Adalat Inf Loes 5 Mg/50ml Amp 50 Ml

Adalat Inf Loes 5 Mg/50ml Amp 50 Ml

Fachinformationen

Zusammensetzung

Wirkstoff: Nifedipin.

Hilfsstoffe: Ethanol, Macrogol 400, Wasser für Injektionszwecke.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

1 Infusionsflasche enthält 50 ml Infusionslösung mit 5 mg Nifedipin sowie 7.5 g Ethanol und 7.5 g Macrogol 400.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

1. Zur Behandlung spontan auftretender Koronargefässspasmen (vasospastische Angina pectoris, z.B. Prinzmetal-[Variant-]Typ).

2. Zur Behandlung der akuten hypertensiven Krise.

Dosierung/Anwendung

Die Behandlung soll möglichst individuell nach dem Schweregrad der Erkrankung und der Ansprechbarkeit des Patienten unter Kontrolle von Blutdruck und Herzfrequenz durchgeführt werden.

Behandlung spontan auftretender Koronargefässspasmen (vasospastische Angina pectoris, z.B. Prinzmetal-[Variant-]Angina)

50 ml Adalat pro infusione (entsprechend 5 mg Nifedipin) in ca. 4–8 Stunden entsprechend 0.0104 mg/Minute (bei 8 Stunden Infusionszeit) bis 0.0208 mg/Minute (bei 4 Stunden Infusionszeit) infundieren. (Das entspricht 0.63 mg bis 1.25 mg Nifedipin pro Stunde oder 6.3 ml bis 12.5 ml Adalat pro infusione pro Stunde.)

Bei Koronargefässspasmen nach einem Herzinfarkt (Postinfarktstadium) sollte die Behandlung frühestens 4 Wochen nach dem akuten Ereignis bei gefestigtem (stabilisiertem) Kreislauf beginnen.

Bei akuter hypertensiver Krise

50 ml Adalat pro infusione entsprechend 5 mg Nifedipin in ca. 4–8 Stunden entsprechend 0.0104 mg/Minute (bei 8 Stunden Infusionszeit) bis 0.0208 mg/Minute (bei 4 Stunden Infusionszeit) infundieren. (Das entspricht 0.63 mg bis 1.25 mg Nifedipin pro Stunde oder 6.3 ml bis 12.5 ml Adalat pro infusione pro Stunde.)

Eine maximale Dosis von 15–30 mg/24 Stunden und eine Wiederholung bis zu 3 Tagen ist möglich, sollte jedoch nicht überschritten werden. Danach ist der Übergang auf eine orale Darreichungsform von Nifedipin zu empfehlen.

Spezielle Dosierungsanweisungen

Patienten mit leicht, mittelgradig oder stark eingeschränkter Leberfunktion sollten sorgfältig überwacht werden; gegebenenfalls kann eine Dosisreduktion notwendig sein. Die Pharmakokinetik von Nifedipin wurde bei Patienten mit stark eingeschränkter Leberfunktion nicht untersucht, daher sollte Nifedipin bei diesen Patienten mit Vorsicht angewendet werden.

Patienten mit schwerer cerebrovaskulärer Erkrankung sollten mit einer niedrigen Dosis behandelt werden.

Die Anwendung und Sicherheit von Adalat pro infusione-Lösung bei Kindern und Jugendlichen ist bisher nicht geprüft worden.

Kontraindikationen

Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder einem der Hilfsstoffe gemäss Zusammensetzung.

  • Adalat ist während der ersten 20 Wochen der Schwangerschaft sowie während der gesamten Stillzeit kontraindiziert (siehe Rubrik «Schwangerschaft/Stillzeit»).
  • Adalat darf nicht im Herz-Kreislauf-Schock angewandt werden.
  • Instabile Angina pectoris.
  • Akuter Myokardinfarkt (innerhalb der ersten 4 Wochen).
  • Nifedipin darf nicht in Kombination mit Rifampicin angewendet werden, da wegen Enzyminduktion keine ausreichenden Spiegel von Nifedipin erreicht werden.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Vorsicht bei Patienten mit sehr niedrigem Blutdruck (schwere Hypotension mit systolischem Druck unter 90 mmg Hg) in Fällen von manifester Herzinsuffizienz und bei schwerer Aortenstenose. Unter Nifedipin kann es zu einem übermässigen Blutdruckabfall kommen. Bei Behandlung der hypertensiven Krise ist besondere Vorsicht und engmaschige Kontrolle angebracht.

Adalat sollte nicht verabreicht werden, wenn ein kausaler Zusammenhang zwischen Ischämieschmerz und vormaliger Nifedipin-Therapie vermutet wird.

Aus Gründen der Vorsicht wird darauf hingewiesen, dass bei oralen Formen schnell freisetzender Nifedipin-Präparate, insbesondere bei höherer Dosierung, die Mortalität und Morbidität bei Patienten mit ischämischer Herzerkrankung erhöht war. Ebenfalls kann es bei oraler Gabe zu einer Verschlechterung der Angina pectoris kommen.

Angina pectoris-Anfälle bzw. Zunahme der Häufigkeit, Dauer und Schweregrad der Anfälle bei Patienten mit vorbestehender Angina pectoris (insbesondere zu Beginn der Behandlung) sind gelegentlich beobachtet worden.

Es sind sehr seltene Fälle von Myokardinfarkt unter Nifedipin beschrieben worden. Allerdings könnten diese Fälle auch auf die vorbestehende kardiovaskuläre Grunderkrankung zurückzuführen sein.

Patienten mit leicht, mittelgradig oder stark eingeschränkter Leberfunktion sollten sorgfältig überwacht werden; gegebenenfalls kann eine Dosisreduktion notwendig sein. Die Pharmakokinetik von Nifedipin wurde bei Patienten mit stark eingeschränkter Leberfunktion nicht untersucht (siehe «Dosierung/Anwendung» und «Pharmakokinetik/Elimination»). Daher sollte Nifedipin bei Patienten mit stark eingeschränkter Leberfunktion mit Vorsicht angewendet werden.

Nifedipin wird über CYP3A4 metabolisiert. Arzneimittel, von denen eine Hemmung oder Induktion dieses Enzymsystems bekannt ist, können daher die Absorption oder Elimination von Nifedipin hemmen.

Bei gleichzeitiger Anwendung von Nifedipin mit Inhibitoren von CYP3A4 kann eine Erhöhung der Plasmakonzentration und damit eine Wirkungsverstärkung von Nifedipin nicht ausgeschlossen werden. Betroffen sind z.B.:

  • Makrolid-Antibiotika, wie z.B. Erythromycin,
  • Protease-Inhibitoren wie z.B. Amprenavir, Indinavir, Nelfinavir, Ritonavir oder Saquinavir,
  • Antimykotika vom Azol-Typ wie z.B. Itraconazol oder Fluconazol,
  • die Antidepressiva Fluoxetin und Nefazodon,
  • Quinupristin/Dalopristin,
  • Valproinsäure,
  • Cimetidin,
  • Cisaprid.

Bei gleichzeitiger Gabe einer dieser Wirkstoffe in Kombination mit Nifedipin muss der Blutdruck überwacht werden. Eine Dosisverminderung von Nifedipin sollte in Betracht gezogen werden.

In Fällen von koronaren Vasospasmen nach Herzinfarkt (Postinfarktstadium) sollte die Behandlung frühestens 4 Wochen nach dem akuten Ereignis begonnen werden, sobald sich der Blutkreislauf stabilisiert hat.

Adalat pro infusione enthält 7.5 g Ethanol (Ethylalkohol) pro 50 ml Infusionslösung. Bei der Richtdosis von 0.63 mg–1.25 mg Nifedipin pro Stunde (6.3 ml–12.5 ml Adalat pro infusione pro Stunde) werden 0.945 g–1.875 g Ethanol appliziert.

Bei Dialysepatienten mit maligner Hypertonie und Hypovolämie ist Vorsicht geboten, da ein deutlicher Blutdruckabfall durch Vasodilatation entstehen kann.

In Einzelfällen von in-vitro-Fertilisation wurden Calciumantagonisten wie Nifedipin mit reversiblen biochemischen Veränderungen des Kopfabschnittes von Spermien in Zusammenhang gebracht, was eine eingeschränkte Spermienfunktion auslösen könnte. Bei Männern, deren in-vitro-Zeugungsfähigkeit wiederholt erfolglos geblieben ist, und dafür keine andere Erklärung gefunden werden kann, können Calciumantagonisten wie Nifedipin als mögliche Ursache in Betracht gezogen werden.

Die Anwendung und Sicherheit von Adalat pro infusione-Lösung bei Kindern und Jugendlichen ist bisher nicht geprüft worden.

Interaktionen

Substanzen, welche Nifedipin beeinflussen können

Nifedipin wird über CYP3A4 metabolisiert, das in der Mukosa des Dünndarms und in der Leber lokalisiert ist. Medikamente, von denen eine Hemmung oder Induktion dieses Enzymsystems bekannt ist, können daher (nach oraler Verabreichung) die Absorption oder Elimination von Nifedipin hemmen (siehe Rubrik «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Nifedipin wird hauptsachlich in der Leber inaktiviert. Die Metabolisierung wird deshalb im Wesentlichen durch den Pfortader Blutfluss bestimmt. Die im Folgenden aufgeführten möglichen Interaktionen, die für Nifedipin bei oraler Gabe gelten, müssen somit nicht notwendigerweise auch für die intravenöse Verabreichung zutreffen.

Rifampicin weist eine starke induzierende Wirkung auf CYP3A4 auf. Bei gleichzeitiger Gabe von Rifampicin wird die Resorption von Nifedipin deutlich reduziert und seine Wirkung damit abgeschwächt. Die Verabreichung von Nifedipin in Kombination mit Rifampicin ist daher kontraindiziert (vergleiche Abschnitt «Kontraindikationen»).

Bei gleichzeitiger Anwendung von Nifedipin und folgenden Wirkstoffen, die als Inhibitoren von CYP3A4 bekannt sind, kann eine Erhöhung der Plasmakonzentration und damit eine Wirkungsverstärkung von Nifedipin nicht ausgeschlossen werden. Bei gleichzeitiger Gabe einer dieser Präparate zusammen mit Nifedipin sollte der Blutdruck überwacht und, falls notwendig, eine Dosisreduktion von Nifedipin erwogen werden (siehe Rubrik «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»):

Makrolid-Antibiotika wie z.B. Erythromycin

Bisher liegen keine Interaktionsstudien vor. Gewisse Makrolid-Antibiotika hemmen den über CYP3A4 vermittelten Metabolismus anderer Medikamente. Daher kann die Möglichkeit einer Zunahme der Nifedipin-Plasmakonzentration bei gleichzeitiger Verabreichung dieser Substanzen nicht ausgeschlossen werden.

Azithromycin, das strukturell den Makrolid-Antibiotika sehr ähnlich ist, hemmt CYP3A4 nicht.

Protease-Inhibitoren wie z.B. Amprenavir, Indinavir, Nelfinavir, Ritonavir oder Saquinavir

Bislang wurde keine klinische Studie durchgeführt, um mögliche Interaktionen von Nifedipin mit Protease-Inhibitoren zu untersuchen. Substanzen aus dieser Klasse sind bekannt dafür, CYP3A4 zu inhibieren. Insbesondere konnte in In-vitro-Systemen gezeigt werden, dass gewisse Protease-Inhibitoren den Nifedipinabbau CYP3A4 beeinflussen. Eine substantielle Erhöhung der Nifedipin-Plasmaspiegel kann also nicht ausgeschlossen werden, weil sowohl der First-Pass-Metabolismus als auch die Elimination reduziert werden.

Antimykotika vom Azol-Typ wie z.B. Itraconazol oder Fluconazol

Eine Interaktions-Studie mit diesen Medikamenten liegt nicht vor. Vertreter dieser Substanz-Klasse sind bekannte Hemmstoffe von CYP3A4. Es kann deshalb nicht ausgeschlossen werden, dass bei gleichzeitige Verabreichung von Nifedipin mit einem Azol-Antimykotikum die Bioverfügbarkeit von Nifedipin erhöht wird, weil der First-Pass-Metabolismus reduziert ist.

Fluoxetin

Eine klinische Studie zur Untersuchung einer möglichen Interaktion von Fluoxetin mit Nifedipin wurde nicht durchgeführt. Es konnte aber gezeigt werden, dass Fluoxetin in-vitro den Nifedipin-Abbau über CYP3A4 hemmt. Deshalb kann eine Erhöhung des Plasmaspiegels von Nifedipin nicht ausgeschlossen werden, wenn beide Medikamente gleichzeitig eingenommen werden.

Nefazodon

Eine klinische Studie zur Untersuchung einer möglichen Interaktion von Nefazodon mit Nifedipin wurde nicht durchgeführt. Es ist bekannt, dass Nefazodon den Metabolismus anderer Wirkstoffe hemmt, die über CYP3A4 abgebaut werden. Deshalb kann eine Erhöhung des Plasmaspiegels von Nifedipin nicht ausgeschlossen werden, wenn beide Medikamente gleichzeitig eingenommen werden.

Quinupristin/Dalfopristin

Die gleichzeitige Gabe von Quinupristin/Dalfopristin und Nifedipin kann zu erhöhten Nifedipin Plasmaspiegeln führen.

Valproinsäure

Es wurden keine Studien durchgeführt, um eine mögliche Wechselwirkung zwischen Nifedipin und Valproinsäure zu untersuchen. Da gezeigt wurde, dass Valproinsäure die Plasmakonzentrationen des strukturverwandten Ca-Antagonisten Nimodipin aufgrund einer Enzymhemmung erhöhen, kann eine Erhöhung des Nifedipinplasmaspiegels und damit eine Verstärkung der Wirkung nicht ausgeschlossen werden.

Cimetidin

Aufgrund der Hemmung von CYP3A4 erhöht Cimetidin die Plasmaspiegel von Nifedipin und damit möglicherweise den blutdrucksenkenden Effekt.

Cisaprid

Cisaprid erhöht möglicherweise die Plasmaspiegel von Nifedipin und damit den blutdrucksenkenden Effekt.

Bei gleichzeitiger Anwendung von Phenytoin und Nifedipin wird die Bioverfügbarkeit von Nifedipin vermindert und so seine Wirksamkeit geschwächt. Wenn beide Präparate gleichzeitig angewendet werden, sollte die klinische Reaktion auf Nifedipin beobachtet und gegebenenfalls eine Steigerung der Nifedipin-Dosis erwogen werden. Eine Dosisanpassung nach Beendigung der Phenytoin-Therapie kann erforderlich sein.

Nach Erfahrungen mit dem Calciumantagonisten Nimodipin kann nicht ausgeschlossen werden, dass die gleichzeitige Anwendung von Carbamazepin oder Phenobarbital aufgrund deren enzyminduzierender Wirkung zu verringerten Plasmakonzentrationen und damit zu einer abgeschwächten Wirkung von Nifedipin führen kann.

Diltiazem vermindert die Nifedipin-Clearance. Die Kombination beider Substanzen sollte mit Vorsicht verabreicht und eine Verminderung der Nifedipin-Dosis kann in Betracht gezogen werden.

Substanzen, welche durch Nifedipin beeinflusst werden können

Der blutdrucksenkende Effekt von Nifedipin kann durch die gleichzeitige Gabe weiterer Antihypertonika sowie durch trizyklische Antidepressiva verstärkt werden.

Wenn Nifedipin gleichzeitig mit Beta-Rezeptoren-Blockern verabreicht wird, sollte der Patient sorgfältig überwacht werden, da es zu einer stärkeren Blutdrucksenkung kommen kann. Gelegentlich wurde über die Ausbildung oder der Verschlechterung einer Herzinsuffizienz berichtet. Nach Absetzen von Betablockern kam es gelegentlich durch Nifedipin zu einer Verschlimmerung der Angina pectoris-Symptomatik, die durch den plötzlichen Entzug des Betablockers bedingt war. Daher wird von einem abrupten Übergang von Betablockern auf Nifedipin abgeraten.

Nifedipin kann eine Erhöhung der Plasmaspiegel von Digoxin und Theophyllin bewirken, so dass die Kontrolle letzterer empfohlen wird.

Bei gleichzeitiger Behandlung mit Chinidin wurden erniedrigte Chinidin-Plasmaspiegel bzw. nach Absetzen von Nifedipin ein deutlicher Anstieg des Chinidin-Plasmaspiegels beobachtet. Wenn daher Nifedipin zusätzlich verabreicht oder abgesetzt wird, wird die Kontrolle des Chinidinspiegels, und falls erforderlich, eine Anpassung der Chinidindosis empfohlen.

Die gleichzeitige Anwendung von Tacrolimus und Nifedipin kann zu erhöhten Tacrolimus-Plasmaspiegeln führen, so dass die Tacrolimus-Dosis im Einzelfall reduziert werden sollte. Eine regelmässige Plasmaspiegelkontrolle von Tacrolimus wird empfohlen.

Nifedipin vermindert die Ausscheidung von Vincristin, wodurch die Nebenwirkungen von Vincristin zunehmen können. Eine Dosisverminderung von Vincristin sollte daher in Betracht gezogen werden.

Bei gleichzeitiger Gabe von Cephalosporinen und Nifedipin wurden erhöhte Cephalosporin-Plasmaspiegel beobachtet.

Interaktionen mit Lebensmitteln

Grapefruitsaft hemmt den oxidativen Abbau von Nifedipin, sodass bei Einnahme mit Grapefruitsaft erhöhte Nifedipinspiegel auftreten können. Als Folge kann die blutdrucksenkende Wirkung verstärkt sein. Bei regelmässigem Konsum von Grapefruitsaft kann dieser Effekt bis zu drei Tagen nach der letzten Einnahme andauern. Adalat soll daher nicht mit Grapefruitsaft eingenommen werden.

Andere Interaktionen

Bei Kombination mit Nitraten verstärken sich die Wirkungen auf Blutdruck und Herzfrequenz.

Durch den als Lösungsmittel verwendeten Alkohol sind Interaktionen mit alkoholunverträglichen Arzneimitteln zu beachten.

Nifedipin sollte nicht in Kombination mit Magnesiumsulfat i.v. verabreicht werden, da es zu einer neuromuskulären Blockade kommen kann (s. auch Rubrik «Schwangerschaft/Stillzeit»).

Da Nifedipin eine Gingivahyperplasie bewirken kann, ist es ratsam, Patienten, die während einer Ciclosporin-Therapie eine Gingivahypertrophie entwickeln, Nifedipin nicht zu verabreichen.

Substanzen, welche keinen Einfluss auf Nifedipin gezeigt haben

Die Kombination von Nifedipin mit folgenden Wirkstoffen verändert die pharmakokinetischen Eigenschaften von Nifedipin nicht:

  • Benazepril, Candesartan Cilexetil, Debrisoquin, Doxazosin, Irbesartan, Triamteren/Hydrochlorothiazid, Talinolol,
  • Ajmalin,
  • Aspirin,
  • Omeprazol, Pantoprazol, Ranitidin,
  • Orlistat,
  • Rosiglitazone.

Eine Unverträglichkeit mit einem Kontrastmittel ist bisher nicht bekannt geworden.

Schwangerschaft/Stillzeit

Schwangerschaft

Es existieren keine kontrollierten Humanstudien während der Schwangerschaft. Tierstudien haben bei Föten Missbildungen induziert. Aus den vorliegenden klinischen Daten lässt sich kein spezifisches pränatales Risiko ableiten. Zwar wurde über eine Zunahme von Fällen von perinataler Asphyxie, Entbindungen per Kaiserschnitt, Frühgeburten oder verlangsamtem Wachstum des Fötus in Zusammenhang mit Nifedipin berichtet. Es ist aber unklar, ob diese Effekte auf eine vorbestehende Grunderkrankung bzw. ihrer Behandlung zurückzuführen sind oder substanzspezifisch für Nifedipin sind.

Die vorliegenden Daten reichen nicht aus, um eine unerwünschte Wirkung auf das un- bzw. neugeborene Kind auszuschliessen.

Adalat pro infusione darf deshalb

  • während der ersten 20 Wochen der Schwangerschaft nicht angewendet werden;
  • ab der 20. Schwangerschaftswoche dann angewendet werden, wenn es klar notwendig ist, d.h., nach sorgfältiger Abwägung des individuellen Nutzen-Risiko-Verhältnisses, falls andere Therapieoptionen entweder nicht indiziert sind oder versagt haben (siehe Rubrik «Kontraindikationen»).

Im Falle einer Anwendung von Nifedipin während der Schwangerschaft ist eine Überwachung des Blutdruckes unerlässlich, da eine übermässige Reduktion des Blutdrucks unerwünschte Folgen für Mutter und Fötus haben könnte. Dies gilt in besonderem Masse bei gleichzeitiger Gabe von Magnesiumsulphat (s. auch Rubrik «Interaktionen»).

Stillperiode

Nifedipin geht in die Muttermilch über. Ob eine medikamentbedingte (pharmakologische) Wirkung beim Säugling auftreten kann, ist bisher nicht bekannt. Aus diesem Grunde darf Adalat pro infusione bei stillenden Müttern nicht eingesetzt werden (siehe Rubrik «Kontraindikationen»).

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Adalat pro infusione wird ausschliesslich bei stationären Patienten eingesetzt, eine eventuell auftretende Beeinträchtigung der Fahrtüchtigkeit oder der Fähigkeit, gefährliche Maschinen zu bedienen, ist in der Praxis nicht von Belang.

Unerwünschte Wirkungen

Folgende unerwünschte Wirkungen wurden nach Gabe von Adalat bei Patienten in placebo-kontrollierten Doppelblindstudien (Stand per 22. Februar 2006: 2661 Patienten unter Nifedipin und 1486 unter Placebo sowie die Patienten der ACTION-Studie: 3825 unter Nifedipin und 3840 unter Placebo) beobachtet. Bei den «häufigen» unerwünschten Wirkungen lag die Häufigkeit stets unter 3%, mit Ausnahme von Ödemen (9.9%) und Kopfschmerzen (3.9%).

Die Häufigkeiten sind dabei definiert als häufig (≥1/100 bis <1/10); gelegentlich (≥1/1'000 bis <1/100); selten (≥1/10'000 bis <1/1'000); nicht bekannt (basierend überwiegend auf Spontanmeldungen aus der Marktüberwachung, genaue Häufigkeit kann nicht abgeschätzt werden):

Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems

Selten: Anaemia.

Häufigkeit nicht bekannt: Agranulozytose, Leukopenie.

Erkrankungen des Immunsystems

Gelegentlich: Allergische Reaktionen, allergische Ödeme/Angioödeme (inklusive potenziell lebensbedrohliche Angioödeme im Kehlkopfbereich).

Selten: Pruritus, Urtikaria, Rash.

Häufigkeit nicht bekannt: Anaphylaktische/anaphylaktoide Reaktionen.

Psychiatrische Erkrankungen

Gelegentlich: Angstzustände, Schlafstörungen.

Stoffwechsel- und Ernährungsstörungen

Häufigkeit nicht bekannt: Hyperglykämie.

Erkrankungen des Nervensystems

Häufig: Kopfschmerzen.

Gelegentlich: Nervosität, Schwindel, Migräne, Benommenheit, Tremor.

Selten: Parästhesie, Dysästhesie.

Häufigkeit nicht bekannt: Hypoästhesie, Somnolenz.

Augenerkrankungen

Gelegentlich: Sehstörungen.

Häufigkeit nicht bekannt: Augenschmerzen.

Herzerkrankungen

Gelegentlich: Tachykardie, Palpitationen.

Häufigkeit nicht bekannt: Angina pectoris-Anfälle (bzw. Zunahme der Häufigkeit, Dauer und Schweregrad der Anfälle bei Patienten mit vorbestehender Angina pectoris insbesondere bei Beginn der Behandlung).

Gefässerkrankungen

Häufig: Ödeme, Vasodilatation.

Gelegentlich: Hypotonie, Synkope.

Erkrankungen der Atemwege, des Brustraums und Mediastinums

Gelegentlich: Brustschmerzen, Epistaxis, nasale Kongestion.

Selten: Retrosternale Schmerzen.

Häufigkeit nicht bekannt: Dyspnoe.

Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts

Häufig: Obstipation.

Gelegentlich: Unterleibsschmerzen, Übelkeit, Dyspepsie, Flatulenz, Mundtrockenheit.

Selten: Gingivahyperplasie.

Häufigkeit nicht bekannt: Erbrechen, Sphincterinsuffizienz.

Erkrankungen der Leber- und Gallenerkrankungen

Gelegentlich: Transienter Anstieg der Leberenzymwerte.

Häufigkeit nicht bekannt: Ikterus.

Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes

Gelegentlich: Erythem.

Häufigkeit nicht bekannt: Toxisch-epidermale Nekrolyse, Photosensitivität, allergische Reaktionen, palpable Purpurea.

Skelettmuskulatur-, Bindegewebs- und Knochenerkrankungen

Gelegentlich: Muskelkrämpfe, Gelenkschwellungen.

Häufigkeit nicht bekannt: Arthralgien, Myalgien.

Erkrankungen der Niere und Harnwege

Gelegentlich: Nykturie, Polyurie, Dysurie, vorübergehende Verschlechterung der Nierenfunktion.

Erkrankungen der Geschlechtsorgane und der Brustdrüse

Gelegentlich: Erektile Dysfunktion.

Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am Verabreichungsort

Häufig: Asthenie, Unwohlsein.

Gelegentlich: Unspezifische Schmerzen, Schüttelfrost.

Bei Anwendung von Adalat pro Infusione: Reaktionen/Thrombophlebitis an der Venenpunktionsstelle.

Überdosierung

Symptome

Die akute Überdosierung kann gekennzeichnet sein durch: Bewusstseinsstörungen bis zum Koma, Blutdruckabfall, periphere Pulslosigkeit, tachykarde/bradykarde Herzrhythmusstörungen, Hyperglykämie, metabolische Azidose, Hypoxie, kardiogener Schock mit Lungenödem.

Massnahmen

Eine Hämodialyse ist nicht sinnvoll, da Nifedipin nicht dialysierbar ist, doch kann eine Plasmapherese in Erwägung gezogen werden (hohe Proteinbindung, relativ kleines Verteilvolumen).

Bradykarde Herzrhythmusstörungen können symptomatisch mit Betasympathomimetika behandelt werden, und bei lebensbedrohlichen bradykarden Störungen kann ein zeitweiser Einsatz eines Herzschrittmachers erwogen werden.

Die Hypotonie als Folge von kardiogenem Schock und arterieller Vasodilatation wird mit Calcium (1–2 g Calciumgluconat intravenös), Dopamin (bis 25 µg je kg Körpergewicht je Minute), Dobutamin (bis 15 µg je kg Körpergewicht je Minute), Epinephrin bzw. Norepinephrin behandelt. Die Dosierung dieser Medikamente orientiert sich allein an der erzielten Wirkung. Der Serum-Calciumspiegel sollte hochnormal bis leicht erhöht gehalten werden. Die zusätzliche Flüssigkeits- oder Volumenzufuhr sollte wegen der drohenden kardialen Überlastung unter hämodynamischer Kontrolle zurückhaltend erfolgen.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: C08CA05

Wirkmechanismus

Nifedipin, der Wirkstoff von Adalat pro infusione, ist ein Calciumantagonist vom 1,4-Dihydropyridin-Typ.

Calciumantagonisten hemmen den Calciumionen-Einstrom durch den langsamen Calciumkanal in der Zelle. Nifedipin wirkt vor allem an den glatten Muskelzellen der Koronararterien und an den peripheren Widerstandsgefässen. Dieser Effekt hat eine Vasodilatation zur Folge. In therapeutischen Dosen hat Nifedipin praktisch keine direkte Wirkung auf das Myokard. Am Herzen erweitert Nifedipin vor allem die grossen Koronararterien durch Erniedrigung des Muskeltonus, wodurch die Durchblutung verbessert werden kann.

Der periphere Widerstand wird gesenkt. Zu Beginn der Behandlung mit dem Calciumantagonisten kann es reflektorisch zu einer Zunahme der Herzfrequenz und des Herzminutenvolumens kommen. Diese Zunahme ist jedoch nicht ausgeprägt genug, um die Vasodilatation zu kompensieren. Bei Langzeitbehandlung mit Nifedipin kehrt das anfangs erhöhte Herzminutenvolumen wieder auf den Ausgangswert zurück. Eine besonders deutliche Blutdruckabnahme nach Nifedipin ist beim Hypertoniker zu beobachten.

Die Wirkung setzt unmittelbar nach Beginn der i.v. Gabe von Nifedipin ein und hält über die gesamte Infusionsdauer an.

Pharmakokinetik

Die Halbwertszeit für Nifedipin beträgt nach intravenöser Applikation ca. 1.7 Stunden. Das Verteilungsvolumen der intravenös applizierten Substanz liegt zwischen 0.6 und 1.2 l/kg KG. Die Proteinbindung von Nifedipin beträgt 95%. Die Metabolisierung von Nifedipin im Körper erfolgt fast vollständig.

Bei der Elimination findet man weniger als 0.1% der Dosis in unveränderter Form im Urin wieder.

In einer Studie, in der die Pharmakokinetik von Nifedipin bei Patienten mit leicht (Child-Pugh A) oder mittelgradig (Child-Pugh B) eingeschränkter Leberfunktion mit derjenigen bei Patienten mit normaler Leberfunktion verglichen wurde, war die Clearance von oral verabreichtem Nifedipin um durchschnittlich 48% (Child-Pugh A) und 72% (Child-Pugh B) vermindert. Infolge dessen stiegen AUC und Cmax von Nifedipin im Vergleich zu den Patienten mit normaler Leberfunktion durchschnittlich um 93% und 64% (Child-Pugh A) bzw. um 253% und 171% (Child-Pugh B) an. Die Pharmakokinetik von Nifedipin wurde bei Patienten mit stark eingeschränkter Leberfunktion nicht untersucht (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Die Metaboliten sind bekannt und pharmakologisch unwirksam. 85–95% einer Dosis werden als Metaboliten renal und der Rest ebenfalls als Metaboliten mit den Fäzes eliminiert.

Präklinische Daten

Akute Toxizität

Die akute Toxizität wurde an verschiedenen Tierarten untersucht. Es zeigte sich keine besondere Empfindlichkeit.

Chronische Toxizität

Untersuchungen an Ratten und Hunden zeigten keine besondere toxische Wirkung von Nifedipin.

Mutagenes und tumorerzeugendes Potential

In-vivo- und In-vitro-Untersuchungen zur Mutagenität verliefen durchweg negativ, so dass eine mutagene Wirkung im Menschen hinreichend ausgeschlossen werden kann.

Eine Langzeituntersuchung (2 Jahre) an der Ratte ergab keine Hinweise auf tumorerzeugende Effekte von Nifedipin.

Reproduktionstoxizität

Experimentelle Studien, die mit drei Tierspezies (Ratte, Kaninchen, Maus) durchgeführt wurden, haben Hinweise auf teratogene Effekte (digitale Anomalien, Fehlbildungen der Extremitäten, Gaumenspalten, kardiovaskuläre Anomalien) ergeben.

Die digitalen Anomalien sind möglicherweise auf die eingeschränkte uterine Durchblutung zurückzuführen; sie traten aber auch bei Tieren auf, die Nifedipin nur nach der Organogenese erhalten hatten.

Infolge der Nifedipingabe traten verschiedene embryotoxische, plazentotoxische und fetotoxische Effekte auf, einschliesslich verkrüppelter Feten bei Ratten, Mäusen und Kaninchen, kleiner Plazenten und unterentwickelter Chorionzotten bei Affen, Absterben von Embryonen und Feten bei Ratten, Mäusen und Kaninchen sowie verlängerter Trächtigkeiten und verringerter Überlebensraten bei neugeborenen Ratten (andere Tierarten wurden hierauf nicht untersucht). Alle Dosen, die in experimentellen Untersuchungen teratogene, embryotoxische und fetotoxische Effekte zur Folge hatten, wirkten auch toxisch auf die Muttertiere.

Sonstige Hinweise

Adalat pro infusione enthält 7.5 g Ethanol (Ethylalkohol) pro 50 ml Infusionslösung. Bei der Richtdosis von 0.63 mg–1.25 mg Nifedipin pro Stunde (6.3 ml–12.5 ml Adalat pro infusione pro Stunde) werden 0.945 g–1.875 g Ethanol appliziert.

Beeinflussung diagnostischer Methoden

Nifedipin kann falsch erhöhte spektrophotometrisch gemessene Werte von Vanillinmandelsäure im Urin verursachen. Die Messung mit HPLC bleibt aber unbeeinflusst.

Haltbarkeit

Das Arzneimittel darf nur bis zu dem auf dem Behälter mit «EXP» bezeichnetem Datum verwendet werden.

Inkompatibilitäten

Adalat pro infusione ist mit den folgenden in der Klinik gebräuchlichen Infusionslösungen bei Raumtemperatur kompatibel:

  • isotonische Kochsalzlösung,
  • 5%ige Fruktoselösung,
  • 5%ige Glukoselösung.

Bei Verwendung des vorgeschriebenen Infusionszubehörs ist praktisch kein Verlust von Nifedipin durch das Schlauchmaterial zu erwarten. Das Fertiginfusionsbesteck gewährleistet durch die beigefügte original Perfusor®-Spritze aus Polypropylen sowie die Infusionsleitung aus Polyethylen (Länge 150 cm) eine exakte Dosierung.

Besondere Lagerungshinweise

Bei Raumtemperatur (15–25 °C) lagern.

Vor Licht schützen! Die Angabe des Verfalldatums gilt nur für die ungeöffnete Originalpackung, weil das Präparat sehr lichtempfindlich ist. Die Flasche sollte erst kurz vor Gebrauch aus der Faltschachtel entnommen werden. Die braun eingefärbte Flasche in Kombination mit ihrer gelben Umhüllung gibt ausreichenden Lichtschutz für 1 Stunde.

Hinweis für die Handhabung

Die gebrauchsfertige Lösung Adalat pro infusione ist in der gelb eingefassten Flasche lichtgeschützt (vgl.: «Haltbarkeit») und muss mit der schwarzen Perfusor-Spritze oder Injectomat® über das beiliegende schwarze Schlauchsystem appliziert werden.

Falls die Lösung separat im Kühlschrank gelagert wurde, sollte sie vor der intravenösen Infusion mindestens Raumtemperatur erreicht haben.

Es muss ausgeschlossen bleiben, dass bei Herstellung einer Mischinfusion im Nebenschluss/Bypass der Lichtschutz vernachlässigt wird, d.h. Adalat pro infusione darf ausschliesslich einer bereits laufenden Infusion im Nebenschluss zugesetzt werden, und zwar möglichst nahe der Venenpunktionsstelle. Adalat pro infusione darf aber keinesfalls in die Infusionsflasche selbst eingespritzt werden.

Beim Einsatz der Perfusor-Spritze oder Injectomat wird wie folgt verfahren (Abbildungen siehe Packungsbeilage):

  • Schwarze original Perfusor-Spritze aufziehen. Hierbei durch mehrmaliges Pumpen den Inhalt der Flasche unter Druck setzen.
  • Kanüle entfernen und schwarze Infusionsleitung an der Spritze befestigen. Spritze und Leitung entlüften!
  • Aufgezogene Spritze in den Perfusor (3a) oder in den Injectomat (3b) legen und die Infusionsgeschwindigkeit einstellen.
  • Schwarze Infusionsleitung und Infusionskanüle miteinander verbinden. Perfusor oder Injectomat einschalten. Bitte die Bedienungsanleitung für den Perfusor oder Injectomat beachten!

Zulassungsnummer

47528 (Swissmedic).

Zulassungsinhaberin

Bayer (Schweiz) AG, 8045 Zürich.

Stand der Information

September 2016.

Verwendung dieser Informationen

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