Jaydess Intrauterinsystem

Jaydess Intrauterinsystem

Fachinformationen

Zusammensetzung

Wirkstoff: Levonorgestrelum.

Hilfsstoffe: Polydimethylsiloxan-Elastomer; Siliciumdioxid; T-Körper: Polyethylen mit 20-24% Bariumsulfat; Kontrollfäden: Polyethylen mit <1% Eisenoxid (E172); Silberring.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Gestagen abgebendes Intrauterinsystem (IUS) mit 13.5 mg Levonorgestrel.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Intrauterine Kontrazeption über einen Zeitraum von bis zu 3 Jahren.

Dosierung/Anwendung

Jaydess sollte nur von Ärzten oder Ärztinnen eingelegt werden, die Erfahrung in der Einlage von Jaydess haben und/oder ausreichend in der Einlagetechnik instruiert wurden.

Detaillierte Hinweise zur Einlage des IUS befinden sich in der Packung.

Gestaltet sich die Einlage schwierig und/oder ist sie mit starken Schmerzen und/oder Blutungen verbunden, sollte, um eine Perforation auszuschliessen, direkt nach der Einlage eine Sonographie und eine ärztliche Untersuchung durchgeführt werden.

Jaydess muss innerhalb von 7 Tagen nach Beginn der Menstruation eingesetzt werden. Das Auswechseln gegen ein neues Intrauterinsystem kann hingegen zu jedem Zeitpunkt während des Monatszyklus vorgenommen werden. Eine Post-abortionem-Insertion (1. Trimenon) kann sofort vorgenommen werden.

Bei Aborten im 2. Trimenon sowie post partum muss mit der Einlage bis zur kompletten Involution, d.h. mindestens 6 Wochen gewartet werden. Dauert die Involution wesentlich länger (wie z.B. manchmal nach einer Sectio caesarea), sollte mit der Einlage bis 12 Wochen post partum gewartet werden.

Jaydess eignet sich nicht zur postkoitalen Schwangerschaftsverhütung.

Einlagedauer

Das Intrauterinsystem ist spätestens am Ende des dritten Jahres zu entfernen.

Entfernen von Jaydess

Jaydess kann mit Hilfe einer Pinzette/Zange durch leichtes Ziehen an den Fäden entfernt werden. Nach der Entfernung kann sofort ein neues Jaydess-Intrauterinsystem eingesetzt werden. Falls die Fäden nicht sichtbar sind und das Intrauterinsystem bei der Sonographie im Cavum uteri zu sehen ist, kann dieses mit Hilfe einer schmalen Zange entfernt werden. Eventuell muss der Zervixkanal hierzu geweitet oder ein chirurgischer Eingriff vorgenommen werden.

Wenn eine Schwangerschaft nicht gewünscht wird, sollte die Entfernung von Jaydess während der Menstruation erfolgen, sofern ein Menstruationszyklus zu bestehen scheint. Wenn Jaydess in der Mitte eines Zyklus entfernt wird und die Anwenderin in der vorausgegangenen Woche Geschlechtsverkehr hatte, besteht das Risiko einer Schwangerschaft, sofern nicht sofort nach der Entfernung eine neue Jaydess eingelegt wird. Wenn die Frau keine Monatsblutung hat, sollte sie ab 7 Tage vor der Entfernung eine Barrieremethode zur Kontrazeption anwenden, bis wieder eine Menstruation eintritt.

Nach dem Entfernen von Jaydess sollte überprüft werden, ob das System intakt ist.

Besondere Patientengruppen

Kinder und Jugendliche:

Die Wirksamkeit und Sicherheit von Jaydess wurde an Frauen ab einem Alter von 18 Jahren untersucht. Die Anwendung von Jaydess ist bei Mädchen vor der Menarche nicht indiziert.

Ältere Patientinnen:

Jaydess wurde bei Frauen >65 Jahre nicht untersucht. Die Anwendung von Jaydess ist bei postmenopausalen Frauen nicht indiziert.

Niereninsuffizienz:

Jaydess wurde bei Frauen mit beeinträchtigter Nierenfunktion nicht untersucht.

Leberinsuffizienz:

Jaydess wurde bei Frauen mit beeinträchtigter Leberfunktion nicht untersucht. Jaydess darf bei Frauen mit akuter Lebererkrankung oder Lebertumor nicht angewendet werden (siehe Abschnitt «Kontraindikationen»).

Kontraindikationen

  • Angeborene oder erworbene Anomalien des Uterus (einschliesslich Endometriumpolypen) oder der Zervix;
  • akute oder rezidivierende, entzündliche Erkrankungen des Beckens (Pelvic Inflammatory Disease, PID) oder Erkrankungen mit erhöhtem PID-Risiko;
  • Post-partum-Endometritis;
  • akute Zervizitis oder Vaginitis;
  • septischer Abort in den vergangenen 3 Monaten;
  • Gestagen-abhängige Tumore;
  • Nachweis oder Verdacht auf maligne Erkrankungen des Corpus oder der Zervix uteri (einschliesslich Zervixdysplasie);
  • nicht abgeklärte Vaginalblutungen;
  • akute Lebererkrankung und Lebertumore;
  • Immunsuppressive Therapie, sowie alle Bedingungen, die mit einer erhöhten Anfälligkeit auf Infektionen verbunden sind;
  • Schwangerschaft;
  • Überempfindlichkeit gegenüber Levonorgestrel oder einem der sonstigen Bestandteile.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Jaydess sollte nur unter strenger Indikationsstellung angewendet werden.

Vor der Insertion von Jaydess ist eine allgemeine und gynäkologische Untersuchung inklusive Palpation der Mammae und Ausschluss einer Schwangerschaft sowie der übrigen Kontraindikationen durchzuführen. Ein Zervixabstrich sollte durchgeführt werden, und Behandlungen von eventuellen Infektionen des Genitaltraktes müssen abgeschlossen sein. Da es in den ersten Monaten unter der Anwendung von Jaydess häufig zu Blutungsunregelmässigkeiten und Schmierblutungen kommen kann, sind vor der Einlage pathologische Veränderungen des Endometriums auszuschliessen.

Die Risiken und Vorteile einer intrauterinen Kontrazeption sollten abgewogen und mit der Patientin besprochen werden.

Vor der Insertion ist die Patientin über Wirksamkeit, Risiken und Nebenwirkungen von Jaydess aufzuklären insbesondere über das seltene Risiko einer Uterusperforation sowie über die Möglichkeit einer intrauterinen oder ektopischen Schwangerschaft im Falle eines Kontrazeptionsversagens.

Vor der Insertion von Jaydess müssen Position des Uterus und die Grösse des Cavum uteri müssen bestimmt werden. Die korrekte Positionierung von Jaydess im Fundus uteri ist wichtig, um eine einheitliche Wirkung von Levonorgestrel auf das Endometrium zu bewirken, um eine Ausstossung zu verhindern und um die Wirksamkeit zu optimieren. Deshalb sollte die «Anleitung zum Einsetzen» genau befolgt werden.

Bei der Einlage und Entfernung können Schmerzen und Blutungen auftreten. Die Insertion kann eine vasovagale Reaktion auslösen, z.B. Synkope oder Anfall bei Epileptikerinnen. Bei der Einlage empfehlen sich deshalb besondere Vorsicht und evtl. entsprechende Vorbereitungen für das Auftreten eines Anfalls.

Menstruationsähnliche Schmerzen nach der Insertion sind normal. Die Anwenderin soll aufgefordert werden, bei starken Schmerzen sowie bei Schmerzen, die mehr als 3 Wochen nach der Insertion andauern, sich wieder an ihren Arzt bzw. an ihre Ärztin zu wenden.

Die Anwenderin sollte ein bis drei Monate nach Insertion und anschliessend jährlich sowie im Falle von Problemen erneut untersucht werden.

Gründe für das Entfernen von Jaydess

Bei Auftreten einer der oben genannten Kontraindikationen oder einer der folgenden Erkrankungen sollte Jaydess entfernt werden:

  • Bestätigte oder vermutete geschlechts-hormon-abhängige Neoplasien (insbesondere Brustkrebs)
  • schwere arterielle thromboembolische Erkrankungen, z.B. Schlaganfall oder Herzinfarkt
  • tiefe Venenthrombose oder pulmonale Embolie
  • erstmaliges Auftreten oder Exacerbation migräneartiger oder häufigeres Auftreten ungewohnt starker Kopfschmerzen; fokale Migräne mit asymmetrischem Sehverlust;
  • plötzliche Seh-, Hör-, Sprach- oder sonstige Wahrnehmungsstörungen sowie andere Symptome, die auf eine zerebrale Ischämie hindeuten können.
  • Ikterus
  • stärkerer Blutdruckanstieg

Lagekontrolle

Die Aufklärung und Unterweisung der Patientin zur Kontrolle der Rückholfäden durch Selbstuntersuchung wird empfohlen. Die Rückholfäden können sich in den Uterus oder in den Zervixkanal zurückgezogen haben und bei der nächsten Menstruation wieder auftauchen. Wenn die Rückholfäden bei einer Kontrolluntersuchung nicht in der Vagina tastbar sind, sollte zunächst eine Schwangerschaft ausgeschlossen werden. Liegt keine Schwangerschaft vor, so lassen sich die Fäden meist durch vorsichtiges Sondieren des Zervixkanals mit einem geeigneten Instrument lokalisieren. Sind die Fäden nicht auffindbar, wurde das IUS möglicherweise ausgestossen oder hat die Uteruswand penetriert.

Wenn der Verdacht besteht, dass sich das IUS nicht in der richtigen Lage befindet, muss dies z.B. durch eine Ultraschalluntersuchung kontrolliert werden. Jaydess lässt sich anhand des sonographisch sichtbaren Silberrings von anderen Intrauterinsystemen unterscheiden. Falls dies nicht möglich oder die Untersuchung nicht erfolgreich ist, kann zur Lokalisierung von Jaydess eine Röntgenuntersuchung erfolgen. Der Kunststoffkörper des IUS ist mit Bariumsulfat versetzt und gibt daher einen guten Kontrast.

Bei nicht korrekter Lage des IUS muss es entfernt und durch ein neues steriles IUS ersetzt werden. Im Falle einer extrauterinen Lage des IUS ist eine chirurgische (im allgemeinen laparoskopische) Entfernung erforderlich.

Perforation

Eine Perforation oder Penetration des Uterus oder der Zervix kann durch Jaydess verursacht werden, sie geschieht meist während der Einlage. Dadurch kann die Wirkung von Jaydess reduziert sein. In einem solchen Fall ist Jaydess unverzüglich zu entfernen und geeignete Massnahmen einzuleiten, um Komplikationen der Perforation auszuschliessen.

Eine grosse, prospektive Post-Marketing-Studie zeigte, dass das Risiko einer Uterusperforation insbesondere dann erhöht ist, wenn die Insertion postpartal oder während der Stillzeit erfolgt. Dabei fand sich eine Risikoerhöhung bis 36 Wochen nach einer Entbindung.

Der Zeitabstand nach einer Entbindung und das Stillen stellten zwei unabhängige Risikofaktoren dar. Bei stillenden Frauen betrug die Inzidenz von Perforationen 5.3 pro 1000 Insertionen. Bei nicht-stillenden Frauen lag die Perforations-Inzidenz bis 36 Wochen postpartum bei 1.7 pro 1000 Insertionen. Diese Inzidenz war höher als bei Frauen die weder stillten noch innerhalb der vorigen 36 Wochen entbunden hatten (0.7 pro 1000 Insertionen).

Insgesamt lag die Inzidenz von Uterusperforationen unter einem anderen Levonorgestrel-haltigen IUS in dieser Studie bei 1.4 pro 1000 Insertionen (95%-KI 1.1-1.8) und unter Kupfer-IUPs bei 1.1 pro 1000 Insertionen (95%-KI 0.7-1.6). Die überwiegende Mehrzahl der Perforationen wurde dabei bereits innerhalb der ersten drei Monate nach Insertion diagnostiziert.

Das Risiko für Perforationen kann erhöht sein bei Frauen mit retrovertierter Uteruslage.

Vor der Entscheidung, Jaydess anzuwenden, muss die Patientin über das Risiko einer Uterusperforation aufgeklärt werden. Insbesondere sind Frauen während der Stillzeit bzw. bis 36 Wochen post partum darauf hinzuweisen, dass in dieser Zeit das Risiko für eine Perforation erhöht ist.

Ausstossung

Klinische Studien zu Jaydess zeigten eine geringe Inzidenz von Ausstossungen, die sich in dem auch für andere Intrauterinpessare und Intrauterinsysteme dokumentierten Bereich bewegte. Blutungen und Schmerzen können Hinweise auf eine partielle oder totale Ausstossung sein. Eine partielle oder vollständige Ausstossung kann von der Anwenderin unbemerkt auftreten und zu einer Verminderung oder zum Verlust des Empfängnisschutzes führen. Da Jaydess normalerweise eine Abnahme der Regelblutungen im Laufe der Zeit bewirkt, können verstärkte Regelblutungen auf eine Ausstossung hindeuten.

Falls es zu einer partiellen Ausstossung kommt, ist Jaydess zu entfernen. Ein neues System kann in diesem Fall eingesetzt werden, sofern eine Schwangerschaft ausgeschlossen wurde.

Anwenderinnen, die Tampons verwenden, sollten darauf hingewiesen werden, diese vorsichtig zu entfernen, um nicht unabsichtlich den Kontrollfaden zu ziehen.

Unterleibsinfektionen

Über Fälle von Unterleibsinfektionen wurde bei Anwendung aller Formen intrauteriner Kontrazeptive berichtet. Das Einführungsrohr trägt dazu bei, Jaydess während dem Einführen vor einer Kontamination mit Mikroorganismen zu schützen, und der Jaydess Inserter wurde auf eine Minimierung des Infektionsrisikos ausgelegt. Im Allgemeinen ist die Rate an Unterleibsinfektionen während der ersten 3 Wochen nach dem Einführen eines IUD's am höchsten. Auch in den klinischen Studien mit Jaydess wurden entzündliche Erkrankungen des Beckens häufiger zu Beginn der Anwendung beobachtet.

Risikofaktoren für Unterleibsinfektionen (z.B. Verkehr mit mehreren Sexualpartnern, sexuell übertragbare Infektionen, PIDs in der Anamnese) sind daher gründlich zu evaluieren. Unterleibsinfektionen wie z.B. entzündliche Erkrankungen des Beckens können ernsthafte Folgen haben und die Fruchtbarkeit beeinträchtigen sowie das Risiko ektopischer Schwangerschaften erhöhen.

Falls bei der Anwenderin rezidivierende Endometritiden oder andere entzündliche Erkrankungen des Beckens auftreten oder falls eine akute Infektion schwer verläuft oder nicht auf eine entsprechende Behandlung anspricht, muss Jaydess entfernt werden. Selbst bei nur geringfügigen Symptomen, die auf eine Infektion hinweisen, sind bakteriologische Untersuchungen angezeigt und es wird eine Überwachung empfohlen.

Nach Einlage eines Intrauterinsystems wie Jaydess können in sehr seltenen Fällen schwere Infektionen bis hin zur Sepsis (einschliesslich Sepsis mit Streptokokken der Gruppe A) auftreten.

Ektopische Schwangerschaft

Wenn Frauen nach Insertion von Jaydess schwanger werden, ist das relative Risiko für eine ektopische Schwangerschaft erhöht. Frauen, die während der Verwendung von Jaydess schwanger werden, sind deshalb im Hinblick auf eine ektopische Schwangerschaft zu untersuchen. Patientinnen sind auf die möglichen Symptome einer Extrauteringravidität (Auftreten heftiger Schmerzen im unteren Abdomen, insbesondere im Zusammenhang mit einem Ausbleiben der Menstruation bzw. beim Auftreten einer Blutung nach vorheriger Amenorrhoe) hinzuweisen und zu informieren, dass sie bei derartigen Symptomen umgehend einen Gynäkologen konsultieren sollten.

Dies gilt in besonderem Masse für Patientinnen mit einer ektopischen Schwangerschaft in der Anamnese sowie bei Patientinnen nach Eileiteroperationen oder entzündlichen Erkrankungen des Beckens. Diese Patientinnen sind auf ein erhöhtes Risiko und die Symptome einer Extrauteringravidität ausdrücklich hinzuweisen, und andere kontrazeptive Möglichkeiten sollten erwogen werden.

In den klinischen Studien lag die Gesamtinzidenz ektopischer Schwangerschaften unter Jaydess bei ca. 0,11 pro 100 Frauenjahre.

Blutungsmuster

In den ersten Monaten nach Einlage eines Gestagen abgebenden IUS (einschliesslich Jaydess) kann es häufig zu Blutungsunregelmässigkeiten und Schmierblutungen kommen. So fanden sich in den klinischen Studien mit Jaydess während der ersten drei Monate nach der Insertion bei 59% der Frauen verlängerte und bei 31% ungewöhnlich häufige Blutungen.

Im Laufe der Zeit erhöht sich die Häufigkeit einer Oligo- oder Amenorrhoe, während die Inzidenz sowohl von verlängerten als auch von häufigen Blutungen abnimmt. In klinischen Studien mit Jaydess wiesen am Ende des dritten Jahres 12% der Frauen eine Amenorrhoe und 22% eine Oligomenorrhoe auf. Verlängerte oder ungewöhnlich häufige Blutungen fanden sich zu diesem Zeitpunkt noch bei 3% bzw. 4% der Anwenderinnen.

Falls 6 Wochen nach Insertion des IUS die Menstruation nicht eintritt, ist ein Schwangerschaftstest durchzuführen. Die Möglichkeit einer Schwangerschaft sollte ebenfalls berücksichtigt werden, wenn bei vorhandenen Menstruationszyklen die Menstruation nicht innerhalb von 6 Wochen nach der vorhergehenden eintritt. Ein wiederholter Schwangerschaftstest ist in der Regel nicht nötig bei Vorliegen einer Amenorrhoe, es sei denn, es liegen weitere Anzeichen für eine Schwangerschaft vor.

Bei Auftreten von Blutungsunregelmässigkeiten nach längerer Behandlungsdauer müssen entsprechende diagnostische Massnahmen ergriffen werden, da irreguläre Blutungen auf das Vorliegen einer Endometriumshyperplasie oder eines Endometriumskarzinoms sowie von Endometriumpolypen hindeuten können.

Thromboembolische Ereignisse

Epidemiologische Studien zeigen ein erhöhtes Risiko venöser und arterieller thromboembolischer Erkrankungen (wie z.B. tiefe Venenthrombose, Lungenembolie, Myokardinfarkt oder Apoplexie) bei der Anwendung kombinierter hormonaler Kontrazeptiva (CHC). Gemäss neuester Daten ist hingegen das Risiko unter Gestagen-Monopräparaten (wie Jaydess) vermutlich nicht erhöht. Trotzdem sollten bei Auftreten möglicher Symptome thromboembolischer Ereignisse entsprechende diagnostische und therapeutische Massnahmen eingeleitet werden.

Im Falle einer bestätigten Thrombose sollte die Entfernung von Jaydess und geeignete alternative, nichthormonale Kontrazeptionsmethoden in Betracht gezogen werden.

Erste Anzeichen venöser thromboembolischer Ereignisse können sein:

starke Schmerzen oder Schwellung in einem Bein, ungewohnt stechende Schmerzen unklarer Ursache beim Atmen oder Husten, Kurzatmigkeit, Schmerz oder Engegefühl in der Brust.

Erste Anzeichen arterieller thromboembolischer Ereignisse können sein:

plötzliche starke Schmerzen in der Brust, eventuell mit Ausstrahlung in den linken Arm, plötzliche Atemnot, extremes Schwächegefühl, erstmaliges Auftreten einer Migräne oder jegliche ungewöhnliche, schwere und anhaltende Kopfschmerzen; plötzliche Taubheit oder Kraftlosigkeit des Gesichtes, eines Armes oder Beines, vor allem einer Körperhälfte; motorische Störungen, plötzlicher teilweiser oder vollständiger Visusverlust; Diplopie; unartikulierte Sprache oder Aphasie; Schwindel; Bewusstseinsverlust mit oder ohne fokale Krampfanfälle; deutlicher Blutdruckanstieg.

Bei der Nutzen-Risiko-Abwägung bezüglich vaskulärer Risiken sollte beachtet werden, dass durch angemessene Behandlung bestehender Krankheiten das damit verbundene Thromboserisiko verringert werden kann und dass eine Schwangerschaft im Vergleich zur Anwendung von Jaydess ein höheres Risiko birgt.

Mammakarzinom

Das Risiko für Mammakarzinome steigt mit dem Alter. Während der Anwendung kombinierter hormonaler Kontrazeptiva (CHC) ist das Risiko der Diagnose eines Mammakarzinoms leicht erhöht. Nach Absetzen der COC nimmt das erhöhte Risiko kontinuierlich innerhalb von 10 Jahren ab. Es hängt nicht von der Dauer der Anwendung ab, sondern vom Alter der Anwenderin. Für Gestagen-Monopräparate wie Jaydess ist die verfügbare Datenlage zu gering, um diesbezügliche Berechnungen zu erstellen. Es liegen widersprüchliche Befunde vor, ob auch solche Präparate das Risiko für ein Mammakarzinom erhöhen können. Die bisher vorliegenden Daten zur Anwendung eines anderen Levonorgestrel-haltigen Intrauterinsystems bei Frauen im gebärfähigen Alter ergaben keine Hinweise für eine relevante Risikoerhöhung.

Lebererkrankungen

ln seltenen Fällen sind nach Anwendung hormonaler Wirkstoffe, wie sie Jaydess enthält, gutartige, noch seltener bösartige Lebertumore beobachtet worden, die vereinzelt zu lebensgefährlichen intraabdominalen Blutungen geführt haben. Wenn starke Oberbauchbeschwerden, eine Lebervergrösserung oder Anzeichen einer intraabdominalen Blutung auftreten, sollte ein Lebertumor in die differentialdiagnostischen Überlegungen einbezogen werden.

Funktionelle Ovarialzysten

In Fällen, in denen es nach der Insertion von Jaydess weiterhin zu einer Follikelreifung kommt, kann es gelegentlich zu einer verzögerten Follikelatresie und damit zu einer weiteren Grössenzunahme des entsprechenden Follikels kommen. Vergrösserte Follikel sind klinisch nicht von Ovarialzysten zu unterscheiden und wurden in klinischen Studien bei ca. 13,2% der Jaydess-Anwenderinnen als unerwünschte Arzneimittelwirkung dokumentiert (zur Definition von Ovarialzysten in den klinischen Studien siehe «Eigenschaften/Wirkungen»). Diese Follikel sind meistens asymptomatisch. Es kann in einzelnen Fällen zu Unterleibsschmerzen oder einer Dyspareunie kommen.

In den meisten Fällen bilden sich vergrösserte Follikel im Laufe von 2 bis 3 Monaten zurück. Sollte dies nicht der Fall sein, sind gegebenenfalls fortlaufende Ultraschallkontrollen sowie auch andere diagnostische oder therapeutische Massnahmen zu empfehlen. In seltenen Fällen kann ein operativer Eingriff erforderlich sein.

In folgenden Fällen ist eine Überwachung der Patientin geboten:

Herzklappenerkrankungen:

Eine Endokarditis Prophylaxe ist bei Einlage und Entfernung des IUS gemäss der aktuellen Richtlinien für die Endokarditis-Prophylaxe nicht notwendig. Bei Unklarheiten soll mit dem behandelnden Kardiologen Rücksprache genommen werden.

Diabetes mellitus:

Niedrig dosiertes Levonorgestrel kann die Glukosetoleranz beeinträchtigen, daher sollte bei Diabetikerinnen der Blutzuckerspiegel überwacht werden. Im Allgemeinen ist jedoch keine Dosisanpassung von Antidiabetika erforderlich.

Es ist darauf hinzuweisen, dass Jaydess keinen Schutz vor einer HIV-Infektion (AIDS) oder anderen sexuell übertragbaren Krankheiten bietet.

Magnetresonanztomographie (MRT)

Präklinische Studien haben belegt, dass eine Patientin nach der Einlage von Jaydess unter den folgenden Bedingungen unbedenklich einer MR-Untersuchung unterzogen werden kann (bedingte MR-Sicherheit): statisches Magnetfeld von 3 Tesla oder weniger, maximaler räumlicher Gradient von 720 Gauss/cm oder weniger. Unter diesen Bedingungen betrug während eines 15-minütigen Scans der maximale Temperaturanstieg an der Jaydess-Position 1,8 °C. Wenn der zu untersuchende Bereich sich direkt oder relativ nahe an der Position von Jaydess befindet, kann es zu einer geringfügigen Artefaktbildung kommen.

Die Patientin ist ferner anzuweisen, die Information für Patientinnen aufmerksam zu lesen, damit eine Selbstkontrolle und das rechtzeitige Aufsuchen des Arztes bzw. der Ärztin gewährleistet sind.

Interaktionen

Der Metabolismus von Gestagenen kann beschleunigt werden durch Arzneimittel, welche eine Enzyminduktion verursachen, speziell betroffen sind Zytochrom P450 Enzyme. Dazu gehören Arzneimittel wie z.B. Barbiturate, Primidon, Phenytoin, Carbamazepin, Oxcarbazepin, Topiramat, Felbamat, Rifampicin, Rifabutin, Griseofulvin, Nevirapin, Efavirenz, Bosentan und Produkte, die das pflanzliche Heilmittel Johanniskraut enthalten.

Stoffe, die Arzneimittel-metabolisierende Enzyme (z.B. Itraconazol, Ketoconazol) hemmen, können die Serumkonzentrationen von Levonorgestrel erhöhen.

Der Einfluss dieser Medikamente auf die Wirksamkeit von Jaydess ist nicht bekannt, er wird jedoch aufgrund der hauptsächlich lokalen Wirkung von Jaydess nicht als bedeutend eingeschätzt.

Schwangerschaft/Stillzeit

Intrauterine Schwangerschaft

Die Anwendung von Jaydess ist während einer Schwangerschaft kontraindiziert. Vor Beginn der Anwendung ist eine Schwangerschaft auszuschliessen. Wenn bei eingesetztem IUS 6 Wochen nach der letzten Periode die Menstruation ausbleibt, muss eine Schwangerschaft ebenfalls ausgeschlossen werden (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Im Falle einer Schwangerschaft unter der Anwendung von Jaydess muss ein Abbruch erwogen werden. Wenn dies für die Frau nicht akzeptabel ist, sollte das IUS entfernt werden. Die Entfernung von Jaydess oder Sondierung des Uterus kann allerdings zu einem Spontanabort führen. Jeglicher Versuch einer Entfernung bedingt eine vorherige ultrasonographische Lokalisierung des IUS. Ein hochliegendes intracavitäres System dürfte ein geringeres Risiko für einen Infekt oder Abort bedeuten, seine Entfernung jedoch mit grosser Wahrscheinlichkeit einen Abort induzieren. Sollte die Entfernung unmöglich sein, so muss die Frau engmaschig ultrasonographisch und infektiologisch überwacht werden. Eine ektopische Schwangerschaft ist auszuschliessen.

Die Anwenderin muss darüber informiert werden, dass sie einem erhöhten Risiko für einen Spontanabort sowie für septische Komplikationen bzw. für eine Frühgeburt ausgesetzt ist, wenn Jaydess in situ belassen wird. Sie ist darauf hinzuweisen, ihrem Arzt alle abnormen Symptome wie grippeähnliche Zustände, Fieber, Schmerzen, Abdominalkrämpfe, Dyspareunie, Blutung oder Fluor vaginalis unbedingt frühzeitig mitzuteilen, damit im Falle septischer Komplikationen eine sofortige Intervention gewährleistet ist.

Die klinische Erfahrung mit Ergebnissen von Schwangerschaften während einer Behandlung mit Jaydess ist aufgrund der hohen kontrazeptiven Wirksamkeit begrenzt. Die Frau sollte jedoch darüber informiert werden, dass gemäss dem aktuellen Stand des Wissens keine Hinweise auf Geburtsdefekte vorliegen, die mit dem Gebrauch von einem Gestagen abgebenden IUS, das in situ belassen wurde, in Verbindung gebracht werden.

Aufgrund der lokalen Hormonexposition infolge der intrauterinen Levonorgestrel-Applikation ist eine Virilisierung des Foetus nicht auszuschliessen.

Stillzeit

Ca. 0.1% der Levonorgestreldosis werden vom Säugling während des Stillens aufgenommen. Da unter der Anwendung von Jaydess nur geringe Levonorgestrel-Mengen systemisch verfügbar werden, sind jedoch keine schädigenden Auswirkungen auf den Säugling zu erwarten Ein Gestagen abgebendes IUS scheint keinen Einfluss auf die Menge oder Qualität der Muttermilch zu haben. Jaydess darf deshalb während der Stillzeit angewendet werden (siehe «Dosierung/Anwendung»).

Bei Insertion während der Stillzeit muss jedoch das in dieser Zeit (bzw. generell während der ersten Monate post partum) erhöhte Risiko für Uterusperforationen beachtet werden (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Es sind keine Auswirkungen auf die Fahrtüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen festgestellt worden.

Unerwünschte Wirkungen

Die schwerwiegendsten unerwünschten Wirkungen im Zusammenhang mit der Anwendung von Jaydess oder anderen hormonalen Kontrazeptiva sind in der Rubrik «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen» beschrieben (siehe dort). Auch zu den möglichen Auswirkungen von Jaydess auf das Blutungsverhalten wird auf die Rubrik «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen» verwiesen.

Häufigste unerwünschte Wirkungen, welche unter Jaydess beobachtet wurden, waren Änderungen im Blutungsmuster.

Die Sicherheit von Jaydess wurde in klinischen Studien an insgesamt 1672 Frauen (entsprechend 3820 Frauenjahren) untersucht. Nachfolgend sind die unerwünschten Wirkungen nach Organsystem und Häufigkeit angegeben, welche in diesen Studien unter Jaydess beobachtet wurden.

Die Häufigkeiten sind definiert als:

sehr häufig (≥1/10),

häufig (≥1/100, <1/10),

gelegentlich (≥1/1'000, <1/100),

selten (>1/10'000, <1/1'000),

sehr selten (<1/10'000).

Infektionen:

Sehr häufig: Vulvovaginitis (20.2%).

Häufig: Infektionen des oberen Genitaltrakts.

Immunsystem:

Im Zusammenhang mit der Verwendung eines anderen Gestagen abgebenden IUS wurden Fälle von Überempfindlichkeit (u.a. Rash, Urtikaria und Angioödem) berichtet.

Psychiatrische Störungen:

Häufig: Depressive Verstimmungen/Depression.

Nervensystem:

Sehr häufig: Kopfschmerzen (12.4%).

Häufig: Migräne.

Gastrointestinale Störungen:

Häufig: Übelkeit.

Haut:

Sehr häufig: Akne/Seborrhoe (15.0%).

Häufig: Alopezie.

Gelegentlich: Hirsutismus.

Reproduktionssystem und Brust:

Sehr häufig: Veränderte Blutungen, einschliesslich verstärkter oder abgeschwächter Menstruationsblutungen, Schmierblutungen, Oligomenorrhoe und Amenorrhoe (>50%), Unterbauchschmerzen (19%), Ovarialzysten (13%).

Häufig: Dysmenorrhoe, Brustschmerzen/Brustspannen, Ausstossung des IUS (komplett oder partiell), Fluor vaginalis.

Selten: Uterusperforation (s. «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Bei Frauen, die unter der Anwendung von Jaydess schwanger werden, ist das Risiko für eine ektopische Schwangerschaft erhöht.

Es ist möglich, dass der Partner während des Geschlechtsverkehrs die Rückholfäden spüren kann.

Während Insertion und Entfernen wurden folgende unerwünschte Wirkungen beobachtet:

Schmerzen, Blutungen, vasovagale Reaktion mit Schwindel oder Synkope. Bei Epileptikerinnen kann es zu Krampfanfällen kommen.

Überdosierung

Nicht zutreffend.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: G02BA03

Wirkungsmechanismus und Pharmakodynamik:

Das Gestagen abgebende Intrauterinsystem (IUS) Jaydess besteht aus einem annähernd T-förmigen Polyäthylenkörper mit einem weissgelben bzw. blassgelben Hormon-freisetzenden Zylinderreservoir. Dieses Reservoir umhüllt mantelartig den vertikalen Schenkel des IUS und enthält 13.5 mg Levonorgestrel, welches mittels einer regulierenden Membran aus Polydimethylsiloxan kontinuierlich abgegeben wird. Der Schenkel verfügt ausserdem über einen silbernen Ring, der sich nahe an den horizontalen Armen befindet. Der T-Körper besitzt am vertikalen Schenkel eine Schlaufe und zwei horizontale Arme am anderen Ende. An der Schlaufe befinden sich Rückholfäden.

Das gestagenhaltige Zylinderreservoir ist ca. 11 mm lang, die Gesamtlänge des IUS beträgt max. 31 mm.

Levonorgestrel ist ein Gestagen mit antiöstrogener Wirkung. Mittels des IUS Jaydess wird es direkt in das Cavum uteri verabreicht. Diese Applikationsart erlaubt eine sehr niedrige tägliche Dosis, da das Hormon direkt am Zielorgan freigesetzt wird.

Der kontrazeptive und therapeutische Effekt von Jaydess beruht auf der lokalen intrauterinen Wirkung des Levonorgestrels, indem:

  • die Proliferation des Endometriums reversibel supprimiert wird,
  • und es zu einer Zunahme der Viskosität des Zervixsekrets kommt.

Morphologische Veränderungen des Endometriums und eine geringe Fremdkörperreaktion des Endometriums scheinen ebenfalls vorzuliegen. Die Viskositätszunahme des Zervixschleims inhibiert die Spermienpassage durch den Zervixkanal. Das lokale Milieu des Uterus und der Tuben beeinträchtigt die Motilität der Spermien und ihre Funktion, so dass eine Befruchtung verhindert wird.

Da die kontrazeptive Wirkung von Jaydess hauptsächlich auf dessen lokalen Effekten innerhalb des Uterus beruht, tritt bei Frauen im gebärfähigen Alter im Allgemeinen keine Veränderung der ovulatorischen Funktion (einschliesslich Follikelentwicklung, Ovulation und Follikelatresie) ein.

In den klinischen Studien wurde bei der Mehrzahl der Probandinnen unter Jaydess eine Ovulation beobachtet. Eine Ovulation wurde im ersten Jahr bei 34 von 35 Anwenderinnen, im zweiten Jahr bei 26 von 27 Anwenderinnen und im dritten Jahr bei allen 27 Anwenderinnen nachgewiesen.

Klinische Wirksamkeit und Sicherheit

Jaydess ist während 3 Jahren kontrazeptiv wirksam. Die empfängnisverhütende Wirksamkeit von Jaydess wurde in einer klinischen Studie mit 1432 Frauen im Alter von 18-35 Jahren (davon 465 Nulligravida) untersucht.

Der Pearl-Index betrug nach einem Jahr 0,41 und nach 3 Jahren 0,33. Die Versagerquote betrug nach einem Jahr ca. 0,4% und die kumulierte Versagerquote nach 3 Jahren ca. 0,9%. Die Versagerquote enthält auch Schwangerschaften, die infolge einer nicht erkannten Ausstossung des IUS oder einer Perforation aufgetreten sind.

Die Fertilität ist nach Entfernung von Jaydess nicht beeinträchtigt. Etwa 80% der Frauen mit Kinderwunsch wurden innerhalb von 12 Monaten nach Entfernung von Jaydess schwanger.

Das Blutungsmuster unter Jaydess ist eine Folge des direkten Effektes von Levonorgestrel auf das Endometrium und spiegelt nicht den ovariellen Zyklus wider. Klare Unterschiede bezüglich der Follikelreifung, Ovulation und Hormonproduktion sind nicht in Abhängigkeit von der Art der Menstruation festzustellen. Im Rahmen der Inaktivierung der Endometriumsproliferation kann es in den ersten Monaten nach der Insertion zu einer Zunahme von Schmierblutungen kommen. Die Unterdrückung der Endometriumsproliferation führt bei Jaydess im weiteren Verlauf zu einer Reduktion der Blutungsdauer und -menge. Bei einigen Frauen kommt es zu einer Oligo- oder Amenorrhoe. Die Ovarialfunktion ist normal und natürliche Östradiolspiegel werden aufrechterhalten, selbst wenn es zu einer Amenorrhoe kommt.

Ovarialzysten mussten in klinischen Studien als unerwünschte Wirkung berichtet werden, wenn es sich um abnorme, nicht funktionellen Zysten handelte und/oder sie bei der Ultraschalluntersuchung einen Durchmesser >3 cm aufwiesen. Unter dieser Definition wurden bei 13.2% Jaydess-Anwenderinnen Ovarialzysten beschrieben.

Pharmakokinetik

Absorption

Levonorgestrel wird lokal in der Uterushöhle freigesetzt. Die geschätzte in-vivo-Abgaberate zu verschiedenen Zeitpunkten nach der Insertion, ist in der untenstehenden Tabelle aufgeführt.

ZeitpunktGeschätzte in-vivo-Abgaberate[µg/24 std]
24 Tage nach Insertion14
60 Tage nach Insertion10
3 Jahre nach Insertion5
Durchschnitt über 3 Jahre6

Die Freisetzung von Levonorgestrel beginnt sofort nach dem Einlegen von Jaydess. Die maximale Serumkonzentration von Levonorgestrel wird innerhalb von zwei Wochen nach dem Einsetzen erreicht (Range 1-16 Tage), danach fällt die Konzentration allmählich ab.

In einer populationskinetischen Analyse wurde 7 Tage nach dem Einsetzen von Jaydess eine Cmax von durchschnittlich 162 pg/ml ermittelt. Nach 3 Jahren lag die mittlere Levonorgestrel-Konzentration bei 59 pg/ml.

Die Serumspiegel im Steady-State sind damit deutlich niedriger als bei anderen etablierten Anwendungen von Levonorgestrel. Die systemischen Wirkungen des Gestagens sind daher minimal.

Distribution

Levonorgestrel ist unspezifisch an Serumalbumin und spezifisch an SHBG gebunden. Weniger als 2% des zirkulierenden Levonorgestrels liegen in Form von freien Steroiden vor. Levonorgestrel bindet mit hoher Affinität an SHBG. Innerhalb eines Monats nach dem Einsetzen von Jaydess sinkt die SHBG-Konzentration um etwa 15%. Das mittlere scheinbare Verteilungsvolumen von Levonorgestrel beträgt ca. 106 Liter. Etwa 0,1% der mütterlichen Dosis von Levonorgestrel kann in die Muttermilch übergehen (siehe auch «Schwangerschaft/Stillzeit»).

Metabolismus

Levonorgestrel wird weitgehend in der Leber metabolisiert. Die Hauptmetaboliten im Plasma sind unkonjugierte und konjugierte Formen von 3α, 5β-Tetrahydrolevonorgestrel. Basierend auf in-vivo- und in-vitro-Studien ist CYP3A4 das Hauptenzym im Stoffwechsel von Levonorgestrel. CYP2E1, CYP2C19 und CYP2C9 sind zu einem geringeren Ausmass am Stoffwechsel beteiligt. Die Metaboliten von Levonorgestrel haben nur schwache oder gar keine pharmakologische Aktivität.

Elimination

Die metabolische Clearance von Levonorgestrel im Serum beträgt ungefähr 1,0 ml/min/kg. Die Metaboliten werden mit Stuhl und Urin im Verhältnis 1:1 ausgeschieden. Die Eliminationshalbwertszeit beträgt ungefähr 1 Tag. Unverändertes Levonorgestrel wird nur in Spuren ausgeschieden.

Kinetik spezieller Patientengruppen

Es liegen keine Daten zur Pharmakokinetik bei Frauen mit Leber- oder Niereninsuffizienz vor.

Präklinische Daten

Präklinische Untersuchungen mit Levonorgestrel zur Toxizität nach wiederholter Gabe, zur Genotoxizität und zum karzinogenen Potential ergaben keine eindeutigen Hinweise auf besondere Risiken für den Menschen.

Levonorgestrel ist ein Gestagen mit antiöstrogener Wirkung, dessen toxikologische Eigenschaften gut bekannt sind. Zusätzlich zu dem bekannten Profil nach oraler Verabreichung von Levonorgestrel wurden Studien über eine Beobachtungsdauer von 9 und 12 Monaten an Affen durchgeführt, denen ein Levonorgestrel-freisetzendes IUS in den Uterus eingesetzt wurde. In diesen Studien bestätigte sich eine gute lokale Verträglichkeit. Es wurden keine Anzeichen lokaler oder systemischer Toxizität festgestellt.

Levonorgestrel kann nach hohen parenteralen Dosierungen virilisierende Wirkungen an weiblichen Rattenfeten hervorrufen, wenn es während der sensiblen Phase der Entwicklung der Genitalorgane verabreicht wird. Bei Kaninchen wurde nach intrauteriner Verabreichung von Levonorgestrel jedoch keine Embryotoxizität festgestellt.

Die Sicherheitsbeurteilung der Elastomerkomponenten des Hormonreservoirs, der Polyäthylenmaterialien des Produkts und der Kombination von Elastomer und Levonorgestrel wurde sowohl aufgrund der Bestimmung der genetischen Toxizität (Standard in-vitro- und in-vivo-Systeme) als auch aufgrund von Biokompatibilitätsuntersuchungen (an Mäusen, Ratten, Meerschweinchen, Kaninchen und in-vitro-Untersuchungen) vorgenommen. Dabei wurden keine Bioinkompatibilitäten festgestellt.

Sonstige Hinweise

Haltbarkeit

Jaydess darf nur bis zu dem auf dem Behälter mit EXP bezeichneten Datum eingelegt werden. Nach Insertion ist Jaydess während 3 Jahren wirksam.

Besondere Lagerungshinweise

In der Originalverpackung aufbewahren.

Nicht über 30 °C lagern.

Hinweise für die Handhabung

Für die Einlage von Jaydess ist die «Anleitung zum Einsetzen» in der Packung zu beachten.

Jaydess ist in einem Blister steril verpackt. Der Blister sollte erst unmittelbar vor der Einlage geöffnet werden, danach sollten die üblichen Vorkehrungen getroffen werden um eine aseptische Handhabung zu gewährleisten. Bei Beschädigung der sterilen Verpackung sollte das IUS nicht verwendet werden.

Das IUS befindet sich an der Spitze eines Inserters, und ist nach der Entnahme aus der sterilen Packung im Wesentlichen frei von sichtbaren Verunreinigungen.

Jeder Patientin, der ein IUS eingelegt wurde, ist die Packungsbeilage «Information für Patientinnen» zum aufmerksamen Lesen mitzugeben.

Nicht verwendetes Material und Abfälle sollten in Übereinstimmung mit den lokalen Richtlinien entsorgt werden.

Zulassungsnummer

62688 (Swissmedic).

Zulassungsinhaberin

Bayer (Schweiz) AG, Zürich.

Stand der Information

Juni 2015.

Verwendung dieser Informationen

Die Informationen auf dieser Seite sind für Fachpersonal gedacht. Bei Fragen lassen Sie sich von einer Fachperson (z.B. Arzt oder Apotheker) beraten und lesen Sie die Packungsbeilage auf unserer Produktseite.