Amikin Inj Loes 500 Mg/2ml 5 Durchstf 2 Ml

Fachinformationen

Zusammensetzung

Wirkstoff:  Amikacinum ut Amikacini sulfas.

Hilfsstoffe: Natrii citras; Antiox. E223 (13,2 mg/500 mg Amikacin); Aqua qs. ad solutionem pro 2 ml

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Injektionslösung: 500 mg Amikacin pro Stechampulle (2 ml)

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Amikin ist indiziert für Kurzzeitbehandlungen von schweren Infektionen verursacht durch Amikacin-empfindliche gramnegative Erreger, vor allem Pseudomonas, Escherichia coli, indolpositive und -negative Proteus, Providencia, Klebsiella, Enterobacter, Serratia und Acinetobacter.

Klinisch wird Amikacin angewendet bei Bakteriämie und Sepsis (einschliesslich Sepsis bei Neugeborenen), bei schweren Infektionen des Respirationstraktes, der Knochen und Gelenke, des Zentralnervensystems, der Haut und Schleimhaut, intraabdominalen Infektionen (inkl. Peritonitis), bei Verbrennungen und postoperativen Infektionen.

Weiter wird Amikin verwendet bei schwerwiegenden, komplizierten und rezidivierenden Infektionen des Urogenitaltraktes, hervorgerufen durch oben erwähnte Erreger.

Bakteriologische Untersuchungen müssen zur Identifizierung der Keime und deren Empfindlichkeit auf Amikacin durchgeführt werden. Amikin darf als Initialtherapie betrachtet werden, falls eine schwerere Infektion mit gramnegativen Keimen vermutet wird. Die Therapie kann vor Erhalt des Resultats des Empfindlichkeitstests angefangen werden. Falls die Erreger noch nicht bekannt sind, muss die Behandlung die gleichzeitige Gabe eines Antibiotikums der Penicillin- oder Cephalosporingruppe einschliessen. Bei Verdacht auf anaerobe Keime muss zusätzlich ein entsprechend wirksames Präparat verabreicht werden.

Bewährt hat sich Amikacin in Kombination mit einem Cephalosporin der 3. Generation in der empirischen Therapie febriler Episoden bei neutropenischen Zuständen.

Offizielle Empfehlungen zum angemessenen Gebrauch von Antibiotika sollen beachtet werden, insbesondere Anwendungsempfehlungen zur Verhinderung der Zunahme der Antibiotikaresistenz.

Dosierung/Anwendung

Vor der Behandlung sollte das Körpergewicht des Patienten ermittelt werden, um die korrekte Dosis zu berechnen.

Bei normaler Nierenfunktion

Erwachsene und Kinder ab 2 Wochen:

Die empfohlene Dosis für Erwachsene und Kinder ab 2 Wochen mit normaler Nierenfunktion beträgt 15 mg/kg/Tag, als Einzeldosis oder aufgeteilt auf 2 bis 3 Einzeldosen (7,5 mg/kg alle 12 Stunden oder 5 mg/kg alle 8 Stunden). Die Therapiedauer beträgt in der Regel 7 - 10 Tage.

Maximaldosis: Die Tagesdosis soll nicht mehr als 15 - 20 mg/kg Körpergewicht betragen. Bei Patienten mit hohem Gewicht oder erhöhter Einzeldosis soll die Tagesdosis nicht höher als 1,5 g sein. Die kumulative Dosis, welche in der Regel während der Therapiedauer verabreicht wird, soll nicht mehr als 15 g betragen.

Bei schwierigen und komplizierten Infektionen, bei denen eine über 10 Tage hinaus gehende Behandlung erwogen wird, sollte die Anwendung von Amikin neu beurteilt werden. Im Falle eines Fortsetzens der Therapie sollten die Nieren-, Gehör- und Vestibularfunktion sowie die Amikin-Serumkonzentrationen engmaschig überwacht werden.

Tritt ein klinisches Ansprechen nicht innerhalb von 3 - 5 Tagen ein, so sollte die Therapie gestoppt und ein erneuter Empfindlichkeitstest des ursächlichen Erregers vorgenommen werden. Ein fehlendes Ansprechen kann auf der Resistenz des Keims oder auf dem Vorhandensein von septischen Fokussen, die eine chirurgische Drainage erfordern, beruhen. Aufgrund der potentiellen Toxizität von Aminoglykosiden, werden fixe Dosierungen, die nicht anhand des Körpergewichts berechnet wurden, nicht empfohlen. Es ist unabdingbar, die Dosis individuell den Bedürfnissen des Patienten anzupassen.

Neugeborene bis 2 Wochen:

Neugeborene Säuglinge erhalten 10 mg/kg als Startdosis und dann 7,5 mg/kg alle 12 Stunden.

Frühgeburten:

Bei zu früh geborenen Kindern gibt man 7,5 mg/kg alle 12 Stunden.

Spezielle Dosierungsanweisungen

Bei eingeschränkter Nierenfunktion:

Bei eingeschränkter Nierenfunktion (Kreatininclearance ≤50 ml/min) soll Amikacin nicht als Einmaldosis angewendet werden, sondern eine 2 - 3x tägliche Applikation vorgenommen werden.

Wenn immer möglich, soll die Serumkonzentration bestimmt werden, um eventuell die Dosis anpassen zu können. Eine Dosisanpassung ist gegebenenfalls auch bei Dialysepatienten erforderlich. Es wird empfohlen, sowohl die Spitzenkonzentrationen als auch die Talspiegel von Amikacin periodisch während der Behandlung zu bestimmen. Insbesondere bei mehrmals täglicher Applikation sollten Höchstkonzentrationen über 35 μg/ml vermieden werden. Ebenso sollte der Spiegel vor einer erneuten Injektion unter 10 μg/ml gesunken sein. Ist die Serumkonzentration nicht verfügbar, kann die Kreatininclearance als guter Indikator der renalen Funktion, Steady-state vorausgesetzt, herangezogen werden. Die Bestimmung des Blut-Harnstoff-Stickstoffs (BUN) ist für diesen Zweck weniger verlässlich.

Es gibt dabei zwei Möglichkeiten, die Dosis bei reduzierter Nierenfunktion anzupassen: erstens, normale Dosierung mit verlängerten Intervallen oder zweitens, reduzierte Dosis bei fixen Intervallen:

1.Normale Dosierung mit verlängerten Intervallen:   Ein Dosierungsintervall bei normaler Dosierung kann errechnet werden, indem die Kreatininkonzentration (mg/dl) mit 9 multipliziert wird, z.B. wenn diese 2 mg/dl beträgt, empfiehlt sich eine Dosis von 7,5 mg/kg alle 18 h.

2.Reduzierte Dosis bei fixen Intervallen:  Als Startdosis wird eine normale Dosierung von 7,5 mg/kg gegeben, dann werden die weiteren 12stündlichen Dosen errechnet mit dem Verhältnis der gefundenen zur normalen Kreatininclearance. Erhaltungsdosis alle 12 h = (gemessene Clcr in ml/min: normale ClCr in ml/min) x 7,5 mg/kg.

Kontraindikationen

Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff Amikacin oder einem Hilfsstoff gemäss Zusammensetzung oder anderen Aminoglykosid-Antibiotika.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Sulfitwarnhinweis: Amikin enthält Natriumdisulfit (E223), welches bei empfindlichen Patienten allergische Reaktionen einschliesslich anaphylaktischem Schock und lebensbedrohenden Asthma-Anfällen, Brechreiz und Durchfall auslösen kann. Die Prävalenz in der Bevölkerung ist unbekannt. Sulfit-Überempfindlichkeit wird aber öfters bei Asthmatikern als bei Nicht-Asthmatikern gesehen. Amikin sollte daher bei Patienten mit Asthma oder einer Überempfindlichkeit gegen sulfithaltige Präparate (Nahrungs- und Genussmittel, andere Arzneimittel) nicht verabreicht werden.

Aminoglykoside werden rasch und fast vollständig resorbiert (mit Ausnahme der Harnblase), wenn sie bei operativen Eingriffen topisch appliziert werden. Nach Irrigation sowohl kleiner als auch grosser Operationsflächen mit einer Aminoglykosid-Zubereitung wurde über irreversible Taubheit, Nierenversagen und Tod infolge neuromuskulärer Blockade berichtet.

Amikacin ist potentiell nephrotoxisch, ototoxisch und neurotoxisch; daher müssen die Patienten klinisch sorgfältig überwacht werden. Eine Behandlung sollte nicht länger als 10, allerhöchstens 14 Tage dauern. Bei Frühgeborenen und Neugeborenen muss Amikin besonders vorsichtig verabreicht werden, da durch die Unreife der Nieren eine nicht voraussagbare Verlängerung der Halbwertszeit eintritt.

Die Funktion der Nieren und des VIII. Hirnnervs (N. statoacusticus) sollten während der Therapie überprüft werden. Der zuerst einsetzende Hörverlust in den hohen Frequenzen ist mittels Audiogramm erfassbar. Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion oder höheren Dosen und bei längerdauernder Aminoglykosidbehandlung sowie Patienten mit vorbestehenden Schäden des VIII. Hirnnervs oder Patienten, die zuvor andere potentielle ototoxische Medikamente erhielten, sind stärker gefährdet.

Amikin wird, abhängig von der Dosierung und Dauer der Behandlung, in der Niere akkumuliert. Der Patient muss deshalb ausreichend hydriert werden, um eine chemische Irritation der Nierentubuli zu vermindern.

Die Nierenfunktion muss vor Beginn der Therapie und dann regelmässig überprüft werden. Eine Reduktion der Dosis (siehe «Dosierung/Anwendung») und Reevaluation der Therapie ist empfehlenswert, sobald Symptome renaler Dysfunktion erscheinen wie Oligurie, erhöhte Werte an Serumharnstoff oder Kreatinin, verminderte Kreatininclearance. Bei Azotämie oder abnehmender Harnmenge sollte die Behandlung abgebrochen werden.

Bei älteren Patienten kann die Nierenfunktion eingeschränkt sein, ohne dass dies durch die routinemässige Bestimmung von Blut-Harnstoff-Stickstoff (BUN) oder Serumkreatinin erkennbar ist. Die Bestimmung der Kreatinin-Clearance  wird empfohlen. Die Überwachung der Nierenfunktion bei älteren Patienten ist während der Behandlung mit Aminoglykosiden besonders wichtig.

Audiogramme sind zu empfehlen (bei Patienten, die alt genug sind, um getestet zu werden) und speziell angemessen bei Patienten mit erhöhtem Risiko zur Ototoxizität.

Sobald Symptome wie Schwindel, Vertigo, Tinnitus, Ohrengeräusche, Hörverlust auftreten, ist eine Dosisanpassung oder das Absetzen von Amikin notwendig.

Während einer Behandlung mit Amikin kann es zum Wachstum von nicht empfindlichen Keimen und Pilzen kommen. Beim Auftreten einer allfälligen Superinfektion ist sofort eine geeignete Therapie einzuleiten.

Aminoglykoside (inkl. Amikacin) sind bei Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen wie Myasthenia gravis oder Parkinson mit Vorsicht anzuwenden, da sie aufgrund ihrer Eigenschaft, eine neuromuskuläre Blockade zu erzeugen, eine Muskelschwäche verstärken können. Eine Blockade kann durch Kalziumionen aufgehoben werden; evtl. ist eine mechanische Atemunterstützung notwendig.

Interaktionen

Wenn der Patient Anästhetika, Muskelrelaxantien wie Tubocurarin, Succinylcholin, Decamethonium, oder grosse Mengen mit Citrat antikoaguliertem Blut erhält, ist die Gefahr einer Atemlähmung erhöht.

Konkomittierend verabreichte Cephalosporine können zu einer Erhöhung des Serumkreatinins führen.

Amikin sollte nicht zusammen oder sequenziell mit anderen potentiell neuro- oder nephrotoxischen (sowohl systemischen als auch topischen) Produkten verwendet werden, wie z.B. Bacitracin, Cisplatin, Amphotericin B, Cefaloridin, Cephalosporin-Antibiotika, Paromomycin, Viomycin, Polymyxin B, Colistin, Vancomycin, Acyclovir oder anderen Aminoglykosiden.

Stark wirksame Diuretika wie Ethacrynsäure und Furosemid können selber Ototoxizität verursachen und sind deshalb nicht kombiniert mit Aminoglykosiden zu empfehlen.

In vitro (Injektionsspritze oder Infusion) dürfen Aminoglykoside nicht mit anderen Antibiotika gemischt werden, da sonst eine gegenseitige Inaktivierung auftritt.

In vivo führt eine Kombination von Aminoglykosiden und Antibiotika vom Typ Penicillin zu einer Reduktion der Halbwertszeit der Aminoglykoside.

Klinisch signifikant ist die Aminoglykosid-Inaktivierung nur bei Patienten mit stark eingeschränkter Nierenfunktion. Die Inaktivierung kann sich in Proben (Serum, Liquor), die für die Laboruntersuchung abgenommen werden, fortsetzen und dann die Bestimmung des Aminoglykosid-Spiegels verfälschen. Die Proben sind deshalb nach der Abnahme adäquat zu behandeln (sofortige Bestimmung, Aufbewahrung im Gefrierschrank oder Zugabe von Betalaktamase).

Es besteht ein erhöhtes Risiko für Hypokalzämie, wenn Aminoglykoside zusammen mit Bisphosphonaten verabreicht werden.

Es besteht ein erhöhtes Risiko für Nephrotoxizität und die Möglichkeit einer Ototoxizität, wenn Aminoglykoside zusammen mit Platin-Präparaten verabreicht werden.

Indomethacin erhöht möglicherweise die Plasmakonzentration von Amikacin bei Neugeborenen.

Die Koadministration von Thiaminen (Vitamin B1) kann die Zersetzung des Thiamins durch die reaktive Sulfit-Komponente von Amikacin zur Folge haben.

Schwangerschaft/Stillzeit

Aminoglykoside können die Entwicklung des Embryos/Fetus im Mutterleib beeinträchtigen. Aminoglykoside sind placentagängig. Es liegen einzelne Berichte über vollständig irreversible, beidseitige angeborene Taubheit bei Kindern vor, deren Mütter während der Schwangerschaft Streptomycin erhalten hatten. Zwar sind bei der Behandlung von Schwangeren mit anderen Aminoglykosiden keine schwerwiegenden unerwünschten Wirkungen auf den Fetus oder das Neugeborene bekannt geworden, jedoch ist eine potentielle Gefährdung nicht auszuschliessen.

Es liegen für Amikin keine Studien zur teratogenen oder embryotoxischen Wirkung vor, aber aufgrund einzelner Beobachtungen ist Organtoxizität möglich und deshalb soll von der Anwendung in der Schwangerschaft grundsätzlich abgesehen werden, es sei denn, es liege eine vitale Indikation für die Mutter vor.

Es ist nicht bekannt, ob Amikacin in die Muttermilch gelangt. Aus Gründen der Vorsicht soll während einer Amikin-Therapie das Stillen unterbrochen werden.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Entsprechende Studien wurden nicht durchgeführt. Aufgrund möglicher unerwünschter Wirkungen (siehe «Unerwünschte Wirkungen») ist Vorsicht geboten.

Unerwünschte Wirkungen

Blut und Lymphsystem

Selten: Eosinophilie, Leukopenie, Thrombozytopenie, Granulozytopenie, Anämie.

Stoffwechsel- und Ernährungsstörungen

Gelegentlich: Hypomagnesiämie.

Nervensystem

Neurotoxizität kann sich auch als Parästhesie (inkl. zirkumorale und periphere Parästhesien), Hautjucken, Muskelzucken, Tremor, Kopfschmerzen sowie Konvulsionen manifestieren.

Neuromuskuläre Blockade und respiratorische Paralyse wurden nach parenteraler Injektion, topischen Instillationen (orthopädisch, abdominal oder lokale Behandlung von Empyemen) und nach oraler Einnahme von Aminoglykosiden beobachtet. Theoretisch können aber diese Phänomene bei jeder Anwendungsart auftreten.

Augen

Gelegentlich: Nach intravitrealer Anwendung (Injektion ins Auge) traten vereinzelt Makulainfarkte, z. T. mit bleibendem Sehverlust, auf.

Ohr und Innenohr

Häufig: Eine oto-/vestibuläre Toxizität, die den N. statoacusticus (N VIII) betrifft, kann sich in Hörverlust, wobei anfänglich nur hohe Frequenzen betroffen sind, und/oder in Gleichgewichtsstörungen manifestieren. Letztere können in der Regel kompensiert werden, Hörschäden sind meist irreversibel und können auch erst nach Absetzen der Therapie auftreten.

Amikacin beeinträchtigt primär die akustische Wahrnehmung.

Herz / Gefässe

Selten:  Hypotonie, Tachykardie, Myokarditis.

Gastrointestinale Störungen

Selten:  Übelkeit, Erbrechen.

Leber und Galle

Selten:  Anstieg von Leberenzymen im Plasma (SGOT, SGPT, LDH, alkalische Phosphatase und Bilirubin), vorübergehende Hepatomegalie, Splenomegalie und hepatische Nekrosen.

Haut

Selten:  Allergische Reaktionen (z.B. Arzneimittelfieber, Urticaria, Hautausschlag).

Muskelskelettsystem

Selten:  Gelenkschmerzen.

Nieren und Harnwege

Häufig:  Eine Nephrotoxizität tritt zwar in 3 bis 8% aller Behandlungsfälle von Amikacin auf, ist aber meist reversibel. Sie manifestiert sich in einer Erhöhung des Serumkreatinins sowie in Harnausscheidung von Eiweiss, Zellen, Zylindern, Azotämie, Oligurie.

Allgemeine Störungen und Reaktionen an der Applikationsstelle

Selten:  Splenomegalie.

Schmerzen an der Injektionsstelle und Thrombophlebitis.

Postmarketing

Im Postmarketing wurde über Anaphylaxie (anaphylaktische und anaphylaktoide Reaktionen, anaphylaktischer Schock), Bronchospasmus, Hypersensitivität, Pruritus und Urtikaria berichtet. Wie mit jedem Aminoglykosid zu erwarten, wurde im Postmarketing auch mit Amikin über toxische Nephropathie und akutes Nierenversagen berichtet.

Überdosierung

Bei Überdosierung oder toxischen Reaktionen kann eine Peritoneal- oder Hämodialyse eingeleitet werden. Amikacin-Konzentrationen werden ebenfalls während einer kontinuierlichen arteriovenösen Hämofiltration gesenkt. Beim Neugeborenen sollte auch an die Möglichkeit einer Austauschtransfusion gedacht werden.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: J01GB06

Amikacin ist ein halbsynthetisches Aminoglykosid-Antibiotikum, ein Derivat von Kanamycin zur parenteralen Anwendung.

In vitro Wirkspektrum

Amikin ist in vitro wirksam gegen eine Anzahl gramnegativer und grampositiver Erreger. Minimale Hemmkonzentrationen (in μg/ml):

a)Gegen Amikacin empfindliche Keime:

KeimeMHK 75%MHK 100%

Pseudomonas aeruginosa

Providencia rettgeri

Staph. aureus

Klebsiella spez.

Enterobacter spez.

Providencia stuartii

Citrobacter spez.

Serratia spez.

Proteus vulgaris/morganii

Escherichia coli

Proteus mirabilis

0,8

1,6

1,6

1,6

1,6

3,1

3,1

3,1

3,1

6,2

6,2

12,5

1,6

3,1

6,2

6,2

3,1

6,2

6,2

6,2

12,5

12,5

MHK 50%MHK 90%
Acinetobacter2,4150,0

 Amikacin ist zum Teil auch gegen Erreger wirksam, die andere Aminoglykoside enzymatisch inaktivieren, eingeschlossen Kanamycin, Gentamycin und Tobramycin, so z.B. Proteus rettgeri, Serratia marcescens und Nocardia asteroides.

b)Gegen Amikacin unempfindliche Keime:

KeimeMHK 75%MHK 100%
Enterococci25,050,0
Neisseria gonorrhoeae25,050,0

Unempfindlich auf Amikacin sind weiterhin Haemophilus influenzae, Streptokokken generell sowie obligate und fakultative Anaerobier.

Die Empfindlichkeit auf Amikacin kann anhand standardisierter Verfahren, wie sie vom Clinical and Laboratory Standards Institute (CLSI) empfohlen werden, mit Disk- oder Verdünnungstests bestimmt werden. Dabei werden vom CLSI die folgenden Parameter als Empfindlichkeitskriterien empfohlen:

Disktest mit 30 μg Amikacin Hemmhofdurchmesser (mm)Verdünnungstest(MHK [μg/ml])

empfindlichintermediärresistent

≥1715 - 16≤14

≤1617 - 31≥32

Wirkungsmechanismus

Der Angriffspunkt der Aminoglykoside ist die 30 S-Untereinheit der Bakterienribosomen. Durch die Veränderung des genetischen Codes an der m-RNA kommt es zu einer Störung der Proteinbiosynthese (Translation). Die Wirkung gegen empfindliche gramnegative und grampositive Keime ist bakterizid.

Pharmakokinetik

Die Anwendung von Amikin kann sowohl in zwei- bis dreimal täglicher Verabreichung, aber auch als Einmalapplikation erfolgen. Sowohl die zweimal tägliche Verabreichung als auch die Einmaldosierung zeigen eine übereinstimmende, lineare Korrelation der Änderung der kinetischen Parameter und der Serumkonzentration mit der verabreichten Menge Amikacin.

Absorption

Intramuskuläre Verabreichung:  Bei intramuskulärer Injektion wird Amikacin rasch absorbiert. Nach Injektion von 250 mg (3,7 mg/kg), 375 mg (5 mg/kg) und 500 mg (7,5 mg/kg) werden nach 1 Std 12, 16 und 21 μg/ml im Serum gemessen. Nach 10 Std betragen die entsprechenden Serumspiegel 0,3, 1,2 und 2,1 μg/ml.

Intravenöse Verabreichung:  Wird Erwachsenen eine Einzeldosis von 500 mg (7,5 mg/kg) in einer Kurzinfusion von 30 Minuten gegeben, erhält man Blutspiegelwerte von 38 μg/ml am Ende der Infusion und 24 μg/ml, 18 μg/ml und 0,75 μg/ml 30 Minuten, 1 Std und 10 Std nach der Infusion.

Bei einer Kurzinfusion von 30 Minuten mit einer Einzeldosis von 1000 mg (15 mg/kg) erhält man Blutspiegelwerte von 77 μg/ml am Ende der Infusion und 47 μg/ml resp. 1 μg/ml 1 Std resp. 12 Std nach der Infusion.

Die Fläche unter der Plasmaspiegelkurve (AUC) nach Verabreichung von 15 mg/kg Amikacin liegt bei erwachsenen Patienten zwischen 137 und 193 mg h l -1.

Distribution

Das Verteilungsvolumen bei Erwachsenen umfasst 24 Liter, ungefähr 28% des Körpergewichts. Die Eiweissbindung beträgt zwischen 0 und 11%.

Nach Verabreichung der empfohlenen Dosis werden therapeutische Konzentrationen in Knochen, Herz, Gallenblase und Lungengewebe sowie signifikante Konzentrationen in Urin, Galle, Sputum, Bronchialsekret, Interstitium, Pleura- und Synovialflüssigkeit gemessen.

Amikacin erreicht, wie andere Aminoglykosid-Antibiotika, in der Regel ungenügende und vor allem nicht voraussehbare Konzentrationen in der Cerebrospinalflüssigkeit - selbst bei entzündeten Meningen.

Bei Kleinkindern betragen die Spinalflüssigkeitsspiegel ungefähr 10 - 20% der Serumkonzentration und können bei Meningitiden bis zu 50% ansteigen.

Aminoglykosid-Antibiotika durchqueren die Placentaschranke, die Serumspiegel des Fötus können 16 - 50% der mütterlichen Serumkonzentration erreichen.

Es ist nicht bekannt, ob Amikacin in die Muttermilch ausgeschieden wird. Kleine Mengen anderer Aminoglykosid-Antibiotika werden jedoch auch in der Muttermilch gefunden.

Metabolismus

Amikacin wird nicht metabolisiert.

Elimination

Amikacin wird primär durch glomeruläre Filtration ausgeschieden.

Bei normaler Nierenfunktion werden ca. 92% einer intramuskulären Dosis in den ersten 8 Std bzw. ca. 98% in 24 Std im Urin unverändert ausgeschieden (Qo = 0,02). Die Serumclearance beträgt 100 ml/min und die renale Clearancerate 94 ml/min bei normaler Nierenfunktion.

Die mittlere Eliminationshalbwertszeit von Amikacin bei gesunden Erwachsenen beträgt gut 2 h. Auch bei einer 1x täglichen Dosierung von 15 mg/kg wird die Halbwertszeit nicht verändert - hingegen kann sie sich bei kranken Erwachsenen auf 3 - 4 Std und bei sehr betagten Patienten bis auf 10 Std erhöhen.

Kinetik spezieller Patientengruppen

Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion:  Bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion oder vermindertem glomerulärem Filtrationsdruck wird Amikacin deutlich langsamer ausgeschieden. Daher muss die renale Funktion sorgfältig beobachtet werden und eventuell die Dosis angepasst werden (siehe «Spezielle Dosierungsanweisungen»).

Bei Patienten mit verminderter Nierenfunktion (Kreatininclearance <50 ml/min) sollte Amikacin nicht als Einmaldosis appliziert werden:  Aus einer Einmaldosierung von 15 mg/kg Amikacin bei Patienten mit leicht oder mittelstark verminderter Nierenfunktion resultieren Plasmakonzentrationen von 82 - 95 μg/ml. Abhängig von der Nierenfunktion werden die Eliminationskonstante, die Halbwertszeit, die AUC, die totale Plasmaclearance und die Akkumulationsrate stark verändert (siehe auch «Elimination»). D.h., dass bei Patienten mit einer Kreatininclearance <50 ml/min und vor allem bei noch stärker verminderter Nierenfunktion (Kreatininclearance <25 ml/min) die Änderungen der pharmakokinetischen Parameter stark ausgeprägt sind, so dass die Anwendung von Amikacin zu einer verlängerten Verweildauer der Substanz im Organismus führt. Dieses Problem ist dosisunabhängig und bei einer Dosisreduktion geht sogar die günstige Wirkung der hohen Blutspiegel verloren.

Ältere Patienten:  Bei älteren Patienten (mittlere Kreatininclearance von 64 ml/min) sind die Blutspiegelwerte nach einer 30minütigen Infusion von 15 mg/kg auf 55 μg/ml resp. nach 12 Std auf 5,4 μg/ml verändert. Die Fläche unter der Plasmaspiegelkurve (AUC) nach Verabreichung von 15 mg/kg Amikacin ist bei älteren Patienten bis auf  255 mg h l -1 und bei sehr betagten Patienten eventuell noch stärker erhöht.

Präklinische Daten

Es existieren keine Langzeitstudien am Tier in bezug auf Karzinogenität. Studien zur Mutagenität wurden nicht durchgeführt. Amikacin wurde an Ratten in einer bis zu 10x höheren als der täglichen Humandosis verabreicht, ohne dass die Fertilität bei Weibchen oder Männchen beeinträchtigt wurde. Fetotoxische und/oder teratogene Effekte sind aber bei Aminoglykosiden aufgetreten.

Sonstige Hinweise

Inkompatibilitäten

Amikin darf in der Infusionslösung nicht mit anderen Medikamenten gemischt werden (siehe auch «Hinweise für die Handhabung»).

Beeinflussung diagnostischer Methoden

Keine.

Haltbarkeit

Das Arzneimittel darf nur bis zu dem auf der Packung mit «EXP» bezeichneten Datum verwendet werden. Vor der Anwendung ist das Amikin-Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung auf Ausfällungen und Farbveränderungen zu kontrollieren. Hin und wieder kann sich die Lösung schwach gelb verfärben, dies hat jedoch keine Auswirkung auf die Wirksamkeit.

Besondere Lagerungshinweise

Bei Raumtemperatur (15 - 25 °C) lagern.

Hinweise für die Handhabung

Amikin wird in der Regel i.m. oder i.v. appliziert.

Zur i.v.-Injektion wird Amikin in der errechneten Dosierung in 100 oder 200 ml kompatibler Infusionslösung gegeben. Die Flüssigkeitsmenge sollte ausreichend sein, um Amikin über eine Zeitspanne von 30 oder 60 Minuten infundieren zu können. Bei pädiatrischen Patienten hängt die Flüssigkeitsmenge davon ab, wieviel der Patient verträgt. Kleinkinder sollten eine 1- bis 2stündige Infusion erhalten.

Amikin darf in der Infusionslösung nicht mit anderen Medikamenten gemischt werden.

Folgende Infusionslösungen sind mit Amikin kompatibel:

- 5% Glukose

- 5% Glukose und 0,2% NaCl

- 5% Glukose und 0,45% NaCl

- 0,9% NaCl

- Ringerlösung mit Laktat

Nach Herstellung einer Infusionslösung ist Amikin in Konzentrationen von 0,25 und 5,0 mg/ml während 24 Stunden bei Raumtemperatur (15 - 25 °C) haltbar.

Zulassungsnummer

39'805 (Swissmedic)

Zulassungsinhaberin

Bristol-Myers Squibb SA, Steinhausen.

Stand der Information

Juli 2013

Verwendung dieser Informationen

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