Corvaton Retard Ret Tabl 8 Mg 30 Stk

Corvaton Retard Ret Tabl 8 Mg 30 Stk

Fachinformationen

Zusammensetzung

Wirkstoff: Molsidominum.

Hilfsstoffe:

Corvaton, Corvaton forte: Laktose, Poly-(1-vinyl-2-pyrrolidon), Magnesiumstearat, Macrogol 6000.

Corvaton retard: Laktose, mikrokristalline Zellulose, Magnesiumstearat, Macrogol 6000, hydrogeniertes Rizinusöl.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

1 Tablette (mit Bruchrille) Corvaton enthält: 2 mg Molsidomin.

1 Tablette (mit Bruchrille) Corvaton forte enthält: 4 mg Molsidomin.

1 Tablette (mit Bruchrille) Corvaton retard enthält: 8 mg Molsidomin.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Zur Behandlung und Anfallsprophylaxe bei allen Schweregraden der koronaren Herzkrankheit; Angina pectoris, auch im akuten Stadium des Herzinfarktes (erst nach Stabilisierung des Kreislaufs); Nachbehandlung des Herzinfarktes bei Angina pectoris Beschwerden.

Dosierung/Anwendung

Übliche Dosierung

Corvaton: Im Allgemeinen 2–3-mal täglich 1 Tablette Corvaton. In manchen Fällen genügt 2-mal täglich ½ Tablette, andererseits kann in schweren Fällen oder bei besonderer physischer bzw. psychischer Belastung die Einnahme von 3-mal täglich 1–2 Tabletten erforderlich sein.

Corvaton forte: Im Allgemeinen 2–4-mal täglich 1 Tablette.

Corvaton retard: Im Allgemeinen und falls keine andere Verordnung vorhanden, gilt für Corvaton retard je nach Schweregrad der Erkrankung und Ansprechen des Patienten 1–2-mal täglich 1 Retardtablette. In besonders gelagerten Fällen können gelegentlich auch 3-mal 1 Retardtablette benötigt werden, in leichteren Fällen 2-mal täglich ½ Retardtabletten genügen.

Pädiatrie

Das Präparat ist nicht zur Anwendung bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren bestimmt.

Korrekte Art der Einnahme

Die Tabletten sind unzerkaut mit reichlich Flüssigkeit einzunehmen.

Kontraindikationen

Bei Überempfindlichkeit gegen Molsidomin darf das Präparat nicht verabreicht werden.

Corvaton ist nicht zur Behandlung des akuten Angina-Pectoris-Anfalls geeignet.

Corvaton sollte nicht bei akutem Kreislaufversagen (Schock, Gefässkollaps, erniedrigten Füllungsdrucken) und schwerer Hypotonie (systolischer Blutdruck unter 100 mg Hg) angewendet werden.

Die Gabe von Phosphodiesterase-5-Hemmern (z.B. Viagra) und Corvaton ist kontraindiziert (siehe unter «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen» und «Interaktionen»).

Die gleichzeitige Anwendung von Stickstoffmonoxid-Donatoren (z.B. Molsidomin) in jeglicher Form und löslichen Guanylatcyclase-Stimulatoren (z.B. Riociguat) ist aufgrund eines erhöhten Hypotonierisikos kontraindiziert (siehe «Interaktionen»).

Stillzeit.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Beim frischen Herzinfarkt darf Corvaton nur unter strengster ärztlicher Kontrolle und kontinuierlicher Kontrolle der Kreislaufverhältnisse verabreicht werden.

Patienten mit einem erhöhten Risiko einer hypotensiven Reaktion müssen sorgfältig überwacht werden. Eine individuelle Dosierungsanpassung kann erforderlich sein.

Aufgrund seiner pharmakologischen Wirkung (Hemmung des Abbaus von cGMP) potenzieren Phosphodiesterase-5-Hemmer z.B. Sildenafil (Viagra) den blutdrucksenkenden Effekt von Nitraten und anderen NO-Donatoren, was zu schwerwiegender therapieresistenter Hypotension führen kann. Daher ist deren Einnahme während der Behandlung mit Corvaton kontraindiziert. Der Patient muss über die potentiell lebensbedrohende Interaktion informiert werden.

Mutterkornalkaloide: Eine pharmakodynamische Wechselwirkung zwischen Stickstoffmonoxid-Donatoren (z.B. Molsidomin) und Mutterkornalkaloiden (z.B. Nicergolin, Dihydroergocristin, Dihydroergotamin, Dihydroergocryptin) ist möglich. Dies kann zu einer antagonistischen Wirkung zwischen beiden Wirkstoffen führen. Die gleichzeitige Anwendung von Stickstoffmonoxid-Donatoren und Mutterkornalkaloiden ist daher zu vermeiden.

Corvaton, Corvaton forte und Corvaton retard enthalten Laktose. Patienten mit seltenen Erbkrankheiten wie Galaktoseintoleranz, Lapp-Laktase-Mangel oder Glukose-Galaktose-Malabsorption dürfen daher nicht mit diesen Arzneimitteln behandelt werden.

Interaktionen

Die blutdrucksenkende Wirkung von akut oder chronisch applizierten Nitraten und anderen NO-Donatoren wird durch Phosphodiesterase-5-Hemmern z.B. Sildenafil (Viagra) verstärkt. Daher ist deren Einnahme während der Behandlung mit Corvaton kontraindiziert. Falls dennoch ein Phosphodiesterase-5-Hemmer eingenommen wurde, ist nach dessen Einnahme die Anwendung von Corvaton innerhalb von 24 h kontraindiziert.

Die blutdrucksenkende Wirkung von Corvaton sollte bei gleichzeitiger Anwendung blutdrucksenkender Pharmaka berücksichtigt werden.

Die blutdrucksenkende Wirkung von Molsidomin kann durch Alkohol verstärkt werden.

Die gleichzeitige Anwendung von Molsidomin und Agonisten der löslichen Guanylatcyclase (sGC), die durch Stickstoffmonoxid aktiviert wird, (z.B. Riociguat) ist kontraindiziert, da die Kombination zu einem erhöhten Hypotonierisiko führen kann (siehe «Kontraindikationen»).

Eine pharmakodynamische Wechselwirkung zwischen Stickstoffmonoxid-Donatoren und Mutterkornalkaloiden ist möglich (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Schwangerschaft/Stillzeit

Reproduktionsstudien bei Tieren haben keine Risiken für die Föten gezeigt, aber man verfügt über keine kontrollierten Studien bei schwangeren Frauen.

Corvaton soll während der Schwangerschaft nicht angewendet werden, es sei denn, dies ist eindeutig notwendig.

Corvaton darf nicht an stillenden Frauen verabreicht werden.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Einige Nebenwirkungen (z.B. Schwindel) können die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Strassenverkehr oder zum Bedienen von Maschinen beeinträchtigen. Dies gilt in verstärktem Masse bei Behandlungsbeginn sowie in Zusammenwirken mit Alkohol.

Unerwünschte Wirkungen

Die unerwünschten Arzneimittelwirkungen (UAW) sind nach Organklasse und Häufigkeit geordnet aufgeführt: sehr häufig (≥1/10); häufig (≥1/100, <1/10); gelegentlich (≥1/1.000, <1/100); selten (≥1/10’000, <1/1000); sehr selten (<1/10’000). Innerhalb der Häufigkeitsstufen sind die UAW in absteigender Reihenfolge der Häufigkeit aufgeführt.

Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems

Es wurden Fälle von Thrombozytopenie gemeldet.

Erkrankungen des Immunsystems

Selten: Überempfindlichkeit (z.B. der Haut, Bronchospasmus).

Sehr selten: lebensbedrohlicher anaphylaktischer Schock.

Erkrankungen des Nervensystems

Häufig können zu Beginn der Behandlung mit Corvaton Kopfschmerzen auftreten, die im weiteren Verlauf der Therapie meist abklingen. Eventuell kann durch individuelle Anpassung der Dosis diese Begleiterscheinung vermindert oder beseitigt werden.

Selten wurde über Schwindel berichtet.

Gefässerkrankungen

Bei der Therapie mit Corvaton sollte berücksichtigt werden, dass der Ruheblutdruck, vor allem der systolische Wert, meist gesenkt wird, wobei hypertone Ausgangsdrucke deutlicher ansprechen als normotone oder hypotone. Durch die Senkung der Vorlast des Herzens werden Herzzeitvolumen sowie Herzindex in der Regel reduziert, jedoch bei Myokardinsuffizienz durch Verbesserung der Pumpfunktion je nach Ausgangslage erhalten bzw. erhöht.

Unter einer Behandlung mit Corvaton kann es zu Blutdruckabfall (z.B. mit Schwindel) kommen, der eine Dosisreduktion oder Behandlungsabbruch erforderlich machen kann. Schwere symptomatische Hypotonie (z.B. mit Kreislaufkollaps und Schock) ist selten.

Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts

Selten wurde über Übelkeit berichtet.

Überdosierung

In suizidaler Absicht wurden bis zu 60 mg Molsidomin eingenommen und überlebt. Solche exzessive Dosen von Molsidomin können zu einer Senkung des systolischen und diastolischen Blutdruckes auf u.U. nicht mehr messbare Werte führen. Gleichzeitig kann hiermit eine Bradykardie auftreten, die zu einem reversiblen AV-Block unterschiedlichen Grades führen kann.

Bleibende Organschäden wurden nach diesen hohen Molsidomin-Dosen nicht beobachtet, ebensowenig eine Beeinflussung von Parametern der Blutchemie.

Therapeutisches Vorgehen: Durch Hochlagerung der Beine, Gaben von Volumenersatzmitteln (Dextran), von Dopamin, Dobutamin und anderen adrenerg wirkenden Präparaten ist die Blutdrucksenkung reversibel. Anwendung von Atropin, Akrinor® oder Isoproterenol bzw. Orciprenalin hebt eine Bradykardie wieder auf.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: C01DX12

Wirkungsmechanismus

Molsidomin ist ein für die Behandlung der koronaren Herzkrankheiten entwickelter Vasodilatator aus der Stoffklasse der Sydnonimine, die mit keinem der bisher in der Koronartherapie eingesetzten Medikamente chemisch verwandt ist.

Auf molekularer Ebene wirkt Molsidomin über die Bildung einer freien Stickstoffmonoxid-Gruppe (NO-Gruppe), welche die lösliche Guanylylcyclase aktiviert, deren Produkt cGMP (cyclisches Guanosinmonophosphat) als intrazellulärer Botenstoff zu einer Relaxation der glatten Gefässmuskulatur führt.

Pharmakodynamik und klinische Wirksamkeit

Die Hauptwirkung von Corvaton besteht in einer Senkung der kardialen Vorlast durch venöses Pooling und der damit verbundenen Abnahme des Koronargefässwiderstandes.

  • Erhöhung der Kapazität des venösen Gefässsystems (venous pooling), im wesentlichen in den venösen Speichern;
  • Reduktion des venösen Rückstroms zum Herzen;
  • Reduktion des Druckes in der Arteria pulmonalis;
  • Reduktion von Füllungsdruck und Füllungsvolumen im Herzen, im wesentlichen des linksventrikulären enddiastolischen Drucks;
  • Verkleinerung des Herzdurchmessers.

Diese Preload- und indirekte Afterloadsenkung bedeuten eine Verkleinerung der myokardialen Wandspannung (30%) und Senkung des O2-Bedarfs (26%). Die PQ-Zeit und Überleitungszeit werden nicht beeinflusst. Ein direkter Angriff an den Widerstandsgefässen ist nicht nachgewiesen, desgleichen wurde keine reflektorische Erhöhung der Herzfrequenz beobachtet.

Pharmakokinetik

Absorption

Gemessen an der Gesamtradioaktivität in Urin und Faeces von oral verabreichtem 14C-Corvaton, ergibt sich eine zirka 100% Resorption.

Die systemische Bioverfügbarkeit von Corvaton nach oraler Verabreichung beträgt 60 bis 70%. Die restlichen 30 bis 40% des resorbierten Corvaton werden während der ersten Leberpassage biotransformiert.

Postprandial wird Molsidomin verzögert, aber trotzdem vollständig resorbiert. Das Blutspiegelmaximum wird 30–60 Minuten später als beim nüchternen Probanden erreicht.

Die minimale Wirkstoffkonzentration im Plasma (Schwellendosis) beträgt 3 bis 5 ng/ml.

Nach peroraler Verabreichung einer Tablette zu 2 mg beträgt die Plasmakonzentration 20 ± 10 ng/ml, bei einer Tablette zu 4 mg 41,3 ± 21,8 ng/ml. Blutspiegelmaxima werden nach 30–60 Min. erreicht. Die Wirkungsdauer beträgt zwischen 4 und 6 Stunden.

Mit Corvaton retard werden maximale Plasmakonzentrationen von 28 ± 2,2 ng/ml nach ca. 2 Std. erreicht. Durch das gesteuerte Freisetzungsprofil liegen die Wirkstoffspiegel noch nach über 8 Std. über 5 ng/ml.

Distribution

Die Plasmaspiegelkurven nach p.o.- und i.v.-Verabreichung laufen parallel, und es werden unabhängig von der Applikationsart mit gleichen Dosen gleiche Serumkonzentrationen gemessen.

Das Verteilungsvolumen von Molsidomin liegt bei 98,1 ± 47,9 l. Es findet keine Bindung an Human-Plasmaproteine statt.

Molsidomin geht in die Muttermilch über.

Metabolismus

Molsidomin wird in der Leber enzymatisch zu SIN-1 metabolisiert. Dieses Zwischenprodukt unterliegt einer nicht enzymatischen Biotransformation zur wirksamen Substanz SIN-1A (N-nitroso-N-morpholinoaminoacetonitril), dem aktiven Metaboliten mit freier vasoaktiver NO-Gruppe, und schliesslich zum nichtaktiven SIN-1C. Eine Anreicherung von Molsidomin nach wiederholter Gabe ist nicht zu erwarten.

Elimination

Nach Metabolisierung erfolgt die Ausscheidung zu 90% über den Urin, zu 9% über die Faeces. Weniger als 2% werden als unverändertes Molsidomin ausgeschieden.

Die terminale Eliminations-Halbwertszeit von Molsidomin (t½) beträgt 1,6 ± 0.75 Std., die der Retardtablette 3,4 ± 0,3 Std.

Kinetik spezieller Patientengruppen

Bei Patienten mit Niereninsuffizienz wurde keine Veränderung der Plasma-Kinetik von Molsidomin beobachtet. Sie entspricht derjenigen von Nierengesunden. Molsidomin wird in der Leber metabolisiert. Eine stark verminderte Leberfunktion (Bromsulfalein-Retention von 20–50%) führt zu einer Erhöhung der Molsidomin-Konzentration im Plasma und zu einer Verlängerung der Halbwertszeit.

Präklinische Daten

Karzinogenese/Mutagenese

Molsidomin wurde in mehreren in-vitro und in-vivo Tests zur Mutagenität geprüft. Die sehr ausführliche Prüfung ergab keinen relevanten Hinweis auf eine mutagene Wirkung.

Molsidomin wurde in Langzeit-Kanzerogenitätsstudien an Mäusen und Ratten getestet. Während bei Mäusen unter Molsidomin kein Anstieg von Tumoren gegenüber der Kontrollgruppe zu sehen war, traten bei Ratten unter hohen Dosierungen und nach langen Expositionszeiten bösartige Tumoren im Ethmoturbinalbereich der Nase auf. Ein genotoxischer Mechanismus konnte als Ursache ausgeschlossen werden, so dass eine Schwellendosis angenommen werden kann.

Reproduktionstoxizität

Untersuchungen an Ratten und Mäusen ergaben keine Hinweise auf Störungen der Fertilität bei Dosen bis zu 12 mg/kg. Bei Ratten und Mäusen wurden bis zur höchsten geprüften Dosis von 150 mg/kg bzw. 200 mg/kg keine Anzeichen für eine embryotoxische Wirkung gefunden. Bei Kaninchen traten bei maternal toxischen Dosen (ab 15 mg/kg) vereinzelt Fehlbildungen des Handskeletts auf.

Sonstige Hinweise

Haltbarkeit

Das Arzneimittel darf nur bis zu dem auf der Packung mit «EXP» bezeichneten Datum verwendet werden.

Besondere Lagerungshinweise

Corvaton Tabletten bei Raumtemperatur (15–25 °C) vor Licht geschützt in der Originalpackung aufbewahren. Ausser Reichweite von Kindern aufbewahren.

Zulassungsnummer

41958, 48105 (Swissmedic).

Zulassungsinhaberin

sanofi-aventis (schweiz) ag, 1214 Vernier/GE.

Stand der Information

Mai 2016.

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