Demetrin Tabl 20 Mg 50 Stk

Demetrin Tabl 20 Mg 50 Stk

Fachinformationen

Zusammensetzung

Wirkstoff: Prazepam.

Hilfsstoffe: Lactose, mikrokristalline Cellulose, Maisstärke, Magnesiumstearat, hochdisperses Siliciumdioxid.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Tabletten zu 10 mg und 20 mg Prazepam. Die Tabletten sind teilbar

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Angst, Spannung, Erregung und Unruhe klinisch signifikanten Schweregrades, gesteigerte Reizbarkeit, Stimmungslabilität, psychoneurotische Störungen.

Angst- und spannungsbedingte funktionelle Organbeschwerden und psychosomatische Störungen (Organneurosen).

Dosierung/Anwendung

Demetrin sollte grundsätzlich individuell und dem Krankheitsbild entsprechend dosiert werden.

Erwachsene: Die Tagesdosis beträgt 10-30 mg.

Im Allgemeinen nehmen Erwachsene täglich 1 Tablette Demetrin 20 oder 2 Tabletten Demetrin 10 (entsprechend 20 mg Prazepam) unzerkaut mit etwas Flüssigkeit ein.

Spezielle Dosierungsanweisung

Ältere Patienten: Bedingt durch einen langsameren Abbau des Wirkstoffes kann eine niedrigere Dosis ausreichend sein.

Kinder von 3-12 Jahren: Die empfohlene Dosierung beträgt dem Alter entsprechend 2-3-mal täglich ½ Tablette zu 10 mg (Tagesdosis 10-15 mg).

Die Tabletten sind teilbar (Bruchrille).

Kontraindikationen

Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder einem der Hilfsstoffe (siehe «Zusammensetzung»), Abhängigkeitsanamnese, Myasthenia gravis, schwere respiratorische Insuffizienz, Schlaf-Apnoe-Syndrom, schwere Leberinsuffizienz.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Bei Depressionen und Psychosen soll die Grundkrankheit therapiert werden. Benzodiazepine sind bei diesen Patienten nur nach sorgfältiger Indikationsstellung zu verschreiben. Auf das Suizid-Risiko bei depressiven Patienten ist zu achten.

Bei längerer Anwendungsdauer werden Kontrollen der Leberfunktion empfohlen.

Die Anwendung von Benzodiazepinen kann zu einer Exazerbation von neuromuskulären Erkrankungen wie Myasthenia gravis führen.

Abhängigkeit

Die Einnahme von Benzodiazepinen kann zu einer Abhängigkeit führen. Dieses Risiko ist erhöht bei längerer Einnahme, hoher Dosierung und bei prädisponierten Patienten. Die Entzugssymptomatik tritt vor allem nach abruptem Absetzen auf und beschränkt sich in leichteren Fällen auf Tremor, Ruhelosigkeit, Schlafstörungen, Angst, Kopfschmerzen und Konzentrationsschwäche. Es können aber auch Symptome wie Schwitzen, Muskel- und Bauchkrämpfe, Wahrnehmungsstörungen sowie in seltenen Fällen Delirien und zerebrale Krampfanfälle auftreten.

Das Einsetzen von Entzugserscheinungen schwankt je nach Wirkungsdauer der Substanz zwischen ein paar Stunden und einer Woche oder mehr nach Absetzen der Therapie.

Um das Risiko einer Abhängigkeit auf ein Minimum zu reduzieren, sollten Benzodiazepine nur nach sorgfältiger Prüfung der Indikation verschrieben und über möglichst kurze Dauer (als Hypnotikum zum Beispiel in der Regel nicht länger als vier Wochen) eingenommen werden. Ob eine Weiterführung der Behandlung notwendig ist, muss periodisch überprüft werden. Eine längere Behandlung ist nur bei bestimmten Patienten (z.B. bei Panikzuständen) indiziert, da das Nutzen/Risiko-Verhältnis unklar ist.

Zur Vermeidung von Entzugserscheinungen empfiehlt sich in jedem Falle ein ausschleichendes Absetzen, indem die Dosis stufenweise reduziert wird. Bei Auftreten von Entzugserscheinungen ist eine engmaschige ärztliche Überwachung und Unterstützung des Patienten erforderlich.

Demetrin Tabletten enthalten Lactose und sollten Patienten mit dem seltenen hereditären Krankheitsbild der Galaktose-Intoleranz, einem Laktase-Mangel oder einer Glukose-/Galaktose-Malabsorption nicht verabreicht werden.

Interaktionen

Bei gleichzeitiger Anwendung von Opiaten, Tramadol, Barbituraten, Narkotika einschliesslich Lachgas, sedierenden H1-Antihistaminika, Neuroleptika, Antidepressiva oder Antiepileptika kann es zu einer wechselseitigen  Verstärkung der Wirkungen auf das zentrale Nervensystem kommen (z.B. verstärkte Sedation, Atemdepression). Dies gilt insbesondere auch für gleichzeitigen Alkoholgenuss, durch den die Wirkungen in nicht voraussehbarer Weise verändert und verstärkt werden können.

Die Wirkung von Muskelrelaxantien kann verstärkt werden. Es besteht auch ein erhöhtes Risiko einer Atemdepression.

Bei gleichzeitiger Einnahme von Arzneimitteln, die das Monooxygenase-System hemmen, wie z.B. Cimetidin, kann die Wirkung von Prazepam verstärkt und verlängert werden.

Prazepam wird durch die Isoenzyme CYP3A4 und CYP2C19 metabolisiert. Deshalb ist Vorsicht geboten, wenn Demetrin mit Hemmern dieser Isoenzyme verabreicht wird (z.B. Erythromycin oder andere Makrolide, Antimykotika des Azol-Typs, SSRI, Protease-Hemmer, Amiodaron, Omeprazol), da sie den Metabolismus von Prazepam reduzieren und somit das toxische Potenzial erhöhen können.

Orale Kontrazeptiva können die Wirkung von Prazepam verstärken, da sie den oxidativen Metabolismus hemmen. Patientinnen, welche orale Kontrazeptiva anwenden, sollten deshalb im Hinblick auf eine verstärkte Wirkung von Prazepam beobachtet werden.

Bei der gleichzeitigen Anwendung von Benzodiazepinen und Clozapin ist besondere Vorsicht geboten, da der zentraldämpfende Effekt verstärkt werden kann. Selten sind schwere Verwirrtheit, Hypotension und Atemdepression bei Patienten aufgetreten, welche Clozapin während oder im Anschluss an eine Benzodiazepin-Therapie erhielten. Bei Patienten, welche gleichzeitig mit Clozapin behandelt werden, sollte deshalb die Anfangsdosierung von Prazepam auf die Hälfte der üblichen Dosierung reduziert werden, bis die individuelle Reaktion auf die Kombination bekannt ist.

Schwangerschaft/Stillzeit

Schwangerschaft

Tierexperimentelle Studien zeigten eine Reproduktionstoxizität (siehe «Präklinische Daten»).

Es liegen keine kontrollierten Studien mit Prazepam bei Schwangeren vor.

Folgende klinischen Befunde liegen zudem vor:

Einige frühe Studien weisen darauf hin, dass eine in-utero Exposition mit Benzodiazepinen mit kongenitalen Missbildungen verbunden sein kann. Neuere Studien jedoch haben die Verbindung zwischen Benzodiazepinen und Missbildungen nicht klar belegt. Bei den Fällen, bei denen eine Verbindung zu Benzodiazepinen gefunden wurde, erfolgte die Exposition hauptsächlich während des ersten Trimesters. Lange Anwendung während des letzten Trimesters können mit einer intrauteriner Wachstumsverzögerung verbunden sein.

Die Anwendung während des letzten Trimesters bis zur und während der Geburt ist mit neonatalen Komplikationen einschliesslich Atemnotsyndrom, «Floppy-Infant»-Syndrom, (Hypotonie, Lethargie und Trinkschwäche) und mit Entzugserscheinung beim Neugeborenen (Hypothermie, Tremor, Irritabilität, Hypertonie, Diarrhoe/Erbrechen und heftiges Saugen) verbunden.

Während der Schwangerschaft darf Prazepam nicht angewendet werden, es sei denn dies ist eindeutig erforderlich.

Stillzeit

Prazepam sollte nicht während der Stillzeit eingenommen werden, da die Metaboliten von Prazepam in die Muttermilch übertreten.

Bei zwingender Indikation sollte abgestillt werden.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Da Demetrin, wie alle psychotrop wirkenden Substanzen, besonders in den ersten Behandlungstagen das Reaktionsvermögen individuell beeinträchtigen kann, sollte die Anwendung bei Patienten, die Maschinen bedienen oder sich aktiv im Strassenverkehr bewegen, mit Vorsicht erfolgen.

Unerwünschte Wirkungen

Die hier verwendeten Häufigkeitsangaben sind wie folgt definiert: sehr häufig: ≥1/10, häufig: ≥1/100 und <1/10), gelegentlich: ≥1/1000 und <1/100, selten: ≥1/10'000 und <1/1000), sehr selten: <1/10'000.

Psychiatrische Störungen

Häufig: Verwirrtheit, lebhafte Träume

Es besteht die Möglichkeit des Auftretens «paradoxer» Reaktionen, wie z.B. erhöhte Aggressivität, akute Erregungszustände bzw. Angst. Beim Auftreten derartiger Reaktionen sollte die Behandlung mit Demetrin beendigt werden.

Nervensystem

Sehr häufig: Schläfrigkeit/Müdigkeit (12%), verlängerte Reaktionszeit

Häufig: Schwindel, Benommenheit, Ataxie, Kopfschmerzen, Tremor, undeutliche Aussprache, Stimulation, muskuläre Hypotonie (Sturzgefahr)

In Einzelfällen: Gedächtnisstörungen (anterograde Amnesie)

Augen

Häufig: verschwommenes Sehen

Bei hohen Dosen können Sehstörungen wie Nystagmen und Doppelbilder auftreten.

Herz

Häufig: Palpitation

Atmungsorgane

Eine atemdepressive Wirkung kann bei Patienten mit Atemwegsobstruktionen und mit Hirnschädigungen in Erscheinung treten.

Gastrointestinale Störungen

Häufig: Mundtrockenheit, verschiedene gastrointestinale Beschwerden

Haut

Häufig: vermehrte Schweisssekretion, vorübergehender Hautausschlag

Gelegentlich: Pruritus

Muskelskelettsystem

Häufig: Gelenkschmerzen

Gelegentlich: Geschwollene Füsse

Funktionsstörungen des Reproduktionssystems

Selten: Libidoverminderung, Menstruationsstörungen

Generelle Beschwerden

Häufig: Schwächegefühl

Untersuchungen

Sehr selten: abnorme Leberfunktionstests (vorübergehend, reversibel), leichter Blutdruckabfall, Gewichtszunahme

Überdosierung

Neben der Kontrolle von Atmung, Pulsfrequenz und Blutdruck sind Magenspülungen, intravenöser Flüssigkeitsersatz sowie allgemeine unterstützende Massnahmen und die Bereitstellung von Notfallmassnahmen für evtl. eintretende Atemwegsobstruktionen oder zentrale Atemdepression indiziert. Hypotension kann mit Plasmaersatzflüssigkeit und ggf. mit Sympathomimetika behandelt werden.

Flumazenil, ein spezifischer Benzodiazepinerezeptor-Antagonist, ist zur vollständigen oder teilweisen Umkehrung der sedativen Benzodiazepin-Wirkungen indiziert und kann angewendet werden, wenn eine Benzodiazepin-Überdosierung bekannt ist oder vermutet wird. Flumazenil ist eine Zusatztherapie und kein Ersatz für eine konservative Behandlung einer Benzodiazepin-Überdosierung. Mit Flumazenil behandelte Patienten müssen für einen angemessenen Zeitraum nach der Therapie auf neuerliche Sedierung, Atemdepression und andere Benzodiazepin-Nachwirkungen überwacht werden.

Der verschreibende Arzt muss sich des Risikos eines Krampfanfalles in Verbindung mit einer Flumazenil-Behandlung, insbesondere bei Langzeitanwendern von Benzodiazepinen und Überdosierungen zyklischer Antidepressiva, bewusst sein.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: N05BA11

Prazepam ist ein Tranquilizer vom Benzodiazepin-Typ. Benzodiazepine binden an spezifische Rezeptoren im GABAergen Überträgersystem. Dadurch wird die Bindungsaffinität des GABA-Rezeptors für GABA erhöht. Die Bindung von GABA an den Rezeptor führt zur Öffnung des Chloridkanals und damit zu einer Hyperpolarisation der Zellmembran, wodurch die Zelle vor weiteren Erregungen geschützt wird.

Prazepam hat eine stark ausgeprägte anxiolytische Wirkung. Die für diese Wirkstoffgruppe typischen sedierenden Eigenschaften treten weitgehend in den Hintergrund.

Demetrin wirkt beruhigend und entspannend. Ein gestörter Schlaf und eine dadurch herabgesetzte Leistungsfähigkeit normalisieren sich.

Pharmakokinetik

Absorption

Prazepam wird nach oraler Gabe relativ langsam resorbiert.

Distribution

Norprazepam wird zu 97% an Plasmaproteine gebunden.

Es gelangt in den fetalen Kreislauf und erreicht im fetalen Herzen und in der Plazenta dem mütterlichen Blut vergleichbare Konzentrationen. Norprazepam tritt in die Muttermilch über, wobei die Konzentrationen nur 10% der Plasmakonzentration erreichen.

Metabolismus

Prazepam wird in der Leberpassage vollständig metabolisiert. Der Haupt- und Wirkmetabolit ist Norprazepam.

Elimination

Die Eliminationshalbwertszeit beträgt im Mittel 50-80 Stunden, wobei signifikant kürzere Halbwertszeiten bei Rauchern und längere Halbwertszeiten vor allem bei älteren Männern gefunden wurden. Die Elimination erfolgt nach weiterer metabolischer Umwandlung zu polaren Metaboliten zu ca. 60-70% mit dem Urin. Aufgrund des Resorptionsverhaltens und einer relativ langsamen Elimination der Wirksubstanz werden bei Mehrfachgabe sehr gleichmässige Konzentrationen im Organismus erreicht.

Präklinische Daten

Chronische Toxizität

Bei der chronischen Anwendung von Prazepam an Ratte und Hund traten bei beiden Spezies (Ratte: nur höchste Dosierungsgruppe 75 mg/kg KG über 18 Monate; Hund: dosisabhängig ab 5 mg/kg KG über 400 Tage) reversible Hepatopathien auf, die durch Lebergewichtszunahme, Fettinfiltration und Cholestase gekennzeichnet waren.

Mutagenes und tumorerzeugendes Potenzial

In limitierten Studien war Prazepam nicht genotoxisch.

Langzeituntersuchungen an Ratten und Mäusen ergaben keinen Hinweis auf eine tumorerzeugende Wirkung.

Reproduktionstoxizität

Die Gabe von 1000 mg/kg Prazepam führte, vermutlich bedingt durch eine verzögerte Spermatogenese, zu einer Verminderung der Fertilität männlicher Ratten; bei weiblichen Ratten kam es bei Gabe von ≥80 mg/kg zu verminderter Fertilität und beeinträchtigtem Paarungsverhalten.

Die Gabe von Prazepam während der Trächtigkeit führte bei ≥25 mg/kg zu Aborten bei Kaninchen und bei ≥1000 mg/kg zum Tod von Ratten bzw. zum Tod oder zu Missbildungen ihrer Föten. Teratogene Wirkungen bei Ratten traten beim 162-fachen, Aborte bei Kaninchen traten beim 8-fachen der anhand der Körperoberfläche errechneten, an den Menschen verabreichten Dosis auf.

In Prä- und Postnatalstudien an Ratten führte die Gaben von Prazepam in Dosen von ≥20 mg/kg zu einer erhöhten Mortalität der Jungtiere.

Dystokie und Tod der Muttertiere und Föten wurde bei 500 mg/kg beobachtet.

Die Gabe von Prazepam in der Spätträchtigkeit führte bei der Ratte zu einer lang dauernden Suppression der zellulären Immunantwort der Nachkommen. Es gibt Hinweise auf Verhaltensstörungen der Nachkommen von Benzodiazepin-exponierten Muttertieren.

Sonstige Hinweise

Haltbarkeit

Das Arzneimittel darf nur bis zu dem auf dem Behälter mit «EXP» bezeichneten Datum verwendet werden.

Besondere Lagerungshinweise

Bei Raumtemperatur (15-25 °C) und ausserhalb der Reichweite von Kindern lagern.

Zulassungsnummer

39416 (Swissmedic).

Zulassungsinhaberin

Pfizer AG, Zürich.

Stand der Information

Juli 2013.

LLD V004

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