Heparin Bichsel 5000 Ie/ml Steril 100 Amp 1 Ml

Fachinformationen

Zusammensetzung

Wirkstoff: Heparin-Natrium.

Hilfsstoffe: Wasser für Injektionszwecke.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

1 Ampulle à 1 ml (1’000 I.E./ml) enthält 1’000 I.E. Heparin-Natrium.

1 Durchstechflasche à 20 ml (1’000 I.E./ml) enthält 20’000 I.E. Heparin-Natrium.

1 Ampulle à 1 ml (5’000 I.E./ml) enthält 5’000 I.E. Heparin-Natrium.

1 Ampulle à 5 ml (5’000 I.E./ml) enthält 25’000 I.E. Heparin-Natrium.

1 Durchstechflasche à 20 ml (5’000 I.E./ml) enthält 100’000 I.E. Heparin-Natrium.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Therapie und Prophylaxe thromboembolischer Krankheiten aller Ätiologien und Lokalisationen sowie im Anschluss an eine thrombolytische Therapie, zum Beispiel mit Streptokinase; bei disseminierter intravasaler Gerinnung; bei Herzinfarkt; Heparinisierung des Blutes bei extrakorporalem Kreislauf und der Hämodialyse.

Dosierung/Anwendung

Die Dosierung von Heparin ist in jedem Fall den vorliegenden Verhältnissen (Art und Verlauf der Krankheit, Körpergewicht und Alter des Patienten, Nebenerscheinungen etc.) anzupassen, und sie erfolgt entweder entsprechend den Ergebnissen von Gerinnungsanalysen (Thrombinzeit, partielle Thromboplastinzeit, aktivierte partielle Thromboplastinzeit), die im Fall von Einzelinjektionen i.v. oder s.c. auch das Festlegen des Zeitpunktes der nächsten Heparingabe ermöglichen, oder sie erfolgt rein schematisch. Klinisch ergibt sich für Heparin eine weite Dosierungsspanne, die von der jeweiligen Indikation abhängt.

Wichtig ist eine ausreichende Dosierung, die den thrombotischen Prozess stoppt und die Gefahr einer tödlichen Embolie verhindert.

Prophylaxe thromboembolischer Erkrankungen

In der Inneren Medizin wird mit einer Prophylaxe begonnen, sobald der Patient einem erhöhten Thromboserisiko ausgesetzt ist, beispielsweise bei längerer Bettlägerigkeit. In der Chirurgie sollte die Prophylaxe zwei Stunden vor dem Eingriff beginnen.

Erwachsene

Die Dosierung beträgt üblicherweise 5’000 I.E. als subcutane Injektion. Anschliessend wird diese Dosierung während mindestens 7 Tagen alle 12 Stunden wiederholt, auf jeden Fall aber bis der Patient wieder voll mobilisiert ist.

Die Applikation empfiehlt sich unter Anwendung einer feinen Injektionsnadel senkrecht in eine hochgehobene Falte der Bauchhaut oder an der Vorderseite des Oberarms.

Behandlung thromboembolischer Erkrankungen

Erwachsene

Infusion (Methode der Wahl): Injektion einer Initialdosis von 5’000–10’000 I.E., anschliessend Infusion von 20’000 bis 30’000 I.E. pro Tag mittels Perfusor.

Intravenöse Injektion mit Intervallen: Die übliche Tagesdosis beträgt 40’000–50’000 I.E. und wird auf vier bis sechs Injektionen verteilt.

s.c.: 15’000 I.E. alle 12 Stunden.

Kinder und untergewichtige Erwachsene

i.v.: Initialdosis 50 I.E./kg als Bolus i.v., anschliessend Dauerinfusion mit 20 I.E./kg KG/h mittels Perfusor.

s.c.: 250 I.E./kg KG alle 12 Stunden.

Die Erhaltungsdosen sind den Ergebnissen der regelmässigen Gerinnungsanalysen anzupassen.

Extrakorporaler Kreislauf

Das Blut des Patienten wird mit 150–300 I.E. Heparin pro kg Körpergewicht und entsprechend exakten Gerinnungsbestimmungen heparinisiert, die einzelne Blutkonserve mit 1’500–2’000 I.E. Heparin pro 500 ml.

Dialyse

Die Dosierung von Heparin richtet sich nach dem Resultat der Gerinnungsbestimmungen, da die Blutgerinnung bei diesen Patienten oft gestört ist.

Alle angegebenen Dosierungen sind eine Empfehlung und müssen den vorliegenden Gegebenheiten angepasst werden, damit das therapeutische Ziel erreicht wird. Prophylaxe und Therapie werden solange fortgesetzt, bis eine Thrombosegefahr beseitigt ist. Danach erfolgt die Umstellung auf orale Antikoagulantien.

Ausführung der s.c. Injektion

Am Unterbauch (links oder rechts der Mittellinie, seitlich) mit 2 Fingern eine Hautfalte anheben (nicht drücken), dann Injektionsnadel senkrecht zur Hautfalte etwa 1 cm tief einstechen, aspirieren und langsam injizieren.

An Extremitäten (Vorderseite von Oberarm oder Oberschenkel): Die Injektionsnadel in flachem Winkel etwa einen halben Zentimeter tief einstechen und langsam injizieren. Bei Auftreten starker Schmerzen ist es möglich, dass ein Hautnerv, eventuell ein Gefäss getroffen wurde. In solchen Fällen wird die s.c. Injektion an anderer Stelle durchgeführt. Zur Vermeidung lokaler Hämatome soll die Nadel wieder im gleichen Winkel herausgezogen und die Injektionsstelle nur leicht abgetupft werden.

Bei Patienten mit Störungen der Blutgerinnung oder der Funktion von Leber oder Nieren sollte die Behandlung mit Heparin «Bichsel» durch Gerinnungsbestimmungen gesteuert werden.

Kontraindikationen

Überempfindlichkeit gegen Heparin, zerebrale Blutungen, Thrombozytopenie, hämorrhagische Diathese, manifeste Hypertonie, schwere Leber- und Niereninsuffizienz, ulzeröse Erkrankungen des Verdauungstraktes, subakute bakterielle Endokarditis, nach Eingriffen an Auge, Gehirn und Rückenmark, Abortus imminens.

Menstruationsblutungen sind keine Kontraindikationen.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Als allgemeine Regel gilt, dass bei Patienten mit einem erhöhten Blutungsrisiko Heparin mit grosser Vorsicht verabreicht werden sollte. So sollten zur Vermeidung von Blutungen während einer Heparintherapie zusätzliche i.m. Injektionen nicht verabreicht werden. Gegen die i.v. oder s.c. Applikationen anderer Medikamente bestehen keine Bedenken.

Vorsicht ist geboten bei Nierenerkrankungen und Hepatopathie in der Schwangerschaft sowie nach Eingriffen an Prostata, Leber und Gallenwegen.

Bei Patienten, die unter Heparin klinisch relevante Thrombozytopenien mit eventuell zusätzlicher paradoxer Neigung zu arteriellen Thrombosen entwickeln (bzw. entwickelten), dürfen konventionelle und niedermolekulare Heparine nur nach negativem In-vitro-Thrombozytenaggregationstest verabreicht werden. Bei einem positiven Ergebnis ist Heparin Bichsel Injektionslösung kontraindiziert. Es wurden mehrere Fälle beschrieben, in denen mit Danaparoid bei positivem Aggregationstest auf andere fraktionierte Heparine erfolgreich behandelt wurde.

Interaktionen

Die gleichzeitige Verabreichung anderer auf die Koagulation einwirkender Substanzen (acetylierte Salicylate, nicht-steroidale Entzündungshemmer, orale Antikoagulantien, Vitamin-K-Antagonisten, Dipyridamol, Dextrane, Kortikosteroide, Dihydroergotamin) kann eine gegenseitige Potenzierung bewirken.

Antihistaminika, Digitalispräparate, Tetracycline und intravenös verabreichtes Nitroglyzerin können die antikoagulierende Wirkung von Heparin beeinträchtigen.

Die Heparinwirkung wird durch die i.v. Injektion von Protamin rasch aufgehoben.

Schwangerschaft/Stillzeit

Es liegen keine klinischen Daten mit Anwendung bei Schwangeren vor. Es liegen keine hinreichenden tierexperimentellen Studien zur Auswirkung auf Schwangerschaft, Embryonalentwicklung, Entwicklung des Föten und/oder die postnatale Entwicklung vor. Während der Schwangerschaft darf Heparin «Bichsel» deshalb nicht verabreicht werden, es sei denn, es sei dies unbedingt erforderlich. Es bestehen Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für Früh- und Totgeburten unter Behandlung mit Antikoagulantien während der Schwangerschaft. Zudem ist bei Schwangeren mit Leberinsuffizienz und erhöhter Empfindlichkeit gegen Heparin erhöhte Vorsicht geboten. Wegen der Blutungsgefahr sollte Heparin vor dem Geburtstermin rechtzeitig abgesetzt werden.

Heparin tritt nicht in die Muttermilch über und es besteht kein Hinweis für ein erhöhtes Risiko während der Stillzeit.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Es wurden keine entsprechende Studien durchgeführt.

Unerwünschte Wirkungen

Blut und Lymphsystem

Transitorische geringgradige Verminderungen der Thrombozytenzahl ohne Auswirkungen auf die Hämostase werden gelegentlich beobachtet. In seltenen Fällen ereignen sich nach 1–3 Wochen klinisch relevante Thrombopenien mit einer paradoxen Neigung zu folgenden schweren arteriellen Thrombosen. Bei einem solchen Zwischenfall muss die Heparintherapie sofort abgebrochen werden. Gegebenenfalls ist eine Thrombolyse im Betracht zu ziehen.

Immunsystem

Vereinzelt werden unter Heparinbehandlung Überempfindlichkeitsreaktionen wie Erytheme, Bronchialasthma, Arzneimittelfieber, Gefässkrämpfe und Kollaps beobachtet.

Bei Verdacht auf Überempfindlichkeit gegen Heparin kann probeweise eine kleine Menge Heparin unmittelbar vor der ersten Dosis langsam verabreicht werden.

Endokrine Störungen

Bei Patienten mit Diabetes kann eine Hyperkaliämie auftreten.

Gefässe

Vereinzelt können Gefässkrämpfe und Kollaps infolge einer Überempfindlichkeitsreaktion auftreten.

Atmungsorgane

Vereinzelt wird Bronchialasthma infolge einer Überempfindlichkeitsreaktion beobachtet.

Leber und Galle

In seltenen Fällen kann ein vorübergehender Anstieg der Transaminasen erfolgen.

Haut

Gelegentlich Blutungen (siehe Reaktionen an der Applikationsstelle).

Vereinzelt können Erytheme infolge einer Überempfindlichkeitsreaktion auftreten.

In seltenen Fällen kann Haarausfall auftreten, der reversibel ist und nach Absetzen des Präparates verschwindet.

Muskelskelettsystem

Eine Langzeitbehandlung mit Heparin kann eine Osteoporose begünstigen, vor allem, wenn gleichzeitig Kortikosteroide verabreicht werden.

Nieren und Harnwege

Bei Patienten mit Niereninsuffizienz kann eine Hyperkaliämie auftreten.

Reproduktionssystem

In sehr seltenen Fällen wurde in Verbindung mit einer Heparinbehandlung über Priapismus berichtet.

Reaktionen an der Applikationsstelle

Gelegentlich werden Blutungen (Hämaturie, Hämatome in der Unterhaut an Druckstellen und um Stichkanäle von i.m. Injektionen) beobachtet, meist infolge Überdosierung (siehe «Überdosierung»). Je nach Ausdehnung können in Einzelfällen Schäden zurückbleiben. Vor jeder Verabreichung von Heparin «Bichsel» ist deshalb der Patient sorgfältig auf Blutungen im Operationsgebiet, im Nierenlager, aus Stichkanälen von Injektionen sowie auf Hämatome an Druckstellen (Gesäss, Rücken) zu untersuchen.

Unbedeutende Blutungen zwingen nicht zur Unterbrechung der Heparinbehandlung, allenfalls ist eine Herabsetzung der Dosis zu erwägen. Bei ernsteren Blutungen empfiehlt es sich, die Heparinzufuhr zu unterbrechen und das Abklingen des Präparates abzuwarten. Bei bedrohlichen Fällen ist die Behandlung abzubrechen und das im Organismus befindliche Heparin durch Injektion von Protamin zu inaktivieren (siehe «Überdosierung»).

Überdosierung

Überdosierung von Heparin führt zu verstärkter Hypokoagulabilität und zu erhöhter Blutungsgefahr. Wie oben erwähnt, sind Dosisreduktion und Unterbrechung der Heparinapplikation geeignete Gegenmassnahmen.

In schweren Fällen kann die Heparinwirkung durch langsame i.v. Infusion von Protaminhydrochlorid neutralisiert werden, wobei 1 mg Protaminhydrochlorid etwa 80–120 I.E. Heparin neutralisiert.

Bei unbekanntem Ausmass der Heparinüberdosierung wird empfohlen, zu Anfang nicht mehr als 1’000 I.E. Protamin zu verabreichen und die Verabreichung nur so lange fortzusetzen, bis die Thrombinzeit wieder normalisiert ist, um einen Überschuss an Protamin zu vermeiden.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: B01AB01

Wirkungsmechanismus

Heparin besteht aus einer Mischung von Polyschwefelsäureestern eines Mucopolysaccharides. Aufgrund der zahlreichen Sulfat- und Carboxylgruppen reagiert Heparin im wässrigen Milieu sauer.

In Anwesenheit von Antithrombin entwickelt Heparin seine antikoagulatorische Wirkung. Der Heparin-Antithrombin-Komplex (in vivo und in vitro) inaktiviert die aktivierten Gerinnungsfaktoren IX, X, XI und XII und verhindert dadurch die Thrombinbildung. In hohen Konzentrationen hemmt Heparin ferner die Plättchenaggregation.

Geringe Dosen von Heparin steigern die Aktivität von Antithrombin III, im Besonderen gegen die Faktoren X und II. Hieraus resultiert die Anwendung von Heparin im Rahmen der sogenannten «low-dose»-Heparinisierung.

Heparin weist zudem eine entzündungshemmende Wirkung auf und greift durch Aktivierung der Lipoproteinase in den Lipidstoffwechsel ein.

Wegen seiner ausgeprägten Polarität und seiner grossen Molmasse vermag Heparin nur sehr schwer Membranen (insbesondere die Mucosa des Gastro-Intestinal-Traktes) zu passieren. Um eine Gerinnungshemmung mit Heparin zu erzielen, ist deshalb eine parenterale Applikation erforderlich.

Pharmakokinetik

Absorption

Heparin wird oral nicht resorbiert, nach subcutaner Injektion hingegen wird es gut absorbiert.

Distribution

Heparin weist eine hohe Eiweissbindung auf.

Heparin passiert weder die Plazentaschranke noch tritt es in die Muttermilch über.

Metabolismus

Heparin wird in der Niere desulfatisiert und depolymerisiert und zum Teil in der Leber durch Heparinasen gespalten.

Elimination

Heparin wird teilweise im Körper abgebaut, teilweise tubulär durch die Nieren sezerniert. Die Plasmahalbwertszeit von Heparin variiert zwischen 1 Stunde (100 I.E./kg) und 2,5 Stunden (400 I.E./kg). Sie nimmt mit steigender Dosis zu.

Kinetik spezieller Patientengruppen

Eine starke Funktionseinschränkung von Leber und Nieren kann zu einer Kumulation von Heparin führen.

Präklinische Daten

Es liegen keine für die Verwendung des Präparates relevanten präklinischen Daten vor.

Sonstige Hinweise

Inkompatibilitäten

Da keine entsprechenden Studien durchgeführt wurden, darf dieses Arzneimittel nicht mit anderen Arzneimitteln gemischt werden.

Beeinflussung diagnostischer Methoden

Unter Heparin können folgende klinisch-chemische Untersuchungen verfälscht werden.

Messung der Prothrombinzeit (Verlängerung).

Messung der Cholesterinämie (Vortäuschung zu niedriger Werte).

Messung der T3- und T4-Werte (Vortäuschung zu hoher Werte).

Messung der Glycämie (Vortäuschung zu hoher Werte).

Bromosulphthalein-Test.

Haltbarkeit

Das Medikament darf nur bis zu dem auf dem Behälter mit «EXP» bezeichneten Datum verwendet werden.

Die Zubereitung enthält kein Konservierungsmittel und ist aus mikrobiologischen Gründen unmittelbar nach Anbruch zu verwenden.

Besondere Lagerungshinweise

Bei Raumtemperatur (15–25 °C) vor Licht geschützt aufbewahren. Für Kinder unerreichbar aufbewahren.

Hinweise für die Handhabung

Im Behälter verbleibende Restlösungen sind zu verwerfen.

Zulassungsnummer

46240 (Swissmedic).

Zulassungsinhaberin

Grosse Apotheke Dr. G. Bichsel AG, 3800 Interlaken.

Stand der Information

Oktober 2011.

Verwendung dieser Informationen

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