Carnitene Trink Loes 1 G/10ml 10 Amp 10 Ml

Carnitene Trink Loes 1 G/10ml 10 Amp 10 Ml

Fachinformationen

Zusammensetzung

Wirkstoff: L-Carnitinum

Hilfsstoffe

Kautabletten: Saccharum, Aromatica, Excipiens

Pro Compr. Mastic.

Injektionslösung: Aqua ad solutionem

Trinklösung: Saccharinum, Conserv.: Natrii benzoas E 211, Excipiens ad solutionem

Sirup: Sorbitolum, Saccharosum,

Aromatica, Vanillium, Bergamottae

aetheroleum, Conserv.: E 217, E 219

Excipiens ad solutionem

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Kautabletten à 1 g

Injektionslösung in Ampullen à 1 g/5 ml

Trinklösung à 1 g/10 ml

Sirup à 1 g/3.3 ml

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Primärer Carnitinmangel

Sekundärer Carnitinmangel:

-Fettspeichermyopathien und Fettspeicherkardiomyopathien

-genetische Defekte des Intermediärstoffwechsels;

-Carnitinverlust durch Dialyse;

Dosierung/Anwendung

Primärer Carnitinmangel

Sekundärer Carnitinmangel (Fettspeicher- und Kardiomyopathien, genetische Defekte des Intermediärstoffwechsels)

Kinder 0-4 Jahre

Trinklösung: 1 Flacon zu 1 g/10 ml pro Tag.

Sirup: 1 Messbecher (= 3,3 ml) pro Tag.

Kinder 5-10 Jahre

Kautabletten: 2 Kautabletten (in 2 Gaben/Tag).

Trinklösung: 2 Flacons zu 1 g/10 ml (in 2 Gaben/Tag).

Sirup: 2 Messbecher (in 2 Gaben/Tag).

Kinder über 10 Jahre und Erwachsene

Kautabletten: 3 Kautabletten (in 3 Gaben/Tag).

Trinklösung: 3 g/Tag in 2 – 3 Gaben.

Sirup: 3 Messbecher (in 3 Gaben/Tag).

Die Dosierungen können bei Bedarf bis zu 50% erhöht werden.

Dialyse

Intravenöse Verabreichung

1 Ampulle (1 g): am Ende jeder Dialyse (Injektionslösung), insgesamt 3 g/Woche.

Wichtige Hinweise für die Einnahme bzw. Verabreichung: Der Sirup sollte zur Einnahme mit etwas Flüssigkeit verdünnt werden. Patienten mit empfindlichem Magen-Darm-Trakt sollten alle Carnitene sigma-tau-Präparate mit etwas Flüssigkeit einnehmen. Die intravenöse Injektion muss langsam innert 2-3 Minuten durchgeführt werden.

Kontraindikationen

Überempfindlichkeit auf einen oder mehrere Inhaltsstoffe.

Patienten mit Sorbitol-Intoleranz (Fructose-Intoleranz), z.B. mit Fructose-1,6-diphosphatase-Mangel, sollen den sorbitolhaltigen Sirup nicht einnehmen. Diese Patienten können auf die Kautabletten (zuckerhaltig) oder auf die zuckerfreie Trinklösung ausweichen, die auch für Diabetiker geeignet ist.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Lang andauernde Verabreichung hoher oraler Dosen von L-Carnitin an Patienten mit terminaler Niereninsuffizienz oder mit schwer beeinträchtigter Nierenfunktion kann nicht empfohlen werden, da sich im Blut dieser Patienten Trimethylamin (TMA) und Trimethylaminoxid (TMAO) anreichern. Erhöhte TMA-Spiegel bei Dialysepatienten wurden mit unerwünschten neurophysiologischen Wirkungen in Verbindung gebracht. Diese Anreicherung führt auch zu erhöhtem TMA-Gehalt des Urins, der am «Fischgeruch» des Urins, aber auch der Atemluft und des Schweisses erkannt werden kann. Diese Erscheinungen treten nach intravenöser Verabreichung von L-Carnitin nicht auf (s. auch unter Kapitel Pharmakokinetik).

Patienten, die zu Diarrhö oder zu Magenbeschwerden neigen, sollen orale Carnitene sigma-tau Präparate nicht nüchtern und nicht unverdünnt einnehmen.

Interaktionen

Es liegen vereinzelt Berichte über eine Erhöhung der «International Normalized Ratio» (INR) bei Patienten vor, welche gleichzeitig mit L-Carnitin und oralen Antikoagulantien behandelt worden sind (siehe auch Abschnitt «Unerwünschte Wirkungen»). Die INR, oder andere geeignete Tests zur Blutgerinnung, sollten bis zu einer Stabilisierung der Werte wöchentlich überprüft werden. Danach sollten mindestens monatliche Kontrollen bei Patienten stattfinden, die orale Antikoagulantien gleichzeitig mit L-Carnitin einnehmen.

Schwangerschaft/Stillzeit

Daten bei einer begrenzten Anzahl von exponierten Schwangeren zeigten keine unerwünschten Wirkungen auf die Schwangerschaft oder die Gesundheit des Föten oder Neugeborenen. Erfahrungen aus epidemiologischen Studien sind vorhanden.

Tierexperimentelle Studien zeigen keine direkte oder indirekte Toxizität mit Auswirkungen auf Schwangerschaft, Embryonalentwicklung, Entwicklung des Föten und / oder die postnatale Entwicklung.

Bei der Anwendung in der Schwangerschaft ist Vorsicht geboten.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

L-Carnitin hat keinen Einfluss auf die Fahrtüchtigkeit und die Bedienung von Maschinen.

Unerwünschte Wirkungen

Die unerwünschten Arzneimittelwirkungen in der folgenden Liste gemäss MedDRA-Organklassen basieren auf Daten aus allen Quellen. Innerhalb jeder Organklasse sind die  unerwünschten Arzneimittelwirkungen nach der Häufigkeit aufgeführt. Innerhalb jeder Häufigkeits-Gruppe sind die unerwünschten Arzneimittelwirkungen nach Schweregrad aufgeführt. Die Häufigkeits-Gruppen basieren auf  folgender Grundlage (CIOMS III): Sehr häufig (≥1/10), häufig (≥1/100, <1/10), gelegentlich (≥1/1'000, <1/100), selten (≥ 1/10'000, <1/1'000) sehr selten (<1/10'000).

Gastrointestinale Störungen

Gelegentlich: Erbrechen, Nausea, Diarrhoe, abdominale Krämpfe

Allgemeine Störungen

Sehr selten: Körpergeruch (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»)

Untersuchungen

Sehr selten: Erhöhung der «International Normalised Ratio» (INR)

Es wurden vereinzelt Fälle von epileptischen Attacken bei Patienten ohne oder mit entsprechender Vorgeschichte beobachtet, denen L-Carnitin verabreicht worden war.

Überdosierung

Es sind zahlreiche Fälle beschrieben worden, in denen sehr hohe Dosen (200-800 mg/kg) ohne ernsthafte Nebenwirkungen an Kinder verabreicht wurden. Bei intakten Nieren wird überschüssiges Carnitin rasch ausgeschieden. Nur bei urämischen Patienten ohne Dialyse kommt es zu überhöhten Plasmaspiegeln, die aber kurzzeitig keine toxischen Auswirkungen haben. Durch Dialyse lassen sich die Carnitinspiegel sehr rasch auf die Normwerte senken.

Eigenschaften/Wirkungen

- ATC-Code: A 16 AA 01

Carnitin ist ein natürlicher Bestandteil des Organismus und normalerweise insbesondere im Muskelgewebe und im Myokard ausreichend vorhanden. Die folgenden Carnitinfunktionen sind durch biochemische Untersuchungen wissenschaftlich gesichert:

Carnitin ist als Trägersubstanz für den Transport langkettiger Fettsäuren durch die innere Mitochondrien-Membran, eine Acyl-Coenzym-A-Barriere, verantwortlich.

Carnitin besitzt deshalb beim Fettsäureabbau mittels Beta-Oxidation in den Mitochondrien und damit bei der Energiegewinnung im Muskel und besonders auch im Myokard eine Schlüsselfunktion.

Acylcarnitine dienen als Energiereservoir zur Konservierung und zum Abtransport vorübergehend überschüssiger Acylgruppen aus dem Fettabbau gemäss der Formel:

freies Carnitin + Acyl CoA = Acylcarnitin + freies Coenzym A.

Bei hohem anaerobem Anteil der Energieerzeugung (Hypoxämie, lokale Ischämie) kann freies Carnitin, gemäss obigem Gleichgewicht, das Verhältnis von freiem zu acyliertem Coenzym A so regeln, dass stets genügend freies Coenzym A zur Aufrechterhaltung der Funktion der Atemkette und zur Energieerzeugung in den Mitochondrien des Myocards und der Muskeln zur Verfügung steht (Carnitin = CoA-Regulator).

Die therapeutischen Anwendungsmöglichkeiten von Carnitene sigma-tau sind entsprechend vielfältig. Durch klinische Versuche gesichert sind bisher die folgenden:

In Carnitin-Mangelsituationen kann Carnitene sigma-tau den normalen Energiestoffwechsel wiederherstellen. So kann es bei Myopathien das energetische Gleichgewicht im Muskel und damit die Muskelfunktion verbessern.

Bei schweren, durch genetisch bedingte Defekte des Eiweiss- oder Fettstoffwechsels (z.B. Organoazidopathien, organischen Azidämien oder Acyl-Coenzym-A-Dehydrogenasemangel) auftretenden massiven metabolischen Carnitinverlusten kann Carnitene sigma-tau schwere Gesundheitsschäden verhüten und den Stoffwechsel normalisieren.

Dialyse: Bei der Dialyse trägt L-Carnitin zur Kompensation der Carnitinverluste bei und verhindert das postdialytische Syndrom. L-Carnitin ist somit ein unentbehrlicher Bestandteil der Behandlung von Dialysepatienten.

Valproinsäureintoxikation: Es gibt vereinzelte Berichte in der Literatur, dass bei Valproinsäureinduzierter Lebertoxizität oder Hyperammoniakämie das Überleben durch intravenöse Behandlung mit L-Carnitin verlängert werden könnte. Diese Wirkung von L-Carnitin ist aber nicht durch prospektive, randomisierte klinische Studien belegt.

Pharmakokinetik

Beim stoffwechselgesunden Erwachsenen erfolgt die Deckung des normalen Carnitinbedarfs durch Eigensynthese (40% bis zu 75%), der Rest wird aus tierischen Nahrungsmitteln gedeckt.

Freies Carnitin steht im Körper mit den verschiedenen Acylcarnitinen (Carnitinpool) im Gleichgewicht. Therapeutisch bzw. prophylaktisch verabreichtes freies Carnitin geht in den Carnitinpool über und normalisiert ein pathologisches Verhältnis der Pool-Komponenten. Die Pharmakokinetik therapeutisch zugeführten Carnitins ist daher ausserordentlich komplex.

Absorption

Die Primärresorption des L-Carnitins wird im Dünndarm durch einen aktiven, sättigbaren und einen passiven, konzentrationsabhängigen Mechanismus bestimmt. Bei therapeutischer Dosierung beträgt die primäre orale Bioverfügbarkeit 10-18%.

Distribution

Die Normwerte für freies Carnitin betragen:

Serum/Plasma: 32-48 µmol/l (freies + acyliertes Carnitin: 39-68 µmol/l);

Muskulatur: 24 µmol/g collagenfreies Protein;

Myokard: 6,5-10 µmol/g collagenfreies Protein;

Harn: 80-200 µmol/24 Std.;

Erythrozyten: 0,1 µmol/g.

Die Plasmakonzentrationen schwanken auch im Zusammenhang mit der körperlichen Aktivität.

Die Verteilung des primär resorbierten freien Carnitins im Körper geschieht über unterschiedliche Kompartimente:

aktive (physiologische) Anreicherung (bis 1:100 gegen Plasma) im Muskel und Myokard;

Speicherung/Ausscheidung über den Carnitinpool (freies und Acylcarnitin);

konzentrations- und substanzspezifische Regelung der Plasmakonzentration über Ausscheidung/Rückresorption in der Niere.

Die durch exogenes Carnitin maximal erreichbaren Plasmaspiegel bei Nierengesunden (Plateauwerte) betragen 140-170 µmol/l.

Freies und acyliertes Carnitin kann in allen Geweben und Körperflüssigkeiten nachgewiesen werden. Das Verhältnis von freiem zu Acylcarnitinen im Serum und Harn hat diagnostische Bedeutung. Nach einmaliger sehr hoher Carnitin-Verabreichung (90 mg/kg p.o.) werden Cmax-Werte von 90 µmol/l (tmax 2-4 Std.) erreicht, jedoch auch bei mehrtägiger Verabreichung dieser Dosis nicht überschritten (steady state).

Die Proteinbindung des freien L-Carnitins ist gering. Wegen des natürlichen (sehr hohen) Carnitinpools in den Muskeln und der komplizierten Kompartimentalisierung und des Gleichgewichts zwischen freiem und acyliertem Carnitin kann kein Verteilungsvolumen für extern zugeführtes Carnitin angegeben werden.

Biosynthese, Metabolismus und Biotransformationen

Die Biosynthese findet vorzugsweise in der Leber statt, als Primärbausteine dienen Lysin und Methionin. Die Muskeln und das Myokard sind nicht fähig, Carnitin zu synthetisieren.

Carnitin wird vom Körper nur in geringem Masse metabolisiert. Als Metaboliten wurden Crotonylbetain und Butyrobetain nachgewiesen, die jedoch grossenteils als Abbauprodukte durch die Darmflora anzusehen sind.

Auf oralem Wege appliziertes L-Carnitin wird zum grössten Teil (80-90%, je nach Dosis) durch die Darmflora unter Bildung von Trimethylamin (TMA) und γ-Butyrobetain abgebaut und ausgeschieden. Der Rest (10-20%) gelangt unverändert in den Carnitin-Körperpool. TMA wird resorbiert und in der Leber durch Trimethylaminoxidase zu Trimethylaminoxid (TMAO) oxidiert. Der TMA-Metabolismus ist sättigbar. TMA und TMAO werden renal ausgeschieden.

L-Carnitin, Crotonylbetain und Butyrobetain unterliegen einem enterohepatischen Kreislauf. Nach Rückresorption aus dem Dickdarm werden die Abbauprodukte in der Leber (und in den Nieren) in L-Carnitin zurückverwandelt (sekundäre Bioverfügbarkeit).

Ausscheidung

Die Ausscheidung des freien und acylierten Carnitins erfolgt im Wesentlichen über die Nieren. Langkettige Acylcarnitine werden in der Niere bedeutend rascher eliminiert als freies Carnitin. Die Rückresorption in der Niere erfolgt für freies Carnitin an 2 Stellen, wovon eine spezifisch ist.

Die Clearance von freiem Carnitin ist dosisabhängig. Bei relativ geringer Versorgung mit Carnitin (z.B. bei chronischen Vegetariern) sinkt sie infolge verstärkter Rückresorption stark ab. Umgekehrt erhöht sie sich beim gesunden Erwachsenen abhängig von der therapeutischen Dosis.

Die biologische Halbwertszeit (t1/2) ist im Muskel ca. 100-200× länger als in der Leber.

Kinetik spezieller Patientengruppen

Lebererkrankungen

Wegen der grossen Bedeutung der Leber für die körpereigene Carnitinsynthese besteht bei diesen Patienten latenter Carnitinmangel.

Niereninsuffizienz

Bei noch funktionsfähigen Nieren ist kaum mit einer Akkumulation von Carnitin über das physiologische Ausmass hinaus zu rechnen. Bei urämischen Patienten korreliert das Serumcarnitin mit dem Serumcreatinin. Da Serumcarnitin leicht und in hohem Masse (bis zu 80% pro Behandlung) durch Dialyse ausgeschwemmt wird, tritt dabei in der Regel ein Carnitinverlust ein, der kompensiert werden muss (siehe «Dosierung/Anwendung»).

Bei Patienten mit Niereninsuffizienz im Endstadium oder mit schwer beeinträchtigter Nierenfunktion kann die lang andauernde orale Verabreichung von L-Carnitin zu erhöhten Konzentrationen von TMA und TMAO im Blut und im Harn führen (s. unter Vorsichtsmassnahmen).

Bei genetischem Defekt der Rückresorption (Fanconi-Syndrom) müssen chronisch Höchstdosen an Carnitin zur Kompensation der Verluste gegeben werden.

Erhöhter Carnitinverbrauch

Bei genetischen Stoffwechselanomalien fallen im Körper grosse Mengen verzweigter Mono- und Dicarbonsäuren an, die fakultativ oder obligatorisch als Carnitinkonjugate entgiftet werden. Der dadurch bedingte zusätzliche, zum Teil sehr hohe Carnitinverbrauch muss kompensiert werden.

Präklinische Daten

Teratogenität

L-Carnitin führte weder zu Schädigungen bei trächtigen Weibchen und bei der Entwicklung der Embryos noch bei den aufgezogenen Jungtieren.

Sonstige Hinweise

Die Injektionslösung kann einfachen Infusionslösungen (Physiol. Kochsalzlösung, Glucose usw.) zugefügt werden. Auch der Zusatz zu komplexen parenteralen Nährlösungen ist bekannt.

Bei Raumtemperatur (15-25°C) und vor Licht geschützt aufbewahren. Der Sirup ist nach dem Öffnen 2 Wochen bei Raumtemperatur haltbar. Verfalldatum beachten.

Zulassungsnummer

Kautabletten Zulassungs-Nr. 48509 (Swissmedic)

Injektionslösung Zulassungs-Nr. 43716  „

Trinklösung Zulassungs-Nr. 48508  „

Sirup Zulassungs-Nr. 47597  „

Zulassungsinhaberin

sigma-tau Pharma AG, Zofingen

Stand der Information

Juli 2013

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