Thymoglobuline Trockensub 25 Mg Durchstf

Fachinformationen

Zusammensetzung

Durchstechflasche mit Pulver für ein Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung.

Wirkstoff: Jede Durchstechflasche enthält 25 mg Anti-T-Lymphozyten Immunglobulin von Kaninchen zur Anwendung am Menschen (ATG).

Nach Rekonstitution mit 5 ml Wasser für Injektionszwecke enthält die Lösung 5 mg Kaninchen ATG/ml (Konzentrat).

Hilfsstoffe: Glyzin: 50 mg; Natriumchlorid: 10 mg; Manni­tol: 50 mg.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Pulver zur Herstellung einer Infusionslösung.

Jede Durchstechflasche enthält 25 mg Anti-T-Lymphozyten Immunglobulin von Kaninchen.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Prävention bei Abstossung von Transplantaten und Behandlung bei corticosteroid-resistenter Abstossung von Transplantaten nach einer Organtransplantation.

Behandlung aplastischer Anämie bei Versagen anderer Therapien.

Dosierung/Anwendung

Dosierung und Dauer der Anwendung

Die Dosierung hängt von der Indikation, dem Verabreichungsschema und einer möglichen Kombination mit anderen Immunsuppressiva ab. Die folgenden Dosisempfehlungen dienen als Leitfaden. Die Behandlung kann ohne ausschleichende Dosierung abgebrochen werden.

Immunsuppression bei Transplantationen

Prophylaxe einer Transplantatabstossung

1–1,5 mg/kg/Tag während 2 bis 9 Tagen bei der Transplantation einer Niere, Bauchspeicheldrüse oder Leber, entsprechend einer Gesamtdosis von 2–13,5 mg/kg.

1–1,5 mg/kg/Tag während 2 bis 5 Tagen bei einer Herztransplantation, entsprechend einer Gesamtdosis von 2–7,5 mg/kg.

Behandlung einer Transplantatabstossung

1,5 mg/kg/Tag während 3 bis 14 Tagen, entsprechend einer kumulativen Dosis von 4,5 bis 21 mg/kg.

Aplastische Anämie

2,5 bis 3,5 mg/kg/Tag während 5 aufeinanderfolgenden Tagen, entsprechend einer kumulativen Dosis von 12,5 bis 17,5 mg/kg.

Anwendung bei Kindern

In der Regel werden gleiche Dosen wie beim Erwachsenen verwendet; die Erfahrung (Sicherheit) bei Kindern <16 Jahre ist aber limitiert.

Dosisanpassungen

Thrombozytopenie und/oder Leukopenie (einschliesslich Lymphopenie und Neutropenie) wurden beobachtet und sind nach einer Dosisanpassung reversibel. Sofern die Thrombozytopenie und/oder Leukopenie nicht Bestandteil der Grunderkrankung sind oder mit dem Zustand im Zusammenhang stehen, für den Thymoglobuline verabreicht wird, gelten die folgenden Empfehlungen zur Dosisverringerung:

– Eine Dosisverringerung muss in Erwägung gezogen werden, wenn die Thrombozytenzahl zwischen 50’000 und 75’000 Zellen/mm³ liegt oder wenn die Leukozytenzahl zwischen 2’000 und 3’000 Zellen/mm³ liegt.

– Ein Abbruch der Thymoglobuline-Behandlung muss in Erwägung gezogen werden, wenn anhaltende oder schwere Thrombozytopenie (<50’000 Zellen/mm³) auftritt oder Leukopenie (<2’000 Zellen/mm³) entsteht.

Anwendung

Kaninchen-Anti-Human-Thymozyten-Immunglobulin wird üblicherweise im Rahmen eines Therapieprogramms mit einer Kombination von mehreren Immunsuppressiva verabreicht.

Die notwendige Dosis intravenöser Kortikosteroide und Antihistamine muss vor Infusion von Kaninchen-Anti-Human-Thymozyten-Immunglobulin verabreicht werden.

Das Pulver wird mit 5 ml sterilen Wasser für Injektionszwecke rekonstituiert, um eine Lösung mit 5 mg Protein pro ml zu erhalten. Die rekonstituierte Lösung von Thymoglobuline ist klar oder leicht opaleszierend. Trübe Lösungen oder Lösungen mit Ablagerung dürfen nicht verwendet werden. Das rekonstituierte Produkt ist visuell auf Schwebeteilchen und Verfärbungen zu begutachten. Wenn einige Schwebeteilchen zurückbleiben, Durchstechflasche so lange vorsichtig weiter umschwenken, bis keine Teilchen mehr zu sehen sind. Wenn die Schwebeteilchen weiter vorhanden sind, Durchstechflasche wegwerfen. Es wird empfohlen, das rekonstituierte Produkt sofort zu verwenden. Jede Durchstechflasche ist nur zur einmaligen Verwendung bestimmt. Je nach Tagesdosis kann es sein, dass mehrere Durchstechflaschen mit Thymoglobuline-Pulver rekonstituiert werden müssen. Anzahl benötigter Durchstechflaschen feststellen und auf die nächste Durchstechflasche aufrunden. Zur Vermeidung einer unbeabsichtigten Verabreichung von Schwebeteilchen nach der Rekonstitution wird empfohlen, Thymoglobuline durch einen 0,2 µm in-line Filter zu verabreichen.

Die Tagesdosis wird in einer Infusionslösung (Natriumchlorid-Injektionslösung 9 mg/ml [0,9%] oder 5% Glucose) verdünnt, um ein Gesamtinfusionsvolumen von 50 bis 500 ml (in der Regel 50 ml/Durchstechflasche) zu erhalten.

Das Produkt sollte am gleichen Tag verabreicht werden.

Nicht verwendetes Arzneimittel oder Abfallmaterial ist entsprechend den nationalen Anforderungen zu entsorgen.

Die Infusion muss langsam in eine grosse Vene erfolgen. Die Infusionsrate muss so eingestellt werden, dass die Infusionsdauer insgesamt mindestens 4 Stunden beträgt.

Kontraindikationen

Überempfindlichkeit gegenüber Kaninchenproteinen oder einen der sonstigen Bestandteile.

Aktive akute oder chronische Infekte, die unvereinbar mit einer zusätzlichen Immunsuppression sind.

Siehe auch unter «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen» und unter «Interaktionen».

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Thymoglobuline darf nur unter strenger medizinischer Überwachung stationär verabreicht werden und die Patienten müssen während der Infusion sorgfältig überwacht werden.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Allgemein

Die richtige Dosierung von Thymoglobuline unterscheidet sich von der Dosierung anderer Anti-Thymozyten-Globulin (ATG)-Produkte, weil Zusammensetzung und Konzentrationen der Proteine je nach verwendeter ATG-Quelle schwanken. Der Arzt muss daher sorgfältig sicherstellen, dass die verordnete Dosis für das verabreichte ATG-Produkt richtig ist.

Immunvermittelte Reaktionen

In seltenen Fällen wurden im Zusammenhang mit der Verwendung von Thymoglobuline schwerwiegende immunvermittelte Reaktionen berichtet, die Anaphylaxie oder ein schweres Zytokin-Freisetzungssyndrom (CRS) umfassen. In sehr seltenen Fällen wurde eine tödlich verlaufende Anaphylaxie berichtet (siehe «Unerwünschte Wirkungen»). Bei Auftreten einer anaphylaktischen Reaktion muss die Infusion sofort beendet werden und es müssen entsprechende Notfallmassnahmen zur Behandlung ergriffen werden. Eine weitere Verabreichung von Thymoglobuline bei einem Patienten mit anaphylaktischen Reaktionen gegen Thymoglobuline in der Vorgeschichte darf nur nach sorgfältigster Abwägung erfolgen.

Schwere, akute infusionsbedingte Reaktionen (IAR) korrelieren mit CRS und sind auf die Freisetzung von Zytokinen durch aktivierte Monozyten und Lymphozyten zurückzuführen. In seltenen Fällen gehen diese berichteten Reaktionen mit schwerwiegenden kardio-respiratorischen Ereignissen und/oder Tod einher (siehe «Warnhinweise Vorsichtsmassnahmen» und «Unerwünschte Wirkungen»).

Durch genaue Einhaltung der Richtdosis und der Infusionszeit können die Inzidenz und Schwere von IAR verringert werden. Darüber hinaus können viele IAR durch Verringerung der Infusionsrate minimiert werden. Eine Vorbehandlung mit Antipyretika, Kortikosteroiden und/oder Antihistaminen kann sowohl die Inzidenz als auch die Schwere dieser unerwünschten Reaktionen verringern.

Schnelle Infusionsraten wurden mit Fallberichten über CRS in Verbindung gebracht. In seltenen Fällen kann ein schweres CRS tödlich verlaufen.

Infektion

Thymoglobuline wird routinemässig in Kombination mit anderen Immunsuppressiva verwendet. Infektionen (bakterielle, mykotische, virale und protozoische), Reaktivierung von Infektionen (insbesondere Cytomegalovirus [CMV]) und Sepsis wurde nach Verabreichung von Thymoglobuline in Kombination mit mehreren Immunsuppressiva berichtet. In seltenen Fällen verliefen diese Infektionen tödlich.

Infektionen, Reaktivierung von Infektionen und Sepsis wurden nach Verabreichung von Thymoglobuline in Kombination mit mehreren Immunsuppressiva berichtet. Es wird empfohlen, den Patienten sorgfältig zu überwachen und eine entsprechende Infektionsprophylaxe zu verabreichen.

Hämatologische Wirkungen

Thrombozytopenie und/oder Leukopenie (einschliesslich Lymphopenie und Neutropenie) wurden beobachtet und sind nach einer Dosisanpassung reversibel. Sofern die Thrombozytopenie und/oder Leukopenie nicht Bestandteil der Grunderkrankung ist oder mit dem Zustand in Zusammenhang steht, für den Thymoglobuline verabreicht wird, wird Dosisverringerung empfohlen (siehe «Dosierung/Anwendung»).

Die Leukozyten- und Thrombozytenzahlen müssen während und nach der Behandlung (mind. 2 Wochen) mit Thymoglobuline überwacht werden, wie auch der Gerinnungsstatus kontrolliert werden sollte.

Malignome

Die Verwendung von Immunsuppressiva, einschliesslich Thymoglobuline, kann die Inzidenz von Malignomen, einschliesslich von Lymphom oder Post-Transplantations-Lymphoproliferation (PTLD), sowie von soliden Tumoren erhöhen (siehe «Unerwünschte Wirkungen»).

Risiko der Übertragung von Infektionserregern

Im Herstellungsverfahren von Thymoglobuline werden Bestandteile des menschlichen Blutes (mit Formaldehyd behandelte Erythrozyten) und Thymuszellen verwendet. Zu den Standardmassnahmen zur Verhinderung von Infektionen durch Verwendung von Arzneiprodukten, die aus menschlichen Blutbestandteilen hergestellt wurden, gehören die Auswahl der Spender, die Untersuchung einzelner Spenden und Plasma-Pools auf spezifische Infektionsmarker sowie die Ergreifung von wirksamen Herstellungsschritten zur Inaktivierung/Entfernung von Viren. Trotz dieser Massnahmen kann bei Verabreichung von Arzneiprodukten, die aus menschlichen Blutbestandteilen hergestellt werden, die Möglichkeit der Übertragung von Infektionserregern nicht völlig ausgeschlossen werden. Dieses Risiko besteht auch im Zusammenhang mit unbekannten oder neu erscheinenden Viren und anderen Erregern.

Die ergriffenen Massnahmen sind wirksam für behüllte Viren wie z.B. HIV, HBV und HCV und für das hüllenlose Virus HAV.

Die ergriffenen Massnahmen können bei hüllenlosen Viren, wie z.B. Parvovirus B19, nur eingeschränkt nützlich sein.

Spezielle Überlegungen bei der Infusion von Thymoglobuline

Wie bei jeder Infusion können Reaktionen an der Infusionsstelle auftreten. Dazu zählen Schmerzen, Schwellungen und Erythem.

Der empfohlene Verabreichungsweg für Thymoglobuline ist die intravenöse Infusion in eine Vene mit hohem Durchfluss; das Arzneimittel kann aber auch durch eine periphere Vene verabreicht werden. Wenn Thymoglobuline durch eine periphere Vene verabreicht wird, kann die gleichzeitige Verabreichung von Heparin und Hydrocortison in einer Infusionslösung mit Natriumchlorid-Injektionslösung 9 mg/ml (0,9%) das Risiko für oberflächliche Thrombophlebitis und tiefe Beinvenenthrombose minimieren. Die Kombination aus Thymoglobuline, Heparin und Hydrocortison in einer Glucose-Infusionslösung führt zur Ausfällung und wird nicht empfohlen (siehe «Inkompatibilitäten»).

Impfungen

Die Sicherheit von Impfungen mit abgeschwächten Lebendvakzinen nach einer Behandlung mit Thymoglobuline wurde noch nicht untersucht; deshalb wird bei Patienten, die kürzlich mit Thymoglobuline behandelt wurden, eine Impfung mit abgeschwächten Lebendvakzinen nicht empfohlen (siehe «Interaktionen»).

Interaktionen

Die Verstärkung der Immunsuppression durch die Kombination mit anderen immunsupprimierenden Mitteln bei Transplantationen ist bekannt. Dies kann zu einem erhöhten Infektionsrisiko führen. In Kombination mit Cyclo­sporin A kann es zu einer übermässigen Immunsuppression kommen.

Die Sicherheit von Impfungen mit abgeschwächten Lebendvakzinen nach einer Behandlung mit Thymoglobuline wurde noch nicht untersucht; deshalb wird bei Patienten, die kürzlich mit Thymoglobuline behandelt wurden, eine Impfung mit abgeschwächten Lebendvakzinen (z.B. gegen Röteln, Masern, Mumps, Varizellen, Gelbfieber, BCG) nicht empfohlen.

Bei inaktivierten Impfstoffen (z.B. Tollwut oder Keuchhusten) kann aufgrund der Immunsuppression eine unzureichende Immunreaktion auftreten. Aus diesem Grund muss 3 bis 4 Wochen nach Beendigung der Impfung der Antikörper-Titer bestimmt werden.

Blut oder Blutderivate dürfen nicht zusammen mit Thymoglobuline verabreicht werden.

Kaninchen-Anti-Human-Thymozyten-Immunglobulin kann die Bildung von Antikörpern auslösen, die mit anderen Kaninchen-Immunglobulinen reagieren.

Schwangerschaft/Stillzeit

Die tierexperimentellen Untersuchungen sind in Bezug auf Auswirkungen auf die Schwangerschaft unzureichend (siehe «Präklinische Daten»). Das potentielle Risiko für den Menschen ist nicht bekannt. Thymoglobuline darf während der Schwangerschaft nur angewendet werden, wenn es eindeutig notwendig ist.

Es ist nicht bekannt, ob Kaninchen-Anti-Human-Thymozyten-Immunglobulin in die Muttermilch übergeht. Da andere Immunglobuline in die Muttermilch übergehen, darf während der Behandlung mit Thymoglobuline nicht gestillt werden.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Angesichts der unerwünschten Ereignisse, die während der Infusion von Thymoglobuline auftreten können, insbesondere CRS, wird empfohlen, dass Patienten während der Behandlung mit Thymoglobuline kein Fahrzeug lenken und keine Maschinen bedienen.

Unerwünschte Wirkungen

Die häufigste Nebenwirkung ist Fieber (>38 °C), was bei 47% der Patienten auftritt (bei 18,6% der Fälle während 2 aufeinanderfolgenden Tagen). Ausserdem werden Störungen des Magen-Darm-Traktes (11,8%) beobachtet sowie hämatologische Nebenwirkungen wie Thrombozytopenien (<80×109/l) in 15,7% der Fälle, schwere Thrombozytopenien (<50× 109/l) in 3,9% der Fälle oder Neutropenien (<2,5× 109/l) in 24,5% der Fälle, schwere Neutropenien (<1,5× 109/l) in 7,4% der Fälle, ausserdem Schüttelfrost (5,4%), Hautreaktionen (6,4%) und Serumkrankheit (3,4%). Es kann zu anaphylaktischen Reaktionen kommen.

Die Anwendung in periphere Venen kann Thrombosen verursachen.

In seltenen Fällen wurde im Zusammenhang der intravenösen Verabreichung hoher Immunglobulin-Dosen das Syndrom einer aseptischen Meningitis beobachtet. Dieses Syndrom beginnt einige Stunden bis zwei Tage nach der Immunglobulin-Behandlung und äussert sich in sehr heftigen Kopfschmerzen, Nackensteifheit, Schläfrigkeit, Fieber, übermässige Lichtempfindlichkeit, Schmerzen bei Augebewegungen, Schwindel und Erbrechen.

Untersuchungen des Liquor cerebrospinalis (LCP) ergeben häufig eine Pleozytose, die bis zu mehreren Tausend Zellen pro mm³, hauptsächlich der Granulozyten, reicht sowie eine erhöhte Proteinkonzentration bis zu einigen Hundert mg/dl. Patienten, die solche Symptome aufweisen, müssen einer gründlichen neurologischen Untersuchung unterzogen werden, einschliesslich der LCP-Untersuchung, um andere Ursachen einer Hirnhautentzündung auszuschliessen.

Das Syndrom der aseptischen Meningitis tritt häufiger nach Anwendung hoher Immunglobulin-Dosen (2 g/kg Körpergewicht) auf. Nach Behandlungsabbruch verschwinden die Symptome in wenigen Tagen, ohne Folgeschäden zu hinterlassen.

Tritt in der Anamnese Migräne auf, ist das Syndrom der aseptischen Meningitis häufiger und bei niedrigeren Dosen zu beobachten.

In seltenen Fällen kann es zur Beeinträchtigung der Nierenfunktion mit erhöhten Kreatininwerten im Serum kommen, in Einzelfällen bis zum akuten Nierenversagen. Die Symptome setzen wenige Tage nach Behandlungsbeginn ein und klingen mit dem Behandlungsabbruch ab.

Infusionsbedingte Reaktionen und Störungen des Immunsystems

IAR können schon bei einem einmaligen Behandlungszyklus mit Thymoglobuline nach der ersten oder zweiten Infusion auftreten. Zu den klinischen Manifestationen von IAR gehören einige der folgenden Zeichen und Symptome: Fieber, Schüttelfrost/Rigor, Dyspnö, Übelkeit/Erbrechen, Diarrhöe, Hypotonie oder Hypertonie, Unwohlsein, Exanthem und/oder Kopfschmerzen. IAR im Zusammenhang mit Thymoglobuline sind in der Regel leicht und vorübergehend und lassen sich durch Verringerung der Infusionsraten und/oder durch Medikamente unter Kontrolle bringen (siehe unter «Warnhinweis und Vorsichtsmassnahmen»). Schwerwiegende und in sehr seltenen Fällen tödlich verlaufende anaphylaktische Reaktionen wurden berichtet (siehe unter «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»). Die Todesfälle traten bei Patienten auf, die während des Ereignisses kein Adrenalin erhielten.

IAR im Zusammenhang mit einem Zytokin-Freisetzungssyndrom (CRS) wurden berichtet (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»). Ein schweres und potentiell lebensbedrohliches CRS wird nur selten berichtet. Berichte von einem schwerem CRS in Anwendungsbeobachtungen betrafen eine kardio-respiratorische Dysfunktion (einschliesslich Hypotonie, akutes Atemnotsyndrom [ARDS], Lungenödem, Myokardinfarkt, Tachykardie und/oder Tod).

Bei der Anwendungsbeobachtung wurden Reaktionen wie z.B. Fieber, Exanthem, Arthralgie und/oder Myalgie, möglicherweise als Hinweis auf Serumkrankheit, berichtet. Eine Serumkrankheit tritt in der Regel 5 bis 15 Tage nach Beginn der Thymoglobuline-Therapie auf. Die Symptome sind üblicherweise selbstbegrenzend oder gehen unter Behandlung mit Kortikosteroiden schnell zurück.

Lokale unerwünschte Reaktionen, wie z.B. Schmerzen an der Infusionsstelle und periphere Thrombophlebitis wurden ebenfalls berichtet.

Unerwünschte Ereignisse aufgrund von Immunsuppression

Infektionen, Reaktivierung von Infektionen und Sepsis wurden nach Verabreichung von Thymoglobuline in Kombination mit mehreren Immunsuppressiva berichtet (siehe unter «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»). In seltenen Fällen wurden auch Malignome berichtet, einschliesslich Post-Transplantations-Lymphoproliferationen (PTLD) und andere Lymphome, sowie solide Tumoren (siehe unter «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»). Diese unerwünschten Ereignisse standen stets mit einer Kombination von mehreren Immunsuppressiva im Zusammenhang.

Überdosierung

Eine unbeabsichtigte Überdosierung kann eine Leukopenie (einschliesslich Lymphopenie und Neutropenie) und Thrombozytopenie verursachen.

Diese Wirkungen sind nach Dosisanpassungen oder Absetzen der Behandlung reversibel (siehe «Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten»). Es gibt keinen Antagonisten.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: L04AA04

Pharmakotherapeutische Gruppe: Selektive Immunsuppressiva.

Thymoglobuline wird aus dem Serum immunisierter Kaninchen gewonnen. Die verwendeten Antigene sind Human-Thymozyten, für die Abwesenheit von HIV-1- und -2-Antikörpern, HBs-Antigenen und von Antikörpern gegen HCV, HTLV 1 und 2 nachgewiesen wurde.

Das Serum wird über Chromatographie gereinigt und mit Natriumsulfat präzipitiert. Das Reinigungsverfahren ermöglicht den Erhalt einer Fraktion mit grösstmöglichem Anteil an spezifischen, lymphotoxischen IgG-Antikörpern, wodurch die spezifische Wirkung erhöht wird. Vor der Gefriertrocknung wird Thymoglobuline 10 Stunden lang auf 60 °C erhitzt.

Kaninchen-Anti-Human-Thymozyten-Immunglobulin ist ein selektives Immunsuppressivum (mit Wirkung auf T-Lymphozyten).

Eine Lymphozyten-Depletion stellt wahrscheinlich den Hauptmechanismus der Immunsuppression dar, die durch das Kaninchen-Anti-Human-Thymozyten-Immunglobulin ausgelöst wird.

Thymoglobuline erkennt die meisten Moleküle, die an der T-Zell-Aktivierungskaskade bei einer Transplantatabstossung beteiligt sind, wie z.B: CD2, CD3, CD4, CD8, CD11a, CD18, CD25, HLA-DR und HLA Klasse I.

Im Verlauf der Immunsuppression im Rahmen einer Organtransplantation tritt bei Patienten, die mit Kaninchen-Anti-Human-Thymozyten-Immunglobulin behandelt werden, schon 1 Tag nach Einleitung der Behandlung ausgeprägte Lymphopenie auf (definiert als eine Verringerung um mehr als 50% gegenüber dem Ausgangswert). Die Lymphopenie bleibt während der gesamten Behandlung und danach bestehen. Durchschnittlich erholt sich bei ungefähr 40% der Patienten die Lymphozytenzahl um über 50% nach 3 Monaten.

Pharmakokinetik

Nach der ersten Infusion von 1,25 mg/kg Thymoglobuline (bei Empfängern von Nierentransplantaten) werden Serum-Kaninchen-IgG-Spiegel zwischen 10 und 40 µg/ml erzielt. Die Serumspiegel nehmen bis zur nächsten Infusion mit einer geschätzten Eliminationshalbwertszeit von 2–3 Tagen stetig ab.

Die tiefsten Kaninchen-IgG-Spiegel nehmen progressiv zu und erreichen 20 bis 170 µg/ml am Ende eines 11-tägigen Behandlungszyklus. Nach Absetzen der Behandlung mit Kaninchen-Anti-Human-Thymozyten-Immunglobulin zeigt sich anschliessend eine allmähliche Abnahme. Die Kanichen-IgG-Spiegel bleiben aber auch nach 2 Monaten noch bei 80% der Patienten nachweisbar.

Präklinische Daten

Nichtklinische Daten zeigen kein besonderes Risiko für den Menschen auf Grundlage von konventionellen Studien zur Untersuchung der Toxizität bei einmaliger und wiederholter Verabreichung.

Mit Thymoglobuline wurden keine Mutagenitäts-, Reproduktions- oder Genotoxizitätsstudien durchgeführt.

Sonstige Hinweise

Inkompatibilitäten

Auf Grundlage einer einzigen Kompatibilitätsstudie wurde festgestellt, dass die Kombination von Thymoglobuline, Heparin und Hydrocortison in einer Glucose-Infusionslösung zu Ausfällungen führt und daher vermieden werden sollte. Da keine anderen Kompatibilitätsstudien durchgeführt wurden, darf dieses Arzneimittel nicht mit anderen Arzneimitteln, insbesondere Lipidlösungen, in der gleichen Infusion gemischt werden.

Beeinflussung diagnostische Methode

Es wurde bislang nicht beobachtet, dass Thymoglobuline andere klinische Routinelabortests beeinträchtigt, bei denen Immunglobuline verwendet werden. Thymoglobuline kann aber Immunassays auf Basis von Kaninchen-Antikörpern und Crossmatch- oder Panel-Reactive-Antikörper-Zytotoxizitätsassays beeinflussen.

Haltbarkeit

Das Arzneimittel darf nur bis zu dem auf der Faltschachtel aufgedruckten EXP Datum verwendet werden. Die verdünnte rekonstituierte Lösung ist nicht konserviert.

Chemische und physikalische in use Stabilität wurde für 72 Stunden bei 25 °C gezeigt.

Aus mikrobiologischen Gründen soll die gebrauchsfertige Zubereitung sofort verwendet werden. Wenn das Arzneimittel nicht sofort eingesetzt wird, ist der Anwender für die Dauer und die Bedingungen der Aufbewahrung verantwortlich. Sofern Rekonstitution und Verdünnung nicht unter kontrollierten und validierten aseptischen Bedingungen erfolgen, ist das Arzneimittel nicht länger als 24 Stunden bei 2 bis 8 °C aufzubewahren.

Besondere Lagerungshinweise

Im Kühlschrank aufbewahren (2 °C – 8 °C). Nicht einfrieren.

Beim Transport führt ein Temperaturausschlag von bis zu 25 °C für 3 Tage nicht zu einer Veränderung der Produkt­eigenschaften. Durchstechflasche im Umkarton vor Licht geschützt aufbewahren.

Zulassungsnummer

53588 (Swissmedic).

Zulassungsinhaberin

sanofi-aventis (schweiz) ag, 1214 Vernier.

Herstellerin

Genzyme Polyclonals S.A.S., 69280 Marcy L’Etoile, Frankreich.

Stand der Information

Oktober 2008.

Verwendung dieser Informationen

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