Dantamacrin Kaps 25 Mg 50 Stk

Dantamacrin Kaps 25 Mg 50 Stk

Fachinformationen

Zusammensetzung

Wirkstoff: Dantrolenum natricum 3½ H2O.

Hilfsstoffe: Lactosum monohydricum, Color: E 104, E 127; Excip. pro capsula.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Kapseln à 25 bzw. 50 mg Dantrolen.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Schwere (oder refraktäre) Muskelspasmen nach Rückenmarks- oder Gehirnverletzungen.

Dantamacrin kann auch bei Miktionsstörungen infolge Spastizität von Blasen-Sphinkter und Perineum angewendet werden.

Dosierung/Anwendung

Jeder Patient sollte langsam auf die individuell erforderliche Dosis eingestellt werden.

Erwachsene und Jugendliche (ab 50 kg)

Beginnend mit 2× täglich 25 mg, kann die Dosis wöchentlich gesteigert werden, bis die optimale Dosis erreicht wird.

Folgendes Schema sollte eingehalten werden:

1. Woche: 25 mg 2× täglich;

2. Woche: 25 mg 4× täglich;

3. Woche: 50 mg 3× täglich;

4. Woche: 50 mg 4× täglich.

Die Dosis kann vorübergehend stufenweise bis auf 400 mg erhöht werden, wenn abzusehen ist, dass auf den Patienten Belastungs- oder Stressituationen zukommen. Dosen über 200 mg/Tag sollten aber nicht länger als 2 Monate gegeben werden.

Kinder ab 5 Jahren (ab 25 kg Körpergewicht)

Man beginnt die Behandlung mit 1 mg/kg Körpergewicht täglich und steigert nach folgendem Schema:

1. Woche: 1 mg/kg 1× tgl;

2. Woche: 1 mg/kg 2× tgl.

Die Dosis kann bei Kindern von der 3. Woche an stufenweise bis auf 200 mg täglich erhöht werden.

Dantamacrin ist mit Vorsicht zu dosieren, da es eine nicht unerhebliche hepatotoxische Wirkung besitzt. Bei längeren Behandlungen können zu hohe Dantrolendosen letale Folgen haben. Darüber hinaus besteht bei zu hohen Dosen die Gefahr einer Muskelschwächung.

Höhere Dosen als 200 mg sollten bei einer Langzeittherapie mit Dantamacrin nicht verabreicht werden, da bei Dosen über 200 mg Dantamacrin pro Tag verstärkt mit Nebenwirkungen gerechnet werden muss.

Falls sich nach 6–8 Wochen kein Behandlungserfolg einstellt, sollte die Therapie vom behandelnden Arzt abgebrochen werden.

Kontraindikationen

Dantamacrin darf nicht gegeben werden:

– bei Leberleiden, eingeschränkter Lungenfunktion und schweren Herzmuskelschäden;

– in Fällen, bei denen eine abnorme Tonuserhöhung erforderlich ist, um eine bessere motorische Funktion, eine aufrechte Haltung oder die Bewegungsbalance zu ermöglichen;

– bei Überempfindlichkeit gegenüber Dantrolen oder einem der Hilfsstoffe gemäss Zusammensetzung;

– bei Kindern unter 5 Jahren sollte Dantamacrin nicht angewendet werden, da die Erfahrungen bei dieser Patientengruppe für eine Beurteilung der Ungefährlichkeit nicht ausreichen.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Die Kapseln enthalten Laktose und sind bei angeborener Galaktosämie, Glucose- und Galaktose-Malabsorptionssyndrom oder Lactasemangel nicht geeignet.

Hepatotoxizität

Dantamacrin besitzt eine nicht unerhebliche hepatotoxische Wirkung, die letale Folgen haben kann. Vor Beginn sowie während der Behandlung mit Dantamacrin sollte eine regelmässige Kontrolle der Leberenzyme erfolgen. Bei Werten ausserhalb der Norm sollte Dantamacrin abgesetzt werden. Tritt nach der Wiederaufnahme der Therapie mit Dantamacrin erneut eine Leberfunktionsstörung auf, muss das Arzneimittel abgesetzt werden.

Die Patienten müssen darauf hingewiesen werden, dass bei ersten Anzeichen einer Hepatotoxizität wie z.B. ungewöhnlicher Müdigkeit, hellem Stuhl, Juckreiz am ganzen Körper, Gelbfärbung der Haut oder der Augen, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen sofort ein Arzt aufgesucht werden soll.

Faktoren, die das Risiko für eine Hepatotoxizität begünstigen, sind Tagesdosen über 300 mg, längere Therapiedauer, weibliches Geschlecht, Alter über 30 Jahre, vorgeschädigte Leber und gleichzeitige Einnahme anderer hepatotoxischer Arzneimittel. Die Leberschäden können einen letalen Verlauf nehmen, insbesondere bei älteren Patienten.

Bei amyotrophischer Lateralsklerose oder bei Vorhandensein bulbärparalytischer Symptome ist Vorsicht geboten, da Paresen entsprechend der pharmakologischen Wirkung durch Dantamacrin verstärkt werden können.

Ebenso kann es eine Photosensibilisierung hervorrufen; deshalb sollten sich die Patienten während der Behandlung vor starker Sonnenbestrahlung schützen.

Interaktionen

Bei gleichzeitiger Gabe von Tranquilizern vom Typ der Benzodiazepine ist unter Umständen mit einer Verstärkung der muskelrelaxierenden Wirkung von Dantamacrin zu rechnen.

Die Einnahme von Dantamacrin zusammen mit sedierenden Substanzen oder Alkohol führt zu einer erhöhten Sedierung.

Bei gleichzeitiger Gabe mit Oestrogenen besteht erhöhtes Risiko einer Leberschädigung.

Die gleichzeitige Gabe von Dantamacrin und Verapamil bzw. anderen Calciumantagonisten ist wegen möglicher Hyperkaliämie und Herzfunktionsstörungen zu vermeiden.

Die gleichzeitige Gabe von Dantamacrin und nicht-depolarisierenden Muskelrelaxantien wie Vecuronium kann deren Wirkung verstärken.

Schwangerschaft/Stillzeit

In tierexperimentellen Studien mit Kaninchen und Ratten war die Ausbildung einseitiger oder beidseitiger 13. Rippen vermehrt.

Da Erfahrungen mit Dantrolen-Behandlung schwangerer Frauen fehlen, sollte eine Anwendung nur erfolgen, wenn dies eindeutig erforderlich ist.

Dantrolen sollte bei stillenden Müttern nicht angewendet werden. Wenn eine Behandlung mit Dantrolen notwendig ist, sollte abgestillt werden.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Dantamacrin kann Schwindel, Schläfrigkeit und Schwächegefühl verursachen. Es hat daher einen ausgeprägten Einfluss auf die Fahrtüchtigkeit und die Fähigkeit, Maschinen zu bedienen, vor allem zusammen mit Alkohol oder anderen sedierenden Arzneimitteln.

Unerwünschte Wirkungen

Häufigkeit: «Sehr häufig» (≥1/10), «häufig» (≥1/100, <1/10), «gelegentlich» (≥1/1000, <1/100), «selten» (≥1/10’000, <1/1000), «sehr selten» (<1/10’000).

Häufig auftretende Nebenwirkungen sind:

Schwindel, Benommenheit, Diarrhoe, Müdigkeit, Schwächegefühl und allgemeines Unwohlsein.

Durch eine einschleichende Dosierung lassen sich diese Nebenwirkungen weitgehend vermeiden; bei Fortdauer der Diarrhoe ist das Präparat allerdings abzusetzen.

Toxische Wirkungen auf die Leber mit Hepatitis, Cholestase, Ikterus können auch bei therapeutischen Dosen unter 200 mg /Tag vereinzelt auftreten.

Folgende Nebenwirkungen stammen aus der Post-Marketing Erfahrung mit Dantamacrin (häufig berichtet: ≥1% der Post-Marketing-Berichte; selten berichtet: ≤1% der Post-Marketing-Berichte).

Störungen des Immunsystems

Häufig: Überempfindlichkeitsreaktionen, die sich als Perikarditis oder Pleuraerguss begleitet von Eosinophilie äussern.

Psychiatrische Störungen

Selten: Depression, Verwirrtheitszustände, Halluzinationen, Schlaflosigkeit und Nervosität.

Störungen des Nervensystems

Häufig: Kopfschmerz, Sprach- und Sehstörungen, Krampfanfälle.

Herz

Selten: Herzinsuffizienz.

Atmungsorgane

Häufig: Atemdepression.

Selten: Ateminsuffizienz (infolge Muskelschwäche und/oder Pleuraerguss).

Gastrointestinale Störungen

Häufig: Appetitlosigkeit, Bauchkrämpfe, Übelkeit, Erbrechen.

Selten: Obstipation, in seltenen Fällen bis hin zum Darmverschluss (Ileus), Schluckbeschwerden (Dysphagie), Mundtrockenheit, Hypersalivation (vermehrter Speichelfluss), Dyspepsie.

Leber und Galle

Häufig: Pathologische Leberfunktionswerte, Hepatotoxizität (siehe Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen).

Haut

Häufig: Hautausschläge, Akne-ähnliche Hautreaktionen.

Selten: Erhöhte Schweissekretion.

Nieren und Harnwege

Selten: Harninkontinenz, häufigeres Harnlassen, Nykturie, Kristallurie, Hämaturie und Chromaturie.

Allgemeine Störungen und Reaktionen an der Applikationsstelle

Häufig: Schüttelfrost, Fieber.

Ausserdem können Muskel- und Rückenschmerzen auftreten.

Überdosierung

Symptome der Intoxikation

Spezifische Symptome einer Dantrolen-Überdosierung sind nicht bekannt. Mögliche Symptome könnten u.a. sein: Muskelschwäche, Bewusstseinsstörungen (Lethargie, Koma), Erbrechen und Diarrhoe.

Therapie der Intoxikationen

Gegen eine akute Überdosierung sollte neben allgemein unterstützenden Massnahmen eine sofortige Magenspülung vorgenommen werden. Zusätzlich sollte eine Volumensubstitution erfolgen, um eine mögliche Kristallurie zu verhindern.

Über den Wert einer Dialyse liegen keine Daten vor. Ein spezifisches Antidot ist nicht bekannt.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: M03CA01

Dantamacrin entkoppelt Reiz und Kontraktion des Skelettmuskels durch Hemmung der Calciumfreisetzung aus dem sarkoplasmatischen Retikulum. Es wirkt hier spezifisch, d.h. Dantamacrin wirkt an der quergestreiften Muskulatur relaxierend, beeinflusst aber weder die neuro-muskuläre Übertragung noch hat es messbare Wirkung auf die elektrisch erregbare Oberflächenmembran.

Im therapeutischen Dosisbereich werden die glatte Muskulatur und der Herzmuskel durch Dantamacrin in der Regel nicht beeinflusst. Aus in vitro Tierversuchen ergaben sich Hinweise, dass bei Dosen deutlich oberhalb des therapeutischen Bereichs Effekte an glatter Muskulatur und am Herzmuskel auftreten können, allerdings mit widersprüchlichen Ergebnissen, so dass keine definitiven Aussagen hinsichtlich entsprechender Wirkungen beim Menschen getroffen werden können.

Pharmakokinetik

Absorption

Die gastrointestinale Absorption von Dantrolen-Natrium beträgt ca. 70% und führt zu dosisabhängigen Plasma-Konzentrationen.

Nach peroraler Verabreichung von 25 mg Dantrolen beträgt die Bioverfügbarkeit 88%. Die mittleren tmax-Werte liegen bei 3,3 Stunden mit einem mittleren Cmax-Wert von 2,3 mg/l.

Distribution

Das Ausmass der Proteinbindung ist unbekannt.

Für die reversible Bindung an Serum-Albumin ergab sich in in-vitro-Untersuchungen eine Bindungskonstante von 4,3× 10–1 M.

Dantrolen ist placentagängig.

Metabolismus

Die Metabolisierung in der Leber erfolgt zum einen über eine 5-Hydroxylierung am Hydantoin-Ring, zum anderen über die Reduktion der Nitro-Gruppe zum Amin mit nachfolgender Acetylierung zum Acetaminodantrolen. 5-Hydroxydantrolen ist pharmakologisch aktiv (ca. 50% der Aktivität der Ausgangssubstanz), während Acetaminodantrolen keine muskelrelaxierende Wirkung zeigt.

Weder Phenobarbital noch Diazepam scheinen die Metabolisierung von Dantrolen-Natrium zu beeinflussen.

Elimination

Die Ausscheidung erfolgt hauptsächlich renal und biliär, wobei auch bei langdauernder Anwendung die renale Ausscheidung im Verhältnis von 79% 5-Hydroxydantrolen, 17% Acetaminodantrolen und 1–4% unverändertem Dantrolen erfolgt.

Die renale Clearance (5-OH-Dantrolen) beträgt 1,8–7,8 l/h. Für die diaplazentare Passage wurde ein Faktor von 0,4 gefunden. Dauer und Intensität der Skelettmuskelrelaxierung der Patienten ist abhängig vom Blutspiegel.

Die Eliminationshalbwertszeit beträgt nach peroraler Verabreichung von 25 mg Dantrolen bei Erwachsenen 8,2 Stunden. Bei Kindern mit chronischer Spastizität wurde eine Eliminationshalbwertszeit von 7,3 h gefunden.

Präklinische Daten

Dantrolen war in In-vitro-Mutagenitätstests (Ames-Tests) bei einigen Bakterienstämmen in An- und Abwesenheit von Rattenleberhomogenat positiv.

In Langzeituntersuchungen mit Ratten und Mäusen wurden nach oraler Dantrolen-Behandlung unterschiedliche Ergebnisse berichtet.

Bei weiblichen Sprague-Dawley Ratten wurden im Vergleich zu Kontrollen vermehrt benigne und maligne Mammatumore sowie bei der höchsten Dosierung von 60 mg/kg/d Dantrolen vermehrt hepatische Lymphangiome bzw. Angiosarkome beobachtet.

In zusätzlichen Untersuchungen mit Sprague-Dawley- und Fischer-344-Ratten sowie Mäusen ergaben sich keine Hinweise auf ein spezifisches tumorigenes Potential.

Die Bedeutung dieser Ergebnisse aus tierexperimentellen Studien für den Menschen ist unklar.

Trotz mittlerweile langjähriger Anwendung von Dantrolen beim Menschen wurden bisher keine Hinweise auf mutagene oder kanzerogene Effekte mitgeteilt.

Sonstige Hinweise

Haltbarkeit

Ausser Reichweite von Kindern und nicht über 25 °C lagern.

Das Arzenimittel darf nur bis zu dem auf dem Behälter bezeichneten Datum verwendet werden.

Zulassungsnummer

45215 (Swissmedic).

Zulassungsinhaberin

Norgine AG, 4132 Muttenz.

Stand der Information

Juli 2012.

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