Distraneurin Mixt 500 Mg/10ml 300 Ml

Fachinformationen

Zusammensetzung

Distraneurin Kapseln

Wirkstoff: Clomethiazolum

Hilfsstoffe: Sorbitolum, Excipiens pro capsula

1 Distraneurin Kapsel enthält 7 mg Sorbitol

Distraneurin Mixtur

Wirkstoff: Clomethiazolum ut Clomethiazoli edisilas

Hilfsstoffe: Sorbitolum, Aromatica, Excipiens ad solutionem pro 5 ml

5 ml Distraneurin Mixtur enthalten 1,75 g Sorbitol

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Distraneurin Kapseln: 192 mg Clomethiazolum

Distraneurin Mixtur: 157,5 mg Clomethiazolum (als Clomethiazoli edisilas 250 mg) pro 5 ml Mixtur

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Altersbedingte Schlafstörungen (nicht als Dauertherapie).

Verwirrtheitszustände verbunden mit Erregtheit und Unruhe bei älteren Personen.

Behandlung von Prädelir, Delirium tremens und akuter Entzugssymptomatik unter kontrollierten stationären Bedingungen.

Dosierung/Anwendung

Das Ziel der Distraneurin-Therapie soll die Kontrolle der Symptome sein, ohne eine übermässige Sedierung zu bewirken.

Die optimal wirksame Dosierung wird am besten individuell bei jedem Patienten durch Dosis-Titration bestimmt. Dies ist in Anbetracht der variablen Bioverfügbarkeit besonders wichtig (vgl. Rubrik «Pharmakokinetik»).

Wie bei allen Sedativa, Hypnotika und Tranquilizern soll die Dosis so niedrig wie möglich gewählt und regelmässig kontrolliert werden. Die Therapie soll bald möglichst abgesetzt werden.

Korrekte Art der Einnahme

Die Kapseln sollen ganz geschluckt werden.

Die Mixtur sollte mit Wasser oder Saft verdünnt werden. Verdünnungen müssen immer frisch hergestellt und sofort eingenommen werden.

Schlafstörungen bei älteren Personen

Beim Zubettgehen sind 2 Kapseln oder 10 ml der Mixtur einzunehmen. Ein graduierter Messbecher (5 ml/10 ml) liegt der Mixtur-Packung bei.

Wird am frühen Morgen eine erhöhte Schläfrigkeit beobachtet, soll die Dosis erniedrigt werden.

Die Gefahr der Gewöhnung bzw. Abhängigkeit ist gegeben. Deshalb wird Distraneurin nicht für eine Dauertherapie empfohlen.

Verwirrtheitszustände, verbunden mit Erregtheit und Ruhelosigkeit bei älteren Personen

3× täglich 1 Kapsel oder 5 ml Mixtur.

Die Dosis muss dem Schweregrad der Symptome und dem Zustand des Patienten entsprechend individuell gewählt werden.

Akute Alkoholentzugssymptome

Clomethiazol ist nicht eine «spezifische» Therapie bei Alkoholismus.

Die Behandlung sollte grundsätzlich im Spital durchgeführt werden. In Ausnahmefällen kann eine Behandlung ausserhalb des Spitals unter Einbeziehung von entsprechend ausgebildetem Personal durchgeführt werden. Es muss gewährleistet sein, dass die tägliche Dosierung von Distraneurin zum Beispiel durch die Spitex-Dienste der Gemeinden gut überwacht wird.

Die Dosis soll individuell gewählt werden, je nach Intensität der auftretenden Symptome und Zustand des Patienten. Der Patient soll sediert, aber noch ansprechbar sein.

Ein stark sedierter Patient soll sorgfältig überwacht werden. Da ein erhöhtes Risiko für eine vermehrte nasopharyngeale/bronchiale Sekretion besteht, soll verhindert werden, dass der Patient während der Therapie auf dem Rücken liegt (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Folgendes Therapieschema wird empfohlen:

Initialdosis: 2-4 Kapseln. Wenn nötig kann diese Dosis nach einigen Stunden wiederholt werden.

1. Tag (erste 24 Std.): 9-12 Kapseln in 3-4 Dosen aufgeteilt.

2. Tag: 6-8 Kapseln in 3-4 Dosen aufgeteilt.

3. Tag: 4-6 Kapseln in 3-4 Dosen aufgeteilt.

4.-6. Tag: Stufenweise Reduktion der Dosis.

Eine Therapie über mehr als 10 Tage wird nicht empfohlen. Jede Kapsel entspricht ca. 5 ml Distraneurin-Mixtur. Falls gewünscht, kann jede Kapsel entsprechend substituiert werden.

Delirium tremens

Initial werden 2-4 Kapseln verabreicht. Wenn die Sedierung innerhalb von 1-2 Stunden nicht eintritt, können nochmals 1-2 Kapseln gegeben werden, bis der Patient einschläft. Im Zeitraum von 2 Stunden jedoch nicht mehr als 8 Kapseln geben. Als Alternative dient die Mixtur (5 ml Mixtur entspricht ca. einer Kapsel).

Ein stark sedierter Patient soll sorgfältig überwacht werden. Da ein erhöhtes Risiko für eine vermehrte nasopharyngeale/bronchiale Sekretion besteht, soll verhindert werden, dass der Patient während der Therapie auf dem Rücken liegt (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Wenn die Symptome beherrscht sind, kann die Behandlung beibehalten werden unter Berücksichtigung der im Abschnitt «Alkoholentzugssymptome» empfohlenen Richtlinien. Die Dosis soll anschliessend täglich stufenweise vermindert und die Behandlung innerhalb von 9-10 Tagen abgeschlossen werden.

Ältere Patienten

Besondere Vorsicht ist geboten, da mit einer verzögerten Elimination von Clomethiazol gerechnet werden muss (siehe «Pharmakokinetik»).

Kinder und Jugendliche

Distraneurin sollte bei Kindern und Jugendlichen nicht angewendet werden, da keine Studien vorliegen.

Andere Bevölkerungsgruppen

Für japanische Patienten können niedrigere Dosen von Clomethiazol erforderlich sein.

Kontraindikationen

Bei Überempfindlichkeit auf den Wirkstoff Clomethiazol oder einen der Hilfsstoffe sowie bei akuter Ateminsuffizienz.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Distraneurin sollte mit Vorsicht bei Patienten mit Schlafapnoe-Syndrom oder mit eingeschränkter Atemfunktion (z.B. Asthma bronchiale), akuten oder chronischen Bronchial- oder Lungenerkrankungen angewendet werden, da das Risiko einer respiratorischen Depression besteht. Bei solchen Patienten ist die Dosis gegebenenfalls zu reduzieren. Dauerüberwachung von Kreislauf und Atmung muss gewährleistet sein. Absauggerät und Möglichkeiten zur künstlichen Beatmung sind bereitzuhalten.

Über einen fatal verlaufenden kardiorespiratorischen Kollaps (siehe «Unerwünschte Wirkungen») wurde berichtet, als Distraneurin mit ZNS-dämpfenden Substanzen kombiniert verabreicht wurde. Wenn solche Substanzen zusammen verabreicht werden, muss die Dosierung entsprechend reduziert werden.

Wird Distraneurin überdosiert, besteht immer das Risiko einer zentral induzierten respiratorischen Depression und eines Kreislaufkollapses.

Eine Hypoxie, verursacht beispielsweise durch kardiale und/oder respiratorische Insuffizienz, kann sich als akuter Verwirrungszustand äussern. Diese Hypoxie muss erkannt werden und eine spezifische Therapie der Ursache ist bei solchen Patienten unerlässlich. Sedativa/Hypnotika sowie Distraneurin sind in diesem Fall zu vermeiden.

Leichte Leberstörungen in Verbindung mit Alkoholismus schliessen die Anwendung von Distraneurin nicht aus. Eine damit verbundene Erhöhung der systemischen Bioverfügbarkeit und eine verzögerte Elimination der Substanzen muss jedoch beachtet werden.

Jedoch ist grosse Vorsicht geboten bei Patienten mit schweren Leberschäden und eingeschränkter Leberfunktion. Dies besonders, weil ein beginnendes Leberkoma durch die Sedierung maskiert werden kann.

Während der Therapie wird von abnormer Leberfunktion, einschliesslich einer Erhöhung der Transaminasen, und in seltenen Fällen von Gelbsucht und cholestatischer Hepatitis berichtet.

Ebenso müssen Patienten mit chronischen Nierenerkrankungen mit Vorsicht behandelt werden.

Beim Lennox-Gastaut-Syndrom kann eine paradoxe Verschlechterung auftreten.

Die nasopharyngeale/bronchiale Sekretion kann erhöht sein, in einem Zeitpunkt, in welchem der Patient stark sediert ist und deshalb nicht in der Lage ist, zu husten.

Da Distraneurin psychische und/oder physische Abhängigkeit erzeugen kann, ist die Verschreibung von Distraneurin an suchtgefährdete Patienten oder an Patienten, deren Krankheitsgeschichte vermuten lässt, dass sie eigenmächtig die Dosis erhöhen könnten, mit grosser Vorsicht vorzunehmen.

Distraneurin kann nach längerer Einnahme von hohen Dosen eine physische Abhängigkeit mit Entzugssymptomen wie Konvulsionen, Tremor und organischer Psychose erzeugen. Dies trat vorwiegend bei Verschreibungen an ambulant behandelte Alkoholiker auf.

Distraneurin soll nicht an Patienten verschrieben werden, die weiterhin Alkohol konsumieren oder an Alkoholabhängigkeit leiden. Alkohol kombiniert mit Distraneurin, insbesondere bei Alkoholikern mit Zirrhose, kann zu einer fatalen respiratorischen Depression führen, auch wenn es nur kurze Zeit angewendet wird.

Wird Distraneurin als Hypnotikum korrekt dosiert eingesetzt, sind «Hangover»-Symptome ungewöhnlich, können aber trotzdem auftreten.

Bei älteren Patienten ist Vorsicht geboten, da sie oft über eine erhöhte Bioverfügbarkeit und eine verzögerte Eliminierung von Clomethiazol verfügen.

Distraneurin Mixtur enthält 0,13 Vol.-% Alkohol. Jede Dosis enthält bis zu 20 mg Alkohol. Für Patienten mit einer Lebererkrankung, Alkoholabhängigkeit, Epilepsie, Hirnverletzung oder Hirnerkrankung, sowie für schwangere Frauen, kann die Einnahme gesundheitsschädigend sein. Distraneurin Mixtur kann die Wirkung von anderen Medikamenten ändern oder verstärken.

1 ml Distraneurin Mixtur enthält 0,35 g Sorbitol. Die Einnahme der empfohlenen Einzeldosis von 5 ml enthält 1,75 g Sorbitol. Distraneurin Mixtur ist nicht geeignet bei angeborener Fructose-Intoleranz. Die Mixtur kann leicht abführend wirken.

1 Kapsel Distraneurin enthält 7 mg Sorbitol. Distraneurin Kapseln sind nicht geeignet bei angeborener Fructose-Intoleranz.

Interaktionen

Es gibt klare Hinweise, dass der Metabolismus von Clomethiazol durch Cimetidin gehemmt wird, da die gleichzeitige Verabreichung der beiden Substanzen zu einem erhöhten Blut-/Plasmaspiegel von Clomethiazol führt. Der Mechanismus der Interaktion zwischen Clomethiazol und Cimetidin ist nicht genau bekannt. Wahrscheinlich vermindert Cimetidin zahlreiche verschiedene P450-Enzyme in vivo. Clomethiazol wird extensiv metabolisiert (ausgeprägter First-Pass-Effekt) durch die Isoenzyme CYP2A6, CYP3A4/5 und in geringerem Ausmass durch CYP2B6, CYP1A1 und CYP2C19. Cimetidin hemmt CYP1A2, CYP2C9, CYP2D6, CYP2E1, CYP3A4 und P450 unspezifisch durch Bindung und/oder durch Bildung eines MI-(Metabolite-Intermediate)-Komplexes.

Zentral dämpfende Substanzen, einschliesslich Alkohol und Benzodiazepine, können die Wirkung von Distraneurin potenzieren und/oder werden durch Distraneurin selber potenziert.

Die Kombination von Propranolol und Clomethiazol hat bei einem Patienten zu einer starken Bradykardie geführt.

Die orale Plasma-Clearance von Chlorzoxazon für Clomethiazol-behandelte Alkoholiker war vermindert im Vergleich mit unbehandelten, gesunden Personen, 4,0±1,8 l/h versus 12,7±5,6 l/h, ungeachtet der angenommenen induzierten Aktivität von CYP2E1 bei Alkoholikern.

Als Clomethiazol in Kombination mit Carbamezepin als intravenöse Infusion verabreicht wurde, erhöhte sich die Clomethiazol-Clearance um 30% und führte zu einer Verminderung der Plasmakonzentration im selben Ausmass. Diese Interaktion wurde nach oraler Verabreichung von Clomethiazol nicht untersucht. Es könnte jedoch bei gleichzeitiger Verabreichung von Carbamazepin und Clomethiazol als orale Verabreichung eine Verminderung der Bioverfügbarkeit und eine Erhöhung der Clearance resultieren.

Höhere Dosen von Clomethiazol können deshalb notwendig sein um eine Wirkung zu erzielen bei gleichzeitiger Verabreichung mit Carbamazepin, oder einem anderen potentiellen Inducer.

Schwangerschaft/Stillzeit

Es gibt keine hinreichenden Daten zur Anwendung bei Schwangeren. Tierexperimentelle Studien zur Auswirkung auf Trächtigkeit, Embryonalentwicklung, Entwicklung des Feten und/oder die postnatale Entwicklung zeigen keine wesentlichen Wirkungen von Clomethiazol. Das potentielle Risiko für den Menschen ist nicht bekannt. Während der Schwangerschaft darf das Medikament nicht verabreicht werden, es sei denn, dies ist eindeutig erforderlich.

Bei Verabreichung von Clomethiazol an Schwangere zusammen mit dem Antihypertonikum Diazoxid wurden in einem Fall neonatale Schädigungen beobachtet; diese Kombination sollte deshalb vermieden werden.

Clomethiazol geht in die Muttermilch über. Da es keine Untersuchungen über die Wirkungen von bereits geringen Mengen an Sedativa/Hypnotika und Antikonvulsiva auf das Gehirn des Kindes gibt, sollte während der Therapie mit Clomethiazol nicht gestillt werden.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Wie mit allen Sedativa/Hypnotika soll während der Behandlung mit Distraneurin die Führung eines Motorfahrzeugs oder die Bedienung von Maschinen unterlassen werden; dies gilt in verstärktem Mass im Zusammenwirken mit Alkohol.

Unerwünschte Wirkungen

Die Häufigkeiten sind wie folgt definiert

Sehr häufig (≥1/10), häufig (>1/100 bis <1/10), gelegentlich (>1/1000 bis <1/100), selten (>1/10'000 bis <1/1000), sehr selten (<1/10'000).

Da Spontanmeldungen nicht die reale Häufigkeit im Rahmen von Studien reflektieren, wird auf die Häufigkeitskategorie bei den folgenden Organklassen weitgehend verzichtet.

Infektionen

Als Folge einer seltenen Atmungs- und Kreislaufdepression (siehe «Störungen des Nervensystems») können gehäuft Infektionen der oberen Atemwege und Lungenentzündung entstehen.

Störungen des Immunsystems

Gesichtsödem, allergische oder anaphylaktische Reaktionen bis hin zu Schock.

Psychiatrische Störungen

Für Distraneurin wird über Arzneimittelmissbrauch und Arzneimittelabhängigkeit berichtet. Diese Patienten leiden alle an Alkoholabhängigkeit (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Störungen des Nervensystems

Kopfschmerzen, Herzklopfen, Kribbelgefühl.

Augenleiden

Konjunktivitis.

Funktionsstörungen des Herzens

Herzstillstand, häufig verbunden mit Atemdepression, insbesondere bei hoher Dosierung und in Kombination mit ZNS-dämpfenden Arzneimitteln.

Funktionsstörungen der Gefässe

Blutdruckabfall.

Respiratorische, thorakale und mediastinale Funktionsstörungen

Häufig: Juckendes Gefühl in der Nase und eine Verstopfung der Nase ca. 15-20 Minuten nach der Einnahme.

Rhinitis und Zunahme der Bronchialsekretion.

Gastrointestinale Störungen

Übelkeit, Erbrechen, abdominale Schmerzen und Durchfall.

Funktionsstörungen der Leber und der Galle

Abnormale Leberfunktion mit erhöhten Transaminasen.

Selten: Ikterus oder cholestatische Hepatitis.

Funktionsstörungen der Haut und des Unterhautzellgewebes

Exanthem, Juckreiz, Urticaria.

Selten: Bullöse Hautausschläge.

Überdosierung

Eine Überdosierung von Distraneurin kann zur Bewusstlosigkeit mit tiefem Koma führen, begleitet von respiratorischer und kardiovaskulärer Depression, vergleichbar mit einer Überdosierung von Barbituraten.

Fälle von Überdosierungen von Distraneurin mit fatalem Ausgang sind berichtet worden. Dieses Risiko wird erhöht, wenn Distraneurin zusammen mit anderen ZNS-dämpfenden Substanzen (einschliesslich Alkohol) verabreicht wird und insbesondere, wenn die Leberfunktion signifikant beeinträchtigt ist (z.B. bei Alkoholikern mit einer Leberzirrhose).

Therapie der Überdosierung

Sicherung der Luftwege, Verabreichung von Sauerstoff (eventuell Kontrolle durch künstliche Beatmung) und Unterstützung des Kreislaufes.

Mit einer erhöhten Sekretion in den oberen Luftwegen, Hypotonie und Hypothermie muss je nach auftretenden Symptomen gerechnet werden. Diese müssen entsprechend behandelt werden.

Es gibt kein spezifisches Antidot für Clomethiazol.

Eine Hämoperfusion mit Hilfe einer Aktivkohlen-Säule zeigt keine Wirkung bei Clomethiazol-Vergiftungen.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: N05CM02

Wirkungsmechanismus/Pharmakodynamik/Klinische Wirksamkeit

Clomethiazol ist nahe verwandt mit dem Thiazol-Teil des Vitamin-B1-Moleküls. In der Mixtur liegt die aktive Substanz in Form des Edisilat-Salzes vor, in den Kapseln hingegen als 5-(2-Chloroethyl)-4-Methylthiazol-Base.

Clomethiazol ist ein kurz wirksames Sedativum/Hypnotikum und Antikonvulsivum. Es hemmt Konvulsionen, die experimentell durch verschiedene chemo-konvulsive Substanzen, wie Pentylentetrazol (Metrazol, Leptazol), Bicucullin, Isoniazid, Picrotoxin und N-Methyl-DL-Aspartat ausgelöst wurden. Clomethiazol potenziert die elektrophysiologische Wirkung der hemmenden Neurotransmitter GABA und Glycin, es beeinflusst aber nicht die inhibitorische Antwort auf Acetylcholin und Adenosin.

Anders als die Barbiturate hat Clomethiazol keinen Einfluss auf die elektrophysiologische Wirkung exzitatorischer Aminosäuren.

Eine Potenzierung von GABA wird wahrscheinlich durch die Interaktion mit einer seitlichen Assoziationsstelle des Chlorid-Ionen-Kanals am GABAA-Rezeptor erreicht. Zusätzlich hat Clomethiazol eine direkte Wirkung auf den Chlorid-Kanal. Diese Daten weisen darauf hin, dass Clomethiazol über andere Wirkungsmechanismen verfügt als Benzodiazepine und Barbiturate.

Pharmakokinetik

Absorption

Nach oraler Verabreichung wird Clomethiazol normalerweise rasch resorbiert. Die maximale Plasmakonzentration wird nach Einnahme der Kapseln innerhalb von 90 Minuten und innerhalb von 60 Minuten nach Einnahme der Mixtur erreicht.

Die Bioverfügbarkeit von oralem Clomethiazol ist niedrig und sehr variabel (bei gesunden Erwachsenen und gesunden älteren Probanden beträgt die Bioverfügbarkeit nach Einnahme von 2 Kapseln 5-60%; bei höheren Dosen und bei Einnahme der Mixtur kann die Bioverfügbarkeit erhöht sein). Eine beachtliche Erhöhung der Bioverfügbarkeit wurde auch bei Patienten mit einer schweren Alkohol-bedingten Leberzirrhose beobachtet.

Distribution

Das Verteilungsvolumen liegt im Bereich von 9 l/kg bei gesunden Erwachsenen und bei ca. 13 l/kg bei gesunden älteren Probanden.

Metabolismus

Bevor Clomethiazol den systemischen Kreislauf erreicht, unterliegt es in der Leber einer hohen Metabolisierungsrate. Clomethiazol wird extensiv metabolisiert durch die Isoenzyme CYP2A6, CYP3A4/5 und in geringerem Ausmass durch CYP2B6, CYP1A1 und CYP2C19.

Elimination

Die Halbwertszeit von Clomethiazol beträgt bei jungen Probanden in der Eliminationsphase ca. 4 Stunden.

Weniger als 1% der verabreichten Dosis wird unverändert durch den Urin ausgeschieden.

Nach intravenöser Infusion verfügt Clomethiazol über eine Plasmaclearance von 2 l/min.

Kinetik spezieller Patientengruppen

Beeinträchtigte Nieren- und Leberfunktion

Die Eliminations-Halbwertszeit ist leicht verkürzt bei Alkoholikern ohne Lebererkrankung, jedoch stark verlängert (bis 9 Stunden) bei Alkoholikern mit einer fortgeschrittenen Leberzirrhose.

Ältere Patienten

Bei älteren Patienten kann die Eliminations-Halbwertszeit aufgrund des höheren Distributionsvolumens verlängert sein und beträgt ca. 8 Stunden. In einem Vergleich mit Probanden waren die Cmax-Werte bei den älteren Patienten bis zu fünfmal höher als die von jüngeren Probanden der Vergleichsgruppe. Die AUC-Werte waren um ein Vielfaches erhöht. Mit dem Alter nahm die Clearance ab.

Japaner

Als Clomethiazol als intravenöse Infusion an japanische Probanden verabreicht wurde, verminderte sich die Clomethiazol-Clearance um ca. 30% und dies resultierte in einer Erhöhung der Plasmakonzentration im selben Ausmass.

Die Pharmokokinetik von Clomethiazol wurde nach der Verabreichung von Distraneurin an Japaner nicht untersucht.

Die Verabreichung von Distraneurin an Japaner könnte jedoch zu einer Erhöhung der Bioverfügbarkeit und einer Verminderung der Clearance führen. Dies ergibt eine höhere Clomethiazol-Plasmakonzentration als bei kaukasischen Patienten. Dementsprechend könnte es sein, dass japanische Patienten niedrigere Clomethiazol-Dosen benötigen.

Präklinische Daten

Genotoxizität, Karzinogenität

Clomethiazol zeigte eine schwache mutagene Wirkung bei hohen Konzentrationen in zwei in vitro Testsystemen (Ames-Test in Bakterien, Vorwärtsmutationstest in Maus-Lymphoma-Zellen). Bei zwei in vivo Versuchen (Mikrokerntest im Knochenmark der Maus, DNA-Reparaturtest (UDS) in der Leber der Ratte) zeigten sich jedoch auch nach Verabreichung sehr hoher Dosen keine genotoxischen Effekte. Karzinogenitätsstudien wurden keine durchgeführt.

Reproduktionstoxizität

Clomethiazol zeigte keinen negativen Einfluss auf Fertilitätsparameter nach oraler oder subkutaner Gabe in Ratten.

Ratten wurden mit kontinuierlicher intravenöser Infusion bis zur maximal tolerierbaren Dosis behandelt; die beobachteten foetalen Effekte (erhöhte Präimplantationsverluste und geringfügig verzögerte Ossifikation in allen Dosisgruppen, marginal reduziertes Foetengewicht bei der mittleren und hohen Dosis) sind zum grössten Teil auf die Maternotoxizität zurück zu führen. Bei Kaninchen zeigten sich keine negativen Effekte auf die Foeten. Teratogene Wirkungen wurden nicht beobachtet. Die Behandlung von Ratten während der letzten Trächtigkeits- und der Laktationsphase ergab keine negativen Auswirkungen auf die Jungtiere, abgesehen von den durch die pharmakodynamische Wirkung (Sedation) verursachten leichten Auswirkungen auf Überleben und Gewichtsentwicklung bei den höheren Dosisgruppen.

Sonstige Hinweise

Inkompatibilitäten

Beimischungen zur Mixtur sollten vermieden werden.

Haltbarkeit

Das Arzneimittel darf nur bis zu dem auf der Packung mit «EXP» bezeichneten Datum verwendet werden.

Besondere Lagerungshinweise

Die Kapseln sollen nicht über 30 °C, in der Originalverpackung und für Kinder unerreichbar aufbewahrt werden.

Die Mixtur soll bei 2-8 C (im Kühlschrank), in der Originalverpackung, die einen Lichtschutz bietet, und für Kinder unerreichbar aufbewahrt werden. Die Mixtur darf nicht gefrieren.

Zulassungsnummer

40'629, 40'632 (Swissmedic)

Zulassungsinhaberin

CPS Cito Pharma Services GmbH, 8610 Uster

Stand der Information

Juni 2015

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