkstoffs verursachen, die zu Komplikationen einer Überdosierung einschliesslich Tod Stunden nach Aufnahme des Arzneimittels und initialer Behandlung mittels Magenspülung und Aktivkohle führen kann.

Behandlung

Im akuten Vergiftungsfall muss das überschüssige Kalium aus dem Körper entfernt und/oder inaktiviert werden. Dies geschieht durch:

  • Induktion des Erbrechens;
  • Magenspülung;
  • Verabreichung von Kationenaustauscherharzen, oral oder durch Mageninstillation, z.B. 20 g Natrium-Polystyrol-Sulfonat mit 20 ml 70%iger Sorbitollösung, 3- bis 4×/d.

Im Falle einer moderaten/schweren Hyperkaliämie sollte nach Beobachtung des Serum-Kaliumspiegels eine Standardbehandlung beginnen und dem Zustand entsprechend fortgesetzt werden.

Eine Hyperkaliämie kann durch parenterale Verabreichung von 10%igem Calciumglukonat, durch Infusion einer 10-25%-igen Glukoselösung zusammen mit Insulin (10 I.E./20 g Glukose) in einer Menge von 300-500 ml/Std. oder durch orale Zufuhr bzw. Einläufe mit Ionenaustauschern behandelt werden.

Unter Umständen ist eine rasche Hämodialyse lebensrettend.

Da eine Magenspülung wirkungslos sein kann und die systemischen Spiegel des Wirkstoffs sogar weiter erhöhen kann, sollte bei entsprechend ausgewählten Patienten die physikalische Entfernung des Arzneimittel-Bezoars durch einen endoskopischen oder chirurgischen Eingriff in Betracht gezogen werden. Weil solche Fälle sehr selten sind, gibt es nur unzureichende klinische Daten hinsichtlich der optimalen Behandlung, bei der auch die Grösse und Lokalisation des Arzneimittel-Bezoars, die Symptome und der Zustand des Patienten sowie die Wirkstoffspiegel berücksichtigen werden müssen.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: A12BA01

Wirkungsmechanismus/Pharmakodynamik

KCl-retard ist zur oralen Kaliumsubstitution entwickelt worden und stellt eine Anwendungsform mit protrahierter Wirkstoffabgabe dar. Das Kaliumchlorid (KCl) ist in feinster Verteilung in eine neutrale Matrix eingebettet. Diese Formulierung soll die Freisetzung des Wirkstoffes verlangsamen, so dass die Wahrscheinlichkeit des Auftretens hoher lokaler KCl-Konzentrationen im Gastrointestinaltrakt vermindert wird. Die Wirkstoffabgabe ist weitgehend pH-unabhängig und erfolgt mit einer Geschwindigkeit, die eine vollständige Resorption während der Magen-Darm-Passage gewährleistet. Die unlösliche Matrix wird mit dem Stuhl in aufgeweichter Form ausgeschieden.

Klinische Wirksamkeit

Kalium, das intrazellulär am häufigsten vorkommende Kation, spielt bei verschiedenen wichtigen physiologischen Funktionsabläufen eine entscheidende Rolle, so z.B. bei der Übertragung von Nervenimpulsen, der Kontraktion von Muskelgeweben (Herz- und Skelettmuskeln, glatte Muskulatur) und bei der Aufrechterhaltung einer normalen Nierenfunktion. Es trägt auch zur Regelung des osmotischen Druckes und des Säure-Basen-Gleichgewichts bei. Die K+ -Konzentrationen variieren intrazellulär zwischen 130 und 150 bis 160 mmol/l, im Plasma zwischen 3.5 und 5 mmol/l. Obwohl keine einheitliche Korrelation zwischen der K+-Plasmakonzentration und dem Gesamtgehalt im Körper besteht, treten bei K+-Werten von unter 3.5 mmol/l im Allgemeinen klinische Zeichen eines Kaliummangels in Erscheinung (Hypokaliämie). Zeichen eines Kaliummangels sind: neuromuskuläre Funktionsstörungen, die von leichter Muskelschwäche bis zu echten Lähmungserscheinungen reichen können, intestinale Muskelerschlaffung bis zum paralytischen Ileus und, häufiger, Störungen der Herzmuskelfunktion mit EKG-Veränderungen. Charakteristisch sind ein verlängertes PR-Intervall, eine gesteigerte U-Welle, eine verbreiterte und abgeflachte T-Zacke sowie eine gesenkte ST-Strecke.

Eine Hypokaliämie kann durch eine zusätzliche Kaliumzufuhr verhütet und/oder korrigiert werden. Neben einer erhöhten Kaliumzufuhr durch kaliumreiche Kost, die nicht immer einfach durchzuführen ist, bietet sich die Verabreichung von KCl-retard als geeignete Alternative an. Da häufig ein gemeinsames Defizit an K+- und Cl--Ionen vorliegt, wird zum Ausgleich der meisten klinischen Erscheinungen der Hypokaliämie dem Salz Kaliumchlorid der Vorzug gegeben.

Pharmakokinetik

Absorption/Distribution

Werden Einzeldosen von 5 oder 6 Dragées KCl-retard (entsprechend 40 oder 48 mmol K+) eingenommen, wird das KCl während der Magen-Darm-Passage über einen Zeitraum von ca. 4 h allmählich freigesetzt. Die Resorption erfolgt in der Weise, dass die renale Kaliumausscheidung gegenüber einer gleichen Dosis KCl-Lösung zeitlich um 30-60 min verzögert wird.

Elimination

Ist die Kaliumbilanz im Gleichgewicht, so werden etwa 90% des durch KCl-retard zugeführten Kaliums in 8 h und über 98% innerhalb von 24 h im Urin ausgeschieden.

Kinetik spezieller Patientengruppen

Ältere Patienten

Es liegen keine pharmakokinetischen Studien zu Kaliumchlorid speziell bei älteren Patienten vor. Jedoch ist es in dieser Patientengruppe wahrscheinlicher, aufgrund von physiologischen Veränderungen und reduzierter Nierenfunktion eine Hyperkaliämie zu entwickeln.

Pädiatrie

Es liegen keine pharmakokinetischen Studien zu Kaliumchlorid bei Kindern vor.

Leberfunktionsstörung

Es liegen keine pharmakokinetischen Studien zu Kaliumchlorid bei Patienten mit Lebererkrankungen vor.

Nierenfunktionsstörung

Kalium wird fast komplett durch den Urin ausgeschieden, wobei die Ausscheidungsrate durch die glomeruläre Filtrationsrate bestimmt wird.

Bei Patienten mit ausgeprägten Nierenfunktionstörungen ist KCl-retard aufgrund des Risikos einer Hyperkaliämie und der Folgeerscheinungen kontraindiziert (s. «Kontraindikationen»).

Präklinische Daten

Präklinische Daten zu akuter Toxizität, Toxizität nach wiederholter Verabreichung, Genotoxizität, karzinogenem Potential und Reproduktionstoxizität geben keine Hinweise für ein erhöhtes Risiko im Menschen. Die akute und die chronische orale Toxizität von Kaliumchlorid (KCl) in Tieren ist gering. Gastrointestinale irritierende Wirkungen wurden in Rhesus-Affen mit hohen oralen Dosierungen von KCL-retard beobachtet. Einige positive Resultate bei in vitro Genotoxizitäts-Assays wurden auf hohe Konzentrationen von KCL zurückgeführt. Karzinogenitäts-Studien in Ratten, welche mit KCl gefüttert wurden, waren negativ. Limitierte Informationen aus oralen Entwicklungsstudien in Nagetieren zeigen keine schädliche Wirkung auf die Nachkommen. Aus den Tierversuchen ergeben sich keine Hinweise, dass orales KCl teratogene Wirkungen ausübt oder eine Fortpflanzungstoxizität aufweist, welche für den Menschen von Bedeutung wäre.

Sonstige Hinweise

Haltbarkeit

Das Arzneimittel darf nur bis zu dem auf der Packung mit «EXP» bezeichneten Datum verwendet werden.

Besondere Lagerungshinweise

KCl-retard soll vor Feuchtigkeit geschützt und nicht über 30 °C aufbewahrt werden.

KCl-retard ist für Kinder unerreichbar aufzubewahren.

Zulassungsnummer

35756 (Swissmedic).

Zulassungsinhaberin

Novartis Pharma Schweiz AG, Risch; Domizil 6343 Rotkreuz.

Stand der Information

Dezember 2015.

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