Androcur Tabl 50 Mg 250 Stk

Androcur Tabl 50 Mg 250 Stk

Fachinformationen

Zusammensetzung

Wirkstoff: Cyproteroni acetas (CPA).

Hilfsstoffe: Excipiens pro compresso.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

1 Tablette enthält 50 mg Cyproteronacetat.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Beim Mann: Triebdämpfung bei Sexualdeviationen, inoperables Prostatakarzinom.

Bei der Frau: Schwere Androgenisierungserscheinungen, wie hochgradiger Hirsutismus, schwere androgenetische Alopezie, oft verbunden mit schweren Formen von Akne und/oder Seborrhö, wenn mit einer niedrigeren Dosierung kein befriedigender Erfolg erzielt wurde.

Dosierung/Anwendung

Die Tabletten sind nach den Mahlzeiten mit Flüssigkeit einzunehmen.

Übliche Dosierung beim Mann

Triebdämpfung bei Sexualdeviationen

Zur Anfangsbehandlung beträgt die Tagesdosis 2-mal 1 Tablette. Es kann erforderlich sein, die Dosis auf 2-mal täglich 2- oder vorübergehend sogar 3-mal täglich 2 Tabletten zu erhöhen. Wenn ein befriedigendes Behandlungsergebnis erreicht ist, wird versucht, den Therapieeffekt mit einer möglichst geringen Dosis aufrechtzuerhalten. Oft genügt 2-mal täglich ½ Tablette. Bei der Einstellung auf eine Erhaltungsdosis und beim Absetzen wird nie abrupt, sondern ausschleichend reduziert. Dabei ist in Abständen von jeweils einigen Wochen die Tagesdosis um 1 Tablette oder besser ½ Tablette zu vermindern.

Um den Therapieeffekt zu stabilisieren, ist es erforderlich, Androcur-50 über längere Zeit einzunehmen, wenn möglich unter gleichzeitiger Anwendung psychotherapeutischer Massnahmen.

Antiandrogene Behandlung bei inoperablem Prostatakarzinom

2- bis 3-mal täglich 2 Tabletten (= 200–300 mg/Tag).

Wenn es zur Besserung oder Remission gekommen ist, soll weder die Therapie abgesetzt noch die Dosis reduziert werden.

Zur Verminderung des anfänglichen Anstiegs der männlichen Geschlechtshormone bei Behandlung mit GnRH-Agonisten

Zunächst 5–7 Tage 2-mal täglich 2 Tabletten Androcur-50 (= 200 mg/Tag) allein, anschliessend 3–4 Wochen lang 2-mal täglich 2 Tabletten Androcur-50 (= 200 mg/Tag) zusammen mit einem GnRH-Agonisten in der vom Hersteller vorgesehenen Dosierung.

Zur Behandlung von Hitzewallungen bei Patienten unter der Therapie mit GnRH-Analogen oder nach Orchiektomie

Täglich 1–3 Tabletten (50–150 mg) mit Steigerung auf bis zu 3-mal täglich 2 Tabletten (300 mg) falls nötig.

Übliche Dosierung bei der Frau

Frauen in gebärfähigem Alter

Schwangere dürfen Androcur-50 nicht einnehmen. Deshalb muss bei Therapiebeginn eine Schwangerschaft mit Sicherheit ausgeschlossen sein.

Androcur-50 muss in Kombination mit einem kombinierten oralen, CPA-haltigen Kontrazeptivum (wie z.B. Diane-35) angewendet werden, um den nötigen kontrazeptiven Schutz sicherzustellen und unregelmässige Blutungen zu vermeiden.

Bei Frauen im gebärfähigen Alter wird die Behandlung am 1. Zyklustag begonnen (= 1. Tag der Blutung).

Nur Frauen, die amenorrhoisch sind, können mit der Therapie sofort beginnen; in diesem Fall ist der 1. Einnahmetag mit dem 1. Zyklustag gleichzustellen und entsprechend den folgenden Empfehlungen vorzugehen:

Vom 1.–10. Zyklustag (= 10 Tage) sind täglich 2 Tabletten (= 100 mg) Androcur-50 einzunehmen. Zusätzlich erhalten die Patientinnen zur Stabilisierung ihres Zyklus und für den erforderlichen Konzeptionsschutz ein kombiniertes orales, CPA-haltiges Präparat, z.B. vom 1.–21. Zyklustag (= 21 Tage) täglich 1 Dragee Diane-35.

Bei der zyklischen Kombinationsbehandlung sollte die Tabletteneinnahme immer zu einer bestimmten Tageszeit erfolgen.

21 Tage nach Beginn dieser Therapie wird eine 7-tägige Pause eingelegt, in der es zu einer Entzugsblutung kommt. Vier Wochen nach Einnahmebeginn fängt man mit der nächsten zyklischen kombinierten Behandlung an, unabhängig davon, ob die Blutung schon beendet ist oder noch anhält.

Nach klinischer Besserung kann die tägliche Androcur-50-Dosis auf 1 oder ½ Tablette (= 50 oder 25 mg) in den ersten 10 Tagen der Kombinationsbehandlung mit einem CPA-haltigen Kontrazeptivum reduziert werden. Eventuell genügt auch ein kombiniertes orales, CPA-haltiges Kontrazeptivum allein.

Ausbleiben der Entzugsblutung

Das Ausbleiben der Entzugsblutung innerhalb der 7-tägigen Einnahmepause kann ein Zeichen für eine eingetretene Gravidität sein. Deshalb darf in einem solchen Fall die Kombinationsbehandlung erst dann wieder aufgenommen werden, wenn eine Schwangerschaft sicher ausgeschlossen ist.

Verhalten bei Zwischenblutungen

Beim Auftreten von Blutungen während den Einnahmewochen soll die Behandlung nicht unterbrochen werden. Schmierblutungen sistieren oft von selbst. Bei stärkeren oder sich wiederholenden leichten Blutungen ist eine gynäkologische Kontrolle zum Ausschluss eines organischen Leidens erforderlich.

Vergessene Tabletteneinnahme

Die Patientin sollte sich bei der zyklischen kombinierten Behandlung an eine bestimmte Tageszeit für die Einnahme gewöhnen. Wird dieser Termin um mehr als 12 Stunden überschritten, ist die empfängnisverhütende Wirkung für den betreffenden Zyklus in Frage gestellt. Für spezifische Angaben besonders zur kontrazeptiven Zuverlässigkeit und zum Vorgehen bei vergessener Pilleneinnahme wird auf die Fach- und Patienteninformation des CPA-haltigen Kontrazeptivums verwiesen. Kommt es jedoch innerhalb der Einnahmepause zu keiner Entzugsblutung, muss zuvor eine Schwangerschaft ausgeschlossen werden.

Vergessene Androcur-50 Tabletten können die therapeutische Wirksamkeit herabsetzen und zu Zwischenblutungen führen. Vergessene Androcur-50 Tabletten sollten nicht nachträglich eingenommen werden.

Anstelle der vergessenen Tablette soll keine doppelte Dosis eingenommen werden.

Die tägliche Einnahme ist zur gewohnten Zeit zusammen mit dem CPA-haltigen Kontrazeptivum fortzusetzen.

Patientinnen nach Hysterektomie oder nach der Menopause

Bei Patientinnen nach Hysterektomie oder nach der Menopause, für die eine zusätzliche Einnahme eines kombinierten oralen, CPA-haltigen Kontrazeptivums weder zur Zykluskontrolle noch zum Konzeptionsschutz erforderlich ist, kann Androcur-50 allein gegeben werden. Abhängig vom Schweregrad der Beschwerden beträgt die Dosis täglich ½–1 Tablette (= 25–50 mg) nach dem Schema: 21 Tage Einnahme, 7 Tage Pause.

Spezielle Dosierungsempfehlungen

Kinder/Jugendliche: Androcur-50 wurde bei Kindern und Jugendlichen nicht untersucht. Bei Kindern vor der Pubertät besteht keine Indikation, bei Jugendlichen unter 18 Jahren wird eine Anwendung nicht empfohlen.

Ältere Patienten: Eine Dosisanpassung in Abhängigkeit vom Alter ist nicht erforderlich.

Leberinsuffizienz: Die Pharmakokinetik von Cyproteronacetat bei Patienten mit Leberinsuffizienz wurde nicht untersucht. Die Anwendung von Androcur-50 ist bei Patienten mit Lebererkrankungen kontraindiziert, solange sich die Leberfunktionswerte nicht normalisiert haben.

Kontraindikationen

Kontraindikationen beim Mann

Triebdämpfung bei Sexualdeviationen

Lebererkrankungen.

Dubin-Johnson-Syndrom, Rotor-Syndrom.

Vorausgegangene oder bestehende Lebertumore.

Vorausgegangenes oder bestehendes Meningeom.

Konsumierende Krankheiten.

Vorausgegangene oder bestehende thromboembolische Ereignisse.

Schwere chronische Depression.

Schwerer Diabetes mit Gefässveränderungen.

Sichelzellanämie.

Überempfindlichkeit gegenüber einem der Bestandteile von Androcur-50.

Antiandrogen-Behandlung des inoperablen Prostatakarzinoms

Lebererkrankungen.

Dubin-Johnson-Syndrom, Rotor-Syndrom.

Vorausgegangene oder bestehende Lebertumore (nur bei nicht durch das Prostatakarzinom bedingten Metastasen).

Vorausgegangenes oder bestehendes Meningeom.

Konsumierende Krankheiten (mit Ausnahme des inoperablen Prostatakarzinoms).

Schwere chronische Depression.

Thromboembolie.

Überempfindlichkeit gegenüber einem der Bestandteile von Androcur-50.

Kontraindikationen bei der Frau

Vorausgegangene oder bestehende thromboembolische Ereignisse.

Lebererkrankungen.

Dubin-Johnson-Syndrom, Rotor-Syndrom.

Ikterus oder persistierender Pruritus während einer vorausgegangenen Schwangerschaft.

Vorausgegangene oder bestehende Lebertumore.

Vorausgegangenes oder bestehendes Meningeom.

Schwerer Diabetes mit Gefässveränderungen.

Schwere chronische Depression.

Konsumierende Krankheiten.

Sichelzellanämie.

Schwangerschaftsherpes in der Anamnese.

Schwangerschaft.

Stillzeit.

Überempfindlichkeit gegenüber einem der Bestandteile von Androcur-50.

Bei der zyklischen Kombinationsbehandlung von schweren Androgenisierungserscheinungen beachten Sie ausserdem die Angaben zu Kontraindikationen in der Fachinformation des CPA-haltigen Kontrazeptivums, das in Kombination mit Androcur-50 angewendet wird.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Vor Abschluss der Pubertät soll Androcur-50 nicht gegeben werden, weil ein ungünstiger Einfluss auf das Längenwachstum und die noch nicht stabilisierten endokrinen Funktionskreise nicht auszuschliessen ist.

Während der Behandlung sind die Funktion der Leber und der Nebennierenrinde sowie die Erythrozytenzahl regelmässig zu überwachen.

Hepatotoxische Wirkungen von CPA

Unter der Behandlung mit Androcur-50 wurde über hepatotoxische Effekte wie Ikterus, Hepatitis oder Leberinsuffizienz berichtet, bei Dosierungen von 100 mg/Tag oder höher auch über Fälle mit letalem Ausgang. Die Mehrzahl dieser fatalen Fälle trat bei Männern mit fortgeschrittenem Prostatakarzinom auf. Diese toxischen Wirkungen sind dosisabhängig, und sie treten üblicherweise mehrere Monate nach Beginn der Behandlung auf. Deshalb sollten vor der Behandlung und während der Behandlung bei Auftreten von Anzeichen hepatotoxischer Wirkungen Leberfunktionsprüfungen durchgeführt werden.

Lässt sich die Hepatotoxizität bestätigen, ist das Präparat abzusetzen. Ausnahme hiervon sind Patienten mit Prostatakarzinom, bei welchen die Hepatotoxizität auf andere Unrsachen wie z.B. Tumormetastasen zurückgeführt werden kann. Auch in solchen Fällen soll die Behandlung mit dem Präparat jedoch nur fortgesetzt werden, wenn der erwartete klinische Nutzen das Risiko übersteigt.

In Einzelfällen wurde, wie auch bei anderen Sexualsteroiden, über gutartige und bösartige Lebertumoren berichtet. Lebertumore können vereinzelt zu lebensgefährlichen Blutungen in die Bauchhöhle führen. Wenn starke Oberbauchbeschwerden, eine Lebervergrösserung oder Anzeichen einer intraabdominalen Blutung auftreten, sollte ein Lebertumor in die differentialdiagnostischen Überlegungen einbezogen und gegebenenfalls das Präparat abgesetzt und eine geeignete Therapie eingeleitet werden.

Meningeom

In Verbindung mit einer Langzeitanwendung (Jahre) von Cyproteronacetat in Dosen von 25 mg/Tag oder höher (meist über mehrere Jahre) wurde über das Auftreten von Meningeomen berichtet. Bei einem Teil der Fälle handelte es sich um multiple Meningeome, ohne dass bei diesen Patienten andere Hinweise für eine Neurofibromatose vorlagen.

Wenn bei einem Patienten unter der Behandlung mit Androcur-50 ein Meningeom diagnostiziert wird, muss die Behandlung mit Androcur-50 abgebrochen werden.

Bei Patienten mit Diabetes ist der Kohlenhydratstoffwechsel sorgfältig zu überwachen.

Vereinzelt kann es unter hochdosierter Androcur-50-Gabe zum Gefühl der Kurzatmigkeit kommen. Differentialdiagnostisch muss in solchen Fällen an den für Progesteron und synthetische Gestagene bekannten stimulierenden Effekt auf die Atmung gedacht werden, der mit Hypokapnie und kompensierter respiratorischer Alkalose einhergeht und nicht als behandlungsbedürftig gilt.

Über das Auftreten thromboembolischer Ereignisse bei Patienten unter Androcur-50 liegen Berichte vor, aber ein Kausalzusammenhang wurde bisher nicht mit Sicherheit bewiesen. Bei Patienten mit vorausgegangenen arteriellen oder venösen thrombotischen/thromboembolischen Ereignissen (z.B. tiefe Venenthrombose, Lungenembolie, Herzinfarkt), mit zerebrovaskulären Ereignissen in der Anamnese oder mit fortgeschrittenen malignen Erkrankungen besteht ein erhöhtes Risiko für weitere thromboembolische Ereignisse, vgl. auch «Kontraindikationen».

Besondere Hinweise für die Anwendung beim Mann

Bei Patienten mit inoperablem Prostatakarzinom, thromboembolischen Ereignissen in der Anamnese oder Patienten, die an Sichelzellanämie oder schwerem Diabetes mit Gefässveränderungen leiden, ist vor der Verordnung von Androcur-50 in jedem Einzelfall eine sorgfältige Risiko-Nutzen-Bewertung durchzuführen.

Bei männlichen Patienten kommt es unter Behandlung mit Androcur-50 zu einer Dämpfung des Sexualtriebs und verminderter Potenz ebenso wie einer Hemmung der Gonadenfunktion. Diese Veränderungen sind nach Absetzen der Behandlung reversibel.

Bei männlichen Patienten kann Androcur-50 zu Gynäkomastie führen (manchmal zusammen mit einer Berührungsempfindlichkeit der Brustwarzen), die sich nach Absetzen des Präparats gewöhnlich zurückbildet.

Nach mehrwöchiger Anwendung führt Androcur-50 aufgrund seiner antiandrogenen und antigonadotropen Wirkung zu einer Hemmung der Spermatogenese. Innerhalb weniger Monate nach Absetzen der Behandlung kommt es zu einer allmählichen Erholung der Spermatogenese. Im Tierversuch ergab sich kein Anhalt für eine Schädigung der Spermatozoen durch Cyproteronacetat, Humandaten liegen nur in sehr beschränktem Umfang vor. Um einen Ausgangsbefund zu haben, wird empfohlen, bei Männern, für welche eine spätere Fertilität von Bedeutung sein könnte, vor Behandlungsbeginn ein Spermatogramm anzufertigen.

Bei gleichzeitigem Genuss von Alkohol ist wegen seines enthemmenden Einflusses eine Verminderung der triebdämpfenden Wirkung von Androcur-50 möglich.

Wie bei anderen antiandrogenen Behandlungen kann der langfristige Androgenentzug durch Androcur-50 zu Osteoporose führen.

Besondere Hinweise für die Anwendung bei der Frau

Bei Frauen muss vor Beginn der Therapie eine gründliche allgemeine und gynäkologische Untersuchung (inklusive zytologischem Abstrich und Brustuntersuchung) durchgeführt werden. Bei Patientinnen im gebärfähigen Alter muss vor der Therapie eine Schwangerschaft ausgeschlossen werden. Bevor eine Behandlung mit Androcur-50 erwogen wird, ist eine genaue Differentialdiagnose notwendig, um z.B. das Vorliegen von Tumoren oder adrenalen Enzymdefekten als Ursache der Androgenisierungserscheinungen auszuschliessen. Spätestens nach 12 Behandlungszyklen ist eine endokrinologische Abklärung durchzuführen.

Bei Frauen unterdrückt die Kombinationstherapie den Eisprung und bewirkt einen Zustand der Infertilität.

Wenn unter der Kombinationstherapie in den 3 Wochen der Tabletteneinnahme Schmierblutungen auftreten, ist die Tabletteneinnahme normal fortzusetzen.

Wenn jedoch anhaltende oder wiederkehrende Blutungen in unregelmässigen Abständen auftreten, muss eine gynäkologische Untersuchung durchgeführt werden, um eine organische Erkrankung auszuschliessen.

Bei der zyklischen Kombinationsbehandlung schwerer Androgenisierungserscheinungen der Frau wird zusätzlich auf die Rubrik «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen» in der Fachinformation des CPA-haltigen Kontrazeptivums verwiesen.

Interaktionen

Obwohl keine klinischen Studien zu Interaktionen durchgeführt wurden, ist zu erwarten, dass Ketoconazol, Itraconazol, Clotrimazol, Ritonavir und andere starke CYP3A4-Hemmer den Metabolismus von Cyproteronacetat hemmen, da dieses Arzneimittel durch CYP3A4 metabolisiert wird. Andererseits können CYP3A4-Induktoren wie Rifampicin, Phenytoin und Produkte, die Johanniskraut enthalten, den Cyproteronacetat-Spiegel senken.

In vitro Inhibitionsuntersuchungen belegen eine potenzielle Hemmung der Zytochrom-P450-Enzyme CYP2C8, 2C9, 2C19, 3A4 und 2D6 bei hohen therapeutischen Dosen von 100 mg Cyproteronacetat dreimal pro Tag.

Der Bedarf an oralen Antidiabetika oder Insulin kann sich durch Verschlechterung der Glukosetoleranz ändern.

Bei gleichzeitiger Verabreichung von hochdosiertem Cyproteronacetat mit HMG-CoA-Reduktasehemmern (Statinen), welche hauptsächlich durch CYP3A4 metabolisiert werden (wie z.B. Atorvastatin, Simvastatin), kann das Risiko einer Myopathie oder Rhabdomyolyse erhöht sein.

Schwangerschaft/Stillzeit

Die Einnahme von Androcur-50 während der Schwangerschaft und Stillzeit ist kontraindiziert.

Die Behandlung mit Androcur-50 bei Frauen im reproduktionsfähigen Alter ist immer mit gleichzeitigem Konzeptionsschutz mit einem kombinierten oralen, CPA-haltigen Präparat durchzuführen.

In einer Studie mit sechs Frauen, die eine Einzeldosis von 50 mg Cyproteronacetat erhielten, wurden 0,2% dieser Dosis in die Muttermilch ausgeschieden.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Patienten, deren Tätigkeit erhöhte Konzentration erfordert (z.B. Teilnahme am Strassenverkehr, Bedienen von Maschinen), müssen berücksichtigen, dass Androcur-50 zu Müdigkeit und Antriebsminderung führen sowie das Konzentrationsvermögen beeinträchtigen kann.

Unerwünschte Wirkungen

Nachfolgend sind die unerwünschten Wirkungen nach Organsystem und Häufigkeiten angegeben. Die Häufigkeitskategorien sind dabei wie folgt definiert:

Sehr häufig: ≥10%; häufig: ≥1–10%; gelegentlich: ≥0,1–1%; selten: ≥0,01–0,1%; sehr selten: <0,01%; nicht bekannt: basierend auf Spontanmeldungen aus der Marktüberwachung, genaue Inzidenz kann nicht angegeben werden.

Beide Geschlechter

Neoplasmen

Häufigkeit nicht bekannt: Meningeom (vgl. «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Immunsystem

Selten: Überempfindlichkeitsreaktionen.

Stoffwechsel- und Ernährung

Häufig: Gewichtszunahme oder Gewichtsabnahme.

Psychiatrische Störungen

Gelegentlich: depressive Verstimmungen.

Gefässe

Selten: thromboembolische Ereignisse.

Respirationstrakt

Gelegentlich: Hypokapnie.

Leber, Galle

Häufig: Ikterus, Hepatitis, Leberinsuffizienz.

Sehr selten: gut- und bösartige Lebertumore.

Haut

Gelegentlich: Hautausschläge.

Allgemeine Störungen

Häufig: Müdigkeit.

Männer

Blut und Lymphe

Häufigkeit nicht bekannt: Anämie.

Psychiatrische Störungen

Sehr häufig: verminderte Libido.

Häufig: Antriebsminderung, zeitweise Unruhe.

Muskelskelettsystem

Sehr selten: Osteoporose.

Reproduktionssystem und Brust

Sehr häufig: reversible Hemmung der Spermatogenese, erektile Dysfunktion.

Häufig: Gynäkomastie.

Allgemeine Störungen

Häufig: Hitzewallungen, Schweissausbrüche.

Frauen

Psychiatrische Störungen

Gelegentlich: verminderte Libido.

Selten: gesteigerte Libido.

Reproduktionssystem und Brust

Sehr häufig: Ovulationshemmung.

Häufig: Spannungsgefühl in der Brust.

Gelegentlich: Galaktorrhö.

Im Hinblick auf die notwendige zusätzliche Gabe eines CPA-haltigen Kontrazeptivums wird auf die Angaben zu unerwünschten Wirkungen in der Fachinformation dieses Präparates verwiesen.

Überdosierung

Studien zur akuten Toxizität nach Einzeldosen haben ergeben, dass Cyproteronacetat als wenig toxisch einzustufen ist. Eine akute Intoxikation nach einmaliger versehentlicher Einnahme eines Vielfachen der für die Behandlung erforderlichen Dosis ist kaum zu erwarten.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: G03HA01

Wirkungsmechanismus

Androcur-50 ist ein antiandrogenes Hormonpräparat und hat eine zentrale Hemmwirkung.

Bei Männern führt die antigonadotrope Wirkung zu einer Reduktion der Testosteronsynthese in den Hoden und dadurch zu einer Verminderung der Testosteron-Serumspiegel.

Die antigonadotrope Wirkung von Cyproteronacetat wird auch ausgeübt, wenn die Substanz mit GnRH-Agonisten kombiniert wird. Auf diese Weise wird der durch diese Substanzgruppe initial erhöhte Testosteronssiegel gesenkt.

Unter höheren Dosen Cyproteronacetat wurde gelegentlich eine Tendenz zu leicht erhöhten Prolaktinspiegeln beobachtet.

Klinische Wirkung

Bei Männern werden Sexualtrieb und Potenz vermindert und die Gonadenfunktion gehemmt. Diese Veränderungen sind nach Absetzen der Behandlung reversibel. Cyproteronacetat hemmt kompetitiv die Wirkung von Androgen an androgenabhängigen Zielorganen, d.h. es schützt die Prostata vor Androgenen aus Gonaden und/oder Nebennierenrinde.

Bei Frauen werden androgenabhängige Erscheinungen wie pathologischer Haarwuchs bei Hirsutismus, androgenetische Alopezie oder erhöhte Talgdrüsenfunktion bei Akne und Seborrhoe durch die kompetitive Verdrängung der Androgene an den Zielorganen günstig beeinflusst. Die Senkung des Androgenspiegels durch die antigonadotropen Eigenschaften des Cyproteronacetats ist von zusätzlichem therapeutischem Nutzen.

Während der Kombinationsbehandlung mit einem CPA-haltigen Kontrazeptivum ist die Ovarialfunktion gehemmt.

Diese Veränderungen sind nach Absetzen der Behandlung reversibel.

Pharmakokinetik

Absorption

Nach oraler Verabreichung wird Cyproteronacetat über einen weiten Dosisbereich hinweg vollständig resorbiert. Die Einnahme von 50 mg Cyproteronacetat ergibt maximale Serumspiegel von ca. 140 ng/ml nach etwa 3 Stunden.

Die absolute Bioverfügbarkeit von Cyproteronacetat ist fast vollständig (88% der Dosis).

Distribution

Im Plasma liegt Cyproteronacetat nahezu ausschliesslich in an Albumin gebundener Form vor. Der freie Anteil beträgt etwa 3,5–4%. Da die Proteinbindung nicht spezifisch ist, haben Änderungen des SHBG-Spiegels (Sexualhormon-bindendes Globulin) keinen Einfluss auf die Pharmakokinetik von Cyproteronacetat.

Aufgrund der langen Halbwertszeit in der terminalen Verteilungsphase aus dem Plasma (Serum) und aufgrund der täglichen Einnahme, kann eine Akkumulation von Cyproteronacetat im Serum um den Faktor 3 während eines Behandlungszyklus erwartet werden.

Metabolismus

Cyproteronacetat wird mittels verschiedener Mechanismen, einschliesslich Hydroxylierung und Konjugation, metabolisiert, wobei als quantitativ wichtigster Metabolit das 15β-Hydroxycyproteronacetat identifiziert wurde. Der Phase-1-Metabolismus von Cyproteronacetat wird hauptsächlich durch das Zytochrom-P450-Enzym CYP3A4 katalysiert.

Elimination

Die Serumspiegel des Wirkstoffes fallen normalerweise während eines Zeitintervalls von 24 bis 120 Stunden mit einer Halbwertszeit von 43,9 ± 12,8 Stunden ab. Ein geringer Anteil der verabreichten Dosis wird unverändert mit der Galle ausgeschieden. Der weitaus grösste Anteil wird in Form von Metaboliten über Harn und Stuhl im Verhältnis von 3:7 mit einer Halbwertszeit von 1,9 Tagen eliminiert. Metaboliten aus dem Plasma werden mit einer ähnlichen Rate (Halbwertszeit von 1,7 Tagen) ausgeschieden.

Die totale Clearance von Cyproteronacetat aus dem Serum liegt bei 3,5 ± 1,5 ml/min/kg.

Präklinische Daten

Systemische Toxizität

Basierend auf konventionellen Studien zur chronischen Toxizität lassen die präklinischen Daten generell keine besonderen Gefahren für den Menschen erkennen.

Experimentelle Untersuchungen führten nach höheren Dosen bei Ratten und Hunden jedoch zu kortikoidähnlichen Wirkungen auf die Nebennieren, was auf ähnliche Wirkungen beim Menschen bei der höchsten verabreichten Dosis (300 mg/Tag) hinweisen könnte.

Embryotoxizität/Teratogenität

Untersuchungen zur Embryotoxizität und Teratogenität lassen keine Auswirkung erkennen, welche auf ein generelles teratogenes Potential während der Organogenese, vor Abschluss der Differenzierung der äusseren Geschlechtsorgane, hindeuten würde. Die Gabe von Cyproteronacetat während der hormonsensiblen Differenzierungsphase der Genitalorgane (ca. ab dem 45. Tag der Schwangerschaft) könnte nach hohen Dosierungen bei männlichen Feten Feminisierungserscheinungen verursachen. Die Beobachtung von männlichen Neugeborenen, die intrauterin gegenüber Cyproteronacetat exponiert waren, hat keine Feminisierungserscheinungen ergeben. Dennoch ist die Schwangerschaft eine Kontraindikation für die Anwendung von Androcur-50.

Fertilität

Die durch die tägliche orale Behandlung verursachte vorübergehende Hemmung der Fertilität bei männlichen Ratten ergab keinerlei Anzeichen dafür, dass die Behandlung mit Androcur-50 eine Schädigung der Spermatozoen hervorruft, die zu Missbildungen oder einer eingeschränkten Fertilität der Nachkommen führen könnte.

Genotoxizität und Karzinogenität

Anerkannte Prüfmethoden der Genotoxizität von CPA ergaben negative Ergebnisse. In weitergehenden Prüfungen konnte jedoch nachgewiesen werden, dass CPA in Hepatozyten von Ratten und Affen sowie in frisch isolierten humanen Hepatozyten zur Adduktbildung mit DNS (und zu einem Ansteigen der DNS-Reparaturrate) führt.

Eine DNS-Adduktbildung in Leberzellen von Hunden war extrem niedrig.

Diese DNS-Adduktbildung trat bei systemischen Expositionen auf, die Dosierungen entsprechen, wie sie für CPA in der Klinik empfohlen werden. In vivo wurde als Folge der Behandlung mit Cyproteronacetat eine erhöhte Inzidenz fokaler, potenziell präneoplastischer Leberläsionen mit veränderten zellulären Enzymen bei weiblichen Ratten festgestellt und ausserdem eine erhöhte Mutationshäufigkeit bei transgenen Ratten mit einem bakteriellen Gen als Mutationsmarker.

Die klinische Erfahrung und gut gemachte epidemiologische Studien sprechen bisher nicht für eine Erhöhung der Inzidenz hepatischer Tumoren beim Menschen.

Untersuchungen zur Karzinogenität von Cyproteronacetat an Nagetieren ergaben keine Hinweise auf ein spezifisches tumorigenes Potenzial. Dennoch ist zu bedenken, dass Sexualsteroide das Wachstum bestimmter hormonabhängiger Gewebe und Tumoren fördern können.

Sonstige Hinweise

Haltbarkeit

Das Arzneimittel darf nur bis zu dem auf dem Behälter mit «EXP» bezeichneten Datum verwendet werden.

Besondere Lagerungshinweise

Lagerung bei Raumtemperatur (15–25 °C).

Zulassungsnummer

37482 (Swissmedic).

Zulassungsinhaberin

Bayer (Schweiz) AG, 8045 Zürich.

Stand der Information

August 2011.

Verwendung dieser Informationen

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