Aminophyllin Amino 240 Mg/10ml 100 Amp 10 Ml

Fachinformationen

Zusammensetzung

Wirkstoff: Theophyllin-Ethylendiamin.

Hilfsstoffe: Natrii chloridum, Aqua ad iniectabilia.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Injektionslösung

1 Ampulle à 10 ml enthält 240 mg Theophyllin-Ethylendiamin, entsprechend 206 mg Theophyllin.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Reversible Bronchialobstruktion bei Asthma bronchiale oder chronisch obstruktiver Pneumopathie (COPD).

Dosierung/Anwendung

Aminophyllin 2,4% 10 ml ist individuell nach Wirkung zu dosieren. Die Dosierung sollte möglichst nach Bestimmung der Theophyllin-Plasmakonzentration ermittelt werden (anzustrebender Bereich 8–20 µg/ml). Kontrollen des Theophyllin-Serumspiegels sind insbesondere auch bei mangelhafter Wirksamkeit oder dem Auftreten unerwünschter Wirkungen angezeigt. Zur Bestimmung der Initialdosis (siehe unten) ist eine eventuelle Vormedikation mit Theophyllin oder seinen Verbindungen hinsichtlich einer Dosisminderung zu berücksichtigen.

Um das Risiko unerwünschter Wirkungen der intravenö­sen Gabe von Ethylendiamin zu vermindern, sollte eine Dosis von 20 mg/min. nicht überschritten werden.

Für die Ermittlung der Dosis ist als Körpergewicht das Idealgewicht einzusetzen, da Theopyllin nicht vom Fettgewebe aufgenommen wird.

Empfohlenes Dosierungsschema

In Abhängigkeit von Lebensalter und Begleiterkrankungen ist folgendes Dosierungsschema für Aminophyllin 2,4% 10 ml zu empfehlen:

Initialdosis                    Dosis/kg KG i.v.    
Ohne Vorbehandlung mit          5–6 mg innerhalb    
Theophyllin                     von 20–30 min. i.v. 
Wenn eine Vorbehandlung mit     3,0–3,6 mg innerhalb
Theophyllin bekannt bzw. nicht  von 20–30 min. i.v. 
sicher auszuschliessen ist                          
Erhaltungs-           Stündliche Dosis/   Tägliche  
dosis                 kg KG i.v.          Dosis/    
                                          kg KG i.v.
Kinder                1.–12.   ab 13.               
                      Stunde   Stunde               
1–9 Jahre             1,2 mg   1,0 mg     24 mg     
9–16 Jahre            1,0 mg   0,8 mg     19 mg     
Erwachsene            1.–12.   ab 13.               
                      Stunde   Stunde               
Raucher               1,0 mg   0,8 mg     19 mg     
Nichtraucher          0,7 mg   0,5 mg     12 mg     
Alter über 60 Jahre   0,6 mg   0,3 mg     7 mg      
o./u. Cor pulmonale                                 
Obstruktives CMP      0,5 mg   0,1–       2,5–      
oder schwere Leber-            0,2 mg     5,0 mg    
funktionsstörung                                    

Art der Dosierung und Anwendung

i.v.-Injektion

Langsam über mindestens 6 Minuten in eine ausreichend grosse Vene injizieren.

i.v.-Kurzinfusion

Innerhalb von 20–30 min. in 50–100 ml kompatibler Infusionslösung (vorzugsweise in 0,9% Natriumchlorid-Lösung) infundieren.

i.v.-Dauertropfinfusion

In 250 ml kompatibler Infusionslösung (vorzugsweise in 0,9% Natriumchlorid-Lösung) applizieren.

Die Infusionsdauer kann nach o.g. Dosierungsschema ermittelt werden. Sie ist jedoch nach den individuellen Erfordernissen zu modifizieren. Bei der Therapie von Säuglingen und Kleinkindern ist eine Begrenzung der zu infundie­renden Flüssigkeitsmenge zu beachten.

Der Patient sollte nach erfolgter Injektion bzw. Infusion kurze Zeit ruhen und überwacht werden. Bei bekannter Gabe von Methylxanthin-haltigen Arzneimitteln muss die Injektion bzw. Infusion besonders überwacht und bei Anzeichen von Unverträglichkeit abgebrochen werden.

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach Art, Schwere und Verlauf der Erkrankung und wird vom behandelnden Arzt bestimmt.

Orale Anwendung

In Notfall und auf unmittelbare Anweisung des Arztes kann der Patient den Inhalt einer Ampulle Aminophyllin 2,4% 10 ml auch verdünnt in Flüssigkeit einnehmen, Dosierung wie bei i.v.-Applikation. Ein Minimalabstand von 8 Stunden zwischen zwei Einzeldosen ist einzuhalten.

Spezielle Dosierungsanweisungen

Kinder ab 6 Monate sowie Raucher benötigen im Vergleich zu nichtrauchenden Erwachsenen eine höhere körpergewichtsbezogene Theophyllin-Dosis infolge einer erhöhten Eliminationsrate. Im Gegensatz hierzu ist bei Säuglingen unter 6 Monaten und bei älteren Patienten (ab 60. Lebensjahr) die Theophyllin-Ausscheidung verlangsamt.

Bei Rauchern, die das Rauchen einstellen, sollte wegen des Anstiegs des Theopyllinspiegels vorsichtig dosiert werden.

Bei Patienten mit Herzinsuffizienz, schwerem Sauerstoffmangel, eingeschränkter Leberfunktion, Lungenentzündung, Virusinfektion (insbesondere Influenza) im höheren Lebensalter, sowie bei der Behandlung mit bestimmten anderen Medikamenten (siehe «Interaktionen»), ist die Theophyllin-Ausscheidung sehr häufig verlangsamt.

Bei höhergradigen Nierenfunktionsstörungen kann es zu einer Kumulation von Theophyllin-Stoffwechselprodukten kommen. Solche Patienten benötigen daher geringere Dosen. Steigerungen müssen mit besonderer Vorsicht erfolgen.

Weiterhin ist über eine reduzierte Theophyllin-Ausscheidung nach Tuberkulose- und Grippeschutzimpfung berichtet worden, so dass bei gleichzeitiger Behandlung ebenfalls eine Dosisminderung erforderlich sein könnte.

Kontraindikationen

Aminophyllin 2,4% 10 ml darf nicht angewandt werden bei:

bekannter Überempfindlichkeit gegenüber Aminophyllin, Theophyllin, Ethylendiamin, oder einem der sonstigen Bestandteile;

frischem Herzinfarkt;

akuten tachykarden Arrhythmien.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Bei Patienten mit Herzinsuffizienz, schwerem Sauerstoffmangel, eingeschränkter Leberfunktion, schwerer Niereninsuffizienz, Lungenentzündung, Virusinfektion (insbesondere Influenza, fraglich auch nach Grippeschutzimpfungen) sowie bei höherem Lebensalter ist die Theophyllinausscheidung sehr häufig verlangsamt.

Theophyllin kann Arrhythmien verursachen oder bestehende verschlimmern.

Bewusstlosigkeit und Herzstillstand können als Folge von zu schneller Injektion auftreten.

Vorsicht ist geboten bei gleichzeitiger Anwendung gewisser Pharmaka (siehe «Interaktionen»).

Besondere Vorsicht ist geboten bei Kindern unter 2½ Jahren.

Kindern unter 1 Jahr sollte Aminophyllin 2,4% 10 ml nur in Ausnahmefällen verabreicht werden.

Bei älteren, multimorbiden und/oder schwerkranken Patienten besteht ein erhöhtes Intoxikationsrisiko.

Bei diesen Patienten sollte eine vorsichtige Dosisanpassung über eine Konzentrationsbestimmung (therapeutischer Bereich: 8–20 µg/ml) sowie eine kontinuierliche Therapiekontrolle (klinischer Zustand, Überdosierungssymptome, therapeutische Wirksamkeit) erfolgen.

Theophyllin sollte nur bei strenger Indikation und mit Vorsicht angewendet werden bei:

– instabiler Angina pectoris,

– Neigung zu tachykarden Arrhythmien,

– schwerem Bluthochdruck,

– hypertropher obstruktiver Kardiomyopathie,

– Hyperthyreose,

– epileptischen Anfallsleiden,

– Magen- und/oder Zwölffingerdarmgeschwür,

– Herzinsuffizienz,

– Niereninsuffizienz,

– Leberfunktionsstörungen,

– Porphyrie.

Patienten mit viralen Infektionen der Atemwege und anhaltendem Fieber sollen niedrigere Dosen erhalten.

Patienten mit migräneartigen Kopfschmerzen können erhöhte Frequenzen von Kopfschmerzattacken haben.

Interaktionen

Theophyllin wirkt synergistisch mit β-Sympathomimetika und xanthinhaltigen Medikamenten (z.B. Coffein). Die gleichzeitige Verabreichung der erwähnten Substanzklassen können Haupt- und Nebenwirkungen von Theophyllin verstärken.

Da Theophyllin über das Cytochrom P (CYP) 450-System der Leber metabolisiert wird, sind zahlreiche Interaktionen mit Arzneimitteln möglich, welche diese Enzyme entweder hemmen oder induzieren.

Ein beschleunigter Theophyllin-Abbau und eine verminderte Wirksamkeit kann bei Rauchern und/oder gleichzeitiger Medikation mit Barbituraten (besonders Pheno- und Pentobarbital), Carbamazepin, Phenytoin, Rifampicin, Primidon und Sulfinpyrazon, Aminogluthetimid und hypericinhaltigen Mitteln (Johanniskraut-Präparaten) auftreten. Eine Erhöhung der Theophyllin-Dosis ist evtl. angezeigt.

Verzögerter Abbau und/oder Erhöhung des Theophyllin-Plasmaspiegels mit einer erhöhten Überdosierungsgefahr und vermehrtem Nebenwirkungsrisiko können bei gleichzeitiger Behandlung mit folgenden Arzneimitteln auftreten: Orale Kontrazeptive, Makrolid-Antibiotika (z.B. Erythromycin, Clarithromycin und Spiramycin), Calcium-Antagonisten (z.B. Verapamil, Diltiazem), Chinolone/Gyrasehemmstoffe (z.B. Ciprofloxacin, Norfloxacin), Imepenem, Ticlopidin, Cimetidin, Isoprenalin, Isonikotinsäurehydrazid, Tiabendazol, Disulfiram, Fluroxamin, Allopurinol, Propranolol, α-Interferon, Zafirlukast und Influenza-Vakzinen. Hierbei kann eine Dosisreduktion von Aminophyllin angezeigt sein.

Folgende Medikamente führen zu einer erhöhten Plasmakonzentration von Theoophyllin bei z.T. nicht genau bekanntem Mechanismus: Furosemid, Mexiletin, Pentoxifyllin, Propafenon, Tacrin, Ticlopidin.

Theophyllin hemmt die hämodynamischen Effekte von Adenosin, sodass dessen Dosis evtl. erhöht werden muss.

Die Wirkung von Lithiumcarbonat und β-Blockern kann durch gleichzeitige Gabe von Aminophyllin abgeschwächt werden. β-Blocker (z.B. Propanolol) heben die bronchialerweiternden Eigenschaften des Theophyllins auf. Da sie aber auch einen Bronchospasmus auslösen können, sind sie bei Asthma im Allgemeinen kontraindiziert.

Einzelnen Berichten zufolge sind auch bei gleichzeitiger Behandlung mit Ranitidin Überdosierungserscheinungen von Theophyllin beobachtet worden. Da eine Interaktion nicht hinreichend sicher ausgeschlossen werden kann, sollte bei gleichzeitiger Behandlung die individuell erforderliche Theophyllin-Dosis besonders sorgfältig ermittelt werden.

Bei paralleler Behandlung mit Ciprofloxacin ist die Aminophyllin-Dosis auf maximal 60%, bei Anwendung von Enoxacin auf maximal 30% der empfohlenen Dosis zu reduzieren.

Auch andere Chinolone (z.B. Perfloxacin oder Pipemidinsäure) können die Wirkung von theophyllinhaltigen Arzneimitteln verstärken, weshalb regelmässig Kontrollen der Theophyllinkonzentration angezeigt sind.

Theopyhllin verstärkt die harntreibende Wirkung von Diuretika.

Die Anwendung von Halothan kann bei Patienten, die Aminophyllin erhalten, zu schweren Herzrhythmusstörungen führen.

Antazida vermindern die Geschwindigkeit, nicht aber das Ausmass der Absorption.

Schwangerschaft/Stillzeit

Schwangerschaft

Zur Anwendung von Theophyllin während des ersten Schwangerschaftstrimenons liegen bislang keine ausreichenden Erfahrungen vor. Daher sollte eine Anwendung von Aminophyllin 2,4% 10 ml in dieser Zeit vermieden werden.

Während des 2. und 3. Trimenons sollte Theophyllin nur nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung angewandt werden, da es die Plazenta passiert und im Feten sympathomimetisch wirken kann. Wird eine Patientin am Ende der Schwangerschaft mit Theophyllin behandelt, kann es zur Wehenhemmung kommen. Pränatal exponierte Neugeborene müssen sorgfältig auf Theophyllin-Wirkungen überwacht werden.

Stillzeit

Aufgrund des Überganges in die Muttermilch (Verhältnis Muttermilch/Serum ca. 0,7) sollten gestillte Kinder von Müttern, die mit Theophyllin behandelt werden, sorgfältig auf Theophyllin-Wirkungen überwacht werden, da therapeutische Serumkonzentrationen möglich sind. Aus diesem Grund ist die therapeutische Theophyllin-Dosis bei einer stillenden Patientin so niedrig wie möglich zu halten und das Stillen sollte möglichst unmittelbar vor der Gabe des Arzneimittels erfolgen. Sollten höhere therapeutische Dosen notwendig sein, muss abgestillt werden.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Durch individuell auftretende unterschiedliche Reaktionen kann die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Strassenverkehr oder beim Bedienen von Maschinen beeinträchtigt werden. Dies gilt in verstärktem Masse bei Behandlungsbeginn sowie bei Zusammenwirken mit Alkohol, Beruhigungs- oder Schlafmitteln.

Unerwünschte Wirkungen

Zentralnervensystem

Häufig: Kopfschmerzen, Schwindel, Unruhe, Schlaflosigkeit, Gliederzittern, Erregungszustände, Tremor.

Epileptische Anfälle

Diese sind in der Regel dosisabhängig. Oft sind bereits prädisponierende Faktoren wie Lebererkrankungen, Gliederzittern, Erregungszustände vorhanden.

Magen-Darm-Trakt

Häufig: Magen-Darm-Beschwerden, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, gastro-ösophagealer Reflux.

Gelegentlich: Orales und intravenöses Theophyllin erhöht die Magensäuresekretion. Patienten mit peptischem Ulkus sind daher gefährdet.

Herz-Kreislaufsystem

Häufig: Tachykardie, Arrhythmien verursachend oder bereits bestehende Arrhythmien verschlimmernd, Blutdruckabfall, Palpitationen (Schwindel, Herzklopfen), Herzinsuffizienz, Cor pulmonale.

Allergie und Hautreaktionen

Gelegentlich: Bei bestehender Sensibilisierung gegen Ethylendiamin sind bei der Gabe von Theophyllin-Ethylendiamin-Hydrat allergische Hautreaktionen, generalisierter Pruritus, Urticaria, Bronchospasmen, generalisierte Reaktionen mit hohem Fieber und Thrombozytopenie möglich.

Selten: Allergische Reaktionen wie generalisiertes, papulöses Ekzem und Kontaktdermatitis oder exfoliative Dermatitis wurden beschrieben. In einem Fall wurde ein Stevens-Johnson-Syndrom beschrieben.

Nieren und ableitende Harnwege

Verstärkte Diurese.

Allgemeine Nebenwirkungen

Bewusstlosigkeit und Herzstillstand können als Folge von zu schneller Injektion auftreten.

Verstärkte Nebenwirkungen können infolge einer relativen Überdosierung (bei individuell stärkerer Reaktion auf den Wirkstoff) oder einer absoluten Überdosierung (Theophyllin-Konzentration im Plasma von über 20 µg/ml) verstärkt auftreten.

Bei Theophyllin-Plasmaspiegeln höher als 20 µg/ml können toxische Nebenwirkungen wie Krampfanfälle, ventrikuläre Arrhythmien und schwere Magen-Darm-Erscheinungen verstärkt auftreten (siehe auch unter «Überdosierung»).

Überdosierung

Die Frequenz und Schwere der Theophyllin-Toxizität nimmt mit Serum Konzentrationen >20 µg/ml zu. Patienten mit einer individuell höheren Theophyllinsensibilität ­können bereits bei geringeren Serumkonzentrationen schwere Überdosierungssymptome aufweisen.

Die toxischen Zeichen sind: Anorexie, Nausea, Erbrechen, Schlaflosigkeit, Agitationen, zunehmende Unruhe, Reizbarkeit, Durchfall, Kopfschmerzen, Krämpfe, Tachykardie, Herzarrhythmie, Delirium, Dehydratation, Fieber, Konvulsionen, Benommenheit, und Coma. Alkalose, Hypophosphatämie und Hypomagnesämie beobachtet.

Bei Überdosierungen sollten folgende Einzelmassnahmen in Betracht gezogen werden:

– wiederholte Gabe von Aktivkohle,

– Kontrolle der Vitalfunktionen,

– Stabilisierung des Blutdrucks und ausreichende Hydrierung des Patienten,

– Sauerstoff (evtl. Intubation),

– Diazepam i.v. oder i.m,

keine Barbiturate.

Im Allgemeinen wird Theophyllin ausreichend schnell vom Patienten metabolisiert. Liegt der Blutspiegel über 50 µg Theophyllin/ml Serum bzw. besteht der Verdacht auf ungenügende Metabolisierung des Theophyllins, ist eine Hämoperfusion in Betracht zu ziehen.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: R03DA05

Wirkungsmechanismus

Die Wirkungsmechanismen von Theophyllin sind bisher noch nicht vollständig geklärt. Theophyllin-Ethylendiamin gehört zu der Gruppe der Methyl-Xanthine (Purin-Derivate). Die direkte Antagonisierung an den purinergen Rezeptoren führt zu einer Stabilisierung der Mastzellmembran und damit zu einer Verhinderung der Freisetzung von Mediatoren wie Histamin (Mastzellinhibition).

Eine Hemmung der Phosphodiesterase mit einem intrazellulären cAMP-Anstieg spielt möglicherweise nur bei Konzentrationen eine Rolle, die im oberen therapeutisch genutzten Bereich liegen. In der Folge kommt es zu einer vermehrten Einwanderung freien Calciums in das sarkoplasmatische Retikulum und damit zur Relaxation der glatten Muskulatur (Bronchialmuskulatur).

Andere diskutierte Mechanismen umfassen einen Antagonismus zu Adenosin-Rezeptoren, Prostaglandin-Antagonismus sowie eine Translokation von intrazellulärem Calcium. Diese Effekte erscheinen jedoch ebenfalls erst bei hohen Theophyllin-Dosen.

Ethylendiamin wird abgesehen von seinen allergenen Eigenschaften als therapeutisch inert angesehen, so dass alle pharmakologischen Wirkungen des Theophyllin-Ethylendiamins denjenigen von Theophyllin entsprechen.

Pharmakodynamik

Das breite, pharmakologische Wirkungsspektrum umfasst:

Wirkungen auf das respiratorische System

Relaxation der glatten Bronchialmuskulatur und der Pulmonalgefässe.

Besserung der mukoziliären Clearance.

Hemmung der Freisetzung von Mediatoren aus Mastzellen und anderen Entzündungszellen.

Abschwächung der provozierten Bronchokonstriktion.

Abschwächung der asthmatischen Sofort- und Spätreaktion.

Verstärkung der Zwerchfellkontraktion.

Extrapulmonale Wirkungen

Minderung des Dispnoe-Empfindens.

Gefässdilatation.

Relaxation der glatten Muskulatur (z.B. Gallenblase, Gas­trointestinaltrakt).

Inhibierung der Kontraktilität des Uterus.

Positive Ino- und Chronotropie am Herzen.

Stimulation der Seklettmuskulatur.

Steigerung der Diurese.

Stimulation von Sekretions- und Inkrementionsorganen (z.B. vermehrte Salzsäure-Sekretion im Magen, verstärkte Freisetzung von Catecholaminen aus der Nebenniere).

Pharmakokinetik

Die chemische Bindung des Theophyllins in Form von Salzen, wie Theophyllin-Ethylendiamin, hat keinen Einfluss auf seine Pharmakokinetik und Bioverfügbarkeit. Theophyllin-Ethylendiamin dissoziiert in wässrigen Lösungen zu Theophyllin und Ethylendiamin.

Distribution

Theophyllin wird unabhängig von der Konzentration zu ca. 60% an Plasmaprotein gebunden (bei Neugeborenen und Erwachsenen mit Leberinsuffizienz ca. 40%). Das Verteilungsvolumen von Theophyllin beträgt ca. 0,5 l/kg. Aufgrund der relativ hohen Eiweissbindung des Theophyllins (ca. 60%) stellen Blut, Extrazellulärflüssigkeit und Muskelgewebe den primären Verteilungsraum für Theophyllin dar. Eine Anreicherung von Theophyllin in anderen Geweben ist nach heutigem Erkenntnisstand nicht anzunehmen.

Aufgrund der physikalisch-chemischen Eigenschaften von Theopyllin ist eine Penetration der Blut-Hirnschranke zu erwarten.

Theophyllin ist plazentagängig Mit zunehmender Dauer der Schwangerschaft kann das Verteilungsvolumen von Theophyllin ansteigen, die Plasmaproteinbindung und die Clearance abnehmen, was eine Dosisreduzierung zur Vermeidung unerwünschter Wirkungen notwendig machen kann.

Theophyllin geht verzögert in die Muttermilch über. Der Milch/Plasma-Quotient variiert zwischen 0,6 und 0,9. Da die Halbwertszeit beim Säugling länger ist als beim Erwachsenen, kann eine Theophyllinakkumulation in Abhängigkeit der Stillfrequenz resultieren.

Metabolismus (aktive und inaktive Metaboliten)

Die Metabolisierung von Theophyllin erfolgt hauptsächlich durch mikrosomale Leber-Enzyme (CYP1A2 und in geringem Masse CYP2E1). Die Ausscheidung verläuft im Wesentlichen über die Nieren, wobei ca. 8% in 3-Methylxanthin, und ca. 16% als 1-Methylharnsäure eliminiert werden. 3-Methylxanthin besitzt 20–50% der Wirksamkeit von Theophyllin.

Die Theophyllin-Metabolisierung schwankt beträchtlich interindividuell, so dass Clearance, Serumkonzentration und Eliminationshalbwertszeiten erheblich variieren.

Elimination

Die Elimination von Theophyllin erfolgt durch Biotransformation in der Leber und renale Exkretion. Beim Erwachsenen werden etwa 10% der Substanz unverändert im Harn ausgeschieden.

Beim Neugeborenen werden hingegen ca. 50% unverändert und erhebliche Teile in Form von Coffein eliminiert.

Die Plasma-Halbwertszeit von Theophyllin zeigt grosse Unterschiede. Sie beträgt bei nichtrauchenden, ansonsten gesunden, erwachsenen Asthmatikern 7–9 Stunden, bei Rauchern 4–5 Stunden, bei Kindern 3–5 Stunden und kann bei Frühgeborenen und Patienten mit Lungenerkrankungen, Herzinsufizienz oder Lebererkrankungen mehr als 24 Stunden betragen.

Die Clearance beim gesunden Erwachsenen beträgt ca. 0,65 ml/kg/min. Entscheidender Parameter für die biologische Halbwertszeit ist die Theophyllin-Clearance. Diese kann durch zahlreiche individuelle Faktoren beeinflusst werden (Tab. 1 und 2). Die wichtigsten Einflussfaktoren auf die Theophyllin-Clearance sind Alter, Körpergewicht, Ernährung, Rauchgewohnheiten, Einnahme anderer Arzneimittel, sowie Erkrankungen von Herz, Lunge, Leber und Niere.

Die Eliminationsgeschwindigkeit ist ferner dosisabhängig, so dass bei hohen Serumkonzentrationen schon geringe Dosiserhöhungen einen überproportionalen Anstieg des Theophyllin-Spiegels infolge reduzierter Clearance verursachen können.

Tab. 1. Beeinflussung der Theophyllin-Clearance

Faktoren    Clearance erhöht    Clearance erniedrigt
Alter       ½–16 Jahre          >40 Jahre, Früh-    
                                geborene + Säuglinge
Gewicht     –                   Obesität            
Ernährung   proteinreich,       kohlenhydratreich   
            kohlenhydratarm,    methylxanthinhaltig 
            auf Holzkohle                           
            gegrilltes Fleisch                      
Pharmaka    Carbamazepin        Allopurinol         
            Phenobarbital       Beta-Blocker        
            Phenytoin           Calcium-Antagonisten
            Primidon            Chinolone           
            Rifampicin          Cimetidin           
            Sulfinpyridin       Ciprofloxazin       
                                Enoxacin            
                                Erythromycin        
                                Interferon          
                                Isonikotinsäure-    
                                hydrazid            
                                Isoprenalin         
                                Lithiumcarbonat     
                                Orale Kontrazeptiva 
                                Proproanolol        
Erkrankungen                    Leberzirrhose       
                                Herzinsuffizienz    
                                Akutes Lungenödem   
                                Chronisch-          
                                obstruktive-        
                                Lungenerkrankungen  
                                Pneumonie           
                                Hohes Lebensalter   
                                Eingeschränkte      
                                Leberfunktion       
                                Virusinfektionen    
                                Schwerer Sauerstoff-
                                mangel              

Die Liste der oben aufgeführten Arzneimittel hat Beispielcharakter und ist nicht abschliessend (weitergehende Informationen siehe Punkt «Interaktionen»).

Tab. 2. Mittlere Clearancewerte verschiedener Patientengruppen

Personengruppe                         Clearance    
                                       (ml/kg*h)    
Unter 20-Jährige                       91,1 (± 28,1)
20- bis 40-jährige Nichtraucher        51,7 (± 18,2)
20- bis 40-jährige Raucher             67,3 (± 28,4)
Über 40-Jährige, ohne Herz- und        54,3 (± 23,4)
Leberinsuffizienz                                   
Über 40-Jährige, mit Herzinsuffizienz  33,8 (± 15,2)
Patienten mit schwerer                 32,0         
Atemwegsobstruktion                                 
Über 40-Jährige mit Leberzirrhose,     22,4 (± 10,5)
Alkoholiker                                         
Patienten mit schwerer Pneumonie       12,6         

Elimination bei eingeschränkter Nierenfunktion

Nur etwa 7–13% Theophyllin werden unverändert renal ausgeschieden. Bei leichter Niereninsuffizienz ist daher keine Dosisanpassung notwendig.

Elimination bei eingeschränkter Leberfunktion

Einschränkungen der Leberfunktion jeglicher Art haben einen erheblichen Einfluss auf die Elimination von Theophyllin. Bei Patienten mit Leberzirrhose kann die Halbwertszeit bis zu 30 Std. betragen.

Die Dosierung ist in diesen Fällen streng am klinischen und laborchemischen Befunde zu orientieren.

Kinetik in anderen besonderen klinischen Situationen

Bei Patienten mit Herzinsuffizienz, schwerem Sauerstoffmangel, Lungenentzündung, Virusinfektion (insbesondere Influenza, fraglich nach Grippeschutzimpfung) sowie bei höherem Lebensalter ist die Theophyllinausscheidung sehr häufig verlangsamt.

Präklinische Daten

Chronische Toxizität

Untersuchungen zur chronischen Toxizität an Hunden und Ratten erbrachten keine Hinweise auf substanzbedingte toxische Effekte.

Mutagenes und tumorerzeugendes Potential

Theophyllin

Theophyllin wirkt am Säuger in vivo und in in-vitro-Versuchen mit Einbeziehung des Säugermetabolismus nicht mutagen. Positive in-vitro-Befunde wurden in Versuchen ohne Einbeziehung des Säugermetabolismus beschrieben. Da bekannt ist, dass Theophyllin unter in vivo-Bedingungen schnell demethyliert wird, sind diese in-vitro-Ergebnisse für den Menschen von geringer Relevanz.

Langzeituntersuchungen am Tier auf ein tumorerzeugendes Potential von Theophyllin wurden bisher nicht durchgeführt.

Ethylendiamin

In-vitro- und in vivo-Untersuchungen mit Ethylendiamin lieferten keine Hinweise auf eine mutagene Wirkung. Langzeituntersuchungen am Tier auf ein tumorerzeugendes Potential von Ethylendiamin wurden bisher nicht durchgeführt.

Reproduktionstoxizität

Theophyllin

Theophyllin erreicht im Nabelschnurblut ungefähr gleiche Konzentrationen wie im maternalen Serum.

An der Ratte zeigte Theophyllin keine teratogene Wirkung. Bei der Maus induzierte es nach i.p.-Gabe sowohl Gaumenspalten als auch Missbildungen der Zehen.

Es gibt Hinweise, dass Theophyllin möglicherweise bei Individuen mit erhöhter Suszeptibilität kardiovaskuläre Missbildungen erzeugt.

Ethylendiamin

Zu einer Anwendung von Ethylendiamin am Menschen liegen keine Erfahrungen vor. Bei der Ratte zeigte Ethylendiamin nach Verabreichung mit dem Futter keine Hinweise auf teratogene Wirkungen.

Sonstige Hinweise

Inkompatibilitäten

Um mögliche Inkompatibilitäten zu vermeiden, sollten Theophyllin-Injektionen und -Infusionen vorzugsweise mit isotonischer Natriumchloridlösung (physiologischer Kochsalzlösung) und ohne Zusatz weiterer Substanzen vorgenommen werden.

Haltbarkeit

Das Arzneimittel darf nur bis zu dem auf dem Behälter mit «EXP» bezeichneten Datum verwendet werden. Aminophyllin 2,4% 10 ml enthält keine Konservierungsmittel. Nach Anbruch der Ampulle ist die verbleibende Rest­lösung zu vernichten.

Haltbarkeit gebrauchsfertiger Zubereitungen nach Verdünnung

Die verdünnte Infusionszubereitung ist nicht konserviert. Die gebrauchsfertige Lösung ist unmittelbar nach der Verdünnung zu verwenden. Die verbleibende Restlösung ist zu verwerfen.

Besondere Lagerungshinweise

Bei Raumtemperatur (15–25 °C) und vor Licht geschützt in der Originalverpackung lagern. Für Kinder unzugänglich aufbewahren.

Zulassungsnummer

56507 (Swissmedic).

Zulassungsinhaberin

Amino AG, Gebenstorf.

Stand der Information

Mai 2009.

Verwendung dieser Informationen

Die Informationen auf dieser Seite sind für Fachpersonal gedacht. Bei Fragen lassen Sie sich von einer Fachperson (z.B. Arzt oder Apotheker) beraten.